Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 51–60
Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 51–60 · Bl. 24r–28v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Geyselers Denkschrift von 1489
S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 51
Bl. 24rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Ein gedechtnus wie der Saltzbron zun Sodenn ist gebawet wordenn Anno 1489.
Eine Denkschrift, wie der Salzbrunnen zu Sooden gebaut worden ist, im Jahr 1489.
Den Erbarnn vnnd Vestenn Wilhelmenn vonn Dorngenbergk1 Jorgenn vonn Botlar2 vnnd Wilhelm von Bischoffshausenn, Denn Erbarnn vnnd achtbarnn Hermann Töbern3 Burgermeisternn, vnnd Cunradt Iringenn Rathmann vnnd Saltzgreuenn,
Den ehrbaren und festen Wilhelm von Dörnberg, Jörg von Buttlar und Wilhelm von Bischoffshausen, dem ehrbaren und achtbaren Hermann Töber, Bürgermeister, und Conrad Iring, Ratsherr und Salzgraf,
vnnd den bestenn insampt allenn gemeinenn Pfennernn zun Sodenn, seinenn Inbesonndernn Junckernn, Gebietenden vnnd gunstigen freundenn,
und den Besten samt allen gemeinen Pfännern zu Sooden, seinen besonderen Junkern, gebietenden und günstigen Freunden,
Conradus Geyseler vnwirdiger Prister vicarius aller apostelnn altar, in des Heyligenn kreutzes kirchenn zu Allendorff, eins armenn Burgers sohnn daselbst, in allenn demutigstenn dienstenn sich selbst bereit.
erbietet sich Conradus Geyseler, unwürdiger Priester, Vikar des Aller-Apostel-Altars in der Heilig-Kreuz-Kirche zu Allendorf, Sohn eines armen Bürgers ebendort, zu allen demütigsten Diensten.
So als mannigfaltigk von den trefflichstenn Pfennernn hitziglich ist begert wordenn, das der gebeuw vnnd widermachung des Saltzbronns zun Sodenn, vmb ewigs gedechtnus willenn, schrifftlichenn verzeichnet were,
Da nun vielfach von den trefflichsten Pfännern eindringlich begehrt worden ist, dass der Bau und die Wiederherstellung des Salzbrunnens zu Sooden um ewigen Gedächtnisses willen schriftlich verzeichnet werde,
dem hochstenn Gott zu lobe, Marien seiner liebenn gebererin mit Sancto Bonifacio vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter
dem höchsten Gott zum Lobe, Maria, seiner lieben Mutter, mit Sankt Bonifatius und
Unsichere Lesungen
- Dorngenbergk — Name; wohl von Dörnberg, Schreibung der Silbentrennung Dorn=genbergk auffaellig
- Botlar — Name; wohl von Buttlar
- Töbern — Familienname des Buergermeisters nicht ganz sicher (Toeber/Lober)
S. 52
Bl. 24vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteallenn himlischenn Burgernn zu ehren, auch allen nachkommenden Pfennernn zu nutz, vnnd stetlicher anweisung solchs zuthun, in guter zuuersicht, Ich viel mahl bin vermant wordenn,
allen himmlischen Bürgern zu Ehren, auch allen nachkommenden Pfännern zu Nutzen und zu steter Anweisung, solches zu tun, bin ich in guter Zuversicht viele Male ermahnt worden,
Das ich denn Gebaw Inmassenn er geschehenn vnnd volnbrachtt ist, verzeichnet gebe,
dass ich den Bau, so wie er geschehen und vollbracht ist, verzeichnet wiedergebe,
vff das, ob nach vielenn Jaren mehr vnnd aber eins not sein werde, des Saltzbrons gebeuw wieder machenn, vnnd zuuerenndernn1,
damit, falls es nach vielen Jahren abermals nötig sein wird, den Bau des Salzbrunnens wiederherzustellen und zu verändern,
das dann die nachkommene Pfennere, aus der schrifftlichenn Modeln vnnd forme das geschehenn vnd gethane gebeues, grundtliche gewisse anweisung, ob ein bessers vnnd bequemlichers daraus kiesenn2 vnd nehmenn möchtenn,
die nachkommenden Pfänner dann aus dem schriftlichen Muster und der Form des geschehenen und ausgeführten Baues eine gründliche, sichere Anweisung haben, ob sie ein Besseres und Bequemeres daraus wählen und übernehmen möchten,
auch viel schedtlicher vnd vnnutzer kostenn vnnd arbeit Jtzundt geschehenn, darumb das der grundt des Saltzbronns mit seine wercke den Pfennernn vnbewust, vnnd vnuerzeichnett, Was furter zuuermeidenn,
auch sind jetzt viele schädliche und unnütze Kosten und Arbeiten entstanden, weil der Grund des Salzbrunnens mit seinem Werk den Pfännern unbekannt und unverzeichnet war – was künftig zu vermeiden ist.
