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Forschung

Chronologie

Der Ort und die Welt, Jahr für Jahr nebeneinander

Zwei Zeitschienen

Die linke Spalte gehört dem Ort: 72 datierte Ereignisse von der Salzschlacht des Tacitus bis zum Ortsschild von 2026, mit Belegstatus und Quellen. Die rechte gehört der weiteren Welt: 69 Ereignisse der Salz-, Rechts-, Landes- und Kurgeschichte, die den Ort einordnen — Hallstatt, die Ronkalischen Gesetze, die Holzkrise des 16. Jahrhunderts, Staßfurt, Solvay, die Salzsteuer. Beide Reihen sind nach Jahren ineinander sortiert; wer nur eine sehen will, schaltet um. Nicht jedes Ereignis rechts hat einen Bezug nach links; wo einer besteht, sagt der Text ihn, und er sagt auch, wenn die Parallele nur eine Analogie ist.

Die Ereignisse der Salzbibel selbst — 1300, 1489, 1538, 1540, 1550, 1567, 1586 — stehen in der linken Spalte; ihre Quelle ist dort das Faksimile. Für alles andere gelten die genannten Quellen, und der Belegstatus (belegt, überliefert, umstritten, assoziativ) sagt, wie weit man ihnen trauen sollte.

Die Zeitschiene

Auf breiten Bildschirmen stehen die Ereignisse des Ortes links, die der weiteren Welt rechts; auf schmalen untereinander. Die Filter grenzen nach Ebene, Jahrhundert, Zeitraum und Stichwort ein; die Liste wird seitenweise gezeigt.

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141 Ereignisse

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  • 3. Oktober 1866
    Vor Ort · Wirtschaft

    Preußen annektiert Kurhessen — und das Monopol fällt

    Kurhessen hatte im Deutschen Krieg auf österreichischer Seite gestanden und wird mit der preußischen Monarchie vereinigt; ab Februar 1867 gehört Allendorf zum Regierungsbezirk Kassel, ab 1868 zur Provinz Hessen-Nassau. Entscheidend war aber nicht der Regierungswechsel, sondern das, was 1867 folgte: Der Norddeutsche Bund ersetzte die einzelstaatlichen Salzmonopole durch eine einheitliche Salzsteuer. Damit fiel der geschützte Absatzmarkt weg, gegen den billiges Steinsalz nichts hatte ausrichten können. Der Heimatverein hält fest: „Armut machte sich breit. Es war die Zeit, als viele Bürger in der Auswanderung ihre letzte Hoffnung sahen.“

    Quellen: Salzmuseum BSA, Geschichte der Saline Salzsteuer — Wikipedia Landkreis Witzenhausen — Wikipedia

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • 20. September 1866
    Weitere Welt · Politik

    Preußen annektiert

    Am 16. August 1866 kündigt der preußische König an, Hannover, Hessen-Kassel, Nassau und Frankfurt auf immer mit Preußen zu vereinigen; das Gesetz wird am 20. September 1866 unterzeichnet. Damit endet die kurhessische Staatlichkeit, unter der die Saline Sooden dreieinhalb Jahrhunderte gearbeitet hatte — der Landesherr, dem das Salz gehörte, existiert nicht mehr. Die preußische Verfassung tritt am 1. Oktober 1867 in Kraft, 1868 entsteht die Provinz Hessen-Nassau.

    Quellen: Kurfürstentum Hessen — Wikipedia

  • 1867/1868
    Weitere Welt · Salz

    Das Monopol fällt, die Steuer bleibt

    Der Norddeutsche Bund löst 1867 die einzelstaatlichen Salzmonopole durch eine einheitliche Salzsteuer ab, 1868 ist das Salzhandelsmonopol in Preußen und Bayern abgeschafft. Für Sooden ist das der entscheidende Bruch: Nicht eine Abgabe fiel weg, sondern der geschützte Absatzmarkt — die Saline musste plötzlich gegen jeden Anbieter im Reich bestehen. Damit endet ein Rechtsverhältnis, das 1158 begonnen hatte. Die Reichssalzsteuer selbst bestand bis 1926, die bundesdeutsche bis zum 1. Januar 1993.

