Forschung
Offene Fragen
Was die Handschrift aufwirft und noch niemand beantwortet hat
Eine Einladung
Jede Seite dieses Forschungsbereichs endet mit etwas, das nicht sicher ist. Hier stehen diese Stellen beisammen — gesammelt aus den redaktionellen Anmerkungen zu den dreizehn Abschnitten der Salzbibel und aus der Arbeit an den übrigen Seiten. Zu jeder Frage ist notiert, was man weiß, was gegen die naheliegende Antwort spricht und was jemand tun müsste, um sie zu beantworten. Vieles davon ist von Nürnberg aus nicht zu leisten: Es braucht einen Gang ins Salzmuseum, ins Staatsarchiv Marburg, in eine Kirche in Allendorf oder in die pommerschen Bestände. Wer eine dieser Fragen aufgreift, ganz oder teilweise, ist gebeten, sich über das Feedbackformular zu melden — mit dem Ergebnis, auch wenn es negativ ausfällt, denn ein geprüfter Irrtum ist mehr wert als eine ungeprüfte Vermutung. Die Fragen sind nach Sachgebieten geordnet, nicht nach Wichtigkeit.
Handschriften und Überlieferung
- Was liegt in der Vitrine des Salzmuseums?
Im Salzmuseum Bad Sooden-Allendorf liegen zwei Bände in der Ausstellung. Bekannt sind daneben die Reinschrift in Kassel (drei Bände, die Bände 1 und 2 von einer Hand) und Rhenanus’ eigenhändige Fassung, die nach der Literatur in Clausthal-Zellerfeld liegt. Der Zettel auf Blatt 1 des dritten Bandes (Bd. 3, S. 1) sagt, erst nach 1574 sei abgeschrieben worden; die Handschriftenbeschreibung nennt den Kasseler Band „Reinschrift des Originals“. Ob die Museumsbände eine Fotokopie, eine weitere zeitgenössische Abschrift oder gar die Urschrift sind, ist ungeklärt.
- Was dagegen spricht
- Nichts spricht gegen eine der drei Möglichkeiten; es gibt schlicht keinen Vergleich. Verglichen wurde keine Handschrift je mit einer anderen. Auch die Angabe „zwei Bände“ passt zu keiner bekannten Bandeinteilung — die Reinschrift hat drei, das Werk fünf Bücher und vier Anhänge.
- Was zu tun wäre
- Eine Autopsie vor Ort: Beschreibstoff, Hand, Lagen, Wasserzeichen, Bandzählung, und der Vergleich weniger markanter Seiten (Titelblatt, Inhaltsverzeichnis Bd. 1, S. 43–47, die Kunstrisse) mit dem Kasseler Digitalisat. Ein Nachmittag mit Erlaubnis des Museums würde genügen, um Fotokopie von Handschrift zu unterscheiden.
- Wo ist die Urkunde von 1281?
Im Archivverzeichnis der Miszellen steht ein Eintrag mit den bloßen Jahreszahlen 1281, 1339, 1342, 1346, 1347, 1362, 1395, 1419 und 1449 (Bd. 2, S. 885 ff.). Die älteste im ersten Buch abgeschriebene Urkunde stammt von 1300. Rhenanus hatte also ältere Stücke in der Hand, die er nicht abdruckte.
- Was dagegen spricht
- Ein Verzeichnis ist keine Inhaltsangabe. Die Jahreszahl könnte sich auf eine Abschrift, eine Bestätigung oder ein Stück beziehen, das mit dem Salzwerk nur am Rand zu tun hat. Und Amtsakten in privater Verwahrung gingen beim Tod des Amtsinhabers oft verloren — Rhenanus schreibt selbst, es seien Sachen, die er „derzeit bei mir habe“.
- Was zu tun wäre
- Die hessischen Urkundenbücher und die Findmittel des Staatsarchivs Marburg auf 1281 durchsehen; die Regesten der Landgrafen von Hessen prüfen; das Stadtarchiv Bad Sooden-Allendorf fragen. Fände sich eine Urkunde von 1281, verschöbe sich die urkundliche Geschichte der Saline um zwei Jahrzehnte nach hinten.
