Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Allendorfer Windofen
SalinentechnikAuch: Windofen, verballhornt „Eindorfer Windofen“ (falsch)
Siedeofen mit aufgesetztem Kamin, der durch stärkeren Zug die Verbrennung von Braunkohle ermöglichte.
Ausführlich
Rohe Braunkohle brennt in einem offenen, zugarmen Holzfeuerherd schlecht — sie braucht kräftigen Luftüberschuss. Genau den liefert ein Kamin über dem Herd: Der Zug saugt Luft ins Feuer, die Verbrennungstemperatur steigt. Rhenanus' Versuchs-Siedehütte schaffte damit 140 Pfannen Salz im Jahr, während konventionelle Hütten nur 90 bis 95 erreichten — faktisch ein Vergleichsexperiment im Produktionsmaßstab. Wichtige Einschränkung: Die Sache ist technisch stimmig und gut belegt, der Name „Allendorfer Windofen“ jedoch nur in Wikipedia und hessischer Lokalpublizistik, nicht in der montanhistorischen Fachliteratur.
Siehe auch: Salzsieden, Siedepfanne, Johannes Rhenanus
Quelle: www.deutsche-biographie.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Aräometer
SalinentechnikAuch: Solewaage, Salzwaage, Senkwaage, Grad Baumé (°Bé)
Schwimmkörper zur Dichtemessung; in der Saline als Solewaage zur Bestimmung des Salzgehalts eingesetzt.
Ausführlich
Ein Aräometer schwimmt umso höher, je dichter die Flüssigkeit ist — an der Eintauchmarke lässt sich der Salzgehalt ablesen. In Salinen hieß das Gerät schlicht Solewaage oder Salzwaage. Die gebräuchliche Skala ist Grad Baumé, eine reine Dichteskala, die vor der Durchsetzung der Prozentangabe Standard war. Wichtig für das Verständnis alter Quellen: „Grad“ in Salinentexten meint fast nie Temperatur, sondern Konzentration.
Siehe auch: Salzgehalt, Gradierung
Quelle: de.wikipedia.org
Bohrgestänge
SalinentechnikAuch: Gestänge, Kunstgestänge, Feldgestänge, Bohrgezeug
Die zusammengeschraubte Stangenkette, die den Meißel bis auf die Bohrsohle bringt.
Ausführlich
Das Gestänge ist beim Stoßbohren zugleich Werkzeugträger und Kraftüberträger: Es wird angehoben, fallen gelassen und dabei ein Stück gedreht, damit der Meißel nicht dieselbe Rille schlägt. Mit jedem Meter Tiefe kommt ein Schuss dazu und das Gewicht wächst — deshalb sind Gestängebruch und Fischen verlorener Teile die klassischen Probleme des Tiefbohrens. Der Begriff wird auch für die Kunstgestänge der Bergwerke verwendet, die Kraft vom Wasserrad zur Pumpe übertragen; im Salinenkontext ist beides gemeint.
Siehe auch: Solebohrung, Bohrturm, Kunstgezeug
Quelle: de.wikipedia.org
Bohrturm
SalinentechnikAuch: Bohrgerüst, Bohrturm, Schachtturm
Hölzernes Gerüst über einer Bohrstelle, das Gestänge und Seilzug trägt.
Ausführlich
Der Bohrturm ist kein Selbstzweck, sondern die Konsequenz aus der Länge des Bohrgestänges: Um Meißel und Rohre ziehen und wieder einlassen zu können, braucht man Höhe über dem Bohrloch. Bei Tiefen von mehreren hundert Metern wird das Gestänge zu einer Last von Tonnen, die nur über Flaschenzug und Windwerk beherrschbar ist. Die frühen Türme waren Holzkonstruktionen, konstruktiv den Fördergerüsten des Bergbaus verwandt.
Siehe auch: Solebohrung, Bohrgestänge, Reservoir
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Briquetage
SalinentechnikAuch: Briquetage, Salzsiedekeramik, Brikettage
Vor- und frühgeschichtliche Salzgewinnung in Tongefäßen, die zum Bergen des Salzkuchens zerschlagen wurden.
Ausführlich
Lange vor Metallpfannen wurde Sole in grobkeramischen Gefäßen über offenem Feuer eingedampft. Die Gefäße standen auf Tonstützen im Feuer; war das Salz auskristallisiert, zerschlug man sie, um den Salzkuchen zu bergen. Die Scherbenberge sind der archäologische Leitbefund: Wo Briquetage-Keramik in Massen liegt, wurde Salz produziert. Der Begriff stammt aus der französischen Archäologie und bezeichnet sowohl die Technik als auch das Fundmaterial.
