Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 55
Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 55 · Bl. 26r · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Geyselers Denkschrift von 1489
S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 55
Bl. 26rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitemochte, dem also nachgethann vnnd alles geschehen, mit nicht weniger arbeit vnnd kostenn, volgete das wasser aus dem Gewelbe, vnnd viel mercklich,
konnte. Dem wurde so nachgegangen, und als alles geschehen war – mit nicht geringer Arbeit und Kosten –, folgte das Wasser aus dem Gewölbe, und zwar merklich viel,
Jedoch nicht also sehre, das mann mochte In das Gewelbe wandernn, darumb das der Sohlgrabe wolt nicht tieffer zugrabenn leidenn, so die Werra ihm vnttenn auff zu Jegenn kam, vnnd sich stauwete1,
jedoch nicht so sehr, dass man in das Gewölbe hätte gehen können, weil der Sohlgraben sich nicht tiefer graben ließ, da ihm die Werra von unten entgegenkam und sich staute,
das er dachte, der meister, wie er mit kunst mochte helffenn, was die natur nicht leidenn oder ertragen wolt,
sodass der Meister darüber nachdachte, wie er mit Kunst (Technik) nachhelfen könnte, wo die Natur es nicht leiden oder ertragen wollte,
vnnd macht ein vierkandt Radt vor das gewelbe, desgleichenn nit mehr gesehenn, oder gehört,
und er baute ein vierkantiges Rad vor das Gewölbe, desgleichen nie zuvor gesehen oder gehört worden ist,
vnnd vf die seittenn Inn den grabenn alse die Werra was geweiset vor das gewelbe ein Schuffell Radt das die Werra vmbtreibt,
und an der Seite, in dem Graben, wohin die Werra vor das Gewölbe geleitet war, ein Schaufelrad, das die Werra umtreibt,
vnnd also mit solcher kunst ösete, das wasser aus dem Gewelbe, bis zu grunde, das nit mehr gedacht was, also flach auszunösenn2,
und so schöpfte er mit solcher Kunst das Wasser aus dem Gewölbe bis auf den Grund aus – was man nicht mehr für möglich gehalten hatte, es so vollständig auszuschöpfen –,
vnd das Rath stetes tage vnnd nacht3, vnnd die kunst was bestenndigk,
und das Rad lief stets Tag und Nacht, und das Werk war beständig,
auch alle feuchtigkeit vnnd gewesser In den Sodenn in den Bodenn bey den Herdten, vnd in den kellernn, zeuge sich allesampt nach dem gewelbe,Läuft auf der nächsten Seite weiter
auch alle Feuchtigkeit und alles Gewässer in Sooden – in den Siedehäusern bei den Herden und in den Kellern – zog sich allesamt zum Gewölbe hin,
Unsichere Lesungen
- stauwete — Schreibung unsicher (staubete/stauwete); Sinn: staute sich
- auszunösenn — Wortbild unsicher; Sinn: auszuschoepfen
- das Rath stetes tage vnnd nacht — Verb fehlt in der Vorlage; Ergaenzung lief in der Uebersetzung