Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Aktion Kornblume
Grenze & TeilungAuch: Aktion Kornblume, Aktion Festigung, Aktion Neues Leben
Zweite Welle von Zwangsaussiedlungen im Oktober 1961, nach dem Mauerbau.
Ausführlich
Nach dem 13. August 1961 folgte die Abriegelung der Landgrenze. Erneut wurden Familien aus dem Grenzgebiet zwangsweise ins Landesinnere umgesiedelt, regional unter wechselnden Decknamen — „Aktion Festigung“, „Aktion Neues Leben“, „Aktion Kornblume“. Die Betroffenen verloren Haus, Hof und soziales Umfeld; eine Entschädigung gab es nicht, eine öffentliche Aufarbeitung erst nach 1990. Die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt den Vorgang treffend „den totgeschwiegenen Terror“.
Siehe auch: Aktion Ungeziefer, Sperrgebiet, Innerdeutsche Grenze
Quelle: www.pointalpha.com
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Aktion Ungeziefer
Grenze & TeilungAuch: Aktion Ungeziefer, „Aktion X“, Zwangsaussiedlung 1952
Zwangsaussiedlung von Grenzbewohnern durch die DDR im Mai/Juni 1952 — der Deckname stammt aus internen Akten.
Ausführlich
Wer im Sperrgebiet als „politisch unzuverlässig“ galt, wurde binnen Stunden ins Landesinnere verbracht: Westkontakte, Kirchgang, frühere NSDAP-Mitgliedschaft, nicht erfülltes Ablieferungssoll oder offene Kritik genügten, die Auswahl war oft willkürlich. Der thüringische Innenminister sprach in interner Korrespondenz von der „Beseitigung des Ungeziefers“ — daher der Name, den die Forschung übernommen hat. Es ist die entmenschlichende Sprache selbst, die den Vorgang dokumentiert.
Siehe auch: Aktion Kornblume, Sperrgebiet, Innerdeutsche Grenze
Quelle: dewiki.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Allendorfer Windofen
SalinentechnikAuch: Windofen, verballhornt „Eindorfer Windofen“ (falsch)
Siedeofen mit aufgesetztem Kamin, der durch stärkeren Zug die Verbrennung von Braunkohle ermöglichte.
Ausführlich
Rohe Braunkohle brennt in einem offenen, zugarmen Holzfeuerherd schlecht — sie braucht kräftigen Luftüberschuss. Genau den liefert ein Kamin über dem Herd: Der Zug saugt Luft ins Feuer, die Verbrennungstemperatur steigt. Rhenanus' Versuchs-Siedehütte schaffte damit 140 Pfannen Salz im Jahr, während konventionelle Hütten nur 90 bis 95 erreichten — faktisch ein Vergleichsexperiment im Produktionsmaßstab. Wichtige Einschränkung: Die Sache ist technisch stimmig und gut belegt, der Name „Allendorfer Windofen“ jedoch nur in Wikipedia und hessischer Lokalpublizistik, nicht in der montanhistorischen Fachliteratur.
Siehe auch: Salzsieden, Siedepfanne, Johannes Rhenanus
Quelle: www.deutsche-biographie.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Amt
Stadt & VerfassungAuch: Amt, Ambt, Amtsbezirk, Gericht
Territoriale Verwaltungs- und Gerichtseinheit unterhalb der Landesebene, geleitet von einem Amtmann.
Ausführlich
Das Amt ist die Grundzelle frühneuzeitlicher Landesverwaltung: Es bündelt Gerichtsbarkeit, Steuererhebung, Polizei und Aufsicht über die Dörfer eines Bezirks. Sitz war meist eine Burg oder ein Amtshaus. Ämter sind für Familienforschung und Ortsgeschichte zentral, weil Akten nach Ämtern abgelegt wurden — wer nicht weiß, zu welchem Amt ein Dorf gehörte, findet seine Quellen nicht. Im 19. Jahrhundert lösten Kreise die Ämter ab.
