Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 783–792
Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen · S. 783–792 · Bl. 390r–394v · Band 2
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Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen
S. 733–793 · Bl. 365r–395r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 783
Bl. 390rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
me tangere seÿ, vnnd er deshalb mehrhöchstes ernenten vnsern gl. f. vnnd herrn solches berichtenn wolle, do durffte er doch nach Jtziger gelegennheit, da er allein den drittentheil seiner kunst Jnns werck gesetzt, die anndern zweÿtheil aber, ohne kaiserliche priuilegien Jnns werck zusetzen, nit bedacht seÿ, mit mehr denn — 4 schock wellen, deren Jedes — 3 groschenn gelte, da zu Franckenhausenn eins achtte gellett. 13. Was fur feurwergk er wolle brauchenn, vnnd vf was art der feurherdt seÿ anngestellet, Sagtt er wolle brauchenn Holtz, Stro, Schilff, Steinkohlenn, vnd dorff1[?], So seÿ sein herdt auff zuegk, trieb vnnd windt anngestellet. 14. Jnn was kauff vnnd werth das holtz Jtzo seÿ, Jst Jtzo erkleret, Jedoch könne er Jtzo, wann ers Sambskauffs thut, den acker schlagholtz, vmb — 2. 3. 4. oder 5 fl. keuffenn vnnd ann sich bringen, 15 Ob mann es auch in solchem werth könne bestendig=
Der Vierte Appendix. me tangere sei und er deshalb unserem hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn dies berichten wolle, so brauche er doch nach jetziger Lage — da er allein den dritten Teil seiner Kunst ins Werk gesetzt hat, die anderen zwei Teile aber ohne kaiserliche Privilegien ins Werk zu setzen nicht gedenkt — nicht mehr als 4 Schock Wellen, deren jedes 3 Groschen gilt, während zu Frankenhausen eines acht gilt.
13. Was für Feuerwerk er gebrauchen wolle und auf welche Art der Feuerherd eingerichtet sei. Er sagt, er wolle Holz, Stroh, Schilf, Steinkohlen und Torf gebrauchen; und sein Herd sei auf Zug, Trieb und Wind eingerichtet.
14. In welchem Kauf und Wert das Holz jetzt sei. Ist jetzt erklärt; jedoch könne er jetzt, wenn er es im Gesamtkauf tut, den Acker Schlagholz um 2, 3, 4 oder 5 Gulden kaufen und an sich bringen.
15. Ob man es auch in solchem Wert beständig
Unsichere Lesungen
- dorff — d oder t (Torf) (Z. 13)
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lich erhaltenn, sagt, darnach mann viel vnnd wenig köthe annstellet, Hoffe aber wo vnnser gnedigster herr etwas Jme auf geburliche zins vnnd volgende bezahlung wurdenn versetzenn, er wolle durch fügliche mittell die vmbliegennde Geholtz wohlfeiler vnnd bestenndiglicher ann sich bringenn, Erblich, oder vf wiederlauffennde Jar, wo aber nitt So muste er aus einem kleinenn Bronnenn auch trinckenn, denn zugrossenn hanndelnn gehören grosse beuttell 16. Ob auch holtz gnugsamb fürhanndenn, sagt weren bis in — 50. oder 60000 acker zukauffe, vnnd könne vf — 1000 ackernn gemeines Reisholtz, souiel holtz zuwegenn bringenn, das er damitt — 200000 ste1[?] absiedenn könne, Mitt denn Waerterischenn2[?] holtze aber, welchs besser seÿ, könne er mit — 1000 ackernn — 300000 ste3[?] befordernn, Solte er aber die Sohle alle versiedenn, So würde in der Düringer vnnd Hartzwaldt.
Der Vierte Appendix. erhalten könne. Er sagt: je nachdem, wie viele oder wenige Kothen man betreibt. Er hoffe aber, wenn unser gnädigster Herr ihm etwas gegen gebührenden Zins und nachfolgende Bezahlung versetzen würde, er wolle durch geeignete Mittel die umliegenden Gehölze billiger und beständiger an sich bringen, erblich oder auf wiederkehrende Jahre; wo aber nicht, so müsse er auch aus einem kleinen Brunnen trinken, denn zu großen Handeln gehören große Beutel.