- Wo ist der Traktat über das Salz, den Rhenanus ankündigt?
In der Widmung schreibt Rhenanus, er habe mit einem Traktat über das Salz bereits begonnen und wolle ihn zu gelegener Zeit übergeben (Bd. 1, S. 9–41). Ein solcher Traktat ist bisher nicht nachgewiesen.
- Was dagegen spricht
- Er kann verloren, unvollendet oder nie über Vorarbeiten hinausgekommen sein. Rhenanus stand 1568 unter dem Termindruck einer Rechnungsprüfung (Bd. 3, S. 9 ff.) und schrieb daneben Ordnungen, Reiseberichte und Gutachten.
- Was zu tun wäre
- Die Nachlässe in Clausthal-Zellerfeld und Kassel auf naturkundliche Handschriften durchsehen; die alchemistische Literatur, in der Rhenanus geführt wird, auf Zuschreibungen prüfen. Das ist eine Archivsuche, kein Lesen der Salzbibel.
- Stimmen Urschrift und Reinschrift überein?
Die Kasseler Bände sind eine Abschrift, angefertigt nach 1574 von einer einzigen Hand. Diese Ausgabe beruht allein auf ihr. Rhenanus’ Urschrift von eigener Hand liegt nach der Literatur (Emons/Walter 1986, danach Wikipedia) in Clausthal-Zellerfeld, in der Bibliothek des ehemaligen Oberbergamts; andere halten die Frage für ungeklärt. Niemand aus diesem Projekt hat sie gesehen, und verglichen wurde sie mit der Kasseler Reinschrift nie.
- Was dagegen spricht
- Abschreiber des 16. Jahrhunderts glätteten, ließen aus und verrechneten sich; die Seite Maße nennt zwei Zahlenfehler des Glossars, die in der Reinschrift stehen. Ob sie schon in der Urschrift standen, entscheidet, wem man sie anlastet.
- Was zu tun wäre
- Ein Stichprobenvergleich: das Glossar (Bd. 2, S. 473–582), die Zahlentafeln und die Kunstrisse in beiden Handschriften nebeneinander. Der erste Schritt wäre, den Verwahrer der Urschrift zu bestätigen — eine Anfrage in Clausthal-Zellerfeld beim heutigen Rechtsnachfolger des Oberbergamts.
- Was ist von Rhenanus’ Archiv erhalten?
Das Verzeichnis der Miszellen (Bd. 2, S. 885–1032) nennt Konvolute, Rezessbücher, Gutachten und Einzelbriefe mit Absender, Gegenstand und Datum — „Verzeichnis aller und jeder Briefe, Bücher und anderer zum Salzwerk gehöriger Sachen, die ich, Johann Rhenanus, Pfarrer und Salzgraf zu Sooden, derzeit bei mir habe.“. Die Überlieferung der hessischen Zentralverwaltung liegt im Staatsarchiv Marburg, dazu Bestände in Kassel und im Stadtarchiv. Ein Abgleich Stück für Stück ist nicht gemacht.
- Was dagegen spricht
- Das Verzeichnis gibt Kurztitel, nicht Inhalte; und mancher Eintrag meint ein Stück, das Rhenanus in die Salzbibel selbst abgeschrieben hat, so dass die Suche im Archiv nur eine zweite Überlieferung fände.
- Was zu tun wäre
- Eine Tabelle: jeder Eintrag des Verzeichnisses, daneben Signatur oder „nicht gefunden“. Das ist überschaubar — rund 150 Seiten Verzeichnis — und am Ende stünde für jedes von Rhenanus genannte Stück ein Vermerk: erhalten, verlagert oder verloren.
- Warum weigerte sich Christoph Homberg mitzuarbeiten?
Am 18. März 1567 schreibt Wilhelm IV. an Homberg: „so sind wir seither von dem genannten Pfarrherrn berichtet worden, dass du dich diesem Werk widersetzt und vorgibst, es sei dir beschwerlich, das Buch fertigen zu helfen. Das nimmt uns von dir wunder.“ Hombergs Antwort ist nicht überliefert; 1568 ist von seiner Witwe die Rede.
