Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Siedehaus
SalinentechnikAuch: Siedehütte, Kot, Kote, Kothe, Siedekot, Salzkot
Gebäude über Pfanne und Feuerherd; in Sooden fast immer „Kot“ oder „Kote“ genannt.
Ausführlich
Ein Siedehaus umschließt Pfanne, Herd und Arbeitsplatz und führt den Wasserdampf ab — dampfende Dächer waren das Erkennungszeichen jeder Salinenstadt. Im Obergeschoss lagen oft Trockenböden, die die Abwärme des Herdes mitnutzten. In Sooden standen Ende des 15. Jahrhunderts etwa 42 solcher Hütten in einer Reihe entlang der Soleleitung. Der ortsübliche Name ist nicht „Siedehaus“, sondern Kot beziehungsweise Kote.
Siehe auch: Kote, Siedepfanne, Trockenkammer, Salzsieden
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Siedepfanne
SalinentechnikAuch: Pfanne, Salzpfanne, Siedepfanne, Kotpfanne
Große, flache Metallpfanne, in der die gradierte Sole über Feuer zu Salz eingedampft wird.
Ausführlich
Die Siedepfanne ist das Herzstück der Salzgewinnung: breit und flach, damit möglichst viel Oberfläche verdampft, aufgehängt oder aufgemauert über einem Feuerherd. Ihre Größe war zugleich Statussymbol und Kostenfaktor, denn jeder Quadratmeter Pfanne wollte beheizt werden. Historisch waren die Pfannen aus Blei, später aus geschmiedetem Eisenblech. „Pfanne“ wurde außerdem als Mengeneinheit gebraucht: Produktionszahlen wurden in „Pfannen Salz“ gerechnet.
In der Salzbibel: „Eine Pfanne ist weit oder breit — 10 Schuh 7½ Zoll, tief — 11½ Zoll, lang — 12 Schuh 8 Zoll.“ Sie besteht aus 56 Blechen und 12 bis 12½ Borteisen, kostet mit Zubehör 34 Gulden 18 Albus 3 Heller und soll 300 Werke halten. Bd. 2, S. 532, 533, 535
Siehe auch: Salzsieden, Siedehaus, Pfannenstein, Kote
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Sole
SalinentechnikAuch: Salzsole, Salzwasser, Soole, Sohle (falsche, aber verbreitete Schreibung)
Salzhaltiges Wasser, das aus dem Untergrund austritt oder gefördert wird — der Rohstoff jeder Saline.
Ausführlich
Sole entsteht, wenn Grundwasser unterirdische Salzschichten anlöst. Ihr Salzgehalt entscheidet über alles: Je schwächer die Sole, desto mehr Brennstoff kostet ein Zentner Salz. Die Soodener Rohsole lag mit rund 4,5 bis 6,5 Prozent im unteren Bereich — Lüneburg und Halle arbeiteten mit über 20 Prozent. Genau diese Schwäche zwang die Werra-Salinen zu technischen Umwegen, allen voran zur Gradierung. Gesättigt ist Sole bei etwa 26 Prozent.
In der Salzbibel: „Sole. Ist das Wasser, aus dem Salz gesotten wird. Man holt sie 28 Schuh hoch durch 2 Pumpen in die Gerinne.“ „Sie hat dreierlei Namen: 1. die rohe, 2. die wahre Sole, 3. Brunt.“ Ein Quart Sole gab 1574 7 Lot Salz aus 96 Lot — rund sieben Prozent; vgl. Maße. Bd. 2, S. 555, 556
Siehe auch: Solequelle, Gradierung, Salzgehalt, Siedepfanne
Quelle: www.bergbaumuseum.de
Solebohrung
SalinentechnikAuch: Salzbohrung, Bohrbrunnen, Tiefbohrung
Tiefbohrung, um stärkere oder ergiebigere Sole zu erschließen, als sie oberflächennah austritt.
Ausführlich
Wenn die flachen Quellen mengenmäßig erschöpft sind, bleibt nur der Weg nach unten. Solebohrungen des 19. Jahrhunderts arbeiteten mit Stoßbohren: Ein schweres Meißelgestänge wird immer wieder angehoben und fallen gelassen, das Bohrklein wird ausgelöffelt. Diese Technik ist industriegeschichtlich hochbedeutsam — sie wurde direkt zur Vorlage der ersten Erdölbohrungen. Edwin Drake übernahm 1859 in Titusville ausdrücklich ein Vorgehen „nach Art der Salzbohrungen“.
Siehe auch: Bohrturm, Bohrgestänge, Solequelle
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Soleleitung
SalinentechnikAuch: Solerinne, Deichel, Sohlleitung, Ringleitung
Rinnen- oder Rohrsystem, das Sole von Brunnen, Gradierwerk und Reservoir zu den Siedehäusern führt.