16. Ob auch Holz genug vorhanden sei. Er sagt: es wären bis zu 50 000 oder 60 000 Acker zu kaufen, und er könne auf 1000 Ackern gemeinen Reisholzes so viel Holz zuwege bringen, dass er damit 200 000 Stück absieden könne. Mit dem Werther Holz aber, das besser sei, könne er mit 1000 Ackern 300 000 Stück bewältigen. Sollte er aber die Sole ganz versieden, so würden der Thüringer und der Harzwald,
Unsichere Lesungen
- ste — Abkürzung, wohl Stück (Z. 15)
- Waerterischenn — Name des Holzes unklar (Z. 16)
- ste — Abkürzung, wohl Stück (Z. 17)
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Bl. 391rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Ja alle vmbliegennde geholtze zuwenig sein, 17. Wie lannge mann ohne steigerung des Holtzkauffs sich holtzes erholenn könne, Sagt, Hierinne könne er kein mas noch ziel setzenn, dann es seÿ ein handell der steigenn vnnd fallenn könne, 18 Welche Geholtze diesem Saltzwergke am nehestenn gelegenn seindt, wie sie heissenn, vnnd wo sie liegen, Sagt, er stehe in hanndelung mit denenn vonn Werternn vmb — 16000 acker, So seyenn Jme die Witzlebischenn1[?], Werterische Rasennburgische2[?], Sapennburgische3[?], Schöffische4[?], vnnd Euerfordische5[?] gehöltz am bestenn gelegenn, versehe sich auch, er wolle flösse annstellenn, vnnd zuwegenn bringk. 19. Ob das Saltz auch gut vnnd düchtigk, sagt, Seÿ gut, stelle es vf die Proba. 20 Ob auch grosse nachfrage vnnd bestenndiger Schlis könne anngestellet werdenn, Sagtt. Dauon habe er seinenn vorschlage mehr hochstermeltem vnserm G. fürstenn vnnd herrnn, schonn eroffnett.
Der Vierte Appendix. ja alle umliegenden Gehölze zu wenig sein.
17. Wie lange man sich ohne Steigerung des Holzpreises mit Holz versorgen könne. Er sagt: hierin könne er kein Maß und Ziel setzen, denn es sei ein Handel, der steigen und fallen könne.
18. Welche Gehölze diesem Salzwerk am nächsten gelegen sind, wie sie heißen und wo sie liegen. Er sagt, er stehe in Verhandlung mit denen von Werther um 16 000 Acker; so seien ihm die Witzlebener, Werther, Rasenburger, Sapenburger, Schöffer und Erfurter Gehölze am besten gelegen. Er versehe sich auch, er wolle Flöße einrichten und zuwege bringen.
