Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 91–100
Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 91–100 · Bl. 44r–48v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Geyselers Denkschrift von 1489
S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 91
Bl. 44rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitewellenn5 verkaufftenn das sie nicht mehr holtzes zu ein wercke kaufftenn, dann sie vor gethann hetten,
… die Wellen (Reisigbündel) verkauften, dass sie nicht mehr Holz für ein Werk kauften, als sie zuvor getan hatten.
vnnd hierumb ist nit noth sich zu kerenn ann Jedermans sage, auch so ist nicht allenn Geisternn zuglaubenn,
Und darum ist es nicht nötig, sich an jedermanns Gerede zu kehren; auch ist nicht allen Geistern zu glauben.
Vff Sanct Seuers tagk1, Inn der wochen Salus ppli2, Vnnd die achte tage darnach brachte der Meister das gerüste vom Borne vnnd auch das Rath, mit seinenn Eimernn,
Am Sankt-Severus-Tag [22. Oktober], in der Woche 'Salus populi', und die acht Tage danach brachte der Meister das Gerüst vom Born und auch das Rad mit seinen Eimern,
vnnd richtete vf ein annder gezeugk vber den Born, mit zweuen scheibenn, vnnd ann Jeglicher scheibenn hingenn zwenn Eimer,
und richtete ein anderes Hebezeug über dem Born auf, mit zwei Scheiben (Seilrollen), und an jeder Scheibe hingen zwei Eimer,
damit mann die söhle solt aus dem Borne gewinnen, vnnd forthann giessenn in zweenn kastenn, oder tröge, vnnd daraus solt fliessenn, Inn die gerinne,
damit man die Sole aus dem Born gewinnen und sodann in zwei Kästen oder Tröge gießen sollte, aus denen sie in die Gerinne fließen sollte.
vnnd vber solcher arbeit lag mann baldt in der wochenn omnia quæcunqz3,
Und über dieser Arbeit lag man bald bis in die Woche 'Omnia quaecumque'.
vnnd in der zeit, als der gezeug wardt vfgericht, wordenn die Obristenn Reiffe vf den Born gebracht, vnd den auch gleich getemmet,
Und in der Zeit, als das Hebezeug aufgerichtet wurde, wurden die obersten Reifen auf den Born gebracht und dieser auch sogleich verdämmt.
vnd der gezeugk gingann, vf aller Sehlenn tagk, vnnd die nacht, vnnd er wardt ganntz vnnzaulich4[?], So das die söder vnnd Giesser darüber clagtenn, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und das Hebezeug ging am Allerseelentag [2. November] an, auch die Nacht hindurch, und es wurde ganz unzulänglich(?), so dass die Sieder und Gießer darüber klagten und …
Unsichere Lesungen
- Sanct Seuers tagk — Heiligenname unsicher, wohl Severus (22. Oktober); davor gestrichenes 'freytagk'
- Salus ppli — abgekürzt mit Kürzungsstrich, aufzulösen als 'Salus populi' (Introitus)
- omnia quæcunqz — lateinisch abgekürzt, wohl Introitus 'Omnia quaecumque'
- vnnzaulich — Lesung und Bedeutung unsicher; vielleicht 'unzulänglich' oder 'unzählich' (= übermäßig)
- wellenn — Lesung wellenn/wollenn; gemeint wohl Wellen = Reisigbündel als Brennholz
S. 92
Bl. 44vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebrechte ann dem siedenn mergklichenn schadenn, vnnd was ganntz vmb sonnst gemacht,
… es brächte dem Sieden merklichen Schaden und sei ganz umsonst gemacht.
Darumb bereitetenn die Pfenner samptlich das Rath, das mann die schwenngell solt wieder vfrichtenn, nach alter gewonheit,
Darum fassten die Pfänner sämtlich den Rat, dass man die Schwengel nach alter Gewohnheit wieder aufrichten sollte.
vnnd wiewohl solchs dem meister widerig was, demnach also baldt nach aller Sehlenntage müstenn die zimmerleute, die schwengel zu wege suchenn, bereitenn vnnd vfrichtenn,
Und obwohl dies dem Meister zuwider war, mussten die Zimmerleute demnach alsbald nach Allerseelen die Schwengel beschaffen, zurichten und aufrichten,
das vf Freitage nach Martini wardt der gezeug mit seinen scheibenn wieder abgebrochenn, vnnd vonn dem Borne gebracht,
so dass am Freitag nach Martini [11. November] das Hebezeug mit seinen Scheiben wieder abgebrochen und vom Born weggebracht wurde;
vnnd das schwenngell machenn, vnd die gerinne ann der Wercke2[?] zulegenn, wehrett bis vf Sontage Anndres tage3,
und das Anfertigen der Schwengel und das Anlegen der Gerinne am Werk währte bis zum Sonntag, dem Andreastag [30. November].