Hierumb durch wirckunge Gotlicher gnade, der gedachtenn Pfennernn begerung bewegtt, Hab ich mich, Wiewohl vngnugsambLäuft auf der nächsten Seite weiter
Darum habe ich mich, durch die Wirkung göttlicher Gnade vom Begehren der besagten Pfänner bewegt, wiewohl unzulänglich,
Unsichere Lesungen
- zuuerenndernn — Lesung nicht ganz sicher; auch zuuerbessernn denkbar
- kiesenn — Anfangsbuchstabe k unsicher; kiesen (waehlen) passt zu erkieset auf Blatt 25r
S. 53
Bl. 25rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnderwundenn, des Saltzbronns gebeuw, vnnd wiedermachung, Inmassenn er in grunde wordenn1, zuschreiben, vnnd vberzugebenn,
unterfangen, den Bau und die Wiederherstellung des Salzbrunnens, so wie er von Grund auf entstanden ist, aufzuschreiben und zu übergeben,
Jedoch vleislichenn vnnd demutiglichenn bittennde, Ob darin was guts nutzes erschienennde Jemanndt erkieset, Wolle dem liebenn Gott vnnd seiner gebererin, vnnd Sancto bonifacio, vor allenn dingenn darinn lob vnnd ehr erbieten,
jedoch fleißig und demütig bittend: Wenn jemand darin etwas Gutes und Nützliches erscheinen sieht und auswählt, möge er vor allen Dingen dem lieben Gott und seiner Mutter und Sankt Bonifatius dafür Lob und Ehre erbieten;
Wes aber vnnutzlichs, vnnd nicht wohl, oder vf das beste gesatzt, darin findenn wurde, Wollenn meiner vnngnugsambkeit, grobheit vnnd vnerfahrennheitt, Zulegenn, achtenn, straffenn, vnnd bessernn,
was er aber an Unnützem, nicht gut oder nicht aufs Beste Gesetztem darin finden würde, möge er meiner Unzulänglichkeit, Grobheit und Unerfahrenheit zurechnen, beurteilen, tadeln und verbessern,
Nach demmahl ich mich alzeit vnterwerffe, den Jehnenn die mehr, vnnd das besser wissenn,
da ich mich allezeit denjenigen unterwerfe, die mehr und es besser wissen;
auch mein schreibenn wenig Innbrechte2, Wann der gethane Baw nicht also den Jehnenn die in mit vnterstehenn vnnd volnbracht habenn, bewust were,
auch brächte mein Schreiben wenig ein, wenn der ausgeführte Bau nicht ebenso denjenigen bekannt wäre, die ihn mit unternommen und vollbracht haben.
