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Salzbibel

Die neun Kunstrisse

Die technischen Zeichnungen des Salzbrunnens am Ende des zweiten Bandes — groß und mit ihren Beschriftungen im Wortlaut

Bestandspläne, keine Lehrbilder

Am Ende des zweiten Bandes liegen die Kunstrisse: großformatige Falttafeln in Rot- und Schwarztinte, teils mit Maßstab, die den Salzbrunnen zu Sooden zeigen — im Grundriss, in der Zimmerung, als Fassung und als Maschine. Jeder Tafel geht ein Vorblatt mit einer Buchstabenmarke voraus: A, B, C, D, E, F, H und noch einmal A als „A.A.“. Ein G gibt es nicht, und die Tafel H trägt zwei Zeichnungen. So kommt man auf acht Tafeln mit neun Zeichnungen; die Handschriftenbeschreibung zählt neun Kunstrisse.

Technische Abbildungen des 16. Jahrhunderts kennt man vor allem aus gedruckten Büchern, und die zeigen einen Typ: so sieht eine Wasserkunst aus. Diese Tafeln zeigen etwas anderes — ein bestimmtes Bauwerk in einem bestimmten Zustand, nach Himmelsrichtungen ausgerichtet, mit einzeln benannten Quellen und dem Vermerk, was aus jeder geworden ist. Das sind Bestandspläne, gezeichnet von Leuten, die in dem Brunnen gestanden haben, nicht Lehrbilder für Leser, die nie hinkommen.

Rot und Schwarz sind auf diesen Blättern kein Schmuck. Die Farbe unterscheidet: den Brunnen von seiner Fassung, die Sole vom wilden Wasser, auf Tafel F die Streben vom Holzwerk. In einer Schwarzweißwiedergabe geht diese Information verloren; hier sind die Farbaufnahmen der Universitätsbibliothek Kassel wiedergegeben.

Unter jeder Tafel stehen ihre Beschriftungen im Wortlaut der Handschrift. Ein Schrägstrich bezeichnet einen Zeilenwechsel auf der Tafel, „[?]“ eine unsichere Lesung. Wo eine Übertragung in heutiges Deutsch vorliegt, folgt sie; die übrigen Tafeln tragen nur Titel und wenige Wörter.

Tafel A Das alte Corpus des Brunnens mit seinem Stoßwerk

Kunstriss A auf einer aufgeschlagenen Doppelseite: links der Grundriss des alten Brunnenkranzes, ein vielkantiger Ring aus gezimmerten Balken mit Verzapfungen und einem roten Kreisbogen im Inneren; rechts die hölzerne Verkleidung des Brunnens in Schrägansicht, gebogene Lagen zugespitzter Bohlen, von Querbalken gehalten. Oben ein Maßstab mit Teilstrichen.
Tafel A — Das alte Corpus des Brunnens mit seinem Stoßwerk. Aufnahme Bd. 2, S. 1036; Vorblatt mit der Marke „A“ auf S. 1035. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1036 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Zwei Darstellungen desselben Bauteils. Links liegt der Brunnenkranz im Grundriss: ein vielkantiger Ring aus gezimmerten Balken, an den Ecken verzapft, innen mit einem rot gezogenen Kreisbogen — der eigentliche Brunnenschacht. Rechts ist dieselbe Konstruktion als Verkleidung in Schrägansicht gezeichnet: gebogene Lagen zugespitzter Bohlen, die von Querbalken gehalten werden und in den Falz der Tafel hineinlaufen. Über dem Grundriss steht ein Maßstab.

Die Beschriftung im Kreis nennt den Gegenstand: das alte Corpus, also der Brunnenkörper, wie er vor dem Umbau bestand, samt seinem Stoßwerk — dem Pfahlwerk, auf dem er stand und das Tafel D für sich zeigt.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • Das alt Corpus des Brunnens. Mitt
  • seinem[?] Stoßwergk.

Heutiges Deutsch:

Der alte Korpus des Brunnens, mit seinem Stoßwerk.

Bezug zum fünften Buch

Tafel A ist der Ausgangspunkt der Reihe: der Zustand, den das Gutachten von 1548 vorfand und den der Bau von 1550 ersetzte. Der Bleistiftvermerk oben rechts zählt das Blatt als 517.

