Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 61–70
Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 61–70 · Bl. 29r–33v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Geyselers Denkschrift von 1489
S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 61
Bl. 29rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegunte der meister zuschneidenn die Bolenn, vnnd die bretter, damit er den Bornn zumachenn gedachte,
…(be)gann der Meister die Bohlen und die Bretter zuzuschneiden, mit denen er den Brunnen zu verschalen gedachte.
das Bolennschneidenn weret bis vf Sanct Johans tage, zu mittenn Sommer,
Das Bohlenschneiden währte bis auf St. Johannis Tag (24. Juni), zu Mittsommer.
da brachte der meister das gerüste holtz vf denn Bornn, vnnd begundt die schwengell vnnd das alte gerenne vfzubrechenn, vnnd den neuenn gezeug vfzuschlagenn,
Da brachte der Meister das Gerüstholz auf den Brunnen und begann, den Schwengel und die alten Gerinne aufzubrechen und das neue Gezeug aufzuschlagen.
Nemblich vor das erste hatt der Meister gemacht, grosse kastenn vom Telenn2 wohl zusammenngefügt vnnd bereit, der da stundenn zwenn bey dem Bornne, in der dritte im Teiche1,
Nämlich zum Ersten hatte der Meister große Kästen aus Dielen gemacht, wohl zusammengefügt und bereitet; von diesen standen zwei beim Brunnen und der dritte im Teich.
in welchenn kastenn, die Sohle solt gefasset, vnnd behaltenn werdenn, vnnd also furtan aus dem kasten Jnn die gerenne zu den Bodenn außgewanndt werden,
In diesen Kästen sollte die Sole gefasst und aufbewahrt werden und sodann fortan aus dem Kasten in die Gerinne zu den Böden (Siedehäusern) ausgeleitet werden.
Darnach richtete der meister das Rath vf den Bornn, vf eine Seuchle3, die hat obenn ein kreuze, vnnd die Seuchle stundt mittenn im Bornn vf dem Gries,
Danach richtete der Meister das Rad auf dem Brunnen auf, auf einer Säule; die hatte oben ein Kreuz, und die Säule stand mitten im Brunnen auf dem Kiesgrund.
Ann der Wellenn des Raths hing die kette mit den Eymernn, die die Sohle austrugenn Jnn die kastenn, vnnd Jnn die bötte4,
An der Welle des Rades hing die Kette mit den Eimern, die die Sole in die Kästen und in die Bütten hinauftrugen.
vf annderseits des Bornns Jegen dem Berge, richtete der Meister vf, den Teller,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Auf der anderen Seite des Brunnens, gegen den Berg hin, richtete der Meister den Teller auf …
Unsichere Lesungen
- in der dritte im Teiche — 'in' wohl verschrieben für 'vnd'; 'Teiche' (Mühlteich?) nicht ganz sicher
- vom Telenn — = von Dielen (Bohlen); Schreibung unsicher
- Seuchle — Lesung unsicher: 'Seuchle' (Säulchen/Säule) oder 'Deuchle' (Deuchel, Holzrohr); gemeint ist der mittige Ständer des Rades
- bötte — Bütten; Zierstrich durch tt, auch als Streichung deutbar
S. 62
Bl. 29vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitemit seinenn zwenn krannchenn,
… mit seinen zwei Kränen (Handhaben).
Vnnd vber aller dieser arbeit, lag mann nicht mehr dann eine woche kaldt, das was die Dominica respice primo2, versache halber1, das die kettenn zu dreyenn mahlen zubrach da die Eimer annhingenn,
Und während all dieser Arbeit lag man nicht mehr als eine Woche kalt (ohne zu sieden); das war die Woche des Sonntags 'Respice' I – aus der Ursache, dass die Kette, an der die Eimer hingen, dreimal zerbrach.