Vff Sontage vor Gaudete begundt der Meister den Born zu flasternn vnnd zu deckenn, das wehret bis aufs neu Jar,
Am Sonntag vor Gaudete [3. Adventssonntag] begann der Meister, den Born zu pflastern und zu decken; das währte bis aufs neue Jahr.
Ein nützlich Rath denn nachkommendenn Pfennernn .XVI. Capitell.
Ein nützlicher Rat für die nachkommenden Pfänner. 16. Kapitel.
Ob nach vielenn zukünfftigenn Jarenn not würdeLäuft auf der nächsten Seite weiter
Wenn es nach vielen zukünftigen Jahren nötig würde …
Unsichere Lesungen
- bereitetenn ... das Rath — Lesung 'bereitetenn'; Sinn wohl 'berieten/beschlossen den Rat' (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- ann der Wercke — Wort mit Zierstrich, Lesung Wercke/Werbe unsicher
- Sontage Anndres tage — Datumsangabe: Andreastag (30. November) fiel 1489 nicht auf einen Sonntag; Lesung 'Sontage' gleichwohl deutlich
S. 93
Bl. 45rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteden Pfennern, aber eins denn Bornn zu bauenn, vnnd das sie annsehenn woltenn, wie das erste alte wercke geschickt geweist wehre, als dauonn hieuor stehet, vonn der anndernn Ösunng1 des Bornns,
… den Pfennern; sie wurden aber einig, den Born zu bauen, und dass sie ansehen wollten, wie das erste alte Werk beschaffen gewesen war – wie davon zuvor die Rede ist, bei der anderen Ösung (Ausschöpfung) des Borns –,
oder das sie woltenn annsehenn, wie das werck geschickt ist, als dauonn hieuor stehet, vonn dem wercke des Bornns,
oder dass sie ansehen wollten, wie das Werk beschaffen ist, wie davon zuvor die Rede ist, bei dem Werk des Borns.
So magk mann aus beidenn gewerbenn2 nichts bessers erkiesenn, denn das mann die Seuhlenn3 vnnd schwellenn Inmassenn bereitte, als sie Jzundt gemacht seindt,
So kann man aus beiden Vorschlägen nichts Besseres erwählen, als dass man die Säulen und Schwellen in dem Maße herrichte, wie sie jetzt gemacht sind,
Ja ob sie brochhafftigk werdenn werenn, als dauonn hieuor stehet, vonn den Seuhlenn vnd Schwellenn des wercks,
ja, falls sie schadhaft geworden wären – wie davon zuvor die Rede ist, bei den Säulen und Schwellen des Werks –,
vnnd darein in den grundt legetenn reiff ein auff denn anndern, verzapffet, bis obenn aus, auff solche masse als Jzundt das werck vonn obenn aus dem Bodenn gleich wordenn ist,
und dass man darin bis auf den Grund einen Reifen auf den anderen legte, verzapft, bis oben hinaus, auf solche Weise, wie jetzt das Werk von oben bis auf den Boden gleichförmig geworden ist.
Welche reiffe vonn grobenn eichenn Krömlingenn4 gemacht seindt,
Diese Reifen sind aus groben eichenen Krömlingen (krummen Hölzern) gemacht.
vnnd wann der Born mit einem solchenn wercke gefasset würde, das weret ewiglichenn, mit kleiner Costenn, vnnd ein Jeglicher Zimmerman oder werckmeister kan dasLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und wenn der Born mit einem solchen Werk gefasst würde, so hielte das ewig, mit geringen Kosten, und jeder Zimmermann oder Werkmeister kann das …
Unsichere Lesungen
- Ösunng — Lesung des Fachworts (Ösung = Ausschöpfen des Borns) nicht ganz sicher
- gewerbenn — frühnhd. Gewerbe = Vorbringen, Antrag; Lesung wahrscheinlich, aber nicht sicher
- Seuhlenn — Schreibung unsicher, auch als Seuchlenn lesbar; gemeint sind Säulen
- Krömlingenn — Fachwort (gebogene Eichenhölzer); Anfangsbuchstabe K nicht ganz sicher
S. 94
Bl. 45vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegemachenn vnd bereytenn, Ohnne sonnderliche große Meister.
