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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

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App. IV · 4. Appendix · Band 2

Das Reisebuch

Der vierte Appendix · 158 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 727–732

Der Auftrag: reisen, messen, aufschreiben. Der vierte Anhang ist Rhenanus’ Reisebericht — und der eigentliche Grund, warum die Salzbibel mehr ist als eine Hauschronik.

Die Vorgeschichte erklärt er selbst. Wilhelm IV. habe zu Beginn seiner Regierung nicht nur eine Beschreibung des Salzwerks gewollt, sondern auch eine neue Ordnung — und dabei „im Lauf der Sache befunden“, dass ein solches Vorhaben „ohne Erfahrung vieler Salzwerke“ nicht ordentlich auszuführen sei. Also wird der älteste Diener und Salzgraf auf Reisen geschickt.

Die Instruktion vom 28. Juni 1568, unterzeichnet vom Landgrafen selbst, nennt die Ziele: Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde. Und sie liest sich streckenweise wie eine Anleitung zur verdeckten Erkundung: Rhenanus soll „an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen“ — die Beglaubigungsschreiben also versteckt halten und nur vorzeigen, „wo er es für ratsam hält“.

Für den Fall, dass er sich zu erkennen gibt, ist ihm sogar die Erklärung vorformuliert: Er komme „nicht aus dem Grund, dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte“, sondern allein das eigene Werk besser einrichten. Ob man ihm das glaubte, ist eine andere Frage.

Das Entscheidende steht im nächsten Absatz: „Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen.“ Er reist nicht als Betrachter, sondern mit einem Messinstrument im Gepäck — und bringt vergleichbare Zahlen zurück. Dazu soll er erkunden, wie überall die Sole gefasst, wie gesotten, welche Künste gebaut sind und „mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind“.

Ein Nachtrag von anderer Hand fügt Bremen hinzu: Er soll sich erkundigen, ob Bois — Torf — „in großer Menge zu bekommen“ sei und was eine Tonne koste. Auch der Brennstoff steht auf der Liste.

Aufnahme der Handschriftenseite Bd. 2, S. 727 (Bl. 362r)
Der vierte Appendix: das Reisebuch mit den Berichten von anderen Salzwerken Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 727 · Digitalisat · gemeinfrei

Redaktionelle AnmerkungS. 727–757

Dies ist der einzige Teil der Salzbibel, der ediert vorliegt: Hans-Henning Walter, Das deutsche Salinenwesen im 16. Jahrhundert. Reiseberichte des Allendorfer Salzgräfen Johannes Rhenanus, Freiberg 1989. Alles andere — die fünf Bücher, beide Probierbücher, das Archivverzeichnis, die Kunstrisse — ist bis heute unediert.

Die Instruktion ist ein Dokument der Technikspionage. Die Beglaubigungsschreiben „im Busen“ zu tragen, das Werk zunächst „privat“ zu besichtigen, die vorformulierte Beschwichtigung für den Fall der Entdeckung: Das ist kein Übereifer eines Landesherrn, sondern die normale Form, in der technisches Wissen im 16. Jahrhundert zirkulierte. Ein Patentwesen gab es außerhalb Venedigs kaum; geschützt wurde durch Geheimhaltung. Rhenanus steht in dieser Ordnung auf beiden Seiten — er erkundet fremde Werke, und er lässt sich zu Hause von Meister Hans Wetzel Verschwiegenheit geloben.

Zum Gradierwerk — eine Klarstellung. Rhenanus hat die Gradierung nicht erfunden; Gradierung über Strohwände ist im 16. Jahrhundert für Bad Kissingen belegt. Nach der Geschichtsseite der Stadt Bad Sooden-Allendorf wurde das erste von insgesamt vierzehn Gradierwerken 1601 gebaut, das erhaltene Gradierwerk Nr. 5 1638; der Verein für Heimatkunde nennt dieselben Jahre. Die gelegentlich genannte Zahl 1555 steht dort für die Bedeutung des Salzwerks um diese Zeit, nicht für ein Gradierwerk; eine Quelle, die 1555 als Beginn des Gradierens nennt, hat sich nicht finden lassen. Rhenanus hat 1568 das Leckwerk in Sulza beschrieben, nicht in Sooden eines gebaut. Wer die Salzbibel als Beleg heranzieht, sollte die Stelle genau angeben. Der gelegentlich zitierte Vergleich „elf Jahre vor Bad Nauheim“ stammt aus der Vereinsliteratur und trägt nicht: In Nauheim wurde erst im 18. Jahrhundert gradiert.