Tafel B Die erste Aufräumung des Brunnens

Kunstriss B: Grundriss des Brunnens nach der ersten Aufräumung. Ein zwölfeckiger, gezimmerter Kranz mit innerem Strebenring, in der Mitte der alte Brunnen als roter Kreis mit dem großen Stein, ringsum eingezeichnete Wasseradern mit Beschriftungen, links eine rechteckige Kammer, rechts das Gewölbe oder der Stollen; die Himmelsrichtungen stehen in den Ecken, ein Maßstab unten rechts.
Tafel B — Die erste Aufräumung des Brunnens. Aufnahme Bd. 2, S. 1039; Vorblatt mit der Marke „B. Die Erste auffraumung des Bronnens.“ auf S. 1038. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1039 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Die aufschlussreichste Zeichnung des Werks. Der Brunnen liegt im Grundriss, nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet — „Mittagk“ unten links, „Niddergangk“ oben links, „Aufgangk“ unten rechts, „Mitternacht“ oben rechts. Der zwölfeckige Kranz ist „die eusserste fassung“; die Streben nach innen halten sie zusammen, „dz es den Bergk nit weg mag“ — damit der Berg sie nicht wegdrückt. In der Mitte, rot, „der Alte Brun“ mit „der grosse Stein“.

Zwischen Kranz und Brunnen ist der Boden voller Adern, und jede ist benannt: Solequellen, wildes Wasser, Süßwasser. Bei mehreren steht, was aus ihnen geworden ist — „hatt sich gar verlohren“, „ist zugefült“. Rechts außen sitzt „Das Gewelbe oder Stollen“, der das wilde Wasser hinter dem Boden der äußersten Fassung ableitet; links eine rechteckige Kammer, das Leuchtloch.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • Mittagk
  • Niddergangk
  • Aufgangk
  • Mitternacht
  • Die eusserste fassung
  • Die streben damit dz eusserste Faß[?] Jn der mitt zusammen[?] gehalten[?] / dz es den Bergk[?] nit[?] weg[?] mag[?]
  • Diese / starcke Ader so / alwegen[?] Jm vmb= / gange entsprangk / hatt sich gar ver= / lohren.
  • Das frische[?] / Leuchtloch
  • Soltzquel[?]
  • Das Gewelbe / oder Stollen
  • dz wilde wasser hinder / dem Boden des eussersten / Fasses[?].
  • Der Tam zwischen dem Brun vnd der / eussersten wandt, vnd zwölff[?] schu / dick
  • Die neuen[?] / Sohlquellen
  • der / grosse / Stein
  • der Alte Brun
  • Ein starck quell wilt / wasser
  • Sueswasser[?].
  • Wiltwasser.
  • wilt wasser
  • Die dz[?] schissen[?] Bogen[?] darin[?] ... [?] wilden wasser vnd der Sohle
  • Sohlquel[?] dise Ader hatt sich alles[?] verlohren
  • Wiltwasserquel / hatt sich verlohrn.
  • wiltwasser (2×)
  • ist[?] zugefült[?]

Heutiges Deutsch:

Mittag (Süden) · Niedergang (Westen) · Aufgang (Osten) · Mitternacht (Norden)

Die äußerste Fassung. — Die Streben, mit denen das äußerste Fass in der Mitte zusammengehalten wird, damit der Berg es nicht wegdrücken kann. — Diese starke Ader, die stets im Umgang entsprang, hat sich ganz verloren. — Das frische Leuchtloch. — Solequelle. — Das Gewölbe oder der Stollen, der das wilde Wasser hinter dem Boden des äußersten Fasses ableitet. — Der Damm zwischen dem Brunnen und der äußersten Wand, zwölf Schuh dick. — Die neuen Solequellen. — Der große Stein. — Der alte Brunnen. — Eine starke Quelle wilden Wassers. — Süßwasser. — Wildwasser. — Wildwasser. — Diese Ader hat sich ganz verloren. — Wildwasserquelle, hat sich verloren. — Wildwasser. — Wildwasser, ist zugefüllt.