… machen und bereiten, ohne besondere große Meister.
Vonn den Pfölenn vnnd Plöckenn die da geschlagenn wordenn in den vmbganng XVII. Capitell.
Von den Pfählen und Pflöcken, die in den Umgang geschlagen worden sind. 17. Kapitel.
Es wardt auch berathenn vonn dem Meister vnnd den Pfennernn, das mann solte den vmbganng des Bornns gleich vnnd ebenn machenn mit Thone, vnd darein Plöcke schlagenn, einenn bey den anndernn,
Es wurde auch von dem Meister und den Pfennern beraten, dass man den Umgang des Borns mit Ton gleich und eben machen und Pflöcke hineinschlagen sollte, einen neben den anderen,
vf das also vf den Plöckenn das wilde wasser, vnnd auch die sohle, die vf dem Bornne vonn den Giessern vfgegossenn wurde, in das gewelbe flusse vnnd nicht stehenn bliebe vmb den Bornn,
damit so auf den Pflöcken das wilde Wasser und auch die Sole, die auf dem Born von den Gießern vergossen wurde, in das Gewölbe abflösse und nicht um den Born stehen bliebe,
damit sich auch verschlisze der Modt1 der sich sonnstenn verschlemmen möchtte, Wann das gewesser nicht abginge, als denn also geschehenn ist,
damit sich auch der Schlamm (Mod) verzöge, der sich sonst verschlämmen möchte, wenn das Gewässer nicht abliefe; wie es denn auch so geschehen ist.
Mann ist auch dardurch gewar wordenn, das die gequelle des wildenn wassers, vnnd die ader der Sohlenn, die da in dem vmbgange sich heruor eigtenn, vnnd ergebenn, armes dicke2Läuft auf der nächsten Seite weiter
Man ist auch dadurch gewahr geworden, dass die Quellen des wilden Wassers und die Adern der Sole, die sich in dem Umgang hervortaten und armdick ergossen, …
Unsichere Lesungen
- verschlisze der Modt — Lesung von verschlisze (sich verziehen/abnutzen) und Modt (Schlamm, Moder) unsicher
- armes dicke — Lesung armes dicke = eines Armes Dicke (armdick); nicht ganz sicher
S. 95
Bl. 46rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedurch das Plockenn schlagenn, vertemmet, vnnd gemindert seindt wordenn, so das sie kaum zweyer finger dick Jeglich besonnder ausfliessenn, vnnd deshalbenn möchtte mann mit trockenn fuessenn vff den geschlagenn Plockenn gewanndernn,
… durch das Einschlagen der Pflöcke verdämmt und vermindert worden sind, so dass sie kaum zwei Finger dick jede für sich ausfließen; und deshalb konnte man mit trockenen Füßen auf den eingeschlagenen Pflöcken umhergehen.
vnnd dis wardt also vollenndet, vff Mittwochenn in der Creuzwochenn, in dem ein vnnd Neunzigstenn Jare,
Und dies wurde so vollendet am Mittwoch in der Kreuzwoche (Bittwoche) im Jahr [14]91.
So ist fürbas nach allem gethanenn gebeu keins mehr vber alle noth denn allein, das mann den Sohlgrabenn in wesenn halte, vnnd also tief zu gründe arbeite,
So ist fortan, nach all dem getanen Bau, nichts mehr vor allem nötig, als allein, dass man den Sohlgraben in Stand halte und so tief zu Grunde arbeite,
das das gewesser das in dem vmbgange, vnnd auch in dem gewelbe quillet, nicht stehenn bleibe, auch nit zu rücke fliesse zu dem Bornne, sonndernn seinen fall vnnd ausflus im grunde vf den Bolenn1 im Gewelbe Inn den Sohlgrabenn möge gehabenn,
dass das Gewässer, das in dem Umgang und auch in dem Gewölbe quillt, nicht stehen bleibe, auch nicht zum Born zurückfließe, sondern seinen Fall und Ausfluss im Grund auf den Bohlen im Gewölbe in den Sohlgraben haben möge.
Wann der Sohlgrabe also in wesenn wirdt gehaltenn, So hatt mann vnnd behelt einenn gutenn gesundenn Salzbronn mit vnuermengter sohle Jn Irer naturlichenn Krafft vnnd stercke, ohnne alles wilden wassers vermischunge,
Wenn der Sohlgraben so in Stand gehalten wird, so hat und behält man einen guten, gesunden Salzbrunnen mit unvermengter Sole in ihrer natürlichen Kraft und Stärke, ohne alle Vermischung mit wildem Wasser.
