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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

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App. IV · 4. Appendix · Band 2 · Fortsetzung

Das Reisebuch

Der vierte Appendix · 158 Seiten · Aufbau des Werks

HandschriftS. 765 Bl. 381r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 765

1

Was für ein Verfahren er anwenden wolle, die wilden Wasser abzuführen, und durch welche Mittel das geschehen könne. Darauf antwortet er: Durch dieses Mittel könne es geschehen — weil die Wasserschächte, ebenso die Solquelle, und die wilden Quellen höher liegen als die Salzquelle, dass man die Strecken so weit nachreißt, damit allein die süßen Quellen abgeführt werden können; und er gedenke nicht, tiefer zu senken. Wie viele Bothe und Pfannen die jetzige Solquelle fort und fort versorgen könne. Antwort: 40 Bothe könne er gewiss mit stetigem Sieden versorgen. Wie es mit den Pfannen gehalten werden solle, wie hoch, lang und tief die Pfannen sein sollen. Er sagt: 11 Schuh die Länge, 10 Schuh die Breite, ½ Schuh die Höhe; solche Pfannen habe er bisher am besten befunden. Jetzt aber habe er eine große machen lassen. Wie viele Scheffel er sich auf eine Pfanne zu ge-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 20: anzu — Zeilenende verschliffen

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HandschriftS. 766 Bl. 381v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 766

1

Der Vierte Appendix. winnen getraue. Er sagt: auf eine Pfanne vier Scheffel Nordhäuser Maß; stellt es aber auf eine Probe. Was er für Feuerwerk gebrauchen wolle. Er sagt: Holz, Stroh und Schilf. Wie viel Holz er auf eine Pfanne zum Sieden brauche. Er sagt: er habe jetzt vier und 5 Schock Holz haben müssen, wo er zuvor mit 2 oder 3 Schock eine Pfanne abgesotten habe. Darum habe er auch, bis die wilden Wasser abgeführt sind, das Sieden eingestellt. In welchem Preis jetzt ein Schock Holz stehe. Er sagt: durchweg 5 Groschen. Ob man es auch in diesem Preis halten könne. Antwort: das werde sich mit der Zeit wohl erweisen. Ob auch Holz genug vorhanden sei. Antwort: er wolle sich über alle Umstände erkundigen; doch sei er ganz der Vermutung, weil der Harz näher bei Auleben liegt als bei Frankenhausen, dass dieses Gehölz — soweit es das Wellen-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: gk — Münzkürzel unklar
  2. Z. 20: Well — Wort am Zeilenende unklar

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HandschriftS. 767 Bl. 382r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 767

1

Der Vierte Appendix. und Herbholz betrifft — besser und zu geringerem Wert nach Auleben gebracht werden könne. Ob man sich auch gegen ein festes Stammgeld und auf wiederkehrende Jahre hinreichend mit Holz versorgen könne. Antwort: Was unser gnädigster Kurfürst und Herr an sich kaufen würde, könnte wohl so geordnet werden; zum anderen wisse er nichts zu berichten. Welche Gehölze diesem Salzwerk am besten gelegen seien. Er sagt: das müsse man sich bei den Förstern erkundigen und über alle Umstände Bericht einnehmen, denn er habe damit nicht umgegangen. Ob das Salz tauglich, lagerhaft und gut sei. Er sagt: ja; er beruft sich auf alle diejenigen, die solches Salz abgeführt haben. Ob auch das Salz seinen Absatz habe. Er sagt: es gehe nach jetziger Lage sogleich ab; er zweifle nicht daran, es werde künftig wohl abgehen.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: Herbkholtz — Wortmitte unklar
  2. Z. 2: zegenn — wohl gegenn
  3. Z. 18: abgehl — Kürzung, wohl abgehen

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HandschriftS. 768 Bl. 382v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 768

1

Der Vierte Appendix. Artern. Von Auleben bin ich nach Artern gereist und zuerst bei den Salzbrunnen gewesen und habe die vorgenommenen Bauten sowie die zwei Bothe, die dort etliche Zeit gestanden hatten, besichtigt. In das dritte aber habe ich nicht gelassen werden können, aus dem Grund, dass dieses etliche von Nürnberg — besonders einer, der Schelhammer heißt — derzeit innehatten und durch eine besondere Kunst vorhatten, die Hälfte des ganzen Holzes zu ersparen; wie sie sich denn mit den Pfännern deshalb dort um die Hälfte des ganzen Salzwerks eingelassen haben. Der Brunnen kommt auch aus einem weißen Salzgebirge, gibt eine große Menge Sole und mehr als doppelt so viel, wie im Salzwerk Sooden vorhanden ist. Er ist noch nicht sicher gefasst, außer dass ein besonderer Kumpf, anderthalb Ellen hoch, mit Brettern umfangen und mit Erde verlehmt ist. Er hat viel wildes Wasser, das durch beson-

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HandschriftS. 769 Bl. 383r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 769

1

Der Vierte Appendix. dere Künste abgeführt worden ist. Und es sind viele Schächte allenthalben um den Brunnen herum eingesenkt, so dass der ganze Berg an allen Orten dermaßen ausgehöhlt und durchlöchert ist, dass er dem Brunnen nicht viel nützen kann. Ich habe auch die Sole geschöpft; das Quart hat roh am Gewicht 98½ Lot gehalten und an Salz 8 Lot weniger ¼ Quentchen. Unterdessen habe ich mich bei den Salzgrafen und Gewerken anmelden lassen; die sind sogleich zusammengekommen, haben meine Werbung neben dem Beglaubigungsschreiben angenommen und angehört und sich sogleich auf alle Fragen ganz gutwillig und freundlich erklärt. Insbesondere aber haben sie angezeigt, dass sie über die erste Entdeckung des Brunnens keine sichere gründliche Nachricht hätten, außer dass sie in einem alten Messbuch geschrieben gefunden hätten, die Sole sei Anno 1450 gefunden worden; wie denn auch sonst die Alten gleichermaßen berichten.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: minus — gekürzt ming
  2. Z. 8: qt. — Maßkürzel unklar

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HandschriftS. 770 Bl. 383v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 770

1

Der Vierte Appendix. Danach aber haben ihre gnädigen Herren, die Grafen von Mansfeld, es unternommen, das Salzwerk zu erbauen, mit großer Mühe und großen Kosten, so dass gewiss über 40 000 oder 50 000 Gulden darauf gegangen sind — bis sie endlich davon abgelassen und es als wüstes Gut liegen gelassen haben. Mit dem Bauen aber sei es wunderlich und seltsam zugegangen. Denn obwohl sich zu einer Zeit die Sole sehr reichlich gezeigt hatte, so dass die Grafen davon einen ziemlich stattlichen Gewinn hätten haben können, so haben sie sich doch damit nicht genügen lassen wollen, sondern sind weiter beredet worden, Wünschelruten umhergehen zu lassen, Kristallschauen anzustellen und sonst mit anderer Zauberei bessere Sole zu suchen. Daher ist dann erfolgt, dass allenthalben so viele Schächte eingesenkt und der Berg an allen Orten durchgraben worden ist.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: Jre — Wortform unklar
  2. Z. 5: fl. — Gulden-Zeichen

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HandschriftS. 771 Bl. 384r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 771

1

Der Vierte Appendix. Sie zeigen auch weiter an, dass sich zu einer Zeit bei dem genannten Grafen ein Künstler so hoch angeboten habe, er wolle die Sole allein dermaßen fassen und das wilde Wasser im Berg verdämmen und verstopfen, dass es an einem anderen Ort ausbräche und dem Brunnen keinen Schaden mehr zufügte, sondern die Sole allein bliebe. Dieser Künstler hat das so ins Werk gesetzt und drei Tage, bis an den vierten, gehalten — so lange, bis die Gewalt im Berg zu groß wurde, mit Ungestüm durch die Klüfte drang und den Brunnen und das ganze Tal dermaßen verwüstete und zerriss, dass man seither die Sole nicht mehr wie zuvor hat zusammenbringen können, wie das der Augenschein noch heutigen Tages ausweist. Und weil, wie oben gesagt, sich die Sole in großer Menge zeigt und über dreißig Jahre wüstes Gut liegengeblieben ist, berichten sie weiter, dass sie sich von neuem durch ihre gnädigen Herren,

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HandschriftS. 772 Bl. 384v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 772

1

Der Vierte Appendix. die von Mansfeld, damit haben belehnen lassen und seit der Zeit in einem oder zwei Bothen gesotten haben. Und weil das Holz bei ihnen ziemlich gut zu bekommen ist, haben sie am Sieden noch keinen Schaden gehabt und auch sehr trockenes und gutes Salz gemacht. Doch seien sie durch ihre Salzknechte — von denen etliche von Halle, von Frankenhausen und auch von Sooden gewesen sind — vielfach getäuscht und übervorteilt worden; und weil sie einfältige Leute seien, sagen sie, dass sie es bei ihnen nicht ändern könnten. Endlich haben sie mich auch berichtet, dass sie sich ungefähr vor dreiviertel Jahren mit den Künstlern, von denen oben die Rede war, eingelassen und dermaßen kontrahiert hätten, dass sie ihnen das ganze Salzwerk einräumen wollten, wenn sie nur ihrer Verpflichtung nach den Brunnen gut fassen und das halbe Holz beim Sieden ersparen könnten. Nun sind die Künstler eine Zeitlang dort gelegen, haben ein ver-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 17: Jegenn — Lesung unsicher, wohl gegen

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HandschriftS. 773 Bl. 385r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 773

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Der Vierte Appendix. schlossenes Bothe errichtet, wo nach dem Vertrag niemand außer den Künstlern hinzukommen darf, und mancherlei Bauten und Veränderungen daran vorgenommen — aber zur Zeit noch nichts Fruchtbares ins Werk gesetzt, ungeachtet dessen, dass sie mehrmals darum angegangen worden sind. Als ich aber unter diesem Gespräch weiter fragte, ob sie dabei wüssten, mit welcher Geschicklichkeit die betreffende Kunst eingerichtet werde, haben sie mir nichts berichten können, außer dass sie anzeigen, sie hätten einmal eine besonders große kupferne Blase gesehen; was sie aber damit ausrichten, konnten sie nicht wissen. Der Wirt im Haus aber, der beide Gesellschaften der Künstler kennt, hat durchblicken lassen, dass er ungefähr vernommen habe, der ganze Handel sei wie ein Branntweinzeug eingerichtet. Sonst haben diese Leute alle, nämlich beide

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: ein — oder hin
  2. Z. 16: vnndtfahrenn — wohl vnnderfahrenn
  3. Z. 18: Weinbrenner — i ohne Punkt

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HandschriftS. 774 Bl. 385v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 774

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Der Vierte Appendix. Salzgrafen und die anderen Gewerken, sich ganz gehorsam, gutwillig und freundlich erzeigt, mit angehängter untertäniger fleißiger Bitte, dass ich ihrer im Besten bei meinem gnädigen Fürsten und Herrn gedenken wolle — mit der Zusage, dass sie es meinem gnädigen Fürsten und Herrn sogleich eröffnen wollten, sobald die Künstler ihre Kunst öffentlich ins Werk setzten und diese Nutzen brächte. Und als ich beiläufig der Probe, wie oben gesagt, gedachte, haben sie auch der Probe der Künstler Erwähnung getan, wie es damit beschaffen sei, und so viel zu verstehen gegeben, dass deren Probe auf einen Zentner nasser Sole und nicht auf das nasse Maß gerichtet sei. Darauf habe ich zur Antwort gegeben, dass eine solche Probe falsch und ungewiss sein müsse, in Anbetracht dessen, dass das nasse Maß Sole an einem Ende mehr wiegt als am anderen. Da sind sie — besonders ein Alchimist unter ihnen — beigetreten und haben um Bericht über unsere Probe

Unsichere Lesungen

  1. Z. 19: mer — oder mir

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HandschriftS. 775 Bl. 386r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 775

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Der Vierte Appendix. gebeten, die ich dem genannten Alchimisten nicht abzuschlagen wusste und die ich ihm einigermaßen vertraulich eröffnet habe — in der Zuversicht, wie es denn auch geschehen ist, er werde mich dagegen auch etlicher Geheimnisse teilhaftig machen. Obwohl ich nun keinen Befehl hatte, nach Sulza oder Kösen zu ziehen — deren dieses dem Kurfürsten, jenes dem Herzog zu Sachsen zusteht —, so hat mich doch meine Reise bewogen, mich dorthin zu wenden, weil ich unter anderem verstanden hatte, dass die Künstler an diesen beiden Orten ihren Unterschlupf haben sollten. Deshalb habe ich mich sogleich nach dem Essen aufgemacht und bin nach Sulza gezogen und gegen Abend dort eingetroffen. Da hat mir auch der eine Salzgraf zu Artern ein Empfehlungsschreiben an den Diener des einen Künstlers mitgeteilt, dass er mich zur Besichtigung ihrer Kunst zulassen solle; wie es denn vielleicht auch geschehen wäre, wenn ich nicht eben den Künstler selbst dort zur Stelle in der Herberge, in der ich eingekehrt war, angetroffen hätte.