Siehe auch: Salzsieden, Siedepfanne, Solequelle
Quelle: www.archaeologie-online.de
Dornstein
SalinentechnikAuch: Gradierstein, Dornsteinkruste
Grau-braune Kruste aus Kalk und Gips, die sich am Gradierreisig absetzt — Abfall und Reinigungseffekt zugleich.
Ausführlich
Beim Herabrieseln gibt die Sole nicht nur Wasser ab, sondern verliert auch ihre unerwünschten Begleitstoffe: Calciumcarbonat und Gips verkrusten im Reisig als Dornstein. Die Dorngradierung ist damit gleichzeitig Konzentrations- und Reinigungsverfahren — das ist der eigentliche Grund für ihren Siegeszug. Nach etwa drei Jahren haben die Ablagerungen eine gleichmäßige Rieselfläche aufgebaut; danach wird die Fläche so glatt, dass die Sole zu schnell abläuft und das Reisig erneuert werden muss.
In der Salzbibel: Das Wort kennt die Salzbibel nicht — sie kennt keinen Dorn. Was sich in der Pfanne ansetzt, heißt bei ihr Scheiben: „Ist die Masse, die sich beim Sieden an die Pfanne hängt und hart anbrennt“. Bd. 2, S. 553
Siehe auch: Schwarzdorn, Dornwerk, Pfannenstein
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Dornwerk
SalinentechnikAuch: Dorngradierwerk, Schwarzdorngradierung
Kurzform für Dorngradierwerk — ein Gradierwerk mit Schwarzdornreisig statt Stroh.
Ausführlich
Als Ende des 17. Jahrhunderts Stroh durch Schwarzdornreisig ersetzt wurde, sprach man vom Dorngradierwerk oder verkürzt vom Dornwerk. Der Unterschied ist keine Kleinigkeit: Dorn hält Jahrzehnte statt Monate, bricht den Solestrahl vielfach und liefert eine konzentriertere und reinere Sole. Die Umstellung markiert den Übergang von der Behelfslösung zur dauerhaften Industrieanlage. Regional wird „Dornwerk“ unterschiedlich häufig verwendet; „Gradierwerk“ ist der überregional übliche Terminus.
Siehe auch: Gradierwerk, Schwarzdorn, Dornstein, Leckwerk
Quelle: de.wikipedia.org
Dröppeln
SalinentechnikAuch: dröppeln, tröpfeln, gradieren
Ortsüblicher Soodener Ausdruck für das Gradieren — das Tropfen der Sole über die Reisigwände.
Ausführlich
„Dröppeln“ ist niederdeutsch-hessisch für tropfen. Der Begriff beschreibt das Verfahren aus der Perspektive dessen, der danebensteht: Man hörte das Gradierwerk, bevor man es verstand. In der lokalen Überlieferung ist „Dröppeln“ der geläufigere Ausdruck als das amtliche „Gradieren“. Ein schönes Beispiel dafür, wie technische Verfahren im Alltag ihren eigenen Namen bekommen.
Siehe auch: Gradierung, Gradierwerk
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Fürsten-Soth
SalinentechnikAuch: Fürstensoth, Fürsten-Soth, fürstlicher Soth
Der 1538 von Landgraf Philipp errichtete landesherrliche Siedebetrieb mit 40 eigenen Koten neben den 42 der Pfänner.
Ausführlich
1538 beanspruchte Landgraf Philipp das Salzregal für sich und baute einen eigenen Betrieb — nicht als Ergänzung, sondern als Konkurrenz. Beide Betriebe zogen aus derselben, mengenmäßig begrenzten Solequelle; den Pfännern wurde damit faktisch die halbe Rohstoffbasis entzogen. Der Fürsten-Soth ist der Kipppunkt der Soodener Wirtschaftsgeschichte: Von hier führt der Weg direkt zu den Lokationen von 1540, 1554 und 1586, mit denen die Bürger ihre Produktionsmittel verloren.
In der Salzbibel: Die 43 Siedehäuser des Landgrafen: „Seiner Fürstlichen Gnaden“ „Bothe sind von der Zahl 43; 20 davon sind zum Steinkohlensieden hergerichtet.“ Bd. 2, S. 519, 521
Siehe auch: Soth, Lokation, Salzregal, Pfännerschaft
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Gesöde
SalinentechnikAuch: Gesöd, Sod, Sott
Historischer Ausdruck für einen Siedegang bzw. die daraus gewonnene Salzmenge.
unsicher Die Definition ließ sich nicht belastbar sichern.