- Was dagegen spricht
- Man hört nur eine Seite. Amtslast, Krankheit, Streit über die Autorschaft oder der Widerwille eines Praktikers gegen einen Pfarrer — alles ist möglich, nichts belegt. Wer die Salzbibel als Gemeinschaftswerk beider Männer beschreibt, sollte diese Seite mitzitieren.
- Was zu tun wäre
- Nach Hombergs Antwortschreiben im Staatsarchiv Marburg suchen; das Rechnungsjahr 1567/68 des Salzwerks auf Krankheit oder Tod hin lesen; die Nachlassakten der Witwe.
- Wann wurde Rhenanus Salzgraf — und wurde er je belohnt?
Die Literatur nennt 1559 oder 1563. Das Archivverzeichnis überliefert den Brief, mit dem Landgraf Philipp ihn „des Predigtamtes entlasten“ und an Jost Beckers Stelle setzen wollte, ohne Jahr (Bd. 2, S. 1005). Am 5. Februar 1570 dankt Wilhelm IV. für das übersandte Buch und stellt eine Belohnung in Aussicht, sobald es „besonders sauber ins Reine geschrieben“ sei. Ob sie je gezahlt wurde, ist unbekannt.
- Was dagegen spricht
- Die Salzbibel datiert den Amtswechsel nicht, und die Ämtertabelle dieser Seiten setzt 1561 als Beginn der Mitaufsicht — eine dritte Angabe. Die Nennung Beckers als „selig“ um 1567 gibt nur einen Endpunkt.
- Was zu tun wäre
- Die Bestallungsakten und Besoldungsregister des Salzwerks 1555–1570 im Staatsarchiv Marburg; dort müsste Rhenanus’ Name mit Gehalt und Jahr erscheinen — und 1570 eine Verehrung, wenn es sie gab.
Orte und Bauwerke
- Lässt sich Tafel B mit einem heutigen Stadtplan zur Deckung bringen?
Die Kunstrisse (Bd. 2, S. 1035–1059) zeigen den Brunnen im Grundriss und sind nach Mittag, Niedergang, Aufgang und Mitternacht beschriftet, mit einzeln benannten Quellen. Das Bautagebuch nennt Maße: innerste Fassung „20 Werkschuh lang und 8 Schuh weit“, ältere Fassung fünfzehn Schuh weit, Sole 28 Schuh tief. Wer die Lage des alten Salzbrunnens im Gelände genau bestimmen will, hat hier den besten Anhaltspunkt. Ein solcher Abgleich ist nicht veröffentlicht.
- Was dagegen spricht
- Die Tafeln haben einen Maßstab, aber keinen Bezug zu einem festen Punkt außerhalb der Anlage; die Kirche, die der Holzvogt beim Nivellieren nennt (Bd. 2, S. 562), ist der einzige. Und der Ort hat sich seit 1906 verändert.
- Was zu tun wäre
- Die Tafeln in Farbe entzerren, den Maßstab in Werkschuh eichen (Lachter = 7 Werkschuh), die Himmelsrichtungen mit dem Katasterplan und dem Standort des heutigen Brunnenhauses vergleichen. Eine Arbeit für jemanden mit Vermessungskenntnis und einem Nachmittag vor Ort.
- Sind die Eichzeichen der Pfanne in den Kirchenwänden erhalten?
Die Urkunde von 1322 bindet die Größe der Pfanne an das Maß, „das wir öffentlich sichtbar in die Wände der Gotteshäuser des Heiligen Kreuzes und Sankt Nikolaus in unserer Stadt Allendorf haben einzeichnen lassen“; der Vertrag von 1538 wiederholt es. Ein Eichnormal im öffentlichen Raum, wie die Elle am Rathaus.
- Was dagegen spricht
- St. Crucis brannte 1637 mit der Stadt; St. Nikolaus steht nicht mehr. Ein Ritzbild von 1322 in einer Kirchenwand hätte drei Jahrhunderte Umbau überstehen müssen.
- Was zu tun wäre
- Die mittelalterlichen Bauteile von St. Crucis — Turm, Chorwände — auf Ritzungen absuchen, mit Streiflicht. Und die Bauakten des 19. Jahrhunderts, ob jemand vor einer Restaurierung etwas gesehen hat.