Siehe auch: Amtmann, Rentmeister, Landgrafschaft, Gemarkung
Quelle: de.wikipedia.org
Amtmann
Personen & ÄmterAuch: Amtmann, Ambtmann, Vogt, advocatus
Leiter eines landesherrlichen Amts — Verwalter, Richter und Steuereinnehmer in einer Person.
Ausführlich
Der Amtmann ist der verlängerte Arm des Landesherrn im Bezirk: Er übt niedere Gerichtsbarkeit aus, treibt Abgaben ein, verwaltet landesherrliche Güter, organisiert Musterungen und meldet nach oben. Bis in die Frühe Neuzeit war das Amt häufig adligen Familien vorbehalten und teils verpfändet; erst mit dem Aufkommen studierter Beamter wandelte es sich zum Berufsamt. Der Amtmann ist damit eine Schlüsselfigur beim Übergang von Personenverbands- zu Behördenherrschaft.
Siehe auch: Amt, Rentmeister, Schultheiß, Landgraf
Quelle: www.lagis-hessen.de
Aräometer
SalinentechnikAuch: Solewaage, Salzwaage, Senkwaage, Grad Baumé (°Bé)
Schwimmkörper zur Dichtemessung; in der Saline als Solewaage zur Bestimmung des Salzgehalts eingesetzt.
Ausführlich
Ein Aräometer schwimmt umso höher, je dichter die Flüssigkeit ist — an der Eintauchmarke lässt sich der Salzgehalt ablesen. In Salinen hieß das Gerät schlicht Solewaage oder Salzwaage. Die gebräuchliche Skala ist Grad Baumé, eine reine Dichteskala, die vor der Durchsetzung der Prozentangabe Standard war. Wichtig für das Verständnis alter Quellen: „Grad“ in Salinentexten meint fast nie Temperatur, sondern Konzentration.
Siehe auch: Salzgehalt, Gradierung
Quelle: de.wikipedia.org
Balneologie
Kur & MedizinAuch: Balneologie, Bäderkunde, Balneotherapie
Die medizinische Lehre von Heilbädern und Heilwässern — wissenschaftliche Grundlage des Kurwesens.
Ausführlich
Die Balneologie untersucht Zusammensetzung und Wirkung von Heilwässern, Peloiden und Heilgasen und definiert, welche Indikationen sich damit behandeln lassen. Sie ist die Disziplin, die im 19. Jahrhundert aus einer Tradition ein Fach machte: Erst durch chemische Analyse und ärztliche Systematik wurde aus dem Badeort ein Heilbad. Bis heute liefert sie die Maßstäbe, an denen Prädikate vergeben und überprüft werden.
Siehe auch: Heilbad, Prädikat, Trinkkur, Solebad
Quelle: de.wikipedia.org
Bergmeister
Personen & ÄmterAuch: Bergmeister, Bergvogt, Berghauptmann (übergeordnet)
Leitender Bergbeamter eines Bergreviers — zuständig für Aufsicht, Vermessung, Verleihung und Bergrecht.
Ausführlich
Der Bergmeister vertritt das Bergregal vor Ort: Er verleiht Gruben, vermisst Felder, überwacht Sicherheit und Abgaben und spricht in Bergsachen Recht. Da Salinen rechtlich dem Bergwesen zugeordnet waren, ist die Bergverwaltung auch für Salzwerke zuständig. Die hessische Bergbehörde ist eine der ältesten Deutschlands — und ihr Ausgangspunkt liegt in Sooden.
Siehe auch: Bergordnung, Salzregal, Salzgraf, Salinist
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Bergordnung
Salzhandel & RechtAuch: Bergordnung, Salzwerksordnung, Ämter- und Dienerordnung
Landesherrliche Verordnung, die Gewinnung, Abgaben und Betriebsablauf eines Berg- oder Salzwerks regelt.