Ausführlich
In der älteren Salinensprache begegnet „Gesöde“ als Sammelbegriff für das Sieden beziehungsweise für die Ausbeute eines Siedegangs; in Lüneburg und anderen norddeutschen Salinen ist eine ähnliche Verwendung als Betriebs- oder Mengeneinheit überliefert. Eine belastbare Definition ließ sich online nicht sichern, und die regionale Verwendung schwankt erheblich. Für Bad Sooden-Allendorf konnte kein eigener Beleg gefunden werden. Vor einer Verwendung auf der Website sollte in gedruckter Salinenliteratur nachgeschlagen werden.
In der Salzbibel: Hier weicht das Glossar des Holzvogts von der Vermutung oben ab. Gesöde ist in Sooden nicht der Siedevorgang, sondern der gemauerte Unterbau, auf dem die Pfanne steht: „Das Vorderteil heißt der Vorofen, das Hinterteil der Hinterofen, dazu beide Seitenwände. Der Grund, auf dem das Feuer gemacht wird, ist der Herd; die vier Ecken sind die Hörner.“ Ein neues Gesöde kostet 2 Gulden; jede Woche wird ein Teil abgebrochen und aus Schlotter und Sole erneuert. Bd. 2, S. 508, 509, 516
Siehe auch: Salzsieden, Siedepfanne, Kote
Gradierung
SalinentechnikAuch: Dröppeln (ortsüblich in Sooden), Gradieren, Vorkonzentration
Das Verfahren, den Salzgehalt einer Sole durch Verdunstung an Luft zu erhöhen — vor dem eigentlichen Sieden.
Ausführlich
Gradieren heißt: den Salzgehalt einer Sole steigern, ohne zu heizen. Der Name kommt vom Fachwort „Grad“ für den mit einer Solewaage gemessenen Salzgehalt. Technikgeschichtlich ist die Gradierung eine gestaffelte Innovation über gut 200 Jahre — Kastengradierung, dann Leckwerk mit Strohbüscheln im 16. Jahrhundert, dann Strohwände im 17., schließlich Schwarzdornwände und Hochbauten mit Pumpenantrieb im 18./19. Jahrhundert. Sie ist ausdrücklich eine Erfindung der Standorte mit schwacher Sole; wo die Sole ohnehin fast gesättigt war, lohnte sie nicht.
In der Salzbibel: Rhenanus sah 1568 vor Sulza „etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit“, in denen die Sole über „strohene oder schilfene Matten“ in flache Tröge tropfte — „durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden“. Für Sooden selbst beschreibt die Salzbibel keine Gradierung; vgl. Technik. Bd. 2, S. 790, 791
Siehe auch: Gradierwerk, Leckwerk, Salzgehalt, Aräometer
Quelle: de.wikipedia.org
Gradierwerk
SalinentechnikAuch: Leckwerk (veraltet), Gradierhaus, Dorngradierwerk, Gradieranlage
Hohes Holzgerüst mit Reisigwänden, über das Sole rieselt, um vor dem Sieden Wasser verdunsten zu lassen.
Ausführlich
Ein Gradierwerk ist ein frei stehendes Holzgerüst, dicht gefüllt mit Reisigbündeln aus Schwarzdorn. Von oben rieselt Sole über die Wand nach unten; Wind und Sonne nehmen unterwegs einen erheblichen Teil des Wassers auf. Der Effekt ist rein physikalisch — kein Brennstoff, nur Zeit, Fläche und Wetter. Weil die Sole schwach war, ließ man sie in Sooden bis zu siebenmal über die Werke laufen. Was oben eintrat, verließ das Werk unten deutlich konzentrierter und zugleich sauberer.
Siehe auch: Gradierung, Schwarzdorn, Dornstein, Leckwerk, Freiluft-Inhalatorium
Quelle: de.wikipedia.org
Kote
SalinentechnikAuch: Kot, Koth, Kothe, Siedekot, Salzkot, Plural: Koten
Soodener Wort für eine einzelne Siedestätte samt Pfanne, Herd, Gebäude und dem Recht, dort zu sieden.