Unsichere Lesungen
- Bolenn — wohl Bohlen; Anfangsbuchstabe auch als S lesbar (Solenn)
S. 96
Bl. 46vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Vonn der danncksagunge Gott dem Herrenn des Gebews XVIII. Capitell.
Von der Danksagung an Gott den Herrn für den Bau. 18. Kapitel.
So hatt Gott in diesem gebewe sonnderliche gnade erzeiget, dargegenn sich wohl geburt sonnderliche danncksagung zum erstenn am zeitlichem gewitter, so des gewitters halbenn die arbeit keinenn vffstoß gelittenn hatt,
So hat Gott bei diesem Bau besondere Gnade erwiesen, wofür sich wohl besondere Danksagung gebührt: zum ersten für das günstige Wetter, da die Arbeit des Wetters halber keinen Aufschub erlitten hat;
zum anndernn am gutenn gesöde, so des bauwenns halbenn kein schade gespart1 wardt, Sonndernn eine wochenn in der Dominica omnia2,
zum anderen für das gute Gesöde (Siedeergebnis), da des Bauens halber kein Schaden gespürt wurde, außer eine Woche um den Sonntag „omnia“ [Lesung unsicher];
vnnd das siedenn was den Sommer also treflich, das binnenn dreyssigk Jarenn nach altem gedechtnusse nicht grosser siedenn Sommers zeit gedacht was,
und das Sieden war den Sommer über so trefflich, dass man sich seit dreißig Jahren nach altem Gedächtnis an kein größeres Sieden zur Sommerszeit erinnerte;
Zum drittenn Insonnderlicher Götlicher fursichtigkeit, vnnd bewarunge, So das kein mann oder mennsch seines leibes schadenn hat genommenn, in aller fehrlicheyt, die sich vnter zeitenn begebenn hat,
zum dritten für die besondere göttliche Vorsehung und Bewahrung, so dass kein Mann oder Mensch an seinem Leib Schaden genommen hat in aller Gefährlichkeit, die sich zuweilen begeben hat.
solcher vnnd aller wolthatt Gott, sein liebe Mutter Maria mit Sancto Bonifacio zu ewigenn zeitenn wolle gelobt sein, Amen.
Für solche und alle Wohltat wolle Gott, seine liebe Mutter Maria mitsamt Sankt Bonifatius, zu ewigen Zeiten gelobt sein. Amen.
Unsichere Lesungen
- gespart — so geschrieben; dem Sinn nach wohl gespuert (gespürt)
- Dominica omnia — Bezeichnung des Sonntags unklar; Lesung omnia unsicher
S. 97
Bl. 47rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Vonn der Altenn Constitution zwischenn denn pfennernn, vnnd den gemeinen burgernn des Holtzes halber. XIX Capitell.
Von der alten Konstitution (Vereinbarung) zwischen den Pfennern und den gemeinen Bürgern wegen des Holzes. 19. Kapitel.
Sie merck1 was in dem erstenn geschach, Ist hier bis ann das ennde gespart wordenn, vff das solchs desto lennger in gedechtnus möcht pleibenn,
Merke: Was am Anfang geschah, ist hier bis an das Ende aufgespart worden, damit solches desto länger im Gedächtnis bleiben möge.
Als die Pfenner woltenn in dem erstenn zureitenn2 zubauwenn ann dem Salzbronn, da baten die gemeine Burger zu Allenndorff, das sie Ihnenn aus der Stadt Gehölze woltenn bauholtz gebenn, zu dem gebeue des Salzbornns,
Als die Pfenner sich zuerst anschickten, an dem Salzbrunnen zu bauen, da baten sie die gemeinen Bürger zu Allendorf, dass sie ihnen aus den Gehölzen der Stadt Bauholz geben wollten für den Bau des Salzborns.
