Zum Inhalt
salzbibel.deForschungsprojekt
Darstellung
Darstellung
Schriftgröße
Zeilenabstand
Farben
Kontrast
Bewegung
Schriftart

Alle Einstellungen mit Erläuterung

Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

Die Salzbibel in der Reihenfolge der Handschrift, Seite für Seite: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassungen und redaktionelle Anmerkungen. Jede Ansicht und jeder der dreizehn Abschnitte lässt sich an- und abschalten; weitere Filter grenzen auf Seiten mit Abbildungen, Tabellen, Randvermerken oder unsicheren Lesungen, auf einen Band, einen Seitenbereich oder ein Suchwort ein. Der Zustand steht in der Adresszeile.

Wortlaut und Übersetzung werden unverändert ausgegeben; Ziffern im Wortlaut verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite. Den Gesamtbestand durchsucht die Suche, die Gliederung erklärt Aufbau des Werks.

Ansicht
Abschnitt
Weitere Filter
Nur mit
Band
Eingrenzen
zurücksetzen

2.093 von 2.240 Einträgen

zurücksetzen

V · 5. Buch · Band 2 · Fortsetzung

Der Brunnenbau

Das fünfte Buch · 456 Seiten · Aufbau des Werks

HandschriftS. 58 Bl. 27v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 58

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… verbleiben; jedoch sollen die Pfänner Holz, Seile, Taglohn und was sonst dazu nötig ist, vorstrecken; dafür sollen die Pfänner dem obengenannten Meister Curt 230 Gulden geben, dazu zwei Gulden Trinkgeld, zwei Malter Korn und ein Schwein im Wert von zwei Gulden und einem Ort (Viertelgulden).

2

Und derselbe Meister Curt gelobte und bekräftigte mit seinem Eid, den Pfännern treu und gewogen zu sein und die Pfänner ohne Gefährde und Arglist zu schützen.

3

Zur Beurkundung dessen sind von diesem Zettel zwei gleichlautende Ausfertigungen auseinandergeschnitten worden (Kerbzettel), eine für die Pfänner und die andere für Meister Curt, damit sich beide Seiten danach zu richten wissen.

4

Vom Zurüsten (Vorbereiten) des Baues – Viertes Kapitel.

5

Danach, im folgenden Jahr 1490, ließen die Pfänner auf den Rat des Meisters Holz fällen und vor die Böden (Siedehäuser) auf der Boderwiese fahren, so viel dem Meister … dünkteLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. verandelagenn — Lesung unsicher; wohl 'vorstrecken/aufbringen' (verlegen), Wortform unklar
  2. tranckgelde — nck-Ligatur schwer lesbar, aus dem Kontext 'Trinkgeld'
  3. behelttet — Wort mit Zierstrich durch tt; Lesung unsicher, Sinn: 'mit dem Eid bekräftigt/beschworen'
  4. Zureytenn — auch 'Zubereyten' denkbar; Sinn: Zurichten/Vorbereiten

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 59 Bl. 28r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 59

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… nötig sein dünkte; und sie schickten nach Zimmerleuten zur Arbeit, die bis Ostern beständig gearbeitet und das meisterliche Gezeug (Gerät) bereitet haben.

2

Das erste war ein Rad, mit dem man die Sole aus dem Brunnen gewinnen sollte, um weiter zu sieden, während man an dem Brunnen bauen würde.

3

Dasselbe Rad hatte zuerst sieben Eimer; danach ließ man eine andere Kette machen, an der vierzehn Eimer hingen.

4

Die Eimer waren geformt wie die Schöpfeimer, unten weit und oben eng, und jeder Eimer war sieben Viertel einer Elle lang.

5

Und unten am Boden hatte der Eimer ein rundes Loch wie ein Blasebalg, und vorn inwendig einen Windfang; davor war ein mit Blei beschwertes Leder (als Ventilklappe) gefasst.

6

Auch von oben herab, eine gute Spanne lang, war ein rundes Loch, einfach offen, ohne Windfang, damit sich die Eimer nicht zu voll füllten und, ohne viel zu vergießen, sich das Wasser bequem ausgoss.

7

Und die Eimer hingen alle miteinander an einer Kette; die hing oben über der Welle des Rades, und unten im Brunnen lief sie …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. kethen machtenn — Lesung 'machtenn' statt erwartetem 'machenn' unsicher; 'einen anndern kethen' so in der Vorlage
  2. ann viel vergiessenn — Wortlaut unsicher; Sinn: ohne viel zu vergießen
  3. leder — auch 'feder' lesbar; technisch ist eine bleibeschwerte Lederklappe (Ventil) gemeint

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 60 Bl. 28v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 60

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… um eine runde dicke Walze, wie eine Tonne; dieselbe Walze war im Brunnen von beiden Seiten gefasst, zwischen zwei breiten Leiterbäumen, und lief mit der Kette um.

2

Das andere Gerät war ein grober runder Teller mit einem Scheibenstiel und mit zwei Kränen (Handhaben), womit man den Ton, den Dreck und den Schutt, der um den Brunnen war, mit großen Zubern ausschöpfen (ösen) sollte.

3

Diese Zuber waren am Boden mit eisernen Kloben und Klappen so gemacht, nach der Art, wie die Eselskörbe gemacht sind, in denen man den Mist hinausführt.

4

Das dritte Gerät war eine Schneidemühle (Sägemühle), die der Meister gegenüber dem Zelgenhaus bei Gunterams Hof setzte; und er leitete die Werra von oben in der Aue herab auf die Schneidemühle.

5

Und er legte ein Wehr neben den Zäunen hinauf bis oberhalb der Höfe, damit er die Werra fasste und im Graben bis auf die Schneidemühle brächte.

6

Und als die Osterwoche vergangen war, be…(gann der Meister – Fortsetzung auf der nächsten Seite)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. scheibenn Stillenn — Lesung unsicher; wohl Scheibe mit Stiel
  2. kranchenn — Lesung unsicher; 'Kranch' wohl = Kran/Handhabe (vgl. Seite 62 'mit seinenn zwenn krannchenn')
  3. kommer — 'Kummer' = Schutt/Unrat; Lesung des Vokals unsicher
  4. klosenn — auch 'klobenn' lesbar; eiserne Kloben/Beschläge gemeint
  5. Zelgennhaus — Ortsbezeichnung nicht sicher; auch 'Telgennhaus' lesbar
  6. Gunterams hobe — Personenname nicht sicher (Guntram?)
  7. Osterweche — wohl 'Osterwoche'; Schreibung unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 61 Bl. 29r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 61

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…(be)gann der Meister die Bohlen und die Bretter zuzuschneiden, mit denen er den Brunnen zu verschalen gedachte.

2

Das Bohlenschneiden währte bis auf St. Johannis Tag (24. Juni), zu Mittsommer.

3

Da brachte der Meister das Gerüstholz auf den Brunnen und begann, den Schwengel und die alten Gerinne aufzubrechen und das neue Gezeug aufzuschlagen.

4

Nämlich zum Ersten hatte der Meister große Kästen aus Dielen gemacht, wohl zusammengefügt und bereitet; von diesen standen zwei beim Brunnen und der dritte im Teich.

5

In diesen Kästen sollte die Sole gefasst und aufbewahrt werden und sodann fortan aus dem Kasten in die Gerinne zu den Böden (Siedehäusern) ausgeleitet werden.

6

Danach richtete der Meister das Rad auf dem Brunnen auf, auf einer Säule; die hatte oben ein Kreuz, und die Säule stand mitten im Brunnen auf dem Kiesgrund.

7

An der Welle des Rades hing die Kette mit den Eimern, die die Sole in die Kästen und in die Bütten hinauftrugen.

8

Auf der anderen Seite des Brunnens, gegen den Berg hin, richtete der Meister den Teller auf …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. in der dritte im Teiche — 'in' wohl verschrieben für 'vnd'; 'Teiche' (Mühlteich?) nicht ganz sicher
  2. vom Telenn — = von Dielen (Bohlen); Schreibung unsicher
  3. Seuchle — Lesung unsicher: 'Seuchle' (Säulchen/Säule) oder 'Deuchle' (Deuchel, Holzrohr); gemeint ist der mittige Ständer des Rades
  4. bötte — Bütten; Zierstrich durch tt, auch als Streichung deutbar

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 62 Bl. 29v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 62

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… mit seinen zwei Kränen (Handhaben).

2

Und während all dieser Arbeit lag man nicht mehr als eine Woche kalt (ohne zu sieden); das war die Woche des Sonntags 'Respice' I – aus der Ursache, dass die Kette, an der die Eimer hingen, dreimal zerbrach.

3

Auch waren zwei Feiertage in derselben Woche, nämlich Peter und Paul (29. Juni) am Dienstag und Unserer Lieben Frauen Tag Visitationis Mariae (2. Juli) am Freitag; dadurch mussten sich die Leute gedulden.

4

Aber in der Woche danach, 'Dominus illuminatio', wurden zweiundvierzig Werke (Siedegänge) gesotten, und so wurde fortan gesotten, dass es an keinem Salz fehlte.

5

Von den Baumeistern – Fünftes Kapitel.

6

Es waren auch aus allen Pfännern acht zu Baumeistern gekoren (gewählt), die damit zusammen mit dem Baumeister Curt den Bau anweisen, bestellen und versorgen sollten.

7

Nämlich: Henrich Hanemann der Ältere, Burckhardt Rueland, Bürgermeister, Henrich Wolfferam, Hans …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. versache halber — wohl für 'vrsache halber' (aus der Ursache); Schreibung der Vorlage
  2. Dominica respice primo — Sonntagsname nach dem Introitus; Lesung 'primo' unsicher
  3. Dominus illuminatio — Sonntagsname nach dem Introitus 'Dominus illuminatio mea' (Ps 27)
  4. gekoren — auch 'geboren' lesbar; dem Sinn nach 'gekoren' (gewählt)
  5. dem Baw meister Curten Weisenn — Syntax unklar: 'mit dem Baumeister Curten (an)weisen' oder 'den Bau Meister Curten weisen'
  6. Ruelandt — Personenname nicht sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 63 Bl. 30r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 63

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… Casselmann, Henrich Lawir, Hans Breule, Henrich Gundelach und ich, der allergeringste und untauglichste Priester Conradus Geyseler.

2

Darüber waren im Besonderen zwei verordnet, nämlich Henrich Hanemann der Jüngere und Henrich Gundelach, jetzt Guth genannt.

3

Jeder von ihnen hatte für seine Arbeit drei Mark zum Lohn, dafür dass sie die Taglöhner und Arbeitsleute einteilten, entlohnten und abrechneten.

4

Und am achten Tag nach Visitationis Mariae (9. Juli) verließ Henrich Gundelach sein Amt, aus dem Grund, dass ihm der Lohn zu klein deuchte.

5

Und so wurde an seiner Statt am Sonntag danach, 'Exaudi' II, Cunradus Culde, der Weinschenk, eingesetzt und erwählt.

6

Vom Aufbrechen des Brunnens – Sechstes Kapitel.

7

Hierauf, am Montag, dem zweiten Tag nach St. Ulrich (4. Juli), brach der Meister die Decke des Brunnens auf, gegen die Anzucht (den Abzugsgraben) bei Lucas Beltzers Hof hin, sodass …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Lawir — Personenname nicht sicher (Lawer/Lauwer?)
  2. aller schlemst, vnnd vnntuegest — Demutsformel Geyselers ('geringster und untauglichster'); Lesung 'schlemst' unsicher
  3. itzundt guth — Beiname oder Zusatz zu Gundelach; Lesung und Bedeutung unsicher
  4. exaudi secundo — Sonntagsname nach dem Introitus 'Exaudi'; Zählung 'secundo' unsicher
  5. Culde — Personenname nicht sicher (Culde/Kulde?)
  6. Beltzers hoff — 'hoff' mit Zierstrich; Name Beltzer nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 64 Bl. 30v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 64

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… ist die erste Abzucht am Gewölbe, und am Sankt-Alexius-Tag [17. Juli] kam man so weit voran, dass die Sole aus dem Brunnen in die Abzucht in das Gewölbe fließen konnte,

2

und es wurde auch an demselben Tag die Sole abgelassen, so dass der Brunnen bei fünfeinhalb Schuh Länge und Tiefe im Brunnen seinen Stand behielt,

3

und so viel Sole, wie die Ader trug, floss in die Abzucht über die Sole, die man mit dem Rad ausschöpfte in die Böden [Siedehäuser] und Basten, um sie zu sieden.