    Quellen: Salzsteuer — Wikipedia

  • 1876
    Vor Ort · Wirtschaft

    Die Eisenbahn kommt — Rettung und Todesurteil

    Mit dem Abschnitt Niederhone–Eichenberg–Friedland der Bahn Bebra–Göttingen erhält die Stadt Anschluss ans Netz; zum Bau gehörten der 173 Meter lange Schürzeberg-Tunnel bei Oberrieden und das Werra-Viadukt. Der Zeitpunkt sagt alles: zehn Jahre nach dem Verlust des Salzmonopols, fünf Jahre vor dem ersten Kurbetrieb. Ohne Bahnanschluss hätte es den Kurort nie gegeben — und ohne ihn wäre auch das billige Steinsalz aus dem Osten nicht so schnell in Reichweite gerückt. Die Saline reagierte trotzig und legte 1890 ihrem größten Siedekot einen eigenen Gleisanschluss.

    Quellen: Bahnstrecke Bebra–Göttingen — Wikipedia Werra-Meissner-Bahnen, Strecke 3600 Verein für Heimatkunde BSA, Schürzeberg-Tunnel

  • 1876
    Weitere Welt · Wirtschaft

    Dieselben Gleise, zwei Richtungen

    Was die Bahn 1876 nach Bad Sooden-Allendorf bringt, hängt davon ab, in welche Richtung man schaut. Herein kommen Kurgäste — 1881 beginnt der Kurbetrieb. Herein kommt aber auch billiges Steinsalz aus Staßfurt, gegen das eine Siedesaline nicht bestehen kann; 1906 wird sie stillgelegt. Ein Ereignis, das in zwei entgegengesetzte Richtungen auszahlt. Und 69 Jahre später entscheidet ausgerechnet diese Linie darüber, wo die Zonengrenze verläuft.

    Quellen: Bahnstrecke Bebra–Göttingen — Wikipedia Geschichte der Eisenbahnen im Werra-Meißner-Kreis

  • 19. Jahrhundert
    Weitere Welt · Kur

    Das Zeitalter der Kur

    Baden-Baden gilt als Sommerhauptstadt Europas, Karlsbad, Marienbad, Bath und Vichy ziehen Adel, Großbürgertum und Literaten an. Bad Sooden-Allendorf steigt 1881 in eine europäische Konjunktur ein, die zu diesem Zeitpunkt schon Jahrzehnte läuft — spät, aber nicht zu spät. Die UNESCO wird diese Blüte 2021 auf die Zeit von etwa 1700 bis in die 1930er Jahre datieren.

    Eine Entwicklung des ganzen 19. Jahrhunderts. Eingeordnet auf 1880, unmittelbar vor dem Beginn des Kurbetriebs 1881.

    Quellen: Kurort — Wikipedia Bedeutende Kurstädte Europas — Deutsche UNESCO-Kommission

  • 1. Juni 1881
    Vor Ort · Kur

    Die erste Badesaison

    Das Heilbad wird gegründet, die erste Badesaison beginnt. Ein Jahr zuvor war im heutigen Kurpark das erste Sole-Badehaus entstanden: drei Badezellen mit je einer hölzernen Wanne, einem eisernen Ofen und einem Stuhl; Frauen aus den Familien des Salinenpersonals erhitzten die Sole in eisernen Kesseln, und eine Zelle blieb immer für Salinenbedienstete frei. Aus diesem Datum leitet die Stadt ihren Prädikatsstatus bis heute ab. Wann genau Sooden den Titel „Bad“ verliehen bekam, ist merkwürdigerweise nirgends belegt — es muss zwischen 1881 und 1929 gewesen sein.

    Quellen: Stadt Bad Sooden-Allendorf, Geschichte Salzmuseum BSA, Geschichte der Saline RP Kassel, Prädikat bestätigt (2023)

  • 1883–1889
    Weitere Welt · Kur

    Bismarck macht die Kur bezahlbar

    Krankenversicherung 1883, Unfallversicherung 1884, Invaliditäts- und Altersversicherung 1889: Die Sozialgesetzgebung schafft Träger, die später Kuren finanzieren, 1911 fasst die Reichsversicherungsordnung das System zusammen. Damit bekommt der 1881 begonnene Kurbetrieb in Bad Sooden-Allendorf eine wirtschaftliche Basis auf Dauer — und zugleich eine Abhängigkeit, die 1996 zur Falle wird. Wer von einer Sozialleistung lebt, lebt von einer politischen Entscheidung.

