Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Buntsandstein
Geologie & NaturAuch: Buntsandstein, Bunter Sandstein, Trias
Rotbraune Sandsteinfolge der Trias; das landschaftsprägende und wichtigste Baugestein der Region.
Ausführlich
Der Buntsandstein liegt über dem Zechstein und bildet die bewaldeten Höhen und die typischen roten Steilhänge des Werraberglands. Er ist gut zu brechen und zu bearbeiten und daher seit Jahrhunderten der Baustein der Region — für Kirchen, Tore, Portale, Sockel und Brücken. Wer die Farbe der alten Bauteile eines Ortes erklären will, muss über den Buntsandstein sprechen.
Siehe auch: Muschelkalk, Zechstein, Karst
Quelle: heimatkunde-bsa.de
Halophyten
Geologie & NaturAuch: Halophyten, Salzpflanzen, Salzflora, Standort: Salzwiese, Binnensalzstelle
Salzpflanzen — Arten, die auf salzhaltigen Böden wachsen, wo normale Pflanzen vertrocknen.
unsicher Die Definition ließ sich nicht belastbar sichern.
Ausführlich
Salz entzieht Pflanzen Wasser, statt es zu liefern. Halophyten lösen dieses Problem mit Salzdrüsen, sukkulenten Speichergeweben oder dem Abwerfen salzgesättigter Blätter — Queller, Strandaster und Salzschwaden sind typische Vertreter. Im Binnenland sind solche Standorte extrem selten und deshalb naturschutzfachlich hochwertig. Binnensalzstellen entstehen an natürlichen Solequellen — oder als unbeabsichtigte Nebenwirkung von Salinenbetrieb und Solelecks.
Siehe auch: Sole, Solequelle, Karst, Grünes Band
Quelle: www.naturparkfrauholle.land
Kalisalz
Geologie & NaturAuch: Kalisalz, Kali, Abraumsalz (historisch), Carnallit, Sylvin
Kaliumhaltige Salze aus dem Zechstein, seit dem 19. Jahrhundert Rohstoff für Düngemittel und Chemie.
Ausführlich
Kalisalze wie Carnallit und Sylvin liegen im Zechstein über dem Steinsalz, weil sie als leichter lösliche Salze zuletzt auskristallisieren. Lange galten sie als wertloses „Abraumsalz“ — bis die Agrochemie den Kaliumbedarf der Pflanzen erkannte. Aus dem Störstoff wurde ein Weltmarktprodukt und Deutschland für Jahrzehnte der beherrschende Anbieter. Die Kehrseite ist bis heute sichtbar: Salzhalden und die Salzbelastung von Werra und Weser.
Siehe auch: Werra-Kaligebiet, Zechstein, Steinsalz
Quelle: de.wikipedia.org
Karst
Geologie & NaturAuch: Karst, Gipskarst, Sulfatkarst, Subrosion, Auslaugung
Landschaft über löslichem Gestein mit Höhlen, Dolinen und unterirdischer Entwässerung — Ursache der Solequellen.
Ausführlich
Karst entsteht, wo Wasser Gestein auflöst statt es abzutragen: In Kalk, Gips und Salz bilden sich Klüfte, Höhlen, Erdfälle und Dolinen, das Wasser verschwindet im Untergrund und tritt anderswo wieder aus. Für Salzorte ist das der entscheidende Mechanismus: Die unterirdische Auslaugung — die Subrosion — von Zechsteinsalzen erzeugt genau jene Sole, die an einer Quelle wieder zutage tritt. Der Gips- und Sulfatkarst des Zechsteins ist dafür der klassische Fall.
Siehe auch: Zechstein, Solequelle, Steinsalz, Sole
Quelle: de.wikipedia.org
Muschelkalk
Geologie & NaturAuch: Muschelkalk, Trias
Kalksteinfolge der Trias über dem Buntsandstein; bildet trockene, artenreiche Kuppen und Hänge.