- Wann wurde in Allendorf zuerst gradiert?
Nach der Geschichtsseite der Stadt Bad Sooden-Allendorf wurde das erste von insgesamt vierzehn Gradierwerken 1601 gebaut, das erhaltene Gradierwerk Nr. 5 1638; der Verein für Heimatkunde nennt dieselben Jahre. Die gelegentlich genannte Zahl 1555 steht dort für die Bedeutung des Salzwerks um diese Zeit, nicht für ein Gradierwerk; eine Quelle, die 1555 als Beginn des Gradierens nennt, hat sich nicht finden lassen. Rhenanus hat 1568 das Leckwerk in Sulza beschrieben, nicht in Sooden eines gebaut. Die Salzbibel beschreibt 1568 ein Gradierwerk in Sulza — und für Sooden keines. Der Holzvogt, der um 1580 jedes Werkzeug mit Preis aufzählt, kennt weder Gradierwerk noch Dorn noch Leckwerk; Rhenanus’ Ordnung von 1567 kennt nur Sole, die roh aus dem Brunnen kommt.
- Was dagegen spricht
- Schweigen ist kein Beweis. Ein Versuchsbau könnte außerhalb der Abrechnung gestanden haben. Und der Beginn 1601 beruht auf der Ortsüberlieferung, nicht auf einer hier geprüften Quelle.
- Was zu tun wäre
- Die Salinenrechnungen der 1590er und 1600er Jahre im Staatsarchiv Marburg auf Posten für Stroh- oder Dornwände, Tröge und Gradierknechte durchsehen. Das erste Jahr, in dem so ein Posten erscheint, ist das gesuchte Jahr. Solange sollte man 1555 nicht behaupten.
- Was fand man 1490 und 1550 im Grund des Brunnens?
Beim Aufbrechen des Brunnens fand man im Grund „Blöcke, Stubenwerk, Tücher und dergleichen“, „wovon in keinen Büchern oder sonstigen anderen Aufzeichnungen irgendeine Nachricht vorhanden gewesen ist“; 1550 dann die ältere Fassung von fünfzehn Schuh Weite, „von der kein Mensch gewusst hat“. Zwei datierte Fundmeldungen, für die zweite mit Maßangabe.
- Was dagegen spricht
- Beide Funde sind nur beschrieben, nicht geborgen; „Stubenwerk“ ist nicht sicher zu deuten. Und alles, was 1550 gefunden wurde, wurde überbaut.
- Was zu tun wäre
- Ob unter dem heutigen Brunnenhaus je archäologisch untersucht wurde — die Denkmalakten des Werra-Meißner-Kreises. Sollte einmal am Brunnen gebaut werden, gehören diese beiden Stellen in jede Bauvoranfrage.
- Wie lange wurde die Stiftung von 1538 ausgezahlt?
Am selben Tag wie der Vertrag mit den Pfännern stiftete Landgraf Philipp 200 Gulden jährlich: „80 Gulden für 4 Studenten, 40 Gulden“ „den Armen im Hospital, 40 Gulden den armen Hausleuten, 40 Gulden armen Mägden“. Um 1580 führt das Glossar sie noch als laufenden Posten.
- Was dagegen spricht
- Ein Posten im Glossar beweist nicht, dass ausgezahlt wurde. Und mit der Landesteilung 1567 und dem Ende der Lokation 1585 änderte sich alles, woran die Stiftung hing.
- Was zu tun wäre
- Die Hospitalrechnungen und die Stadtrechnungen von Allendorf im Stadtarchiv; die Stipendienakten der Universität Marburg auf Allendorfer Studenten des 16. und 17. Jahrhunderts.
Zahlen und Rechnungen
- Stimmen die Rechentafeln des zweiten Anhangs?
Eine erste Stichprobe über die Transkription ist gemacht (siehe Maße): Die ersten beiden Tafeln gehen bis auf einen Zahlendreher auf, die Salztafeln zu rund 95 Prozent; die Annahmen (Eimer = 74 Kannen, Metze = 200 Lot, Werk = 12 Scheffel) sind aus den Tafeln selbst gewonnen.