Von dem ösenn des Wildenn wassers aus dem Gewölbe
Vom Ausschöpfen (Ösen) des wilden Wassers aus dem Gewölbe
Nach Gottesgeburt Tausenndt vierhundert vnd NeunLäuft auf der nächsten Seite weiter
Nach Gottes Geburt im Jahr tausendvierhundertneun-
Unsichere Lesungen
- in grunde wordenn — Wendung unsicher; wohl im Sinne von: von Grund auf geworden/ergruendet
- Innbrechte — Lesung unsicher; wohl einbraechte
S. 54
Bl. 25vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd achtzigk Jar, vff vnnser liebenn Frauwenn tags Lichtmeß, wardt geschickt nach Meister Curt Mardorff vonn den Saltzgreuenn, da zur zeit Hanns Iringk dem Elternn vnnd Hermann Touwir, sampt den anndern Pfennernn,
-undachtzig (1489), am Tag Unserer Lieben Frau Lichtmess (2. Februar), wurde von den Salzgrafen – damals Hans Iring dem Älteren und Hermann Touwir – samt den anderen Pfännern nach Meister Curt Mardorff geschickt,
vnnd mit Ime vbersprochenn vnnd vberkommenn, Jedoch sonndern gedinge, das er solt ausösenn, das wasser aus dem gewelbe, das mann mochte bey dem Saltzbronn kommenn,
und mit ihm verhandelt und übereingekommen – jedoch unter der besonderen Bedingung, dass er das Wasser aus dem Gewölbe ausschöpfen sollte, damit man an den Salzbrunnen gelangen könnte,
vnnd den furter des Borns gebrech, bauwenn vnnd bessernn, darzu mann Ime haltenn solte arbeiter vnnd gereitschafft verandelagen,
und dass er sodann die Schäden des Brunnens beheben, bauen und bessern sollte; dazu sollte man ihm Arbeiter halten und Gerätschaft bereitstellen.
Des that der Meister anngehabenn zugrabenn vonn den Gewelbe ann, bis ann den Schwebbogen, Jegenn Chunterans Huschennbecks2 hobe, bey dem Hilgennhause,
Daraufhin begann der Meister zu graben, vom Gewölbe an bis an den Schwibbogen, gegenüber Chunteran Huschenbecks Hof, bei dem Heiligenhaus,
vnnd furter furtann vor den Hobenn, vnnd nach der Werra, In meinung die Werra also In den grabenn zubringenn vor das gewelbe,
und weiter fortan vor den Höfen entlang und zur Werra hin, in der Absicht, die Werra auf diese Weise in den Graben vor das Gewölbe zu bringen,
vnnd mit der Werra, vnd mit den ausbrugenn3, den Sohlgrabenn zusaubernn, also lanng vnnd also tiefft, das das wasser aus dem gewelbe sich darmit ösenn vnnd schlissenn4 nach notturfftLäuft auf der nächsten Seite weiter
und mit der Werra und mit den Ausflüssen den Sohlgraben zu säubern, so lang und so tief, dass das Wasser aus dem Gewölbe sich damit nach Notdurft ausschöpfen und ableiten
Unsichere Lesungen
- Touwir / Lower — Familienname des zweiten Salzgrafen unsicher; uebergeschriebene Korrektur Lower ebenfalls unsicher (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- Chunterans Huschennbecks — Personenname vor hobe nicht sicher lesbar
- ausbrugenn — Lesung unsicher; vielleicht ausbruechen (Wasseraustritte)
- schlissenn — Lesung unsicher; Sinn wohl: ablaufen/abfliessen
S. 55
Bl. 26rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitemochte, dem also nachgethann vnnd alles geschehen, mit nicht weniger arbeit vnnd kostenn, volgete das wasser aus dem Gewelbe, vnnd viel mercklich,
konnte. Dem wurde so nachgegangen, und als alles geschehen war – mit nicht geringer Arbeit und Kosten –, folgte das Wasser aus dem Gewölbe, und zwar merklich viel,
Jedoch nicht also sehre, das mann mochte In das Gewelbe wandernn, darumb das der Sohlgrabe wolt nicht tieffer zugrabenn leidenn, so die Werra ihm vnttenn auff zu Jegenn kam, vnnd sich stauwete1,
jedoch nicht so sehr, dass man in das Gewölbe hätte gehen können, weil der Sohlgraben sich nicht tiefer graben ließ, da ihm die Werra von unten entgegenkam und sich staute,