19. Ob das Salz auch gut und tauglich sei. Er sagt: es sei gut; er stelle es auf die Probe.
20. Ob auch große Nachfrage und beständiger Absatz eingerichtet werden könne. Er sagt: davon habe er unserem hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn seinen Vorschlag schon eröffnet,
Unsichere Lesungen
- Witzlebischenn — Name (Z. 10)
- Rasennburgische — Name (Z. 10)
- Sapennburgische — Name, evtl. Sachsenburg (Z. 11)
- Schöffische — Name (Z. 11)
- Euerfordische — Name, evtl. Erfurt (Z. 11)
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Bl. 391vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
wie es in seiner Churf. gl. Lanndenn gehalttenn werdenn könne, Jtzo aber zeit er ann, Ladenn beÿ Jme Franckenn, Wittlennder1[?], auch zu Zeittenn Reinlennder, so seÿ vorm Jar es beÿ Jhnenn im winter sehr sperung2[?] vmb saltz gewesenn, als mann zu Franckennhausenn ein zeitlang nicht sieden könnenn, Habe vf einmahl — 800 stk im vorrath gehabt, vnnd dis Jar vber heupt — 3000 stuck vnnd darüber gemacht, Stehe mit den Nürnberger in hanndelung, wisse auch wege, wie er mitt den fürleutenn ganntz wolfeÿl vnnd leichtlich beÿ Centnern, das holtz abzuführenn verdingenn könne, 21. Was der Ertzbischoff zu Magdeburgk als Lehenherr, darann vor gerechtigkeit habe, was für bewilligung vnnd Consens er vonn Jtztgedachtem Ertzbischoff habe, Was dieselbige bewilligung Jnnhalte, vnnd wie lannge sie stehe, Darauf anntwort er, Es seÿ wohl Ertzbischofflich Lehenn, aber es seÿ in dem Lehennbrieffe, welche seine gnedige Herrnn die
wie es in Seiner Kurfürstlichen Gnaden Landen gehalten werden könne. Jetzt aber zeigt er an: bei ihm laden Franken, Westfalen, auch zuweilen Rheinländer. So sei vor einem Jahr im Winter bei ihnen große Nachfrage nach Salz gewesen, als man zu Frankenhausen eine Zeitlang nicht sieden konnte. Er habe auf einmal 800 Stück auf Vorrat gehabt und in diesem Jahr insgesamt 3000 Stück und darüber gemacht. Er stehe mit den Nürnbergern in Verhandlung und wisse auch Wege, wie er mit den Fuhrleuten ganz billig und leicht nach Zentnern verdingen könne, das Holz abzuführen.
21. Was der Erzbischof zu Magdeburg als Lehnsherr für ein Recht daran habe, welche Bewilligung und Zustimmung er von diesem Erzbischof habe, was diese Bewilligung enthalte und wie lange sie gelte. Darauf antwortet er: Es sei wohl erzbischöfliches Lehen, aber im Lehnbrief, den seine gnädigen Herren, die
Unsichere Lesungen
- Wittlennder — Herkunftsname unklar (Z. 3)
- sperung — Wort unklar (Z. 5)
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Bl. 392rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Grauenn vonn Mannsfeldt habenn austrucklich das Saltzwergk Jnnerleibt, vnnd stehenn nur alleine den 3/5. Graff Hanns Jorgenn vnnd S. Gn. bruedernn zu, vnnd habenn die anndernn Grauenn nichts darann zufordernn, vnnd das dem also seÿ, Erbeut er sich mit den Lehennbrieffenn zubeweisenn. Wir habenn auch die altenn gewerckenn, die vornembsten abgehöret, vnnd aus Jrer anntwort befundenn, das sie vnnd alle alte Gewerckenn, mit Doctor Landeler1[?] wohl zufriedenn, Wollenn auch am Saltzwerck, kein beforderung mehr habenn, dann was die Vergleichung mitbringt. Sultza. Als ich nun zu Sultza war, hab ich mit vielenn freundtlichenn vnnd glimpfflichenn worttenn, gedachtenn kunstler anngeredt, vnnd vonn wegenn meines gnedigenn fürstenn vnnd herrnn, zur besichtigung zugelassenn zuwerdenn begeret, Hab ich doch nichts
Der Vierte Appendix. Grafen von Mansfeld, haben, sei das Salzwerk ausdrücklich einverleibt. Und es stehen nur die drei Fünftel Graf Hans Georg und seinen Gnaden Brüdern zu, und die anderen Grafen haben nichts daran zu fordern; und dass dem so sei, erbietet er sich mit den Lehnbriefen zu beweisen.
Wir haben auch die alten Gewerken, die vornehmsten, angehört und aus ihrer Antwort befunden, dass sie und alle alten Gewerken mit Doktor Landeler wohl zufrieden sind. Sie wollen auch am Salzwerk keine weitere Förderung haben, als was der Vergleich mit sich bringt.
