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Aschersleben
Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute Aschersleben, Sachsen-Anhalt
Der Eintrag
Aschersleben
heute: Aschersleben, Sachsen-AnhaltReise 1568 (und 1569) 1568 auf der Karte
Zwanzig Jahre Bauen, über 40.000 Gulden, „ein verwirrtes Chaos“ von Künstlern aus Nürnberg, Lüneburg und Meißen. Eine Wechselpumpe nach Agricola hebt die Sole 57 Ellen; auf dem Weg zur Stadt gehen von 28 Zubern 10 verloren. Rhenanus rät zu Bleiröhren. Probe: 7 Lot 3½ Quentchen.
Der Brunnen liegt „weit außerhalb der Stadt“, deshalb kann Rhenanus am ersten Tag nichts tun. Am Morgen hören ihn die beiden Salzgrafen — „die beide mit dem Zunamen Müller genannt werden, deren einer damals Bürgermeister war“ — mit den Gewerken und dem Stadtvogt an.
Ihre Geschichte ist eine Chronik fehlgeschlagener Versuche. Vor hundert Jahren sei die Sole entblößt worden; vor achtundvierzig Jahren habe man neu angefangen; „vor zwanzig Jahren“ habe man „mit aller Gewalt zu bauen angefangen“ unter dem Baumeister Jörg Behm — demselben Georg Behm von Nürnberg, der 1540 in Sooden bestallt war und 1549 heimlich abzog. Dann kam ein Kunstmeister „von Lüneburg, Georg Rose genannt“, der Behms Graben wieder einriss; dann „Künstler von Nürnberg, aus Mansfeld, aus Meißen, Thüringen und allenthalben her“, „bis endlich ein verwirrtes Chaos daraus geworden ist“. Kosten: „innerhalb von zwanzig Jahren über 40 000 Gulden“.
Die heutige Fassung ist „von selbst um mehr als drei Ellen zu Berge gestiegen“; man senkte „eine Röhre durch das wilde Wasser bis zum Grund des Brunnens“. Sechzig Kunstpferde habe man zeitweise gehalten, Schlauch-, Pumpen-, Schöpf- und Heinzenkünste versucht; „Am allerunschädlichsten aber unter allen Künsten halten sie aus gewisser Erfahrung die Pumpenkünste“.
Die Sole wird „32 Ellen hoch über die Erde mit einer Wechselpumpenkunst an einem Wasserrad nach der Angabe des Agricola gehoben“ — insgesamt 57 Ellen — und dann eine Viertelmeile in steinernen Röhren zur Stadt geführt, in ein vom Bischof zu Halberstadt gekauftes Kloster mit neun Kothen. Von 28 Zubern kommen „nur 18 im Salzwerk“ an; die Sole dringt durch und lässt auf den Äckern „nichts darauf“ wachsen. Nach irdenen und hölzernen Röhren fragen sie ihn um Rat: „habe ich ihnen zu Blei geraten; das haben sie sich gefallen lassen“.
Die Probe: „Das Quart Sole hält 96 Lot und an Salz beim Brunnen 7 Lot 3½ Quentchen; die letzte aus dem Bothe hält 6½ Lot ½ Quentchen.“ Zum Sieden gebraucht man Beiße und schwenkt Bier ein; die Pfanne wird wöchentlich abgezogen und neu bestrichen, was der Salzknecht „für sehr zuträglich hält, wiewohl ich ihm nicht beipflichten kann“.
Hier zieht Rhenanus auch die Grenze seines Vorhabens: „Wiewohl ich willens war, alle Salzwerke der Länge nach zu beschreiben“, habe er bemerkt, „dass das Werk zu umfangreich wuchs“, und wolle künftig „allein die vornehmsten Hauptstücke eines jeden Salzwerks“ beschreiben.
- Bd. 2, S. 826 Lesetext — Die beiden Salzgrafen Müller
- Bd. 2, S. 827 Lesetext — Hundert Jahre Bauen; Jörg Behm
- Bd. 2, S. 828 Lesetext — Georg Rose von Lüneburg; das verwirrte Chaos
- Bd. 2, S. 829 Lesetext — Über 40 000 Gulden; 60 Kunstpferde
- Bd. 2, S. 831 Lesetext — Wechselpumpe nach Agricola; von 28 Zubern kommen 18 an
- Bd. 2, S. 832 Lesetext — Rat zu Blei; die Probe: 7 Lot 3½ Quentchen
- Bd. 2, S. 834 Lesetext — Das wöchentliche Abziehen der Pfanne
- Bd. 2, S. 836 Lesetext — Künftig nur die vornehmsten Hauptstücke
Derselbe Ort im anderen Bestand
Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza (in der Salzbibel genannt)
Auf der Karte: Aschersleben auf „Rhenanus’ Wirken“ · Die Reiseberichte.
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