das er dachte, der meister, wie er mit kunst mochte helffenn, was die natur nicht leidenn oder ertragen wolt,
sodass der Meister darüber nachdachte, wie er mit Kunst (Technik) nachhelfen könnte, wo die Natur es nicht leiden oder ertragen wollte,
vnnd macht ein vierkandt Radt vor das gewelbe, desgleichenn nit mehr gesehenn, oder gehört,
und er baute ein vierkantiges Rad vor das Gewölbe, desgleichen nie zuvor gesehen oder gehört worden ist,
vnnd vf die seittenn Inn den grabenn alse die Werra was geweiset vor das gewelbe ein Schuffell Radt das die Werra vmbtreibt,
und an der Seite, in dem Graben, wohin die Werra vor das Gewölbe geleitet war, ein Schaufelrad, das die Werra umtreibt,
vnnd also mit solcher kunst ösete, das wasser aus dem Gewelbe, bis zu grunde, das nit mehr gedacht was, also flach auszunösenn2,
und so schöpfte er mit solcher Kunst das Wasser aus dem Gewölbe bis auf den Grund aus – was man nicht mehr für möglich gehalten hatte, es so vollständig auszuschöpfen –,
vnd das Rath stetes tage vnnd nacht3, vnnd die kunst was bestenndigk,
und das Rad lief stets Tag und Nacht, und das Werk war beständig,
auch alle feuchtigkeit vnnd gewesser In den Sodenn in den Bodenn bey den Herdten, vnd in den kellernn, zeuge sich allesampt nach dem gewelbe,Läuft auf der nächsten Seite weiter
auch alle Feuchtigkeit und alles Gewässer in Sooden – in den Siedehäusern bei den Herden und in den Kellern – zog sich allesamt zum Gewölbe hin,
Unsichere Lesungen
- stauwete — Schreibung unsicher (staubete/stauwete); Sinn: staute sich
- auszunösenn — Wortbild unsicher; Sinn: auszuschoepfen
- das Rath stetes tage vnnd nacht — Verb fehlt in der Vorlage; Ergaenzung lief in der Uebersetzung
S. 56
Bl. 26vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd wurde also die Gesöde1 trockenn, gut vnnd besser, dann sie vorgewest warenn,
… und so wurden die Siedestätten trocken, gut und besser, als sie zuvor gewesen waren.
Als nun der vielgenantte Meister sein kunst hatte bewerth, vnnd das gewelbe vom wassers wegenn ledig vnnd geoffnet was, das mann darin wanndernn möchte, bis ann den Bornn,
Als nun der vielgenannte Meister seine Kunst erwiesen hatte und das Gewölbe vom Wasser frei und geöffnet war, sodass man darin bis an den Born gehen konnte,
mit vieler kost vnnd arbeit den gannzenn Sommer gehabt, bis vf Michelis tagk,
was mit vielen Kosten und viel Arbeit den ganzen Sommer über gedauert hatte, bis auf den Michaelistag (29. September),
darnach vf donnabendt nach Conceptionis Mariæ in demselbenn Neun vnnd achzigstenn Jar bescheiden die vorgenanttenn Salzgreuenn, Innsampt der Pfenner Eddelenn vnnd Gemeine, für sich auff das Rathaus Meister Churten Mardtorff2,
da beschieden danach, am Sonnabend nach Mariä Empfängnis in demselben neunundachtzigsten Jahr (1489), die vorgenannten Salzgrafen samt der Pfänner Edlen und Gemeinde Meister Kurt Mardtorff zu sich auf das Rathaus,
in meinung seiner gethanenn arbeit, vnnd kunst zubelohnenn, auch furter mit Ime zudingenn vnnd zu vberkommenn, den Salzbronn zumachenn, vnnd seinenn gebrechenn zurathenn,
in der Absicht, seine getane Arbeit und Kunst zu belohnen, auch weiter mit ihm zu dingen und übereinzukommen, den Salzbrunnen instand zu setzen und seinen Gebrechen abzuhelfen,
das die also mit Ime eintrechtiglich eins wordenn, vnd zwischen einander verzietelt, Innmassenn hiernach volgenndt,
sodass sie mit ihm einträchtig eins geworden sind und es untereinander verzettelt (schriftlich festgehalten) haben, wie hiernach folgt.