Auch so waren zwenn Heilige tage in der selbigenn wochenn, als petri vnd pauli vf den dinstagk, vnnd vnser liebenn Frauenntagk Visitationis Mariæ vff den Freytagk, dardurch mustenn sich die leute leidenn,
Auch waren zwei Feiertage in derselben Woche, nämlich Peter und Paul (29. Juni) am Dienstag und Unserer Lieben Frauen Tag Visitationis Mariae (2. Juli) am Freitag; dadurch mussten sich die Leute gedulden.
aber in der Wochenn darnach Dominus illuminatio3, wordenn gesottenn zwey vnnd vierzigk wercke, vnnd so forthann gesottenn, das ann kein saltz feilete.
Aber in der Woche danach, 'Dominus illuminatio', wurden zweiundvierzig Werke (Siedegänge) gesotten, und so wurde fortan gesotten, dass es an keinem Salz fehlte.
Es warenn auch aus allenn Pfennernn achte gekoren4, zu Bawmeisternn, die damit dem Baw meister Curten Weisenn5 bestellenn vnnd versorgenn soltenn,
Es waren auch aus allen Pfännern acht zu Baumeistern gekoren (gewählt), die damit zusammen mit dem Baumeister Curt den Bau anweisen, bestellen und versorgen sollten.
Unsichere Lesungen
- versache halber — wohl für 'vrsache halber' (aus der Ursache); Schreibung der Vorlage
- Dominica respice primo — Sonntagsname nach dem Introitus; Lesung 'primo' unsicher
- Dominus illuminatio — Sonntagsname nach dem Introitus 'Dominus illuminatio mea' (Ps 27)
- gekoren — auch 'geboren' lesbar; dem Sinn nach 'gekoren' (gewählt)
- dem Baw meister Curten Weisenn — Syntax unklar: 'mit dem Baumeister Curten (an)weisen' oder 'den Bau Meister Curten weisen'
- Ruelandt — Personenname nicht sicher
S. 63
Bl. 30rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteCasselmann, Henrich Lawir1, Hanns Breule, Henrich Gundelach, vnnd Jch der aller schlemst, vnnd vnntuegest2 prister Cunradt Geyseler,
… Casselmann, Henrich Lawir, Hans Breule, Henrich Gundelach und ich, der allergeringste und untauglichste Priester Conradus Geyseler.
daruber Jnn sonderheit warenn zwenn geordennt, Nemblich Henrich Hanemann der Junger, vnnd Henrich Gundelach itzundt guth3,
Darüber waren im Besonderen zwei verordnet, nämlich Henrich Hanemann der Jüngere und Henrich Gundelach, jetzt Guth genannt.
der Jglicher hatte vor seine arbeit zu Lohne, drey Marck, das sie die taglöhner vnnd arbeits leute mittelen, belohnetenn, vnnd berechnetenn,
Jeder von ihnen hatte für seine Arbeit drei Mark zum Lohn, dafür dass sie die Taglöhner und Arbeitsleute einteilten, entlohnten und abrechneten.
Vnnd vf dem achtenn tag Visitationis Mariæ verließ Henrich Gundelach sein ambt, sache halber, dann Jme bedauchte das lohnn zu klein sein,
Und am achten Tag nach Visitationis Mariae (9. Juli) verließ Henrich Gundelach sein Amt, aus dem Grund, dass ihm der Lohn zu klein deuchte.
vnnd also wardt ann seine stadt vffn Sontagk darnach exaudi secundo4 gesetzt vnnd erwehlet Cunradus Culde5 der Weinschennck,
Und so wurde an seiner Statt am Sonntag danach, 'Exaudi' II, Cunradus Culde, der Weinschenk, eingesetzt und erwählt.