Sulza. Als ich nun zu Sulza war, habe ich mit vielen freundlichen und glimpflichen Worten den genannten Künstler angeredet und von wegen meines gnädigen Fürsten und Herrn begehrt, zur Besichtigung zugelassen zu werden. Ich habe aber nichts
Unsichere Lesungen
- Landeler — Personenname (Z. 9)
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Bl. 392vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
erhaltenn mugenn, dann er mir stetigs zur anntwort gebenn, Es seÿ im ganntz vngelegenn, seine kunst, darauf er ein merckliche vnnd grosse gewendet vnnd gewagt, einigenn mennschenn, ohnne gnugsame vndtgeltnus1[?] zuzeigenn, da aber mein gnediger fürst vnnd Herr sich mit Jme einzulassenn, vnnd ein stadtliche nambhafftige vergleichung versichernn wurde, wert er vnderthenigk erbuetigk seine kunst auch in ffgl. Saltzwergk Sodenn annzustellenn, Darauf ich zur anntwort gebenn, das mein gl. f. vnnd herr, noch in ffgl. Saltzwergk keinenn manngell befundenn, nicht leichtlich allenn Geisternn gleubte, vielweniger sich in einige vngewisse Contrahirunge einlassen wurde, So könnte auch seine kunst, wanns Jnns wergk gesetzt wurde, nicht lanng verborgenn bleibenn, Aus diesem gesprech hat er vber tisch, abendts vnnd morgenns, sich mit viel ruhmreistigenn redenn vernehmenn lassenn, das keiner im Reich wert,
Der Vierte Appendix. erlangen können, denn er hat mir beständig zur Antwort gegeben, es sei ihm ganz ungelegen, seine Kunst, auf die er Beträchtliches gewendet und gewagt habe, irgendeinem Menschen ohne hinreichende Entgeltung zu zeigen. Wenn aber mein gnädiger Fürst und Herr sich mit ihm einlassen und einen stattlichen, namhaften Vergleich zusichern würde, so wäre er untertänig erbötig, seine Kunst auch in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk Sooden anzustellen.
Darauf habe ich zur Antwort gegeben, dass mein gnädiger Fürst und Herr in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk noch keinen Mangel befunden habe, nicht leichtlich allen Geistern glaube und sich viel weniger auf eine ungewisse Vertragsschließung einlassen würde; auch könne seine Kunst, wenn sie ins Werk gesetzt würde, nicht lange verborgen bleiben.
Aus diesem Gespräch hat er bei Tisch, abends und morgens, sich mit vielen ruhmredigen Reden vernehmen lassen, dass keiner im Reich wäre,
Unsichere Lesungen
- vndtgeltnus — Lesung unsicher (Z. 5)
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Bl. 393rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
der sich auf Saltzwergk, vnnd Saltzprobiren, besser als er verstunde, vnnd insonderheit das er die Sohla zu Sultza, die doch sehr gering were, ohnne zuthun einiges feurwergks, dermassenn gescheidenn hette, das der Centner — 18 ℔1 hielte, Solches hab ich in seinem werth vnnd vnwerth beruhenn lassenn, vnnd seine Sohl zuhabenn begeret, welche er mir auch zugestelt, aber dermassenn ist sie vnschmackhafft vonn Saltze gewesenn, das ich sie nitt werdigk geschetzt habe zu probiren, dieweil vnnser weltwasser reicher ist am geschmack dann die Sola, vnnd es seÿ dann, das ein besonnder heimblicher betrugk dahinder stecke, dauonn ich drundenn weitters beÿ Ascherslebenn meldunge thun will, So mus ich das dis orts rundt schliessenn, das kein bestenndig Saltzwergk in ewigkeit da werdenn könne, Es kunstiere zugleich der kunstierer was er wolle, Er berichtet aber vnter anndern, das der Bronnenn — 18. Lachter tieff were, so hoch voll Sohlenn stunde, vnnd mit Schepff eimernn gereicht würde,
der sich auf Salzwerke und das Probieren der Sole besser verstünde als er — und insbesondere, dass er die Sole zu Sulza, die doch sehr gering sei, ohne Zutun irgendeines Feuerwerks dermaßen geschieden habe, dass der Zentner 18 Pfund halte.