Unsichere Lesungen
- Gesöde — Lesung wahrscheinlich; Gesoede = die Siedestaetten
- Churten Mardtorff — Name; PDF-S. 54 hat 'Curt Mardorff' - Vorname Churt/Curt und Nachname Mardtorff/Mardorff schwanken in der Schreibung
S. 57
Bl. 27rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Die Copey der zittelnn vnnd vberkommunge III. Capittell.
Die Kopie der Zettel und Übereinkommen. Drittes Kapitel.
Zuweissenn, das auf heut donnabendt nach Conceptionis Mariæ Virginis Anno Domini cccc° Octuagesimo nono,
Zu wissen, dass auf heute, Sonnabend nach Mariä Empfängnis, im Jahr des Herrn 1489,
Habenn die Vestenn Junckernn, Juncker Jörge vonn Bottlar der Eltter, Wilhelm vonn Bischofshausenn, vnnd Henrich Hartmann vnnsers gnedigk herrnn Schultheis, Burckhardt Neulanndt1 Burgermeister, Conradt Jordann vnnd Hanns Schaffnicht2, vonn der Pfenner wegenn,
die festen Junker – Junker Jörg von Buttlar der Ältere und Wilhelm von Bischoffshausen – sowie Heinrich Hartmann, unseres gnädigen Herrn Schultheiß, Burkhard Neuland, Bürgermeister, Conrad Jordan und Hans Schaffnicht, von wegen der Pfänner,
Inn Jegennwertigkeit der Salzgreuenn, Wartenn3 vnnd der Pfenner gemeiniglich, mit Meister Churt Mardtorff, vberkommenn, vnnd eins wordenn seindt,
in Gegenwart der Salzgrafen, Warte und der Pfänner insgesamt mit Meister Kurt Mardtorff übereingekommen und eins geworden sind:
vmb die gethane arbeit, die er mit seiner Meisterschafft zugrabenn, vnnd den gezeug, da mann das wilde wasser vor dem Bornne gelöset hat,
über die getane Arbeit, die er mit seiner Meisterschaft zu graben hatte, und das Gezeug, mit dem man das wilde Wasser vor dem Born gelöst (abgeschöpft) hat,
vnnd vmb arbeit die er noch thun soll, den Salzbronn genntzlich4 vom newenn in grunde wieder vfreumenn, vnnd machenn soll,
und über die Arbeit, die er noch tun soll: den Salzbrunnen gänzlich von neuem im Grund wieder aufräumen und herrichten,
vnnd den Bergk zufassenn mit den anngezeigtenn, Innmassenn Itzundt der Bornn mit seinem abzüchten stehett,
und das Gebirge mit dem Angezeigten zu fassen, in der Weise, wie der Born jetzt mit seinen Abzüchten (Abflusskanälen) steht,
vnnd ein gezeugk machenn, das wir in den BodennLäuft auf der nächsten Seite weiter
und ein Gezeug machen, das wir in den Boden …
Unsichere Lesungen
- Neulanndt — Familienname des Buergermeisters nicht ganz sicher
- Schaffnicht — Familienname nicht ganz sicher
- Wartenn — Unklar; vielleicht 'Warte' = Aufseher/Wardeine der Saline
- genntzlich — Minimfolge unsicher; wohl 'gaentzlich'
S. 58
Bl. 27vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebleibenn, Jedoch das die Pfenner holtz, Seile, taglohn vnnd was not darzu ist, verandelagenn1, darumb sollenn die Pfenner dem obgemeltenn Meister Curtenn gebenn, zwey hundert vnnd dreyßigk guldenn, zwenn guldenn zu tranckgelde2, zwey Malter kornns, vnnd ein Schwein vor zwenn guldenn vnd ein orth.
… verbleiben; jedoch sollen die Pfänner Holz, Seile, Taglohn und was sonst dazu nötig ist, vorstrecken; dafür sollen die Pfänner dem obengenannten Meister Curt 230 Gulden geben, dazu zwei Gulden Trinkgeld, zwei Malter Korn und ein Schwein im Wert von zwei Gulden und einem Ort (Viertelgulden).