Ausführlich
Bergordnungen sind die frühen Betriebsverfassungen des Montanwesens: Sie legen fest, wer schürfen darf, wie Anteile vererbt werden, welche Abgaben fällig sind, wer Aufsicht führt und wie Streit geschlichtet wird. Sie sind zugleich Wirtschafts-, Arbeits- und Steuerrecht in einem. Für die Rechtsgeschichte sind sie besonders wertvoll, weil sie Zustände beschreiben, die sonst nirgends aufgeschrieben wurden.
In der Salzbibel: Die Bergordnung Landgraf Heinrichs I. vom 1. Mai 1300 ist die älteste Urkunde, die Rhenanus abschreibt (Bd. 1, S. 91 ff.). Bd. 1, S. 91
Siehe auch: Salzregal, Pfännerschaft, Salzgraf, Privileg
Quelle: www.lagis-hessen.de
Bildersturm
Kirche & ReligionAuch: Bildersturm, Ikonoklasmus, Bilderabtuung
Entfernung oder Zerstörung von Bildern und Figuren aus Kirchen aus theologischen Gründen.
Ausführlich
Der Bildersturm folgt aus dem reformierten Verständnis des Bilderverbots: Was zur Anbetung verleiten könnte, hat im Kirchenraum nichts zu suchen. Die Durchführung reichte von geordneter obrigkeitlicher Räumung bis zu spontaner Zerstörung — beides wird unter demselben Wort zusammengefasst, obwohl es sehr verschiedene Vorgänge sind. Kunsthistorisch ist der Verlust enorm; für die Ortsgeschichte ist der Bildersturm oft der einzige Moment, in dem die alte Ausstattung überhaupt erwähnt wird.
Siehe auch: Verbesserungspunkte, Calvinismus, Epitaph, Hallenkirche
Quelle: www.ev-kirche-bsa.de
Bohrgestänge
SalinentechnikAuch: Gestänge, Kunstgestänge, Feldgestänge, Bohrgezeug
Die zusammengeschraubte Stangenkette, die den Meißel bis auf die Bohrsohle bringt.
Ausführlich
Das Gestänge ist beim Stoßbohren zugleich Werkzeugträger und Kraftüberträger: Es wird angehoben, fallen gelassen und dabei ein Stück gedreht, damit der Meißel nicht dieselbe Rille schlägt. Mit jedem Meter Tiefe kommt ein Schuss dazu und das Gewicht wächst — deshalb sind Gestängebruch und Fischen verlorener Teile die klassischen Probleme des Tiefbohrens. Der Begriff wird auch für die Kunstgestänge der Bergwerke verwendet, die Kraft vom Wasserrad zur Pumpe übertragen; im Salinenkontext ist beides gemeint.
Siehe auch: Solebohrung, Bohrturm, Kunstgezeug
Quelle: de.wikipedia.org
Bohrturm
SalinentechnikAuch: Bohrgerüst, Bohrturm, Schachtturm
Hölzernes Gerüst über einer Bohrstelle, das Gestänge und Seilzug trägt.
Ausführlich
Der Bohrturm ist kein Selbstzweck, sondern die Konsequenz aus der Länge des Bohrgestänges: Um Meißel und Rohre ziehen und wieder einlassen zu können, braucht man Höhe über dem Bohrloch. Bei Tiefen von mehreren hundert Metern wird das Gestänge zu einer Last von Tonnen, die nur über Flaschenzug und Windwerk beherrschbar ist. Die frühen Türme waren Holzkonstruktionen, konstruktiv den Fördergerüsten des Bergbaus verwandt.
Siehe auch: Solebohrung, Bohrgestänge, Reservoir
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Brakteat
Stadt & VerfassungAuch: Brakteat, Hohlpfennig, Blechpfennig
Einseitig geprägte, hauchdünne Silbermünze des Hochmittelalters — typisch für Mitteldeutschland.
