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Rhenanus

Rhenanus’ Wirken

Lebensorte, die Reisen von 1568 und 1584 und Wirkungsorte — als schematische Kartenskizze

Was die Karte zeigt

Die Karte versammelt die Orte, die sich für Johannes Rhenanus aus der Salzbibel belegen lassen: die Orte seines Lebens zwischen Melsungen, Marburg und Sooden, die Stationen der Reise durch die mitteldeutschen Salzwerke 1568 (mit der Nachreise 1569), die fünf Fahrten in Pommern 1584 und einige Orte, an denen er gewirkt hat, ohne dass die Handschrift einen Besuch beschreibt.

Es ist eine schematische Kartenskizze. Die Lage der Orte ist auf vier Nachkommastellen gerundet und zeigt die heutige Ortsmitte; Flüsse und Küste sind mit wenigen Stützpunkten gezeichnet; wo zwei Marker zusammenfielen (Sooden und Allendorf, Golchen und Klempenow), ist einer mit einer kurzen Führungslinie verschoben. Wer eine genaue Karte braucht, nimmt eine andere.

Jeder Punkt ist ein Verweis. Ohne JavaScript führt er zum Ortsartikel weiter unten; mit JavaScript öffnet sich zunächst ein Fenster mit der Kurzfassung und den Belegen. Unter der Karte steht außerdem eine schlichte Liste aller Orte. Die Punkte lassen sich mit der Tabulatortaste in der Reihenfolge Leben — 1568 — 1584 — Wirkung anspringen.

Rhenanus’ Wirken — Kartenskizze

Schematische Kartenskizze: Orte, an denen Johannes Rhenanus gelebt, gemessen und gewirkt hat Vereinfachte Karte von Hessen bis Pommern mit Gradnetz, den Flüssen Werra, Fulda, Weser, Unstrut, Saale, Elbe, Oder und Peene sowie der Ostseeküste. Die Orte sind nach Art durch Form und Beschriftung unterschieden; jeder Punkt verweist auf den Ortsartikel unterhalb der Karte, wo auch eine vollständige Liste steht. 51° N 52° N 53° N 54° N 9° O 10° O 11° O 12° O 13° O 14° O Werra Fulda Weser Unstrut Saale Elbe Oder Peene Werra Fulda Weser Unstrut Saale Elbe Oder Peene Ostsee Nordsee Melsungen (Lebensort, um 1528)Melsungen Marburg (Lebensort, 1548 bis 1553/54)Marburg Schlüchtern (Lebensort, 1559)Schlüchtern Sooden (Lebensort, 1555–1589)Sooden Allendorf an der Werra (Lebensort, 1555–1589)Allendorf an der Werra Kassel (Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben), 1567–1589)Kassel Sondershausen (Reise 1568 (und 1569), 1568)Sondershausen Göllingen (Reise 1568 (und 1569), 1568)Göllingen Frankenhausen (Reise 1568 (und 1569), 1568)Frankenhausen Auleben (Reise 1568 (und 1569), 1568 und 1569)Auleben Artern (Reise 1568 (und 1569), 1568 und 1569)Artern Sulza (Reise 1568 (und 1569), 1568)Sulza Weißenfels (Reise 1568 (und 1569), 1568)Weißenfels Kösen (Reise 1568 (und 1569), 1568)Kösen Halle in Sachsen (Reise 1568 (und 1569), 1568)Halle in Sachsen Aschersleben (Reise 1568 (und 1569), 1568)Aschersleben Staßfurt (Reise 1568 (und 1569), 1568)Staßfurt Groß Salza (Reise 1568 (und 1569), 1568)Groß Salza Leimbach (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Leimbach Treptow (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Treptow Klempenow (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Klempenow Wolgast (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Wolgast Greifswald (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Greifswald Anklam (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Anklam Ueckermünde (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Ueckermünde Jasenitz (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Jasenitz Stettin (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Stettin Torgelow (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Torgelow Koblentz und Krugsdorf (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Koblentz Stralsund (der Sund) (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Stralsund Bergen auf Rügen (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Bergen auf Rügen Mönchgut (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Mönchgut Sagard und Jasmund (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Sagard Hiddensee (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Hiddensee Pudagla und Usedom (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Pudagla Stolpe (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Stolpe Golchen (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Golchen Loitz (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Loitz Grimmen (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Grimmen Tribsees (Reise 1584 nach Pommern, 1584)Tribsees Hoher Meißner (Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben), 1563–1589)Hoher Meißner Torgau (Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben), 1577)Torgau Bremen (Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben), 1568–1576)Bremen Lüneburg (Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben), 1552–1576)Lüneburg Zeichenerklärung Lebensort Reise 1568 (und 1569) Reise 1584 nach Pommern Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) Schematische Kartenskizze — Lagen gerundet, Flüsse und Küste stark vereinfacht Zylinderprojektion mit Breitengradkorrektur · 1° Breite ≈ 238 Bildpunkte
Schematische Kartenskizze, berechnet aus den Ortskoordinaten in einfacher Zylinderprojektion (x = Länge · cos der mittleren Breite, y = −Breite). Ausschnitt 50.07°–54.87° N, 8.27°–15.17° O. Formen: Kreis = Lebensort, Quadrat = Reise 1568/69, Raute = Reise 1584, Dreieck = Wirkungsort, an dem die Salzbibel keinen Besuch beschreibt.

Alle Orte als Liste

Derselbe Zugang wie die Karte, nur als Text — in der Reihenfolge, in der die Orte im Leben und in den Reiseberichten vorkommen.

Lebensort

  1. Melsungen um 1528 · Melsungen, Hessen
  2. Marburg 1548 bis 1553/54 · Marburg, Hessen
  3. Schlüchtern 1559 · Schlüchtern, Hessen
  4. Sooden 1555–1589 · Bad Sooden-Allendorf (Sooden), Hessen
  5. Allendorf an der Werra 1555–1589 · Bad Sooden-Allendorf (Allendorf), Hessen

Reise 1568 (und 1569)

  1. Sondershausen 1568 · Sondershausen, Thüringen
  2. Göllingen 1568 · Göllingen (Kyffhäuserland), Thüringen
  3. Frankenhausen 1568 · Bad Frankenhausen, Thüringen
  4. Auleben 1568 und 1569 · Auleben (Heringen/Helme), Thüringen
  5. Artern 1568 und 1569 · Artern, Thüringen
  6. Sulza 1568 · Bad Sulza, Thüringen
  7. Weißenfels 1568 · Weißenfels, Sachsen-Anhalt
  8. Kösen 1568 · Bad Kösen (Naumburg), Sachsen-Anhalt
  9. Halle in Sachsen 1568 · Halle (Saale), Sachsen-Anhalt
  10. Aschersleben 1568 · Aschersleben, Sachsen-Anhalt
  11. Staßfurt 1568 · Staßfurt, Sachsen-Anhalt
  12. Groß Salza 1568 · Bad Salzelmen (Schönebeck), Sachsen-Anhalt

Reise 1584 nach Pommern

  1. Leimbach 1584 · Leimbach (Mansfeld), Sachsen-Anhalt
  2. Treptow 1584 · Altentreptow, Mecklenburg-Vorpommern
  3. Klempenow 1584 · Burg Klempenow (Breest), Mecklenburg-Vorpommern
  4. Wolgast 1584 · Wolgast, Mecklenburg-Vorpommern
  5. Greifswald 1584 · Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern
  6. Anklam 1584 · Anklam, Mecklenburg-Vorpommern
  7. Ueckermünde 1584 · Ueckermünde, Mecklenburg-Vorpommern
  8. Jasenitz 1584 · Jasienica (Police), Polen
  9. Stettin 1584 · Szczecin, Polen
  10. Torgelow 1584 · Torgelow, Mecklenburg-Vorpommern
  11. Koblentz und Krugsdorf 1584 · Koblentz und Krugsdorf (Vorpommern-Greifswald), Mecklenburg-Vorpommern
  12. Stralsund (der Sund) 1584 · Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern
  13. Bergen auf Rügen 1584 · Bergen auf Rügen, Mecklenburg-Vorpommern
  14. Mönchgut 1584 · Halbinsel Mönchgut (Rügen), Mecklenburg-Vorpommern
  15. Sagard und Jasmund 1584 · Sagard (Rügen), Mecklenburg-Vorpommern
  16. Hiddensee 1584 · Insel Hiddensee, Mecklenburg-Vorpommern
  17. Pudagla und Usedom 1584 · Pudagla (Insel Usedom), Mecklenburg-Vorpommern
  18. Stolpe 1584 · Stolpe an der Peene, Mecklenburg-Vorpommern
  19. Golchen 1584 · Golchen (Burow), Mecklenburg-Vorpommern
  20. Loitz 1584 · Loitz, Mecklenburg-Vorpommern
  21. Grimmen 1584 · Grimmen, Mecklenburg-Vorpommern
  22. Tribsees 1584 · Tribsees, Mecklenburg-Vorpommern

Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben)

  1. Kassel 1567–1589 · Kassel, Hessen
  2. Hoher Meißner 1563–1589 · Hoher Meißner (Werra-Meißner-Kreis), Hessen
  3. Torgau 1577 · Torgau, Sachsen
  4. Bremen 1568–1576 · Bremen
  5. Lüneburg 1552–1576 · Lüneburg, Niedersachsen

Ziele der Instruktion, die das Reisebuch nicht erreicht

Die Instruktion vom 28. Juni 1568 nennt elf Salzwerke: „zu Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde“; ein Nachtrag fügt Bremen hinzu. Der Bericht beschreibt die ersten sieben, dazu Sondershausen, Sulza, Weißenfels und Kösen — und bricht nach Groß Salza ab: Weiter „von anderen Salzwerken zu schreiben habe ich für unnötig erachtet“. Die folgenden Ziele stehen deshalb nicht als Reisestationen auf der Karte:

Dass Rhenanus über einige dieser Werke trotzdem Zahlen besaß, zeigt das Archivverzeichnis der Miszellen: Es nennt eine von ihm aufgezeichnete Übersicht, „was die Sole zu Frankenhausen, Suleben, Artern, Halle in Sachsen, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Sülldorf, Lüneburg, Salzdiepen und Salz zur Helle halten“. Woher die Zahlen für die nicht bereisten Werke stammen, ist nicht zu sagen.

Die Orte im Einzelnen

Jeder Ort mit dem, was die Salzbibel über ihn sagt, und den Belegstellen. Angaben aus der Literatur sind als solche bezeichnet.

Lebensort

Melsungen

Lebensort · um 1528 · heute: Melsungen, Hessen · 51.1319° N, 9.5486° O · zur Karte

Melsungen an der Fulda ist der Ort, mit dem die Lebensbeschreibungen beginnen: Um 1528 sei Johann Rheinlandt hier geboren worden, der sich als Student nach Gelehrtenart zu Rhenanus latinisierte. Das Geburtsjahr ist errechnet, nicht belegt; die Eltern sind unbekannt. So steht es in der Neuen Deutschen Biographie und bei Hermann Cramer (1879), auf den fast alle späteren Darstellungen zurückgehen.

Die Salzbibel spricht von der Herkunft ihres Verfassers nicht. In der Widmung nennt Rhenanus Hessen „meines geliebten Vaterlandes“ und Sooden den „Ort und Winkel des Fürstentums“, an den Landgraf Philipp ihn gesetzt habe — mehr Biographie gibt er nicht preis.

Melsungen kommt in der Handschrift dennoch vor. Am 16. Juli 1567 unterzeichnete Landgraf Wilhelm hier ein Schreiben an „unseren Pfarrherrn, Salzgrafen, Rentmeister, Schultheißen und andere unsere Befehlshaber in Sooden“, in dem er sich beschwert, dass sechzig Werk Salz ausgefallen seien, und 8.000 Werk im Jahr verlangt — „denn wir bedürfen jetzt vielen Geldes“.

Elf Jahre später taucht der Ort noch einmal auf, im Archivverzeichnis der Miszellen: Ein Hartmann Höler antwortet 1578 „wegen der Dielen, die zu Melsungen fürs Bergwerk geschnitten werden sollten“ — Bauholz für den Kohlenstollen am Meißner.

Nach der Literatur (Cramer, Klepsch) heiratete Rhenanus eine Melsungerin, Catharina Braun, Tochter des Rentschreibers Jost Braun. Das Jahr schwankt: Die NDB nennt 1556, Wikipedia und der Geschichtsverein Melsungen 1566. Beides lässt sich von hier aus nicht entscheiden.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 1, S. 25 — Widmung: „meines geliebten Vaterlandes“
  • Bd. 3, S. 30 — Mahnschreiben Landgraf Wilhelms, gegeben zu Melsungen, 16. Juli 1567
  • Bd. 2, S. 1005 — Dielen, die zu Melsungen fürs Bergwerk geschnitten werden sollen, 1578

Marburg

Lebensort · 1548 bis 1553/54 · heute: Marburg, Hessen · 50.8100° N, 8.7740° O · zur Karte

Die Universität Marburg ist der Ort, an dem aus dem Melsunger Pfarrerssohn der Magister wurde, als der er sich auf dem Titelblatt der Salzbibel nennt: „M. (Magister) Johannes Rhenanus“. Nach der Neuen Deutschen Biographie ließ er sich 1548 als Theologiestudent einschreiben; 1553 wurde er durch Adam Krafft ordiniert und war kurz darauf Diakon in Marburg — nebenbei, so die NDB, als Buchdrucker tätig.