Bezug zum fünften Buch

Genau das ist der Befund, den das fünfte Buch für den Augenschein von 1548 beschreibt: Der Brunnen wird leergeschöpft, „damit man den Boden sehen könnte“, und man stellt fest, von welcher Seite das wilde Wasser hereinfällt. Weil die Tafel nach Himmelsrichtungen beschriftet ist, ließe sie sich mit einem heutigen Plan vergleichen — eine Aufgabe, die die Seite Offene Fragen festhält.

Tafel C Die zweite Aufräumung, mit der Grundlegung

Kunstriss C: Grundriss des Brunnens bei der zweiten Aufräumung. Ein äußerer vielkantiger Balkenkranz mit drei nummerierten quadratischen Schächten, innen ein roter Umgang, in der Mitte die schraffierte Brunnensohle mit dem großen Stein und den Quellen; rechts der Stollen mit dem Vermerk zu den Pumpen, unten rechts ein Maßstab.
Tafel C — Die zweite Aufräumung, mit der Grundlegung. Aufnahme Bd. 2, S. 1042; Vorblatt mit der Marke „C. Die ander auffraumung mit der grundtlegung“ auf S. 1041. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1042 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Derselbe Ort wie auf Tafel B, ein Stadium später. Der äußere Kranz trägt jetzt drei nummerierte quadratische Schächte — die Leuchtlöcher 1, 2 und 3 —, innen läuft rot der Umgang, „4 schu weidt“. Die Mitte ist schraffiert: die freigelegte Brunnensohle mit dem großen Stein, den Solequellen und sechsmal „wasser“. Rechts der Stollen, an dem „die Pompen“ stehen. Beschriftet ist die Tafel sparsam; sie setzt Tafel B voraus.

Diese Tafel ist im Digitalisat zweimal aufgenommen: auf S. 1042 und noch einmal auf S. 1043 mit anders ausgeklapptem rechtem Rand, wo die Beschriftung des Stollens abgeschnitten ist. Es ist dieselbe Falttafel.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • 1
  • 2
  • 3
  • wasser (6×)
  • Sohle (2×)
  • der / grosse / stein[?]
  • Leuchtloch
  • vff diesem / ort stehen die / Pompen.
  • der Stolle.
  • der Vmbgangk ist 4 schu weidt

Heutiges Deutsch:

1 · 2 · 3 — Wasser, Wasser, Wasser, Wasser, Wasser, Wasser. — Sole. Sole. — Der große Stein. — Leuchtloch. — An dieser Stelle stehen die Pumpen. — Der Stollen. — Der Umgang ist vier Schuh breit.

Bezug zum fünften Buch

Die „Grundlegung“ ist der Neubau von 1550: Im Bautagebuch setzt Meister Hans Wetzel die neue Fassung, und beim Freilegen findet man unter den Schwellen des alten Fasses „die besten Salzadern“. Zwei Tafeln desselben Bauwerks in zwei Zuständen — man kann den Fortschritt vergleichen.

Tafel D Das Stoßwerk des alten Brunnens

Kunstriss D: das Stoßwerk des alten Brunnens in Schrägansicht. Ein auf die Spitze gestellter quadratischer Rahmen aus doppelt verzahnten Balkenlagen sitzt auf einem Rost eng gestellter, unten zugespitzter Pfähle; zwei gekreuzte Balken mit Zapfen liegen diagonal darüber. Rechts ein Maßstab; die rechte Seite der Doppelseite ist leer.
Tafel D — Das Stoßwerk des alten Brunnens. Aufnahme Bd. 2, S. 1046; Vorblatt mit der Marke „D. Stoswergk des altenn Bronnenn.“ auf S. 1045. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1046 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Das Fundament. Ein quadratischer Rahmen aus doppelt verzahnten Balkenlagen, auf die Spitze gestellt gezeichnet, ruht auf einem Rost dicht gesetzter Pfähle, die unten angespitzt sind, um in den Grund getrieben zu werden. Zwei gekreuzte Balken mit Zapfen liegen diagonal darüber und halten das Ganze. Rechts daneben ein Maßstab ohne Ziffern; die gegenüberliegende Seite ist leer.