Ausführlich
Brakteaten wurden aus einem so dünnen Schrötling geprägt, dass das Bild der Vorderseite auf der Rückseite negativ durchscheint — daher „Hohlpfennig“. Sie sind zerbrechlich, wurden regional oft jährlich verrufen und umgetauscht, was dem Münzherrn Gewinn brachte. Für Historiker sind sie Goldgruben: Ihre Bilder zeigen Herrscher, Wappen und Bauwerke und damit das Selbstbild der prägenden Stadt oder Herrschaft.
Siehe auch: Münzstätte, Marktrecht
Quelle: www.lagis-hessen.de
Brandschatzung
Stadt & VerfassungAuch: Brandschatzung, Brandschatz, Schutzgeld, Salvaguardia (Gegenstück)
Erpressung von Schutzgeld unter Androhung, den Ort niederzubrennen — zahlt er nicht, brennt er.
Ausführlich
Brandschatzung ist im Dreißigjährigen Krieg ein reguliertes Erpressungsverfahren: Truppen fordern eine Summe, die Stadt zahlt, dafür bleibt sie verschont. Das Wort ist bis heute in „brandschatzen“ erhalten, hat aber seinen präzisen Sinn verloren — es meint nicht Plündern, sondern die Ablösesumme für das Nichtanzünden. Das Verfahren war so verbreitet, dass Städte eigene Kassen dafür führten. War die Kasse leer, wurde die Drohung vollstreckt.
Siehe auch: Kontribution, Kroaten, Reichsexekution
Quelle: www.heimatkunde-bsa.de
Briquetage
SalinentechnikAuch: Briquetage, Salzsiedekeramik, Brikettage
Vor- und frühgeschichtliche Salzgewinnung in Tongefäßen, die zum Bergen des Salzkuchens zerschlagen wurden.
Ausführlich
Lange vor Metallpfannen wurde Sole in grobkeramischen Gefäßen über offenem Feuer eingedampft. Die Gefäße standen auf Tonstützen im Feuer; war das Salz auskristallisiert, zerschlug man sie, um den Salzkuchen zu bergen. Die Scherbenberge sind der archäologische Leitbefund: Wo Briquetage-Keramik in Massen liegt, wurde Salz produziert. Der Begriff stammt aus der französischen Archäologie und bezeichnet sowohl die Technik als auch das Fundmaterial.
Siehe auch: Salzsieden, Siedepfanne, Solequelle
Quelle: www.archaeologie-online.de
Buntsandstein
Geologie & NaturAuch: Buntsandstein, Bunter Sandstein, Trias
Rotbraune Sandsteinfolge der Trias; das landschaftsprägende und wichtigste Baugestein der Region.
Ausführlich
Der Buntsandstein liegt über dem Zechstein und bildet die bewaldeten Höhen und die typischen roten Steilhänge des Werraberglands. Er ist gut zu brechen und zu bearbeiten und daher seit Jahrhunderten der Baustein der Region — für Kirchen, Tore, Portale, Sockel und Brücken. Wer die Farbe der alten Bauteile eines Ortes erklären will, muss über den Buntsandstein sprechen.
Siehe auch: Muschelkalk, Zechstein, Karst
Quelle: heimatkunde-bsa.de
Burgmann
Stadt & VerfassungAuch: Burgmann, Burgmanne, castrensis, Burgmannenhof
Adliger, der gegen Lehen zum Dienst auf einer Burg verpflichtet war und in einem eigenen Hof in der Stadt wohnte.
Ausführlich
Burgmannen sind eine eigene soziale Schicht zwischen Ritterschaft und Stadtbürgertum: Sie schulden Burghut — militärische Präsenz und Verteidigung —, erhalten dafür ein Burglehen und wohnen in befestigten Höfen, die rechtlich oft nicht dem Stadtrecht unterlagen. Genau daraus entstanden häufig Konflikte mit der Bürgerschaft. Burgmannenhöfe sind archäologisch und baugeschichtlich gut erkennbar und verraten viel über die Machtverteilung in einer Stadt.