Welcher bede die Bürger gütlich haben den Pfennernn gegunt vnnd gewerdenn3 nach alter Constitution,
Diese Bitte haben die Bürger den Pfennern gütlich gegönnt und gewährt nach alter Konstitution,
Die da vor alter lanngenn zeitten, zu Cassell vonn vnnsernn Herrenn denn Lanndtgravenn vnnd seinenn erbenn, Erbarnn Räthenn zuschenn4 den gemeinenn Bürgernn zu Allenndorff vnnd den Pfennernn gemacht, vertheidingt vnnd ausgesprochenn5 was,
die vor alters, vor langen Zeiten, zu Kassel von unserem Herrn dem Landgrafen und seinen Erben, [durch] ehrbare Räte, zwischen den gemeinen Bürgern zu Allendorf und den Pfennern gemacht, verteidigt (rechtlich festgestellt) und ausgesprochen war,
Nemblich als vmb der Stadt gehöltze, so das der Hegebergk bey den Sodenn, den Pfennernn alleinLäuft auf der nächsten Seite weiter
nämlich wegen der Gehölze der Stadt: dass der Hegeberg bei den Sooden den Pfennern allein …
Unsichere Lesungen
- Sie merck — erstes Wort unsicher; auch So merck oder Die merck lesbar
- zureitenn — Lesung unsicher; wohl sich zurüsten/anschicken
- gewerdenn — Lesung unsicher, auch gezuerden lesbar; dem Sinn nach gewährt
- zuschenn — abgekürzt geschrieben, wohl zwischenn
- ausgesprochenn — Wortende abgekürzt (ausgesproch mit Kürzungshaken)
S. 98
Bl. 47vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegehorte, vnnd zustehenn solte, vnnd der Stadt gehölze den Pfennernn vnnd den gemeinenn Bürgernn in gemeine zueignen vnd sein solte,
… gehören und zustehen sollte, und die Gehölze der Stadt den Pfennern und den gemeinen Bürgern gemeinsam zu eigen sein sollten;
vnnd wenn die Pfenner holzes zu Irem gebeue in den Sodenn bedürfftenn, So soltenn sie bittenn die gemeine Bürger vmb das gehölze, vnnd als dann soltenn die Bürger gütlichenn dero bittenn den Pfennernn nachgebenn, vnnd nit versagenn,
und wenn die Pfenner Holz für ihren Bau in den Sooden benötigten, so sollten sie die gemeinen Bürger um das Gehölz bitten, und dann sollten die Bürger deren Bitte den Pfennern gütlich nachgeben und sie nicht abschlagen.
Mann findet solche Constitution schrifftlichenn vf dem Bruckennthore,
Man findet diese Konstitution schriftlich am Brückentor.
Was nun dieser grosser herlicher Baw des Salzbronns vonn annbeginde bis zum ennde hab gekostet, So ist die Summa aller ausgifft, aus den Registernn vberall zusammenn gezogenn, vnnd gesummiret, Eilff hundert Marck, Siebenn vnnd funffzigk Marck, vierdthalb pfundt1 Neun heller.
Was nun dieser große, herrliche Bau des Salzbrunnens von Anbeginn bis zum Ende gekostet hat: Die Summe aller Ausgaben, aus den Registern überall zusammengezogen und aufsummiert, beträgt elfhundertsiebenundfünfzig Mark, dreieinhalb Pfund und neun Heller.
Unsichere Lesungen
- vierdthalb pfundt — vierdthalb = dreieinhalb; Zahlwort sicher, moderne Auflösung beachten
- dar zur zeit — Wortfolge unsicher, evtl. da zur zeit
S. 99
Bl. 48rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteNemblich siebenn hundert guldenn, siebenntzigk anderthalbenn guldenn1, siebennzehenn ℔. funff heller.
Nämlich siebenhundert Gulden, siebzig anderthalb Gulden (wohl 769½ Gulden insgesamt), siebzehn Pfund, fünf Heller.
Darzu soll mann legenn Meister Curts lohnn zwey hundert vnnd vierenn vnnd dreyssigk guldenn, vnnd auch achte guldenn vor die zwey Malter Korns, vnnd ein schwein, damit der Meister die pfenner vbernam, vber die dittelnn2,
Dazu soll man Meister Curts Lohn rechnen, zweihundertvierunddreißig Gulden, und auch acht Gulden für die zwei Malter Korn und ein Schwein, womit der Meister den Pfennern über die Zettel hinaus mehr abverlangte,
das denn auch die pfenner verdultetenn, vnnd geschehenn liessenn, vnnd das sie mit guete sich vonn dem Meister schiedenn,
was die Pfenner denn auch duldeten und geschehen ließen, so dass sie sich in Güte von dem Meister schieden;
So ist vnnd bleibt alle ausgifft dieses gethanenn Baues, Tausenndt vnnd zwölffthalbenn guldenn, siebenzehenn ℔. vnnd funff heller.
So ist und bleibt die gesamte Ausgabe für diesen ausgeführten Bau tausend und elfeinhalb Gulden, siebzehn Pfund und fünf Heller.