Vnnd derselbig Meister Curt gelobett, vnnd mit seinem eide behelttet3, denn Pfennernn getreue vnnd gewege zu sein, Ohne geverde vnnd argelist, die Pfenner zuuerwarenn.
Und derselbe Meister Curt gelobte und bekräftigte mit seinem Eid, den Pfännern treu und gewogen zu sein und die Pfänner ohne Gefährde und Arglist zu schützen.
Des zu vrkunde seindt dieser Zettelnn zwo, gleichlautende, auseinannder geschnittenn, denn Pfennernn ein, vnd Meister Churtenn die annder, vf beidenn seittenn sich darnach wissenn zuhalttenn.
Zur Beurkundung dessen sind von diesem Zettel zwei gleichlautende Ausfertigungen auseinandergeschnitten worden (Kerbzettel), eine für die Pfänner und die andere für Meister Curt, damit sich beide Seiten danach zu richten wissen.
Vonn dem Zureytenn4 des gebews IIII. Capittell.
Vom Zurüsten (Vorbereiten) des Baues – Viertes Kapitel.
Darnach in dem nachuolgenndenn Neunzigstenn Jare, ließenn die Pfenner nach Rath des Meisters Holtz niederhauenn, vnnd vor die Bodenn vf der Boder wiesenn fuerenn, als viele dem Meister bedauchttLäuft auf der nächsten Seite weiter
Danach, im folgenden Jahr 1490, ließen die Pfänner auf den Rat des Meisters Holz fällen und vor die Böden (Siedehäuser) auf der Boderwiese fahren, so viel dem Meister … dünkte
Unsichere Lesungen
- verandelagenn — Lesung unsicher; wohl 'vorstrecken/aufbringen' (verlegen), Wortform unklar
- tranckgelde — nck-Ligatur schwer lesbar, aus dem Kontext 'Trinkgeld'
- behelttet — Wort mit Zierstrich durch tt; Lesung unsicher, Sinn: 'mit dem Eid bekräftigt/beschworen'
- Zureytenn — auch 'Zubereyten' denkbar; Sinn: Zurichten/Vorbereiten
S. 59
Bl. 28rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitenoth sein, vnnd schicketenn nach zimmerleutenn zu arbeitenn, die da stetes gearbeit habenn biß ann die Ostern, vnnd Meisterliche gezeug bereidt habenn.
… nötig sein dünkte; und sie schickten nach Zimmerleuten zur Arbeit, die bis Ostern beständig gearbeitet und das meisterliche Gezeug (Gerät) bereitet haben.
Das erst was ein Rath, darmit mann solt die Sohle auß dem Bornn gewinnenn, zu siedenn, dieweil mann ann dem Borne solt bauenn,
Das erste war ein Rad, mit dem man die Sole aus dem Brunnen gewinnen sollte, um weiter zu sieden, während man an dem Brunnen bauen würde.
Dasselbe Rath, hatt zum erstenn siebenn Eymer, darnach ließ mann einen anndern kethen machtenn1, darann hiengenn vierzehenn Eimer,
Dasselbe Rad hatte zuerst sieben Eimer; danach ließ man eine andere Kette machen, an der vierzehn Eimer hingen.
die Eimer warenn geformet, als die Schepffer Eymer, vntenn weit vnnd obenn enge, vnnd was Je ein Eymer siebenn virtell einer Ehlen lanng,
Die Eimer waren geformt wie die Schöpfeimer, unten weit und oben eng, und jeder Eimer war sieben Viertel einer Elle lang.
vnnd vntenn am Bodenn hat der Eimer ein Rundt loch, als ein Blasbalck, vnnd vornn Jnwenndig ein windtfanng, darvor vom bleye ein leder3 gefassett,
Und unten am Boden hatte der Eimer ein rundes Loch wie ein Blasebalg, und vorn inwendig einen Windfang; davor war ein mit Blei beschwertes Leder (als Ventilklappe) gefasst.