Siehe auch: Landgraf, Stadtrecht, Amt
Quelle: www.lagis-hessen.de
Calvinismus
Kirche & ReligionAuch: reformiertes Bekenntnis, reformiert, Calvinismus, Kryptocalvinismus (polemisch)
Die auf Calvin zurückgehende reformierte Konfession; in Hessen-Kassel ab 1605 Staatsbekenntnis.
Ausführlich
Reformierte unterscheiden sich von Lutheranern vor allem im Abendmahlsverständnis, in der strikten Ablehnung von Bildern im Kirchenraum und in der presbyterialen Gemeindeordnung. Für eine Gemeinde bedeutete der Wechsel deshalb nicht nur eine andere Lehre, sondern einen sichtbar veränderten Kirchenraum: Altäre, Bilder und Figuren verschwanden. Der Begriff „Calvinismus“ war zeitgenössisch oft polemisch gemeint; die Selbstbezeichnung lautet „reformiert“.
Siehe auch: Verbesserungspunkte, Bildersturm, Reformation
Quelle: de.wikipedia.org
Deputat
Salzhandel & RechtAuch: Deputat, Deputatsalz, Naturalbezug, Emolument
Naturalleistung als Teil der Entlohnung — im Salinenwesen typischerweise eine feste Menge Salz oder Brennstoff.
Ausführlich
Deputate sind Sachbezüge: Salz, Holz, Kohle, Korn. In einer Wirtschaft mit knappem Bargeld und schwankender Münze waren sie oft wertstabiler als Lohn. Für Salinenbedienstete war das Salzdeputat zugleich Statuszeichen und Versorgung — und ein bekanntes Einfallstor für Schmuggel, weil deputiertes Salz unversteuert war. Der Begriff hat sich bis ins 20. Jahrhundert im Bergbau gehalten (Deputatkohle).
Siehe auch: Salzmonopol, Salzmagazin, Salzknecht
Quelle: de.wikipedia.org
Dornstein
SalinentechnikAuch: Gradierstein, Dornsteinkruste
Grau-braune Kruste aus Kalk und Gips, die sich am Gradierreisig absetzt — Abfall und Reinigungseffekt zugleich.
Ausführlich
Beim Herabrieseln gibt die Sole nicht nur Wasser ab, sondern verliert auch ihre unerwünschten Begleitstoffe: Calciumcarbonat und Gips verkrusten im Reisig als Dornstein. Die Dorngradierung ist damit gleichzeitig Konzentrations- und Reinigungsverfahren — das ist der eigentliche Grund für ihren Siegeszug. Nach etwa drei Jahren haben die Ablagerungen eine gleichmäßige Rieselfläche aufgebaut; danach wird die Fläche so glatt, dass die Sole zu schnell abläuft und das Reisig erneuert werden muss.
In der Salzbibel: Das Wort kennt die Salzbibel nicht — sie kennt keinen Dorn. Was sich in der Pfanne ansetzt, heißt bei ihr Scheiben: „Ist die Masse, die sich beim Sieden an die Pfanne hängt und hart anbrennt“. Bd. 2, S. 553
Siehe auch: Schwarzdorn, Dornwerk, Pfannenstein
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Dornwerk
SalinentechnikAuch: Dorngradierwerk, Schwarzdorngradierung
Kurzform für Dorngradierwerk — ein Gradierwerk mit Schwarzdornreisig statt Stroh.
Ausführlich
Als Ende des 17. Jahrhunderts Stroh durch Schwarzdornreisig ersetzt wurde, sprach man vom Dorngradierwerk oder verkürzt vom Dornwerk. Der Unterschied ist keine Kleinigkeit: Dorn hält Jahrzehnte statt Monate, bricht den Solestrahl vielfach und liefert eine konzentriertere und reinere Sole. Die Umstellung markiert den Übergang von der Behelfslösung zur dauerhaften Industrieanlage. Regional wird „Dornwerk“ unterschiedlich häufig verwendet; „Gradierwerk“ ist der überregional übliche Terminus.