Die Reiseziele sind eine Karte. Frankenhausen, Artern, Halle, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg — das sind genau die Orte, an denen dreihundert Jahre später die deutsche Kaliindustrie entstand. Der Zusammenhang ist geologisch: Alle liegen über den Salzlagern des Zechsteins. Rhenanus reist, ohne es wissen zu können, die Umrisse einer Lagerstätte ab.

ZusammenfassungS. 733–757

Sondershausen: ein Abend bei Hofe. Die erste Station ist der Hof der Grafen von Schwarzburg, und Rhenanus beschreibt sie wie ein Reisender, nicht wie ein Spion: Man fordert ihn zu Tisch, die Räte lassen sich „sehr freundlich und mit gutem Scherz“ mit ihm ein, und aus dem Essen wird ein zweistündiges Fachgespräch über die Geschichte der Salzwerke.

Was er dabei erfährt, klingt vertraut: Über die älteste Entstehung von Frankenhausen finde man „in keinem Archiv etwas“, obwohl es offenkundig sehr alt sein müsse. Als Ersatzbeweise werden angeführt eine Schenkung aus der Zeit Kaiser Heinrichs IV., ein Vertrag von 1312 zwischen den Landgrafen von Thüringen und den Grafen zu Schwarzburg — „das sei aber nicht eingehalten worden“ — und, als ältestes Denkmal, das Stadtsiegel: Man habe „wohl vor fünfhundert Jahren“ damit gesiegelt, und darin „ein Salzknecht — den sie einen Nappenknecht nennen — steht, der zwei Eimer mit Sole trägt“. Genau so hatte Rhenanus im ersten Buch für Sooden argumentiert, als die Urkunden fehlten: mit Bauwerken, Namen und Bildern.

Einer der Räte hat außerdem Salins in der Freigrafschaft gesehen, „wovon sich der König von Spanien einen Grafen zu nennen pflegt“, und beschreibt es so eindrücklich, dass Rhenanus es mitschreibt: Der Salzbrunnen liege in einem gewaltigen runden Gewölbe, „unter dem sich wohl das ganze Schloss Sondershausen verbergen könnte“; man steige ringsherum hinab, „auf Treppen, die so angelegt sind, wie vorzeiten die Amphitheater gewesen sind“. Unten seien Sole und wildes Wasser „jede Ader für sich“ so kunstvoll gefasst, dass man sehen könne, wie sie in ihre Deicheln fließen. Ein Reisebericht aus zweiter Hand, sauber als solcher gekennzeichnet.

Unterwegs nach Frankenhausen. Am nächsten Morgen fährt der Schwarzburger Baumeister Bernt Pfeifer mit ihm, und auf dem Wagen wird weiter gefachsimpelt — über Salzwerke, Bergwerke und Bausachen, besonders über Auleben und Meister Hans Wetzel. Rhenanus notiert das Stimmungsbild wie ein Referenzcheck: „Ich habe aber nichts anderes gespürt, als dass er und jedermann Meister Hans noch wohlgesinnt sind.“

Am Kloster Göllingen hält er fest, was er sieht, auch wenn es nichts mit Salz zu tun hat: Aus dem Schilf ihrer Teiche lösten die Grafen jährlich „über siebenhundert Gulden“, und fünf Wagengespanne führen ständig gekauftes Säulenholz zu Markte. Wer für einen Landesherrn reist, schaut sich auch fremde Einnahmequellen an.

Dann der Stollen, durch den die Wipper geleitet wird, um die Künste zu treiben: „von einem Mundloch zum anderen 120 Ruten lang und am höchsten Ort 24 Ellen tief“, der Berg „lauter Lehm“, der Bau „sehr unförmlich“ und mit Lichtschächten, die oben offen liegen — weshalb „in unbeständiger Winterzeit … leicht großer Schaden entstehen“ könne. Und tatsächlich: Unlängst sei ein Schacht „vom Schnee verschüttet“ worden, „und man den ganzen Winter hat stillhalten müssen“. Rhenanus sammelt nicht nur Lösungen, sondern auch Fehler.