- Was dagegen spricht
- Geprüft wurde die Transkription, nicht das Original — und etliche Seiten der Tafeln sind im Scan oben beschnitten, so dass ihre Spalten nur nach dem Muster der Nachbarseiten zugeordnet werden konnten. Die verbleibenden Abweichungen können Rhenanus, dem Abschreiber oder der Übertragung gehören.
- Was zu tun wäre
- Die 56 abweichenden Einträge am Faksimile nachlesen, am besten an der Urschrift in Clausthal. Und einen Fachmann für sächsische Maße fragen, ob ein Eimer von 74 Kannen um 1570 belegt ist — die Literatur nennt für das Dresdner Eichmaß meist 72.
- Wer hat sich in Hombergs Probiertäfelchen verrechnet?
Das Täfelchen (Bd. 2, S. 678–680) rechnet aus, wie viel Sole bei welchem Gehalt auf eine Pfanne gehört. Es geht für 4 bis 8 Lot je Quart auf; die erste Zeile für 3 Lot nennt 17 Fuder 4 Ohm 6⅔ Quart, wo 18 Fuder 2 Ohm 26⅔ Quart stehen müssten. Rhenanus vermerkt: „die hinzugefügten Brüche — die habe ich hinzugesetzt“.
- Was dagegen spricht
- Der Fehler könnte aus Hombergs Vorlage stammen, aus Rhenanus’ Nachrechnung oder vom Abschreiber. Die Zeile könnte auch mit einer anderen Pfanne gerechnet sein — der Baubericht von 1551 rechnet 5½ Lot auf 10 Fuder 2 Ohm 7 Quart, was eine Pfanne von rund 1280 Pfund voraussetzt (Bd. 2, S. 296), nicht 1240.
- Was zu tun wäre
- Beide Stellen am Original prüfen und klären, ob das Achtel 1551 zu 160 statt 155 Pfund gerechnet wurde. Das ist eine Frage von einer Stunde mit dem Faksimile und einem Taschenrechner — sie ist hier nur nicht abschließend beantwortet, weil die Transkription der Bruchzahlen unsicher ist.
- Warum rechnet das Glossar mit zwei Gulden?
Ausdrücklich nennt das Glossar den Gulden zu 27 Albus; seine Summen gehen aber mit 26 auf (siehe Maße). Und das Pfannentuch ist einmal zu 12, einmal — rechnerisch — zu 21 Hellern die Elle angesetzt.
- Was dagegen spricht
- Zwei Rechengulden nebeneinander waren in Hessen nicht ungewöhnlich; welcher wo galt, hing vom Rechnungsjahr und der Kasse ab. Das Glossar ist außerdem über Jahre fortgeschrieben („nunmehr“), und die Kurse änderten sich.
- Was zu tun wäre
- Die Salzwerksrechnungen der 1570er und 1580er Jahre auf ihren Rechenfuß ansehen; dort steht im Kopf, zu wie viel Albus der Gulden gerechnet ist. Und die Pfannentuch-Zeile in der Urschrift nachlesen, ob dort 12 oder 21 steht.
- Was sagt die Solereihe 1549–1585 über das Klima?
Der dritte Anhang enthält eine über 36 Jahre geführte Reihe von Solemessungen mit Witterungsvermerken — Hochwasser, Schneemangel, Trockenheit. Die Jahrzehnte um 1560 bis 1600 gelten als eine der kältesten Phasen der Kleinen Eiszeit. Die Reihe ist noch nicht als Zeitreihe aufbereitet.
- Was dagegen spricht
- Es sind Zweckbeobachtungen: notiert wurde, was für die Sole erheblich schien. Und 1552 wurde die Messung des Salzes auf Roste umgestellt, so dass die Produktionszahlen vor und nach diesem Jahr nicht ohne weiteres vergleichbar sind — Homberg sagt es selbst.
- Was zu tun wäre
- Die Tabellen der Seiten 682–724 in eine Datei übertragen (Datum, Lot je Quart, Witterung), den Bruch von 1552 markieren und die Reihe mit den bekannten Klimarekonstruktionen Mitteldeutschlands vergleichen. Das wäre ein Beitrag zur Klimageschichte, der ganz ohne Salz auskommt.