Ausführlich
Der Muschelkalk entstand in einem flachen Meer und ist voller Fossilien — daher der Name. Er verwittert zu flachgründigen, kalkreichen und trockenen Böden, auf denen sich ganz eigene Lebensgemeinschaften halten: Halbtrockenrasen, Orchideen, wärmeliebende Insekten. Für die Landschaftsgeschichte heißt das: Wo Muschelkalk ansteht, wurde meist beweidet statt gepflügt. Zugleich ist er verkarstungsfähig.
Siehe auch: Buntsandstein, Karst, Zechstein
Quelle: de.wikipedia.org
Salzstock
Geologie & NaturAuch: Salzstock, Salzdiapir, Salzdom, Diapir
Aufgestiegener Salzkörper (Diapir), der jüngere Schichten durchspießt — in Norddeutschland typisch, an der Werra nicht.
Ausführlich
Weil Steinsalz leichter ist als das darüber liegende Gestein und unter Druck fließt, kann es über Jahrmillionen aufsteigen und pilz- oder mauerförmige Körper bilden. Solche Salzstöcke prägen Norddeutschland und liefern Kavernen für Gasspeicher. Wichtige regionale Klarstellung: Die Zechsteinsalze im Werragebiet liegen im Wesentlichen flach und flözartig, nicht als Diapir. Wer von einem „Salzstock unter Bad Sooden-Allendorf“ spricht, verwechselt zwei geologische Situationen.
Siehe auch: Zechstein, Steinsalz, Karst
Quelle: de.wikipedia.org
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Steinsalz
Geologie & NaturAuch: Steinsalz, Halit, Bergsalz, Kochsalz
Festes Natriumchlorid im Gestein (Halit); bergmännisch abbaubar und ab dem 19. Jahrhundert der große Konkurrent des Siedesalzes.
Ausführlich
Steinsalz ist dasselbe Salz wie Siedesalz, nur ohne den Umweg über Lösung und Verdampfung: Es wird gesprengt, gebrochen, gemahlen — ohne Brennstoff. Genau darin liegt der Kostenvorteil, der die Siedesalinen des Binnenlands im 19. Jahrhundert vernichtete. Wo eine Saline aus fünfprozentiger Sole Brennstoff verheizte, förderte ein Bergwerk das fertige Produkt. Der technologische Bruch ist damit auch ein wirtschaftliches Todesurteil.
Siehe auch: Zechstein, Kalisalz, Salzmonopol, Salzsieden
Quelle: de.wikipedia.org
Werra-Kaligebiet
Geologie & NaturAuch: Werra-Kalirevier, Werrarevier, Kaligebiet an der Werra
Das Kalirevier beiderseits der Werra zwischen Heringen, Philippsthal und Vacha — bis heute in Betrieb.
Ausführlich
Das Werra-Revier entstand ab den 1890er Jahren in atemberaubendem Tempo: 1893 der erste Bohrkern, 1894 die Gründung der Gewerkschaft Wintershall, 1901 mit Kaiseroda I das erste operative Werk, bis 1913 bereits 28 abgeteufte Schächte. Es überlebte Kaiserreich, Teilung und Wiedervereinigung und ist heute eines der wenigen aktiven Kalireviere Europas — mit allen ökologischen Konflikten um Salzabwasser und Halden.
Siehe auch: Kalisalz, Zechstein, Steinsalz
Quelle: de.wikipedia.org
Zechstein
Geologie & NaturAuch: Zechstein, Zechsteinmeer, Perm, Dyas (veraltet)
Gesteinsfolge des Perm mit den mitteleuropäischen Salzlagern — die geologische Ursache aller Sole an der Werra.
Ausführlich
Vor rund 257 bis 251 Millionen Jahren überflutete das Zechsteinmeer von Norden her Mitteleuropa und trocknete mehrfach ein. Zurück blieben bis zu sieben Zyklen aus Karbonaten, Sulfaten und Salzen — die unterste und für die Region entscheidende heißt Werra-Folge. Aus dem Zechstein stammen drei große Rohstoffe: Kupferschiefer, Stein- und Kalisalze sowie Gips und Anhydrit. Nordhessen liegt am Rand des Beckens, dessen Zentrum in Nord- und Mitteldeutschland sowie Polen lag.
Siehe auch: Steinsalz, Kalisalz, Werra-Kaligebiet, Karst, Sole
Quelle: de.wikipedia.org
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
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