Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Bildersturm
Kirche & ReligionAuch: Bildersturm, Ikonoklasmus, Bilderabtuung
Entfernung oder Zerstörung von Bildern und Figuren aus Kirchen aus theologischen Gründen.
Ausführlich
Der Bildersturm folgt aus dem reformierten Verständnis des Bilderverbots: Was zur Anbetung verleiten könnte, hat im Kirchenraum nichts zu suchen. Die Durchführung reichte von geordneter obrigkeitlicher Räumung bis zu spontaner Zerstörung — beides wird unter demselben Wort zusammengefasst, obwohl es sehr verschiedene Vorgänge sind. Kunsthistorisch ist der Verlust enorm; für die Ortsgeschichte ist der Bildersturm oft der einzige Moment, in dem die alte Ausstattung überhaupt erwähnt wird.
Siehe auch: Verbesserungspunkte, Calvinismus, Epitaph, Hallenkirche
Quelle: www.ev-kirche-bsa.de
Calvinismus
Kirche & ReligionAuch: reformiertes Bekenntnis, reformiert, Calvinismus, Kryptocalvinismus (polemisch)
Die auf Calvin zurückgehende reformierte Konfession; in Hessen-Kassel ab 1605 Staatsbekenntnis.
Ausführlich
Reformierte unterscheiden sich von Lutheranern vor allem im Abendmahlsverständnis, in der strikten Ablehnung von Bildern im Kirchenraum und in der presbyterialen Gemeindeordnung. Für eine Gemeinde bedeutete der Wechsel deshalb nicht nur eine andere Lehre, sondern einen sichtbar veränderten Kirchenraum: Altäre, Bilder und Figuren verschwanden. Der Begriff „Calvinismus“ war zeitgenössisch oft polemisch gemeint; die Selbstbezeichnung lautet „reformiert“.
Siehe auch: Verbesserungspunkte, Bildersturm, Reformation
Quelle: de.wikipedia.org
Epitaph
Kirche & ReligionAuch: Epitaph, Epitaphium, Gedächtnismal, Grabdenkmal
Gedenktafel oder Denkmal für einen Verstorbenen an Kirchenwand oder Pfeiler — nicht identisch mit dem Grabstein.
Ausführlich
Ein Epitaph steht nicht über dem Grab, sondern erinnert an anderer Stelle an den Toten; Begräbnisort und Gedenkort fallen bewusst auseinander. Frühneuzeitliche Epitaphien sind kunstvoll gestaltet, mit Wappen, Inschrift und oft dem Bildnis des Verstorbenen samt Familie. Für die Ortsgeschichte sind sie erstklassige Quellen: Sie nennen Namen, Ämter, Daten und Verwandtschaften der lokalen Oberschicht — häufig die einzigen erhaltenen Angaben, wenn das Stadtarchiv verbrannt ist.
Siehe auch: Hallenkirche, Pfarrherr, Bildersturm
Quelle: sakral.heimatkunde-bsa.de
Hallenkirche
Kirche & ReligionAuch: Hallenkirche, Halle, zweischiffige Halle
Kirchenbau, dessen Seitenschiffe etwa gleich hoch sind wie das Mittelschiff — ein weiter, heller Einheitsraum.
Ausführlich
Anders als bei der Basilika gibt es bei der Hallenkirche keinen Obergaden: Alle Schiffe sind annähernd gleich hoch und werden von einem gemeinsamen Dach überspannt. Das Licht kommt von den Seiten, der Raum wirkt weit statt gerichtet. Die Bauform ist typisch für die Gotik in Mittel- und Norddeutschland und für selbstbewusste Bürgerstädte — sie bietet viel Platz für die Predigtgemeinde und war zugleich wirtschaftlicher zu bauen.
Siehe auch: Epitaph, Bildersturm, Pfarrherr
Quelle: www.lagis-hessen.de
Lateinschule
Kirche & ReligionAuch: Lateinschule, Stadtschule, Gelehrtenschule, Trivialschule
Höhere Stadtschule mit Latein als Unterrichts- und Bildungsziel; Vorstufe zum Universitätsstudium.