- Halten die Stundenzahlen des Brunnenbaus einer Prüfung stand?
Vor dem Bau von 1550 dreißig Stunden je Pfanne, danach sechzehn, dann elf bis dreizehn — „wo die Sieder zuvor 30 und mehr Stunden haben sieden müssen“. Dieselbe Größe, vor und nach dem Eingriff gemessen.
- Was dagegen spricht
- Becker war Bauherr und Berichterstatter in einer Person. Und die Zahlen stammen aus den ersten Wochen nach dem Bau, in denen der Brunnen frisch gefasst und die Sole ungewöhnlich stark war.
- Was zu tun wäre
- Den Holzverbrauch je Pfanne in den Salzwerksrechnungen 1549 bis 1553 vergleichen — Holz ist die Größe, die man nicht schönreden konnte, weil sie bezahlt wurde. Fällt der Verbrauch je Werk 1551 deutlich, ist Beckers Bericht bestätigt.
Personen und Namen
- Jost Becker: aus Homberg oder aus Hamburg?
Die Ämtertabelle dieser Seiten führt den Salzmeister Jost Becker „aus Hamburg“. Die Salzbibel nennt ihn durchweg von Homberg — „Jost Berker von Homberg, zurzeit Ihrer fürstlichen Gnaden mitverordneter Salzgraf daselbst zu Sooden“ —, und er unterschreibt lateinisch als Justus Pistoris.
- Was dagegen spricht
- Beide Namen sehen sich in einer Handschrift des 16. Jahrhunderts ähnlich; „Hamburg“ könnte eine Verlesung sein, könnte aber auch auf eine andere Quelle zurückgehen, die hier nicht bekannt ist.
- Was zu tun wäre
- Die Vorlage der Ämtertabelle prüfen und fragen, woher „Hamburg“ stammt. Bis dahin gilt das Zeugnis der Salzbibel: Homberg an der Efze, wo er auch 1548 als Pfennigmeister der Landgräfin Christine begegnet.
- Ist der Bornmeister Georg Behm von 1540 der Nürnberger Meister von 1550?
Das zweite Buch überliefert die Bestallung eines Brunnenmeisters Georg Behm, „Mohlmeister“, vom 16. Dezember 1540 (Bd. 1, S. 598 ff.); das fünfte Buch macht Meister Jörge Behm von Nürnberg und seine Rosskunst für den Verfall des Brunnens verantwortlich. Die Personendatenbank führt beide unter einem Eintrag; die Anmerkung zum zweiten Buch merkt an, dass die beiden Bücher nie zusammen gelesen wurden.
- Was dagegen spricht
- Die Gleichsetzung ist naheliegend, aber sie beruht auf Name, Amt und Zeit — nicht auf einer Stelle, die beides ausdrücklich verbindet.
- Was zu tun wäre
- Die Bestallung von 1540 und die Abschiede von 1547–1550 nebeneinanderlegen und nach Herkunftsangabe, Handzeichen oder Familienstand suchen; das Urfehde-Schreiben von 1542 nennt vielleicht die Heimat.
- Sind Kolmatsch und Kolmitzsch, Bischhausen und Bischoffshausen dieselben Männer?
Die Personendatenbank hat vier Einträge zu zwei Personen zusammengelegt: Georg von Kolmatsch (Bd. 1) und Georg von Kolmitzsch (Bd. 2), beide Räte 1538–1540; Ernst von Bischhausen (Bd. 1, 1538–1540) und Ernst von Bischoffshausen (Bd. 2, 1540–1563), beide Pfänner. Die Zusammenlegung ist im Eintrag vermerkt.
- Was dagegen spricht
- Bischhausen und Bischoffshausen sind zwei verschiedene Orte und zwei verschiedene Familien — von Bischhausen bei Eschwege, von Bischoffshausen mit Sitz bei Witzenhausen. Dass die Handschrift beides für einen Mann schreibt, ist möglich, aber nicht sicher.
- Was zu tun wäre
- Die Pfännerlisten von 1538, 1540 und 1547 (Bd. 2, S. 111–116) im Faksimile vergleichen: Steht dort einer oder stehen zwei? Und die hessischen Adelsgenealogien für einen Ernst in beiden Familien um 1540.