Die Messung. Kaum sind die Beglaubigungsschreiben übergeben, geht es an die Arbeit: „Sogleich habe ich einem meiner Diener das Probiergerät zustellen, die Sole holen und nach dem Essen proben lassen“ — mit dem Ergebnis 102 Lot Gewicht der rohen Sole und 16 Lot an gereinigtem Salz. Und weil zufällig auch Sole aus Auleben zur Hand ist, probt er die gleich mit: „nicht mehr als zwei Lot anderthalb Quentchen“ — „wie ich es auch schon früher befunden hatte“. Zwei Solen, dasselbe Gerät, derselbe Tag, ein bestätigter Vorbefund. So entsteht eine Vergleichsreihe.

Die Anlage. Erst danach lässt er sich zum Brunnen führen — und beschreibt ihn mit einer Genauigkeit, aus der man ihn nachbauen könnte. Der Brunnen komme „aus weißem Gipsgrund, wie auch der zu Sooden“; er sei in einem hölzernen Schacht von 25 Ellen gefasst, „das Holz ist noch sehr frisch, wiewohl mir niemand Bescheid geben konnte, wie lange dieser Bau gestanden hat“. Die Sole steige fünf Ellen, und bei Stillstand wachse das Aufsteigen.

Das wilde Wasser ist ringsum in einem eigenen Stollen abgeleitet, „und der Damm zwischen dem wilden Wasser und dem Brunnen ist zwanzig Ellen dick“ — es steht fünf Ellen höher als die Sole. Drei Wildwasserschächte, dazu eine vierte, eigens vorgehaltene Baukunst, „die wird gebraucht, wenn man baut und wenn sonst das wilde Wasser zu stark ist“.

Und dann die Maschinen, in Zahlen: An der Wasserkunst ist „das Wasserrad 27 Schuh hoch und das Kunstrad 20 Schuh; es hat 216 Kämme, das Vorgelege oder der Drilling 24 bis 25“; die Schläuche hängen an der Kette, „stets ein Schlauch vom anderen 3½ Schuh entfernt“. An der Solekunst ist das Wasserrad 36 Schuh hoch, das Kammrad zehn Ellen, ebenfalls 216 Kämme, und „es laufen 36 Schläuche an der Kette“. Die Sole wird zweistufig gehoben — erst aus dem Schacht, dann aus einem Kumpf noch einmal ebenso hoch. Das ist dieselbe Bauweise, die Christoph Homberg in Sooden mit Menschenkraft ausführte.

Wie reich die Quelle ist, misst Rhenanus nicht an Worten, sondern am Querschnitt: Die Sole füllt das Gerinne „ständig 3 Zoll in der Höhe und 6 in der Breite“.

Die entscheidende Frage. Auf dem Brunnen fragt er, was ihn seit Jahren beschäftigt: ob die Sole zu der einen Zeit besser sei als zur anderen. Und die Antwort der beiden dortigen Salzgrafen ist das genaue Gegenteil dessen, was Homberg für Sooden gefunden hatte: Bei nasser Witterung, „wenn es im Winter viel Schnee und Regen gebe“, könnten sie „gar nicht sieden…, sondern stillhalten“ müssen, bis ihre alte gewöhnliche Probe wieder anschlage. Zwei Salzwerke, zwei entgegengesetzte Befunde — und Rhenanus schreibt beide auf, ohne sie einzuebnen.

Wie diese „alte[n] gewöhnliche[n] Probe“ aussieht, erfährt er gleich danach, und es ist der aufschlussreichste Moment der ganzen Reise: Man prüfe, ob „die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne“. Auf die Frage, ob sie sonst eine Probe kennten, antworten sie: nein — sie hätten „nie von einem Probieren der Sole gehört“, obwohl sie „alte, betagte Männer“ seien, bis „die neuen Künstler ins Land gekommen“ seien, die man damals verachtet habe und die jetzt in Artern und Sulza säßen.

Damit ist die Konstellation der ganzen Reise beschrieben: Ein Mann mit einer Waage im Gepäck reist durch eine Welt, die ihr Salz nach Augenmaß beurteilt.