Hierauff vf dem Montagk des anndernn tags nach Vdelrici brach der Meister vf die deckenn des Borns, Jegenn der antzucht bey Lucas Beltzers hoff6, dasLäuft auf der nächsten Seite weiter
Hierauf, am Montag, dem zweiten Tag nach St. Ulrich (4. Juli), brach der Meister die Decke des Brunnens auf, gegen die Anzucht (den Abzugsgraben) bei Lucas Beltzers Hof hin, sodass …
Unsichere Lesungen
- Lawir — Personenname nicht sicher (Lawer/Lauwer?)
- aller schlemst, vnnd vnntuegest — Demutsformel Geyselers ('geringster und untauglichster'); Lesung 'schlemst' unsicher
- itzundt guth — Beiname oder Zusatz zu Gundelach; Lesung und Bedeutung unsicher
- exaudi secundo — Sonntagsname nach dem Introitus 'Exaudi'; Zählung 'secundo' unsicher
- Culde — Personenname nicht sicher (Culde/Kulde?)
- Beltzers hoff — 'hoff' mit Zierstrich; Name Beltzer nicht ganz sicher
S. 64
Bl. 30vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteist die erste abzucht am Gewelbe, vnnd vf Sanct Alexij tage, kam mann also ferne zu Raume, das die Sohle aus dem Borne konntte Inn die abzucht Inn das gewelbe fliessenn,
… ist die erste Abzucht am Gewölbe, und am Sankt-Alexius-Tag [17. Juli] kam man so weit voran, dass die Sole aus dem Brunnen in die Abzucht in das Gewölbe fließen konnte,
vnnd wardt auch also vf denselben tage die Sohle abgelassenn, das der Born bey sechsthalb schue lanng vnnd tieff in dem Borne in seinem stannde behilt,
und es wurde auch an demselben Tag die Sole abgelassen, so dass der Brunnen bei fünfeinhalb Schuh Länge und Tiefe im Brunnen seinen Stand behielt,
vnnd also viel Sohle die ader truge, flös in die abzucht vber die sohle, die mann mitt dem Rade ausschepffete Inn die bode vnnd bastenn1 zusiedenn.
und so viel Sole, wie die Ader trug, floss in die Abzucht über die Sole, die man mit dem Rad ausschöpfte in die Böden [Siedehäuser] und Basten, um sie zu sieden.
Darnach vf den Sontage Dominus fortitudo Sanct Arnolfus tage, fiel des berges ein theil obenn herab, auch etwas in den Born /
Danach, am Sonntag ‚Dominus fortitudo‘, dem Sankt-Arnolfs-Tag [18. Juli], fiel ein Teil des Berges oben herab, auch etwas in den Brunnen.
Darumb das das werck was abgenommenn, dem ausflus gleich Inn die abzucht, dargegenn2 wardt als baldt der berge gefasset, zu gerings vmb, vor ebenntheur.
Weil das Werk abgetragen war, bis auf die Höhe des Ausflusses in die Abzucht, wurde dagegen der Berg alsbald ringsum gefasst [abgestützt], zur Vorsicht.
Der Meister macht auch das vierdte gezeug dem Born zu Ösenn, das warenn pompenn vf die meynung, das er damit die sohle vber den ausflus wolt mit gewalt lanngenn vnnd Ösenn, auch als derLäuft auf der nächsten Seite weiter
Der Meister machte auch das vierte Gezeug, um den Brunnen zu ösen [auszuschöpfen]; das waren Pumpen, in der Absicht, dass er damit die Sole über den Ausfluss mit Gewalt heben und ösen wollte; auch als der
Unsichere Lesungen
- bastenn — Lesung unsicher; Gefäßbezeichnung, vielleicht auch 'kastenn' zu lesen
- dargegenn — auch 'dartegenn' lesbar
S. 65
Bl. 31rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteBorn noch volnstenndigk1 was, da that er zwolff gemeiner fuesse tieff, oder zehenn grosse fuesse.
… Brunnen noch vollständig war, da hatte er zwölf gemeine Fuß Tiefe oder zehn große Fuß.