Ausführlich
Sole muss transportiert werden, und zwar möglichst ohne Verluste und ohne Verunreinigung. Historisch geschah das in offenen Holzrinnen oder gebohrten Deicheln. Wo größere Entfernungen zu überwinden waren, entstanden regelrechte Fernleitungen — die bekannteste ist die 32 km lange Leitung Reichenhall–Traunstein von 1617–1619. In Sooden blieben die Wege kurz, weil Quelle, Gradierwerk und Koten dicht beieinander lagen.
Siehe auch: Reservoir, Solepumpe, Siedehaus
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Solepumpe
SalinentechnikAuch: Kolbenpumpe, Solehebewerk, Pumpenkunst
Kolbenpumpe, die Sole aus dem Brunnen hebt und auf Gradierwerk oder Reservoir fördert.
Ausführlich
Die Solepumpe ist der unscheinbare Dauerläufer jeder Saline: Sie muss korrosionsfest sein, weil gesättigte Sole Metall angreift, und sie läuft im Idealfall rund um die Uhr. Historisch waren es hölzerne oder ledergedichtete Kolbenpumpen, angetrieben von Hand, Göpel oder Wasserrad. Ihre Förderhöhe bestimmt, wie hoch ein Gradierwerk gebaut werden kann — Pumpentechnik und Bauhöhe entwickeln sich gemeinsam.
Siehe auch: Wasserkunst, Rosskunst, Rollkunst, Reservoir
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Solequelle
SalinentechnikAuch: Salzborn, Salzbrunnen, Soth, Sode, Salzquelle
Austrittsstelle salzhaltigen Wassers; im Mittelalter Rechtsobjekt ersten Ranges, weil ortsgebunden und unvermehrbar.
Ausführlich
Eine Solequelle ist nicht beliebig vermehrbar — wer sie besitzt, besitzt die gesamte Wertschöpfung. Deshalb steht sie in Urkunden regelmäßig neben Markt und Zoll. In Sooden wurde die Sole zunächst aus etwa sieben Metern Tiefe geschöpft; 1489–1491 fasste man den „Neuen Salzborn“ neu. Später wurde tiefer gebohrt, weil die oberflächennahe Sole mengenmäßig begrenzt war. Der Ortsname Sooden stammt von Soth = Brunnen, Salzsiedestelle.
Siehe auch: Sole, Soth, Solebohrung, Salzregal
Quelle: www.lagis-hessen.de
Soth
SalinentechnikAuch: Sode, Sod, Sothen, Zoden
Altes Wort für Brunnen und Salzsiedestelle — der Ursprung des Ortsnamens Sooden.
Ausführlich
Soth oder Sode bezeichnet den Brunnen, die Sod- oder Siedestelle. Die Namensreihe des Ortes lässt sich lückenlos verfolgen: Sothen 1093, Sothe 1195, Soden 1284, Zoden 1317, Sodenn 1585, Die Sooden um 1710, Sooden 1747. Der Name sagt also wörtlich, was der Ort ist: die Stelle mit dem Salzbrunnen. In der Wendung „Fürsten-Soth“ von 1538 meint das Wort dann bereits einen ganzen Betrieb, nicht mehr nur den Brunnen.
Siehe auch: Solequelle, Kote, Fürsten-Soth
Quelle: www.lagis-hessen.de
Trockenkammer
SalinentechnikAuch: Trockenboden, Darre, Trockenstube
Beheizter Raum, meist über dem Siedeherd, in dem das frisch gezogene Salz nachtrocknet.
Ausführlich
Frisch aus der Pfanne gezogenes Salz ist feucht und würde beim Lagern zusammenbacken. Es wandert deshalb auf Darren oder Trockenböden, die die Abwärme des Siedeherds mitnutzen — Energie, die sonst durchs Dach ginge. Erst danach ist das Salz lager- und transportfähig. Der Trockenboden gehört baulich meist zum Siedehaus und erklärt, warum Salinengebäude typischerweise mehrgeschossig sind.
In der Salzbibel: In Sooden hieß das Salzstück, das man nicht mehr zu Gänsen fangen konnte, zusammengedrückt und „auf den Hinterofen geschlagen und gedörrt“; der Hinterofen war die Trockenstelle des Siedehauses. Bd. 2, S. 517, 550, 551
Siehe auch: Siedehaus, Salzmagazin, Salzsieden
Quelle: www.bergbaumuseum.de
Wasserkunst
SalinentechnikAuch: Wasserkunst, Wassermaschine, Kunstrad
Von Wasserkraft angetriebene Pumpanlage, die Sole oder Grubenwasser hebt.
Ausführlich
Die Wasserkunst nutzt ein Wasserrad, um über Kurbeln und Gestänge Kolbenpumpen zu bewegen. Für Salinen war das die entscheidende Befreiung von Muskelkraft: Sole musste nicht nur aus dem Brunnen, sondern später auch auf zwölf Meter hohe Gradierwerke gehoben werden. Der Antrieb kostete nichts außer Wartung — anders als Pferde oder Menschen, die gefüttert und bezahlt werden mussten. Die Energieversorgung wurde damit zum eigenen Ingenieurthema der Saline.
Siehe auch: Kunstgezeug, Rosskunst, Rollkunst, Solepumpe
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
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