Dass dieser Mann ein Gelehrter war, sieht man der Salzbibel an jeder Seite an: Er zitiert Tacitus, streitet mit Kosmographen über die Lage des Melibocus, kennt Agricola und Mathesius. Im ersten Buch beruft er sich auf den „seligen Magister Petrus Nigidius, der aus Allendorf gebürtig und zu Marburg Professor gewesen ist“.

Marburg begegnet in der Handschrift sonst als Verwaltungsort: als Sitz des Statthalters an der Lahn in den Streitigkeiten der Pfänner von 1539, und als Ort, an den ein Allendorfer Stipendiat „vor die Professoren der Universität“ geschickt werden soll, „damit man daraus Pfarrherren erziehen möge“.

Über Rhenanus’ eigene Studienjahre schweigt die Salzbibel. Wer mehr wissen will, ist auf Cramer (1879) und die Marburger Matrikel angewiesen.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 1, S. 7 — Titelblatt: „M. (Magister) Johannes Rhenanus“
  • Bd. 1, S. 89 — Petrus Nigidius, aus Allendorf, Professor zu Marburg
  • Bd. 1, S. 847 — Allendorfer Stipendium zum Studium in Marburg

Schlüchtern

Lebensort · 1559 · heute: Schlüchtern, Hessen · 50.3494° N, 9.5253° O · zur Karte

Schlüchtern an der Kinzig ist der einzige Ort außerhalb des Werratals, an dem die Salzbibel Rhenanus ausdrücklich als Besucher zeigt, bevor die Reisen beginnen. Im ersten Buch, wo er die Grenzen der Chatten nach Süden bestimmt, schreibt er, er könne nicht unterlassen, „meiner beiden seligen Vettern zu gedenken: des Petrus Lotichius des Ersten, Abts zu Schlüchtern, und des gottseligen Doktors Petrus Lotichius des Zweiten“.

Diese beiden hätten ihm, „als ich im Jahr 1559 bei ihnen in Schlüchtern war“, die Grenzen gezeigt, „sich Chatten genannt und das uralte Haus Steckelberg an der Kinzig (das jetzt den Edlen von Hutten gehört) als die Erbgrenze (hereditarius limes) der Chatten gedeutet haben“. Der jüngere Lotichius, Petrus Lotichius Secundus, ist der bekannte neulateinische Dichter (1528–1560); der ältere war der letzte Abt des Klosters Schlüchtern.

Wie die Verwandtschaft beschaffen war, sagt Rhenanus nicht. „Vetter“ konnte im 16. Jahrhundert jede Seitenverwandtschaft meinen. Die Stelle ist deshalb wertvoll, weil sie ein Datum und eine gelehrte Beziehung des jungen Sooder Pfarrers belegt — und zeigt, wie er arbeitete: Was ihm Verwandte im Gespräch gesagt hatten, wird als Zeugnis in eine historische Beweisführung eingebaut.

Ob der Besuch mit einer Reise nach Marburg oder Melsungen verbunden war, ist nicht überliefert. Das Jahr 1559 ist zugleich das Jahr, in dem Rhenanus nach der Literatur erstmals Aufgaben im Salzwerk übernahm.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 1, S. 55 — Besuch bei den beiden Lotichius in Schlüchtern, 1559

Sooden

Lebensort · 1555–1589 · heute: Bad Sooden-Allendorf (Sooden), Hessen · 51.2762° N, 9.9668° O · zur Karte

Sooden ist die Salinensiedlung am westlichen Werraufer, gegenüber der Stadt Allendorf. Hier sprudelte die Sole, hier standen die Kothen (die Siedehäuser), hier hatte der Landesherr sein Amt — und hier war Rhenanus von 1555 an Pfarrer an der Marienkirche. In der Widmung der Salzbibel schreibt er, Landgraf Philipp habe ihn „an diesen Ort und Winkel des Fürstentums Hessen, meines geliebten Vaterlandes, zum Prediger und Salzgrafen bestellt“, nämlich „in den Sooden, wo diese lebendige Quelle der wunderbaren Güte Gottes alle Tage mit Verwunderung gesehen wird“.

Das Doppelamt ist das Eigentümliche seines Lebens. Auf dem Titelblatt nennt er sich „Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden“, im Archivverzeichnis der Miszellen „Johann Rhenanus, Pfarrer und Salzgraf zu Sooden“. In der Widmung nimmt er den Einwand vorweg, seine Arbeit „sei mehr politisch als theologisch und darum nicht meines Berufs und Amtes“ — und weist ihn zurück.

Wann er Salzgraf wurde, sagt die Handschrift nicht mit einem Datum. Im Archivverzeichnis steht ein undatiertes Schreiben Philipps, „dass er ihn künftig des Predigtamtes entlasten und ihn an Jost Beckers Stelle als Salzgrafen gebrauchen und bestellen lassen wolle“, und ein Brief Jost Beckers vom 24. Juni 1559, man solle Rhenanus „als einem jungen Mann, der allein in Büchern gelesen, sonst aber nicht viel erfahren habe, in allem nicht verpflichten“. 1567 spricht ihn Wilhelm als Pfarrherrn und Salzgrafen an, 1568 als seinen „derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk“. Die Literatur nennt 1559, 1561 und 1563 — je nachdem, ob die Aufsicht über die Holzwirtschaft, die Mitaufsicht über das Werk oder das alleinige Amt gemeint ist.

Sooden ist auch der Ort der Versuche. Der erste Appendix verzeichnet für 1584, dass von den 43 landgräflichen Bothen „nunmehr Anno 84 zwanzig zum Steinkohlensieden hergerichtet“ seien; das habe bisher 3.524 Gulden gekostet. Das ist der nüchterne Beleg für den Brennstoffwechsel, den die Literatur Rhenanus zuschreibt — die Salzbibel nennt die Meißner Kohle stets „Steinkohlen“.

Hier schrieb er die Salzbibel, zusammen mit dem Mitsalzgrafen Christoph Homberg, den Wilhelm am 24. Februar 1567 anwies, dem Pfarrer „das Buch aufs Beste mit erstellen“ zu helfen. Nach der Vorbemerkung des dritten Bands hat Rhenanus das Werk „bereits im Jahr 1568 begonnen und 1574 fertiggestellt“; abgeschrieben wurde es erst in den folgenden Jahren.

Am 29. April 1589 starb er in Sooden und wurde nach der Literatur in der Marienkirche begraben. Ein Grab ist nicht erhalten. Die Gedenktafel im Kurpark wurde zum 400. Todestag 1989 gesetzt.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 1, S. 7 — Titelblatt: „Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden“
  • Bd. 1, S. 25 — Widmung: „zum Prediger und Salzgrafen bestellt“
  • Bd. 2, S. 728 — „derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk“, 1568
  • Bd. 2, S. 521 — 1584: zwanzig Bothe zum Steinkohlensieden hergerichtet
  • Bd. 2, S. 885 — Archivverzeichnis: „Pfarrer und Salzgraf zu Sooden“
  • Bd. 2, S. 994 — Jost Becker über den jungen Rhenanus, 1559
  • Bd. 2, S. 1002 — Philipp will ihn des Predigtamts entlasten und als Salzgrafen bestellen
  • Bd. 3, S. 5 — Salzbuch begonnen 1568, fertiggestellt 1574

Allendorf an der Werra

Lebensort · 1555–1589 · heute: Bad Sooden-Allendorf (Allendorf), Hessen · 51.2698° N, 9.9808° O · zur Karte

Allendorf ist die ummauerte Stadt am östlichen Werraufer. Die Pfänner, die Eigentümer der Siedepfannen, wohnten hier; das Salzwerk selbst lag drüben in Sooden. Die Handschrift unterscheidet die beiden Orte genau — Rhenanus ist „Pfarrer und Salzgraf zu Sooden“, Landgraf Wilhelm aber nennt ihn in der Instruktion vom 28. Juni 1568 „Salzgraf zu Allendorf an der Werra“ und spricht von „unserem Salzwerk zu Allendorf“.

Die Reise nach Pommern beginnt hier: „habe ich mich am 10. März zu Allendorf auf die Reise gemacht“, schreibt Rhenanus 1584. Und der Künstler in Sulza bietet 1568 an, seine Kunst „in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk Sooden“ anzustellen — Sooden, wo gesotten wird, nicht Allendorf, wo die Pfänner wohnen.

Das Verhältnis zwischen der Stadt und dem landesherrlichen Werk war gespannt; das fünfte Buch und die Miszellen sind voll davon. Ein Konvolut von dreiundzwanzig Stücken betrifft „Sooden gegen die von Allendorf und was dazu gehört“; die Allendorfer berufen sich auf Privilegien von 1488 und 1511. Rhenanus stand als Salzgraf des Landgrafen auf der einen Seite dieser Grenze.

Die Gradierung, für die Bad Sooden-Allendorf heute bekannt ist, gehört nicht in seine Zeit: Rhenanus beschrieb 1568 das Leckwerk in Sulza; in Allendorf selbst wurde nach der Literatur erst ab 1601 gradiert. Das erhaltene Gradierwerk stammt von 1638.

Zwei Städte, ein Ort: Seit 1929 heißen beide zusammen Bad Sooden-Allendorf.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 2, S. 729 — Instruktion: „Salzgraf zu Allendorf an der Werra“
  • Bd. 2, S. 852 — Aufbruch nach Pommern „zu Allendorf“, 10. März 1584
  • Bd. 2, S. 994 — Konvolut „Sooden gegen die von Allendorf“

Reise 1568 (und 1569)

Sondershausen

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Sondershausen, Thüringen · 51.3700° N, 10.8700° O · zur Karte

Der Reisebericht beginnt nicht an einem Salzwerk, sondern bei Hofe. „Nach Empfang des eben genannten Beglaubigungsschreibens habe ich mich aufgemacht und bin nach Sondershausen gezogen“, schreibt Rhenanus. In der Kanzlei lässt er sein Anliegen vortragen; anwesend sind „nur Graf Hans Günther und Graf Albrecht“. Noch am Abend wird er ins Schloss gerufen.

Die Antwort der Grafen ist freundlich und aufschlussreich zugleich: „obwohl es bedenklich wäre, einen jeden in das Geheimnis ihres Salzwerks zu lassen“, wollten sie dem Landgrafen willfahren und hätten „an ihre Beamten geschrieben und befohlen hätten“, ihn zu unterrichten. Rhenanus erhält den schriftlichen Befehl an die Beamten zu Frankenhausen und wird zum Nachtessen bei den Räten behalten.

Bei Tisch sitzt Doktor Johann Bayr, „ein geborener Franke, der auch Pfänner in Frankenhausen ist“. Auf die Frage nach der Entstehung des Salzwerks erklärt er, man finde „in keinem Archiv etwas“, nennt aber eine Schenkung aus der Zeit Kaiser Heinrichs IV., einen Vertrag von 1312 zwischen den Landgrafen zu Thüringen und den Grafen zu Schwarzburg und als „älteste Denkmal“ das Stadtsiegel, „worin ein Salzknecht — den sie einen Nappenknecht nennen — steht, der zwei Eimer mit Sole trägt“.

Derselbe Doktor war in Salins in der Freigrafschaft gewesen, „wovon sich der König von Spanien einen Grafen zu nennen pflegt“, und beschreibt den dortigen Salzbrunnen in einem Gewölbe, „unter dem sich wohl das ganze Schloss Sondershausen verbergen könnte“, mit Treppen, „die so angelegt sind, wie vorzeiten die Amphitheater gewesen sind“. Rhenanus schreibt es auf und kennzeichnet es als Bericht aus zweiter Hand.

„und so haben wir an diesem Abend zwei Stunden bei Tisch damit zugebracht“. Am nächsten Morgen fährt der Schwarzburger Baumeister Bernt Pfeifer mit ihm nach Frankenhausen.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Göllingen

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Göllingen (Kyffhäuserland), Thüringen · 51.3439° N, 11.0136° O · zur Karte

Auf dem Wagen zwischen Sondershausen und Frankenhausen redet der Baumeister Bernt Pfeifer „mancherlei Reden über Salzwerke, Bergwerke und Bausachen“, „besonders über das Salzwerk zu Auleben und Meister Hans Wetzel“. Das Gespräch währt, „bis wir zum Kloster Göllingen gekommen sind, das dem Abt zu Hersfeld gehört“.

Dort notiert Rhenanus, was nichts mit Salz zu tun hat und doch einen Landesherrn interessiert: Die Grafen von Schwarzburg haben „einen großen Teich, ganz voller Rohr“ und lösen aus dem Rohr „jährlich in gewöhnlichen Jahren über siebenhundert Gulden“; dazu fahren „ständig fünf Wagengespanne“ gekauftes Säulenholz zu Markte.