Ausführlich
Eine Kote ist mehr als ein Haus — sie ist eine Rechtseinheit. Wer eine Kote besaß, besaß einen Anteil an der Sole und damit an der Salzproduktion. Genau deshalb sind Koten zählbar und verhandelbar: 42 bürgerliche, 40 fürstliche, 44 verpachtete. Die Schreibweisen schwanken stark (Kot, Kote, Kothe, Koth), und der Plural „Koten“ ist die in Sooden übliche Form. Der Pachtzins der 1. Lokation von 1540 wurde pro Kot berechnet: 200 Kammergulden jährlich.
In der Salzbibel: „Kothe. Es sind ihrer im Salzwerk 87. Davon sind unseres gnädigen Fürsten und Herrn — 43“ „und der Pfänner — 44.“ „Ein Bothe ist ungefähr 35 Schuh weit, 49 Schuh lang und 20½ Schuh hoch.“ Ein neues Bothe kostet 77 Gulden 8½ Albus zu bauen, mit aller Ausrüstung 139 Gulden 16 Albus. Bd. 2, S. 518, 519, 521, 580
Siehe auch: Soth, Siedehaus, Pfännerschaft, Lokation
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Kunstgezeug
SalinentechnikAuch: Kunstgezähe, Kunst, Gezeug
Bergmännischer Ausdruck für eine einzelne Maschine oder technische Anlage — „Kunst“ heißt hier Technik, nicht Ästhetik.
Ausführlich
„Kunst“ ist im Bergbau bis ins 19. Jahrhundert das Wort für die Gesamtheit der Maschinen und technischen Anlagen — die deutsche Entsprechung des griechischen techne. Ein Kunstgezeug ist die einzelne Vorrichtung darin: Pumpwerk, Gestänge, Rad. Wer die Quellen liest, sollte diesen Wortsinn kennen, sonst wirken Formulierungen wie „Kunsthaus“ oder „Kunstwärter“ rätselhaft. Der Kunstwärter war schlicht der Maschinist.
Siehe auch: Wasserkunst, Rosskunst, Rollkunst, Salinist
Quelle: de.wikipedia.org
Leckwerk
SalinentechnikAuch: Leckwerck, Strohgradierwerk, Leckwerg
Frühe, kastenartige Bauform des Gradierwerks mit Strohbüscheln — der Vorläufer der späteren Dornwände.
Ausführlich
Das Leckwerk des 16. Jahrhunderts bestand aus kleinen Holzkästen, in die Strohbüschel eingesetzt waren, um die Verdunstungsfläche zu vergrößern. Es ist nicht dasselbe wie ein Dorngradierwerk, auch wenn „Leckwerk“ später als veraltetes Synonym für Gradierwerk weiterlief. Stroh scheiterte auf Dauer: Die Sole lief an den glatten Halmen zu schnell ab, und das Material verrottete und verunreinigte die Sole. Erst hartes Schwarzdornreisig löste beide Probleme.
Siehe auch: Gradierwerk, Schwarzdorn, Gradierung, Johannes Rhenanus
Quelle: www.bergbaumuseum.de
Pfannenstein
SalinentechnikAuch: Pfannstein, Kesselstein, Sudstein
Harte Kruste, die sich beim Sieden in der Pfanne absetzt — überwiegend Gips und Kalk.
Ausführlich
Was die Gradierung nicht aus der Sole geholt hat, landet in der Pfanne: Calciumsulfat und Calciumcarbonat kristallisieren zuerst aus und backen als steinharte Schicht auf dem Pfannenboden fest. Diese Kruste isoliert, verschlechtert den Wärmeübergang und treibt den Brennstoffverbrauch hoch — sie musste regelmäßig abgeschlagen werden, eine der unangenehmsten Arbeiten der Saline. Der Pfannenstein ist das direkte Gegenstück zum Dornstein am Gradierwerk.
In der Salzbibel: In der Salzbibel: Scheiben, dazu „Salzstein oder Salzgrus. Ist das Salz, das sich an die schadhafte Pfanne beim Auslaufen anhängt und hart brennt.“ Bd. 2, S. 551, 553
Siehe auch: Dornstein, Siedepfanne, Salzsieden
Quelle: www.bergbaumuseum.de
Reservoir
SalinentechnikAuch: Sole-Reservoir, Solebehälter, Sammelbecken, Cisterne
Sammelbecken für gradierte Sole zwischen Gradierwerk und Siedehaus.
Ausführlich
Ein Reservoir entkoppelt zwei Prozesse mit ganz unterschiedlichem Rhythmus: Gradieren hängt vom Wetter ab und läuft in Schüben, Sieden soll möglichst gleichmäßig durchlaufen, weil jedes Anheizen Brennstoff kostet. Das Becken puffert diesen Unterschied. Zugleich setzt sich hier Rest-Trübe ab. Ein Reservoir ist damit kein Nebenbau, sondern die Voraussetzung für einen kontinuierlichen Siedebetrieb.