4

Danach, am Sonntag ‚Dominus fortitudo‘, dem Sankt-Arnolfs-Tag [18. Juli], fiel ein Teil des Berges oben herab, auch etwas in den Brunnen.

5

Weil das Werk abgetragen war, bis auf die Höhe des Ausflusses in die Abzucht, wurde dagegen der Berg alsbald ringsum gefasst [abgestützt], zur Vorsicht.

6

Der Meister machte auch das vierte Gezeug, um den Brunnen zu ösen [auszuschöpfen]; das waren Pumpen, in der Absicht, dass er damit die Sole über den Ausfluss mit Gewalt heben und ösen wollte; auch als derLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. bastenn — Lesung unsicher; Gefäßbezeichnung, vielleicht auch 'kastenn' zu lesen
  2. dargegenn — auch 'dartegenn' lesbar

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 65 Bl. 31r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 65

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… Brunnen noch vollständig war, da hatte er zwölf gemeine Fuß Tiefe oder zehn große Fuß.

2

Als er aber bis auf die Höhe der Abzucht abgelassen wurde, behielt er fünfeinhalb Fuß Tiefe.

3

Am Dienstag nach ‚Dominus fortitudo‘, das war der Dienstag vor dem Marien-Magdalenen-Tag [22. Juli], setzte der Meister die Pumpen in den Salzbrunnen, gegen die Abzucht hin, wo der Brunnen den Ausfluss hatte.

4

Vom ersten Ausstoßen [Ausschöpfen] des Brunnens. VII. Kapitel.

5

Am Sonnabend darauf — es war der Sankt-Jakobs-Abend [24. Juli] — hatten die Pfänner alle Sieder zu den Sooden gebeten, an den Pumpen zu arbeiten, um den Brunnen zu ösen und zu säubern, und gaben ihnen insgesamt eine Tonne Bier, Wecken und Käse.

6

Und so wurde vor Mittag der Brunnen ausgeöst, so dass er zwei Fuß tief Sole hatte, und währenddessen und alsbald wurde auch um den Brunnen herum geräumt, anLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. noch volnstenndigk — 'noch' auch als 'nach' lesbar; 'that' wohl für 'hatt'
  2. austossenn — Lesung des Überschriftworts; gemeint ist das Ausschöpfen (Ösen) des Brunnens
  3. zun Sodenn — Präposition schwer lesbar, Sinn: zu den Sooden

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 66 Bl. 31v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 66

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… an etlichen Enden bis auf den Grund, auf den Kies, und man fand Moos gelegt zwischen dem Ton und dem Kies;

2

und die anderen hätten es wohl leiden mögen, dass man die Last der Sole abermals ausöste.

3

Als aber die Sieder das Bier ausgetrunken hatten, verschlich sich einer nach dem anderen von der Arbeit zu den Badestuben, und so gewann der Brunnen wieder die Oberhand,

4

und was vom Volk noch bei der Arbeit blieb, wurde auch bald müde und ließ ab, so dass nach Mittag kein Fleiß mehr auf das Ösen oder Säubern verwendet wurde.

5

Es mochte wohl daran liegen, dass niemand von den obersten Pfännern da war, der zu der Zeit ein Aufsehen [die Aufsicht] hatte, der das Volk angesprochen und zum Ösen ermahnt hätte.

6

Demnach geschah am Mittag doch eine nützliche Arbeit, indem der Meister die neuen [Gezeuge] anfing, mit den vierzehn Eimern.

7

Danach, am Sonntag ‚Omnes gentes‘, der der Sankt-Jakobs-Tag war [25. Juli], wurde angeordnet und bestellt, dass die Sieder sieden sollten, und in derselben WocheLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. kein vleis — 'vleis' (Fleiß) nicht ganz sicher; erster Buchstabe des Zeilenanfangs 'kein' mit Strich, wohl Zierstrich
  2. [gestrichen: bothenn] — Das gestrichene Wort ist unsicher zu lesen (bothenn/bethenn); Strich könnte auch Zierstrich durch th sein, dann wäre 'die newenn bothenn' (die neuen Bütten/Böden) zu halten

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 67 Bl. 32r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 67

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… unternahm es der Meister, noch ein weiteres Ösegezeug in dem Salzbrunnen zu machen,

2

so dass an einer Welle fünf Eimer angebracht waren, in Gestalt von fünf Kästen, von denen ein jeder eine halbe Tonne Wasser trug,

3

und dasselbe Gezeug wurde mit dem Rad umgetrieben, an dem die vierzehn Eimer hingen, so dass dasselbe Ösegezeug erst am Freitag nach ‚Suscepimus‘, dem Tag Sankt Sixti [6. August], fertig wurde.

4

Von der zweiten Ösung [Ausschöpfung] des Brunnens. VIII. Kapitel.

5

Danach, am Montag ‚Ecce Deus‘, der der Vorabend von Sankt Laurentius war [9. August], wurde zum zweiten Mal versucht, den Brunnen mit allem Gezeug zugleich zu ösen,

6

so dass vor Mittag der Brunnen bis auf den Grund gesäubert und ausgeöst wurde, damit der Meister vollkommen über den Grund Bescheid wissen und sein neues Werk danach zu setzen wüsste,

7

und das alte Werk wurde dort vom Grund abgeräumt und heraus…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 68 Bl. 32v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 68

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… gezogen.

2

Man wurde auch dessen gewahr und erfuhr, dass die acht Säulen des alten Werks nicht eingeräumt und auch nicht auf Schwellen gezapft waren,

3

sondern sie waren schlicht auf den harten Kies und Grund des Brunnens gesetzt, und zwischen den acht Säulen dicke eichene Bretter, eins in das andere genutet,

4

so dass ein Brett an beiden Enden zwei Säulen in ihrer Fuge fasst, von unten an bis oben hinaus.

5

Und als der Meister am Mittag das Volk von der Arbeit des Ösens entließ und zum Essen freigab, da gaben die Pfänner dem Volk ein halbes Fass Bier, Wecken und Käse zur Genüge.

6

Es wurde auch alsbald am Brunnen von den Pfännern mit dem Meister beraten und beschlossen, dass man mehr Zimmerleute heranschicken sollte, um die Schwellen mit ihren Säulen bald zuzubereiten, um des guten Wetters willen;

7

das geschah dann auch so und wurde bestellt.

8

Vom Grund des Salzbrunnens. IX. Kapitel.

Unsichere Lesungen

  1. gegrupet — seltenes Wort, wohl 'genutet/eingefalzt'; Lesung des Mittelteils nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 69 Bl. 33r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 69

1

Der Grund des Salzbrunnens ist ein harter Fels [Fluss], Kies und Kieselstein, und keinerlei Schlamm oder Moder.

2

Er ist auch im Boden eben; man kann auch keine Höhle oder kein Loch bemerken, aus dem die Ader entspringt, sondern die Sole dringt durch den harten Kiesel heraus gleich wie Wasser durch ein Sieb.

3

Die Sole quillt auch nicht auf wie ein Quellbrunnen, sondern die Sole gibt sich durch den Kiesel aufwärts, der Luft entgegen, und steigt nach ihrer Kraft,

4

und es ist nicht zu wähnen, dass die Sole aus dem Meer komme; vielmehr ist zu glauben, dass der Kiesel in seinem Grund von Natur aus Salzwasser trägt,

5

und so gut, wie der Grund von Natur aus Salzwasser trägt und gibt, so gut ist auch die Sole, und man kann die Sole über ihre Natur hinaus nicht besser machen;

6

aber man kann wohl dem wilden Wasser und anderen Gebrechen wehren, damit die Sole in ihrer Natur nicht geschwächt und gemindert wird.

7

Käme die Sole aus dem Meer, so müsste sie sich ja hindurchdrängen durch dazwischenliegenden Stein und Erdreich, und solcheLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. gesöhre — Wort unsicher gelesen; gemeint wohl schlammige Ablagerung ('Gesöhr/Sohr')
  2. wermelt — Verb unsicher; Sinn: quillt/sprudelt auf

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 70 Bl. 33v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 70

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…durchdringung macht Salzwasser süß, so wie es auf der Seefahrt die Schiffsleute machen: Wenn sie kein Süßwasser haben, um damit auf den Schiffen zu kochen, dann werfen sie eine leere, zugespundete Tonne, an einer Leine an das Schiff gebunden, in die gesalzene See oder das Meer;

2

so dringt das Nasse in die leere Tonne ein, und so entsteht durch das Durchdringen in der Tonne süßes Wasser, das die Schiffsleute zum Kochen und Trinken gebrauchen können.

3

Vermag nun die Durchdringung durch ein Brett an einer Tonne so viel, dass selbst Salzwasser des Meeres zu süßem Wasser wird, um wie viel mehr geschähe das, wenn das Meer von ferne bis hierher durch große Berge, Steine und Erdreich quellen und durchdringen sollte.

4

Darum schreibt man solches billig und pflichtgemäß der großen, besonderen Gnade Gottes zu, dass die Natur in dieser Gegend durch Gries, Geschiebe und Kiesel hindurch dem Grund Salzwasser bringt und zuträgt; und wir wollen dafür auch allezeit Gott danksagen.

5

Es wurde auch offenkundig festgestellt und in Augenschein genommen, …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zu der Seewerth — Lesung 'Seewerth' (= Seefahrt) nicht ganz sicher
  2. mögenn — in der Handschrift mit Kürzungsschleife 'mögl:' geschrieben; Endung -enn aufgelöst (ebenso 'durchtringenn' Zeile 14)
  3. griesses flus vnnd Kiesseling — Lesung und Deutung (Gries, Geschiebe, Kiesel) unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 71 Bl. 34r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 71

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…dass an der Seite, die gegen Mittag, nach Südosten, sieht, eine beachtliche Ader entspringt und durch das Geschiebe und den Kiesel hell und klar im Brunnen hervordringt;

2

und als man diese Ader kostete, hielt man sie dem Geschmack nach für die schärfste Sole, verglichen mit der übrigen Sole im Brunnen, wenn sie sich darin sammelt.

3

Am Dienstag nach 'Ecce Deus', dem Sankt-Laurentius-Tag, richteten die Baumeister gegen Abend eine Kollation (einen Festschmaus) aus, mit Wein und Einbecker Bier und guter Kost, für den Meister Kurt Wardtorff, seine Hausfrau und die Zimmerleute,

4

und luden dazu, ihm zu Ehren, die Salzgräfen, die Warte und etliche aus den Pfännern ein, damit der Meister desto gütiger und williger wäre.

5

Vom Häuslein und den Schwellen des Werks. Zehntes Kapitel.

6

Am anderen Tag darauf, dem Mittwoch, Sankt Tiburtius' Tag, begannen die Zimmerleute an den Schwellen und Säulen zu arbeiten, mit denen der Meister im …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Churte Wardtorfft — Name des Meisters unsicher gelesen; Zierstrich durch die Endung erschwert die Lesung
  2. Warthenn — Amt/Personengruppe 'Warthen' nicht sicher gedeutet
  3. Hausleine — Lesung (Häuslein?) nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 72 Bl. 34v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 72

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…Brunnen sein Werk einsetzen wollte, und zwar so, dass er die Schwellen dem Boden entsprechend in ein Achteck brachte, mit acht darin eingezapften Säulen.

2

Und überall dort, wo eine der acht Ecken wechselt und zusammenstößt, ist darauf ein dickes Eichenholz mit vier hölzernen Nägeln aufgenagelt; vier davon sind stark eingetrieben, und die anderen vier schräg(?) vorgebohrt und eingeschlagen.

3

Oben in jedes Holz ist ein Zapfloch gemacht, in dem die Säule steht und eingezapft ist; und die acht Säulen sind oben ebenfalls in einen großen, mächtigen Reif eingezapft, und mit dem Reif sind alle acht Säulen zusammengeschlossen.

4

Und die Säulen reichen vom Grund des Brunnens bis nach oben hinaus, weniger vier Fuß Länge.

5

Auch auf halber Höhe sind die Säulen durchlöchert, jeweils vier oder viereinhalb Fuß ein Loch vom anderen entfernt, und darin sind starke Knebel oder Pflöcke eingeschlagen; auf ihnen ruhen die Reife, mit denen das Werk gefasst und gebunden ist.