Er nimmt trotzdem alles mit, was es zu lernen gibt: dass es in Frankenhausen 117 Kothen gebe, „oder Sollen, wie sie es nennen“; dass täglich 944 Stücke gesotten werden dürfen, jedes „6 unserer geeichten Metzen“; dass der Zöllner das Sieden erst erlaubt, „bis genügend Kaufleute und Fuhrleute vorhanden sind, die das Salz wegführen“ — eine Produktionssteuerung nach Absatz. Dazu die Löhne der Arbeiter, die Jahressumme von 21.394 Gulden 6 Groschen und die eine Kothe, die den Grafen frei gegeben wird.

Auleben. Dort trifft er einen alten Bekannten: Meister Hans Wetzel, den Zimmermann, der zwanzig Jahre zuvor den Sooder Brunnen neu gefasst hatte und jetzt dort Baumeister ist. Rhenanus legt ihm einen Katalog von Fragestücken vor — was der Bau kosten werde, mit welchem Verfahren er das wilde Wasser abführen wolle, wie viel Salz er aus einer Pfanne zu gewinnen getraue. Wetzels Antworten sind vorsichtig: Auf die Kostenfrage könne er nicht antworten; auf die Ausbeute: „vier Scheffel Nordhäuser Maß“. Und Rhenanus notiert die Grundregel, die er überall bestätigt findet: „dass vor allen Dingen dahin mit Fleiß zu trachten wäre, dass das wilde Wasser eine gute Weite von der Salzquelle abgeschroten würde“.

ZusammenfassungS. 758–793

Artern: unter Alchimisten. In Artern wird der Bericht zum Sittenbild. Dort arbeiten „Künstler“ — Leute, die ein geheimes Verfahren zur Salzgewinnung anbieten —, und die Grafen von Mansfeld haben ihnen ein eigenes, „verschlossenes Bothe“ eingeräumt, „wo nach dem Vertrag niemand außer den Künstlern“ Zutritt hat.

Rhenanus kommt nicht hinein. Also verlegt er sich aufs Tauschgeschäft. Ein Alchimist bittet ihn um Auskünfte, „die ich dem genannten Alchimisten nicht abzuschlagen wusste und die ich ihm einigermaßen vertraulich eröffnet habe — in der Zuversicht, wie es denn auch geschehen ist, er werde mich dagegen auch etlicher Geheimnisse teilhaftig machen“. Wissen gegen Wissen, offen protokolliert.

Dann fährt er, ohne Auftrag, weiter nach Sulza und Kösen — „obwohl ich nun keinen Befehl hatte“ —, weil er gehört hat, dass die Künstler dort „ihren Unterschlupf haben“ sollen. Im Wirtshaus trifft er einen von ihnen persönlich an.

Auch einem Doktor Landeler von Nürnberg legt er einen Fragenkatalog vor, und dessen Antworten sind ein Lehrstück im Umgang mit großen Versprechungen: Er getraue sich, „ganz Deutschland damit speisen“, und billiger zu liefern als andere — aber sein Verfahren sei ein noli me tangere, ein Nicht-anrühren, das er nur dem Landgrafen persönlich eröffnen wolle. Rhenanus schreibt es auf, ohne es zu kommentieren. Das Urteil überlässt er dem Leser.

Zwischendurch immer wieder nüchterne Beobachtung: an einem Ort vierzehn Schächte gezählt; an einem anderen ein Brunnen „über 40 Ellen tief“ gesenkt und „nichts ausgerichtet“ worden.

Redaktionelle AnmerkungS. 758–846

Die „Künstler“ und die Alchimisten. Um 1568 war die Grenze zwischen Verfahrenstechnik und Alchemie nicht gezogen, und Rhenanus selbst wird in der Literatur als Alchemist geführt. Umso bemerkenswerter ist, wie nüchtern er hier vorgeht: Er schreibt die Versprechungen auf und urteilt nicht. Doktor Landelers noli me tangere — ein Verfahren, das er nur dem Landgrafen persönlich eröffnen will — ist das Muster jedes Geheimverfahrens: Sein Wert liegt darin, dass es geheim bleibt.

Die Eierprobe in Frankenhausen ist nicht albern. Ein frisches Ei schwimmt in Sole von ungefähr zehn Prozent Salzgehalt auf. Als Schwelle — sieden oder nicht sieden — ist das brauchbar; als Messung ist es unbrauchbar, weil es nur zwei Antworten kennt. Genau darin besteht der Unterschied zwischen einer Handwerksregel und einer Messreihe, und Rhenanus sieht ihn.