Dann der Stollen, „durch den von alters her die Wipper, die die Kunst zu Frankenhausen treibt, mit großen Unkosten geleitet worden ist“. Sie steigen ab; der Baumeister zeigt alles: „von einem Mundloch zum anderen 120 Ruten lang und am höchsten Ort 24 Ellen tief“. Der Berg sei „lauter Lehm“, der Stollen „sehr unförmlich gebaut“ mit vielen Lichtschächten, so dass „in unbeständiger Winterzeit dem Salzwerk … leicht großer Schaden entstehen kann“.

Und tatsächlich: Unlängst sei einer der Schächte „vom Schnee verschüttet“ worden, „und man den ganzen Winter hat stillhalten müssen“. Rhenanus sammelt auf dieser Reise nicht nur Vorbilder, sondern auch Fehler.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Frankenhausen

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Bad Frankenhausen, Thüringen · 51.3556° N, 11.1000° O · zur Karte

In Frankenhausen geht es an die Arbeit. Kaum sind die Beglaubigungsschreiben angenommen: „Sogleich habe ich einem meiner Diener das Probiergerät zustellen, die Sole holen und nach dem Essen proben lassen“ — Ergebnis: hundertzwei Lot Gewicht der rohen Sole und sechzehn Lot an gereinigtem Salz. Weil zufällig auch Sole von Auleben zur Hand ist, probt er sie mit: „nicht mehr als zwei Lot anderthalb Quentchen“, „wie ich es auch schon früher befunden hatte“.

Dann der Brunnen. Er „kommt aus weißem Gipsgrund, wie auch der zu Sooden“, ist in einem hölzernen Schacht von 25 Ellen gefasst; „das Holz ist noch sehr frisch, wiewohl mir niemand Bescheid geben konnte, wie lange dieser Bau gestanden hat“. Das wilde Wasser ist in einem eigenen Stollen abgeleitet, „und der Damm zwischen dem wilden Wasser und dem Brunnen ist zwanzig Ellen dick“.

Die Künste in Zahlen: An der Wasserkunst „ist das Wasserrad 27 Schuh hoch und das Kunstrad 20 Schuh; es hat 216 Kämme“; die Solekunst hat ein Wasserrad von 36 Schuh, „Es laufen 36 Schläuche an der Kette“. Die Sole wird zweistufig gehoben. Wie reich die Quelle ist, misst Rhenanus am Gerinne: „ständig 3 Zoll in der Höhe und 6 in der Breite“.

Auf dem Brunnen stellt er die Frage, die ihn seit Jahren beschäftigt: ob die Sole zu einer Zeit besser sei als zur anderen. Die beiden Salzgrafen antworten, bei Schnee und Regen könnten sie „gar nicht sieden könnten, sondern stillhalten müssten“, bis „die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne“. Eine andere Probe kennen sie nicht; sie hätten „nie von einem Probieren der Sole gehört“, bis „die neuen Künstler ins Land gekommen seien“, die jetzt in Artern und Sulza säßen.

Der Diener geht derweil in die Bothe — „Sollen“, wie man sie hier nennt — und bringt einen Bericht über Herd, Pfanne („14 Schuh lang, 10 Schuh breit und 7 Zoll tief“), das Wirken der Stücke mit zwölf Bastbändern und die Löhne. Rhenanus zählt 117 Kothen, 944 Stücke am Tag, den Zoll von 2 Groschen je Stück, und rechnet die Jahressumme aus: 21.394 Gulden 6 Groschen.

Sein Urteil ist trocken: „Außer dem allen finde ich zu Frankenhausen in keinerlei Hinsicht einen besonderen Vorteil.“ Die Pfänner trügen alle Kosten selbst, „fragen die Knechte desto weniger danach, es gerate, wie es wolle“. Zum Abschied versprechen die Befehlshaber, ihm ihre Ordnung „sauber abgeschrieben“ zuzuschicken.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Auleben

Reise 1568 (und 1569) · 1568 und 1569 · heute: Auleben (Heringen/Helme), Thüringen · 51.4170° N, 10.9170° O · zur Karte

Auleben bei Nordhausen ist die Station mit dem persönlichsten Bezug. Hier arbeitet Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, der 1550/51 in Sooden die neue Brunnenfassung gebaut hatte — die Salzbibel beschreibt das im fünften Buch ausführlich, samt seinem Schweigegelübde. Jetzt ist er „verordneter Baumeister zu Auleben“.

Rhenanus trifft ihn „neben dem Hüttenschreiber“ an und nimmt Sole aus einer der beiden Kothen: „Das Quart hat an roher Sole 90 Lot und 2 Quentchen gehalten; daraus sind 3 Lot 3 Quentchen Salz geworden.“ Das ist wenig — aber er hat die Künste besehen, „die aufs allersorgfältigste und beste eingerichtet sind, so dass Meister Hans’ umsichtige Geschicklichkeit darin nicht genug gerühmt werden kann“. Er wünscht sich dasselbe für Sooden, samt einem Wasserlauf, der die Pferde ersetzt.

Die Sole ist „nicht im rechten Brunnenschacht, der 25 Ellen tief ist“, sondern durch die Klüfte des Gipsgebirges in den niedrigsten Wildwasserschacht abgewichen. Weil „dies damals alles ungewiss war und sich beim Bauen mancherlei zutragen kann“, will Rhenanus „weiter nichts Gewisseres darüber schreiben“.

Dafür fügt er an, was ein Jahr später geschah: Am 23. November 1569 saß er „auf gnädigsten Befehl des durchlauchtigen, hochgeborenen Kurfürsten zu Sachsen“ in einer Kommission, die Auleben beurteilen sollte — mit Michel von Ebeleben, Hauptmann zu Sangerhausen, Christoff Schönleben, Oberhüttenmeister in Freiberg, und Matthias Flicke, Bergvogt. Er unterschreibt als „Johann Rhenanus, hessischer Salzgraf“.

Das Gutachten stellt zwei Fragen — wie man bauen solle, und ob überhaupt — und antwortet vorsichtig: Das wilde Wasser müsse „eine gute Weite von der Salzquelle abgeschroten“ werden; und weil die Sole „gering“ sei und viel Holz brauche, könne „an diesem Ort ohne Nutzen gesotten werden, bis man eine fünf- oder sechslötige Sole findet“. Das Fazit: „dass dieses Salzwerk ohne Nutzen nicht erbaut werden kann“.

Angehängt sind die Fragestücke an Meister Hans mit seinen Antworten: Die Quelle gebe „jede Stunde 133½ Eimer Sangerhäuser Eich“; „Ein Quart Allendorfer Eich, worauf er sein Probiergerät eingerichtet hat, hält jetzt 4 Lot“; auf eine Pfanne getraue er sich „vier Scheffel Nordhäuser Maß“. Was der Bau koste, könne er nicht sagen. Wetzel arbeitet also mit demselben Allendorfer Probiermaß wie Rhenanus — die Messkultur ist von Sooden mitgewandert.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Artern

Reise 1568 (und 1569) · 1568 und 1569 · heute: Artern, Thüringen · 51.3667° N, 11.2917° O · zur Karte

„Von Auleben bin ich nach Artern gereist und zuerst bei den Salzbrunnen gewesen.“ Zwei Bothe darf er besichtigen; „In das dritte aber habe ich nicht gelassen werden können“, weil es „etliche von Nürnberg — besonders einer, der Schelhammer heißt“ — innehatten, die „durch eine besondere Kunst vorhatten, die Hälfte des ganzen Holzes zu ersparen“.

Der Brunnen „gibt eine große Menge Sole und mehr als doppelt so viel, wie im Salzwerk Sooden vorhanden ist“, ist aber nicht sicher gefasst, und ringsum sind so viele Schächte eingesenkt, „dass der ganze Berg an allen Orten dermaßen ausgehöhlt und durchlöchert ist, dass er dem Brunnen nicht viel nützen kann“. Die Probe: „das Quart hat roh am Gewicht 98½ Lot gehalten und an Salz 8 Lot weniger ¼ Quentchen“.

Die Salzgrafen und Gewerken erzählen die Geschichte: Ein altes Messbuch nenne 1450 als Fundjahr; die Grafen von Mansfeld hätten „über 40 000 oder 50 000 Gulden“ verbaut, sich verleiten lassen, „Wünschelruten umhergehen zu lassen, Kristallschauen anzustellen und sonst mit anderer Zauberei bessere Sole zu suchen“; ein Künstler habe versucht, das wilde Wasser im Berg zu verdämmen, „so lange, bis die Gewalt im Berg zu groß wurde“ und Brunnen und Tal „verwüstete und zerriss“.

Seit dreiviertel Jahren haben sie mit den Nürnbergern kontrahiert, die ein verschlossenes „Bothe errichtet, wo nach dem Vertrag niemand außer den Künstlern hinzukommen darf“. Was darin geschieht, weiß niemand; man habe einmal „eine besonders große kupferne Blase gesehen“, und der Wirt meint, „der ganze Handel sei wie ein Branntweinzeug eingerichtet“.

Als die Rede auf das Probieren kommt, sagt Rhenanus, die Probe der Künstler nach dem Zentner nasser Sole „falsch und ungewiss sein müsse“, weil „das nasse Maß Sole an einem Ende mehr wiegt als am anderen“. Ein Alchimist bittet um seine Probe, die er ihm „einigermaßen vertraulich eröffnet“ hat — „in der Zuversicht, wie es denn auch geschehen ist, er werde mich dagegen auch etlicher Geheimnisse teilhaftig machen“.

Im November 1569 ist Rhenanus wieder hier, diesmal für Kurfürst August von Sachsen. Die Kommission verhört Doktor Landeler von Nürnberg nach einem Fragenkatalog und rät dem Kurfürsten, sich „nicht weiter mit ihm, dem Doktor, in dieser Sache einlassen“, bis er die wichtigsten Fragen beantworte. Landeler rühmt sich, er wolle die Sole so reich versieden, dass er „ganz Deutschland damit speisen wolle“; wie groß seine Pfanne sei, ist „ein Noli me tangere“. Rhenanus schlägt einen Vergleichsversuch vor: zwei Probewerke, „einmal auf seine Art und dann auf meine, des Salzgrafen, Art“.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Sulza

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Bad Sulza, Thüringen · 51.0900° N, 11.6250° O · zur Karte

„Obwohl ich nun keinen Befehl hatte, nach Sulza oder Kösen zu ziehen“, schreibt Rhenanus, habe ihn seine Reise dorthin bewogen, „weil ich unter anderem verstanden hatte, dass die Künstler an diesen beiden Orten ihren Unterschlupf haben sollten“. Gegen Abend trifft er in Sulza ein und findet den Künstler „selbst dort zur Stelle in der Herberge, in der ich eingekehrt war“.

Das Gespräch führt zu nichts. Der Künstler will seine Kunst keinem „ohne hinreichende Entgeltung“ zeigen; wenn der Landgraf sich mit ihm einlasse, wolle er sie auch in Sooden anstellen. Rhenanus antwortet, sein Fürst habe „in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk noch keinen Mangel befunden“, glaube „nicht leichtlich allen Geistern“, und eine Kunst, einmal ins Werk gesetzt, könne „nicht lange verborgen bleiben“.

Der Mann rühmt sich, keiner im Reich verstehe sich auf das Probieren besser als er, und er habe die Sulzaer Sole ohne Feuer so geschieden, „dass der Zentner 18 Pfund halte“. Rhenanus lässt sich die Sole geben: „Sie ist aber dermaßen unschmackhaft an Salz gewesen, dass ich sie nicht für würdig gehalten habe, sie zu proben — denn unser wildes Wasser ist am Geschmack reicher als diese Sole.“ Sein Schluss: „dass dort in Ewigkeit kein beständiges Salzwerk werden kann, der Künstler künstele auch, was er wolle“.

Dann der Satz, um dessentwillen diese Seiten berühmt sind. Weil der Künstler seine Anlage „gleich vor Sulza“ errichtet hatte, habe er sie „über Zäune und Gräben hinweg so weit angesehen“: eine Kothe mit Schornstein und „etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit“, mit Stroh gedeckt; darin „flache Tröge, ungefähr einen halben Schuh hoch und zwölf Schuh lang“, darüber „strohene oder schilfene Matten“, auf die die Sole „mit Schaufeln“ geleckt wird; sie „tropft dann in die Tröge ab und läuft weiter von einem Trog zum anderen — deren ich ungefähr vierzehn gezählt habe“.

„Und durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden.“ Das ist die älteste bekannte Beschreibung eines Gradierwerks in Deutschland — beobachtet von außen, verstanden im Prinzip, ohne dass der Beobachter hineingelassen wurde. Erfunden hat Rhenanus das Verfahren nicht, und in Sooden wurde nach der Literatur erst ab 1601 gradiert.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Weißenfels

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Weißenfels, Sachsen-Anhalt · 51.2000° N, 11.9667° O · zur Karte

„Am folgenden Tag bin ich nach Weißenfels und nach Kösen gereist, um dort ebenfalls die Umstände des dort vorgenommenen Salzwerksbaus zu erkunden.“ Weißenfels ist kein Salzort; es ist die Stadt, in der Rhenanus einen Gewährsmann findet.