Die einzige Beschriftung steht im Rahmen: „Form der hiltzer gebeu neben dem Brunnen“ — die Lesung der beiden mittleren Wörter ist unsicher.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • Form der hiltzer[?] gebeu[?]
  • neben dem Brunnen

Für diese Tafel liegt keine Übertragung der Beschriftung vor; die Wiedergabe oben folgt dem Wortlaut, der Sinn steht unter „Was zu sehen ist“.

Bezug zum fünften Buch

Tafel A zeigt das Corpus „Mitt seinem[?] Stoßwergk“; hier ist das Stoßwerk allein zu sehen. Wer im Bautagebuch liest, dass man unter die Schwellen „zuerst Moos gelegt, darin Asche und Sand geschüttet, darauf außen und innen an den Schwellen groben Kies aufgebracht“ hat, sieht hier, worauf die Schwellen lagen.

Tafel E Die neue Auslängung des Brunnens nach dem Berge zu

Kunstriss E, um neunzig Grad gedreht auf einer Doppelseite: in der Mitte der runde alte Brunnenschacht mit acht Speichen und einer Beschriftung im Rund; rechts die Zimmerung der Brunnenverkleidung in Schrägansicht mit rot markierten Klammern; links ein vielkantiger Balkenrahmen mit rot gezogenen Hilfslinien. Oben ein Maßstab mit Teilstrichen.
Tafel E — Die neue Auslängung des Brunnens nach dem Berge zu. Aufnahme Bd. 2, S. 1049; Vorblatt mit der Marke „E.“ auf S. 1048. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1049 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Die Tafel ist quer eingebunden; die Beschriftung läuft am linken Rand von unten nach oben: „Dieses ist die Newe außlengung des Brunnens nach dem Berge zue.“ Links der neue, vielkantige Rahmen, mit roten Linien und roten Klammerzeichen; rechts die Zimmerung der Verkleidung in Schrägansicht; in der Mitte, klein, der runde alte Schacht mit acht Speichen.

Im Kreis steht, was aus ihm wurde: „Dieses ist des Alett Corpus des Brunnens, ist aber abgeschafft, vnd an dessen statt ein Vierekicht Corpus, Jm letzten Brunnenbaw angestellet worden.“ Das runde Corpus wurde abgeschafft und durch ein viereckiges ersetzt — das Tafel F zeigt.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • Dieses ist die Newe außlengung des Brunnens nach dem Berge zue.
  • Dieses ist des Alett[?]
  • Corpus des Brunnens, ist
  • aber abgeschafft, vnd an
  • dessen statt ein Vierek=
  • icht Corpus, Jm letzten
  • Brunnenbaw ange=
  • stellet worden.

Für diese Tafel liegt keine Übertragung der Beschriftung vor; die Wiedergabe oben folgt dem Wortlaut, der Sinn steht unter „Was zu sehen ist“.

Bezug zum fünften Buch

Der letzte Brunnenbau — „Jm letzten Brunnenbaw“ — ist aus Sicht des Zeichners der jüngste; nach dem fünften Buch ist das der Bau von 1550/51, dessen Abrechnung am 20. Oktober 1551 geschlossen wurde. Sicher datieren lässt sich die Tafel damit nicht.

Tafel F Das viereckige Corpus des jetzigen Brunnenbaus

Kunstriss F: der viereckige Brunnenkasten in Schrägansicht. Oben ein Rahmen aus verzahnten Balkenlagen mit Rost, darunter Ständerwerk mit Fachfeldern und rot eingezeichneten Diagonalstreben, unten eine Wand aus senkrechten Brettern auf Schwellbalken; rechts ein Maßstab mit den Ziffern 0, 5 und 10.
Tafel F — Das viereckige Corpus des jetzigen Brunnenbaus. Aufnahme Bd. 2, S. 1052; Vorblatt mit der Marke „F“ auf S. 1051. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1052 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Der neue Brunnenkasten von außen, in Schrägansicht. Oben der Rahmen aus verzahnten Balkenlagen, darunter Ständerwerk mit Fachfeldern, unten eine Spundwand aus senkrechten Brettern auf Schwellbalken. Rot eingetragen sind Diagonalstreben und Bohrungen — hier bezeichnet die Farbe den Unterschied zwischen dem Holzwerk und dem, was darin verbindet und hält. Der Maßstab rechts ist der einzige der Reihe mit Ziffern: 0, 5 und 10.