Siehe auch: Gradierwerk, Siedepfanne, Solepumpe
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Rollkunst
SalinentechnikAuch: Wasserrollkunst, Rollkunst
Soodener Bezeichnung für die 1740 eingerichtete wasserradgetriebene Soleförderanlage („Wasserrollkunst“).
unsicher Die Definition ließ sich nicht belastbar sichern.
Ausführlich
Die Wasserrollkunst nutzte Werrawasser zum Antrieb der Soleförderung. Der Namensbestandteil „Roll“ verweist auf die Rollen beziehungsweise Umlenkungen, über die die Kraft vom Wasserrad zu den Pumpen geführt wurde; solche Gestänge- und Rollenzüge waren nötig, weil Rad und Brunnen räumlich getrennt lagen. Sie steht am Ende einer Kette von Antriebsstufen: Hand — Ross (1540) — Wassermaschine (1733) — Wasserrollkunst (1740). hinsichtlich der genauen Konstruktion; die Detailbeschreibung fehlt in den zugänglichen Quellen.
Siehe auch: Wasserkunst, Kunstgezeug, Bohrgestänge, Rosskunst
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Rosskunst
SalinentechnikAuch: Rosskunst, Roßkunst, Pferdegöpel, Göpel
Pferdegöpel als Pumpenantrieb — Pferdekraft ersetzt Menschenkraft bei der Solehebung.
Ausführlich
Bei der Rosskunst laufen Pferde im Kreis um einen Göpel und treiben über Zahnrad und Gestänge die Solepumpen an. Der Vorteil gegenüber Handschöpfung ist enorm, der Nachteil auch: Pferde brauchen Futter, Stallungen und Wechsel, und in einem holzarmen, teuren Umfeld ist jede laufende Betriebskosten-Position kritisch. Die Rosskunst ist deshalb typischerweise eine Zwischenstufe zwischen Muskelkraft und Wasserkraft.
In der Salzbibel: Die Rosskunst des Nürnberger Meisters Jörge Behm förderte ab 1540 „eine Zeit lang mit Pferden die Sole aus dem Salzbrunnen“; 1549 wurde beschlossen, „zur Hebung der Sole Leute und keine Pferde zu gebrauchen“. Vgl. Technik. Bd. 1, S. 813; Bd. 2, S. 105, 158, 227
Siehe auch: Wasserkunst, Kunstgezeug, Solepumpe
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Salzgarten
SalinentechnikAuch: Saline (im romanischen Sinn), Salzgärten, Meersaline
Flache Verdunstungsbecken zur Salzgewinnung aus Meerwasser — an Binnensalinen unüblich.
Ausführlich
Salzgärten sind ein mediterranes und atlantisches Verfahren: Meerwasser wird in flache, durch Dämme geteilte Becken geleitet und allein durch Sonne und Wind eingedampft. Kein Brennstoff, aber viel Fläche und ein zuverlässig trockenes Klima. In Mitteleuropa ist das Verfahren klimatisch chancenlos — deshalb dominieren hier Gradierwerk und Siedepfanne. Der Begriff wird gelegentlich unscharf auch auf Salinenareale übertragen; das ist regional bedingte Begriffsdehnung, nicht Fachsprache.
Siehe auch: Gradierwerk, Salzsieden, Sole
Quelle: www.erih.de
Salzgehalt
SalinentechnikAuch: Grad, Grädigkeit, Solegehalt, Salinität
Anteil gelösten Salzes in der Sole, historisch in „Grad“, heute in Prozent angegeben.
Ausführlich
Der Salzgehalt ist die betriebswirtschaftliche Kernzahl einer Saline, weil er direkt in Brennstoffkosten umschlägt. Im 19. Jahrhundert bezeichnete der Fachbegriff „Grad“ den mit einer Salzwaage bestimmten Gehalt — daher stammt auch das Wort „Gradieren“. Sättigung liegt bei etwa 26 Prozent; Werte um 27 Prozent wurden in Bad Salzungen, Bad Reichenhall und Bad Dürrheim erreicht. Angaben in Grad Baumé sind Dichteangaben und lassen sich in Prozent umrechnen, sind aber nicht dasselbe.