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HandschriftS. 776 Bl. 386v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 776

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Der Vierte Appendix. Anno 69 im November bin ich samt anderen zu Artern gewesen und habe sodann dem Kurfürsten zu Sachsen berichtet: Durchlauchtigster, hochgeborener Kurfürst, gnädiger Herr! Auf den empfangenen gnädigsten Befehl Euer Kurfürstlichen Gnaden sind wir zu Artern am 18. dieses zusammengekommen, haben Doktor Landeler zu uns berufen, ihm unseren Befehl — doch nach Anweisung des Memorials in bestimmten Fragestücken — eröffnet und uns sonst über alle Umstände des Brunnens und der alten Gewerkschaft erkundigt und ihn mit Fleiß besichtigt. Was nun Doktor Landeler auf die Fragestücke, die ihm vorgehalten worden sind, erklärt und ausgesagt hat, haben Euer Kurfürstlichen Gnaden aus der Beilage gnädigst weiter zu ersehen. Weil wir uns aber für unsere Person untertänigst schuldig erkennen, auf Euer Kurfürstlichen Gnaden gnädigsten Befehl unser einfältiges ratsames Bedenken zu eröffnen, so ist es dies: Weil der oftgenannte Doktor Landeler auf die vornehmsten Frage-

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HandschriftS. 777 Bl. 387r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 777

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stücke nicht hat antworten wollen, und weil an diesen am meisten gelegen ist, so mögen Euer Kurfürstlichen Gnaden sich nach jetziger Zeit und aller Umstände Lage nicht weiter mit ihm, dem Doktor, in dieser Sache einlassen, bis er auf diese Fragestücke Euer Kurfürstlichen Gnaden richtigen und gründlichen Bescheid gibt. Denn obwohl Sole genug vorhanden ist und der Doktor sich auch rühmt und hören lässt, er wolle mit einem Drittel Holz so viel ausrichten wie ein anderer mit dem Ganzen, so hat er sich doch das entfallen lassen, dass er unter anderem ausgesagt hat, er müsse zum Absieden von 5 Fudern Wasser 7 Schock Wellenholz haben; woraus nach unserem Verstand keine große Verringerung der Unkosten am Holz abzunehmen ist. Und es wäre demnach unser einfältiges Bedenken: Wo man in diesem Fall etwas vornehmen wollte, dass zunächst 2 Probewerke gesotten würden, in denen man die Feuerherde einmal auf seine Art und dann auf meine, des Salzgrafen, Art

Unsichere Lesungen

  1. Z. 13: wollenn — oder wellenn

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HandschriftS. 778 Bl. 387v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 778

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Der Vierte Appendix. anstellte, um zu sehen, ob es am Holz spart oder nicht. Sonst wissen wir dazu weiter nichts zu raten. Das haben wir Euer Kurfürstlichen Gnaden untertänigst nicht verhalten sollen; und wir sind derselben zu dienen verpflichtet, schuldig und ganz geflissen willig. Gegeben Anno Domini 69 den 25. November. Michel von Ebeleben, Hauptmann zu Sangerhausen; Johann Rhenanus, hessischer Salzgraf; Christoff Schornleben, Oberhüttenverwalter des Bergwerks Freiberg; Matthias Flicke, Bergvogt zu Sangerhausen.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 13: Schornlebenn — Name, o/e unsicher
  2. Z. 16: Flicke — Name, oder Flirke

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HandschriftS. 779 Bl. 388r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 779

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Der Vierte Appendix. Fragestücke, die dem Herrn Doktor Landeler von Nürnberg nach dem Wortlaut des kurfürstlich sächsischen Befehls wegen des Salzwerks Artern vorgehalten worden sind, und was er darauf geantwortet hat. Ob der Salzbrunnen beständig gefasst sei. Antwort: Er sei nicht gefasst; und selbst wenn er nicht gefasst werden sollte, könne er doch bei jetziger Lage des Brunnens mit beständigem Nutzen bleiben. Er hoffe aber, ihn sodann mit göttlicher Verleihung dermaßen zu erbauen und in Besserung zu bringen, dass 100 oder 1000 Pfannen gesetzt werden könnten. So wolle er auch aus dem Abfluss ebenso viel Salz machen wie aus dem Brunnen; und die jetzige Fassung sei nur eine Absonderung und Steigerung, damit nicht die unreine Sole in die Pfanne komme. Er sei gänzlich bedacht, den Brunnen zu fassen, sobald er nur durch Hilfe unseres gnädigsten Kurfürsten und Herrn gefördert werden könne. Auf welche Art und Weise er diese Fassung

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HandschriftS. 780 Bl. 388v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 780

1

Der Vierte Appendix. vornehmen wolle. Antwort: Dazu bedürfe er des Rates verständiger und erfahrener Leute; er hoffe Leute zuwege zu bringen, die ihm dazu tauglich sein können. Doch wolle er nicht tiefer senken, sondern vielmehr, wenn er denn bauen wollte, in guter Weite vom Brunnen einen Stollen aus dem Berg herausführen, damit er so die wilden Wasser abschroten, abführen und die Sole allein behalten könne. Was dieser Bau kosten werde. Er sagt: das könne er nicht genau wissen; auch sei es so, dass sich der Bau selbst tragen könne, wenn er im stetigen Sieden bleibt. Doch könnte man mit 1000 Gulden in diesem Bau viel ausrichten. Ob er die Sole für rein und gut halte. Antwort: sie sei gemischt, wie denn alle Sole bis auf 33-lötige. Wie viel Sole die Quelle in jeder Stunde gebe und ob er sie ganz versieden wolle. Er berichtet: sie sei an der Menge so reich, dass er

Unsichere Lesungen

  1. Z. 20: Quallenn — wohl Quellenn

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HandschriftS. 781 Bl. 389r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 781

1

Der Vierte Appendix. ganz Deutschland damit speisen wolle; er getraue sich auch, es billiger als zu Halle zu machen und zu verkaufen. Wie reich die Sole am Gehalt sei. Er sagt: der Zentner habe reichlich 6 Pfund. Ob zu hoffen sei, dass der Brunnen durch Bauen verbessert werden könne. Er sagt, er sei ganz der Hoffnung, mit göttlicher Hilfe, wenn der Bau nach seiner oben genannten Meinung ins Werk gesetzt werde. Was für eine Art er anwenden wolle, die Sole zu verbessern. Er sagt: das sei eine Frage im Heiligen Geist; er habe bereits unserem gnädigsten Kurfürsten und Herrn davon berichtet und wolle es auch weiterhin tun, könne sich aber aus bedenklichen Gründen auf diese Frage uns gegenüber nicht erklären. Wie viele Bothe und Pfannen vom Brunnen fort und fort beständig versorgt werden könnten. Er sagt: so viele, wie man wolle, und so viele, wie man Holz

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: lb. — Pfundzeichen

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HandschriftS. 782 Bl. 389v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 782

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Der Vierte Appendix. bekommen könne. Er sei aber mit seiner Kunst darauf gefasst, dass er mit einem Drittel Holz so viel ausrichten wolle wie ein anderer mit dem Ganzen. Er hat sich auch weiter erklärt, dass er zum Absieden von 5 Fudern Wasser 7 Schock Wellen und nicht mehr brauche; er wolle auch wohl ohne Holz sieden. Wie groß und tief die Pfanne sei. Antwort: Diese Frage ist ein Noli me tangere. Er könne aber mit großen und kleinen Pfannen sieden. Wie viele Dresdner Scheffel er auf ein Sieden und eine Pfanne ausbringe. Antwort: auf ein Sieden bringe er 4 Scheffel aus, die drei Hallische ausmachen; er siede sie in 6 oder 8 Stunden, gebe wöchentlich 2 Gulden Lohn, und die Sieder lieferten jetzt wöchentlich 100 Stück; er hoffe es aber auf 150 Stück zu bringen. Wie viel Holz auf jedes Sieden aufgewendet werde. Antwort: obwohl auch dieser Artikel ein Noli

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HandschriftS. 783 Bl. 390r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 783

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Der Vierte Appendix. me tangere sei und er deshalb unserem hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn dies berichten wolle, so brauche er doch nach jetziger Lage — da er allein den dritten Teil seiner Kunst ins Werk gesetzt hat, die anderen zwei Teile aber ohne kaiserliche Privilegien ins Werk zu setzen nicht gedenkt — nicht mehr als 4 Schock Wellen, deren jedes 3 Groschen gilt, während zu Frankenhausen eines acht gilt. 13. Was für Feuerwerk er gebrauchen wolle und auf welche Art der Feuerherd eingerichtet sei. Er sagt, er wolle Holz, Stroh, Schilf, Steinkohlen und Torf gebrauchen; und sein Herd sei auf Zug, Trieb und Wind eingerichtet. 14. In welchem Kauf und Wert das Holz jetzt sei. Ist jetzt erklärt; jedoch könne er jetzt, wenn er es im Gesamtkauf tut, den Acker Schlagholz um 2, 3, 4 oder 5 Gulden kaufen und an sich bringen. 15. Ob man es auch in solchem Wert beständig

Unsichere Lesungen

  1. Z. 13: dorff — d oder t (Torf)

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HandschriftS. 784 Bl. 390v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 784

1

Der Vierte Appendix. erhalten könne. Er sagt: je nachdem, wie viele oder wenige Kothen man betreibt. Er hoffe aber, wenn unser gnädigster Herr ihm etwas gegen gebührenden Zins und nachfolgende Bezahlung versetzen würde, er wolle durch geeignete Mittel die umliegenden Gehölze billiger und beständiger an sich bringen, erblich oder auf wiederkehrende Jahre; wo aber nicht, so müsse er auch aus einem kleinen Brunnen trinken, denn zu großen Handeln gehören große Beutel. 16. Ob auch Holz genug vorhanden sei. Er sagt: es wären bis zu 50 000 oder 60 000 Acker zu kaufen, und er könne auf 1000 Ackern gemeinen Reisholzes so viel Holz zuwege bringen, dass er damit 200 000 Stück absieden könne. Mit dem Werther Holz aber, das besser sei, könne er mit 1000 Ackern 300 000 Stück bewältigen. Sollte er aber die Sole ganz versieden, so würden der Thüringer und der Harzwald,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 15: ste — Abkürzung, wohl Stück
  2. Z. 16: Waerterischenn — Name des Holzes unklar
  3. Z. 17: ste — Abkürzung, wohl Stück

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HandschriftS. 785 Bl. 391r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 785

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Der Vierte Appendix. ja alle umliegenden Gehölze zu wenig sein. 17. Wie lange man sich ohne Steigerung des Holzpreises mit Holz versorgen könne. Er sagt: hierin könne er kein Maß und Ziel setzen, denn es sei ein Handel, der steigen und fallen könne. 18. Welche Gehölze diesem Salzwerk am nächsten gelegen sind, wie sie heißen und wo sie liegen. Er sagt, er stehe in Verhandlung mit denen von Werther um 16 000 Acker; so seien ihm die Witzlebener, Werther, Rasenburger, Sapenburger, Schöffer und Erfurter Gehölze am besten gelegen. Er versehe sich auch, er wolle Flöße einrichten und zuwege bringen. 19. Ob das Salz auch gut und tauglich sei. Er sagt: es sei gut; er stelle es auf die Probe. 20. Ob auch große Nachfrage und beständiger Absatz eingerichtet werden könne. Er sagt: davon habe er unserem hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn seinen Vorschlag schon eröffnet,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: Witzlebischenn — Name
  2. Z. 10: Rasennburgische — Name
  3. Z. 11: Sapennburgische — Name, evtl. Sachsenburg
  4. Z. 11: Schöffische — Name
  5. Z. 11: Euerfordische — Name, evtl. Erfurt

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HandschriftS. 786 Bl. 391v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 786

1

wie es in Seiner Kurfürstlichen Gnaden Landen gehalten werden könne. Jetzt aber zeigt er an: bei ihm laden Franken, Westfalen, auch zuweilen Rheinländer. So sei vor einem Jahr im Winter bei ihnen große Nachfrage nach Salz gewesen, als man zu Frankenhausen eine Zeitlang nicht sieden konnte. Er habe auf einmal 800 Stück auf Vorrat gehabt und in diesem Jahr insgesamt 3000 Stück und darüber gemacht. Er stehe mit den Nürnbergern in Verhandlung und wisse auch Wege, wie er mit den Fuhrleuten ganz billig und leicht nach Zentnern verdingen könne, das Holz abzuführen. 21. Was der Erzbischof zu Magdeburg als Lehnsherr für ein Recht daran habe, welche Bewilligung und Zustimmung er von diesem Erzbischof habe, was diese Bewilligung enthalte und wie lange sie gelte. Darauf antwortet er: Es sei wohl erzbischöfliches Lehen, aber im Lehnbrief, den seine gnädigen Herren, die

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: Wittlennder — Herkunftsname unklar
  2. Z. 5: sperung — Wort unklar

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HandschriftS. 787 Bl. 392r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 787

1

Der Vierte Appendix. Grafen von Mansfeld, haben, sei das Salzwerk ausdrücklich einverleibt. Und es stehen nur die drei Fünftel Graf Hans Georg und seinen Gnaden Brüdern zu, und die anderen Grafen haben nichts daran zu fordern; und dass dem so sei, erbietet er sich mit den Lehnbriefen zu beweisen. Wir haben auch die alten Gewerken, die vornehmsten, angehört und aus ihrer Antwort befunden, dass sie und alle alten Gewerken mit Doktor Landeler wohl zufrieden sind. Sie wollen auch am Salzwerk keine weitere Förderung haben, als was der Vergleich mit sich bringt. Sulza. Als ich nun zu Sulza war, habe ich mit vielen freundlichen und glimpflichen Worten den genannten Künstler angeredet und von wegen meines gnädigen Fürsten und Herrn begehrt, zur Besichtigung zugelassen zu werden. Ich habe aber nichts

Unsichere Lesungen

  1. Z. 9: Landeler — Personenname

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HandschriftS. 788 Bl. 392v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 788

1

Der Vierte Appendix. erlangen können, denn er hat mir beständig zur Antwort gegeben, es sei ihm ganz ungelegen, seine Kunst, auf die er Beträchtliches gewendet und gewagt habe, irgendeinem Menschen ohne hinreichende Entgeltung zu zeigen. Wenn aber mein gnädiger Fürst und Herr sich mit ihm einlassen und einen stattlichen, namhaften Vergleich zusichern würde, so wäre er untertänig erbötig, seine Kunst auch in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk Sooden anzustellen. Darauf habe ich zur Antwort gegeben, dass mein gnädiger Fürst und Herr in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk noch keinen Mangel befunden habe, nicht leichtlich allen Geistern glaube und sich viel weniger auf eine ungewisse Vertragsschließung einlassen würde; auch könne seine Kunst, wenn sie ins Werk gesetzt würde, nicht lange verborgen bleiben. Aus diesem Gespräch hat er bei Tisch, abends und morgens, sich mit vielen ruhmredigen Reden vernehmen lassen, dass keiner im Reich wäre,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: vndtgeltnus — Lesung unsicher

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HandschriftS. 789 Bl. 393r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 789

1

der sich auf Salzwerke und das Probieren der Sole besser verstünde als er — und insbesondere, dass er die Sole zu Sulza, die doch sehr gering sei, ohne Zutun irgendeines Feuerwerks dermaßen geschieden habe, dass der Zentner 18 Pfund halte. Das habe ich auf sich beruhen lassen und begehrt, seine Sole zu bekommen; die hat er mir auch zugestellt. Sie ist aber dermaßen unschmackhaft an Salz gewesen, dass ich sie nicht für würdig gehalten habe, sie zu proben — denn unser wildes Wasser ist am Geschmack reicher als diese Sole. Und es sei denn, dass ein besonderer heimlicher Betrug dahinterstecke, wovon ich weiter unten bei Aschersleben Meldung tun will, so muss ich an dieser Stelle rundheraus schließen, dass dort in Ewigkeit kein beständiges Salzwerk werden kann, der Künstler künstele auch, was er wolle. Er berichtete aber unter anderem, dass der Brunnen 18 Lachter tief sei, so hoch voll Sole stehe und mit Schöpfeimern geholt werde.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: ℔ — Pfundzeichen, Lesung Zeichen

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HandschriftS. 790 Bl. 393v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 790