    Quellen: Sozialgesetzgebung — Wikipedia LeMO: Sozialgesetzgebung

  • 1887
    Vor Ort · Kur ueberliefert

    Aus dem Produktionsbau wird ein Inhalatorium

    Gradierwerk 5 erhält einen überdachten Wandelgang — der Moment, in dem eine Industrieanlage zur Kureinrichtung umdefiniert wird, ohne dass sich an ihr etwas ändert. 1913 kommt daneben ein Salz-Luftbad für Männer dazu, mit Geräten für sportliche Betätigung, damit die solehaltige Luft tiefer eingeatmet wird. 1927 werden Luftbad und das zugehörige Gradierwerk abgerissen. Der Übergang von der Saline zum Bad ist an diesem einen Bauwerk ablesbar.

    Quellen: Salzmuseum BSA, Geschichte der Saline

  • 1890
    Vor Ort · Salz ueberliefert

    Die größte Siedepfanne Europas

    Auf dem Platz des heutigen Kurtheaters entsteht das „Große Kot“ mit 200 Quadratmetern Pfannenfläche, Trockenböden, Magazinen und Gleisanschluss — nach 110 Quadratmetern 1816 und 187 um 1880 die dritte Steigerung in einem Menschenleben. Neun Jahre nach der Gründung des Heilbades gab die Saline also noch nicht auf, sie setzte auf Größe. Es war die letzte Karte, und sie stach nicht: Gegen den Kostenvorteil des Bergbaus half keine Pfanne.

    Quellen: Salzmuseum BSA, Geschichte der Saline

  • 1893/1894
    Weitere Welt · Salz

    Kali im oberen Werratal

    Am 5. Oktober 1893 wird im Grubenfeld der Saline Kaiseroda ein vier Meter langer Kalibohrkern gefördert, am 13. Februar 1894 entsteht in Bochum die Gewerkschaft Wintershall. Im oberen Werratal wächst eine Salzindustrie für den Weltmarkt, während im unteren, in Sooden, die tausendjährige Siedesalzgewinnung stirbt — zwei gegenläufige Bewegungen im selben Flusstal, zur selben Zeit. Deutlicher lässt sich nicht zeigen, dass nicht das Salz ausging, sondern das Verfahren veraltet war.

    Quellen: Werra-Fulda-Kalirevier — Wikipedia

  • 8. Mai 1894
    Vor Ort · Stadt

    Ein Grab in Abterode

    Natalie Erna Narewschewitz, geboren am 30. November 1893, stirbt mit fünf Monaten und acht Tagen. Ihre Eltern Julius Narewschewitz und Veilchen geborene Stern wohnten in Allendorf an der Werra; bestattet wurde das Kind auf dem jüdischen Friedhof in Abterode, Grab Nr. 54. Es ist der einzige harte Beleg dafür, dass in den 1890er Jahren jüdische Familien in Allendorf lebten — zu wenige für eine eigene Gemeinde, zu wenige für eine Synagoge. Der Kreisrabbiner saß in Eschwege.

    Quellen: LAGIS, Jüdische Grabstätten in Hessen (Suche Allendorf a. W.) Alemannia Judaica, Synagoge Frankershausen

  • 1. April 1906
    Vor Ort · Salz

    Das Salzwerk schließt

    Nach über tausend Jahren wird die Salzgewinnung eingestellt. Die Ursachenkette ist eindeutig: eine außergewöhnlich schwache Sole von 4,5 bis 6,5 Prozent, die aufwendiges Gradieren und viel Brennstoff erzwang; kein Steinsalz im Untergrund; billiges Bergwerkssalz auf dem freien Markt; und seit 1866/67 kein Monopolschutz mehr. Der Heimatverein bilanziert einen Zeitraum, „der nach Aufzeichnungen weit über eintausend Jahre Feuersbrunst, Kriege und Elend überstand“. Die Pfännerschaft, die seit 1300 fassbar ist, wurde im selben Zusammenhang aufgelöst — ein genaues Datum dafür ließ sich nicht belegen.