Als er aber wardt abgelassenn der abezucht gleich, behilt er sechsthalbenn fus tieff,
Als er aber bis auf die Höhe der Abzucht abgelassen wurde, behielt er fünfeinhalb Fuß Tiefe.
vf dinstage nach Dominus fortitudo, Was der dinstage vor Marien Magdalenenn tage, satzte der meister die pompenn Inn den Saltzbronn, Jegenn die abzucht da der Born den ausflus hatte.
Am Dienstag nach ‚Dominus fortitudo‘, das war der Dienstag vor dem Marien-Magdalenen-Tag [22. Juli], setzte der Meister die Pumpen in den Salzbrunnen, gegen die Abzucht hin, wo der Brunnen den Ausfluss hatte.
Vonn dem Erstenn austossenn2 des Bornns VII. Capitell.
Vom ersten Ausstoßen [Ausschöpfen] des Brunnens. VII. Kapitel.
Vf denn Sonnabendt darnach was Sanct Jacobs abendt, hattenn die Pfenner alle Söder zun Sodenn3 gebettenn, das sie woltenn arbeitenn ann denn pompenn, den Born zu Ösenn vnnd zusaubernn, vnnd gabenn Ihnenn Insampt ein Tonnenn Biers, wecke vnnd kese,
Am Sonnabend darauf — es war der Sankt-Jakobs-Abend [24. Juli] — hatten die Pfänner alle Sieder zu den Sooden gebeten, an den Pumpen zu arbeiten, um den Brunnen zu ösen und zu säubern, und gaben ihnen insgesamt eine Tonne Bier, Wecken und Käse.
Vnnd also wardt vor Mittage der Born geöset, das er zweyer fus tieff sohlenn hatte, vnnd dieweil vnnd also baldt wardt auch vmb den Born geraumet, amLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und so wurde vor Mittag der Brunnen ausgeöst, so dass er zwei Fuß tief Sole hatte, und währenddessen und alsbald wurde auch um den Brunnen herum geräumt, an
Unsichere Lesungen
- noch volnstenndigk — 'noch' auch als 'nach' lesbar; 'that' wohl für 'hatt'
- austossenn — Lesung des Überschriftworts; gemeint ist das Ausschöpfen (Ösen) des Brunnens
- zun Sodenn — Präposition schwer lesbar, Sinn: zu den Sooden
S. 66
Bl. 31vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteetlichenn enndenn zu grunde vf den gries, vnnd man fanndt Moß gelegt zwischenn dem thon vnnd griesse /
… an etlichen Enden bis auf den Grund, auf den Kies, und man fand Moos gelegt zwischen dem Ton und dem Kies;
vnnd die anndernn mochtenn wohl leidenn, das man die last der sohle abermals ausösete.
und die anderen hätten es wohl leiden mögen, dass man die Last der Sole abermals ausöste.
So aber die Söder das bier ausgetrunckenn verschleich sich einer nach dem anndernn vonn der arbeit zu den Badestubenn / vnnd also nam der Born wieder den Oberhanndt,
Als aber die Sieder das Bier ausgetrunken hatten, verschlich sich einer nach dem anderen von der Arbeit zu den Badestuben, und so gewann der Brunnen wieder die Oberhand,
vnd was da vom volcke ann der arbeit bliebe, wardt auch baldt müde vnnd verlassenn, so das nach Mittage kein vleis1 mehr gethann wardt, mit Ösenn oder saubernn,
und was vom Volk noch bei der Arbeit blieb, wurde auch bald müde und ließ ab, so dass nach Mittag kein Fleiß mehr auf das Ösen oder Säubern verwendet wurde.
Es mocht wohl die sache sein, das niemanndt vonn den öberstenn Pfennernn, da zur Zeit ein vffsehenn hatt, der das volck hett anngesprochenn / vnnd Ösenn vermanet,
Es mochte wohl daran liegen, dass niemand von den obersten Pfännern da war, der zu der Zeit ein Aufsehen [die Aufsicht] hatte, der das Volk angesprochen und zum Ösen ermahnt hätte.