auch vonn obenn herab einer gutenn spannenn lanngk, was auch ein Rundt loch, schlecht offenn, ohne windtfanng, darumb das die Eimer sich nit zu voll fülleten, vnnd ann viel vergiessenn2, sich bequemlich außgoß,
Auch von oben herab, eine gute Spanne lang, war ein rundes Loch, einfach offen, ohne Windfang, damit sich die Eimer nicht zu voll füllten und, ohne viel zu vergießen, sich das Wasser bequem ausgoss.
vnnd die Eimer hiengenn alle miteinannder ann einer kettenn, die hieng obenn vber die wellenn des Raths, vnnd vntenn in dem Bornn ging sieLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und die Eimer hingen alle miteinander an einer Kette; die hing oben über der Welle des Rades, und unten im Brunnen lief sie …
Unsichere Lesungen
- kethen machtenn — Lesung 'machtenn' statt erwartetem 'machenn' unsicher; 'einen anndern kethen' so in der Vorlage
- ann viel vergiessenn — Wortlaut unsicher; Sinn: ohne viel zu vergießen
- leder — auch 'feder' lesbar; technisch ist eine bleibeschwerte Lederklappe (Ventil) gemeint
S. 60
Bl. 28vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevmb ein Runde dicke walzar, als ein Tonnen, dieselbe Walzar was im Borne vonn beidenn seittenn gefasset, zwischenn zweyenn breitenn Leitterbeumenn, vnnd ging mit der kettenn vmb.
… um eine runde dicke Walze, wie eine Tonne; dieselbe Walze war im Brunnen von beiden Seiten gefasst, zwischen zwei breiten Leiterbäumen, und lief mit der Kette um.
Das annder gezeugk, was ein grob Rundt teller, mit einer scheibenn Stillenn1, vnnd mit zwen kranchenn2, damit mann solt Ösenn, den Thon, dreck vnnd kommer3 der da was vmb den Bornn mit grossenn Zobbernn,
Das andere Gerät war ein grober runder Teller mit einem Scheibenstiel und mit zwei Kränen (Handhaben), womit man den Ton, den Dreck und den Schutt, der um den Brunnen war, mit großen Zubern ausschöpfen (ösen) sollte.
die warenn am bodenn mit Eisern klosenn4 vnnd klippenn also gemacht, vf die masse als da seindt gemacht die Esels körbenn, da mann den mist Jnn außführet.
Diese Zuber waren am Boden mit eisernen Kloben und Klappen so gemacht, nach der Art, wie die Eselskörbe gemacht sind, in denen man den Mist hinausführt.
Das dritte gezeuge was ein schneide Möhlenn, die der meister satzte Jegenn das Zelgennhaus5, bey Gunterams hobe6, Vnnd weisete die Werra vonn obenn Jnn der Aue herab vf die schneide mohlenn,
Das dritte Gerät war eine Schneidemühle (Sägemühle), die der Meister gegenüber dem Zelgenhaus bei Gunterams Hof setzte; und er leitete die Werra von oben in der Aue herab auf die Schneidemühle.
vnnd legte ein Wehr benebenn den Zeunenn hinauff bis ober die Höffe, damit er die Werra fassete, vnnd in den grabenn bis vf die Schneide mohl brechte,
Und er legte ein Wehr neben den Zäunen hinauf bis oberhalb der Höfe, damit er die Werra fasste und im Graben bis auf die Schneidemühle brächte.
Unsichere Lesungen
- scheibenn Stillenn — Lesung unsicher; wohl Scheibe mit Stiel
- kranchenn — Lesung unsicher; 'Kranch' wohl = Kran/Handhabe (vgl. Seite 62 'mit seinenn zwenn krannchenn')
- kommer — 'Kummer' = Schutt/Unrat; Lesung des Vokals unsicher
- klosenn — auch 'klobenn' lesbar; eiserne Kloben/Beschläge gemeint
- Zelgennhaus — Ortsbezeichnung nicht sicher; auch 'Telgennhaus' lesbar
- Gunterams hobe — Personenname nicht sicher (Guntram?)
- Osterweche — wohl 'Osterwoche'; Schreibung unsicher