Das habe ich auf sich beruhen lassen und begehrt, seine Sole zu bekommen; die hat er mir auch zugestellt. Sie ist aber dermaßen unschmackhaft an Salz gewesen, dass ich sie nicht für würdig gehalten habe, sie zu proben — denn unser wildes Wasser ist am Geschmack reicher als diese Sole. Und es sei denn, dass ein besonderer heimlicher Betrug dahinterstecke, wovon ich weiter unten bei Aschersleben Meldung tun will, so muss ich an dieser Stelle rundheraus schließen, dass dort in Ewigkeit kein beständiges Salzwerk werden kann, der Künstler künstele auch, was er wolle.
Er berichtete aber unter anderem, dass der Brunnen 18 Lachter tief sei, so hoch voll Sole stehe und mit Schöpfeimern geholt werde.
Unsichere Lesungen
- ℔ — Pfundzeichen, Lesung Zeichen (Z. 5)
S. 790
Bl. 393vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Als ich aber dis orts weitters nicht habe ausrichtenn könnenn, hab ich mich vfgemacht, vnnd bin dannenn gezogenn, Dieweil aber gleich vor Sultza der kunstler seine kunstirung aufgericht gehabt, habe ich dieselbigenn vber zeune vnnd grabenn hin soviel anngesehenn, das ich befundenn, das daselbst ein kodt vfgericht mit einem Schornnstein, gleich wie zu arternn, vnnd nicht weit dauonn etliche andere schmale lannge gebeue, vngefehr acht oder neun schue breit, Jnn der Lennge vnnd höhe aber vngleich vfgericht gewesenn seindt, welche mit strogedeckt, vnnd etwann zwene schue hoch vber der Erdenn, darin flache tröge, vngefehr halbes schuchs hoch, zwölff schue lanng, vonn dennen dielenn zusammenn gefügt, vnnd getrunngenn gewesenn, vber denselbigenn habenn gehanngenn Stroernn oder Schilferne ketzenn1[?], welche wie ich sonnst berichtet wordenn, er darzu braucht, das er die Sohlenn darauff mit schauffelnn lecket, welche darnach in die tröge abtreiffenn, vnnd fürters vonn einem troge zum
Der Vierte Appendix. Als ich aber an diesem Ort weiter nichts ausrichten konnte, habe ich mich aufgemacht und bin von dannen gezogen. Weil aber gleich vor Sulza der Künstler seine Kunstanlage errichtet hatte, habe ich sie über Zäune und Gräben hinweg so weit angesehen, dass ich befunden habe: dort ist eine Kothe mit einem Schornstein errichtet, gleich wie zu Artern, und nicht weit davon etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit, in Länge und Höhe aber ungleich errichtet, mit Stroh gedeckt und etwa zwei Schuh hoch über der Erde. Darin sind flache Tröge, ungefähr einen halben Schuh hoch und zwölf Schuh lang, aus dünnen Dielen zusammengefügt und gedichtet. Darüber haben strohene oder schilfene Matten gehangen, die er, wie ich sonst berichtet worden bin, dazu gebraucht, dass er die Sole mit Schaufeln darauf leckt; die tropft dann in die Tröge ab und läuft weiter von einem Trog zum
Unsichere Lesungen
- ketzenn — Wort unklar (Z. 17)
S. 791
Bl. 394rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
anndernn |: derenn vngefehr in die vierzehenn ich gezehlet :| ableuffet, vnnd soll also durch solchs leckenn vnnd leitenn, die Sohla gebessert werdenn, Boserne1[?] Folgennts tags binn ich vff Weissennfels vnnd nach Bosernn verreiset, daselbst auch die gelegennheit des daselbst fürgenommenn Saltzwergks bau zuerlernen, vnnd dieweil zu Weissennfels ein Bürger, mitt nahmenn zacharias hoffmann genanndt, welcher für einenn zimblichenn verstenndigenn Philosophum anngebenn wardt, auch kurtz zuuor mit den kunstlernn auf dem Bronnenn zu Bosernn gewesenn, vnnd dauonn zuberichtenn wissenn hatte, Hab ich denselbigenn zu mir erfordert, vnnd nach essenns auff meinem wagenn mit mir nach Bosernn genommen, dieser hat mich berichtet, das er vonn altenn leutenn erfahrenn, wie weÿlanndt der Hochlöbliche fürst Hertzogk George zu Sachssenn, denselbigenn Saltzbronnenn zubauenn erstmahls vngefehr vor — 50. Jarenn vnderstanndenn, habe auch darauff ein
Der Vierte Appendix. anderen — deren ich ungefähr vierzehn gezählt habe. Und durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden.