Der aufschlussreichste Satz der ganzen Reise steht in Halle: Man habe auf die Schwankungen der Sole „niemals achtgegeben, viel weniger geprobt“ — es sei auch unnötig, weil man das Salz nach dem Stück verkaufe und nicht nach dem Maß. Das ist keine Rückständigkeit, sondern eine Folge der Abrechnungsform: Wer keinen wirtschaftlichen Anlass zum Messen hat, misst nicht. Messkultur folgt dem, was abgerechnet wird — auch in Sooden hatte das Wiegen erst begonnen, als über die Ursache eines Schadens gestritten wurde.

Und der Tausch mit dem Alchimisten in Artern — Auskunft gegen Auskunft, offen protokolliert — beschreibt genau, wie technisches Wissen vor den Patenten zirkulierte: als Gabe unter Fachleuten, mit erwarteter Gegengabe.

ZusammenfassungS. 794–825

Halle: wo niemand misst — und wo man ihn nicht hinunterlässt. Halle in Sachsen ist die größte Station und die aufschlussreichste, gerade weil dort so wenig zu holen ist.

Rhenanus notiert die Verfassung des Werks: vier Brunnen, der Gutjahrsborn mit vierundachtzig Vierteln, die Rechenweise der Gerente, die Schichten mit zehn Zubern, die Brunnen „60 Ellen“ tief. Er beschreibt die Pfanne — „4½ Schuh breit, 6½ Schuh lang und einen halben“ hoch —, das Abschäumen, die hölzerne Decke über der Pfanne und die Löhne des Wirkers.

Dann stellt er seine Fragen, und die Antworten sind ein Befund. Ob die Sole ab- und zunehme, in trockenen und nassen Jahren? Man habe „darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt“. Es sei auch unnötig, „weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen; denn ein Stück gilt so viel wie das andere, es sei groß oder klein“. Und wenn man ihnen davon erzähle, notiert Rhenanus, „so haben sie ihren Spott und Hohn darüber“.

Er lässt nicht locker und fragt weiter, ob es rings um Halle Seen, Erdfälle, Sümpfe und Moore gebe „gleich wie bei allen anderen Salzwerken“ — eine Frage, die zeigt, dass er nach einer geologischen Regelmäßigkeit sucht. Der Salzgraf nennt ihm den Rebelinger See, wo die Sonne im Sommer weißes Salz ausblühen lasse, und die Gretchensgrube, einen ständig überschwemmten Erdfall; das ganze Salzwerk stehe „auf einem Moor“.

Einfahren darf er zunächst nicht. Der Salzgraf lehnt ab — es sei „eine Sache von seltenem Beispiel“ und bedürfe der Zustimmung des Rates und der vornehmsten Pfänner; außerdem hindere es den Betrieb. Rhenanus bleibt hartnäckig, „als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte“ — und am Ende fahren sie mit ihm ein.

In Aschersleben begegnet ihm noch einmal die Konkurrenz der Fachleute: Man hat sich einen Meister aus Lüneburg geholt, Georg Rose, der den alten Graben wieder herrichtete. Rhenanus beschreibt die dortige Wechselpumpe, die die Sole zweiunddreißig Ellen über die Erde hebt, den Herd aus Schlotter, das dreimalige Einlassen je Werk — und dass man auch dort Beiße gebraucht.

ZusammenfassungS. 826–846

Was der Vergleich austrägt. Gegen Ende des ersten Reiseteils zieht Rhenanus die Summe, und man sieht, wozu er die ganze Zeit gemessen hat.

Er hält fest, wo die Sole gut ist — an einem Ort „das Quart hält 16 Lot und im anderen Brunnen 14“, deutlich mehr als in Sooden — und wie das den Betrieb prägt: Wo die Sole reich ist, wird kurz und heiß gesotten, „so dass auf diesen beiden Salzwerken die Knechte der Hitze wegen viel schwärzer sind“ als anderswo. Er vergleicht Pfannengrößen, Herde, Löhne, das Aufschlagen des Salzes auf die Bühne, „so dass das Stück zwei Spannen breit“ wird, und was man dort Schlamm nennt, „bei uns aber Sand“.

Einmal räumt er auch die Grenze seines Vorhabens ein: „Wiewohl ich willens war, alle Salzwerke der Länge nach zu beschreiben …“ — nicht alles ließ sich erkunden, nicht überall ließ man ihn hinein.