Dort lebte „ein Bürger namens Zacharias Hoffmann“, „der für einen ziemlich verständigen Philosophen ausgegeben wurde und kurz zuvor mit den Künstlern auf dem Brunnen zu Kösen gewesen war und davon zu berichten wusste“. Rhenanus lässt ihn kommen und nimmt ihn „nach dem Essen auf meinem Wagen mit mir nach Kösen“.

Unterwegs erzählt Hoffmann, was er von alten Leuten weiß: Herzog Georg von Sachsen habe den Kösener Brunnen „vor ungefähr 50 Jahren“ zu bauen begonnen und „ein Beträchtliches und Großes“ darauf gewendet — vergeblich.

Die Szene zeigt Rhenanus’ Methode: Wo er keinen Zugang zu einem Werk hat, sucht er Leute, die dort waren, und prüft ihre Angaben hinterher vor Ort.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Kösen

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Bad Kösen (Naumburg), Sachsen-Anhalt · 51.1333° N, 11.7167° O · zur Karte

Kösen an der Saale ist ein Ort des Scheiterns. Der Weißenfelser Bürger Zacharias Hoffmann berichtet, Herzog Georg von Sachsen habe den Brunnen „über 40 Ellen tief gesenkt und viel Kunst- und Schöpfwerk dort errichtet“, aber „je tiefer er in weichen steinigen Grund gesenkt habe, desto mehr sei das wilde Wasser herzugedrungen“, bis die Arbeiter „von der Arbeit ablassen mussten“.

Seither liege das Werk „als wüstes Gut“; die Nürnberger Künstler hätten beim jetzigen Kurfürsten August um Belehnung angesucht, „aber bis jetzt nichts erlangen können“. Im Dorf befragt Rhenanus „zwei alte Männer im Augenschein auf dem Brunnen“; sie bestätigen alles und fügen hinzu, man habe „nicht allein an einer, sondern an zwei, drei Stellen eingesenkt und nichts ausgerichtet“.

Die Probe misslingt. Der Schacht ist „mit Sole und wildem Wasser bis oben der Erde gleich angefüllt“, ringsum „ein brüchiges Gemäuer“. Auf Hoffmanns Vorschlag lässt Rhenanus „an einer langen Leine über eine lange Stange ein Krüglein mit angehängtem Gewicht“ hinab — „Es ist aber wegen der vielen Streben, die im Schacht sind, nichts zuwege gebracht worden, denn der Krug zerbrach am Strick.“

Es ist die einzige Station der Reise, an der er ohne Zahl abreist, und er sagt es: „So viel von diesem Salzwerk; das andere wird sich im allgemeinen Bericht wohl finden.“

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Halle in Sachsen

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Halle (Saale), Sachsen-Anhalt · 51.4828° N, 11.9700° O · zur Karte

In Halle meldet Rhenanus sich beim Sekretär Kitzing an und wird von den Räten des Erzstifts Magdeburg gehört, „in Abwesenheit des Erzbischofs“. Sie erklären, weil sie spürten, dass sein Besuch „weder ihrem Salzwerk noch irgendjemandem zum Nachteil, vielmehr aber zur Förderung des gemeinen Nutzens gereiche“, wollten sie ihn berichten lassen. Der Salzgraf wird angewiesen, ihm „nichts Notwendiges zu verhalten“.

Der Salzgraf erzählt, was die Merseburger Chronik weiß — Kaiser Otto habe das Salzwerk dem Erzbischof gegeben, „dass die Stadt damals noch ein Dorf gewesen sei“ —, zeigt das Lehnbuch mit den vier Brunnen (Deutscher Born, Meteritz, Gutjahr, Hackeborn) und lässt die Hauptverteilung abschreiben. Er berichtet vom Basilisken, der einst den Brunnen verstopft habe, und davon, dass Landgraf Wilhelm selbst hier gewesen und in Beisein des Erzbischofs Sigismund eingefahren sei.

Die Messung: „Der Deutsche Born, das Quart —— 24 Lot; die Sole wiegt roh —— 106 Lot. Meteritz, das Quart —— 22 Lot. Gutjahr —— 22 Lot ½ Quentchen. Hackeborn, ein Quart —— 20 Lot 1½ Quentchen.“ Das ist die reichste Sole der ganzen Reise, gemessen von seinen Dienern in der Herberge und dem Salzgrafen auf dessen Bitte eröffnet.

Auf dem Brunnen beschreibt er Haspel und Göpel, die Schichten von zwei Stunden, die Verteilung nach Vierteln und Stühlen, und lobt die alten Pfänner, die die Sole so ausgeteilt hätten, „dass nicht der eine die gute, der andere die geringe Sole empfange“. Der Diener bringt den Bericht aus der Kothe: die Pfanne „4½ Schuh breit, 6½ Schuh lang und einen halben Schuh tief“, das Näpflein Rinderblut im 21. Eimer, die hölzerne Decke über der Pfanne, die Löhne.

Dann der Befund, der die Reise erklärt. Auf die Frage, ob die Sole „ab- und zunehme, in ab- und zunehmenden Jahren oder bei trockenem und nassem Wetter“, antworten alle, „dass sie darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt hätten“; es sei unnötig, „weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen“. Kunstgriffe zum Sieden gebrauchten sie nicht, „und wenn man ihnen davon sagt, so haben sie ihren Spott und Hohn darüber“.

Einfahren darf er nicht. Der Salzgraf lehnt ab, es sei „eine Sache von seltenem Beispiel“ und bedürfe der Versammlung des Rates und der vornehmsten Pfänner; erst am Donnerstag, dem Tag Maria Magdalena, fahre man traditionell ein. „Als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte“, bietet man ihm an zu bleiben — und zeigt ihm inzwischen „durch ein Glas, durch das die Sonne schien, den Deutschen Born genau“, „so dass ich ihn habe quellen sehen“. Weil das Warten „meiner Lage nicht entsprach“, dankt er und reist ab. Der Tag Maria Magdalena, der 22. Juli, fiel 1568 auf einen Donnerstag: Rhenanus war also Mitte Juli in Halle, gut drei Wochen nach der Instruktion.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Aschersleben

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Aschersleben, Sachsen-Anhalt · 51.7500° N, 11.4667° O · zur Karte

Der Brunnen liegt „weit außerhalb der Stadt“, deshalb kann Rhenanus am ersten Tag nichts tun. Am Morgen hören ihn die beiden Salzgrafen — „die beide mit dem Zunamen Müller genannt werden, deren einer damals Bürgermeister war“ — mit den Gewerken und dem Stadtvogt an.

Ihre Geschichte ist eine Chronik fehlgeschlagener Versuche. Vor hundert Jahren sei die Sole entblößt worden; vor achtundvierzig Jahren habe man neu angefangen; „vor zwanzig Jahren“ habe man „mit aller Gewalt zu bauen angefangen“ unter dem Baumeister Jörg Behm — demselben Georg Behm von Nürnberg, der 1540 in Sooden bestallt war und 1549 heimlich abzog. Dann kam ein Kunstmeister „von Lüneburg, Georg Rose genannt“, der Behms Graben wieder einriss; dann „Künstler von Nürnberg, aus Mansfeld, aus Meißen, Thüringen und allenthalben her“, „bis endlich ein verwirrtes Chaos daraus geworden ist“. Kosten: „innerhalb von zwanzig Jahren über 40 000 Gulden“.

Die heutige Fassung ist „von selbst um mehr als drei Ellen zu Berge gestiegen“; man senkte „eine Röhre durch das wilde Wasser bis zum Grund des Brunnens“. Sechzig Kunstpferde habe man zeitweise gehalten, Schlauch-, Pumpen-, Schöpf- und Heinzenkünste versucht; „Am allerunschädlichsten aber unter allen Künsten halten sie aus gewisser Erfahrung die Pumpenkünste“.

Die Sole wird „32 Ellen hoch über die Erde mit einer Wechselpumpenkunst an einem Wasserrad nach der Angabe des Agricola gehoben“ — insgesamt 57 Ellen — und dann eine Viertelmeile in steinernen Röhren zur Stadt geführt, in ein vom Bischof zu Halberstadt gekauftes Kloster mit neun Kothen. Von 28 Zubern kommen „nur 18 im Salzwerk“ an; die Sole dringt durch und lässt auf den Äckern „nichts darauf“ wachsen. Nach irdenen und hölzernen Röhren fragen sie ihn um Rat: „habe ich ihnen zu Blei geraten; das haben sie sich gefallen lassen“.

Die Probe: „Das Quart Sole hält 96 Lot und an Salz beim Brunnen 7 Lot 3½ Quentchen; die letzte aus dem Bothe hält 6½ Lot ½ Quentchen.“ Zum Sieden gebraucht man Beiße und schwenkt Bier ein; die Pfanne wird wöchentlich abgezogen und neu bestrichen, was der Salzknecht „für sehr zuträglich hält, wiewohl ich ihm nicht beipflichten kann“.

Hier zieht Rhenanus auch die Grenze seines Vorhabens: „Wiewohl ich willens war, alle Salzwerke der Länge nach zu beschreiben“, habe er bemerkt, „dass das Werk zu umfangreich wuchs“, und wolle künftig „allein die vornehmsten Hauptstücke eines jeden Salzwerks“ beschreiben.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Staßfurt

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Staßfurt, Sachsen-Anhalt · 51.8500° N, 11.5833° O · zur Karte

Schon der Weg ist ein Befund: „unterwegs im Feld allenthalben schwarze Erde und darauf Salz, von der Sonne gewirkt, dermaßen befunden, dass das Feld ringsherum ganz weiß schien“. Die beiden Salzgrafen — „zwei vom Adel, darunter ein Brösigke“ — kommen selbst in die Herberge.

Das Werk sei über 600 Jahre alt, „was sie mit Briefen zu belegen sich erboten haben“. Ein Graf von Hackeborn habe den Hackeborn erbaut und so „vertäfelt, verdämmt, verdichtet und verwahrt“, dass seither nie daran gebaut worden sei. „Er ist 34 Klafter tief; der Grund aber ist, wie sie mir berichtet haben, grauer Gips.“ Vom zweiten Brunnen „wissen sie gar nichts zu sagen“.

Die Pfänner hatten das Werk als freies Erbeigen, ließen sich aber adeln und trugen es dem Erzstift Magdeburg zu Mannlehen auf, „so dass mit der Zeit die alten Bürgerstämme … sehr davon abgekommen sind und nunmehr größtenteils die vom Adel alles innehaben“. Die Salzknechte spielen ihnen, wie sie klagen, „am Holz und Salz Untreue“.

„Die Sole ist an diesem Ort sehr gut; das Quart hält 16 Lot und im anderen Brunnen 14.“ Sie wird mit Rosskünsten geschöpft und in 32 Kothen geleitet, in jeder wöchentlich 50 Werke zu zwei Stücken, das Stück zu 8 Groschen. Die Kothen sind sehr groß, „mit hohen Bühnen errichtet wie die Glashütten“, mit dicken Dächern bis zur Erde; darin herrscht „eine große Hitze, so dass auf diesen beiden Salzwerken die Knechte der Hitze wegen viel schwärzer sind als auf anderen“.

Das Salz geht „wegen der nahe liegenden Salzwerke und des benachbarten Elb- und Saalstroms selten gut ab“; nur wenn andere Werke wegen Unwetters stillhalten, wird man den Vorrat los. Rhenanus beschreibt den doppelten Herd, die Pfanne von 7 auf 6¼ Schuh, das Aufschlagen der Stücke „zwei Spannen breit, drei lang und fünf hoch“ und die Löhne — bis zur Unterschürerin mit 8 Groschen die Woche.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Groß Salza

Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute: Bad Salzelmen (Schönebeck), Sachsen-Anhalt · 52.0100° N, 11.7200° O · zur Karte

Groß Salza, heute Bad Salzelmen bei Schönebeck, ist die letzte beschriebene Station der Reise von 1568 — und Rhenanus sagt selbst, warum er sich kurz fasst: „Dieses Salzwerk ist in allem beinahe so eingerichtet wie das zu Staßfurt.“

Zwei Brunnen, zwei Rosskünste: eine mit großen Schöpfeimern wie in Staßfurt, „die andere aber mit Schläuchen“. Die Schlauchkunst steht „in dem grundlosen Brunnen, in dem die Sole oben sehr gering ist und allein die tiefere mit den Schläuchen aus der Tiefe geholt wird“; die Eimerkunst auf dem anderen, „der über 50 Ellen tief ist“. Die Brunnen seien vom Grafen von Hackeborn erbaut, mit Tannenholz gefasst, 32 Bothe gebaut, „so dass es unnötig ist, das alles zu wiederholen“.