    Quellen: Salzmuseum BSA, Geschichte der Saline Bad Sooden-Allendorf — Wikipedia (en)

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • 1914–1918
    Vor Ort · Krieg

    Rund 150 Namen auf zwei Sandsteintafeln

    Auf dem Friedhof in Allendorf tragen zwei Sandsteintafeln die Namen von etwa 150 Gefallenen des Ersten Weltkriegs, mit der Inschrift „Die für uns starben leben mit uns“. Bei einer Einwohnerschaft, die 1939 für die vereinigte Stadt bei 4.266 lag, ist das für den Stadtteil Allendorf allein eine erhebliche Zahl. Die Gefallenenzahl für Sooden ist nicht erfasst. Der Heimatverein hält zum Bad nur lakonisch fest, die beiden Weltkriege seien „nur eine Unterbrechung im stetig wachsenden Kurbetrieb“ gewesen; ob Kurhäuser als Lazarette dienten, ist nicht belegt.

    Quellen: Denkmalprojekt.org, BSA Stadtteil Allendorf, WK 1 u. 2 Salzmuseum BSA, Geschichte der Saline

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • 1926
    Weitere Welt · Salz

    Die Reichssalzsteuer wird aufgehoben

    1926 hebt das Reich die Salzsteuer gemeinsam mit der Luxussteuer auf. Für Sooden kommt das zwanzig Jahre zu spät — das Werk war 1906 geschlossen, und die Aufhebung hat mit seinem Ende nichts zu tun. Der Eintrag steht hier, um einen in der Literatur kursierenden Fehlschluss zu verhindern.

    Quellen: Salzsteuer — Wikipedia

  • 1. Juli 1929
    Vor Ort · Stadt

    Bad Sooden und Allendorf werden eine Stadt

    Durch Erlass des preußischen Staatsministeriums werden die Stadt Allendorf und die Gemeinde Sooden zu Bad Sooden-Allendorf zusammengeschlossen; auch der Bahnhof wird umbenannt. Zusammen zählten beide 1925 gut 4.000 Einwohner. Wikipedia spricht bewusst von einer Wiedervereinigung — bis 1808 waren sie nie wirklich getrennt gewesen. Der Doppelname bündelt, was jeder allein nicht hatte: das Kurprädikat hing an Sooden, Stadtrecht und Fachwerk an Allendorf.

    Quellen: Bad Sooden-Allendorf — dewiki Stadt Bad Sooden-Allendorf, Geschichte

  • 12. März – 5. April 1930
    Weitere Welt · Salz

    Gandhis Salzmarsch

    Vom 12. März bis 5. April 1930 gehen Gandhi und zunächst 78 Anhänger 385 Kilometer vom Sabarmati-Aschram nach Dandi ans Arabische Meer, um dort verbotenerweise Salz zu gewinnen; fast 50.000 Inder werden verhaftet. Zweitausend Jahre nach dem Han-Monopol wird die Salzsteuer noch einmal zum Sturzhebel eines Imperiums — genau dort, wo sie in Kurhessen 1866/67 nur einen Wirtschaftszweig umgebracht hatte. Das britische Monopol hatte Gewinnung, Transport und Handel konzessionierten Betrieben vorbehalten.

    Quellen: Salzmarsch — Wikipedia

  • 1931
    Vor Ort · Kultur

    „Bund der Eintracht“ — ein Festspiel zum Badejubiläum

    Zum fünfzigjährigen Bestehen des Kurbades erscheint bei Bernecker in Melsungen ein Festspiel in drei Aufzügen, geschrieben von Johannes Rädlein unter dem Namen Martin Otto Johannes. Hauptfigur ist Rhenanus; daneben streiten zwei Tagediebe als „Allendörfer Strohkopp“ und „Söder Knuten“ — der alte Ortszwist als Slapstick, der am Ende in Eintracht aufgeht. Der Autor gibt selbst zu, die geschichtlichen Unstimmigkeiten „mit vollem Bewusstsein“ hineingebracht zu haben, „da das Spiel auf die Gegenwart gemünzt ist“: Die zwei Jahre alte Vereinigung soll sich als etwas erweisen, das schon im 16. Jahrhundert angelegt war. Die Anmerkungen erklären auf drei Seiten Salzgreben, Pfänner, Kote und Lokationen — ein Glossar der Salinenwelt von 1931.