Demnach geschach des Mittages ein nuzliche arbeit, das der Meister die newenn annfing, mit den vierzehen Eymern /
Demnach geschah am Mittag doch eine nützliche Arbeit, indem der Meister die neuen [Gezeuge] anfing, mit den vierzehn Eimern.
Darnach vf Sonntage omnes gentes, war Sanct Jacobs tage, wardt geordnet vnnd bestalt, das die Söder siedenn soltenn, vnnd in derselbenn wochennLäuft auf der nächsten Seite weiter
Danach, am Sonntag ‚Omnes gentes‘, der der Sankt-Jakobs-Tag war [25. Juli], wurde angeordnet und bestellt, dass die Sieder sieden sollten, und in derselben Woche
Unsichere Lesungen
- kein vleis — 'vleis' (Fleiß) nicht ganz sicher; erster Buchstabe des Zeilenanfangs 'kein' mit Strich, wohl Zierstrich
- [gestrichen: bothenn] — Das gestrichene Wort ist unsicher zu lesen (bothenn/bethenn); Strich könnte auch Zierstrich durch th sein, dann wäre 'die newenn bothenn' (die neuen Bütten/Böden) zu halten (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
S. 67
Bl. 32rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnderstundt der Meister zumachenn noch ein ander Öse gezeuge in dem Saltzborne,
… unternahm es der Meister, noch ein weiteres Ösegezeug in dem Salzbrunnen zu machen,
So das ann einer wellenn gemacht warenn, funff Eymer, als funff kastenn, der Je ein Jeglicher truge ein halb Tonnen wassers,
so dass an einer Welle fünf Eimer angebracht waren, in Gestalt von fünf Kästen, von denen ein jeder eine halbe Tonne Wasser trug,
vnnd derselbig gezeuge wardt vmbgetriebenn mit dem Rade da die vierzehenn Eymer ann hingenn, also das derselbig Öse gezeuge vf den Freytage nach Suscepimus, was der tage Sanct Sixti aller erst wardt bereit.
und dasselbe Gezeug wurde mit dem Rad umgetrieben, an dem die vierzehn Eimer hingen, so dass dasselbe Ösegezeug erst am Freitag nach ‚Suscepimus‘, dem Tag Sankt Sixti [6. August], fertig wurde.
Vonn der anndernn Ösunge des Borns VIII. Capitell.
Von der zweiten Ösung [Ausschöpfung] des Brunnens. VIII. Kapitel.
Darnach vf den Montage Ecce Deus, was der abendt Sancti Laurentij Wardt zum anndernn mahl versucht, den Born zu ösenn mit allem gezeuge zugleich,
Danach, am Montag ‚Ecce Deus‘, der der Vorabend von Sankt Laurentius war [9. August], wurde zum zweiten Mal versucht, den Brunnen mit allem Gezeug zugleich zu ösen,
alß das vor Mittage der Born gesaubert vnd geöset wardt zugrunde, das der meister mochte volkomlich des grundes weis werdenn, vnnd sein newe werck darnach wissenn zusetzenn,
so dass vor Mittag der Brunnen bis auf den Grund gesäubert und ausgeöst wurde, damit der Meister vollkommen über den Grund Bescheid wissen und sein neues Werk danach zu setzen wüsste,
vnnd das alte werck wardt daselbst vom grunde abgereumbt, vnnd herausser ge=Läuft auf der nächsten Seite weiter
und das alte Werk wurde dort vom Grund abgeräumt und heraus…
S. 68
Bl. 32vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Mann wardt auch des weis vnnd erfahrenn / das die achte seulenn des altenn wercks nit warenn Inngeraumbt, auch nicht vf schwellenn gezapfft /
Man wurde auch dessen gewahr und erfuhr, dass die acht Säulen des alten Werks nicht eingeräumt und auch nicht auf Schwellen gezapft waren,
Sonndernn sie warenn schlecht vf den hartenn gries, vnd grundt des Bornes gesatzt, vnnd zwischenn den achten seulenn, dicke vnnd eichenn Bretter, eins Inn das annder gegrupet1,
sondern sie waren schlicht auf den harten Kies und Grund des Brunnens gesetzt, und zwischen den acht Säulen dicke eichene Bretter, eins in das andere genutet,
so das ein bret ann beidenn enden zwo seulenn begreifft Inn Irer fuge, vonn vnten an / bis obenn aus,
so dass ein Brett an beiden Enden zwei Säulen in ihrer Fuge fasst, von unten an bis oben hinaus.