Vonn dieser gebaw wardt gezeuget vnnd anngehabenn vf Mitwochenn, in der vier None4, Inn dem M° cccc° 89. Jare, vnnd wardt volnendet, mit der berechnung, vf dinstagk nach Exaudi secundo6 Inn dem M° cccc° 91. Jare, alse das vonLäuft auf der nächsten Seite weiter
Zu diesem Bau wurde das Zeug (Material) beschafft und angefangen am Mittwoch in der ‚vier None‘ (wohl Quatemberwoche) im Jahr 1489, und er wurde, samt der Abrechnung, vollendet am Dienstag nach Exaudi darauf im Jahr 1491, so dass von
Unsichere Lesungen
- siebenntzigk anderthalbenn guldenn — Zahlwort-Deutung unsicher; rechnerisch (Gesamtsumme 1011½ Gulden abzüglich 242 Gulden Meisterlohn) wären 769½ Gulden zu erwarten
- dittelnn — Lesung unsicher; vielleicht ‚Zettelnn‘ (Abrechnungszettel)
- sieben=zehenn — Erster Wortteil am Zeilenende sieht wie ‚dreben‘ aus; nach dem oben genannten Betrag (siebennzehenn ℔ funff heller) als ‚sieben‘ gelesen (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- in der vier None — Lesung und Deutung unsicher; wohl liturgische Wochen-/Tagesangabe (Quatember?); Baubeginn passt zu Bauzeit von gut zwei Jahren bis Dienstag nach Exaudi 1491
- volnendet [gestrichen: unleserlich] — Nach ‚volnendet‘ zwei bis drei gestrichene, unleserliche Buchstaben (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- secundo — In der Handschrift ‚secun=do‘ über den Zeilenwechsel; Deutung ‚darauf folgend‘
S. 100
Bl. 48vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteann begin1 bis zu ennde, hat der baw gewehrett zwey Jar, vnnd ein vnnd zwanzigk wochenn, den Gott wolle volnstendigk bleibennde behaltenn, Zu ewigenn zeitenn, Amenn /
… von Anbeginn bis zum Ende hat der Bau zwei Jahre und einundzwanzig Wochen gewährt; den wolle Gott vollständig und bleibend erhalten, zu ewigen Zeiten, Amen.
Das Stadt vor dem Gewelbe, das gewesser aufzeugk2, als darvonn hievor berurt wirdt, sonnderlich vonn dem Ösenn des wildenn wassers aus dem gewelbe, das wardt also formirt,
Das Stad (Becken) vor dem Gewölbe, das das Gewässer aufzieht – wie davon zuvor berichtet wird, besonders vom Ösen (Ausschöpfen) des wilden Wassers aus dem Gewölbe –, das wurde folgendermaßen geformt:
Nemblich hat es vonn der wellenn ann bis obenn aus siebennthalbenn fusse lanng, So, das vberalle, vonn einem ende bis zum anndernn ennde, mit der wellenn gemessenn, vierzehenn fusse lanngete, das ganntz Stadt behilt3,
Nämlich: Von der Welle an bis oben hinaus ist es siebthalb (sechseinhalb) Fuß lang, so dass es überall, von einem Ende bis zum anderen Ende mit der Welle gemessen, vierzehn Fuß erreichte; diese Länge behielt das ganze Stad.
vnnd vonn Innwendig was es einer ehlen weitt, vf das ein mann darein kont gemachenn, was darin not was zu machenn,
Und von innen war es eine Elle weit, damit ein Mann hineinkonnte, um zu machen, was darin zu machen nötig war;
vnnd darumb das die weitete zu viel wasser fassete, So mochte das SchuffRadt es nicht ertreibenn, vnnd der sache halberLäuft auf der nächsten Seite weiter
und weil die Weite zu viel Wasser fasste, konnte das Schöpfrad es nicht heraustreiben, und dieser Sache wegen
Unsichere Lesungen
- ann begin — Auch ‚am begin‘ lesbar; zusammen mit dem Seitenübergang ‚alse das von‘ als ‚von Anbeginn‘ verstanden
- aufzeugk — Lesung des Wortendes unsicher (aufzeugk/aufzuigk)
- das ganntz Stadt behilt — ‚ganntz‘ mit verschliffener Endung; ‚behilt‘ = behielt
- Schuff[gestrichen: stell]Radt — Der Schreiber setzte nach ‚Schuff‘ zu ‚stell‘ an, strich es und schrieb ‚Radt‘ am Zeilenanfang weiter; Streichung nicht ganz sicher (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)