6

Am Donnerstag darauf, dem Tag der heiligen Klara, brach der Meister im Brunnen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. scheib Jngeboret — Lesung 'scheib' unsicher (schräg? mittels Scheiben?)
  2. rugenn — Lesung unsicher; wohl 'ruhen'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 73 Bl. 35r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 73

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…die Pumpen und alles andere Ziehgezeug wieder ab und brachte es aus dem Brunnen heraus, sodass es schien, als wolle er den Brunnen nicht mehr ausschöpfen;

2

Vielmehr wollte er, nachdem er den Grund besichtigt hatte und sein Werk fertig geworden war, die Schwellen mit den Säulen auf dem Wasser zusammenfügen, sie so auf den Grund absenken und danach auch das Werk im Wasser hineinsetzen.

3

Am Sonnabend darauf, dem Vorabend Unserer Lieben Frau Himmelfahrt, und auch am Montag danach ließ der Meister die Schwellen, Säulen und Reife, und was zum Werk gehörte, zum Brunnen führen.

4

Desgleichen brachte er dort am Montag nach Mariä Himmelfahrt, oder nach 'Dum clamarem', die Schwellen in den Brunnen und zapfte die Säulen darin ein, auf dem Wasser, das heißt der Sole des Brunnens.

5

Und am Dienstag, der Oktav des Laurentius, senkte er die Schwellen mit den acht Säulen auf den Grund und schloss die Säulen oben mit dem Reif oder den Latten zusammen.

6

Am Mittwoch darauf brachte er die Setzbretter zwischen die Säulen auf die Pflöcke …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Zihegezeugk — Lesung unsicher; wohl 'Ziehgezeug' (Hebezeug)
  2. üsenn — Lesung unsicher; wohl 'ösen/üsen' = ausschöpfen
  3. Deum Clamarem — wohl der Introitus 'Dum clamarem' gemeint
  4. Setzbreitte — Lesung unsicher; wohl 'Setzbretter'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 74 Bl. 35v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 74

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…oder er verknebelte und fasste die Säulen wieder ein, wo ihm das nötig erschien.

2

Am Donnerstag darauf um die Vesperstunde begann der Meister, die Bohlen in den Brunnen hinabzulassen und einzusetzen; die Arbeit währte bis zum Montag nach 'Deus in loco', dem Vorabend von Sankt Bartholomäus.

3

Da stand das Werk fertig, gesetzt und bereit, mit all seinen Bohlen und Reifen innen und außen — abgesehen vom Gedämme und von den obersten Reifen, die oben auf dem Werk noch angebracht werden sollten.

4

Vom Gedämme unmittelbar am Werk. Elftes Kapitel.

5

Man fand auch bei dem alten Werk im Grund ein gutes, festes Gedämme aus guten, festen Eichenbohlen, viereckig gemacht, nahezu zwei oder zweieinhalb Fuß vom Werk entfernt, worüber man sehr erfreut war.

6

Es wurde auch weiter besser befestigt, mit Riegeln und Bändern, damit es den Berg unten mit Gewalt zurückhalten konnte; und dasselbe …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zweyenn — Zahlwort unsicher gelesen (zwei)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 75 Bl. 36r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 75

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…Gedämme war anderthalb Mann hoch aufwärts und von guter Tiefe in den Grund gerammt, und es blieb unversehrt stehen.

2

Bei dem neuen Werk und dem Gedämme wurde der Grund mit Moos und mit Ton gefüllt, hart zusammengestoßen und festgetreten und aufs allerfesteste gedämmt.

3

Auch unterdessen, während man so dämmte, arbeitete der Meister mit den Zimmerleuten an den Abzüchten (Wasserabzügen), räumte von oben her zu, fasste den Berg ein und erneuerte den Umgang, mit den Lichtlöchern oder Abzüchten.

4

Vom Werk des Brunnens. Zwölftes Kapitel.

5

Das Werk hatte acht Reife, in die hinein und in deren Mitte die Bohlen oder Dauben gebunden und gefasst sind.

6

Der eine Reif, der engste, sollte gänzlich innen auf den Grund gelegt werden, ebenso wie die Schwellen; er blieb drei Fuß hoch aufwärts stehen, und so wurde es, als er eingesenkt wurde, für das Beste befunden.

7

Der zweite Reif, der …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. allen hanndt — Lesung/Deutung unsicher (allenthalben? unterdessen?)
  2. darein vnnd mittell — Wortlaut unsicher
  3. einer — letztes Wort der Seite unsicher; Satz läuft auf der Folgeseite weiter

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 76 Bl. 36v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 76

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteeine Hand breit weiter ist; der ist auf die Schwellen gelegt, und zwischen den zwölf Reifen sind die Bohlen unten in den Grund gesetzt und einen halben Fuß tief in den Grund eingerammt;

2

danach sind die anderen fünf Reifen aufwärts getrieben, je einer vier oder viereinhalb Fuß über dem anderen, und liegen auf den Pflöcken, die in die acht Säulen eingearbeitet sind; und der achte Reif beschließt oben die Säulen;

3

und so steht das Werk unten eng und oben weit, mit acht Säulen und Schwellen befestigt, sodass es weder nach oben ausweichen noch nach innen treten kann — wegen der zwei Reifen, die von innen an die Bohlen eingestückt sind;

4

Auch ist dieses Werk im Grund zwei Fuß weiter, als das alte Werk war, und oben vier Fuß weiter — wie es auch für das Werk vorgesehen war. So werden die Reifen oben einer auf den anderen gelegt und das Werk so erhöht.

5

Von dem Abgang (Überlauf) des Borns undLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Bolenn — Anfangsbuchstabe B/S mehrdeutig; auch 'Solenn' (Säulen) denkbar, 'Bolenn' (Bohlen) passt zum Kontext der Brunnenverschalung
  2. Pflockenn — Lesung des Wortanfangs (Pfl-) nicht ganz sicher; gemeint sind Halterungen in den acht Säulen
  3. vf das werck geweist was — Lesung 'geweist' unsicher, Sinn der Wendung unklar; Übersetzung sinngemäß ('vorgesehen')

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 77 Bl. 37r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 77

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteund seinem Höchststand. Das 13. Kapitel.

2

Der Meister gab den Rat, dass man dem Born einen Abgang (Überlauf) mache, wenn er auf seinem höchsten Stand wäre, damit ihm die Last keinen Schaden brächte.

3

Denn der Meister befürchtete: Wenn der Born zu schwer belastet würde und oben keinen Abgang hätte, dass der Born dann unten im Grund ausbrechen könnte.

4

Dies billigten viele der Pfänner und folgten dem Rat; es erschien auch ihnen nützlich, unschädlich und gut, und so wurde es von den Baumeistern und Pfännern am Montag nach Ägidii [nach dem 1. September] zu machen beschlossen.

5

Nun ist der Abgang folgendermaßen eingerichtet: Dort, wo die Sole im Born am höchsten gestiegen ist, einen Fuß tief darunter, ist ein Loch durch die Bohlen am Werk gebohrt,

6

und von der Außenseite des Werks ist vor das Loch eine Rinne gelegt, in ein viereckiges, dickes Eichenholz gehauen und oben gut abgedeckt mit einem eichenen Deckel, der aus demselbenLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Höchstenn — Lesung des Überschriftworts nicht ganz sicher (Höchstenn/Hochstenn); gemeint ist der Höchststand des Borns
  2. der Pfenner viel bestundenn — Lesung 'viel bestundenn' unsicher; Übersetzung sinngemäß 'billigten viele'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 78 Bl. 37v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 78

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteHolz geschnitten und mit vier hölzernen Nägeln mit der Rinne zusammengenagelt ist.

2

Auch hat derselbe Deckel vorn am Werk ein Kopfstück, beinahe einen Fuß dick, ebenfalls hohl und ausgehauen.

3

Und so liegt die Rinne vor dem Loch auf dem Ton — aus dem Grund, dass, wenn sich der Ton nach vielen Jahren zu setzen begänne, sich die Rinne mit dem Ton ebenfalls setzte und kein Hohlraum dazwischen entstünde.

4

Und dies war der Grund, weshalb der Meister die Rinne nicht in die Bohlen legen oder verzapfen wollte: Er befürchtete,

5

wenn die Rinne oder ein Brett vorn mit dem Kopfstück in den Bohlen läge und sich dann der Ton senkte, dass es dann zwischen der Rinne und dem Ton leer und hohl würde und die Rinne so durch die Luft verfaulte und schadhaft würde.

6

Der Meister meinte auch: Wenn die Sole zwischen den Bohlen und der Rinne tropfte und so dabei einsickerte oder abgeseiht würde, brächte das keinen Schaden,

7

da dasselbe Getropfe in den Ton käme; und je feuchter und nässer der Ton wäre,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. einsihenn oder gesehegt — Beide Wörter unsicher gelesen; sinngemäß 'einsickern oder abgeseiht werden'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 79 Bl. 38r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 79

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedesto mehr und fester bliebe das Werk vom Ton abgedichtet.

2

Die Sieder wissen auch aus voller Erfahrung, dass Solwasser schwerer ist als wildes (süßes) Wasser; und wenn wildes Wasser in die Sole gemengt ist, so ist die Sole unten und das wilde Wasser oben.

3

Und sie meinen, dass der Abgang auch dazu nütze sei, dass das wilde Wasser oben durch den Abgang abfließe und unter dem Abgang die reine Sole allein in ihrer Güte bleibe.

4

Ob sich nun das Salzwasser und das süße Wasser so schnell voneinander scheiden, dass das eine unten bliebe und das andere oben — das hat man nicht überzeugend bewiesen.

5

Und der Abgang wurde fertiggestellt am Sonnabend nach dem Michaelistag [nach dem 29. September].

6

Von dem Umgang des Borns und von den Luftlöchern, die man die Abzuchten nennt. Das 14. Kapitel.

7

Der Umgang liegt mit seinem Grund sechsthalb (fünfeinhalb) Fuß höher als der Grund des Borns und ist nach oben mannshoch, sodass man darin gehen kann, undLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Söder — Lesung nicht ganz sicher; gemeint sind die Sieder (Salzsieder)
  2. beweisungt — Ungewöhnliche Wortform, Lesung unsicher; sinngemäß 'bewiesen'
  3. ist ist — Doppelschreibung (Dittographie) in der Vorlage; diplomatisch beibehalten

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 80 Bl. 38v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 80

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteund fünf Fuß breit; und in dem Umgang, zum Born hin, fand man eichene viereckige Säulen stehen, die von unten an bis oben hinaus reichen.

2

Und jede Säule steht drei Ellen weniger ein Viertel von der anderen Säule entfernt, mit Riegeln zusammen verbunden.

3

Dazwischen standen auch lange eichene Bohlen, gleich einer starken eichenen Bretterwand; und wegen ihrer Stärke und Güte ließ man sie stehen.

4

Denn sie umschließt mit ihrem Umgang das ganze Gedämme und den Ton, mit dem das Werk des Borns abgedichtet (gedämmt) ist.

5

Und an derselben Bretterwand hinab wurden von neuem große eichene Pfähle eingestoßen und eingesetzt, einer nicht weit vom anderen, in dem Umgang;

6

desgleichen auch gegenüber; je zwei Pfähle sind gegeneinander oben abgedeckt (verbunden) mit einem eichenen Balken, darauf sind grobe eichene Reifen zu beiden Seiten gelegt;

7

und die Reifen sind oben zugedeckt mit eichenen Balken und Bohlen quer darüber,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jegenn vnd nach dem Borne — Wendung unsicher gelesen; sinngemäß 'zum Born hin'
  2. getemme / getemmet — Lesung nicht ganz sicher; verstanden als 'Gedämme / gedämmt' (Abdichtung mit Ton)
  3. Jegenn vber de zwene Pföle — Wortfolge unsicher; verstanden als 'gegenüber; je zwei Pfähle'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 81 Bl. 39r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 81

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteworauf das Erdreich geschüttet und damit bis oben hinaus aufgefüllt ist.

2

Auch hat der Umgang oben hinaus drei Luftlöcher, die man Abzuchten nennt: das erste ist vor dem Gewölbe, das andere gegen den Berg, das dritte gegen das Licht.