vnnd als der Meister vff Mittag das volck vonn der arbeit des Ösenns verliesse, vnd Zum essenn erlaubte, da gabenn die Pfenner dem volcke Ein halb fas biers, wecke vnnd kese ein gnuge,
Und als der Meister am Mittag das Volk von der Arbeit des Ösens entließ und zum Essen freigab, da gaben die Pfänner dem Volk ein halbes Fass Bier, Wecken und Käse zur Genüge.
Es wardt auch als baldt vf dem Born vonn dem Pfennernn mit dem meister berathenn vnnd beschlossenn, das mann solt mehr Zimmerleute annschickenn, die schwellenn mit Irenn seulenn baldt zubereitenn, vmb gutes gewitters willenn,
Es wurde auch alsbald am Brunnen von den Pfännern mit dem Meister beraten und beschlossen, dass man mehr Zimmerleute heranschicken sollte, um die Schwellen mit ihren Säulen bald zuzubereiten, um des guten Wetters willen;
Unsichere Lesungen
- gegrupet — seltenes Wort, wohl 'genutet/eingefalzt'; Lesung des Mittelteils nicht ganz sicher
S. 69
Bl. 33rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Der grundt des Saltzborns ist ein harter flus, gries vnnd kieseling, vnnd keine gesöhre1, oder Modt,
Der Grund des Salzbrunnens ist ein harter Fels [Fluss], Kies und Kieselstein, und keinerlei Schlamm oder Moder.
Er ist auch im Bodenn schlecht, mann magk auch kein höle oder loch merckenn, daraus die ader entspringenn, denn das die sohle durch den harttenn kieseling heraustringt gleich als wasser durch ein siep.
Er ist auch im Boden eben; man kann auch keine Höhle oder kein Loch bemerken, aus dem die Ader entspringt, sondern die Sole dringt durch den harten Kiesel heraus gleich wie Wasser durch ein Sieb.
Die sohle wermelt2 auch nit vf als ein quell born, sonndernn sich gibet die sohle durch den kieseling vfwerts nach der lufft, vnnd steiget nach Irer macht,
Die Sole quillt auch nicht auf wie ein Quellbrunnen, sondern die Sole gibt sich durch den Kiesel aufwärts, der Luft entgegen, und steigt nach ihrer Kraft,
vnnd nicht ist zuwehnenn das die sohle aus dem Meer komme, Sonnder viel mehr ist zugleubenn, das der kißeling Inn seine grunde vonn natur wegenn Saltzwasser tregt,
und es ist nicht zu wähnen, dass die Sole aus dem Meer komme; vielmehr ist zu glauben, dass der Kiesel in seinem Grund von Natur aus Salzwasser trägt,
vnnd also gut, als der grundt vonn natur Saltzwasser tregt vnnd gibet, also gut ist auch die Sohle, vnnd man magk die sohlenn vber Ir natur nicht besser machenn,
und so gut, wie der Grund von Natur aus Salzwasser trägt und gibt, so gut ist auch die Sole, und man kann die Sole über ihre Natur hinaus nicht besser machen;
aber mann magk wohl dem Wilden wasser vnnd anndernn gebrechenn werenn, das die sohle Inn Irer Natur nicht geschwechet, vnnd gemindert wurde,
aber man kann wohl dem wilden Wasser und anderen Gebrechen wehren, damit die Sole in ihrer Natur nicht geschwächt und gemindert wird.