Kösen. Am folgenden Tag bin ich nach Weißenfels und nach Kösen gereist, um dort ebenfalls die Umstände des dort vorgenommenen Salzwerksbaus zu erkunden. Und weil zu Weißenfels ein Bürger namens Zacharias Hoffmann lebte, der für einen ziemlich verständigen Philosophen ausgegeben wurde und kurz zuvor mit den Künstlern auf dem Brunnen zu Kösen gewesen war und davon zu berichten wusste, habe ich diesen zu mir gefordert und nach dem Essen auf meinem Wagen mit mir nach Kösen genommen.
Dieser hat mir berichtet, dass er von alten Leuten erfahren habe, wie weiland der hochlöbliche Fürst Herzog Georg zu Sachsen diesen Salzbrunnen erstmals vor ungefähr 50 Jahren zu bauen unternommen habe. Er habe auch darauf ein
Unsichere Lesungen
- Boserne — Ortsname, wohl Poserna (Z. 4)
S. 792
Bl. 394vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
merglichs vnnd grosses gewenndet, den Bronnenn vber — 40 ehlenn tieff gesenncket, viel kunst: vnd Schepffwergk daselbst vfgericht, habe aber nichts zu wegenn bracht, sonnder souiel tieffer er in weichenn Steinechtenn grundt gesenncket, souiel mehr seÿ das wilde wasser herzugedrungenn, welchs enndtlich die arbeiter dermassenn vberwaltigt, das sie vonn der arbeit ablassenn mustenn, vnnd seÿ also das vorgenommene Saltzwergk zu wustenn rechtenn1[?] liegenn bliebenn, bis auf den Jtzigenn Churfürstenn zu Saxenn, Hertzogenn Augustum, beÿ dem habenn die Nürnbergischenn kunstler vmb belehnung anngesuchtt, aber noch zur zeit nichts erhaltenn könnenn, Als ich nun Jnns dorff Bosernn kommenn, habe Jch zwenn alte menner, vf alle die Jtzt erzelten Puncten, Jre wissennschafft zueroffnenn, im augennschein vff dem Bronnenn gefragt, seindt die dem allenn zugetrettenn, vnnd darbenebenn anngezeigt, das in zeit des fürgenommenn Baues nichtt allein an einem
Der Vierte Appendix. Beträchtliches und Großes gewendet, den Brunnen über 40 Ellen tief gesenkt und viel Kunst- und Schöpfwerk dort errichtet, habe aber nichts zuwege gebracht. Sondern je tiefer er in weichen steinigen Grund gesenkt habe, desto mehr sei das wilde Wasser herzugedrungen, was endlich die Arbeiter dermaßen überwältigt habe, dass sie von der Arbeit ablassen mussten. Und so sei das vorgenommene Salzwerk als wüstes Gut liegengeblieben bis auf den jetzigen Kurfürsten zu Sachsen, Herzog August; bei dem haben die Nürnberger Künstler um Belehnung angesucht, aber bis jetzt nichts erlangen können.
Als ich nun ins Dorf Kösen kam, habe ich zwei alte Männer im Augenschein auf dem Brunnen gefragt, ihre Kenntnis über alle eben erzählten Punkte zu eröffnen. Diese sind dem allen beigetreten und haben daneben angezeigt, dass zur Zeit des vorgenommenen Baus nicht allein an einer,
Unsichere Lesungen
- wustenn rechtenn — Lesung unsicher (Z. 9)