3

Durch diese Lichtlöcher oder Abzuchten bekommt das Wasser von den Dächern, und auch was an Sole auf dem Born vergossen wird, einen Fall in den Umgang, wird weiter in das Gewölbe gekehrt und ausgeleitet und hat so seinen Ausfluss.

4

Man fand auch in dem Umgang zwischen dem ersten und dem zweiten Lichtloch eine Quelle; das war Sole oder Salzwasser im Fluss, ganz von eines Armes Dicke.

5

Und die Sole war in ihrer Güte, in jeder Substanz, der Sole im Born gleich.

6

Auch darüber, beim zweiten Lichtloch zur rechten Hand und weiter aufwärts, fand man einen Fluss wilden Wassers; derselbe entspringt über dem dritten Lichtloch zur rechten Hand, drei Schritte [entfernt].

7

Und einen Schritt weit darüber fand man das Ende des Umgangs; dasselbe Ende war unter dem obersten Balken zugelegt mit Buchenhölzern, undLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Luchtlöcher — Erster Buchstabe L/T mehrdeutig; 'Luchtlöcher' (Luftlöcher) nach Kontext, in der Überschrift 'leuchtelöchernn'
  2. gekart — Lesung unsicher; verstanden als 'gekehrt' (geleitet)
  3. vnnter dem bestenn balckenn — Lesung 'bestenn' unsicher, evtl. Schreib- oder Leseform für 'obersten'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 82 Bl. 39v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 82

1

Jenseits des Balkens ließ man hineingraben, um zu erfahren, ob das Ende eingefallen wäre.

2

Wie tief man aber grub, so fand man keinen anderen Befund, als dass der Umgang dort sein Ende hat.

3

Damit man jedoch mehr und weitere Kenntnis gewinnen konnte, ließ man in die vierte Abzucht einfahren, die zur linken Hand liegt, wenn man im Gang zum Brunnen geht.

4

Und man ließ sie räumen und säubern, um zu besehen, ob sie im Grund irgendwo einen Umgang hätte, und um dabei prüfen und beurteilen zu können, ob der Umgang in früheren Zeiten weiter gereicht hätte.

5

Und man konnte kein Zeichen finden, dass sich die Abzucht im Grund zugesetzt hätte.

6

Und hierüber wurde von den Pfännern beraten und am Sankt-Michaelis-Tag beschlossen, dass man den Umgang nicht weiter treiben sollte,

7

sondern es dort bewenden und bleiben lassen sollte, vier oder fünf Schritte über dem dritten Lichtloch, wo sein Ende gefunden wurde,

8

und dass man die vierte Abzucht im Gang zum Brunnen zufüllen und verdämmen sollte, weil sie unten keinen Ab…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. aberzucht — Schreibvariante zu ›augezucht‹ (Abzucht); zweiter Buchstabe b/u nicht ganz sicher
  2. linketenn — ›zur linketen handt‹ = zur linken Hand; Buchstabenbestand nicht ganz sicher
  3. nemet — Lesung unsicher; wohl ›niemet‹ (= niemand) oder ›nemlich‹; Übersetzung folgt dem Sinn
  4. verteumenn — wohl ›verdämmen/zudämmen‹; vgl. ›verteumet‹ fol. 41v

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 83 Bl. 40r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 83

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…gang hatte — wie dies alles so geschehen ist.

2

Von der Sache, durch welche die Pfänner zum Bauen bewegt worden sind

3

15. Kapitel

4

Seit dreißig Jahren bis heute klagten die Sieder über den Brunnen, dass die Sole gering und untauglich sei und dass das wilde Wasser an der Sole einbreche,

5

so dass sie zum Salzsieden viel mehr Holz verbrennen mussten, als sie es in früheren Zeiten getan hatten, weshalb sie nicht zurechtkommen konnten, sondern zusetzen mussten.

6

Nachdem sie solche Klagen lange und vielfach von ihnen gehört hatten, unternahmen es die Pfänner, das Gewölbe auszuschöpfen, damit sie erfahren könnten, wie es damit stand.

7

Indes war da einer namens Schwellenberg, Bürger zu Witzenhausen, der sich vermaß, eine Kunst (ein Pumpwerk) vor dem Gewölbe zu bauen, mit der er das Gewölbe auszuschöpfen meinte — nämlich ein Rad mit vielen Eimern.

8

Und trotz vieler Kosten und Arbeit wollte das Gezeug und die Kunst das Gewässer nicht hinausschaffen, und es war ganz umsonst geschehen — Kosten und…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jnnbreche — Wortmitte schwer lesbar; Sinn ›einbräche‹
  2. ösenn — ›ösen‹ = Wasser ausschöpfen; Lesung des diakritischen Bogens ziemlich sicher
  3. gnent — auch ›gnant‹ möglich

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 84 Bl. 40v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 84

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…und Arbeit (waren vergebens).

2

Demnach waren die Pfänner weiterhin darauf bedacht, wie sie die Gebrechen des Brunnens erkunden könnten.

3

Da nun die Sieder beständig klagten, verdingten sie im Jahr 1480 die Polacken, die zu derselben Zeit im Lande arbeiteten,

4

Graben und Teich aufzuwerfen und den Sohlgraben zu räumen, so tief, dass darin das Wasser aus dem Gewölbe bis an den Brunnen fließen konnte.

5

Und als man dasselbe auch so versuchte, fiel das Gewässer so weit aus dem Gewölbe ab, dass man im Wasser auf den Bohlen, bis an die Knie reichend, waten und so zu dem Gedämme kommen konnte, das um den Brunnen ist.

6

Da fand man Schäden: dass an etlichen Enden der Abzucht und des Umgangs etwas eingefallen war.

7

Es sagten auch jene, die hineinstiegen und hineingingen, der Brunnen sei zerbrochen und die Sole habe einen großen Ausgang (Abfluss), wie sie wähnten,

8

und dass dadurch auch das wilde Wasser in den Brunnen komme, und dass in jeder Hinsicht ein Neubau nötig sei,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Ao. cccc° lxxx — = 1480; der Tausender (M) fehlt in der Vorlage
  2. Bolen — ›auf den Bohlen‹; auch ›Bodem‹ (Boden) möglich
  3. bis ein ann seine knie — ›ein‹ wohl = ›einem‹; Sinn: bis an die Knie

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 85 Bl. 41r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 85

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteaber es fand sich anders, wie hernach folgen wird.

2

Und so wurde derselbe Schaden vielmals von den Pfännern verkündet und deshalb auch gemeinsam beschlossen, dass man bauen sollte und wollte.

3

Und so war man stets auf gute Meister bedacht, die dazu raten konnten.

4

Dazu gab Junker Hans von Dörnberg, Hofmeister zu Marburg, seinen Rat und verwies die Pfänner an Meister Curt Martorff,

5

mit dem die Pfänner also ins Gespräch und zum Verding kamen, dem Gebrechen des Brunnens abzuhelfen, wie er ihm denn auch abhalf.

6

Und um vieles Geschehene — wie zuvor hinlänglich berührt — ruhen und dahingestellt sein zu lassen: Es geschah, als man das alte Werk ganz abgebrochen und den Brunnen ausgeschöpft hatte,

7

da fand man nirgends einen Ausfluss oder Ausbruch der Sole.

8

Man konnte auch keines Gebrechens im Brunnen gewahr werden, und doch floss gleichwohl im Umgang der Abzucht die Sole wie zuvor ihren Gang in das Gewölbe.

9

Da meinten etliche, es sei eine besondere Ader und ein Gequell für sich, das nicht in den Brunnen gehörte.

Unsichere Lesungen

  1. der vrsach auch semptlich — ›semptlich‹ (= sämtlich, gemeinsam) leicht unsichere Lesung
  2. Curtenn Martorff — Eigenname, Lesung ziemlich sicher
  3. weis werdenn — ›weis‹/›weit‹ unsicher; Sinn ›gewahr werden‹

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 86 Bl. 41v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 86

1

Die anderen sprachen, es sei die Sole aus dem Brunnen und komme, durch die heimlichen Schliche des Grieses außen aufgestiegen, in den Umgang der Abzucht.

2

Und diese Meinung bewegte die Pfänner zum Bauen, wiewohl sich der Schaden nicht so herausstellte.

3

Es geschah dabei auch mit Fleiß, dass man die Sole der Adern im Umgang gegen die Sole prüfte, die im Brunnen ist; und sie wurde als übereinstimmend erkannt, an Güte, Geschmack und Substanz ohne allen Unterschied.

4

Als nun das neue Werk gesetzt und verdämmt war und man die Abzucht aufbrach, um den Umgang wieder herzustellen,

5

und als man an die zweite Zucht oder das Lichtloch gegen den Berg kam, wo man ja meinte, dass der Schaden sein sollte und sich zeigen würde, da fand man die besondere Ader stark gehen und fließen,

6

und konnte doch nicht merken, dass der Brunnen dadurch eine Minderung an seiner Sole gehabt hätte.

7

Da fand sich in Wahrheit, dass der Brunnen kein Gebrechen noch Ausgang hatte und dass die…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. on allem vnnderscheidt — ›on‹ (= ohne) unsicher, auch ›in‹ lesbar; Übersetzung folgt dem Sinn
  2. Lichte loch — Anfangsbuchstabe L/T unsicher; vgl. ›lichtloch‹ fol. 39v
  3. vnnd erschienenn — in der Vorlage zusammengeschrieben (›vnnderschienenn‹), Worttrennung unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 87 Bl. 42r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 87

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…Ader in der Abzucht ein besonderes Gequell war und niemals aus dem Brunnen gekommen ist.

2

Dass aber die Sieder klagten, das wilde Wasser komme in den Brunnen, das mochte wohl daher kommen, dass das Gewölbe mit Steinen meisterlich zugedeckt war,

3

so dass die Quellen im Gewölbe und im Umgang sich zum Brunnen hin zogen, sintemal der Brunnen niedriger und tiefer liegt als das Gewölbe.

4

Da nun dieselben Quellen süßes Wasser führen, haben sie sich durch heimliche Gänge in den Grund geholfen, in den Gries des Brunnens, und sich so mit der Sole im Brunnen vermengt.

5

Das zeigte auch folgendes Zeichen: Wenn das Gewölbe nicht seinen ganzen Ausfluss hat, so dass sich das Gewässer in den Abzuchten sammelt, dann wird man sichtlich gewahr, dass die Sole im Brunnen höher steigt,

6

was daher kommt, dass sich das Gewässer im Grund heimlich zur Sole einschleicht.

7

Denn in der Zeit und Weile, als das Rad vor dem Gewölbe (stand) und das wilde Wasser aus dem Umgang, der…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Wannt — Lesung unsicher; wohl ›want‹ = denn/weil
  2. Rath — wohl das Eimerrad des Schwellenberg (vgl. fol. 40r); Satz läuft auf die Folgeseite

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 88 Bl. 42v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 88

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… die Anzüchte …(?) — da war die Sole im Born so gut, dass die Sieder zum Teil bekannten, dass sie viele Werke gesotten hatten, ohne jeden Zusatz, mit purer roter Sole,

2

so wie man sie aus dem Born füllte — was sie zuvor nicht getan hatten, ehe das Rad vor dem Gewölbe gesetzt wurde.

3

Daraus ist zu ersehen, dass die Sole besser ist, wenn das Gewölbe offen ist.

4

Wenn aber das Gewölbe voller Wasser ist, so dringt das Wasser zum Born hin und mengt sich mit der Sole; und daher kommt die Klage der Sieder, dass die Sole nicht gut sei.

5

Dagegen ist auch der Ablauf des Borns erdacht, damit sich das wilde Wasser oben abziehen sollte.

6

Wenn darum die Quellen und Wasseradern im Umgang des Borns gefunden werden, soll darüber niemand erschrocken sein und sich auch keine Sorge dabei machen;

7

denn sie kommen nicht aus dem Born, sondern sind außerhalb des Borns eigene, besondere Quellen und zeigen sich an mehr Stellen, als man ihrer bedarf,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. angezüchte Ösete — Satzanfang von voriger Seite; zweites Wort trotz Vergrößerung nicht sicher lesbar (Ösete/Öfete?), Anschluss unklar
  2. wercke — Lesung unsicher (wercke/wercker), Zierstrich durch ck erschwert Lesung
  3. beiße — Wortbedeutung unklar, wohl 'Zusatz/Zubuße'
  4. aigen sich ann mehr enndenn — Lesung 'enndenn' (Enden = Stellen) nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 89 Bl. 43r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 89

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteund deshalb bedarf der Born auch keines Baues; und wenn die Anzüchte (Abzugskanäle) und der Umgang einfielen oder schadhaft würden, so kann und mag man sie wiederherstellen, ohne Schaden für den Born und seine Werke.