Siehe auch: Gradierwerk, Schwarzdorn, Dornstein, Leckwerk
Quelle: de.wikipedia.org
Dreißigjähriger Krieg
Krieg & MilitärAuch: Dreißigjähriger Krieg, Der große Krieg, 1618–1648
Europäischer Krieg 1618–1648, der Mitteleuropa demografisch und wirtschaftlich für Generationen zurückwarf.
Ausführlich
Was als böhmischer Ständeaufstand begann, wurde zum Machtkampf um die Verfassung des Reichs und die Vormacht in Europa. Für die Bevölkerung zählte weniger die große Politik als die Mechanik der Kriegsführung: Truppen ernährten sich aus dem Land, das sie durchzogen, und finanzierten sich durch Kontribution und Brandschatzung. Pest und Hunger folgten den Heeren. Viele Orte brauchten mehr als ein Jahrhundert, um ihre Vorkriegsgröße wieder zu erreichen.
Siehe auch: Reichsexekution, Brandschatzung, Kroaten, Westfälischer Friede
Quelle: www.heimatkunde-bsa.de
Dröppeln
SalinentechnikAuch: dröppeln, tröpfeln, gradieren
Ortsüblicher Soodener Ausdruck für das Gradieren — das Tropfen der Sole über die Reisigwände.
Ausführlich
„Dröppeln“ ist niederdeutsch-hessisch für tropfen. Der Begriff beschreibt das Verfahren aus der Perspektive dessen, der danebensteht: Man hörte das Gradierwerk, bevor man es verstand. In der lokalen Überlieferung ist „Dröppeln“ der geläufigere Ausdruck als das amtliche „Gradieren“. Ein schönes Beispiel dafür, wie technische Verfahren im Alltag ihren eigenen Namen bekommen.
Siehe auch: Gradierung, Gradierwerk
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Epitaph
Kirche & ReligionAuch: Epitaph, Epitaphium, Gedächtnismal, Grabdenkmal
Gedenktafel oder Denkmal für einen Verstorbenen an Kirchenwand oder Pfeiler — nicht identisch mit dem Grabstein.
Ausführlich
Ein Epitaph steht nicht über dem Grab, sondern erinnert an anderer Stelle an den Toten; Begräbnisort und Gedenkort fallen bewusst auseinander. Frühneuzeitliche Epitaphien sind kunstvoll gestaltet, mit Wappen, Inschrift und oft dem Bildnis des Verstorbenen samt Familie. Für die Ortsgeschichte sind sie erstklassige Quellen: Sie nennen Namen, Ämter, Daten und Verwandtschaften der lokalen Oberschicht — häufig die einzigen erhaltenen Angaben, wenn das Stadtarchiv verbrannt ist.
Siehe auch: Hallenkirche, Pfarrherr, Bildersturm
Quelle: sakral.heimatkunde-bsa.de
Erbpacht
Salzhandel & RechtAuch: Erbleihe, Erbzins, Erbbestand, ewige Pacht
Vererbliches, dauerhaftes Nutzungsrecht an fremdem Grund gegen festen Zins — Nutzung ohne Eigentum.
Ausführlich
Bei der Erbpacht bleibt das Obereigentum beim Verpächter, das Nutzungsrecht geht dauerhaft und vererblich an den Pächter. Der Reiz für beide Seiten liegt in der Planbarkeit, die Falle im festen Zins: Bei Geldentwertung verliert der Verpächter real, bei Wertsteigerung der Pächter. Die Soodener „Ewige Lokation“ von 1586 ist eine solche Dauerkonstruktion — nur mit vertauschten Rollen, denn hier verpachteten die Bürger an den Fürsten.
Siehe auch: Lokation, Privileg, Deputat
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
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