1

Der Vierte Appendix. Als ich aber an diesem Ort weiter nichts ausrichten konnte, habe ich mich aufgemacht und bin von dannen gezogen. Weil aber gleich vor Sulza der Künstler seine Kunstanlage errichtet hatte, habe ich sie über Zäune und Gräben hinweg so weit angesehen, dass ich befunden habe: dort ist eine Kothe mit einem Schornstein errichtet, gleich wie zu Artern, und nicht weit davon etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit, in Länge und Höhe aber ungleich errichtet, mit Stroh gedeckt und etwa zwei Schuh hoch über der Erde. Darin sind flache Tröge, ungefähr einen halben Schuh hoch und zwölf Schuh lang, aus dünnen Dielen zusammengefügt und gedichtet. Darüber haben strohene oder schilfene Matten gehangen, die er, wie ich sonst berichtet worden bin, dazu gebraucht, dass er die Sole mit Schaufeln darauf leckt; die tropft dann in die Tröge ab und läuft weiter von einem Trog zum

Unsichere Lesungen

  1. Z. 17: ketzenn — Wort unklar

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HandschriftS. 791 Bl. 394r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 791

1

Der Vierte Appendix. anderen — deren ich ungefähr vierzehn gezählt habe. Und durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden. Kösen. Am folgenden Tag bin ich nach Weißenfels und nach Kösen gereist, um dort ebenfalls die Umstände des dort vorgenommenen Salzwerksbaus zu erkunden. Und weil zu Weißenfels ein Bürger namens Zacharias Hoffmann lebte, der für einen ziemlich verständigen Philosophen ausgegeben wurde und kurz zuvor mit den Künstlern auf dem Brunnen zu Kösen gewesen war und davon zu berichten wusste, habe ich diesen zu mir gefordert und nach dem Essen auf meinem Wagen mit mir nach Kösen genommen. Dieser hat mir berichtet, dass er von alten Leuten erfahren habe, wie weiland der hochlöbliche Fürst Herzog Georg zu Sachsen diesen Salzbrunnen erstmals vor ungefähr 50 Jahren zu bauen unternommen habe. Er habe auch darauf ein

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: Boserne — Ortsname, wohl Poserna

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HandschriftS. 792 Bl. 394v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 792

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Der Vierte Appendix. Beträchtliches und Großes gewendet, den Brunnen über 40 Ellen tief gesenkt und viel Kunst- und Schöpfwerk dort errichtet, habe aber nichts zuwege gebracht. Sondern je tiefer er in weichen steinigen Grund gesenkt habe, desto mehr sei das wilde Wasser herzugedrungen, was endlich die Arbeiter dermaßen überwältigt habe, dass sie von der Arbeit ablassen mussten. Und so sei das vorgenommene Salzwerk als wüstes Gut liegengeblieben bis auf den jetzigen Kurfürsten zu Sachsen, Herzog August; bei dem haben die Nürnberger Künstler um Belehnung angesucht, aber bis jetzt nichts erlangen können. Als ich nun ins Dorf Kösen kam, habe ich zwei alte Männer im Augenschein auf dem Brunnen gefragt, ihre Kenntnis über alle eben erzählten Punkte zu eröffnen. Diese sind dem allen beigetreten und haben daneben angezeigt, dass zur Zeit des vorgenommenen Baus nicht allein an einer,

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  1. Z. 9: wustenn rechtenn — Lesung unsicher

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HandschriftS. 793 Bl. 395r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 793

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Der Vierte Appendix. sondern an zwei, drei Stellen eingesenkt und nichts ausgerichtet worden sei, wie das denn der Augenschein mit sich bringt. Weiter habe ich begehrt, die Sole zu proben. Nachdem aber der Brunnenschacht, so tief er auch ist, mit Sole und wildem Wasser bis oben der Erde gleich angefüllt gewesen ist und auch ringsherum ein brüchiges Gemäuer vorhanden war, habe ich zur Sole nicht kommen können — bis ich schließlich auf Vorschlag des genannten Weißenfelser Bürgers an einer langen Leine über eine lange Stange ein Krüglein mit angehängtem Gewicht eingelassen und vorgenommen habe, die Sole aus der Tiefe zu holen. Es ist aber wegen der vielen Streben, die im Schacht sind, nichts zuwege gebracht worden, denn der Krug zerbrach am Strick. So viel von diesem Salzwerk; das andere wird sich im allgemeinen Bericht wohl finden.

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  1. Z. 8: kreuchechtigk gemöhr — Lesung unsicher

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ZusammenfassungS. 794–825

Halle: wo niemand misst — und wo man ihn nicht hinunterlässt. Halle in Sachsen ist die größte Station und die aufschlussreichste, gerade weil dort so wenig zu holen ist.

Rhenanus notiert die Verfassung des Werks: vier Brunnen, der Gutjahrsborn mit vierundachtzig Vierteln, die Rechenweise der Gerente, die Schichten mit zehn Zubern, die Brunnen „60 Ellen“ tief. Er beschreibt die Pfanne — „4½ Schuh breit, 6½ Schuh lang und einen halben“ hoch —, das Abschäumen, die hölzerne Decke über der Pfanne und die Löhne des Wirkers.

Dann stellt er seine Fragen, und die Antworten sind ein Befund. Ob die Sole ab- und zunehme, in trockenen und nassen Jahren? Man habe „darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt“. Es sei auch unnötig, „weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen; denn ein Stück gilt so viel wie das andere, es sei groß oder klein“. Und wenn man ihnen davon erzähle, notiert Rhenanus, „so haben sie ihren Spott und Hohn darüber“.

Er lässt nicht locker und fragt weiter, ob es rings um Halle Seen, Erdfälle, Sümpfe und Moore gebe „gleich wie bei allen anderen Salzwerken“ — eine Frage, die zeigt, dass er nach einer geologischen Regelmäßigkeit sucht. Der Salzgraf nennt ihm den Rebelinger See, wo die Sonne im Sommer weißes Salz ausblühen lasse, und die Gretchensgrube, einen ständig überschwemmten Erdfall; das ganze Salzwerk stehe „auf einem Moor“.

Einfahren darf er zunächst nicht. Der Salzgraf lehnt ab — es sei „eine Sache von seltenem Beispiel“ und bedürfe der Zustimmung des Rates und der vornehmsten Pfänner; außerdem hindere es den Betrieb. Rhenanus bleibt hartnäckig, „als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte“ — und am Ende fahren sie mit ihm ein.

In Aschersleben begegnet ihm noch einmal die Konkurrenz der Fachleute: Man hat sich einen Meister aus Lüneburg geholt, Georg Rose, der den alten Graben wieder herrichtete. Rhenanus beschreibt die dortige Wechselpumpe, die die Sole zweiunddreißig Ellen über die Erde hebt, den Herd aus Schlotter, das dreimalige Einlassen je Werk — und dass man auch dort Beiße gebraucht.

HandschriftS. 794 Bl. 395v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 794

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Der Vierte Appendix. Halle in Sachsen. Zu Halle in Sachsen eingetroffen und sogleich meinen Diener zum Sekretär Kitzing geschickt, durch einen Zettel meine Anwesenheit eröffnet und von ihm freundlich begehrt, dass er mich bei den Herren Räten — unter denen auch der Salzgraf war — in Abwesenheit des Erzbischofs anmelden wolle. Das hat er getan und mir anzeigen lassen, dass die Herren Räte mich sogleich hören wollten. Auf diese Antwort habe ich mich sogleich in die Kanzlei verfügt und bin zu den Räten eingelassen worden. Ich habe mein Anliegen nach Lage der Dinge vorgetragen und mein Beglaubigungsschreiben übergeben, das sie mit besonderer Ehrerbietung angenommen haben; und ich bin nach vollzogener Werbung abgetreten und habe ihre weitere Antwort erwartet. Nach einer ganz kleinen Weile haben sie mich wieder zu sich gefordert, meine vorgetragene Werbung und das Beglaubigungsschreiben

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  1. Z. 3: Kitzingenn — Personenname

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HandschriftS. 795 Bl. 396r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 795

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ihrem Inhalt nach in allen Stücken wiederholt und darauf zur Antwort gegeben, dass sie von wegen ihres gnädigsten Fürsten und Herrn, des Administrators zu Magdeburg, nicht allein geneigt wären, meines gnädigen Fürsten und Herrn Begehren zu willfahren, sondern dass sie sich, weil sie auch spürten, dass dies weder ihrem Salzwerk noch irgendjemandem zum Nachteil, vielmehr aber zur Förderung des gemeinen Nutzens gereiche, schuldig erkennten, in diesem Fall meinem gnädigen Fürsten und Herrn auf mein weiteres Ansuchen und Fragen über alle Umstände ihres Salzwerks berichten zu lassen. Sie hätten auch bereits dem Salzgrafen, der dort zur Stelle sitze, von wegen ihres genannten gnädigsten Herrn befohlen, mir in diesem Fall nichts Notwendiges zu verhalten; denn sie zweifelten mitnichten daran, dass die Sachen zwischen ihrem gnädigen Fürsten und Herrn, dem Administrator, und meinem gnädigen Herrn, dem Landgrafen, so stünden, dass

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  1. Z. 5: ssgl — Kürzel unklar, evtl. seinem
  2. Z. 14: zu Iegenn — evtl. zugegenn

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HandschriftS. 796 Bl. 396v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 796

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Der Vierte Appendix. sie auch beiderseits in noch Größerem einer dem anderen eine freundliche Bitte nicht abschlagen würden. Als sich nun sogleich auch der Salzgraf dazu gutwillig erboten hatte, habe ich mich dagegen gebührend bedankt, mit der angehängten Zusage, dass ich ihre eben genannte gute Antwort und ihren Willen meinem gnädigen Fürsten und Herrn rühmend vermelden wolle. Und ich habe sodann vom Salzgrafen folgenden Bericht eingenommen: Über die erste Entstehung des Salzwerks zu Halle wisse er nichts Gründliches zu sagen, außer dass in der Merseburger Chronik geschrieben zu finden sei, dass der große Kaiser Otto das dortige Salzwerk dem Erzbischof zu Magdeburg übergeben habe und dass die Stadt damals noch ein Dorf gewesen sei, das Halle geheißen habe. Er hat weiter hinzugesetzt: weil der genannte Kaiser Otto es verschenkt habe, so sei es damals schon ein Salzwerk gewesen.

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HandschriftS. 797 Bl. 397r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 797

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Der Vierte Appendix. Ob aber alle vier Brunnen so, wie sie jetzt gebaut sind, in Bau und Wesen gestanden haben, könne er gleichfalls nicht sagen; er finde auch nichts darüber beschrieben außer etwas Weniges bei Agricola und Mathesius. Soviel die Fassung der Brunnen und die Abführung des wilden Wassers betrifft, davon wisse weder er noch sonst jemand etwas Beständiges. Das sei aber wahr, dass der Grund im Deutschen Born, wie auch in den anderen, grauweißer Gips- oder Salzgrund sei, auf welchen Brunnen die Schächte mit Dichtungen gelegt und dermaßen, wie zu vermuten, ineinandergefügt und dahinter mit Ton oder anderem zähen Erdreich verwahrt worden seien, dass das wilde Wasser bei ihnen nicht einbrechen noch Schaden anrichten könne; wie dies von dem nahe fließenden Fluss der Saale — die bisweilen auch oben auf die Brunnen steige — anzunehmen sei. Er sagte auch klar, dass in und bei ihrer Sole kein wildes

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: Sibs — Lesung unsicher
  2. Z. 11: Salckgrundt — evtl. Kalckgrundt
  3. Z. 12: Kleis — evtl. Kleib
  4. Z. 15: einbrech — Endung mit Zeichen abgekürzt

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HandschriftS. 798 Bl. 397v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 798

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Wasser mehr sei; und als ich dagegen disputierte, blieb er gleichwohl bei seiner gefassten Meinung, womit ich mich der Lage nach zufriedengeben musste. Daneben hat er aber auch berichtet, dass sich allenthalben im ganzen Tal, wo das Salzwerk liegt, wo man einsenke, Sole finden lasse, auch oben in der Fläche; wie das aber zugehe und woher sie komme, wisse er nicht zu sagen. Es sei aber bei ihnen bei Halsstrafe verboten, dass irgendein Herr oder Wirker die Sole entblöße oder versiede, nach dem Inhalt des darüber handelnden Artikels in ihrer Ordnung. Von der Tiefe der Brunnen hat er nichts berichten können, desgleichen auch von der Verteilung nicht, und hat mich darum in diesem Fall an die Bornmeister, Bornknechte und Vorschläger gewiesen, um am folgenden Tag ihren Bericht anzuhören. Gleichwohl hat er mir dazu das gemeine Lehnbuch nach allen Brunnen und Stellen gezeigt.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: Her — evtl. Herr

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HandschriftS. 799 Bl. 398r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 799

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Weil aber die Teilung darin in allen Stücken ungleich ist, habe ich mich nicht darin zurechtfinden können, wie denn auch noch nicht; und deshalb habe ich gebeten, er wolle unbeschwert sein, mir aus dem genannten Lehnbuch die Hauptverteilung durch seinen Schreiber abschreiben zu lassen, was er dann gutwillig getan hat. Und sie verhält sich wie folgt: Deutscher Born. Der Deutsche Born hat zweiunddreißig Stühle; ein Stuhl hat vier Viertel, ein Viertel ist 12 Pfannen. Und ein Erzbischof zu Magdeburg soll in diesem Born über acht Stühle und unter sieben Stühlen nicht weniger haben. Meteritzborn. Der Meteritzborn hat achtzig Viertel, ein Viertel ist siebzehn Pfannen; und in diesem Born mag ein Erzbischof zu Magdeburg höchstens und nicht darüber einen Stuhl haben.