2

Hätten die Pfänner zuvor so viel von diesem Unterschied zwischen dem Born und dem äußeren Gequell gewusst, so wäre ihnen am Born und seinen Werken kein Bau zu tun nötig gewesen,

3

sondern allein am Umgang und an der Anzucht, die allein verfallen waren.

4

So sind die Pfänner durch Schaden und durch Bauen klug geworden.

5

Man braucht sich auch nicht allzeit an die Klage der Sieder zu kehren, ob ihnen die Sole nicht behagt.

6

Denn sie jammert der Schaden der Pfänner nicht — das merke, wer da will.

7

Findet sich aber in Wahrheit, dass das wilde Wasser zur Sole einschleicht,

8

so mag man, um dem zu wehren, das Rad vor dem Gewölbe halten oder den Sohlgraben bis auf den Grund räumen, zum Ablauf des wilden Wassers;

9

und wenn dadurch die Sole im Born auch nicht so hoch steigtLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. infiele — Lesung einfiele/infiele
  2. Mann bedarff auch sich alzeitt kerenn — Negation ('nicht') fehlt im Original, ist aber vom Sinnzusammenhang gefordert; nach 'alzeitt' gestrichenes bzw. verziertes Zeichen
  3. Innschleuffet — Lesung des Wortanfangs unsicher (Inn-/Imm-), Bedeutung 'einschlieft/einschleicht'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 90 Bl. 43v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 90

1

Fortsetzung von der vorigen Seitewie zuvor, so ist ihrer dennoch ohne Zweifel genug für alles Gesiede vorhanden.

2

Am Freitag, Sankt Remigius' Tag [1. Oktober], wurde der Umgang von den Zimmerleuten fertiggestellt, so dass man ihn bis zu dem Ende zufüllen konnte, wo er über der dritten Abzucht wendet.

3

Es geschah auch, während man am Born baute, dass die Sieder den Bau schmähten und wie zuvor über die Sole klagten, dass sie viel Holz verbrennen müssten.

4

Man konnte auch gar nicht so bauen, dass ihnen der Bau behagt hätte.

5

Dadurch wurden auch etliche Pfänner nicht wenig beunruhigt und befragten deswegen etliche glaubwürdige Sieder, um die Wahrheit zu erforschen,

6

von denen ihnen glaubhaft berichtet wurde, dass die Sole nicht geringer sei;

7

dass sie aber mehr Holz verbrennten, das komme daher, dass sie größere Werke sieden — und sieden müssten, wollten sie ihre Ladeleute bei sich behalten.

8

Auch wurde von denen bemerkt, die da den Siedern die …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. ohent zweiuell — Beide Wörter schwer lesbar; kontextuell wohl 'ohne Zweifel'
  2. Sanct Remigen tagk — 'Sanct' aus Parallelstelle fol. 44r erschlossen, Schriftbild eher 'danct'; Remigiustag = 1. Oktober
  3. das keme darvonn — 'keme' mit kräftigem Querstrich (wohl Zierstrich, keine Tilgung); 'darvonn' geschrieben wie 'darnonn'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 91 Bl. 44r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 91

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… die Wellen (Reisigbündel) verkauften, dass sie nicht mehr Holz für ein Werk kauften, als sie zuvor getan hatten.

2

Und darum ist es nicht nötig, sich an jedermanns Gerede zu kehren; auch ist nicht allen Geistern zu glauben.

3

Am Sankt-Severus-Tag [22. Oktober], in der Woche 'Salus populi', und die acht Tage danach brachte der Meister das Gerüst vom Born und auch das Rad mit seinen Eimern,

4

und richtete ein anderes Hebezeug über dem Born auf, mit zwei Scheiben (Seilrollen), und an jeder Scheibe hingen zwei Eimer,

5

damit man die Sole aus dem Born gewinnen und sodann in zwei Kästen oder Tröge gießen sollte, aus denen sie in die Gerinne fließen sollte.

6

Und über dieser Arbeit lag man bald bis in die Woche 'Omnia quaecumque'.

7

Und in der Zeit, als das Hebezeug aufgerichtet wurde, wurden die obersten Reifen auf den Born gebracht und dieser auch sogleich verdämmt.

8

Und das Hebezeug ging am Allerseelentag [2. November] an, auch die Nacht hindurch, und es wurde ganz unzulänglich(?), so dass die Sieder und Gießer darüber klagten und …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Sanct Seuers tagk — Heiligenname unsicher, wohl Severus (22. Oktober); davor gestrichenes 'freytagk'
  2. Salus ppli — abgekürzt mit Kürzungsstrich, aufzulösen als 'Salus populi' (Introitus)
  3. omnia quæcunqz — lateinisch abgekürzt, wohl Introitus 'Omnia quaecumque'
  4. vnnzaulich — Lesung und Bedeutung unsicher; vielleicht 'unzulänglich' oder 'unzählich' (= übermäßig)
  5. wellenn — Lesung wellenn/wollenn; gemeint wohl Wellen = Reisigbündel als Brennholz

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 92 Bl. 44v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 92

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… es brächte dem Sieden merklichen Schaden und sei ganz umsonst gemacht.

2

Darum fassten die Pfänner sämtlich den Rat, dass man die Schwengel nach alter Gewohnheit wieder aufrichten sollte.

3

Und obwohl dies dem Meister zuwider war, mussten die Zimmerleute demnach alsbald nach Allerseelen die Schwengel beschaffen, zurichten und aufrichten,

4

so dass am Freitag nach Martini [11. November] das Hebezeug mit seinen Scheiben wieder abgebrochen und vom Born weggebracht wurde;

5

und das Anfertigen der Schwengel und das Anlegen der Gerinne am Werk währte bis zum Sonntag, dem Andreastag [30. November].

6

Am Sonntag vor Gaudete [3. Adventssonntag] begann der Meister, den Born zu pflastern und zu decken; das währte bis aufs neue Jahr.

7

Ein nützlicher Rat für die nachkommenden Pfänner. 16. Kapitel.

8

Wenn es nach vielen zukünftigen Jahren nötig würde …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. bereitetenn ... das Rath — Lesung 'bereitetenn'; Sinn wohl 'berieten/beschlossen den Rat'
  2. ann der Wercke — Wort mit Zierstrich, Lesung Wercke/Werbe unsicher
  3. Sontage Anndres tage — Datumsangabe: Andreastag (30. November) fiel 1489 nicht auf einen Sonntag; Lesung 'Sontage' gleichwohl deutlich

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 93 Bl. 45r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 93

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… den Pfennern; sie wurden aber einig, den Born zu bauen, und dass sie ansehen wollten, wie das erste alte Werk beschaffen gewesen war – wie davon zuvor die Rede ist, bei der anderen Ösung (Ausschöpfung) des Borns –,

2

oder dass sie ansehen wollten, wie das Werk beschaffen ist, wie davon zuvor die Rede ist, bei dem Werk des Borns.

3

So kann man aus beiden Vorschlägen nichts Besseres erwählen, als dass man die Säulen und Schwellen in dem Maße herrichte, wie sie jetzt gemacht sind,

4

ja, falls sie schadhaft geworden wären – wie davon zuvor die Rede ist, bei den Säulen und Schwellen des Werks –,

5

und dass man darin bis auf den Grund einen Reifen auf den anderen legte, verzapft, bis oben hinaus, auf solche Weise, wie jetzt das Werk von oben bis auf den Boden gleichförmig geworden ist.

6

Diese Reifen sind aus groben eichenen Krömlingen (krummen Hölzern) gemacht.

7

Und wenn der Born mit einem solchen Werk gefasst würde, so hielte das ewig, mit geringen Kosten, und jeder Zimmermann oder Werkmeister kann das …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Ösunng — Lesung des Fachworts (Ösung = Ausschöpfen des Borns) nicht ganz sicher
  2. gewerbenn — frühnhd. Gewerbe = Vorbringen, Antrag; Lesung wahrscheinlich, aber nicht sicher
  3. Seuhlenn — Schreibung unsicher, auch als Seuchlenn lesbar; gemeint sind Säulen
  4. Krömlingenn — Fachwort (gebogene Eichenhölzer); Anfangsbuchstabe K nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 94 Bl. 45v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 94

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… machen und bereiten, ohne besondere große Meister.

2

Von den Pfählen und Pflöcken, die in den Umgang geschlagen worden sind. 17. Kapitel.

3

Es wurde auch von dem Meister und den Pfennern beraten, dass man den Umgang des Borns mit Ton gleich und eben machen und Pflöcke hineinschlagen sollte, einen neben den anderen,

4

damit so auf den Pflöcken das wilde Wasser und auch die Sole, die auf dem Born von den Gießern vergossen wurde, in das Gewölbe abflösse und nicht um den Born stehen bliebe,

5

damit sich auch der Schlamm (Mod) verzöge, der sich sonst verschlämmen möchte, wenn das Gewässer nicht abliefe; wie es denn auch so geschehen ist.

6

Man ist auch dadurch gewahr geworden, dass die Quellen des wilden Wassers und die Adern der Sole, die sich in dem Umgang hervortaten und armdick ergossen, …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. verschlisze der Modt — Lesung von verschlisze (sich verziehen/abnutzen) und Modt (Schlamm, Moder) unsicher
  2. armes dicke — Lesung armes dicke = eines Armes Dicke (armdick); nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 95 Bl. 46r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 95

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… durch das Einschlagen der Pflöcke verdämmt und vermindert worden sind, so dass sie kaum zwei Finger dick jede für sich ausfließen; und deshalb konnte man mit trockenen Füßen auf den eingeschlagenen Pflöcken umhergehen.

2

Und dies wurde so vollendet am Mittwoch in der Kreuzwoche (Bittwoche) im Jahr [14]91.

3

So ist fortan, nach all dem getanen Bau, nichts mehr vor allem nötig, als allein, dass man den Sohlgraben in Stand halte und so tief zu Grunde arbeite,

4

dass das Gewässer, das in dem Umgang und auch in dem Gewölbe quillt, nicht stehen bleibe, auch nicht zum Born zurückfließe, sondern seinen Fall und Ausfluss im Grund auf den Bohlen im Gewölbe in den Sohlgraben haben möge.

5

Wenn der Sohlgraben so in Stand gehalten wird, so hat und behält man einen guten, gesunden Salzbrunnen mit unvermengter Sole in ihrer natürlichen Kraft und Stärke, ohne alle Vermischung mit wildem Wasser.

Unsichere Lesungen

  1. Bolenn — wohl Bohlen; Anfangsbuchstabe auch als S lesbar (Solenn)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 96 Bl. 46v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 96

1

Von der Danksagung an Gott den Herrn für den Bau. 18. Kapitel.

2

So hat Gott bei diesem Bau besondere Gnade erwiesen, wofür sich wohl besondere Danksagung gebührt: zum ersten für das günstige Wetter, da die Arbeit des Wetters halber keinen Aufschub erlitten hat;

3

zum anderen für das gute Gesöde (Siedeergebnis), da des Bauens halber kein Schaden gespürt wurde, außer eine Woche um den Sonntag „omnia“ [Lesung unsicher];

4

und das Sieden war den Sommer über so trefflich, dass man sich seit dreißig Jahren nach altem Gedächtnis an kein größeres Sieden zur Sommerszeit erinnerte;

5

zum dritten für die besondere göttliche Vorsehung und Bewahrung, so dass kein Mann oder Mensch an seinem Leib Schaden genommen hat in aller Gefährlichkeit, die sich zuweilen begeben hat.

6

Für solche und alle Wohltat wolle Gott, seine liebe Mutter Maria mitsamt Sankt Bonifatius, zu ewigen Zeiten gelobt sein. Amen.

Unsichere Lesungen

  1. gespart — so geschrieben; dem Sinn nach wohl gespuert (gespürt)
  2. Dominica omnia — Bezeichnung des Sonntags unklar; Lesung omnia unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 97 Bl. 47r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 97

1

Von der alten Konstitution (Vereinbarung) zwischen den Pfennern und den gemeinen Bürgern wegen des Holzes. 19. Kapitel.