- Was meinen die Pfänner mit „über dreihundertdreizehn Jahre“?
Die Pfänner begründen ihren Besitzstand damit, dass die Landgrafen „sie, die Pfänner und ihre Vorfahren, über dreihundertdreizehn Jahre bei solcher Gerechtigkeit gelassen“ hätten. Von 1538 zurückgerechnet führt das ins Jahr 1225 — weit vor ihre älteste Urkunde von 1300.
- Was dagegen spricht
- Juristisch musste die Zahl nicht belegt werden; die unvordenkliche Verjährung verlangte gerade, dass sich niemand an einen Anfang erinnere. Die Zahl kann aus einer verlorenen Urkunde stammen — oder aus der Rhetorik.
- Was zu tun wäre
- Prüfen, ob 1225 mit einem bekannten Ereignis der Landesgeschichte zusammenfällt (die Landgrafschaft entsteht 1247–1264), und ob die Urkunde von 1281 aus dem Archivverzeichnis dazu passt.
- Was wurde aus dem pommerschen Versuch?
1584 reiste Rhenanus nach Wolgast, beurteilte die Greifswalder Sole und riet Herzog Ernst Ludwig zu einem begrenzten Versuch mit einer Pfanne — „Ich bin nicht der Schöpfer, sondern ein Sünder des Schöpfers.“ Wie es weiterging, sagt der Bericht nicht; hier bricht die Überlieferung ab.
- Was dagegen spricht
- Rhenanus starb 1589. Wenn in Greifswald gesotten wurde, dann ohne ihn, und die Nachricht davon musste nicht mehr nach Sooden gelangen.
- Was zu tun wäre
- Die Bestände des Herzogtums Pommern-Wolgast im Landesarchiv Greifswald und im Archiwum Państwowe Stettin auf 1584–1592, Stichwort Salzwerk oder Salzsiederei Greifswald. Das ist eine Frage, die sich von Sooden aus nicht beantworten lässt — aber von Greifswald aus vielleicht an einem Tag.
Technik und Wörter
- Hat die Rosskunst dem Brunnen wirklich geschadet?
Die Pfänner gaben Jörge Behms Pferdepumpe die Schuld am Verfall des Brunnens; Kassel befahl 1547, sie abzuschaffen. Am Ende stellte sich heraus, „dass das alte Fass vor Zeiten nicht unmittelbar auf den Grund des Salzbrunnens, sondern nur ungefähr daraufgesetzt worden war“.
- Was dagegen spricht
- Beides kann zugleich wahr sein: Ein stärkerer Zug an einem undichten Fass zieht mehr Süßwasser herein. Die Quellen lassen offen, ob die Maschine an sich schadete oder nur einen alten Fehler sichtbar machte — und die Vorwürfe der Pfänner klingen nach Verdacht, nicht nach Befund.
- Was zu tun wäre
- Eine hydraulische Überlegung mit den Zahlen der Salzbibel: Pumpendurchmesser, Hubhöhe, Schöpfmenge je Stunde in Hombergs Tabellen, und die Frage, ab welcher Förderleistung der Grundwasserspiegel um den Brunnen absinkt. Das ist eine Frage für jemanden, der Brunnenbau versteht.
- Was sind Beiße, Brunt und der Ruß von den Strohdächern?
Beiße ist die salzgetränkte Herdmasse, die samstags herausgebrochen und in der Sole aufgelöst wird; Ruß „der sich in den Dorfhäusern vom Rauch an die Strohdächer und Wände hängt“, wird ins gare Werk geworfen, damit es „bald und zu gutem, grobem Salz wird“; und die Sole „hat dreierlei Namen: 1. die rohe, 2. die wahre Sole, 3. Brunt“. Was Brunt ist, sagt das Glossar nicht.
- Was dagegen spricht
- Für den Ruß liegt die Deutung als Kristallisationskeim nahe, für die Beiße die Herkunft vom Beizen — beides sind Vermutungen dieser Seiten. Brunt könnte die gesättigte Sole am Ende des Siedens meinen; belegt ist es nicht.