Die Überschrift lautet „Viereckicht Corpus, des Jetzigen Brunnenbawes“. „Jetzig“ heißt: zur Zeit der Zeichnung in Betrieb.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • Viereckicht Corpus, des Jetzigen Brunnenbawes.
  • 0
  • 5[?]
  • 10

Für diese Tafel liegt keine Übertragung der Beschriftung vor; die Wiedergabe oben folgt dem Wortlaut, der Sinn steht unter „Was zu sehen ist“.

Bezug zum fünften Buch

Das ist die Fassung, die im Bautagebuch entsteht — „aufs schärfste genau“ eingesetzt, mit bis zu achtzehn Zimmerleuten gleichzeitig, der Brunnen „mit der Schrotwaage genau abgewogen“.

Tafel H Der Stuhl des Georg Behme und Hombergs erste Kunst

Kunstriss H, zwei Zeichnungen auf einer Doppelseite: links ein hölzernes Gerüst aus Ständern, Riegeln und Diagonalstreben in Schrägansicht; rechts ein Gestell mit großem Speichenrad und Kurbelwelle, von dem zwei Seile schräg nach oben zu einer Trommel laufen. Beide Zeichnungen sind am linken Rand senkrecht beschriftet, dazwischen ein Maßstab.
Tafel H — Der Stuhl des Georg Behme und Hombergs erste Kunst. Aufnahme Bd. 2, S. 1055; Vorblatt mit der Marke „H“ auf S. 1054. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1055 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Zwei Zeichnungen auf einer Tafel, beide senkrecht beschriftet. Links ein Gerüst aus Ständern, Riegeln und Diagonalstreben mit überstehenden Balkenköpfen: „Forma des Stuels so Do. Georg Behme aufft dem Brunnen anrichten wollenn“ — die Form des Stuhls, den Georg Behme auf dem Brunnen einrichten wollte. Rechts eine Kunst: ein Gestell mit großem Speichenrad und Kurbelwelle, von dem zwei Seile nach oben zu einer Trommel laufen — „Christoff Hombergs erste Kunst, so mitt Menschen getrieben wordenn“. Zwischen beiden ein Maßstab.

Was „Do.“ vor Behmes Namen abkürzt, ist nicht sicher; das fünfte Buch nennt ihn Meister.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • Forma des Stuels so Do. Georg Behme aufft[?] dem Brunnen anrichten wollenn.
  • Christoff Hombergs erste Kunst, so mitt Menschen getrieben
  • wordenn.

Für diese Tafel liegt keine Übertragung der Beschriftung vor; die Wiedergabe oben folgt dem Wortlaut, der Sinn steht unter „Was zu sehen ist“.

Bezug zum fünften Buch

Die Tafel stellt die beiden Lösungen des Streits um die Rosskunst nebeneinander: Behms von Pferden getriebenes Werk, das den Brunnen verderben soll, und die von Menschen getriebene Kunst, mit der Homberg am 30. Dezember 1549 zum ersten Mal die Sole hob — sein Brief vom 31. Dezember sagt, das Werk sei „gestern um die Vesperzeit eingesetzt“ worden und dann eine Viertelstunde gelaufen. Warum Menschen statt Pferde, erklärt die Anmerkung dazu.