2

Merke: Was am Anfang geschah, ist hier bis an das Ende aufgespart worden, damit solches desto länger im Gedächtnis bleiben möge.

3

Als die Pfenner sich zuerst anschickten, an dem Salzbrunnen zu bauen, da baten sie die gemeinen Bürger zu Allendorf, dass sie ihnen aus den Gehölzen der Stadt Bauholz geben wollten für den Bau des Salzborns.

4

Diese Bitte haben die Bürger den Pfennern gütlich gegönnt und gewährt nach alter Konstitution,

5

die vor alters, vor langen Zeiten, zu Kassel von unserem Herrn dem Landgrafen und seinen Erben, [durch] ehrbare Räte, zwischen den gemeinen Bürgern zu Allendorf und den Pfennern gemacht, verteidigt (rechtlich festgestellt) und ausgesprochen war,

6

nämlich wegen der Gehölze der Stadt: dass der Hegeberg bei den Sooden den Pfennern allein …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Sie merck — erstes Wort unsicher; auch So merck oder Die merck lesbar
  2. zureitenn — Lesung unsicher; wohl sich zurüsten/anschicken
  3. gewerdenn — Lesung unsicher, auch gezuerden lesbar; dem Sinn nach gewährt
  4. zuschenn — abgekürzt geschrieben, wohl zwischenn
  5. ausgesprochenn — Wortende abgekürzt (ausgesproch mit Kürzungshaken)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 98 Bl. 47v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 98

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… gehören und zustehen sollte, und die Gehölze der Stadt den Pfennern und den gemeinen Bürgern gemeinsam zu eigen sein sollten;

2

und wenn die Pfenner Holz für ihren Bau in den Sooden benötigten, so sollten sie die gemeinen Bürger um das Gehölz bitten, und dann sollten die Bürger deren Bitte den Pfennern gütlich nachgeben und sie nicht abschlagen.

3

Man findet diese Konstitution schriftlich am Brückentor.

4

Was der Bau gekostet habe. 20. Kapitel.

5

Was nun dieser große, herrliche Bau des Salzbrunnens von Anbeginn bis zum Ende gekostet hat: Die Summe aller Ausgaben, aus den Registern überall zusammengezogen und aufsummiert, beträgt elfhundertsiebenundfünfzig Mark, dreieinhalb Pfund und neun Heller.

6

Und wenn man dann je drei Mark für zwei Gulden rechnet – da zu jener Zeit ein Gulden vier alte Schock galt –, …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. vierdthalb pfundt — vierdthalb = dreieinhalb; Zahlwort sicher, moderne Auflösung beachten
  2. dar zur zeit — Wortfolge unsicher, evtl. da zur zeit

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 99 Bl. 48r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 99

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteNämlich siebenhundert Gulden, siebzig anderthalb Gulden (wohl 769½ Gulden insgesamt), siebzehn Pfund, fünf Heller.

2

Dazu soll man Meister Curts Lohn rechnen, zweihundertvierunddreißig Gulden, und auch acht Gulden für die zwei Malter Korn und ein Schwein, womit der Meister den Pfennern über die Zettel hinaus mehr abverlangte,

3

was die Pfenner denn auch duldeten und geschehen ließen, so dass sie sich in Güte von dem Meister schieden;

4

So ist und bleibt die gesamte Ausgabe für diesen ausgeführten Bau tausend und elfeinhalb Gulden, siebzehn Pfund und fünf Heller.

5

Wie lange der Bau gewährt habe

6

21. Kapitel.

7

Zu diesem Bau wurde das Zeug (Material) beschafft und angefangen am Mittwoch in der ‚vier None‘ (wohl Quatemberwoche) im Jahr 1489, und er wurde, samt der Abrechnung, vollendet am Dienstag nach Exaudi darauf im Jahr 1491, so dass vonLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. siebenntzigk anderthalbenn guldenn — Zahlwort-Deutung unsicher; rechnerisch (Gesamtsumme 1011½ Gulden abzüglich 242 Gulden Meisterlohn) wären 769½ Gulden zu erwarten
  2. dittelnn — Lesung unsicher; vielleicht ‚Zettelnn‘ (Abrechnungszettel)
  3. sieben=zehenn — Erster Wortteil am Zeilenende sieht wie ‚dreben‘ aus; nach dem oben genannten Betrag (siebennzehenn ℔ funff heller) als ‚sieben‘ gelesen
  4. in der vier None — Lesung und Deutung unsicher; wohl liturgische Wochen-/Tagesangabe (Quatember?); Baubeginn passt zu Bauzeit von gut zwei Jahren bis Dienstag nach Exaudi 1491
  5. volnendet [gestrichen: unleserlich] — Nach ‚volnendet‘ zwei bis drei gestrichene, unleserliche Buchstaben
  6. secundo — In der Handschrift ‚secun=do‘ über den Zeilenwechsel; Deutung ‚darauf folgend‘

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 100 Bl. 48v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 100

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… von Anbeginn bis zum Ende hat der Bau zwei Jahre und einundzwanzig Wochen gewährt; den wolle Gott vollständig und bleibend erhalten, zu ewigen Zeiten, Amen.

2

Von dem viereckigen Stad (Wasserbecken)

3

22. Kapitel.

4

Das Stad (Becken) vor dem Gewölbe, das das Gewässer aufzieht – wie davon zuvor berichtet wird, besonders vom Ösen (Ausschöpfen) des wilden Wassers aus dem Gewölbe –, das wurde folgendermaßen geformt:

5

Nämlich: Von der Welle an bis oben hinaus ist es siebthalb (sechseinhalb) Fuß lang, so dass es überall, von einem Ende bis zum anderen Ende mit der Welle gemessen, vierzehn Fuß erreichte; diese Länge behielt das ganze Stad.

6

Und von innen war es eine Elle weit, damit ein Mann hineinkonnte, um zu machen, was darin zu machen nötig war;

7

und weil die Weite zu viel Wasser fasste, konnte das Schöpfrad es nicht heraustreiben, und dieser Sache wegenLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. ann begin — Auch ‚am begin‘ lesbar; zusammen mit dem Seitenübergang ‚alse das von‘ als ‚von Anbeginn‘ verstanden
  2. aufzeugk — Lesung des Wortendes unsicher (aufzeugk/aufzuigk)
  3. das ganntz Stadt behilt — ‚ganntz‘ mit verschliffener Endung; ‚behilt‘ = behielt
  4. Schuff[gestrichen: stell]Radt — Der Schreiber setzte nach ‚Schuff‘ zu ‚stell‘ an, strich es und schrieb ‚Radt‘ am Zeilenanfang weiter; Streichung nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 101 Bl. 49r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 101

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… musste der Meister an den vier Orten im Inneren des Stads zwei Leisten annageln und quer darüber Bretter nageln, so dass das Stad an den vier Ecken um eine halbe Elle enger wurde,

2

und so konnte dort das Schaufelrad das viereckige Stad austreiben (leerschöpfen).

3

Und weil das Stad überdies zu viel Wasser fasste, machte der Meister etliche Löcher an dem Rade, damit die Last nicht zu schwer würde.

4

Die Form und das Modell (Exemplar) dieses Rades hat Heinrich Lower zum Gedächtnis angefertigt, und man findet dieselbe auf dem Brückentor, um nach dem Modell ein Stad zu machen, wenn das nötig würde.

Unsichere Lesungen

  1. zwenn leiste annegelnn — Wortformen leicht verschliffen; ‚zwenn‘ (= zwei) und ‚annegelnn‘ (= annageln) nicht ganz sicher
  2. das viereckenndt radt ertreibenn — So die Buchstaben; gemeint ist wohl das viereckige Stad (Becken), das das Schaufelrad nun leerschöpfen konnte – ‚radt‘ hier möglicherweise Schreiberversehen für ‚Stadt‘
  3. Hennrich Lower — Familienname unsicher; auch ‚Louwer‘/‚Lauer‘ lesbar

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 103 Bl. 50r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 103

1

Im Namen des Herrn, Amen.

2

Weil die Tage der Menschen abnehmen und wie der Rauch vergehen und ein jedes zeitliches Handeln durch stete Bewegung verfällt und vergessen wird,

3

so ist es vonnöten, dass die Dinge, die zu unseren Zeiten verhandelt werden, durch das Zeugnis der Schrift dem Gedächtnis der zukünftigen Menschen, unserer Nachkommen, in schriftlicher Aufzeichnung zu verstehen gegeben werden.

4

Darum sollen die Zukünftigen ebenso wie die jetzt Gegenwärtigen wissen, dass die alten Gebäude des Salzbrunnens zu Sooden in diesem laufenden Jahr 1550 aufgebrochen und wiederum von neuem von Grund auf gebaut und errichtet worden sind,

5

wie und in welchem Zustand man sie vorgefunden hat und wie sie wieder aufgerichtet worden sind, und was sich dabei vor und nach allenthalben zugetragen und begeben hat.

6

Damit dies künftig, falls man wieder daran bauen müsste, bekannt sei, ist dies dem durchlauchtigsten, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegen…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. stetlich bewegung — auch 'stetliche' möglich; Endung undeutlich
  2. Salzbronnens — tz-Ligatur undeutlich, evtl. 'Saltzbronnens'
  3. zum Sodenn — Anfangsbuchstabe S wie in 'Salzbronnens' geformt; 'Bodenn' paläographisch ähnlich, 'Sodenn' (Sooden) nach Kontext
  4. die fundenn — Lesung 'fundenn' (= vorgefunden); Wortanfang f/s mehrdeutig

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 104 Bl. 50v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 104

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…hain und Nidda, meinem gnädigen Fürsten und Herrn, zu untertänigem Dienst, zu Ehren und Gefallen, den gemeinen Pfennern zum Nutzen, damit sie sich jederzeit danach zu richten wissen,

2

mit allen Umständen durch mich, Jost Berker von Homberg, zurzeit Ihrer fürstlichen Gnaden mitverordneter Salzgraf daselbst zu Sooden vor Allendorf an der Werra,

3

— weil ich von Anfang an, seit Ihre fürstliche Gnaden an diesem Ort neben den gemeinen Pfennern kraft eines deswegen aufgerichteten Vertrags gebaut hat, in Ihrer fürstlichen Gnaden Diensten gewesen bin und es noch bin — eigentlich verzeichnet worden,

4

damit künftig viel unnütze Kosten vermieden werden und der Grund des Salzbrunnens — von dem man bisher keine Kenntnis haben konnte, der aber jetzt durch diese geschehenen Bauarbeiten erkundet worden ist — im Gedächtnis bleibe,

5

und wir allesamt Gott dem Allmächtigen dafür ewigen Dank sagen.

6

Als im vergangenen Jahr 1546 durch die Sieder, Börner und andere viele Klagen entstanden, dass der Salz…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jostenn Berkern von Hombergk — Nachname auch als 'Beckern' lesbar (ck-Ligatur/r mehrdeutig)
  2. f. gl. — Abkürzung wie in Zeile 8/11 gelesen als 'fürstlichen Gnaden'; Schriftbild eher 'ſtgl'
  3. gebawett hat — Strich durch tt als Zierstrich gedeutet, nicht als Tilgung
  4. kein wissentschafft hat habenn könnenn — Striche durch 'kein' und 'könnenn' als Zierstriche (k/ck) gedeutet, nicht als Streichung
  5. bewe — Lesung 'bewe' (= Baue, Bauarbeiten)
  6. Söder, Berner — Berufs-/Personenbezeichnungen; 'Berner' evtl. 'Börner' (Bornleute), 'Söder' wohl Sieder

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 105 Bl. 51r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 105

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…brunnen zu Sooden mangelhaft und schadhaft geworden, sodass die Sieder über die gewöhnliche Zeit hinaus sieden und viel mehr Holz als zuvor für eine Pfanne Salz brauchen.

2

Daran gaben einige der Rosskunst die Schuld, die Meister Jörge Behm von Nürnberg darauf gesetzt hatte und die eine Zeit lang mit Pferden die Sole aus dem Salzbrunnen förderte und schöpfte – was dieser Jörge freilich nicht zugestehen wollte.