In der Salzbibel: Gemessen wurde er gravimetrisch, als Verhältnis von Salz zu Sole in Lot: „ein Quart Sole 96 Lot gehalten hat, das sind 3 Pfund; die gaben Salz 7 Lot“. Vgl. Maße. Bd. 2, S. 556, 681
Siehe auch: Aräometer, Gradierung, Sole
Quelle: de.wikipedia.org
Salzmagazin
SalinentechnikAuch: Salzhaus, Salzspeicher, Salzmagazin, Salzniederlage
Bewachtes Lagerhaus für fertiges Salz — Puffer zwischen Produktion, Steuer und Verkauf.
Ausführlich
Salz ist ein Monopolgut, und Monopolgüter werden nicht offen gelagert. Das Salzmagazin ist deshalb immer auch eine Zoll- und Kontrolleinrichtung: Hier wurde gewogen, verbucht und versteuert, bevor die Ware an Sälzer und Händler ging. Die Lagerhaltung glich zudem Saisonschwankungen aus, denn gradiert wurde vor allem im Sommer, verkauft ganzjährig.
In der Salzbibel: In der Salzbibel: „Salzkasten. Ist einer im Salzwerk; darin wird das Salz zu der Zeit, wenn es nicht abgeht, aufgemessen.“ Er kostete ohne Holz 984 Gulden 20 Albus 6½ Heller. Bd. 2, S. 549
Siehe auch: Salzmonopol, Salzsteuer, Söder Tor, Sälzer
Quelle: de.wikipedia.org
Salzsieden
SalinentechnikAuch: Versieden, Sieden, Salzsott
Das Eindampfen der Sole über Feuer, bis das Salz auskristallisiert — der älteste und energiehungrigste Teil der Produktion.
Ausführlich
Salzsieden heißt: Wasser wegkochen, bis nur Salz übrig bleibt. Der Prozess ist einfach und maßlos teuer, weil er Brennstoff frisst. Bei fünfprozentiger Rohsole müssen für ein Kilo Salz rund 19 Kilo Wasser verdampft werden — genau deshalb war die Gradierung so wichtig, die einen Großteil dieser Arbeit kostenlos an Wind und Sonne abgab. Der deutsche Salinenbetrieb war bis 1800 einer der größten Waldvernichter überhaupt.
In der Salzbibel: Das Glossar zerlegt das Sieden in Verfahrensschritte mit eigenen Wörtern: feuern, setzen, zulassen, zulegen, Gänse fangen, Streitwerk, Zündsole — erklärt auf der Seite Technik. Bd. 2, S. 503, 555, 577, 578
Siehe auch: Siedepfanne, Siedemeister, Allendorfer Windofen, Gradierung
Quelle: www.bergbaumuseum.de
Salzsole
SalinentechnikAuch: Sole, Soolwasser
Historischer Doppelbegriff für Sole; betont, dass es um Kochsalzlösung geht, nicht um andere Salzlaugen.
Ausführlich
In älteren Salinenordnungen und in der heutigen Kurwerbung steht „Salzsole“ gleichbedeutend für Sole. Fachlich ist der Zusatz redundant, weil Sole ohnehin Kochsalzlösung meint. Sinnvoll wird die Unterscheidung nur dort, wo Kali- oder Magnesiumlaugen im Spiel sind, wie im benachbarten Werra-Kalirevier. Für Bad Sooden-Allendorf meint der Begriff immer die Natriumchlorid-Sole aus dem Zechstein.
Siehe auch: Sole, Kalisalz, Zechstein
Quelle: www.kurkliniken.de
Schwarzdorn
SalinentechnikAuch: Schlehdorn, Schlehe, Dornreisig, Prunus spinosa
Schlehe (Prunus spinosa); ihr hartes, sparriges Reisig ist seit dem 17. Jahrhundert das Standardmaterial der Gradierwände.
Ausführlich
Schwarzdorn ist deshalb ideal, weil er hart, sparrig und beständig ist: Er zerteilt den Solestrahl in unzählige feine Rinnsale und verlängert so die Kontaktzeit mit der Luft. Anders als Stroh verrottet er nicht in der aggressiven Sole. Sein zweiter Vorteil ist chemisch: Kalk und Gips schlagen sich am Reisig nieder statt in der Siedepfanne. Weil die Krusten die Wand mit der Zeit glatt machen, muss das Reisig alle fünf bis zehn Jahre gewechselt werden.
Siehe auch: Dornwerk, Dornstein, Gradierwerk
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
Korrekturen und Ergänzungen zu dieser Seite nimmt das Feedbackformular entgegen; Näheres zur Arbeitsweise steht auf der Seite Editionsgrundsätze.