Ein Vorzug: „weil sie wegen der nahe fließenden Saale und Elbe gut Holz bekommen können, geht das Salz gut ab, und es ist großes Gedränge darum“. Die Kehrseite: Die Pfänner können „kaum ihren Salzknechten die Betrügereien, mit denen sie umgehen, wehren“. Es werde „bei Hängen und bei hohen Leib- und Geldstrafen verboten, aber wenig eingehalten“.

Und ein Sittenbild: Die Pfänner seien fast alle vom Adel und hätten die Verwaltung über Stadt und Werk, „so ist doch das ständige Bankettieren, Prunken und die Hoffart so groß, dass sich selten einer findet, der vortreffliche Nahrung hat; und in dieser Hinsicht stehen die Staßfurter etwas besser“.

Damit endet der Bericht der ersten Reise: „Weiter von anderen Salzwerken zu schreiben habe ich für unnötig erachtet; wenn man aber doch Bericht davon begehrt, wird in meinen Miszellen angezeigt werden, wo dieser zu finden ist.“ Lüneburg, Salzdetfurth, „Salz zur Helle“ und Bodenfelde, die die Instruktion nannte, kommen im Reisebuch nicht mehr vor.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 2, S. 844 — Beinahe wie Staßfurt; zwei Rosskünste
  • Bd. 2, S. 845 — Der grundlose Brunnen; Holz von Saale und Elbe
  • Bd. 2, S. 846 — Bei Hängen verboten; Bankettieren und Hoffart; Ende des ersten Berichts

Reise 1584 nach Pommern

Leimbach

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Leimbach (Mansfeld), Sachsen-Anhalt · 51.5990° N, 11.4530° O · zur Karte

Die Pommernreise hat einen Vermittler. Herzog Ernst Ludwig hatte, so der Bericht, im Land und außer Landes nach verständigen Leuten gesucht, „aber niemanden zuwege bringen können“ — bis „der edle und ehrenfeste Georg von Verbentin, Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld“, ihm berichtete, „dass im Land zu Hessen Leute anzutreffen wären“, deren Rat er einholen könne.

Am 10. März 1584 bricht Rhenanus in Allendorf auf. „Unterwegs habe ich den genannten Georg von Verbentin in der Grafschaft Mansfeld zu Leimbach — wohin mich der Lakai Hans Sadebosch führte — angesprochen und mich bei ihm über allerlei Verhältnisse im Land zu Pommern erkundigt.“

Leimbach liegt an der Wipper, unmittelbar bei Mansfeld; Graf Albrecht von Mansfeld hatte hier 1556 das Schloss Trutz Mansfeld errichten lassen. Die Grafschaft war das Bergbauland, das Rhenanus schon 1568 in Artern begegnet war — die Grafen von Mansfeld waren dort Lehnsherren.

Verbentin taucht am Ende der Reise noch einmal auf: Der Herzog gibt ihm einen der auf Rügen gefundenen Sandsteine mit, „damit er ihn in der Grafschaft Mansfeld, wo gute Probierer und Seigerer sind, gründlich proben“ lasse. Mansfeld ist im Bericht der Ort, an dem man Erze zu scheiden weiß.

„Sodann bin ich unter Anrufung Gottes mit Freuden weitergezogen“ — und am 31. März in Wolgast angekommen. Wo er zwischen Leimbach und Wolgast übernachtete, sagt der Bericht nicht; nur dass er in Treptow und Klempenow Sole schöpfte.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Treptow

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Altentreptow, Mecklenburg-Vorpommern · 53.6910° N, 13.2530° O · zur Karte

Treptow an der Tollense — heute Altentreptow — ist zweimal Station. Auf dem Weg nach Wolgast schöpft Rhenanus hier und in Klempenow „in Beisein des gestrengen, edlen und ehrenfesten Busso von Rammin, Hauptmanns daselbst“, dreierlei Sole „selbst“, lässt sie „versiegeln“ und nimmt sie mit. Am 2. und 3. April wird sie in Wolgast vor dem Herzog geprobt: „In der hessischen Sole habe ich 6½ Lot und in den anderen nichts befunden.“

Am 11. Mai kommt er mit Busso von Rammin zurück. Unterwegs, „auf der Bollentiner Dorfstätte“, nimmt er „eine schwarz glänzende Erde“ zur Probe, „es ist aber nichts befunden worden“. Bei Lassau über dem Tollensesee gebe es eine Bergart, „die Eisenschuss, Blei und ein wenig Schwefel haben mag; sie ist gar gering“. Zwischen Grabzau und Treptow „zeigt sich auch etwas Eisenstein, aber nichts wert“.

In Treptow selbst wird gearbeitet: Die bestellte Lauge „aus der Erde vom Golchener Feld“ wird angesotten „und die angesottene Lauge auch durch den Wundarzt dort, Curt Bödicker, per Alembik destillieren“ gelassen. Weil keine Zeit zum Verweilen ist, gehen „die angesottene Lauge und den Weinstein wie auch den Spiritus und den zurückgelassenen Rest“ nach Wolgast zur weiteren Probe.

Am 12. Mai geht es früh nach Jabzow zum abgestochenen Deich („Anzeichen von Ocker und Eisenstein“), mittags zurück nach Treptow und nachmittags nach Klatzow. Auf dem Weg zum Hagen findet Rhenanus die Quelle, die ihm „auf allen vorigen Reisen“ am besten gefallen hat — mit einer Säuerlichkeit, aus einem Berg mit „Sandstein, Eisenstein, Stahl und Ocker“, daneben eine „dicke, pechzähe, schwarzfarbene Quelle“, die er für ein Bitumen hält.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Klempenow

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Burg Klempenow (Breest), Mecklenburg-Vorpommern · 53.7906° N, 13.3111° O · zur Karte

Klempenow an der Tollense war ein herzogliches Amt; sein Hauptmann Busso von Rammin ist einer der Begleiter der Reise. Hier und in Treptow schöpft Rhenanus schon auf der Hinreise Sole in seinem Beisein, „ihn hatte versiegeln lassen und mitgenommen“ — die Versiegelung bürgt dafür, dass unterwegs nichts verändert wurde.

Der Hauptmann gibt ihm einen entscheidenden Hinweis: „dass zu Greifswald Sole vorhanden sei und dort vor dieser Zeit Salz gesotten, dies aber aus Mangel an Holz eingestellt worden sei“. Rhenanus bringt das bei Tafel vor; daraus wird die erste Reise nach Greifswald.

Der Bericht nennt Klempenow auch unter den Holzämtern des Landes („besonders aber bei Jasenitz, Ueckermünde, Klempenow und Pudagla“) und unter den Orten, an denen der Brunnenkunstmeister Hans Fritz „bei Golchen im Amt Klempenow“ nach Sole hatte senken lassen.

Auf der fünften Reise, am 8. und 9. Mai, ist Klempenow Quartier: Von Stolpe kommend: „Wir haben uns also nach Klempenow gewandt und desselben Tages stillgelegen“, und am 9. geht es mit Busso von Rammin „zum Golchener Gebirge und Feld“.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Wolgast

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Wolgast, Mecklenburg-Vorpommern · 54.0500° N, 13.7667° O · zur Karte

Wolgast am Peenestrom war die Residenz Ernst Ludwigs, „Herzogs zu Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden, Fürsten zu Rügen und Grafen zu Gützkow“. Hierher kam Rhenanus „durch Verleihung göttlicher Hilfe am 31. März zu Wolgast gesund und frisch“; „am folgenden Tag bin ich in der Herberge geblieben“.

Am 2. und 3. April probt er die mitgebrachte Sooder Sole und die drei pommerschen Proben „in Gegenwart meines gnädigen Fürsten und Herrn, des Herzogs zu Pommern, Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin, des Kanzlers, etlicher Räte und der vornehmsten Diener“. Ergebnis: Hessen 6½ Lot, Pommern nichts. Die Hofgesellschaft sieht dem Messen zu — das Probiergerät ist hier auch ein Argument.

Von Wolgast aus gehen alle fünf Fahrten ab und kommen hierher zurück. Am Osterdienstag wird die Sole von Koblentz geprobt — „in der besten Sole nur ein Lot“ —, und der Herzog fragt, ob die Greifswalder Sole nicht auszubauen sei. Rhenanus erinnert an den gemeinsamen Anschlag mit dem Kanzler, sagt aber auch, „dass es nicht in meinem Vermögen stehe, die Sole anders und besser zu schaffen, als sie Gott gibt“ — und dann: „Ich bin nicht der Schöpfer, sondern ein Sünder des Schöpfers.“

Weil der Herzog „nicht ablassen“ will, rät er zum Versuch: „dass man eine große Pfanne und einen ordentlichen Herd einrichte“. Falle er schlecht aus, könne man mit der Pfanne fremde Sole läutern, „bis die Pfanne reichlich bezahlt wäre“, „oder man könnte das Eisen sonst zu Eisentüren oder anderem verbrauchen“. Der Harnischmacher Meister Andres von Stettin soll das Blecheisen kaufen, der Greifswalder Kupferschläger die Pfanne machen; „als Macherlohn 11 Taler“.

Am 2. Mai kehrt Rhenanus von Rügen zurück und übergibt die Sandsteine, die der Goldschmied Hans Kerchen „auf der Kapelle verrauchen“ lässt, ohne etwas zu finden. Von Wolgast aus geht am 4. Mai die vierte Reise nach Usedom, am 8. Mai die fünfte nach Stolpe ab. Der Bericht schließt mit dem 17. Mai; wann Rhenanus Wolgast verließ, sagt er nicht.

Nach der Literatur (Cramer 1879) hatte der Landgraf ihn nur unter der Bedingung ziehen lassen, in vier Wochen zurück zu sein. Aus vier Wochen wurden mehr als zwei Monate.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Greifswald

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern · 54.0960° N, 13.3810° O · zur Karte

Greifswald ist die einzige Station in Pommern, an der es wirklich um Salzsieden geht. Der Hauptmann zu Klempenow hatte berichtet, dort sei Sole und man habe einst gesotten, „dies aber aus Mangel an Holz eingestellt“. Der Herzog ordnet Rhenanus den Kanzler Henning von Rammin zu; „Wir beide sind am 4. April dorthin gezogen, haben die Sole mit einem eingelassenen und mit Steinen beschwerten Krug aus der Tiefe geschöpft, auch die obenauf gesondert gefasst“.

Am 5. April die Probe in Wolgast: „die aus der Tiefe nicht ganz 3-lötig, die obenauf aber 1-lötig“. Der Herzog fragt nach seinem Bedenken. Rhenanus rät, „einen oder zwei verfallene Brunnen — deren dort von alters her sechs gewesen sind — eröffnen und ausfegen“ zu lassen und an der Quelle selbst zu proben.

Ernst Ludwig entschließt sich, „selbst mit nach Greifswald ziehen und dort so lange verharren“ zu wollen, bis das geschehen sei. Am 6. April bricht der Hof auf; „bis am 9. und 10. April die Sole gewonnen und sogleich geprobt und reichlich 3-lötig befunden worden ist“.

Dann der Anschlag. Die Sole ist „sehr gering und nur halb so gut wie die unsrige“; aber ein Zentner Salz gelte hier „wohl einen Gulden“, und Holz sei gut zu haben. Mit dem Kanzler rechnet Rhenanus „nach den Regeln der Umrechnung und der Verhältnisse“ und findet, „dass über die Bezahlung des Holzes hinaus mein gnädiger Fürst und Herr gegen zwei Gulden an zwölf Zentnern erübrigen könnte“. Die Entscheidung stellt er dem Fürsten anheim.

Der Brunnen wird „mit Brettern gut zugedeckt und mit Erde darauf beschüttet“ — das führt Meister Hans Fritz aus. Später, als der Herzog drängt, folgt der Vorschlag der Versuchspfanne, die der Greifswalder Kupferschläger für 11 Taler Macherlohn anfertigen soll. Ob sie je gesotten hat, sagt der Bericht nicht.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Anklam

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Anklam, Mecklenburg-Vorpommern · 53.8560° N, 13.6830° O · zur Karte

„Sonntag, den 12. April, nach gehaltener Predigt“ schickt der Herzog Rhenanus mit dem Hauptmann zu Jasenitz, Moritz von Rammin, und dem Sekretär Appelmann nach Anklam. Dass ein Pfarrer erst nach der Predigt aufbricht, ist die einzige Stelle des Reisebuchs, an der das geistliche Amt in den Alltag der Reise hineinreicht — ob er selbst gepredigt hat, sagt er nicht.

„Ich habe dort das Feld und die Umstände besichtigt, aber keine Gelegenheit noch Anzeichen irgendwelcher Mineralien befunden — außer dass das Kraut Kali, das sonst nur an salzigen Orten zu wachsen pflegt, sich dort in großer Menge zeigte.“ Die Salzpflanze als Anzeiger: So liest Rhenanus Landschaft.

Von Anklam geht es weiter nach Ueckermünde, „und haben nichts vernommen“. Am 18. April kommt die Gesellschaft von Torgelow „wiederum nach Anklam“ zurück, nachdem sie morgens den neuen Hammer bei der Neuen Mühle besichtigt hat.