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HandschriftS. 800 Bl. 398v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 800

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Gutjahrsborn. Der Gutjahrsborn hat vierundachtzig Viertel, und ein Viertel ist 12 Pfannen; und in diesem Born mag ein Erzbischof zu Magdeburg höchstens und nicht darüber drei Stühle haben. Hackeborn. Der Hackeborn hat dreiunddreißig Nößel und nicht Viertel; ein Nößel ist 6½ Pfannen. In diesem Born mag ein Erzbischof zu Magdeburg höchstens und nicht darüber einen halben Stuhl haben; ein Stuhl ist vier Nößel. Unterdessen habe ich gefragt: nachdem, wie oben gehört, die Teilung in allem ungleich ist und dem Bischof in einem Brunnen mehr als in den anderen zugeeignet ist, auch im Lehnbuch Pfannen genannt werden — wie es sich denn hiermit verhalte, ob der Bischof stets die Teilung einhalte oder auch mehr Anteile an sich bringen möge, wie es um die Lehnschaft beschaffen sei, ob diese Mann- oder Erb-

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HandschriftS. 801 Bl. 399r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 801

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gut sei, und schließlich, was in ihrem Salzwerk eine Pfanne heiße. Auf diese Frage hat er mir im einzelnen geantwortet und zuerst angezeigt: dass von alters her die Bischöfe nicht mehr als die Erblehnschaft, die Erbrente — die etwas gering gewesen sei —, die hohe Obrigkeit und den Schutz an und in dem Salzwerk gehabt hätten, bis der Erzbischof Ernst, der ein geborener Herzog zu Sachsen und Landgraf zu Thüringen gewesen ist, durch Übermut, Prunk und Ungehorsam der Pfänner zu Halle Anlass genommen habe, sie nicht allein um den vierten Teil des ganzen Salzwerks zu strafen — das er sodann zu einem großen Teil an Gottesdienst und die Armen ausspendete —, sondern es auch endlich mit Ernst dahin gebracht habe, dass sie von ihm und allen nachfolgenden Bischöfen, soviel die übrigen drei Viertel des Salzwerks betrifft, die Rentpfannen zu Lehen nehmen und tragen mussten. Das werde bis auf diese Stunde noch so gehalten, so dass

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  1. Z. 5: Erbrennth — Lesung unsicher
  2. Z. 19: renndt=pfannigenn — Lesung unsicher

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HandschriftS. 802 Bl. 399v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 802

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Der Vierte Appendix. jetzt der Erzbischof mit dem, was den Stiften zugeordnet ist, bis auf ein ganz Geringes das ganze halbe Salzwerk allein innehat. So habe auch die letzte Lehnserneuerung dem Erzbischof über sechstausend Gulden eingetragen, und es sei ganz und gar kein Erbgut vorhanden, außer dass ein Erzbischof, der ein Fürst von Anhalt gewesen ist, seiner Verwandtschaft in jedem Brunnen einen Stuhl erblich zugeeignet hat. Sonst sagte der Salzgraf: damit die Bischöfe nicht dafür angesehen werden müssten, als wollten sie das Salzwerk ganz aus der Hand der Bürger an sich bringen, pflegten sie die angestorbenen Pfannteile etliche Jahre lang ihren wohlverdienten Dienern zu Leibgut, auch wohl zu Erbmannlehen auszutun und zu leihen und ihre Diener damit zu begnaden — wie es ihm selbst widerfahren sei vom Erzbischof Sigismund hochlöblichsten Angedenkens, der nicht allein zur Bekundung seiner fürst-

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  1. Z. 4: eintreferung — evtl. einlieferung

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HandschriftS. 803 Bl. 400r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 803

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lichen gnädigen Neigung gegen ihn und die Seinen sich als Pate seines letzten Sohnes angetragen, sondern ihn auch mit einem Anfall im Wert von acht- oder zehntausend Gulden begnadet habe. Mit den Pfannen aber verhalte es sich nicht so wie bei uns im Salzwerk Sooden, wie er das bereits in Gegenwart meines gnädigen Fürsten und Herrn berichtet habe; sondern es sei eben eine Einteilung wie auf Bergwerken: die Gänge, die in einem Jahr mehr tragen als in den anderen, je nachdem, ob das Feuerwerk teuer oder billig ist und ob es gut oder schlecht abgeht. Ich habe ihn auch weiter gefragt, was sie für gute beschriebene Ordnung haben, ebenso wie es um ihre Verwaltung und Regierung bestellt sei, auch wer die Personen seien, die darüber gesetzt sind, was sie in Befehl haben und ob ihre Ämter beständige oder Wechselämter seien. Darauf hat er mir zur Antwort gegeben, sie hätten

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: Ganngk — Lesung unsicher

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HandschriftS. 804 Bl. 400v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 804

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Der Vierte Appendix. eine beschriebene Ordnung, die er zur Stunde nicht zur Hand habe; er wolle sie mir aber am folgenden Morgen früh zustellen und mich sie ganz durchlesen lassen — wiewohl er gewiss wisse, dass ich oder niemand, der aus fremden Salzwerken sei, daraus klug werden könne. Obwohl ich aber die Ordnung schon zuvor bei mir gehabt habe und sie im Archiv zu Kassel vorhanden ist, habe ich doch dieses Erbieten mit freundlicher Danksagung angenommen und aufs fleißigste begehrt, dass es am Morgen geschehen möchte. Die Verwaltung, sagte er, sei zuerst ihm, danach dem Talvogt, sodann zwei Oberbornmeistern, zwei Unterbornmeistern, vier Beschlägern, einem Bornschreiber und einem Äugler befohlen; das andere seien Unterämter, die keinen Befehl haben außer dem, was ihnen von den eben genannten je nach Lage befohlen wird.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 18: augler — Amtsbezeichnung unsicher

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HandschriftS. 805 Bl. 401r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 805

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Was nun deren aller und eines jeden besonderer Befehl sei, wäre wohl notwendig, dass an dieser Stelle davon Bericht geschähe; ich will es aber der Kürze halber unterlassen. Doch kann ich ihrer aller Einigkeit, Leutseligkeit und Freundlichkeit nicht genug loben. Bei diesem Gespräch ist es an diesem Tag geblieben, und ich bin um fünf Uhr in meiner Herberge zu Tisch gegangen. Dorthin habe ich dann einen Salzknecht gefordert, der mich über alle Umstände, wie es um das Salzwerk bestellt ist, berichtet hat, wie weiter unten an seinem Ort angezeigt werden soll. Am folgenden Tag hat mir der Salzgraf von neuem einen Boten geschickt und daneben an mich sinnen lassen, dass ich zu Mittag sein Gast sein möge. Darauf bin ich sogleich zu ihm gegangen und habe nach Wiederholung seiner gestrigen Zusage begehrt, die Ordnung zu besehen, die er mir gezeigt hat; und wir haben darüber mancherlei Gespräch, Frage und

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: dieser er — so getrennt geschrieben

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HandschriftS. 806 Bl. 401v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 806

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Antwort miteinander gehalten, so dass die Zeit unversehens verlief und der Tisch gedeckt wurde. Er hat mir aber unter anderem angezeigt, dass mein gnädiger Fürst und Herr, als Seine Fürstlichen Gnaden dort zu Halle gewesen sind, mit ihm in Beisein des Erzbischofs gleichermaßen mancherlei Frage und Antwort gepflogen habe, ganz fröhlich gewesen sei und mit so vielen Fragen dem Erzbischof Sigismund und anderen Anlass gegeben habe, den Sachen weiter nachzutrachten, die Ordnung fleißiger zu lesen und ihre Vorteile besser als zuvor wahrzunehmen. Insbesondere aber hat er gedacht, dass mein oft genannter gnädiger Fürst und Herr eine besondere kurzweilige Fröhlichkeit zuwege gebracht habe mit dem Basilisken, von dem man sagt, er habe vor etlichen vielen Jahren den ganzen Brunnen verstopft und behindert — obwohl doch der Basilisk ein so geringes Tierlein sei, dass man es auch in einer Hand

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: sfgl. — Kürzel, wohl S. F. Gl.
  2. Z. 7: solchl — so, wohl solchen

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HandschriftS. 807 Bl. 402r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 807

1

wohl halten könne. Dieses Gespräch hat zwischen ihm und mir von morgens an bis zur Essenszeit gewährt. Bei Tisch hat er mit mir vielerlei über den Holzhandel geredet und unter anderem angeführt: Nachdem sie aus dem Kurfürstentum und Stift Merseburg nicht mehr so viel Feuerwerk wie von alters her bekommen können und demnach der Holzhandel sehr schwierig werde, sei er mit etlichen anderen Pfännern des Vorhabens — er habe es auch schon ins Werk gesetzt —, jährlich vom Fürsten zu Anhalt eine stattliche Summe an sich zu bringen und die Saale heraufzuführen. Was sonst sein Gespräch gewesen ist, woraus allerlei abgenommen werden kann, will ich an seinem Ort und zu seiner Zeit wohl einzubringen wissen. Danach habe ich in seinem Haus ein Stück Salz messen lassen, das 10½ unserer geeichten Maße gehalten hat. Und weil ich inzwischen in

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: zwischen — Endung abgekürzt mit Schleife

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HandschriftS. 808 Bl. 402v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 808

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meiner Herberge meine Diener die Soleprobe hatte anstellen lassen und mein Diener dies zu dieser Zeit anzeigte, hat der Salzgraf begehrt, sie ihm zu eröffnen; wie es denn auch geschehen ist. Und diese Probe steht wie folgt: Der Deutsche Born, das Quart —— 24 Lot; die Sole wiegt roh —— 106 Lot. Meteritz, das Quart —— 22 Lot. Gutjahr —— 22 Lot ½ Quentchen. Hackeborn, ein Quart —— 20 Lot 1½ Quentchen. Unterdessen hat er alle, die über die Brunnen Befehl haben, durch den Talvogt — das ist der Richter, oder wie man es hier nennt, der Schultheiß — auf die Brunnen fordern lassen. Und als ich mit ihm auf die Brunnen ging, habe ich dort alle Umstände der Brunnen, des Austeilens der Sole, des Siedens, des Salzausbringens und des Salzdörrens augenscheinlich besichtigt und erforscht — wiewohl ich das meiste zuvor durch den Halloren, von dem ich oben Meldung getan habe, berichtet bekommen hatte.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 7: rothe — Wort unklar
  2. Z. 9: q — Kürzel, wohl quintlein
  3. Z. 10: q — Kürzel, wohl quintlein

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HandschriftS. 809 Bl. 403r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 809

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Der Vierte Appendix. Die Brunnen aber sind nach gründlicher Angabe der Brunnenverwalter 60 Ellen tief, außer dem Gutjahrsborn, wovon ebenfalls gründlich berichtet wurde. Der Deutsche Born wird mit einem Haspel getrieben, an dem fort und fort acht Knechte in der Schicht haspeln; die Schicht währt zwei Stunden. Er wird auf ein Viertel — das sind 12 Pfannen — mit 60 Zubern besetzt. Der Meteritz wird mit einem Göpel ausgetrieben; es laufen je zwei Stunden in einer Schicht zwei Knechte. Er wird auf ein Viertel mit zehn Zubern besetzt, denn dieser Brunnen wird stets zuerst geschöpft. Der Gutjahrsborn wird mit dem Göpel getrieben; es laufen jeweils zwei Stunden in einer Schicht zwei Knechte. Er wird aufs Viertel mit 40 Zubern besetzt. Der Hackeborn wird auch mit dem Göpel gehoben; es laufen gleichermaßen je zwei Stunden zwei

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: bener — Wort unklar
  2. Z. 10: besser — Gerätename, Lesung unsicher
  3. Z. 15: besser — wie Z. 10
  4. Z. 19: besser — wie Z. 10

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HandschriftS. 810 Bl. 403v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 810

1

Knechte. Eine Schicht wird aufs Viertel mit zehn Zubern besetzt. Dass aber die Austeilung der Sole von alters her so ungleich gehalten und nach besonderem Verhältnis ausgeteilt worden ist — darin ist nach meinem Verstand die Umsicht der alten Pfänner billig zu loben. Denn sie haben nicht allein, nachdem sie die Beschaffenheit der Brunnen kannten, diese nicht auf einmal alle ausschöpfen wollen, sondern auch vornehmlich darauf gesehen, dass nicht der eine die gute, der andere die geringe Sole empfange, damit es aufs allergleichste ausgeteilt werden könne. Bei der weiteren Austeilung der Sole empfängt zuerst der Bischof seinen Teil nach der Anzahl der Stühle und Viertel, die er im Brunnen hat; danach zum anderen die Geistlichen, die Armen und die Arbeiter; zum dritten die Beamten und Befehlshaber; endlich die gemeinen Pfänner. Und so laufen alle Unkosten allein auf den Brunnen,

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  1. Z. 1: Vertell — wohl virtell, Schreibung unklar

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HandschriftS. 811 Bl. 404r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 811

1

wovon ein jeder bezahlt wird. Doch wer keine eigene Kothe oder eine ganze Gerente — das sind 12 Pfannen — hat, darf nicht selbst sieden und auch nicht sieden lassen, sondern muss diese Sole anderen, die Kothen haben, zur vollen Erstattung ihrer Gerente gegen Geld, wie es jeweils festgesetzt wird, zukommen lassen. Und ein jeder weiß, wohin er seine verdiente Sole nach Anweisung der Vorschläger liefern soll. Die Sole wird von Kothe zu Kothe in Zubern getragen, aus jedem Brunnen nach seiner Anzahl. Wenn aber einer nicht siedet, bleibt die übrige Sole im Brunnen, wie das jeweils der Bornschreiber und der Bornmeister nach Lage der Dinge anordnen. Während ich auf dem Brunnen war, habe ich den Fülleimer und den Zuber eichen lassen: jeder Fülleimer hält 8 Quart, der Zuber vier Fülleimer. Es trägt auf ein Werk,

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HandschriftS. 812 Bl. 404v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 812

1

wenn 4½ Zuber eingegossen werden, 324 Quart, das sind 54 Viertel oder 5 Zuber 4½ Viertel. Das ist bei uns nicht ganz ein halbes Fuder, denn fünfeinhalb Viertel fehlen daran. Weil aber, wie oben gesagt, jedes Stück elfeinhalb Metzen ausmacht, kann weiter leicht der Vergleich gezogen werden, wie viel Hallische Sole bei uns ein Werk macht. Ich bin auch weiter auf dem Brunnen berichtet worden, dass dort niemand — wie es auf anderen Salzwerken geschieht — das Jahr über Sole holen darf, weder gegen Geld noch umsonst, außer allein am Osterabend; alsdann mag ein jeder so viel Sole holen, wie er will, und die Austeilung währt einen halben Tag. Aber auf dem Gutjahr teilt man jeden Sonntagmorgen an alle Menschen, die es begehren, einen Pfennig aus, von den gemeinen Pfännern und von wegen des ganzen Salzwerks.