- Was zu tun wäre
- Die Wörterbücher der Salinensprache — Lüneburg, Halle, Schwäbisch Hall — auf Beiße, Brunt und den Rußzusatz durchsehen; und ein Chemiker könnte sagen, was Strohdachruß im Siedeprozess bewirkt.
- Woher stammt das Wort „Leckwerk“?
Die Gliederung dieser Ausgabe nennt das Gradierwerk von Sulza „damals Leckwerk genannt“. In der Handschrift steht das Wort nicht; sie sagt „leckenn vnnd leitenn“.
- Was dagegen spricht
- Das Wort ist in der Salinenliteratur des 17. Jahrhunderts belegt und kann durchaus aus dem Sprachgebrauch der Zeit stammen — nur eben nicht aus dieser Stelle.
- Was zu tun wäre
- Die Literatur zu Sulza und zu Walters Edition des Reisebuchs (Freiberg 1989) prüfen, wer „Leckwerk“ zuerst mit dieser Stelle verbunden hat. Bis dahin sollte man Rhenanus mit „lecken und leiten“ zitieren.
- Wann genau wurde die Feuerung auf Braunkohle umgestellt?
Ortsüberlieferung: Kohle 1555 entdeckt, Versuche 1560 (oder 1563), Stollenbau 1575, regelmäßiger Abbau 1578/79. Die Salzbibel: 1567 eine Steinkohlensteuer neben der Holzsteuer (Bd. 1, S. 899), 1572 Asphalt aus Steinkohlen (Bd. 2, S. 1032), 1584 zwanzig von 43 landesherrlichen Siedehäusern umgerüstet für 3524 Gulden (Bd. 2, S. 521).
- Was dagegen spricht
- Die Salzbibel datiert nur indirekt, und die Ortsdaten stützen sich auf Quellen, die hier nicht geprüft sind. Auch „Steinkohle“ ist irreführend — gemeint ist Braunkohle.
- Was zu tun wäre
- Die Kohlenmieten und Bergrechnungen der Miszellen (Bd. 2, S. 1005 ff.) mit den Findmitteln in Marburg abgleichen; das erste Rechnungsjahr mit Posten für Roste, Zwingen und Schornsteine ist das Jahr der ersten Steinkohlenkothe.
- Was ist „Poyß“?
Das Archivverzeichnis nennt den Bericht „wegen eines Probierwerks, das mit Poyß[?] gesotten worden ist“, einen „Anschlag auf das Bergsalz und Poyß[?]“ und ein Schreiben des Bürgermeisters von Bremen „des Salzes und Poyß[?] halber“. Die Lesung ist unsicher.
- Was dagegen spricht
- Ein Brennstoff, der von Bremen aus verhandelt wird und mit dem man ein Probewerk siedet — das könnte Torf sein, der in den Niederlanden und Norddeutschland „Turf“ oder anders hieß. Das ist eine Vermutung ohne Beleg.
- Was zu tun wäre
- Die Stelle im Faksimile lesen und mit norddeutschen Wortformen für Torf vergleichen; Bremer Ratsakten von 1569 zum Salz- und Brennstoffhandel mit Hessen. Wer das Wort erkennt, klärt zugleich, ob in Sooden je mit Torf gesotten wurde.
Wie man etwas beiträgt
Am nützlichsten ist ein Beitrag, der sagt, was geprüft wurde, wo und mit welchem Ergebnis — auch wenn das Ergebnis lautet: nichts gefunden. Wer eine Signatur, eine Seite im Faksimile oder eine Beobachtung vor Ort hat, schickt sie über das Feedbackformular; jede Seite dieser Ausgabe lässt sich dort mit Kennung angeben. Beiträge werden mit Nennung des Beiträgers eingearbeitet, wenn er das wünscht, und die Frage hier bekommt einen neuen Stand. Die Liste ist nicht abgeschlossen; wer eine Frage vermisst, die sich aus der Handschrift ergibt, ist ebenso eingeladen, sie zu stellen.
Korrekturen und Ergänzungen zu dieser Seite nimmt das Feedbackformular entgegen; Näheres zur Arbeitsweise steht auf der Seite Editionsgrundsätze.