Anklam ist also Tor und Rückkehrpunkt der zweiten Reise, die in sechs Tagen die Ämter Ueckermünde, Jasenitz und Torgelow durchzieht.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Ueckermünde

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Ueckermünde, Mecklenburg-Vorpommern · 53.7370° N, 14.0500° O · zur Karte

Der Anlass der ganzen Reise war nicht nur Salz, sondern auch Eisen. Ernst Ludwig hatte befunden, „dass allenthalben in Seiner Fürstlichen Gnaden Fürstentum und Landen sowohl an Eisen als auch an Salz großer Mangel herrscht“, und „eine neue Eisenhütte bei der Neuen Mühle im Ueckermünder Amt bauen lassen, um dort zu versuchen, ob Seine Fürstlichen Gnaden Osemund aus Schweden mit Vorteil an sich bringen“ könnten. Der Osemund aber stieg im Preis.

Am 12. April rückt die Gesellschaft von Anklam „nach Ueckermünde“ vor, ohne Befund; am 13. fährt sie „über die Ueckermünder Heide nach Jasenitz“ und sieht unterwegs die alte verfallene Hammerhütte.

Am Morgen des 18. April, „als der Tag anbrach“, besichtigt Rhenanus „den neu gebauten Hammer im Ueckermünder Amt bei der Neuen Mühle“. Sein Urteil: Wasser sei genug vorhanden, „ein Großes“ an Baugeld aufgegangen, aber der Hammer „noch nicht vollständig eingerichtet“; „er mag wohl auf Osemund hergerichtet sein, aber zum Rennwerk und Frischen ist er damals nicht dienlich gewesen“.

Dem Herzog rät er, sich „nicht allein nach Rennwerkern, sondern auch nach Grubenleuten, Köhlern und Steingräbern“ umzutun und den Eisenhammer „wieder in die Hand“ zu nehmen — „denn das könne nicht ohne Nutzen abgehen“.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Jasenitz

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Jasienica (Police), Polen · 53.5790° N, 14.5420° O · zur Karte

Jasenitz, heute Jasienica bei Police nördlich von Stettin, war ein Klosteramt mit alten Eisenhütten: „vor dieser Zeit bereits Eisenhütten bei Jasenitz in Gebrauch gewesen sind“, heißt es in der Vorgeschichte. Am 13. April kommt die Gesellschaft über die Ueckermünder Heide hierher und hat die alte verfallene Hammerhütte „besehen und dabei einen sehr guten Eisenstein befunden — nur dass er nicht viel, aber gutes Eisen gibt“.

Rhenanus wundert sich, „warum eine so herrliche gute Gelegenheit in den Wind geschlagen und man eine wohl erbaute Hütte hat verfallen lassen, wo doch Holz, Wasser und Eisenstein genug zur Hand sind“. Am 14. April geht es nach Stettin und zurück; abends „das Verbentiner Bruch unter dem Hammer neben dem Fuchsberg“, „worin sich guter Eisenstein zeigt“. Auch die Buchhorst hat „viele Stein- und Erzgruben“, und es liegen noch „Schlacken oder Sinter“ — „dass auch die Jasenitzer Mönche dort Schmelzwerk und Eisenhütten gehalten haben sollen“.

Am 15. April die Buderhorst und die Birkenhorst; die Brüche des Seel- und Alten-Hagens sind „wegen des vielen Wassers“ nicht zu befahren. Rhenanus’ Bilanz für das Amt: Kein anderes Metall ist hier zu gewinnen, „weil es sumpfig und niedrig liegt“; aber Holz zu Kohlen, Wasser für den Hammer und Eisenstein „wenn auch armer“ sind in Menge da.

Sein Rat an den Amtmann und den Sekretär: „den alten Eisenhammer von neuem zu erbauen und ein Rennwerk, aber nicht einen Hochofen, wieder einzurichten“. Und ein Nachtrag, den er „beinahe vergessen“ hätte: Auf der Heide liegen „viele Kiefernstöcke und auch Lagerholz“, aus denen man „Pech oder Wagenschmiere“ brennen könne; der Amtmann will „in den nächsten Tagen einen Ofen oder zwei anrichten lassen“. Der Herzog gibt ihm auf, sich notfalls „auf meiner Heimreise am Harz nach guten Pechbrennern umtun“ zu wollen.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Stettin

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Szczecin, Polen · 53.4285° N, 14.5528° O · zur Karte

Stettin, die Hauptstadt des Herzogtums, ist im Reisebuch ein Tagesziel. „Dienstag, den 14., von Jasenitz nach Stettin aufgebrochen und durch die Lesischen Gehölze gezogen; auf dem Hin- und Rückweg aber nichts befunden, außer dass dort ein guter Vorrat an Holz ist.“ Was Rhenanus in der Stadt tat, sagt er nicht; noch am selben Tag ist die Gesellschaft wieder in Jasenitz.

Der Titel des Herzogs — „Herzog zu Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden“ — führt Stettin an erster Stelle, aber Ernst Ludwig residierte in Wolgast; Stettin gehörte seinem Bruder, Herzog Johann Friedrich.

Stettin ist auch der Ort, an dem Eisen zu kaufen ist: Als der Versuch mit der Pfanne beschlossen wird, ruft der Herzog seinen Harnischmacher, „Meister Andres von Stettin“, und es wird verhandelt, „dass Meister Andres das Blecheisen zu Stettin einkaufen“ solle.

Für das Salz ist Stettin ohne Bedeutung. Der Bericht kennt südlich des Haffs nur Holz, Sand und Sümpfe.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Torgelow

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Torgelow, Mecklenburg-Vorpommern · 53.6330° N, 14.0080° O · zur Karte

„Den 16. April nach Torgelow aufgebrochen, aber unterwegs viel Gehölz, sonst nichts als Sand und Sümpfe befunden.“ Torgelow an der Uecker ist das Quartier für die Untersuchung der Salzgruben bei Koblentz.

Noch am Abend geht es „auf den Scharmützel bei den Pferdeköpfen“. Dort war „allenthalben mit dem Bohrer und sonst nach Kalk gesucht worden“; aber wegen der Sumpfigkeit und weil „der Kalk, der sich zeigt, kein guter Kalk, sondern vielmehr Mergel ist“, könne man „gar nicht bauen“.

Zwischen Torgelow und diesem Ort ließ es sich ansehen, „als ob sich Alaunerz entblöße“ — doch „dort zu viel Feld und Steine sind und die Lage sehr sumpfig ist, kann auch nichts eingerichtet werden“. Rhenanus prüft immer beides: ob etwas da ist, und ob man an der Stelle überhaupt bauen könnte.

Am 17. April, „morgens mit Tagesanbruch“, geht es nach Krugsdorf und Koblentz; am 18. von Torgelow zurück nach Anklam. Der Eisenstein „im Torgelower Amt“ sei gering, „könnte aber mit der Zeit besser werden, wenn man ihm nachsuchte“.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Koblentz und Krugsdorf

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Koblentz und Krugsdorf (Vorpommern-Greifswald), Mecklenburg-Vorpommern · 53.5170° N, 14.1330° O · zur Karte

Koblentz bei Pasewalk ist der Grund, warum der Herzog nach Hessen schrieb. Er hatte „bei Koblentz und Krugsdorf, wie denn auch bei Golchen im Amt Klempenow, durch ihren bestellten Brunnenkunstmeister Hans Fritz nach Salzquellen senken, die gesenkten Gruben mit Holz verbauen und alles Wasser daraus ausschöpfen lassen“. Doch „je tiefer sie diese — in der Hoffnung, in der Tiefe die rechte Sole anzutreffen — haben senken lassen, desto mehr ist das wilde Wasser zugelaufen“.

Am 17. April „haben wir unsere Reise nach Krugsdorf und Koblentz genommen, sind dort zu den im vorigen Jahr gemachten Gruben gezogen und haben alle Umstände in Augenschein genommen. In der Grube hinter der Eispforte haben wir nichts weniger als Salz befunden.“ Über den Damm zu den drei Gruben Meister Hans’; Sole wird „zur Probe geschöpft und auf der Heimreise mit nach Wolgast genommen“.

Das Urteil fällt schon vor Ort, und es ist so deutlich wie nirgends sonst im Buch: Ringsum sei „nichts als Moor und Seen in flacher Ebene und feuchtem Feld“, weshalb man „in Ewigkeit — selbst wenn dort die allerbeste Sole zu finden wäre — nicht bauen, viel weniger Feuerherde und Pfannen zum Sieden errichten kann“. Ein Bau würde „über zwei Tonnen Goldes kosten“, und man könnte wegen der schlechten Dämme „das Holz nicht heran- und das Salz nicht abführen“: „so kann und will ich nimmermehr raten, dass dort noch ein einziger Pfennig verbaut werde — besonders in Anbetracht dessen, dass die beste Sole in den drei Sümpfen nur einlötig ist“.

Die Probe in Wolgast am Osterdienstag bestätigt es: „in der besten Sole nur ein Lot“. Zum Vergleich: Die Sooder Sole hielt bei derselben Messreihe 6½ Lot, die von Halle 1568 bis zu 24.

Nachmittags reist die Gesellschaft „durch Baselick nach Schönwalde“ weiter, durchzieht die Sundischen Berge ohne Ocker und Tuffstein und kommt an den Flederbach in den Jasenitzer Bergen, wo Rhenanus Sand und Steine aus dem Bach nimmt, „aber nichts befunden“ — und anregt, dort mit der Rute nach Steinkohlen zu suchen, weil „Ziegelletten und Tongruben“ da sind.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Stralsund (der Sund)

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern · 54.3090° N, 13.0810° O · zur Karte

Die dritte Reise führt nach Rügen, und der Weg dorthin geht über den Sund — Stralsund, im Bericht nur „Sund“ genannt: „Nach dem Fürstentum Rügen zum Sund, wo wir ganz herrlich bewirtet worden sind, mit dem genannten Sekretär Appelmann übers Meer geschifft und zu Bergen gelandet“.

Es ist eine der wenigen Stellen, an denen Rhenanus die Bewirtung erwähnt; die Hansestadt gehörte nicht dem Herzog, und die Gastfreundschaft war offenbar der Rede wert.

Ein Datum steht nicht bei der Überfahrt; am 25. April ist die Gesellschaft bereits in Tetzitz auf Rügen. Vor dem 25. April muss sie also den Sund überquert haben — und nach dem Osterdienstag, dem 21. April, an dem in Wolgast die Koblentzer Sole geprobt wurde.

Am 29. April geht es von Wittow nach Hiddensee und von dort zurück; am 2. Mai ist Rhenanus wieder in Wolgast. Ob die Rückfahrt wieder über Stralsund führte, sagt der Bericht nicht.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 2, S. 869 — Zum Sund; herrlich bewirtet; übers Meer nach Bergen

Bergen auf Rügen

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Bergen auf Rügen, Mecklenburg-Vorpommern · 54.4180° N, 13.4330° O · zur Karte

Mit dem Sekretär Appelmann „übers Meer geschifft und zu Bergen gelandet“ — Bergen in der Mitte Rügens ist der Ausgangspunkt für eine Woche Erkundung der Insel.

„am 25. April desselben Tages nach Tetzitz“ werden die Salzrügen befahren, „aber obwohl der Name vom Salz kommt, gleichwohl an diesen Orten nichts Erhebliches angetroffen“. Ein Flurname, der Salz verspricht, ist für Rhenanus ein Grund hinzufahren — und kein Grund, etwas zu finden.

Von Bergen aus geht es am Montag, dem 27. April, „morgens aufs allerfrüheste zuerst aufs Mönchgut“ und am selben Tag weiter nach Jasmund nach Sagard. Die Reihenfolge — Süden, dann Norden, dann Westen — zeigt, dass die Insel planmäßig abgefahren wurde.

Die Rügen-Reise ist die längste der fünf Fahrten und die ergebnisärmste: Kein Ort auf der Insel liefert Sole oder Erz von Wert. Rhenanus schreibt es Station für Station auf.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Mönchgut

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Halbinsel Mönchgut (Rügen), Mecklenburg-Vorpommern · 54.3000° N, 13.7000° O · zur Karte

Das Mönchgut, die Halbinsel im Südosten Rügens, wird an einem einzigen Tag abgefahren: „Montag, den 27., morgens aufs allerfrüheste zuerst aufs Mönchgut gefahren“.

Rhenanus zählt die Höfte auf wie eine Liste abgearbeiteter Punkte: „das Reddevitzer Höft, das Thiessower Höft, das Kleine Zickersche Höft, das Große Zickersche und das Gaversche Höft, ebenso den Gorerberg besehen, aber an keinem Ort das geringste Anzeichen irgendeines Erzes noch einer Salzquelle abgenommen“.

Nur eines lässt er offen: Weil „auf dem Großen Zickerschen und dem Gaverschen Höft die Berge ziemlich hoch sind, ist es mir nicht zuwider, dass dort mit der Rute nachgeschlagen werde, ob etwas anzutreffen ist“. Die Wünschelrute, die er 1568 in Artern unter „Zauberei“ verbucht hatte, empfiehlt er hier als Mittel, das man versuchen könne — allerdings dem Herzog, nicht sich selbst.