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HandschriftS. 813 Bl. 405r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 813

1

Und damit weder bei Bauten, Bestallungen noch anderen allgemeinen Unkosten in die Hauptrente gegriffen werden muss, sind, wie ich berichtet bekommen habe, dazu fünf besondere Kothen bestimmt. Der Salzgraf aber hat für seinen Teil den ganzen Zoll, nämlich von jedem Salzwagen einen Groschen, und dazu alle Bußen, die im Tal anfallen, außer etlichen Salzgerenten, die er aber nicht hoch achtet. Gleichermaßen wird es auch zu Frankenhausen, Staßfurt und Groß Salza mit den allgemeinen Unkosten gehalten. Es folgt nun vom Sieden. Wenn ein Herr volle Gerente und ein Wirker volles Sieden hat, mag er wöchentlich 40 Werke sieden. Weil aber etliche nicht volle Gerente und auch nicht volles Sieden haben können, ist der allgemeine Anschlag auf 70 Stück wöchentlich gemacht worden, die, wenn das Salz gut abgeht, in jeder

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: gantzen — Endung abgekürzt mit Schleife
  2. Z. 7: groschen — Endung abgekürzt mit Schleife
  3. Z. 15: Vierker — Wort unklar

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HandschriftS. 814 Bl. 405v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 814

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Kothe das ganze Jahr hindurch gesotten werden können. Diese mit 102 Kothen multipliziert, die ständig im Gang sind, ergibt für die Woche auf alle Kothen zusammen —— 7140 Stück; wiederum multipliziert mit den Wochen — denn man hält im ganzen Jahr nur zwei Kaltlager, zu Mittfasten wegen des Talgerichts und zu Pfingsten wegen ihres Pfingstbiers, wie sie es nennen — macht das aufs ganze Jahr und alle Kothen 71 400 Stück. Davon gilt jedes einen halben Taler; das trägt jährlich —————————— 35 700 Taler, die das Salzwerk Halle gewiss und ohne Hindernis jährlich tragen kann. Sonst hält man auch gebotene Kaltlager, wenn das Salz nicht gut abgeht oder sonst ein Mangel eintritt. Es muss aber der Herr einer jeden Kothe das Holz — dessen Preis stets ungewiss ist —, die Pfannen und andere Ausrüstung auf seine Kosten selbst

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HandschriftS. 815 Bl. 406r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 815

1

beschaffen und bezahlen; und wenn er nicht genug Gerente hat, muss er sie wöchentlich an sich kaufen, dem Wirker lohnen und sodann abwarten, was für Gewinn oder Verlust ihm daraus erwächst. Doch halten die Vorschläger den Brauch, dass sie um des beständigen Nutzens willen, der den Gutsherren daraus erwachsen kann, die Sole und das Holz jeweils nach Lage der Dinge im Kaufpreis auf- und absetzen; wie sie denn deshalb jeden Sonntag einen Zettel öffentlich anschlagen lassen, wie es in der folgenden Woche gehalten werden soll. Daneben, und nachdem ich mich, wie gehört, auf dem Brunnen über alle Umstände erkundigt hatte, habe ich meinen Diener in die Kothe geschickt, um dort zu erkunden, wie die Herde und Gesöde eingerichtet sind, wie die Pfannen aufgesetzt werden, wie viele Pfannenketten und Haken gebraucht werden, wie man das Salz ausbringt und wie man es dörrt,

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HandschriftS. 816 Bl. 406v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 816

1

wie groß die Pfannen sind, wie oft man sie fegt, wie lange eine Pfanne stehen kann, was man für jede Arbeit an Lohn gibt, ebenso welche Instrumente und Werkzeuge man gebraucht und wie sie genannt werden, auch was sonst im allgemeinen vom Sieden, Setzen, Fegen und Salzmachen vornehmlich zu wissen nötig ist. Der genannte Diener hat mir folgenden Bericht gebracht. Der Herd wird auf folgende Weise mit Schlotter — den sie Fot nennen — gemacht: er ist unten eine Elle, oben aber anderthalb Klafter weit und zwei Ellen tief. Das Pfannenloch, wo man das Holz hineinwirft, wird von der Erde bis an die Pfanne mit gebackenen Steinen einen Schuh weit gemacht. Man steckt auch ein Eisen von zwei Ellen Länge vorn ins Pfannenloch, wenn man mit dem Stroh siedet, damit es nicht auf dem Herd zusammenfällt, sondern sich auf dem Eisen verteilt und desto besser brennen kann.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: foet — Fremdwort, Lesung unsicher

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HandschriftS. 817 Bl. 407r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 817

1

Die Pfanne, die auf diesen Herd gesetzt wird, ist 4½ Schuh breit, 6½ Schuh lang und einen halben Schuh tief. Sie steht zwei Finger hoch auf dem Herd auf Hornsteinen und wird danach ringsherum etwas offen mit Öseln — wie sie es nennen — rings um die Pfanne zugelegt. Es werden auf jeder Seite neben der Pfanne zwei Ständer in die Erde gesetzt; darauf werden über die Pfanne zwei Pfannenbäume — die sie Bärstäbe nennen — gelegt; sie kosten einen Ortstaler. Dazwischen werden zwei Hakenscheite gesteckt, die über die Pfanne gehen; daran sind zwei eiserne Bordhaken gehängt, die die Pfanne halten. Darüber hinaus sind auch drei kurze Bäumlein von einer Elle Länge quer darübergelegt, an denen neun Pfannenhaken hängen, die die Pfanne halten. Wenn man siedet, so werden jedes Werk 36 Eimer in die Pfanne gegossen; und wenn man 20 eingefüllt hat, tut man in den 21. Eimer ein Näpflein Rinderblut,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: Behrstebe — Fachwort, Lesung unsicher
  2. Z. 13: Bordtharkenn — Anfangsbuchstabe B/V unklar
  3. Z. 21: Nepflein Rindes farbe — Wortlaut unsicher

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HandschriftS. 818 Bl. 407v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 818

1

was die Sole klar reinigt. Und wenn es aufgewallt ist, schäumt man es ab; danach siedet man drei Viertelstunden bis zum Vollschütten, und zum Aufschlagen gehen zwei Stunden — macht zusammen — Stunden, in denen ein Werk vollständig bereitet wird. Danach trägt man die Stücke ab und setzt sie oben auf die dafür bereiteten Salzstätten, damit das Salz recht trocken wird; und je länger es darauf steht, desto härter und trockener wird es. Es werden aber die Pfannen, wovon oben die Rede war, jede Woche dreimal abgezogen und gereinigt. Und wenn man abziehen will, müssen der Salzträger und der Knecht des Meisters sie vom Herd ziehen und hinaus an die Kothe richten. Er nimmt eine Schüssel, schwenkt darin, danach legt er sie nieder, unterstützt sie auf einer Seite mit einem Stab, macht mit einem Bund Stroh ein Feuer darunter und schürt mit einer Stange zu, bis es genug ist. Danach müssen die Knechte sie wie-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: —— — Zahl nach Strich ausgelassen
  2. Z. 16: schwemmket — Wort unklar

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HandschriftS. 819 Bl. 408r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 819

1

Der Vierte Appendix. derum an der Kothe aufrichten; und was noch an Scheiben und Unreinem daran ist, klopft der Wirker mit einem eisernen Hämmerlein und einem hölzernen Gerät, das ein Heige genannt wird, vollends ab. Und wenn sie ganz rein ist, bestreicht er sie mit Kleister, damit sie nicht ausläuft, und lässt sie wieder auf den Herd tragen; er hat auch ein hölzernes Bordholz zur Hand, mit dem er die Borte zurechtrückt, und stellt die Pfanne so wieder auf dem Herd zurecht. Eine solche Pfanne kann ein Vierteljahr stehen und gebraucht werden; eine neue Pfanne zu machen kostet 18 Gulden zu zwanzig Groschen, wie mir die Knechte berichtet haben. Die Bothe sind so eingerichtet: eines ist an drei Stellen unterschieden. An der einen, die zuunterst liegt, wird die Strohstätte genannt, dorthin werden Stroh, Holz und Feuerwerk gelegt; die zweite ist, wo die Pfanne steht; und an der dritten und höchsten Stelle, wo das Salz gedörrt wird, ist die Salzstätte.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: Wirt= — Wirt/Wirck, Trennung unklar
  2. Z. 9: hanngenn — Anfangsbuchstabe h/d

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HandschriftS. 820 Bl. 408v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 820

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Der Vierte Appendix. Es ist auch über der Pfanne eine hölzerne Decke aus dünnen Brettern gelegt, damit nichts Unreines in die Pfanne fallen kann. Die Werkzeuge, die zum Salzmachen gebraucht werden, sind diese, wie folgt: Erstens hat man ein großes Solfass, das zum Teil aus der Kothe hinausgeht, so dass die Soleträger von außen in die Kothe einschütten können; dort ist eine geflochtene Weidenhorde aufgelegt, damit kein Stroh oder Unreinigkeit hineinkommen kann. Ferner einen Fülleimer mit einem daran gemachten langen Haken, eine Gabel, einen Haken, Salzkörbe, Salzschaufeln — die Sogstiele genannt werden —, Fegehämmer und Heigen, Schippen und Aschenkrücken, ein Schrapeisen, ein Handfass, ein Häslein. Es muss auch ein jeder Wirker in seiner Kothe eine große messingene oder kupferne Spritze haben und ein Pfannenbrett. Arbeiterlohn und was man für jede Arbeit

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: dunnenn — dunnenn/dennenn
  2. Z. 6: groß — groß/grob
  3. Z. 10: tent — Wortende unklar
  4. Z. 14: Soegstiele — Vokale unsicher
  5. Z. 16: Schrapteisenn — t unsicher
  6. Z. 17: Hoselein — Lesung unsicher

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HandschriftS. 821 Bl. 409r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 821

1

Der Vierte Appendix. an Lohn gibt: Der Wirker nimmt alles Geld für das Salz ein und verrechnet es jede Woche mit den Junkern; jedoch empfängt er von jedem Stück einen Groschen, das macht die Woche 80 Groschen. Davon lohnt er dem Gesinde: einem Knecht gibt er die Woche 11 Groschen, dazu gibt ihm der Gast von jedem Stück 2 Pfennig; dem Jungen gibt der Wirker die Woche 8 Groschen. Für einen ganzen Herd zu machen gibt man 3 Schock, jedes zu 20 Groschen. Ein Solzieher verdient für einen Herd anzuziehen 1 Groschen. Der Grinder verdient für ein Werk zu grinden und auszurühren 2 Pfennig, die der Wirker zahlt. Der Träger verdient von jedem Stück 1 Pfennig, der Lader 8 Groschen von 4 Stücken, der Stopfer von jedem Stück 1 Pfennig; dazu gibt der Gast 6 Pfennig, ein Werk vorzuziehen 2 Pfennig, zum Auffüllen nach Bedarf. Sonst gebrauchen sie ganz und gar keine Kunstgriffe zum Sieden, obwohl sie es wohl könnten;

Unsichere Lesungen

  1. Z. 15: leder — leder/lader
  2. Z. 8: d. — Pfennigzeichen, so aufgelöst

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HandschriftS. 822 Bl. 409v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 822

1

Der Vierte Appendix. und wenn man ihnen davon sagt, so haben sie ihren Spott und Hohn darüber. Als ich weiter auf dem Brunnen fragte, ob auch die Sole ab- und zunehme, in ab- und zunehmenden Jahren oder bei trockenem und nassem Wetter, habe ich allgemein zur Antwort bekommen, dass sie darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt hätten. So sei es auch bei ihnen unnötig, weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen; denn ein Stück gilt so viel wie das andere, es sei groß oder klein. Ich habe auch weiter gefragt, ob sich auch um das Salzwerk Halle herum hier und dort etwa Seen, Erdfälle, Sümpfe und Moore zeigten, gleich wie bei allen anderen Salzwerken. Darauf hat mir der Salzgraf zur Antwort gegeben, dass nicht weit von Halle ein See, der Rebelinger See genannt, vorhanden sei; und bei diesem See wirke die Sonne zur Sommerzeit auf der Ebene

Unsichere Lesungen

  1. Z. 19: Rebelinger — Ortsname, e/o unsicher

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HandschriftS. 823 Bl. 410r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 823

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Der Vierte Appendix. weißes Salz. So stehe das ganze Salzwerk auf einem Moor; so finde man auch nicht weit von der Stadt tiefe Erdfälle, insbesondere einen, der die Gretchensgrube genannt wird, der ständig unter Wasser steht. Als ich auch im Haus des Salzgrafen mit allem Fleiß anhielt, desgleichen auch auf dem Brunnen in Beisein der anderen Befehlshaber es etliche Male wiederholte und begehrte, zur Besichtigung der Brunnen in den Grund gelassen zu werden, ist mir dies zunächst durch den Salzgrafen abgeschlagen worden. Denn er hielt es für unnötig, weil schon mein gnädiger Fürst und Herr persönlich eingefahren sei, wie er mir berichtete, dass ich sodann dazu gelassen würde. Weil es eine Sache von seltenem Beispiel sei, dürfe es ohne Versammlung des Rates zu Halle und der vornehmsten Pfänner nicht geschehen; und dazu gereiche es auch dem Salzwerk zum Hindernis, weil man mit dem Sole-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: Grietgenns — Eigenname unsicher

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HandschriftS. 824 Bl. 410v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 824

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Der Vierte Appendix. schöpfen stillhalten müsste. Als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte, habe ich endlich zur Antwort bekommen, dass am nächstfolgenden Donnerstag, der der Tag Maria Magdalena wäre, sie es von alters her feierlich hergebracht hätten, dass sie die Brunnen mit Gewalt ausschöpfen ließen; und alsdann müssten der Salzgraf, die Bornmeister und neben ihnen der Zimmermann des Tales einfahren, die Brunnen allenthalben mit Fleiß ausleuchten und besichtigen, ob sie etwa Mangel hätten oder schadhaft wären. Dazu gebrauche der Zimmermann sein eigenes Maß, und wenn er einen Mangel fände, müsse er ihn sogleich büßen und ausbessern; dabei ließen sie es weiterhin bleiben. Sie haben mir auch durch ein Glas, durch das die Sonne schien, den Deutschen Born genau sehen lassen, so dass ich ihn habe quellen sehen. Und sie haben mir weiter geantwortet, wenn ich bis zu diesem Fest dort bleiben würde, wollten

Unsichere Lesungen

  1. Z. 7: solemiter — solemniter, m/nn unklar

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HandschriftS. 825 Bl. 411r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 825

1

Der Vierte Appendix. sie mich unweigerlich mit dem Salzgrafen einfahren lassen. Weil das aber meiner Lage nicht entsprach, habe ich ihnen diesmal gedankt und es dabei bewenden lassen und weiter nicht mehr viel Gespräch gepflogen. Sonst wollte der Salzgraf für seine Person schließen — und ich konnte ihn darin nicht gänzlich widerlegen —, dass gemeinhin alle Sole, die im Grund der Brunnen gefunden wird, salzreich sei; dass man sie oben aber nicht salzreich am Geschmack findet, sei allein der Tiefe zuzuschreiben, weil die Sole zu Grunde weicht und das wilde Wasser obenauf schwimmt. Diese Frage will ich bald bei Aschersleben auflösen. So viel vom Salzwerk Halle in Sachsen; was noch fehlt, wird sich in der Ordnung wohl finden.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: kam — kam/kann/bin

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ZusammenfassungS. 826–846

Was der Vergleich austrägt. Gegen Ende des ersten Reiseteils zieht Rhenanus die Summe, und man sieht, wozu er die ganze Zeit gemessen hat.

