Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Aktion Kornblume
Grenze & TeilungAuch: Aktion Kornblume, Aktion Festigung, Aktion Neues Leben
Zweite Welle von Zwangsaussiedlungen im Oktober 1961, nach dem Mauerbau.
Ausführlich
Nach dem 13. August 1961 folgte die Abriegelung der Landgrenze. Erneut wurden Familien aus dem Grenzgebiet zwangsweise ins Landesinnere umgesiedelt, regional unter wechselnden Decknamen — „Aktion Festigung“, „Aktion Neues Leben“, „Aktion Kornblume“. Die Betroffenen verloren Haus, Hof und soziales Umfeld; eine Entschädigung gab es nicht, eine öffentliche Aufarbeitung erst nach 1990. Die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt den Vorgang treffend „den totgeschwiegenen Terror“.
Siehe auch: Aktion Ungeziefer, Sperrgebiet, Innerdeutsche Grenze
Quelle: www.pointalpha.com
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Aktion Ungeziefer
Grenze & TeilungAuch: Aktion Ungeziefer, „Aktion X“, Zwangsaussiedlung 1952
Zwangsaussiedlung von Grenzbewohnern durch die DDR im Mai/Juni 1952 — der Deckname stammt aus internen Akten.
Ausführlich
Wer im Sperrgebiet als „politisch unzuverlässig“ galt, wurde binnen Stunden ins Landesinnere verbracht: Westkontakte, Kirchgang, frühere NSDAP-Mitgliedschaft, nicht erfülltes Ablieferungssoll oder offene Kritik genügten, die Auswahl war oft willkürlich. Der thüringische Innenminister sprach in interner Korrespondenz von der „Beseitigung des Ungeziefers“ — daher der Name, den die Forschung übernommen hat. Es ist die entmenschlichende Sprache selbst, die den Vorgang dokumentiert.
Siehe auch: Aktion Kornblume, Sperrgebiet, Innerdeutsche Grenze
Quelle: dewiki.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Grünes Band
Grenze & TeilungAuch: Grünes Band, Grünes Band Deutschland, European Green Belt
Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze — aus dem Todesstreifen wurde ein Naturschutzkorridor.
Ausführlich
Weil der Grenzstreifen vier Jahrzehnte lang weder bebaut noch intensiv bewirtschaftet wurde, überdauerten dort Lebensräume, die anderswo längst verschwunden waren: Magerrasen, Feuchtwiesen, Streuobst, Altgrasfluren. Nach 1989 sicherten Naturschützer die Trasse als durchgehenden Korridor von der Ostsee bis Bayern. Das Grüne Band ist damit ein doppeltes Denkmal — für die Opfer der Teilung und für einen unbeabsichtigten ökologischen Nebeneffekt.
Siehe auch: Kolonnenweg, Schutzstreifen, Halophyten
Quelle: de.wikipedia.org
Innerdeutsche Grenze
Grenze & TeilungAuch: innerdeutsche Grenze, Zonengrenze, Demarkationslinie, „Grenze“ (DDR-amtlich: Staatsgrenze West)
Die 1.393 km lange Grenze zwischen Bundesrepublik und DDR, ab 1952 zur Sperranlage ausgebaut.
Ausführlich
Was 1945 als Verwaltungslinie zwischen Besatzungszonen begann, wurde ab 1952 zu einem gestaffelten Sperrsystem: Sperrgebiet, Schutzstreifen, Kontrollstreifen, Signalzaun, Minen und Selbstschussanlagen — gerichtet nicht gegen einen äußeren Feind, sondern gegen die eigene Bevölkerung. Die Grenze zerschnitt gewachsene Wirtschafts-, Verwandtschafts- und Kirchenräume. Für die Werra-Region bedeutete das: Aus einer Mitte wurde ein Rand.
Siehe auch: Zonengrenze, Sperrgebiet, Schutzstreifen, Kolonnenweg, Grünes Band
Quelle: de.wikipedia.org
Kolonnenweg
Grenze & TeilungAuch: Kolonnenweg, Lochplattenweg, Plattenweg, Postenweg
Betonplattenweg entlang der DDR-Grenzanlagen für Patrouillenfahrzeuge — heute Wander- und Radweg.
Ausführlich
Der Kolonnenweg bestand aus perforierten Betonplatten, die zugleich befestigten und Bewuchs durchließen — im Volksmund „Lochplattenweg“. Er verlief über hunderte Kilometer parallel zur Grenze und diente den Grenztruppen zur schnellen Verlegung. Nach 1989 wurde er zum Rückgrat des Grünen Bandes: Dieselbe Trasse, die der Bewachung diente, erschließt heute ein Naturschutz- und Erinnerungsprojekt. Wenige Objekte tragen den Bedeutungswandel so sichtbar in sich.
Siehe auch: Grünes Band, Schutzstreifen, Innerdeutsche Grenze
Quelle: de.wikipedia.org
Schutzstreifen
Grenze & TeilungAuch: Schutzstreifen, 500-m-Streifen, angrenzend: Kontrollstreifen, „Todesstreifen“
Bis zu 500 m breiter, bewachter Streifen unmittelbar an der Grenze — Betreten grundsätzlich verboten.