Noch am selben Tag zieht die Gesellschaft nach Jasmund weiter und übernachtet in Sagard.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 2, S. 870 — Die Höfte des Mönchguts; mit der Rute nachschlagen

Sagard und Jasmund

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Sagard (Rügen), Mecklenburg-Vorpommern · 54.5170° N, 13.5500° O · zur Karte

Am Abend des 27. April kommt die Gesellschaft „nach Jasmund nach Sagard“ und übernachtet. Unterwegs hat ein Bauer, „Martin Eisenbort zu Reyt“, Sandsteine vorgelegt, die am Meer gefunden würden. Man fährt hin und findet „etliche dergleichen Erzsteine“, aber „keinen sicheren Gang noch ein Gebirge, sondern Kalk und Mergel am Ufer hart dabei, neben einem geringen Eisenstein“.

Rhenanus wagt eine Einschätzung: „dass dieses Erz in sich Schwefel, Kobalt, Spießglanz, wenig Eisen, etwas Blei und Silber in beliebigem Verhältnis haben sollte“. Wie man das scheide, wisse er nicht, „weil ich damit nicht umgegangen bin“ — der Herzog habe „an anderen Orten nachzufragen“. Die Grenze des eigenen Wissens wird benannt.

Am 28. April „auf Jasmund allenthalben umhergezogen“: zuerst zum Schoritzer Brunnen, „in dem gesagt wird, dass Salz vorhanden sein solle“ — der Gartvogt Hans Erbstedt führt hin, aber man kann „keinen Geschmack irgendeines Salzes abnehmen“; eine Quelle färbt die Steine weiß, was Rhenanus auf die Kreide zurückführt. Er zitiert Thurneisser über weiße Wasser und fügt hinzu: „ich aber weiß es nicht, denn ich habe dergleichen nie mehr gesehen“.

Dann der Sassnitzer Bach, der „hoch vom Gebirge“ herabfällt — dort könne „vielleicht Erz angetroffen werden“, doch weil man „nicht fingerbreit durch das Gebirge sehen kann“, möge der Herzog mit der Rute forschen. Im Schiff um das Vorgebirge „bis zu dem Roten Wasser unter der Stubbnitz“, den Brunnen „süß am Geschmack“; und „den ganzen Buchwald, die Stubbenkammer und den Königsstuhl durchzogen, aber in den letzten beiden nichts als Kreide und Kalk finden können“.

Über Wittow — „gar nichts angetroffen“ — geht es am 29. April nach Hiddensee.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 2, S. 870 — Nach Jasmund nach Sagard
  • Bd. 2, S. 871 — Martin Eisenbort; die Sandsteine; Schwefel, Kobalt, Spießglanz
  • Bd. 2, S. 872 — Der Schoritzer Brunnen; Thurneisser; der Sassnitzer Bach
  • Bd. 2, S. 873 — Das Rote Wasser; Stubbenkammer und Königsstuhl; Wittow

Hiddensee

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Insel Hiddensee, Mecklenburg-Vorpommern · 54.5850° N, 13.1120° O · zur Karte

„Den 29. haben wir unsere Reise von Wittow nach Hiddensee genommen, dort wiederum nichts vernommen“ — so beginnt der Eintrag über den nördlichsten Ort, den Rhenanus in seinem Leben erreicht hat, soweit die Salzbibel es zeigt.

Doch die Überfahrt bringt eine Beobachtung: „außer dass sich beim Hinüberschiffen nicht weit vom Kloster Hiddensee mitten im Meer etwas wie Sole im Geruch zeigte; ich habe sie sogleich geschmeckt, und als sie hernach geprobt wurde, ist sie am Gehalt einlötig befunden worden“.

Riechen, schmecken, wiegen — in dieser Reihenfolge arbeitet Rhenanus überall. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ein Lot im Quart ist, was das Meerwasser der Ostsee ohnehin hergibt; dieselbe Zahl hatte die beste Sole von Koblentz.

Von Hiddensee kehrt die Gesellschaft nach Wolgast zurück, wo Rhenanus am 2. Mai dem Herzog berichtet und die Sandsteine übergibt.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Pudagla und Usedom

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Pudagla (Insel Usedom), Mecklenburg-Vorpommern · 53.9670° N, 14.0670° O · zur Karte

„Nach dem Land zu Usedom bin ich neben dem Herrn Marschall Hans von Erbstetten am 4. Mai aufgebrochen, zu Pudagla angekommen und habe nach dem Essen die Stiegische Sole, wo Salz vermutet wurde, besehen, aber nichts gefunden; doch habe ich dieses Wasser zur Probe mitgenommen.“ Pudagla war ein ehemaliges Kloster und herzogliches Amt, in der Vorgeschichte als Holzamt genannt.

Der Hauptmann Jacob Kußau berichtet, „dass, wenn der Nordostwind geht, das Meer sehr salzig sei und weit aufs Ufer ausschlage“. Rhenanus zieht daraus eine Möglichkeit: „so mag bedacht werden, ob dort mit der Zeit Sonnensalinen anzulegen wären oder nicht“. Es ist das einzige Mal, dass er Meersalz durch Sonnenverdunstung erwägt — als Frage, nicht als Vorschlag.

Am 5. Mai „das ganze Land Usedom, insbesondere die Krüschwentzer Berge und die Perau, um- und durchzogen“. Der Müller auf der Neuen Mühle berichtet, das Gebirge zeige „sich vielfach mit Dampf und Dunst“; solche Dämpfe seien „ein Anzeichen eines hohlen, feuchten Gebirges“, in dem „neben dem Kalk auch Erz, insbesondere aber Kupfererz“ sein könne. Wegen Holz und Wasser könnten dort Schmelzhütten stehen — „so steht es meinem gnädigen Fürsten und Herrn frei“, mit der Rute zu suchen.

„Sonst hat sich außer den Kalkgruben in diesem Land nichts weiter gezeigt“: das Gebirge Gellen und Zemmin, das Dorf Katzgau des Brunnens wegen bei Bratheringsbusch zwischen Mellenthin und Neppermin — „aber weniger als nichts befunden“.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Stolpe

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Stolpe an der Peene, Mecklenburg-Vorpommern · 53.8670° N, 13.5670° O · zur Karte

„Die fünfte Reise. Den 8. Mai nach Stolpe neben dem dazu verordneten Sekretär Appelmann aufgebrochen, gegen Abend dort spät angekommen und deshalb an diesem Tag nichts ausgerichtet.“ Stolpe an der Peene, ein ehemaliges Kloster, ist die erste Station der letzten Fahrt.

„Am folgenden Tag aber haben wir neben dem Herrn Hauptmann Kersten Winterfeld allerlei in Augenschein genommen, aber nichts angetroffen; nur zum Krin hinter Hans Meyers Hof könnte etwas Kalk oder Mergel sein. Sonst halten die Quellen dort ringsherum gar nichts.“

Der Eintrag ist typisch für die zweite Hälfte des Pommernberichts: knappe Tagesnotizen, Namen der Begleiter, ein Befund — meist ein negativer. Rhenanus schreibt auch das Nichts auf, damit niemand später noch einmal hinfahren muss.

Von Stolpe wendet sich die Gesellschaft nach Klempenow und legt dort still.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Golchen

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Golchen (Burow), Mecklenburg-Vorpommern · 53.8000° N, 13.2830° O · zur Karte

Golchen im Amt Klempenow ist die dritte Stelle, an der Meister Hans Fritz vor der Reise nach Sole gesenkt hatte. Am 9. Mai fährt Rhenanus mit dem Hauptmann Busso von Rammin „zum Golchener Gebirge und Feld“, besichtigt „die gesenkten Salzgruben“ und bestellt, „die Erde zu laugen“.

Das ist ein anderer Zugang als das Wiegen der Sole: Wo keine Quelle ist, wird die Erde selbst ausgelaugt und die Lauge geprüft. Zusätzlich lässt er „zu Ürextau beim Alaunsieder Meister Jochim Armschone, auch andere Erde aufsammeln“, die nach der Elmau gebracht wird.

Seine Einschätzung: „Denn ich sehe die Erde dafür an, dass sie Alaun, Schwefel und ein wenig Salz bei sich habe. Weil es aber in beliebigem Verhältnis vermengt ist, kann es nicht gut voneinander geschieden werden.“

Die Lauge wird zwei Tage später in Treptow angesotten und von Curt Bödicker destilliert; Lauge, Weinstein, Spiritus und Rückstand gehen nach Wolgast, damit dort weiter geprobt werde, „was nach vollzogener gründlicher Probe aus dieser Erde ausgebracht werden kann“. Der Bericht sagt nicht, was dabei herauskam.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Loitz

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Loitz, Mecklenburg-Vorpommern · 53.9700° N, 13.1300° O · zur Karte

Die letzten drei Tage des Berichts gelten den Ämtern an der unteren Peene und westlich davon: „Den 15., 16. und 17. Mai die Ämter Loitz, Grimmen und Tribsees allenthalben mit Fleiß neben dem Herrn Hauptmann Hartwig Moltzow und dem Rentmeister zu Tribsees, Marx Milow, durchzogen und besichtigt.“

Das Ergebnis ist ein Nein mit Begründung: „Weil es dort aber flaches ebenes und an etlichen Enden sandiges Land ist, wie denn auch hier und da sumpfig, kann ich darin keinen Anhalt finden, dass an diesen Orten jemals ein Bergwerk oder Salzwerk erbaut werden könnte, selbst wenn Holz genug zur Stelle wäre.“

Loitz ist der erste der drei Orte; ob Rhenanus hier auch übernachtete, sagt der Bericht nicht. Auf dem Weg dorthin, am 13. und 14. Mai, hatte er in Ferchen und Heinrichshagen Kalk und eisenreiche Schlacken gesehen — „Doch weil an diesem Ort Holz und Wasser fehlen, kann dort kein Hüttenwerk errichtet noch unterhalten werden.“

Mit dem 17. Mai endet der Bericht: „Und dies ist also mein untertäniger Bericht und mein Bedenken über alles, was ich auf diesen fünf Reisen … besichtigt, erfahren und nach meinem geringen Verstand habe erwägen können.“

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 2, S. 882 — Heinrichshagen; die Ämter Loitz, Grimmen und Tribsees
  • Bd. 2, S. 883 — Flaches, sandiges Land; Schluss des Berichts

Grimmen

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Grimmen, Mecklenburg-Vorpommern · 54.1100° N, 13.0420° O · zur Karte

Grimmen liegt zwischen Loitz und Tribsees; die drei Ämter wurden vom 15. bis 17. Mai 1584 „allenthalben mit Fleiß“ durchzogen. Begleiter waren der Hauptmann Hartwig Moltzow und der Rentmeister zu Tribsees, Marx Milow.

Für Grimmen gibt der Bericht keinen eigenen Befund; das Urteil gilt allen drei Ämtern gemeinsam: flaches, an etlichen Enden sandiges, hier und da sumpfiges Land, in dem Rhenanus „keinen Anhalt“ findet, dass „jemals ein Bergwerk oder Salzwerk erbaut werden könnte, selbst wenn Holz genug zur Stelle wäre“.

Die Quellenlage ist hier dünn — drei Ämter in drei Tagen, ein Satz Ergebnis. Auf der Karte steht Grimmen, um die Ausdehnung der fünften Reise nach Westen zu zeigen.

Auffällig ist der Nachsatz „selbst wenn Holz genug zur Stelle wäre“: Holz war die Bedingung, an der in Pommern alles hing — der Greifswalder Anschlag, der Eisenhammer, die Sonnensalinen.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Tribsees

Reise 1584 nach Pommern · 1584 · heute: Tribsees, Mecklenburg-Vorpommern · 54.0940° N, 12.7520° O · zur Karte

Tribsees an der Trebel, an der Grenze zu Mecklenburg, ist der westlichste Ort, den der Pommernbericht nennt. Der Rentmeister zu Tribsees, Marx Milow, begleitete die Besichtigung der drei Ämter vom 15. bis 17. Mai 1584.

Wie für Loitz und Grimmen gilt: flaches, sandiges, sumpfiges Land; „kann ich darin keinen Anhalt finden, dass an diesen Orten jemals ein Bergwerk oder Salzwerk erbaut werden könnte“.

Unmittelbar darauf schließt Rhenanus seinen Bericht: „Und dies ist also mein untertäniger Bericht und mein Bedenken über alles, was ich auf diesen fünf Reisen neben denen, die mir zugeordnet waren, besichtigt, erfahren und nach meinem geringen Verstand habe erwägen können.“

Über die Heimreise nach Hessen — vielleicht über den Harz, wo er sich nach Pechbrennern umsehen sollte — schweigt die Salzbibel. Die Literatur weiß nur, dass Mitte Mai noch Pommern war und aus den vom Landgrafen gewährten vier Wochen mehr als zwei Monate wurden.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben)

Kassel

Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) · 1567–1589 · heute: Kassel, Hessen · 51.3127° N, 9.4797° O · zur Karte

Kassel ist in der Salzbibel der Ort, von dem Befehle kommen. Am 24. Februar 1567 schrieb der junge Landgraf Wilhelm von hier an den Salzgrafen Christoph Homberg, die „Vornehmsten aber, die den Ursprung und alle Umstände des ganzen Salzhandels kannten“, seien „nunmehr fast alle gestorben“; darum solle ein Erbbuch entstehen, dessen Kapitel der Pfarrer in Sooden schon gefasst habe. Das ist die Geburtsurkunde der Salzbibel.