Er hält fest, wo die Sole gut ist — an einem Ort „das Quart hält 16 Lot und im anderen Brunnen 14“, deutlich mehr als in Sooden — und wie das den Betrieb prägt: Wo die Sole reich ist, wird kurz und heiß gesotten, „so dass auf diesen beiden Salzwerken die Knechte der Hitze wegen viel schwärzer sind“ als anderswo. Er vergleicht Pfannengrößen, Herde, Löhne, das Aufschlagen des Salzes auf die Bühne, „so dass das Stück zwei Spannen breit“ wird, und was man dort Schlamm nennt, „bei uns aber Sand“.

Einmal räumt er auch die Grenze seines Vorhabens ein: „Wiewohl ich willens war, alle Salzwerke der Länge nach zu beschreiben …“ — nicht alles ließ sich erkunden, nicht überall ließ man ihn hinein.

Und er notiert, wie streng anderswo bewacht wird, was er selbst zu erfahren sucht: An einem Ort sei „bei Hängen und bei hohen Leib- und Geldstrafen verboten“, was er dort erfragen wollte. Der Reisebericht ist auch ein Dokument darüber, wie sehr technisches Wissen im 16. Jahrhundert Betriebsgeheimnis war.

HandschriftS. 826 Bl. 411v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 826

1

Der Vierte Appendix. Aschersleben. Zu Aschersleben eingetroffen und sogleich die Beschaffenheit des Salzwerks besehen. Weil aber der Brunnen dort, wo er gefasst ist, weit außerhalb der Stadt liegt, habe ich am ersten Tag nichts dabei tun können. Nichtsdestoweniger habe ich mich bei beiden Salzgrafen — die beide mit dem Zunamen Müller genannt werden, deren einer damals Bürgermeister war — durch meinen Diener anzeigen lassen und begehrt, dass ich am folgenden Morgen früh gehört werden möchte. Am folgenden Morgen haben mich beide Salzgrafen zu sich gefordert und neben ihren anderen Gewerken und dem Stadtvogt mein Anliegen angehört, das Beglaubigungsschreiben angenommen und neben der Erbietung ihres geneigten Willens gegenüber meinem gnädigen Fürsten und Herrn einhellig folgenden Bericht getan.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: Aescherslebenn — Ae-Ligatur, Zwischenüberschrift

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HandschriftS. 827 Bl. 412r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 827

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Der Vierte Appendix. Über die erste Entstehung des Salzwerks wissen sie nicht mehr, als dass vor hundert Jahren, sagt der Bürgermeister, erstmals die Sole entblößt, aber nichts geschafft worden sei. Danach hat man vor achtundvierzig Jahren wiederum angefangen und mit einer Wasserkunst das wilde Wasser gehoben und die Sole, die doch gering war, gesondert geschöpft und versotten. Endlich aber, vor zwanzig Jahren, habe man mit aller Gewalt zu bauen angefangen, wie das der Augenschein ausweist; und damals sei Jörg Behm ihr Baumeister gewesen, der sie in mannigfaltigen Schaden geführt und sie je länger, desto mehr dazu angehalten und durch ein Gleichnis von Wein und Wasser dazu überredet hat. Unter diesem haben sie einen Stollen und Graben, eine Viertelmeile Wegs lang, mit großen Kosten erbaut. Danach haben sie einen Kunstmeister

Unsichere Lesungen

  1. Z. 16: seinerkenn — Wort unklar
  2. Z. 14: Behm — Personenname, e/ö

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HandschriftS. 828 Bl. 412v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 828

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Der Vierte Appendix. von Lüneburg, Georg Rose genannt, bekommen, der den vorigen Graben wieder eingerissen, neue Künste wiederum errichtet und andere Kothen gebaut hat — und es ist doch nichts daraus geworden. Danach haben sie Künstler von Nürnberg, aus Mansfeld, aus Meißen, Thüringen und allenthalben her gehabt, von denen jeder es besser machen wollte als der andere, bis endlich ein verwirrtes Chaos daraus geworden ist. Denn obwohl sie mit großen Kosten eine Brunnenfassung eingerichtet haben, die noch vor Augen steht, so ist diese doch wegen der Ungeschicklichkeit der Vorlage von selbst um mehr als drei Ellen zu Berge gestiegen. Deshalb haben sie aus der Not eine Tugend machen und eine Röhre durch das wilde Wasser bis zum Grund des Brunnens einsenken müssen, durch die sie jetzt die Sole aufziehen. Als sie aber in diesem Bauen begriffen waren und

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: Lüneburgk — Ortsname, Vokal unsicher
  2. Z. 2: Rose — Personenname

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HandschriftS. 829 Bl. 413r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 829

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Der Vierte Appendix. damit umgingen, haben sie viele und mancherlei Brunnenfassungen, Künste und dergleichen vorgenommen, ins Werk gesetzt, an- und abgeschafft, so dass ihnen innerhalb von zwanzig Jahren über 40 000 Gulden darauf gegangen sind. Sie haben Rosskünste gehabt und Wasserkünste, die die Wipper trieb; daran haben sie Schlauch-, Pumpen-, Schöpf- und Heinzenkünste, allerlei eingerichtet und zu einer Zeit 60 Kunstpferde beieinander gehabt, von denen je in einer Schicht 6 liefen. Es ist aber alles vergebens gewesen. Am allerunschädlichsten aber unter allen Künsten halten sie aus gewisser Erfahrung die Pumpenkünste, die nicht viel Erschütterung machen. Die jetzige Brunnenfassung, die noch steht und, wie oben gesagt, von selbst zu Berge gestiegen ist, ist 32 Ellen tief, mit Tannenholz aufgeführt, gleich wie die Brunnen zu Halle in Sachsen.

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HandschriftS. 830 Bl. 413v Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 830

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Der Vierte Appendix. Die Pfänner aber, die hieran gebaut haben — die ganze Gewerkschaft ist in 32 Teile geteilt, von denen sie zuerst 2 aus dem gemeinen Beutel den Armen zugute gebaut haben; von den anderen 30 werden 6 durch die Stiftsherren zu Halberstadt, 6 von der gemeinen Stadt daselbst, 6 von wegen Marx Müllers, der diesen Bau bis dahin mit großem Fleiß getrieben hat und nunmehr ein betagter Mann ist, und 12 von den gemeinen Pfännern getragen. Es geht ihnen allen anteilig zu Gewinn und Verlust, und sie tragen es zu Erblehen vom Bischof zu Halberstadt. Sie haben auch eine ganze Viertelmeile Wegs lang die Sole durch steinerne Röhren zur Stadt geführt, in ein Kloster, das sie vom Bischof zu Halberstadt für ein Geringes zu kaufen bekommen haben; darin haben sie neun Kothen errichtet, in deren dreien man jetzt siedet.

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HandschriftS. 831 Bl. 414r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 831

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Ehe aber die Sole in die Röhre kommt, wird sie 32 Ellen hoch über die Erde mit einer Wechselpumpenkunst an einem Wasserrad nach der Angabe des Agricola gehoben; das hat ein Meißner eingerichtet, so dass die Sole aus der Tiefe bis in die Höhe zum Fass, aus dem sie in die Röhre fällt, 57 Ellen hoch aufgezogen wird. Und der Stadtvogt und ein Salzgraf, die mit mir zum Brunnen gefahren sind, haben mir auf meine Frage berichtet: wenn sie 28 Zuber Sole aus dem Brunnen holen, in die Röhre abgießen und sie weiter durch die Stadt eine Viertelmeile weit — wie oben gesagt — fließen lassen, so findet sich der Abgang, dass nur 18 im Salzwerk ankommen. Sie haben mir auch augenscheinlich gezeigt, wie die Sole allenthalben im Feld durch ihr heimliches Durchdringen, so lang die Röhren sind, und mit ihrem Überlaufen auf den Äckern und Wiesen verursacht, dass nichts

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: gewechseltenn — Wort undeutlich
  2. Z. 13: durstadt — Lesung unsicher
  3. Z. 19: wechssell — Lesung unsicher

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HandschriftS. 832 Bl. 414v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 832

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darauf wächst, so breit die Röhren sind — obwohl sie doch ziemlich tief, nämlich bis zu drei Schuh, unter die Erde gesenkt sind. Und als sie insbesondere begehrten, dass ich ihnen meinen Rat eröffne, was für ein Material sie wohl gebrauchen könnten — da sie schon irdene und hölzerne Röhren versucht hatten —, damit sie einen solch großen Abgang nicht erfahren müssten, habe ich ihnen zu Blei geraten; das haben sie sich gefallen lassen. Und ich zweifle nicht daran: wenn der genannte alte Mann Marcus Müller länger leben würde, er würde es unternehmen, dies ins Werk zu bringen. Sodann habe ich die Sole geprobt und wie folgt befunden: Das Quart Sole hält 96 Lot und an Salz beim Brunnen 7 Lot 3½ Quentchen; die letzte aus dem Bothe hält 6½ Lot ½ Quentchen. Mit dem Sieden aber und den anderen dazugehörigen Sachen wird es gehalten wie hiernach.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 17: q. — Kürzel, wohl Quintlein
  2. Z. 18: q. — Kürzel, wohl Quintlein

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HandschriftS. 833 Bl. 415r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 833

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Der Herd ist mit Schlotter gemacht, 12 Schuh weit; inwendig unter der Pfanne ist er auf beiden Seiten mit Schlotter ausgefüllt, so dass die Pfanne eine Ellenbogenlänge hoch über dem Herd steht. Mitten hindurch geht ein Graben; davor ist das Pfannenloch, wo das Feuer hineingeworfen wird, einen Schuh weit. Auf dem Herd liegen vier große Eisen übergelegt, auf die das Holz und Feuerwerk geworfen wird. Die Pfanne, die darauf gesetzt wird, ist 7 Schuh breit und 9½ Schuh weniger 1 Zoll lang, 8 Zoll tief; sie wird drei Finger hoch auf Hornsteinen über dem Herd gesetzt. Dahinter steht noch ein kleines Pfännlein, 6½ Schuh lang und 3½ Schuh breit, die Tiefe einen Schuh weniger 1 Zoll; es wird vom Herd der vorderen Pfanne durch ein darunter gehendes Gewölbe bis zur Salzstube beheizt. Dort ist ein Schornstein, durch den der Rauch abzieht; und es steht ein Röhrenstock neben der Pfanne, der einen Hahn hat,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 12: Hornnstein — Lesung unsicher
  2. Z. 20: vnebenn — Lesung unsicher

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HandschriftS. 834 Bl. 415v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 834

1

den man aufdreht, wenn man einlassen will. So lässt man auch jedes Werk dreimal ein; und wenn man zuerst einlässt, lässt man das kleine Pfännlein in die große laufen und lässt sie auch jedesmal aus dem Stock wieder voll laufen. Sonst hat die Hauptpfanne auf jeder Seite der Seitenwand eine eingesenkte Stufe stehen, auf der die Pfannenbäume ruhen. Über diesen Pfannenbäumen oder Bärstäben liegen noch andere kleine Bäumlein, an denen die Pfanne in zwölf Haken hängt, damit sie gestreckt gehalten wird und sich nicht wölbt. Und man wendet an diesem Ort großen Fleiß darauf, dass die Pfanne wöchentlich abgezogen, gefegt und von neuem bestrichen wird, was der Salzknecht — der dort zugleich auch Pfannenschmied ist — für sehr zuträglich hält, wiewohl ich ihm nicht beipflichten kann. Bei der Zubereitung zum Sieden gebraucht man

Unsichere Lesungen

  1. Z. 9: behrstebe — Lesung unsicher
  2. Z. 11: harbenn — Lesung unsicher

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HandschriftS. 835 Bl. 416r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 835

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an diesem Ort auch Beiße, die aus dem Herd und Gesöde genommen, zuvor klein zerschlagen, ins Solfass auf einen Herd geschüttet und zerlassen wird; davon halten sie viel. Beim Sieden aber setzt man drei Fegfässlein ein, in denen der Schaum, Sand und die Unreinigkeit gesammelt und herausgehoben werden. Man siedet vier Stunden, und wenn es zu Salz geht, schwenkt man Bier ein und lässt es darauf eine Stunde setzen. Und wenn man ausbringen und Salz machen will, so legt zuvor der Salzknecht ein Brett voller Löcher über die Pfanne auf die Bärstäbe, setzt sogleich eine Bütte darauf, zieht das Salz zusammen und schlägt es auf, bis er eine Bütte voll und also ein Stück auf der einen Seite fertiggestellt hat. So fährt er auf der anderen Seite fort und wechselt eine Seite um die andere, bis er vier Stücke ausgebracht hat, von denen sodann jedes 8 Groschen gilt und beinahe 6 unserer geeichten Metzen hält.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: beiste — Lesung unsicher
  2. Z. 19: gl — Münzkürzel undeutlich

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HandschriftS. 836 Bl. 416v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 836

1

So viel von diesem Salzwerk. Wiewohl ich willens war, alle Salzwerke der Länge nach zu beschreiben, wie es die Notdurft erfordert, so habe ich doch, weil ich unter der Hand bemerkte, dass das Werk zu umfangreich wuchs, es für gut befunden, künftig allein die vornehmsten Hauptstücke eines jeden Salzwerks zu beschreiben und es dabei bewenden zu lassen. Staßfurt. Von Aschersleben nach Staßfurt gezogen und unterwegs im Feld allenthalben schwarze Erde und darauf Salz, von der Sonne gewirkt, dermaßen befunden, dass das Feld ringsherum ganz weiß schien. Und als ich hineinkam, habe ich mich sogleich den beiden Salzgrafen anzeigen lassen — es waren zwei vom Adel, darunter ein Brösigke —, die selbst zu mir in die Herberge gekommen sind.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 17: Brösigke — Familienname, Lesung wahrscheinlich

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HandschriftS. 837 Bl. 417r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 837

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Sie haben mein Beglaubigungsschreiben und meine Werbung mit gebührender Ehrerbietung und höchster Leutseligkeit angenommen und sich aller untertänigen Gutwilligkeit gegenüber meinem gnädigen Fürsten und Herrn und mir erboten. Als ich nun mit ihrer Zulassung das Salzwerk allenthalben besichtigt und mich über allerlei erkundigt hatte, habe ich befunden: Erstens, dass die Entstehung dieses Salzwerks, wie auch die des zu Groß Salza, sich über 600 Jahre zurück erstreckt, was sie mit Briefen zu belegen sich erboten haben. Denn damals, sagen sie, habe ein Graf von Hackeborn aus Halle zuerst den Hackeborn — so an diesem Ort genannt — erbaut und ihn damals dermaßen vertäfelt, verdämmt, verdichtet und verwahrt, dass man in keinem Register geschrieben finde, es sei seither jemals daran gebaut worden. Er ist 34 Klafter tief; der Grund aber ist, wie sie mir berichtet haben, grauer Gips.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 12: Harke= — Name, Trennung unklar
  2. Z. 13: kenn — Namensende unsicher
  3. Z. 15: verteffelt — Lesung unsicher

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HandschriftS. 838 Bl. 417v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 838

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Von dem anderen Brunnen, der an seinen Wänden nicht minder gut verwahrt ist, wissen sie gar nichts zu sagen; sie wissen auch nicht, wie tief er ist. Das Salzwerk ist von Anbeginn freies Erbeigen der dortigen Pfänner gewesen, wie auch zu Salza. Es haben aber mit der Zeit die Pfänner selbst, als sie sich adeln ließen, es größtenteils dem Erzstift zu Magdeburg zu Mannlehen aufgetragen, so dass mit der Zeit die alten Bürgerstämme an diesen beiden Orten sehr davon abgekommen sind und nunmehr größtenteils die vom Adel alles innehaben. Weil diese aber nicht allezeit selbst dabei sein können, die Salzknechte ihnen am Holz und Salz Untreue spielen, das Salz nicht allezeit gut abgeht und sich auch viel Uneinigkeit unter den Pfännern hält, so haben sie nicht alle gleichen Nutzen.