keme die sohle aus dem Mehre, so must sie Je sich tringenn / durch mittell stein vnnd Erdtrich, vnnd solcheLäuft auf der nächsten Seite weiter
Käme die Sole aus dem Meer, so müsste sie sich ja hindurchdrängen durch dazwischenliegenden Stein und Erdreich, und solche
Unsichere Lesungen
- gesöhre — Wort unsicher gelesen; gemeint wohl schlammige Ablagerung ('Gesöhr/Sohr')
- wermelt — Verb unsicher; Sinn: quillt/sprudelt auf
S. 70
Bl. 33vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedurchtringung, macht Salzwaßer suße, Inmaßenn als zu der Seewerth1 die Schiffleute, Wann sie nicht suße waßer habenn damit sie vff den Schiffenn kochenn mögenn, denn werffenn sie ein ledige zugespunte Tonnenn, ann einer Leine gebundenn, ann das Schiff, Inn die Gesalzetenn See, oder Mehr,
…durchdringung macht Salzwasser süß, so wie es auf der Seefahrt die Schiffsleute machen: Wenn sie kein Süßwasser haben, um damit auf den Schiffen zu kochen, dann werfen sie eine leere, zugespundete Tonne, an einer Leine an das Schiff gebunden, in die gesalzene See oder das Meer;
tringt sich das nasse Inn die ledige Tonnenn, vnnd wirdt also durch das durchtringenn Inn der Tonnenn susse waßer, das die schiffleute zu kochenn vnnd zutrinckenn gebrauchenn mögenn2,
so dringt das Nasse in die leere Tonne ein, und so entsteht durch das Durchdringen in der Tonne süßes Wasser, das die Schiffsleute zum Kochen und Trinken gebrauchen können.
Vermagk nun das die durchtringung durch ein Bredt, ann einer Tonnenn, das auch Salzwaßer des Mehrs susse waßer wirdt, vielmehr geschehe das, wann das Meer solt vonn ferans, bis hierher durch grosse Berge, Steine vnnd Erdtrich quellenn vnnd durchtringenn,
Vermag nun die Durchdringung durch ein Brett an einer Tonne so viel, dass selbst Salzwasser des Meeres zu süßem Wasser wird, um wie viel mehr geschähe das, wenn das Meer von ferne bis hierher durch große Berge, Steine und Erdreich quellen und durchdringen sollte.
Hierumb legt mann billich vnnd pflichtige solchs zu der grossenn sonnderlichenn Gottesgnade, das die natur in diesem ennde griesses flus vnnd Kiesseling3 zum Bodenn, Salzwaßer brenngt, vnnd treget, vnnd wir wollenn auch des alzeit Gott danncksagenn
Darum schreibt man solches billig und pflichtgemäß der großen, besonderen Gnade Gottes zu, dass die Natur in dieser Gegend durch Gries, Geschiebe und Kiesel hindurch dem Grund Salzwasser bringt und zuträgt; und wir wollen dafür auch allezeit Gott danksagen.
Es wardt auch offembarlich fundenn vnnd besehennLäuft auf der nächsten Seite weiter
Es wurde auch offenkundig festgestellt und in Augenschein genommen, …
Unsichere Lesungen
- zu der Seewerth — Lesung 'Seewerth' (= Seefahrt) nicht ganz sicher
- mögenn — in der Handschrift mit Kürzungsschleife 'mögl:' geschrieben; Endung -enn aufgelöst (ebenso 'durchtringenn' Zeile 14)
- griesses flus vnnd Kiesseling — Lesung und Deutung (Gries, Geschiebe, Kiesel) unsicher