    Quellen: BSA-Kurier, Chronik zum 800-jährigen Jubiläum

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • 9. November 1938
    Vor Ort · Person

    Rudolf Bodenheims letzter Abend im Stern-Klub

    Der Enkel des Fabrikgründers war getauft, Mitglied der örtlichen Honoratiorengesellschaft und bis 1933 Geschäftsführer des Unternehmens, das seine Familie aufgebaut hatte. Sein letzter Besuch im Stern-Klub datiert exakt bis zur Reichspogromnacht. Danach: Polizeibesuche, und eine Anzeige eines Amtsgerichtsrats gegen einen Bürger, der noch Kontakt zu ihm hielt. In derselben Nacht wurde in Frankershausen, der für Bad Sooden-Allendorf zuständigen Synagogengemeinde, der Innenraum der Synagoge zerstört; 1940 wurde sie abgerissen.

    Quellen: Arnold u.a., Die Bodenheims (ZHG 128, 2023, PDF) Alemannia Judaica, Synagoge Frankershausen

  • 9./10. November 1938
    Weitere Welt · Politik

    Novemberpogrom

    In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brennen im ganzen Reich Synagogen. In Allendorf wird der Innenraum der Synagoge zerstört, mehrere jüdische Wohnhäuser werden beschädigt; Rudolf Bodenheims letzter Besuch im örtlichen Stern-Klub datiert exakt bis zur sogenannten Reichskristallnacht. Was 1808 mit dem Code Napoléon rechtlich begonnen hatte, endet hier — und die Muster von 1349 kehren wieder.

    Quellen: Synagogen in Hessen — Alemannia Judaica

  • 1941/1942
    Weitere Welt · Politik

    Die Deportationen aus dem Regierungsbezirk Kassel

    Aus dem Regierungsbezirk Kassel gehen die Transporte: Dezember 1941 nach Riga, Juni 1942 in den Raum Lublin und Sobibor mit 509 Personen, am 6. und 7. September 1942 nach Theresienstadt mit 750 Personen. Rudolf Bodenheim, Nachfahre des Tütenfabrikanten, wird am 8. September 1942 mit Transport XV/1 nach Theresienstadt deportiert und stirbt dort am 4. Januar 1943. Die Verwaltungsroutine eines Regierungsbezirks ist hier die Form, in der das Verbrechen den Ort erreicht.

    Quellen: Gedenkbuch — Bundesarchiv

  • 8. September 1942
    Vor Ort · Person

    Deportation nach Theresienstadt

    Rudolf Bodenheim, 76 Jahre alt, wird von Kassel mit dem Sammeltransport XV/1 nach Theresienstadt verschleppt und stirbt dort am 4. Januar 1943 unter ungeklärten Umständen. Seine Verwandte Hedwig Bodenheim, verheiratete Mahlstedt, wird am 8. September 1944 deportiert und kommt am 5. November 1944 ums Leben. Georg Bodenheim war schon 1941 nach einem Unfall gestorben — das Evangelische Krankenhaus hatte seine Aufnahme abgelehnt. Alemannia Judaica führt vier Opfer aus Bad Sooden-Allendorf, darunter Thea Speier geborene Narewczewitz und ihren 1926 geborenen Sohn Helmut; die Liste ist nach eigener Angabe unvollständig.