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HandschriftS. 839 Bl. 418r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 839

1

Die Sole ist an diesem Ort sehr gut; das Quart hält 16 Lot und im anderen Brunnen 14. Sie wird mit Rosskünsten, an denen Eimer sind, geschöpft und sodann von Kothe zu Kothe ohne festes Maß in 32 Kothen geleitet, in deren jeder wöchentlich 50 Werke gesotten werden; jedes hält zwei Stücke, und jedes Stück Salz wird für 8 Groschen verkauft. Sonst hat es in diesem Salzwerk keine besondere Ordnung, weil ein jeder Pfänner sein eigenes Gesinde hält. Es hat aber dort zwei Baukothen, aus denen alle allgemeinen Bauten unterhalten werden. Die Kothen sind deshalb, weil man Holz, Pfannen und Salz alles darin beieinander auf Vorrat hat, sehr groß, wie gleichermaßen auch zu Salza. Sie sind mit hohen Bühnen errichtet wie die Glashütten, haben sehr dicke Dächer bis auf die Erde, und in ihnen ist wegen des ständigen Siedens eine große

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: Roßkunstenn — Ros-/Rost- unsicher

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HandschriftS. 840 Bl. 418v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 840

1

Hitze, so dass auf diesen beiden Salzwerken die Knechte der Hitze wegen viel schwärzer sind als auf anderen. Das kommt daher, dass im oberen Teil der Kothe stets das Salz gedörrt werden muss, das auch oft so lange auf der Salzstätte steht, dass es ganz schwarz wird und deshalb von neuem in die Sole geschüttet und geläutert werden muss; wie denn auch der ganze Boden dieser Salzstätten vom Abtropfen sehr gut wird und jährlich ausgebrochen und zu Beiße verarbeitet werden muss. Und wiewohl es dort gute Salzknechte hat, gebrauchen sie doch keine besonderen Kunstgriffe außer allein mit der Beiße; denn sie machen gar kleines Salz und verfahren viel unnützes Holz. Das Salz geht zu Staßfurt wegen der nahe liegenden Salzwerke und des benachbarten Elb- und

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: Sayße — Lesung unsicher
  2. Z. 19: vnndtlegenenn — Wort undeutlich

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HandschriftS. 841 Bl. 419r Der Virdt Appendix

ÜbersetzungSeite 841

1

Saalstroms selten gut ab; wenn aber andere Salzwerke eine Zeitlang des Unwetters wegen stillhalten müssen, werden sie ihren Vorrat einmal los. Und ich habe mich berichten lassen, dass bisweilen auch unsere Fuhrleute dorthin kommen. Mit dem Sieden und dem Salzhandel wird es auf folgende Weise gehalten. Zu Staßfurt wird die Beiße im Solfass gebraucht wie zu Aschersleben. Man hat aber dort zwei Herde; wenn der eine reife und gute Beiße hat, zieht man die Pfanne ab und setzt sie auf den anderen Herd, der tief in der Erde liegt, so dass die darauf gesetzte Pfanne ein wenig über der Erde steht. Der neue Herd wird unten und an den Seiten vom Grund an wiederum mit Schlotter aufgeführt und ausgefüllt; er ist 2 Ellen tief, acht Ellen lang und 6 Ellen breit.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: Saalsstrambs — Schreibung unsicher

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HandschriftS. 842 Bl. 419v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 842

1

Darauf wird die Pfanne gesetzt, die 7 Schuh lang und 6¼ breit ist. Es stehen auf jeder Seite neben der Pfanne zwei Ständer, in die Erde gesenkt, auf denen zwei dicke Pfannenbäume über der Pfanne liegen; über diesen liegen andere, geringere Bäume, deren 6 gelegt sind, an die die Pfannenhaken — deren 12 sind — angehängt werden. Man gießt auch jedes Werk 36 Eimer in die Pfanne, siedet daran eine halbe Stunde, und alsdann tut man Schwenkbier hinein und rührt bei den Kohlen aus. Wenn es nun hinreichend zu Salz geworden ist, setzt man die Salzkörbe auf — die drei Spannen lang, zwei breit und oben eine Spanne hoch sind — zwischen die zwei großen Pfannenbäume, die sie Bärbäume nennen, bringt das Salz auf jeder Seite zusammen und schlägt es mit einer Salzschaufel auf den Korb, bis der Korb voll ist. Danach

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: schwenncke — Wortende undeutlich
  2. Z. 19: bißolanng — Schreibung unsicher

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HandschriftS. 843 Bl. 420r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 843

1

schlagen sie das Salz neben dem Korb auf die Bühne, so dass das Stück zwei Spannen breit, drei lang und fünf hoch wird; deren werden auf jedes Werk zwei bereitet. Und man siedet vorne in jedem Bothe, deren 32 sind, 50 Werke — denn je in drei Stunden wird ein Werk bereitet —, das macht 100 Stücke. Werkzeuge, die hier zum Salzmachen gebraucht werden, sind diese, wie folgt: Erstens ein großes Solfass, in dem eine geflochtene Horde liegt, auf der die Beiße zergeht und die Sole damit gebessert wird; einen Fülleimer, der an einem Schwengel hängt, damit die Sole in die Pfanne gefüllt wird; ein Handfass, in dem die Werkzeuge gereinigt werden; 4 Salzschaufeln, mit denen die Stücke gemacht werden; Salzkörbe, auf denen die Stücke geschlagen werden — die Stücke werden mit Strohbändern umlegt, etliche auch nicht; drei Fegfässer, in denen sich der Dreck und die Unreinigkeit setzt, die

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: Seiße — Wort undeutlich
  2. Z. 18: stoernn — evtl. stroernn

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HandschriftS. 844 Bl. 420v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 844

1

sie Schlamm nennen, bei uns aber Sand genannt wird. Arbeiterlohn: Dem Meister gebühren von jedem Stück 6 Pfennig, das macht die Woche 50 Groschen. Der Knecht verdient ½ Taler die Woche, und am Heiligen Abend hat er beim Meister die Mahlzeit. Die Unterschürerin verdient die Woche 8 Groschen fürs Unterschüren. Groß Salza. Dieses Salzwerk ist in allem beinahe so eingerichtet wie das zu Staßfurt. Es hat auch dort zwei Brunnen, und die Sole wird mit zwei Rosskünsten geschöpft; doch ist die eine so wie die zu Staßfurt, die beide mit großen Schöpfeimern eingerichtet sind, von denen einer um den anderen wechselt, die andere aber mit Schläuchen. Die Kunst mit den Schläuchen ist in dem grundlosen

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: ₰ — Münzkürzel, Pfennig/Denar
  2. Z. 8: gl — Münzkürzel unklar

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HandschriftS. 845 Bl. 421r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 845

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Brunnen, in dem die Sole oben sehr gering ist und allein die tiefere mit den Schläuchen aus der Tiefe geholt wird. Die Kunst mit den Eimern steht auf dem anderen Brunnen, der über 50 Ellen tief ist. Sonst verhält es sich mit dem Salzwerk in allem beinahe wie mit Staßfurt; es ist ebenso alt wie dieses. Die Brunnen sind von dem Grafen von Hackeborn wie Staßfurt erbaut, gleich gefasst mit Tannenholz, die Bothe ebenso — 32 gebaut —, so dass es unnötig ist, das alles zu wiederholen. Doch hat dieses Salzwerk einen Vorzug vor Staßfurt: weil sie wegen der nahe fließenden Saale und Elbe gut Holz bekommen können, geht das Salz gut ab, und es ist großes Gedränge darum, so dass die Pfänner kaum ihren Salzknechten die Betrügereien, mit denen

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: Sörenn — Anfangsbuchstabe unklar
  2. Z. 10: harckelbronnen — Name, evtl. hackelbronnen

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HandschriftS. 846 Bl. 421v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 846

1

sie umgehen, wehren können. Es wird bei Hängen und bei hohen Leib- und Geldstrafen verboten, aber wenig eingehalten. Und obwohl der größte Teil der Pfänner — die bis auf ganz wenige alle vom Adel sind — größtenteils dort ansässig ist und die ganze Verwaltung über die Stadt und das Salzwerk hat, so ist doch das ständige Bankettieren, Prunken und die Hoffart so groß, dass sich selten einer findet, der vortreffliche Nahrung hat; und in dieser Hinsicht stehen die Staßfurter etwas besser. Weiter von anderen Salzwerken zu schreiben habe ich für unnötig erachtet; wenn man aber doch Bericht davon begehrt, wird in meinen Miszellen angezeigt werden, wo dieser zu finden ist. Es folgt nun die Beschreibung meiner Reise, die ich auf Befehl meines gnädigen Fürsten und Herrn nach Pommern ausgerichtet habe.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 18: Jnn — evtl. Jnner; Zeilen 16-18 rot

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ZusammenfassungS. 847–884

Pommern 1584 — ein Gutachter auf fünf Reisen. Sechzehn Jahre nach der ersten Fahrt wird Rhenanus noch einmal geholt, und diesmal nicht von seinem eigenen Herrn: Herzog Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast — „Herzog zu Stettin, Pommern“ lautet der Titel — bittet Landgraf Wilhelm, ihm den Sooder Salzgrafen zu leihen.

Der Anlass ist eine Enttäuschung. In Pommern hat man Brunnen gegraben, „je tiefer sie diese — in der Hoffnung, in der Tiefe die rechte Sole anzutreffen“ — desto weniger fanden sie. Man schickt eine versiegelte Soleprobe aus Koblentz nach Hessen, vom Hauptmann Busso von Rammin eigenhändig geschöpft, und bittet um ein Urteil.

Was folgt, sind fünf Reisen von Wolgast aus — so zählt er sie am Ende selbst —, und Rhenanus arbeitet dabei wie ein moderner Gutachter. Er lässt sich die Sole in seiner Herberge von seinen Dienern proben. Er besichtigt Hammerhütten und findet „einen sehr guten Eisenstein“. Er beurteilt Wasserläufe — am Flederbach in den Jasenitzer Bergen —, prüft, ob genug Wasser für die Künste da wäre, ob Holz zu haben ist, ob sich Alaunerz zeige. Er schmeckt eine Quelle sofort, als sie sich „im Geruch zeigte“, und lässt sie danach proben. Er lässt Lauge auf dem Feld ansieden und vom Wundarzt Curt Bödicker „per Alembicum“ destillieren.

Und er sagt Nein, wenn es Nein heißen muss. Als der Herzog auf eine Zusage drängt, antwortet Rhenanus mit einem Satz, den man sich merkt: „Ich bin nicht der Schöpfer, sondern ein Sünder des Schöpfers.“

Statt einer Prognose schlägt er einen Versuch vor: Man solle „eine große Pfanne und einen ordentlichen Herd einrichte[n]“, dann werde man „im Grunde befinden, was man tun oder lassen möge“. Und weil ein Fürst wissen will, was der Versuch kostet, wenn er fehlschlägt, rechnet er auch das vor: Man könne mit der Pfanne notfalls fremde Sole läutern und sieden, bis sie bezahlt sei, „oder man könnte das Eisen sonst zu Eisentüren oder anderem verbrauchen“.

So endet der vierte Anhang: nicht mit einem Fund, sondern mit einem sauber begrenzten Experiment und einer Kostenrechnung für den Fall des Scheiterns. Das ist Rhenanus im Kern.

Redaktionelle AnmerkungS. 847–884

Zur Pommernreise. Auftraggeber war Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast (1545–1592, regierte ab 1569). Rhenanus trat die Reise am 10. März 1584 an und war am 31. März in Wolgast; er war damals fünfundfünfzig und hatte zunächst abgelehnt. Der Landgraf ließ ihn erst nach mehrfacher Bitte ziehen, unter der Bedingung, in vier Wochen zurück zu sein. Aus vier Wochen wurden mehr als zwei Monate.

„Ich bin nicht der Schöpfer, sondern ein Sünder des Schöpfers.“ Der Satz sieht fromm aus und ist ein Fachurteil: die Weigerung, eine Zusage zu geben, für die es keine Grundlage gibt. Was darauf folgt, ist der Beweis — kein Orakel, sondern ein begrenzter Versuch mit einer Pfanne und eine Rechnung für den Fall des Scheiterns. Wer wissen will, was an diesem Buch modern ist, sollte diese Seiten lesen und nicht die technischen.

Wie es in Pommern weiterging, sagt der Bericht nicht; hier bricht die Überlieferung ab. Wer der Sache nachgehen will, müsste in den pommerschen Beständen weitersuchen — eine offene Frage, die von Sooden aus nicht zu beantworten ist.

HandschriftS. 847 Bl. 422r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 847

1

Nachdem der durchlauchtige, hochgeborene Fürst und Herr, Herr Ernst Ludwig, Herzog zu Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden, Fürst zu Rügen und Graf zu Gützkow, zu Anfang Seiner Fürstlichen Gnaden Regierung befunden hat, dass allenthalben in Seiner Fürstlichen Gnaden Fürstentum und Landen sowohl an Eisen als auch an Salz großer Mangel herrscht und beides mit schweren Unkosten und teurer Bezahlung aufgebracht werden muss, haben Seine Fürstlichen Gnaden mit allem Fleiß darauf gesonnen, wie doch diesem Mangel rechtzeitig begegnet, ihren Landen und Leuten mit ersprießlichem Nutzen gedient und dazu Seiner Fürstlichen Gnaden Kammergut vermehrt werden möchte. Weil nun allenthalben in beiden Fürstentümern Pommern und Rügen, auch auf dem Land Usedom, ein großer Vorrat an Holz vorhanden ist, besonders aber bei Jasenitz, Ueckermünde, Klempenow und Pudagla, und weil vor dieser

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: sfgl. — Kürzel S.F.G., zweimal
  2. Z. 17: Vsethumb — Usedom, Schreibung unsicher
  3. Z. 19: Pudekglaw — Ortsname Pudagla?