Und er notiert, wie streng anderswo bewacht wird, was er selbst zu erfahren sucht: An einem Ort sei „bei Hängen und bei hohen Leib- und Geldstrafen verboten“, was er dort erfragen wollte. Der Reisebericht ist auch ein Dokument darüber, wie sehr technisches Wissen im 16. Jahrhundert Betriebsgeheimnis war.

ZusammenfassungS. 847–884

Pommern 1584 — ein Gutachter auf fünf Reisen. Sechzehn Jahre nach der ersten Fahrt wird Rhenanus noch einmal geholt, und diesmal nicht von seinem eigenen Herrn: Herzog Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast — „Herzog zu Stettin, Pommern“ lautet der Titel — bittet Landgraf Wilhelm, ihm den Sooder Salzgrafen zu leihen.

Der Anlass ist eine Enttäuschung. In Pommern hat man Brunnen gegraben, „je tiefer sie diese — in der Hoffnung, in der Tiefe die rechte Sole anzutreffen“ — desto weniger fanden sie. Man schickt eine versiegelte Soleprobe aus Koblentz nach Hessen, vom Hauptmann Busso von Rammin eigenhändig geschöpft, und bittet um ein Urteil.

Was folgt, sind fünf Reisen von Wolgast aus — so zählt er sie am Ende selbst —, und Rhenanus arbeitet dabei wie ein moderner Gutachter. Er lässt sich die Sole in seiner Herberge von seinen Dienern proben. Er besichtigt Hammerhütten und findet „einen sehr guten Eisenstein“. Er beurteilt Wasserläufe — am Flederbach in den Jasenitzer Bergen —, prüft, ob genug Wasser für die Künste da wäre, ob Holz zu haben ist, ob sich Alaunerz zeige. Er schmeckt eine Quelle sofort, als sie sich „im Geruch zeigte“, und lässt sie danach proben. Er lässt Lauge auf dem Feld ansieden und vom Wundarzt Curt Bödicker „per Alembicum“ destillieren.

Und er sagt Nein, wenn es Nein heißen muss. Als der Herzog auf eine Zusage drängt, antwortet Rhenanus mit einem Satz, den man sich merkt: „Ich bin nicht der Schöpfer, sondern ein Sünder des Schöpfers.“

Statt einer Prognose schlägt er einen Versuch vor: Man solle „eine große Pfanne und einen ordentlichen Herd einrichte[n]“, dann werde man „im Grunde befinden, was man tun oder lassen möge“. Und weil ein Fürst wissen will, was der Versuch kostet, wenn er fehlschlägt, rechnet er auch das vor: Man könne mit der Pfanne notfalls fremde Sole läutern und sieden, bis sie bezahlt sei, „oder man könnte das Eisen sonst zu Eisentüren oder anderem verbrauchen“.

So endet der vierte Anhang: nicht mit einem Fund, sondern mit einem sauber begrenzten Experiment und einer Kostenrechnung für den Fall des Scheiterns. Das ist Rhenanus im Kern.

Redaktionelle AnmerkungS. 847–884

Zur Pommernreise. Auftraggeber war Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast (1545–1592, regierte ab 1569). Rhenanus trat die Reise am 10. März 1584 an und war am 31. März in Wolgast; er war damals fünfundfünfzig und hatte zunächst abgelehnt. Der Landgraf ließ ihn erst nach mehrfacher Bitte ziehen, unter der Bedingung, in vier Wochen zurück zu sein. Aus vier Wochen wurden mehr als zwei Monate.

„Ich bin nicht der Schöpfer, sondern ein Sünder des Schöpfers.“ Der Satz sieht fromm aus und ist ein Fachurteil: die Weigerung, eine Zusage zu geben, für die es keine Grundlage gibt. Was darauf folgt, ist der Beweis — kein Orakel, sondern ein begrenzter Versuch mit einer Pfanne und eine Rechnung für den Fall des Scheiterns. Wer wissen will, was an diesem Buch modern ist, sollte diese Seiten lesen und nicht die technischen.

Wie es in Pommern weiterging, sagt der Bericht nicht; hier bricht die Überlieferung ab. Wer der Sache nachgehen will, müsste in den pommerschen Beständen weitersuchen — eine offene Frage, die von Sooden aus nicht zu beantworten ist.

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