Tafel AA Der alte Brunnen mit allen seinen Gebäuden

Kunstriss AA: Grundriss des alten Salzbrunnens mit allen Gebäuden. In der Mitte der runde Brunnenschacht mit rot angelegtem Kranz, darum zwei quadratische Geviere aus Bohlen, ein geflochtener Zaun mit Pfählen und außen die vielkantige alte Fassung mit vielen Säulen; die Himmelsrichtungen stehen an den Ecken, unten rechts ein Maßstab.
Tafel AA — Der alte Brunnen mit allen seinen Gebäuden. Aufnahme Bd. 2, S. 1058; Vorblatt mit der Marke „A.A.“ auf S. 1057. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1058 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Was zu sehen ist

Der Gesamtplan des alten Brunnens, konzentrisch von innen nach außen: der runde Schacht mit rot angelegtem Kranz und Quellzeichen; zwei quadratische Geviere aus Bohlen, „ohngefehr Acht oder Neun schuch hoch“; ein geflochtener Zaun mit Pfählen; außen die alte Fassung, „mitt Neuntzehen Seulen, in Achtzehen felder getheilt“, in Rot und Schwarz. Dazu vier kreuzschraffierte Tauchlöcher, ein Eichenbaum im Damm — „der Baum gingk in der mitte des Thams vmb den Brunnen“ —, ein Erdschlag rechts unten und ein gewölbter Anbau rechts. Die Himmelsrichtungen stehen an den Ecken.

Die Maße sind eingetragen wie in einem Protokoll: Das äußerste Gevier war drei Schuh vom innersten entfernt, der Brunnen oben sechs Schuh weit, der alte Umgang vier Schuh. Alles im Präteritum — „war“, „wahren“: Die Tafel hält fest, was nicht mehr steht.

Die Beschriftungen der Tafel im Wortlaut

  • Forma des Alten Brunnens mitt allen seinen Gebewen[?]
  • Mittagk
  • Niedergangk
  • Auffgangk
  • Mitternacht
  • 1 Tauchloch
  • 2 Tauchloch
  • 3 Tauchloch
  • 4 Tauchloch
  • der alte Vmbgangk war 4 schue weit
  • Die eußerste Alte fassung ist mitt Neuntzehen Seulen, in Achtzehen felder getheilt, wie dieser Zirkel außweiset.
  • * die stark ader hatt sich verlohren
  • Daß eußerste Gevier war drey schue von dem
  • Jnnersten
  • das Jnnerste Gevier war Jn der Mitte von
  • dem Hast[?] des Brunnens dritthalb schuch.
  • der Brunn wahr oben
  • Sechs schue weit.
  • Wiltwaß (2×)
  • Sohle
  • Wiltw[?]
  • die Bolen an den Gevieren wahren ohngefehr Acht
  • oder Neun schuch hoch
  • Wasser
  • Sohle[?]
  • haben sich beyde
  • verlohren.
  • Sohle.
  • Wiltwasser hind[?] den
  • Bohlen des Eußersten
  • fasses[?].
  • der Baum gingk in der mitte des Thams vmb den Brunnen
  • Eichen Baum
  • Ein groß erdschlagk[?]
  • S.S.[?]

Für diese Tafel liegt keine Übertragung der Beschriftung vor; die Wiedergabe oben folgt dem Wortlaut, der Sinn steht unter „Was zu sehen ist“.

Bezug zum fünften Buch

Die Buchstabenmarke „A.A.“ setzt die Reihe noch einmal bei A an. Der Plan gehört zu dem, was im fünften Buch der Bericht von 1489 und das Gutachten von 1548 beschreiben — der Brunnen mit Umgang, Anzucht und Damm, ehe 1550 neu gebaut wurde. Ob die Tafel den Zustand von 1489 oder den von 1548 meint, sagt sie nicht.

Zur Überlieferung

Die Tafeln sind als Falttafeln eingebunden und ragen aufgeklappt über den Buchblock hinaus; auf den Aufnahmen ist der Falz zu sehen, und die Rückseiten zeigen den Durchschlag der Zeichnung. Bei der Strukturprüfung des Digitalisats wurden sie zunächst übersehen, weil aufgeklappte Falttafeln am oberen Seitenrand leer sind und automatische Verfahren dort nachsehen. Die Blattzählung dieser Aufnahmen ist uneinheitlich: Eine Bleistiftzählung oben rechts läuft von 517 bis 531, die Handschriftenbeschreibung gibt Bl. 516–531 an.

Alle Aufnahmen liegen gemeinfrei im Repositorium ORKA; die Seite Faksimile erklärt den Zugang. In der Zeitleiste stehen die Tafeln dort, wo der Text sie braucht.

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