Ausführlich
Der Schutzstreifen war die innere Staffel des Sperrsystems, 1952 angelegt und mit Stacheldraht gesichert: von Kettenhunden bewacht, nachts beleuchtet, für Unbefugte gesperrt. Der Name ist bezeichnend zynisch — geschützt wurde nicht die Bevölkerung, sondern die Grenze vor der Bevölkerung. Direkt daran schloss der etwa 10 m breite gepflügte Kontrollstreifen an, in dem jede Fußspur sichtbar wurde und auf den geschossen werden durfte.
Siehe auch: Sperrgebiet, Kolonnenweg, Innerdeutsche Grenze
Quelle: de.wikipedia.org
Sperrgebiet
Grenze & TeilungAuch: Sperrgebiet, 5-km-Sperrzone, Sperrzone
Etwa 5 km breite Zone entlang der DDR-Grenze, die nur mit Passierschein betreten werden durfte.
Ausführlich
Mit der Verordnung vom 26. Mai 1952 riegelte die DDR einen rund fünf Kilometer breiten Streifen ab. Wer dort wohnte, brauchte einen Stempel im Personalausweis; wer zu Besuch wollte, einen Passierschein. Als „politisch unzuverlässig“ geltende Bewohner wurden ausgewiesen. Das Sperrgebiet veränderte den Alltag total: Es entwertete Grundstücke, unterbrach Wege zur Arbeit, zur Kirche, zur Verwandtschaft — und machte jeden Bewohner zum potenziellen Sicherheitsrisiko in den Augen des Staates.
Siehe auch: Schutzstreifen, Aktion Ungeziefer, Innerdeutsche Grenze
Quelle: de.wikipedia.org
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Wanfrieder Abkommen
Grenze & TeilungAuch: Wanfrieder Abkommen, Wanfrieder Vertrag, „Whisky-Wodka-Abkommen“ (populär)
Gebietstausch zwischen US- und sowjetischer Besatzungsmacht vom 17. September 1945 — wegen einer Eisenbahnlinie.
Ausführlich
Die Bahnstrecke Bebra–Göttingen, zentrale amerikanische Nachschubader, verlief auf einem Abschnitt über sowjetisch besetztes Gebiet. Die Lösung war ein Tausch: Die USA erhielten den Bahnkorridor, die Sowjetunion dafür fünf hessische Dörfer. Das Abkommen ist der einzige förmliche Gebietstauschvertrag zwischen den Besatzungsmächten in Deutschland geblieben — und ein seltener Fall, in dem sich eine Grenze auf den Meter genau aus einem infrastrukturellen Sachzwang erklärt.
Siehe auch: Zonengrenze, Innerdeutsche Grenze, Gemarkung
Quelle: dewiki.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Zonengrenze
Grenze & TeilungAuch: Zonengrenze, Demarkationslinie, „die Zone“ (umgangssprachlich für die DDR)
Ältere Bezeichnung für die innerdeutsche Grenze, abgeleitet von den Besatzungszonen ab 1945.
Ausführlich
„Zonengrenze“ ist der westdeutsche Alltagsbegriff der frühen Jahrzehnte und verrät seine Herkunft: Er stammt aus der Zeit, als die Trennung noch als Provisorium der Besatzung galt, nicht als Staatsgrenze. Genau deshalb hielt sich das Wort so lange — es verweigerte der Teilung sprachlich die Endgültigkeit. Verwandte Wortbildungen wie „Zonenrandgebiet“ und „Zonenrandförderung“ blieben sogar bis ins 21. Jahrhundert amtlich.
Siehe auch: Innerdeutsche Grenze, Zonenrandgebiet, Wanfrieder Abkommen
Quelle: dewiki.de
Zonenrandförderung
Grenze & TeilungAuch: Zonenrandförderung, ZRFG, Zonenrandförderungsgesetz
Steuerliche und investive Förderung für das Zonenrandgebiet, gesetzlich geregelt ab 1971, aufgehoben 2006.
unsicher Die Definition ließ sich nicht belastbar sichern.
Ausführlich
Rechtsgrundlage war das Zonenrandförderungsgesetz von 1971; die begünstigten Gemeinden standen namentlich im Gesetzesanhang. Die Instrumente waren Steuererleichterungen, Sonderabschreibungen und Investitionszulagen. Die Bilanz ist ernüchternd: Vor 1989 stagnierte das Grenzgebiet trotz Förderung. Nach 1990 profitierten die Regionen kurz vom Vereinigungsboom — dann kippte es, weil die Aufbau-Ost-Programme die Förderung auf die andere Seite der alten Grenze verlagerten. Das Gesetz wurde zum 25. April 2006 aufgehoben.
Siehe auch: Zonenrandgebiet, Innerdeutsche Grenze
Quelle: www.buzer.de
Zonenrandgebiet
Grenze & TeilungAuch: Zonenrandgebiet, Zonenrand, Grenzland
Etwa 40 km breiter Streifen westlich der innerdeutschen Grenze mit besonderem Förderstatus.
Ausführlich
Das Zonenrandgebiet reichte von der Ostsee bis zur österreichischen Grenze und umfasste Regionen, die durch die Teilung von ihren natürlichen Märkten und Verkehrswegen abgeschnitten waren. Was vorher Mitte war, wurde Sackgasse: Straßen endeten, Bahnstrecken brachen ab, Einzugsgebiete halbierten sich. Der Status war deshalb weniger Auszeichnung als Diagnose — er benannte einen strukturellen Nachteil, den man mit Geld auszugleichen versuchte.
Siehe auch: Zonenrandförderung, Zonengrenze, Innerdeutsche Grenze
Quelle: dewiki.de
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
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