    Quellen: Arnold u.a., Die Bodenheims (ZHG 128, 2023, PDF) Alemannia Judaica, Synagoge Frankershausen Die Deportation der jüdischen Bürger aus dem Regierungsbezirk Kassel (PDF)

  • 17. September 1945
    Vor Ort · Grenze

    Das Wanfrieder Abkommen — fünf Dörfer für vier Kilometer Gleis

    Die Bahnstrecke Bebra–Göttingen, amerikanische Hauptnachschubachse, verlief auf vier Kilometern zwischen Bad Sooden-Allendorf und Eichenberg durch sowjetisch besetztes Gebiet, und die Sowjets sperrten sie immer wieder. Auf Gut Kalkhof bei Wanfried handeln Brigadegeneral William Thaddeus Sexton und Generalmajor Wassili Askalepow einen Tausch aus: fünf hessische Dörfer — Sickenberg, Asbach, Vatterode, Weidenbach, Hennigerode, 429 Einwohner auf 761 Hektar — gegen Neuseesen und Werleshausen mit 560 Einwohnern auf 845 Hektar. Geräumt wurde bis zum 19. September. Es blieb der einzige förmliche Gebietstausch zwischen Besatzungsmächten in Deutschland und wurde 1990 nicht rückgängig gemacht — weshalb das spätere Grenzmuseum ausgerechnet auf abgetretener Gemarkung steht.

    Quellen: Wanfrieder Abkommen — dewiki Deutsche Digitale Bibliothek, Karte zum Gebietstausch Werra-Rundschau zum Wanfrieder Abkommen

  • 17. September 1945
    Weitere Welt · Grenze

    Wanfrieder Abkommen — eine Bahnlinie zieht eine Grenze

    Am 17. September 1945 vereinbaren Brigadegeneral William T. Sexton und Generalmajor Wassili Askalepow einen Gebietstausch: Die Bahnstrecke Bebra–Göttingen, wichtige US-Nachschublinie, verlief zwischen Bad Sooden-Allendorf und Eichenberg auf vier Kilometern durch die sowjetische Zone. Damit zieht ausgerechnet jene Bahnlinie, die 1876 den Kurort ermöglicht hatte, 69 Jahre später die Grenze zwischen zwei Weltsystemen. Fünf hessische Dörfer mit 429 Einwohnern wechselten zur SBZ, Eichsfelder Dörfer mit 560 Einwohnern zur US-Zone.

    Quellen: Wanfrieder Abkommen — Wikipedia LAGIS Hessen: Wanfrieder Abkommen

  • 1952 und 1961
    Vor Ort · Grenze

    Aktion Ungeziefer, Aktion Kornblume

    1952 wird die Grenze wenige Kilometer vor der Stadt komplett abgeriegelt: 500-Meter-Schutzstreifen, dahinter fünf Kilometer Sperrzone mit Passierscheinpflicht. Im Mai und Juni 1952 siedelt die DDR unter dem Decknamen „Aktion Ungeziefer“ Menschen aus dem Grenzgebiet zwangsweise ins Landesinnere aus, im Oktober 1961 folgt nach dem Mauerbau die „Aktion Kornblume“. Insgesamt traf es 11.000 bis 12.000 Menschen; sechs Suizide sind als Folge bestätigt, rund 3.000 entzogen sich durch Flucht in den Westen. In der direkten Nachbarschaft wurden aus Asbach-Sickenberg 1952 drei Familien vertrieben und 1961 eine weitere; auch Lindewerra war betroffen.

    Quellen: Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze — dewiki Schifflersgrund — dewiki Stadt Bad Sooden-Allendorf, Geschichte

Zur Datierung der Salzbibel selbst

Die Zeitschiene setzt das Werk auf 1567/68 bis 1585 mit Reinschrift 1586. Das ist eine Vereinfachung, und die Handschrift selbst widerspricht sich: Der Zettel auf Blatt 1 des dritten Bandes sagt 1568 angefangen, 1574 fertig; der Auftrag datiert vom 24. Februar 1567; die jüngste Urkunde im Werk stammt vom 3. Mai 1586; Rhenanus starb am 29. April 1589. Am ehesten trifft alles zu: 1574 war die Sammlung abgeschlossen, danach wurde ins Reine geschrieben und weiter nachgetragen. Wer eine Jahresangabe braucht, fährt am besten mit „1567–1586, fortgeschrieben“ — so steht es auf der Seite Editionsgrundsätze.

Korrekturen und Ergänzungen zu dieser Seite nimmt das Feedbackformular entgegen; Näheres zur Arbeitsweise steht auf der Seite Editionsgrundsätze.

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