3

Vielmehr hat man festgestellt und mit eigenen Augen gesehen, dass das alte Fass vor Zeiten nicht unmittelbar auf den Grund des Salzbrunnens, sondern nur ungefähr daraufgesetzt worden war, wodurch sich allerlei wildes Wasser mit der Sole in das Fass gezogen hat.

4

Das ist unserem hochgedachten gnädigen Fürsten und Herrn vielmals angezeigt worden.

5

Weil sich aber zu jener Zeit die schweren, großen Kriegsläufte und Händel zutrugen und auch der Salzbrunnen eine Zeit lang nachließ, sich danach aber wieder eine Zeit lang besserte,

6

hat man mit den Bauarbeiten gewartet, damit man mit rechtzeitigem, gründlichem Rat – und sobald die Kriegshändel beigelegt…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zun Sodenn — Anfangsbuchstabe S/B nicht sicher zu unterscheiden; auch 'Bodenn' denkbar, Kontext (Sooden) spricht für 'Sodenn'
  2. Söder — Lesung S/B unsicher; 'Böder' (Siedeböden) möglich, aber 'siedenn' als Prädikat spricht für Personen (Sieder)
  3. der ein zeit — Wortlaut unsicher, evtl. 'derenn zeit'
  4. gebeuernn — wohl 'Gebeuen' (Bauarbeiten/Gebäuden); Endung unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 106 Bl. 51v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 106

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…gebracht würden – notdürftig und nützlich bauen könnte; so hat es sich damit verzögert bis ins Jahr 1547,

2

als mein hochgedachter gnädiger Fürst und Herr zu Pfingsten zur Kaiserlichen Majestät nach Halle in Sachsen gefordert wurde und dorthin zog, derselben einen untertänigen Fußfall tat und Abbitte leistete,

3

in der Hoffnung, Ihre Fürstlichen Gnaden sollten damit freikommen und wieder zu Land und Leuten gelangen; und neben anderen Sachen hatten sie selbst diesen notwendigen Bau des Salzbrunnens angeordnet.

4

Aber Ihre Fürstlichen Gnaden wurden darin schändlich hintergangen, wider Treu und Glauben betrogen, in die kaiserliche Gefangenschaft gebracht und darin lange Zeit erbärmlich und schmählich festgehalten.

5

Nichtsdestoweniger lag Ihren Fürstlichen Gnaden dieser Bau am Herzen; sie haben deswegen an die fürstlichen Statthalter und Räte zu Kassel geschrieben und Befehle erteilt, wie nachfolgt.

6

An unseren Statthalter und die Räte zu Kassel und die lieben Getreuen Rudolf Schenck zu Schweinsberg, N. N. und N.

Unsichere Lesungen

  1. Kayr: Mtt: — Abkürzung mit Kürzungsstrichen, wohl 'Kayserlicher Maiestatt'; Buchstabenbestand unsicher
  2. geferdt — Lesung unsicher, wohl 'gefährdet/hintergangen'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 107 Bl. 52r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 107

1

Philipp, von Gottes Gnaden Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen.

2

Räte und liebe Getreue! Weil wir vor unserer Abreise festgestellt haben, dass der Salzbrunnen zu Allendorf an der Werra mangelhaft ist,

3

so ist unser Befehl, dass ihr euch mit dem Rat etlicher Pfänner und anderer verständiger Biederleute unternehmt, diesem Mangel abzuhelfen, und dabei allezeit mit darauf achtet, dass das Übel nicht noch ärger gemacht wird.

4

Damit handelt ihr nach unserem Geheiß und unserer Meinung. Gegeben im kaiserlichen Lager zur Neuenstadt am 29. Juni im Jahr 1547.

5

Philipp, Landgraf zu Hessen.

6

Auf diesen fürstlichen Befehl haben der Herr Statthalter und die Räte zu Kassel die gemeinen Pfänner zu Allendorf an der Werra zur Verhandlung hierher nach Kassel geladen und schriftlich einberufen, desgleichen die Beamten zum Sooden – ebenfalls wie hernach folgt.

7

Unseren günstigen Gruß zuvor, ehrbare gute Gönner!

8

Es hat unser gnädiger Fürst und Herr zu Hessen…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Catzenelnbogk — Schreibung der Endung unsicher (Catzenelnbogk/Catzennelnbogenn)
  2. zu helffenn lassenn vnnderstehet — Wortfolge unsicher gelesen
  3. Lz — abgekürzte Unterschrift, wohl 'Landtgraff zu'; Buchstabenbestand unsicher
  4. that — Lesung 'that' (= tat/hat); Satz wird erst auf der Folgeseite vollständig

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 108 Bl. 52v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 108

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…uns jetzt ein Schreiben nebst anderen zukommen lassen, dessen Datum lautet: im kaiserlichen Lager zur Neuenstadt, am 29. des jüngst vergangenen Monats Juni; darin haben Seine Fürstlichen Gnaden befohlen:

2

Nachdem Seinen Fürstlichen Gnaden vor ihrer Abreise berichtet worden ist, dass der Salzbrunnen bei euch etwas schadhaft sei,

3

sollten wir zusammen mit etlichen aus euch, die sich auf diese Dinge verstehen, dafür sorgen, dass dieser Brunnen wieder instandgesetzt und die Mängel wieder zur Besserung gebracht werden.

4

Daraufhin ist im Namen Seiner Fürstlichen Gnaden unser Begehren – indem wir euch gütlich ersuchen –, ihr wollet drei oder vier aus euch verordnen, die die Verhältnisse des Salzwerks kennen und verstehen,

5

und am nächsten Sonntag, dem 10. Juli, gegen Abend hier eintreffen, um am folgenden Tag zusammen mit uns darüber zu beratschlagen und zu beschließen, wie dem Brunnen geholfen werden kann.

6

Damit geschieht unserem hochgedachten gnädigen Fürsten und Herrn ein Gefallen; es kommt auch euch allen zugute, und wir sind euch mit günstigem Willen geneigt.

Unsichere Lesungen

  1. Itztvergangenn — Wortende mit Schnörkel abgekürzt, Endung unsicher
  2. sfgl. — Abkürzung wohl 'seiner fürstlichen gnaden'; Buchstabenbestand unsicher
  3. nebenn vnns von dem, — Wortlaut 'von dem' unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 109 Bl. 53r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 109

1

Gegeben zu Kassel am 4. Juli im Jahr 1547.

2

Statthalter und Räte zu Kassel.

3

An die gemeinen Pfänner zu Allendorf an der Werra.

4

Unseren Gruß zuvor, ehrbare gute Gönner!

5

Auf Befehl unseres gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen haben wir etliche von den Pfannherren bei euch hierher einberufen,

6

damit sie am nächsten Sonntag, dem 10. dieses Monats, gegen Abend hier eintreffen und mit uns darüber reden und beratschlagen, wie den Gebrechen des Salzbrunnens abzuhelfen sei.

7

Weil nun die Notdurft erfordert, dass auch ihr bei dieser Verhandlung zugegen seid, so ist im Namen Seiner Fürstlichen Gnaden unser Begehren, ihr wollet alsdann ebenfalls hier eintreffen

8

und zwei verständige Sieder mitbringen – denen ihr jedoch die Gründe, weshalb ihr hierher einberufen worden seid, nicht eröffnen sollt –,

9

die geeignet sind, neben anderen darüber zu reden und zu beschließen, wie dem Brunnen geholfen werden kann.

10

Daran…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Gönnere — Endung unsicher (Gönnere/Gönnern)
  2. Pfannhern — Lesung unsicher (Pfannherrn/Pfennern)
  3. Söder — Anfangsbuchstabe S/B nicht sicher; 'Sieder' aus dem Kontext erschlossen
  4. Geschickt — Lesung unsicher, auch 'Geschicht' möglich

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 110 Bl. 53v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 110

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…geschieht nach Seiner Fürstlichen Gnaden Meinung; und wir sind euch mit Gunst geneigt.

2

Gegeben zu Kassel am 4. Juli im Jahr 1547.

3

Statthalter und Räte zu Kassel.

4

An den Rentmeister und die Salzwarte zu Allendorf an der Werra.

5

Daraufhin ist am 11. Juli desselben Jahres beratschlagt worden, wie folgt:

Unsichere Lesungen

  1. geschicht sfgl. meinung — Zeilenanordnung zweispaltig; Lesereihenfolge rekonstruiert (linke und rechte Halbzeilen)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 111 Bl. 54r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 111

1

Das fünfte Buch.

2

Wie dem Salzbrunnen dort zum Sooden vor Allendorf an der Werra bei dem bevorstehenden Mangel zu helfen sein sollte.

3

Von wegen unseres gnädigen Herrn: durch den Herrn Statthalter Rudolf Schenck, Landvogt, Doktor Walter, Heinrich Muldener und Jost Berttern, den Rentmeister und Salzwart zum Sooden.

4

Von Seiten der gemeinen Pfenner: Johann Riedenstein, Johann Schaffnit, Chias Cherey, Hans Meuth.

5

Also ist das Bedenken der gemeinen Pfenner: Weil die Bauten um den Salzbrunnen durch die Länge der Zeit etwas mangelhaft sein könnten – und damit man sich dann nicht auf bedenkliche Bauarbeiten einlassen muss –,

6

dass man den Damm um den Brunnen öffne und nachsehe, ob dort Mängel gefunden werden; dann könnte man ein neues Fass und einen neuen Damm darum schlagen und errichten, was ohne große Beschwernis geschehen könnte.

Unsichere Lesungen

  1. fürstehenndenn — Lesung des Wortes nicht ganz sicher; Sinn 'bevorstehenden/vorstehenden' Mangel.
  2. Bertternn — Familienname des Rentmeisters Jost nicht sicher lesbar.
  3. Salzewardt — Amtsbezeichnung nicht sicher; wohl 'Salzwart' (Aufseher des Salzwerks).
  4. Chias Cherey — Vor- und Nachname unsicher; 'Chias' wohl Kurzform von Matthias.
  5. Meuth — Nachname unsicher, auch 'Reuth' möglich.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 112 Bl. 54v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 112

1

Johann Schaffnit berichtet: Wenn der Sohlgraben geräumt werde, habe der Brunnen keinen Mangel.

2

Ferner: Der Brunnen ist vor zehn Jahren über den Zapfen gestiegen und bleibt jetzt darunter; darum muss der Brunnen mangelhaft sein.

3

Hans Meuths Meinung ist, dass man den Brunnen mit Pumpen ausschöpfe; dann könnte man sehen, ob an den Adern ein Mangel sei oder nicht.

4

Der Landvogt beschließt mit, dass der Sohlgraben geräumt werde; zum anderen, dass verständige Leute, die sich auf Grundbauten verstehen, neben den Räten zur Besichtigung auf einen benannten Tag verordnet würden, um darüber zu beraten;

5

zum dritten, dass Meister Jörgens Bau und Kunst (Pumpwerk) dem Hauptwerk sehr schädlich und schleunigst zu beseitigen sei.

6

Des Herrn Statthalters Meinung ist, dass der Sohlgraben aufs Förderlichste vollends geräumt werde; und weil der Damm um den Salzbrunnen mangelhaft ist, dass demselben umgehend abgeholfen werde, und dass insbesondere nach dem jetzt bevorstehenden Landtag,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. keinenn — Wort mit langem Querstrich durchzogen; als Zierstrich (nicht Tilgung) gedeutet, da sonst der Satzsinn fehlt.
  2. außöse — Lesung nicht ganz sicher; Sinn 'ausschöpfe/auspumpe'.
  3. eh — Kurzes Wort vor 'Meister Jorgenn' unsicher lesbar (evtl. 'es' oder Kürzel); in der Übersetzung unberücksichtigt.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 113 Bl. 55r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 113

1

Fortsetzung von der vorigen Seitebei einer Besichtigung darüber beraten und verhandelt werde.

2

Dies alles ist Jörgen Behm vorgehalten worden: Weil die Kunst (das Pumpwerk) den Brunnen belastet, müsste sie beseitigt werden; wisse er nun andere Mittel, die Sole herauszubringen, soll er gehört und ihm dazu geholfen werden.

3

Darauf sagt Jörge Behm, die Kunst sei dem Brunnen unschädlich; er berufe sich dafür auf alle verständigen Bergleute.