Ausführlich
Die Lateinschule vermittelte Grammatik, Rhetorik und die antiken Autoren — die Eintrittskarte in Kirche, Verwaltung und Universität. Sie war meist an die Hauptkirche gebunden, der Rektor häufig ein Theologe, die Bibliothek im Kirchturm oder in der Sakristei untergebracht. Für eine Handelsstadt war eine solche Schule Standortpolitik: Sie hielt Söhne der Oberschicht im Ort und qualifizierte den Nachwuchs für Ämter.
Siehe auch: Reformation, Pfarrherr, Hallenkirche
Quelle: www.ev-kirche-bsa.de
Pfarrherr
Kirche & ReligionAuch: Pfarrherr, Pfarrer, Plebanus, Kirchherr
Inhaber einer Pfarrstelle mit den zugehörigen Einkünften und Rechten — mehr Amtsträger als bloßer Seelsorger.
Ausführlich
Die Pfarrei ist eine Pfründe: Zu ihr gehören Land, Zehnt und Gebühren, aus denen der Pfarrer lebt. Wer sie besetzen darf, hat das Patronatsrecht — ein Landesherr, ein Kloster oder eine Stadt. Der Pfarrherr war deshalb immer auch eine lokale Machtfigur, die Bildung, Armenfürsorge und Schule mitverantwortete. Kritik von der Kanzel war entsprechend politisch brisant.
Siehe auch: Lateinschule, Reformation, Salzgraf
Quelle: www.deutsche-biographie.de
Reformation
Kirche & ReligionAuch: Reformation, Kirchenreformation, evangelische Bewegung
Die von Luther ausgelöste Kirchenspaltung des 16. Jahrhunderts; in Hessen früh und landesherrlich durchgesetzt.
Ausführlich
Hessen gehört zu den Vorreitern: Landgraf Philipp führte die Reformation nach der Homberger Synode 1526 ein und zog ab 1525 die Klostergüter ein — rund 84 Prozent, davon etwa 40 Prozent für militärische Ausgaben. Reformation ist hier also nie nur Glaubenssache, sondern zugleich eine der größten Vermögensumschichtungen der Epoche. Sie schuf die Ressourcen, aus denen später auch Schulen, Universität und Landesverwaltung finanziert wurden.
Siehe auch: Verbesserungspunkte, Calvinismus, Bildersturm, Lateinschule
Quelle: de.wikipedia.org
Terminei
Kirche & ReligionAuch: Terminei, Termine, Terminierhaus
Sammelbezirk eines Bettelordens mit einer Niederlassung, von der aus die Brüder auf Almosensammlung zogen.
Ausführlich
Bettelorden besaßen kein Grundeigentum im großen Stil, sondern lebten vom Almosen. Dafür teilten sie das Land in Bezirke — Terminen — auf, in denen jeweils ein Konvent sammelte. Die Terminei ist der Stützpunkt vor Ort: ein Haus, oft mit Kapelle, aber kein vollwertiges Kloster. Ihr Vorhandensein zeigt, dass ein Ort wirtschaftlich attraktiv genug war, um regelmäßiges Sammeln zu lohnen.
Siehe auch: Pfarrherr, Hallenkirche
Quelle: www.lagis-hessen.de
Verbesserungspunkte
Kirche & ReligionAuch: Verbesserungspunkte, „Zweite Reformation“, Puncta Emendationis
Die Reformdekrete Landgraf Moritz' von 1605, mit denen er das reformierte Bekenntnis in Hessen-Kassel durchsetzte.
Ausführlich
Moritz „der Gelehrte“ trat 1605 zum Calvinismus über und erzwang den Konfessionswechsel in seinem Territorium über die sogenannten Verbesserungspunkte — „verbessert“ im Sinne von: die Reformation zu Ende geführt. Praktisch bedeutete das Entfernung der Bilder aus den Kirchen, ein reformiertes Abendmahlsverständnis und eine geänderte Zählung der Zehn Gebote. Rechtlich war das heikel, denn der Augsburger Religionsfriede von 1555 kannte nur Katholiken und Lutheraner; reformierte Kirchen hatten keinen gesicherten Status. Moritz verlor darüber das Vertrauen der Landstände und dankte 1627 ab.
Siehe auch: Calvinismus, Bildersturm, Reformation, Landgraf
Quelle: de.wikipedia.org
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
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