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HandschriftS. 848 Bl. 422v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 848

1

Zeit bereits Eisenhütten bei Jasenitz in Gebrauch gewesen sind, auch allenthalben die Brunnen salzig sind und der Erdboden im Sommer gegen die Sonne Salz ansetzt und ausblüht, so hat der genannte Fürst eine neue Eisenhütte bei der Neuen Mühle im Ueckermünder Amt bauen lassen, um dort zu versuchen, ob Seine Fürstlichen Gnaden Osemund aus Schweden mit Vorteil an sich bringen, ihn sodann verschmieden und so dem teuren Kauf des Eisens vorkommen könnten. Desgleichen haben Seine Fürstlichen Gnaden auch bei Koblentz und Krugsdorf, wie denn auch bei Golchen im Amt Klempenow, durch ihren bestellten Brunnenkunstmeister Hans Fritz nach Salzquellen senken, die gesenkten Gruben mit Holz verbauen und alles Wasser daraus ausschöpfen lassen, ob vielleicht gute Salzquellen anzutreffen wären. Aber so lange Seine Fürstlichen Gnaden sich bemüht und große Kosten darauf gewendet haben, auch

Unsichere Lesungen

  1. Z. 13: Golckenn — Ortsname unsicher
  2. Z. 17: außösenn — evtl. außschösenn

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HandschriftS. 849 Bl. 423r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 849

1

und je tiefer sie diese — in der Hoffnung, in der Tiefe die rechte Sole anzutreffen — haben senken lassen, desto mehr ist das wilde Wasser zugelaufen, so dass Seine Fürstlichen Gnaden hiervon ablassen mussten. So hat es auch mit dem vorgenommenen Osemund-Eisenhandel einen Aufschub genommen: dieser ist im Preis höher gestiegen, und Seine Fürstlichen Gnaden haben auch hieran keinen Vorteil — außer der Ungewissheit — finden können. Weil es aber fürstlich, christlich und wohlgetan ist, dass ein jeder für die Seinen, besonders aber für sein Vaterland sorgt und dessen Nutzen und Wohl sucht — denn nichts ist süßer, als dem Vaterland durch das Gemeinwohl wohl zu nützen, wie auch der Heide Cicero sagt —, so hat der genannte Fürst nicht ruhen noch feiern wollen, bis Seine Fürstlichen Gnaden im Grunde wissen möchten, ob auch künftig in ihren Fürstentümern und Landen etwas ersprießlicher Nutzen geschaffen und der oben

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: Wenndt — evtl. Weill

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HandschriftS. 850 Bl. 423v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 850

1

genannte Mangel auf zuträgliche Weise behoben werden könnte. Sie haben demnach sowohl im Land als auch außer Landes sich nach verständigen Leuten umgehört, auch an Kurfürsten und andere geschrieben, aber niemanden zuwege bringen können, auf den man sich hätte verlassen können — bis der edle und ehrenfeste Georg von Verbentin, Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld, Seiner Fürstlichen Gnaden untertänig berichtete, dass im Land zu Hessen Leute anzutreffen wären, deren Rat und Bedenken Seine Fürstlichen Gnaden in diesem Fall erforschen und je nach Lage befolgen könnten. Darauf hat der genannte Herzog zu Pommern an den Herrn Landgrafen zu Hessen wie auch an Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin und Schwiegervater etliche Male geschrieben und schließlich zuwege gebracht, dass der genannte Fürst, der Landgraf zu Hessen, Magister Johannes Rhe-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: Verbentin — Familienname unsicher

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HandschriftS. 851 Bl. 424r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 851

1

nanus, Seiner Fürstlichen Gnaden Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden bei Allendorf, heraus ins Land zu Pommern hat ziehen lassen. Wann nun derselbe angekommen ist, was er ausgerichtet hat, wo er umhergezogen ist, auch was er an jedem Ort im einzelnen an Erzen, Mineralien und Mineralvorkommen befunden hat, was sein Rat, sein Bedenken und sein Vorschlag gewesen ist — davon hat er den folgenden schriftlichen Bericht zum ewigen Gedächtnis der Sache auf das gnädige Begehren des genannten Fürsten, des Herzogs zu Pommern, mit seiner eigenen Hand unterzeichnet hinterlassen. Auf freundliches Ansuchen und Begehren des genannten durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Ernst Ludwig, Herzogs zu Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden, Fürsten zu Rügen und Grafen zu Gützkow, bei dem ebenfalls durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn,

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HandschriftS. 852 Bl. 424v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 852

1

Herrn Wilhelm, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda — beider meiner gnädigen Fürsten und Herren —, habe ich mich am 10. März zu Allendorf auf die Reise gemacht. Unterwegs habe ich den genannten Georg von Verbentin in der Grafschaft Mansfeld zu Leimbach — wohin mich der Lakai Hans Sadebosch führte — angesprochen und mich bei ihm über allerlei Verhältnisse im Land zu Pommern erkundigt. Sodann bin ich unter Anrufung Gottes mit Freuden weitergezogen und durch Verleihung göttlicher Hilfe am 31. März zu Wolgast gesund und frisch angekommen; am folgenden Tag bin ich in der Herberge geblieben. Am 2. und 3. April aber habe ich die Sole, die ich aus dem Land zu Hessen, aus dem Salzwerk Sooden meines gnädigen Fürsten und Herrn, als Grundlage mitgebracht hatte, wie auch die dreierlei, die ich zu Treptow und Klempenow in Beisein des gestrengen, edlen und ehrenfesten

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: Verbentin — Familienname unsicher
  2. Z. 8: Sadebosch — Name unsicher

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HandschriftS. 853 Bl. 425r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 853

1

Busso von Rammin, Hauptmanns daselbst, selbst geschöpft, ihn hatte versiegeln lassen und mitgenommen hatte, in Gegenwart meines gnädigen Fürsten und Herrn, des Herzogs zu Pommern, Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin, des Kanzlers, etlicher Räte und der vornehmsten Diener geprobt. In der hessischen Sole habe ich 6½ Lot und in den anderen nichts befunden. Als mir aber zu Klempenow vom dortigen Hauptmann berichtet worden war, dass zu Greifswald Sole vorhanden sei und dort vor dieser Zeit Salz gesotten, dies aber aus Mangel an Holz eingestellt worden sei, habe ich dessen neben den Proben und sonst bei Tafel gedacht.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: Grieb= — evtl. Griebs=

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HandschriftS. 854 Bl. 425v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 854

1

Die erste Reise. Darauf hat mir mein gnädiger Fürst und Herr den Herrn Kanzler Henning von Rammin gnädig zugeordnet. Wir beide sind am 4. April dorthin gezogen, haben die Sole mit einem eingelassenen und mit Steinen beschwerten Krug aus der Tiefe geschöpft, auch die obenauf gesondert gefasst und zugleich mit nach Wolgast zurückgenommen. Diese haben wir sodann am 5. geprobt und die aus der Tiefe nicht ganz 3-lötig, die obenauf aber 1-lötig befunden. Als nun Seine Fürstlichen Gnaden das gesehen hatten, haben sie mich gnädig gefragt, was mein Bedenken in diesem Fall sei. Ich habe es für gut befunden, dass man einen oder zwei verfallene Brunnen — deren dort von alters her sechs gewesen sind — eröffnen und ausfegen sollte und alsdann an den Quellen selbst

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: Henning — Vorname, evtl. Hemming

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HandschriftS. 855 Bl. 426r Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 855

1

die Sole schöpfen und proben. Das haben sich Seine Fürstlichen Gnaden gnädig gefallen lassen und sich selbst entschlossen, dass Seine Fürstlichen Gnaden selbst mit nach Greifswald ziehen und dort so lange verharren wollten, bis dies vollzogen sei; wie es denn auch geschehen ist. Denn Seine Fürstlichen Gnaden sind neben ihrer Gemahlin, dem Kanzler und den vornehmsten Dienern sodann am 6. April nach Greifswald aufgebrochen und haben das Ausfegen des Brunnens mit Fleiß bestellen lassen, bis am 9. und 10. April die Sole gewonnen und sogleich geprobt und reichlich 3-lötig befunden worden ist. Darauf haben Seine Fürstlichen Gnaden weiter gnädig zu wissen begehrt, was mich gut dünke, und dass ich einen Anschlag machen solle, ob etwa an diesem Ort Nutzen zu schaffen wäre. Obwohl nun die Sole sehr gering und nur halb so gut wie die unsrige ist, habe ich doch in Betracht, dass ein Zent-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: Scaturigines — lateinisch, Lesung wahrscheinlich
  2. Z. 4: Griefßwaldt — Ortsname, Schreibung unsicher

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HandschriftS. 856 Bl. 426v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 856

1

ner Salz an diesem Ort wohl einen Gulden gelten kann und dass das Holz gut angebracht werden mag, auch im Notfall zur Vermehrung der Sole angebracht und mit Nutzen gebraucht werden kann, im Vergleich zu unserem Salzwerk nach den Regeln der Umrechnung und der Verhältnisse mit dem Herrn Kanzler einen Anschlag gemacht und gefunden, dass über die Bezahlung des Holzes hinaus mein gnädiger Fürst und Herr gegen zwei Gulden an zwölf Zentnern erübrigen könnte. Und ich habe es Seinen Fürstlichen Gnaden weiter anheimgestellt zu bedenken, was ihnen zu tun oder zu lassen wohlgefallen wolle. Sie haben es für gut befunden, dass der Brunnen, wie er jetzt aufgeräumt und entblößt ist, mit Brettern gut zugedeckt und mit Erde darauf beschüttet werde, damit bis zur weiteren Beratschlagung nichts hineingeworfen würde. Das hat Meister Hans Fritz,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: Soij — Wort am Zeilenende unklar
  2. Z. 6: conuersam — lateinisch, Endung unsicher

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HandschriftS. 857 Bl. 427r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 857

1

der Brunnenleiter, so ausgeführt. Die andere Reise. Sonntag, den 12. April, nach gehaltener Predigt hat mich mein hochgenannter gnädiger Fürst und Herr neben dem Hauptmann zu Jasenitz, Moritz von Rammin, und dem Sekretär Appelmann nach Anklam abgefertigt. Ich habe dort das Feld und die Umstände besichtigt, aber keine Gelegenheit noch Anzeichen irgendwelcher Mineralien befunden — außer dass das Kraut Kali, das sonst nur an salzigen Orten zu wachsen pflegt, sich dort in großer Menge zeigte. Wir sind weiter nach Ueckermünde vorgerückt und haben nichts vernommen. Montag, den 13., haben wir unsere Reise über die Ueckermünder Heide nach Jasenitz genommen, unterwegs die Heide durchfahren, die alte ver-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: Jaßnitz — Ortsname, Schreibung unsicher
  2. Z. 6: Rammin — Familienname, Lesung wahrscheinlich
  3. Z. 7: annckelheim — Ortsname nach Zoom unklar
  4. Z. 17: Jaßnitz — Ortsname, Schreibung unsicher

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HandschriftS. 858 Bl. 427v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 858

1

fallene Hammerhütte besehen und dabei einen sehr guten Eisenstein befunden — nur dass er nicht viel, aber gutes Eisen gibt. So dass es mich wundernahm, warum eine so herrliche gute Gelegenheit in den Wind geschlagen und man eine wohl erbaute Hütte hat verfallen lassen, wo doch Holz, Wasser und Eisenstein genug zur Hand sind. Dienstag, den 14., von Jasenitz nach Stettin aufgebrochen und durch die Lesischen Gehölze gezogen; auf dem Hin- und Rückweg aber nichts befunden, außer dass dort ein guter Vorrat an Holz ist. An diesem Tag, als wir wieder nach Jasenitz kamen, haben wir das Verbentiner Bruch unter dem Hammer neben dem Fuchsberg besehen, worin sich guter Eisenstein zeigt; und die Liebenhagener Eisengewerken berichten, dass dieser dort in großer Menge sein soll.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 9: Jaßnitz — Ortsname, Schreibung unsicher
  2. Z. 10: Lesische — Ortsadjektiv, Anfangsbuchstabe unsicher
  3. Z. 14: Verbetinische — Ortsadjektiv unsicher
  4. Z. 17: Libenhagischenn — Ortsadjektiv unsicher

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HandschriftS. 859 Bl. 428r Der Vierdt Appendix.

ÜbersetzungSeite 859

1

Der Vierte Appendix. Gleichermaßen ist auch die Buchhorst in Augenschein genommen worden; und es sind dort hier und da viele Stein- und Erzgruben vorhanden, die alle guten Eisenstein geben und vor dieser Zeit für den nunmehr verfallenen Hammer gebraucht worden sind, wie denn auch dort noch Schlacken oder Sinter liegen. Von diesen sagt man, dass auch die Jasenitzer Mönche dort Schmelzwerk und Eisenhütten gehalten haben sollen. Den 15. April morgens früh nach der Buderhorst gezogen und allenthalben guten Eisenstein befunden, der doch nicht viel Eisen gibt; ebenso ist in der Birkenhorst sehr weicher Eisenstein zur Hand. Wir haben auch auf der Weiterreise das Seel- und Alte-Hagensche Bruch wie auch das Weißenbreitiger Bruch befahren wollen, sind aber nur den Zug der Länge nach durchgezogen und haben uns

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: Jaßnitzischenn — Ortsadjektiv, Schreibung unsicher
  2. Z. 11: Bu= — Ortsname, erste Silbe unsicher
  3. Z. 16: Seel — Flurname unsicher

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HandschriftS. 860 Bl. 428v Der Vierdt Appendix

ÜbersetzungSeite 860

1

wegen des vielen Wassers, das allenthalben in den Gruben und darum herum stand, nicht hinzu begeben können. Wir haben aber im allgemeinen gründlichen Bericht eingenommen, dass Eisenstein dort in Menge vorhanden sein soll. Sonst ist in diesem Amt nichts weiter zu finden gewesen; denn weil es sumpfig und niedrig liegt, kann darin kein anderes Metall gewonnen werden, selbst wenn es sich zeigte — in Anbetracht dessen, dass man weder einen Stollen treiben noch einen Schacht senken, viel weniger irgendeine Wasserkunst an diesen Orten gut einrichten kann. Weil aber, wie oben berichtet, Holz zu Kohlen, Wasser für den Hammer und Eisenstein — wenn auch armer — in dem genannten Amt in Menge zur Hand ist, und weil zur jetzigen Zeit der Osemund schwer zu beschaffen und das Eisen allenthalben im Land sehr teuer ist, so habe ich demnach gegenüber dem wohl-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 14: Wennt — Wortende unklar

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