Am 28. Juni 1568 wurde hier die Instruktion für die Reise unterzeichnet: „Unterzeichnet zu Kassel, den 28. Juni Anno Domini 1568. Wilhelm, Landgraf zu Hessen.“ Ein Nachtrag von anderer Hand, gezeichnet „Heinrich Hesberg, selbst“, fügt Bremen und den Torf hinzu.

Kassel war auch ein Ort des Wissens. Als der Salzgraf in Halle ihm 1568 die dortige Ordnung zu zeigen anbot, notierte Rhenanus, er habe „die Ordnung schon zuvor bei mir gehabt“, und „sie im Archiv zu Kassel vorhanden ist“. Das landgräfliche Archiv sammelte fremde Salzordnungen, bevor jemand hinfuhr.

Hierher gingen Rhenanus’ Berichte: 1572, dass er „aus Steinkohlen Asphalt gezogen habe“; 1577 aus Torgau; und hier, „im Weißenhof“, probierte Georg Gercke 1577 das Sooder Salz und schickte Rhenanus „aller Sieder Zeichen, auf Papier gerissen und in Blei geschlagen“.

Die Reinschrift der Salzbibel liegt heute in der Universitätsbibliothek Kassel unter der Signatur 2° Ms. Hass. 186 — digitalisiert und gemeinfrei im Repositorium ORKA.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

  • Bd. 3, S. 28 — Auftrag zum Erbbuch, gegeben zu Kassel, 24. Februar 1567
  • Bd. 2, S. 731 — Instruktion, unterzeichnet zu Kassel, 28. Juni 1568
  • Bd. 2, S. 804 — Die Hallesche Ordnung „im Archiv zu Kassel vorhanden“
  • Bd. 2, S. 1031 — Georg Gercke probiert Salz zu Kassel im Weißenhof
  • Bd. 2, S. 1032 — Bericht über Asphalt aus Steinkohlen, 1572

Hoher Meißner

Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) · 1563–1589 · heute: Hoher Meißner (Werra-Meißner-Kreis), Hessen · 51.2222° N, 9.8630° O · zur Karte

Der Hohe Meißner, zehn Kilometer westlich von Sooden, ist der Ort, mit dem Rhenanus’ Name in der Technikgeschichte verbunden ist: die Braunkohle, die dort seit 1578 regelmäßig gefördert und in Sooden verfeuert wurde. Die Salzbibel nennt sie durchweg „Steinkohlen“ — im ersten Buch heißt es, „des Steinkohlenbergwerks zu geschweigen, weil offenbar und jedermann bekannt ist, welch großen Nutzen dasselbe dem Salzwerk, dem Hüttenwerk, den Schmieden und den Haushaltungen zuwege bringt“.

Rhenanus schreibt über den Berg wie ein Gelehrter: Er hält ihn für den Melibocus der Alten und zählt die Kräuter auf, die Leute „aus fremden Landen“ jährlich hier suchen — Scorzonera, Coronopus, das „edle Wundkraut Solidago sarracenica“. Von eigenen Grubenfahrten spricht er nicht.

Das Archivverzeichnis zeigt die Verwaltungsseite: ein „Mietzettel und Bestätigung des Bergvogts … über das Steinkohlenbergwerk auf dem Meißner“; Georg Gercke, der Rhenanus 1577 bittet, „sich zu ihm nach Germerode zu verfügen“, wegen des Bergwerks; Otto Wenner, der wegen des Bergwerks schreibt; Landgraf Wilhelms Befehl vom 11. Mai 1576 an den Berghauptmann Hermann Schütz, Rhenanus und andere, „das Schmelzen mit den Steinkohlen zu versuchen“; und Rhenanus’ Bericht von 1572, „dass er aus Steinkohlen Asphalt gezogen habe“.

Der erste Appendix liefert die Zahl: „Von den 43 Bothen, die unserem gnädigen Fürsten und Herrn gehören, sind nunmehr Anno 84 zwanzig zum Steinkohlensieden hergerichtet“; Kosten bisher 3.524 Gulden. In den Steinkohlen-Bothen braucht man Roste aus 23 Eisenstäben und zwei „Windlöcher“, „dadurch kommt der Wind unter den Rost, um das Feuer zu entfachen“ — das ist der Zug, den die Literatur Allendorfer Windofen nennt; der Name selbst kommt in der Handschrift nicht vor.

Wie unsicher das alles blieb, zeigt die Bestätigungsurkunde vom 3. Mai 1586: Der Landgraf verlängert die Verpachtung, gibt aber zu bedenken, „dass es auch mit dem Steinkohlenbergwerk am Meißner die Bewandtnis habe, dass darauf nichts Gewisses zu bauen sei“, und behält sich die Kündigung vor, falls Gehölze oder Bergwerk „in Abgang gerieten“.

Zur Einordnung aus der Literatur: Entdeckt hat Rhenanus die Kohle nicht; Schürfungen gab es schon 1555. Ab 1563 soll er mit ihr experimentiert haben, 1571 befahl der Landgraf den Bergbau in Eigenregie, 1575 wurde der Stollen im Schwalbenthal angesetzt, 1578 begann die Förderung; 1579 befuhr Wilhelm IV. die Gruben selbst. Die NDB spricht davon, dass Rhenanus in den 1560er Jahren Steinkohle aus Lüttich verwendet habe — ein Hinweis, der sich mit der Salzbibel weder belegen noch widerlegen lässt.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Torgau

Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) · 1577 · heute: Torgau, Sachsen · 51.5606° N, 13.0056° O · zur Karte

Torgau steht auf dieser Karte, weil eine einzige Zeile der Miszellen es verlangt: „Rhenanus schreibt unserem gnädigen Fürsten und Herrn von Torgau wegen allerlei Sachen, die Seine Fürstlichen Gnaden ihm im Land zu Meißen auszurichten befohlen haben, Anno 77.“

Das ist kein Reisebericht, sondern der Eintrag eines Aktenverzeichnisses. Er belegt, dass Rhenanus 1577 in Torgau war — dort, wo Kurfürst August von Sachsen oft residierte — und dass er im Auftrag Landgraf Wilhelms Geschäfte „im Land zu Meißen“ zu erledigen hatte. Worum es ging, sagt das Verzeichnis nicht; der Brief selbst ist in der Salzbibel nicht abgeschrieben.

Der Zusammenhang liegt nahe: Rhenanus hatte 1569 schon für Kurfürst August in Auleben und Artern gearbeitet, und 1576 hatte Wilhelm befohlen, „das Schmelzen mit den Steinkohlen zu versuchen“ — das bergmännische Können für den Meißner kam nach der Literatur aus Kursachsen. Aber das ist eine Vermutung, keine Quelle.

Der Ort ist als Wirkungsort eingetragen, nicht als Reisestation, weil die Salzbibel den Aufenthalt nur indirekt bezeugt — durch den Absendeort eines Briefes.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Bremen

Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) · 1568–1576 · heute: Bremen · 53.0758° N, 8.8072° O · zur Karte

Bremen war der Salzmarkt am Ende der Weser. Das Sooder Salz ging seit Landgraf Philipps Zeit „die Weser hinab nach Höxter, Minden und Bremen“; 1541 erging ein „Offenes Patent“ an alle, „die am Weserstrom nach Bremen zu wohnen“, das Salz „für gut“ zu achten und zu kaufen.

In der Instruktion von 1568 steht Bremen nur im Nachtrag von anderer Hand: „Es soll sich Rhenanus auch nach Bremen verfügen und sich über alle Umstände des Bois erkundigen, ob dieser in großer Menge zu bekommen ist und wie teuer ungefähr eine Tonne, auch mit welchen Mitteln er heraufzubringen wäre.“ Bois — Torf — sollte den Holzmangel lindern. Gezeichnet: „Heinrich Hesberg, selbst.“

Ob Rhenanus gefahren ist, sagt das Reisebuch nicht; es endet mit Groß Salza. Die Miszellen aber verzeichnen: den Brief des Bremer Bürgermeisters Daniel von Büren „des Salzes und Poyß halber, Anno 69 den 12. März“; eine „Instruktion, wie sich Wolff Deuchell, Rhenanus’ Diener, zu Bremen und auf der Reise des Salz- und Poyß-Handels wegen verhalten solle“; Rhenanus’ Bericht „wegen eines Probierwerks, das mit Poyß gesotten worden ist“; und „Fünf andere Schreiben, diesen Handel betreffend“.

Das spricht dafür, dass Rhenanus den Torfhandel von Sooden aus führte und seinen Diener schickte. 1576 schreibt er an Bürgermeister und Rat zu Bremen, „dass sie Steinkohlen genügend bekommen könnten“ — jetzt ist er der Anbieter von Brennstoff, nicht der Suchende.

Bremen ist deshalb ein Wirkungsort: belegt durch Briefe, einen Diener und ein Probewerk mit Torf, nicht durch einen eigenen Besuch.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Lüneburg

Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) · 1552–1576 · heute: Lüneburg, Niedersachsen · 53.2500° N, 10.4142° O · zur Karte

Lüneburg war im 16. Jahrhundert das große Salzwerk Norddeutschlands. Im fünften Buch der Salzbibel steht ein Gutachten von 1552 über den Vorschlag, in Sooden „bleiernen Pfannen“ zu versuchen „wie zu Lüneburg“: Weil „die Salzsole zu Lüneburg … die allerreichste Sole ist, die man hierum kennt“, tauge das Verfahren für die schwache Sooder Sole nicht; am besten hole man „einen Lüneburger Salzknecht“ — „denn man lässt sie nicht leicht anderswohin ziehen“.

Die Instruktion vom 28. Juni 1568 nennt Lüneburg unter den Zielen der Reise. Das Reisebuch aber endet mit Groß Salza und sagt ausdrücklich, weiter von anderen Salzwerken zu schreiben habe Rhenanus „für unnötig erachtet“. Eine Beschreibung Lüneburgs aus seiner Hand gibt es in der Salzbibel nicht.

Kenntnisse hatte er trotzdem. Im Archivverzeichnis stehen der „Bericht der drei Sülzmeister zu Lüneburg, Georg Tobing, Hartwig Semmelbeck und Benedikt Töppen, dass ihre Sole ab- und zunehme“ — genau die Frage, die er 1568 überall stellte — und ein „Anzug und Bericht, was die Sole zu Frankenhausen, Suleben, Artern, Halle in Sachsen, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Sülldorf, Lüneburg, Salzdiepen und Salz zur Helle halten, ebenso wie viel Werk in jedem wöchentlich gesotten werden können, aufgezeichnet durch Johann Rhenanus“.

Diese Liste ist aufschlussreich: Sie enthält die Orte der Reise von 1568 und dazu Sülldorf, Lüneburg, „Salzdiepen“ und „Salz zur Helle“ — also auch Werke, die im Reisebuch fehlen. Woher die Zahlen stammen, ob aus eigener Messung, aus Briefen oder aus fremden Berichten, ist nicht zu sagen.

Lüneburger Fachleute begegnen ihm unterwegs: In Aschersleben hatte man „einen Kunstmeister von Lüneburg, Georg Rose genannt“, geholt; ein „Georg Rese, Sülzmeister zur Zelle im Land zu Lüneburg“, bot eine Kunst an, „wie man das wilde Wasser von der Sole scheiden könne“. Die Literatur (Klepsch, Maurer) rechnet Lüneburg zu den Reisezielen ab 1567 — die Salzbibel belegt das nicht.

Belege in der Salzbibel (Faksimile in ORKA):

Grundlagen dieser Karte

Die Ortsangaben stammen aus dem Reisebuch (Bd. 2, S. 727–884), den Miszellen (Bd. 2, S. 885–1032), der Widmung und dem ersten Buch (Bd. 1) sowie den Briefen des dritten Bands. Lebensdaten und Einordnungen aus der Literatur: Hermann Cramer, M. Johannes Rhenanus, der Pfarrherr und Salzgräfe zu Allendorf a. d. Werra (1879); Hans-Henning Walter, Das deutsche Salinenwesen im 16. Jahrhundert. Reiseberichte des Allendorfer Salzgräfen Johannes Rhenanus (1989) und der Artikel in der Neuen Deutschen Biographie; die Gedenkrede von Hugo Klepsch (1989), wiedergegeben beim Geschichtsverein Melsungen.

Koordinaten: heutige Ortsmitten nach Wikipedia, auf vier Nachkommastellen gerundet. Flüsse und Küsten sind frei nach Kartenlektüre skizziert und nicht vermessen.

Ausführlich auf dieser Seite

Belege (Band, Seite — Faksimile in ORKA):

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