4

Auf diese Verhandlung hin ist dieser Abschied gegeben: dass nach diesem jetzt bevorstehenden Landtag alsbald der Statthalter, der Landvogt, Johann Nordeck, Heinz von Lutter, der Baumeister zu Ziegenhain, Heinrich Muldener und andere verständige Werkleute

5

an einem festgesetzten Tag, den der Statthalter benennen wird, zur Besichtigung zum Sooden kommen und über solchen Mangel – und wie ihm zuvorzukommen sei – beraten sollen.

6

Und Jörge Behm soll dann auch dabei sein.

7

Und mittlerweile soll der Sohlgraben geräumt werden, wozu auch die Pfenner etliche verständige BauleuteLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. am Vfies — Wort nach 'Lanndtage' nicht sicher lesbar; vielleicht 'am schirsten' (= alsbald). Übersetzung sinngemäß 'alsbald'.
  2. Lutter — Name 'Heinz von Lutter' — u-Bogen ohne eindeutige Umlautzeichen, auch 'Lütter' möglich.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 114 Bl. 55v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 114

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedie dienlich wären, beschaffen und bekommen könnten, sollen sie Fleiß aufwenden, seien diese auf dem Hain, innerhalb oder außerhalb des Landes oder an anderen Orten;

2

und dass sie daran nichts sparen sollten – es käme ihnen, ihren Erben und Nachkommen selbst zum Besten.

3

Weil nun die Besichtigung und die weitere Verhandlung in Augenschein geschehen sollten, haben die fürstlichen Herren Statthalter und Räte dafür den 1. September dort zum Sooden als Tag angesetzt, sind dort erschienen, und es ist verhandelt worden wie folgt.

Unsichere Lesungen

  1. vffm Hain — Lesung 'Hain' nicht ganz sicher; wohl Ortsangabe (auf dem Hain).
  2. keme — Wort vor 'Ihnenn' nicht ganz sicher; Sinn 'es käme ihnen ... zum Besten'.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 115 Bl. 56r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 115

1

Beratschlagt, wie dem Mangel des Salzbrunnens abgeholfen werden könnte.

2

Von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn: der Statthalter Rudolf Schenck zu Schweinsberg, der Landvogt Sigmund von Boyneburg, Heinz von Lutter, Hauptmann zu Ziegenhain,

3

Johann Nordeck, Heinrich Muldener, Valentin Schulde, Jost Berker, Hans Geilmann, Schultheiß von Homberg, der Rentmeister zum Sooden Johann Bartholmes und der Salzwart zum Sooden Christoff Homberg.

4

Von Seiten der gemeinen Pfänner und für sich selbst:

5

Ernst von Bischhausen, Hans Caspar von Eschwege, Bernd von Bischhausen, Herr Wilhelm, Prediger und Dechant zu Heiligenstadt, Herr Heinrich Löber von Heiligenstadt …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. stzl — Kürzel vor 'Stadthalter' nicht sicher aufzulösen; in der Übersetzung ausgelassen.
  2. Schweinsburgk — Wohl 'Schweinsbergk' — die Familie Schenck zu Schweinsberg.
  3. Beÿneburgk — Gemeint ist die Familie von Boyneburg.
  4. Valtin Schulde — Nachname unsicher, auch 'Schilde' möglich.
  5. Jost Berker — Nachname unsicher; wohl dieselbe Person wie 'Jost Bertternn' auf Blatt 54r.
  6. Geilmann — Anfangsbuchstabe nicht ganz sicher, auch 'Seilmann' möglich.
  7. Caspar — Vorname des Hans von Eschwege nicht ganz sicher lesbar.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 116 Bl. 56v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 116

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteJörge Freundt, Rentschreiber zu Eschwege, Johann Schaffnit der Ältere, Johann Nidernstein, Johann Casselmann, Hans Meuth, Heinz Meinhardt, Chias Chorey,

2

Curt Ruland, Jörge Gauwler, Hans Möller der Ältere, Alexander Jordan, Bernhard Wallis und andere Bürger, die Pfänner sind.

3

Geschehen zu Allendorf an der Werra, den 1. September im Jahr 1547.

4

Der Herr Statthalter berichtet über die Verhandlung zu Kassel und gebietet den Verordneten der Pfänner bei den Pflichten, mit denen sie unserem gnädigen Fürsten und Herrn verbunden sind,

5

anzuzeigen, was sie sich überlegt haben, wie dem Mangel zuvorzukommen sei, und zum Besten mit ihrem Rat zu helfen.

Unsichere Lesungen

  1. Nidernstein — Anfangsbuchstabe N/R mehrdeutig; wohl dieselbe Person wie 'Johann Riedennstein' auf Blatt 54r.
  2. Chias Choreÿ — Vor- und Nachname unsicher (auf Bl. 54r als 'Chias Cherey' gelesen).
  3. Rulanndt — Anfangsbuchstabe R/M mehrdeutig; auch 'Mulanndt' möglich.
  4. Gauwler — Nachname unsicher; auch 'Gaißler' oder 'Saurler' denkbar.
  5. Pfentzsch — Wort nach 'Bürger die' nicht sicher lesbar; dem Sinn nach 'Pfänner'.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 117 Bl. 57r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 117

1

Daraufhin haben die Pfänner eine kurze Bedenkzeit erbeten; sie ist ihnen zugestanden worden.

2

Nach der gehaltenen Beratung sagt Widenstein im Namen der gemeinen Pfänner, dass die Verordneten den Bericht des Herrn Statthalters angehört haben und sich ohnehin von sich aus in der Pflicht wissen;

3

Und weil es auch unseren gnädigen Fürsten und Herrn mit angeht, den Brunnen instand zu setzen, bitten sie, ihre Bedenken anzuhören, und erkennen sich für verpflichtet, sich das zu verdienen.

4

Darauf hat der Herr Statthalter gesagt, sie hätten zu bedenken, dass dieses Ansinnen allein dem Werk zugutekomme, und nochmals begehrt, diese Sache voranzubringen.

5

Johann Widenstein erinnert an die früher aufgerichteten Verträge und die Verpachtung; sie sagen, dass sie sich für verpflichtet erkennen, dem Mangel abzuhelfen, verwahren sich jedoch dagegen, dass es diesen zuwiderlaufe, und wollen davon unbeschwert bleiben;

6

und sagen, dass sie sich allezeit gegen die aufwendigen Bauten verwahrt haben; es sei aber den Werkleuten, insbesondereLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. vonn wegk — Lesung des Wortendes unsicher; sinngemäß „von wegen“ (im Namen der gemeinen Pfenner)
  2. werckleutenn — Wort mit Zierstrich durch ck; Lesung „Werkleuten“ wahrscheinlich
  3. dann= — Am Seitenende getrenntes Wort; Fortsetzung S. 118 „derlich“ ergibt wohl „sonnderlich“, erster Wortteil liest sich aber eher wie „dann“
  4. Widennstein — Anfangsbuchstabe des Namens mehrdeutig, auch „Niedennstein“ möglich (so auch S. 119)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 118 Bl. 57v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 118

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…[son]derlich Meister Jorgen Behm zu viel gefolgt worden; sie berufen sich auf den Augenschein und tun dem Brunnen Schaden, denn die Alten haben auf das alte Fundament das neue Fass gesetzt, und zwar auf eingestoßene Pfähle; zwei Fässer sind mit Ton verstopft.

2

Nun ist das Pumpwerk daraufgelegt, das nicht allein das Fass, sondern auch die Böden bewegt.

3

Darum erschüttert das Pumpwerk diesen leichten Bau; der Schaden kommt allein vom Pumpwerk, und Meister Jorgens Kunst sei daran schuld.

4

Um dem zuvorzukommen, wollten sie in aller Einfalt vorschlagen: Da das Fundament noch ganz ist, solle der Damm bis auf den Grund ausgehoben werden; dann würde man den Schaden sehen,

5

weil das Fass noch ganz sei; und das könne ohne Schaden geschehen, denn sie finden, dass die Sole im Brunnen noch wie zuvor stark genug ist.

6

Darauf antwortet der Herr Statthalter: Weil das meiste auf dem Augenschein beruht, wollen sie nach dem Essen beizeiten hinaus zum SodenLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zweÿ fasse — Lesung „fasse“ (Fässer) nicht ganz sicher, auch „faste“ denkbar
  2. erschell — Wortform unsicher; wohl „erschellt/erschüttert“
  3. kannt — Lesung unsicher, „kannt/konnt“ (= könnte)
  4. zum Sodenn — „zum“ auch als „zun“ (= zu den) lesbar

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 119 Bl. 58r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 119

1

Fortsetzung von der vorigen Seitesein und dies in Augenschein nehmen; das gefällt den Verordneten unseres gnädigen Fürsten und Herrn und den gemeinen Pfännern wohl.

2

Und die Besichtigung ist gemeinsam so geschehen, rings um den Salzbrunnen, den Sohlgraben, die Pumpwerke und anderes.

3

Und Johann Widenstein sagt, dass sie den Salzbrunnen bis zum heutigen Tag frei und unbeschädigt gefunden haben, ganz so, wie er bei der Übergabe und zu Beginn der Verpachtung gewesen sei;

4

denn er habe ihn mit dem Maß gemessen, an dem der Blei- und Federstein hängt, und sie hätten dieses Maß seinerzeit genommen; dieses Maß haben die Pfänner bei sich behalten.

5

Und Widenstein sagte, dass sie den Salzbrunnen alle Jahre etliche Male geräumt und Kies und Steine herausgeräumt haben;

6

und wie er von den Alten gehört und auch selbst gesehen habe, sei so viel herausgeholt worden, dass der Brunnen jetzt damit gefüllt werden könnte.

7

Nach der heute geschehenen Besichtigung haben sich der Statthalter, der Landvogt, Heinz von Lüder, Nordeck und wir uns unterredet und entschlossen:Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Widennstein — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „Niedennstein“ lesbar (zweimal auf der Seite)
  2. der Bleÿ vnnd federnn stein — Lesung und Sachbezug unsicher; wohl Blei(lot) und Federstein am Messmaß
  3. gefult [gestrichen] — Nach „gefult“ ein kurzes, doppelt durchstrichenes Wort am Zeilenende, unleserlich
  4. Heinz vonn Lütter — Name mit Zierstrich durch tt; wohl Heinz von Lüder, Statthalter zu Kassel

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 120 Bl. 58v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 120

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedass Heinrich Müldener, Jost Becker und der Rentmeister den Salzgreben der Pfänner die nachfolgende Meinung anzeigen sollen, damit diese sich darüber beraten und morgen beizeiten Antwort geben.

2

Erstens sehen Statthalter und Räte es für nützlich und gut an, dass der Sohlgraben von unten herauf bis vor das Gewölbe ganz bis auf den Grund geräumt und gesäubert werden soll, sodass das Wasser aus dem Gewölbe seinen Abfluss und sein Gefälle haben kann.

3

Zum Zweiten, dass danach derselbe Sohlgraben vom Karmeberg an bis vor das Gewölbe mit Dielen unten und auf beiden Seiten ausgefüttert und gefasst werden soll, so wie jetzt ein Stück zur Probe gemacht worden ist;

4

und die Pfänner sollen mitberaten, ob man dazu Eichen-, Buchen- oder Tannendielen nehmen soll.

5

Zum Dritten, dass der Berg am Salzbrunnen durch verständige Werkleute mit einem guten Stollen durchfahren werden soll.

6

Zum Vierten: wenn es ihnen gefiele, dass der Salz…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jost Becker — Zierstrich durch ck; auch „Berker“ lesbar
  2. Heinrich Müldener — Name; Lesung „Müldener“ (auch „Mildener“ denkbar)
  3. Karmeberge — Ortsname unsicher; Anfangsbuchstabe mehrdeutig (K/S/W), etwa „Karmeberg/Karnberg“
  4. Stutenn — Lesung unsicher; dem Sinn nach „ein Stück (Abschnitt) zur Probe“

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 121 Bl. 59r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 121

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…brunnen ausgeschöpft würde, damit man den Boden sehen könnte.

2

Und wenn der Graben gesäubert ist, soll das Wasser 14 Tage aus dem Gewölbe fließen; und wenn es sich dann beim Sieden nicht bessert, soll man ein Probewerk sieden, damit man innewird, wie es darum bestellt ist.

3

Antwort der Pfänner auf den oben beschriebenen Antrag.

4

Zuvor, und ehe sie auf den Antrag Antwort geben, wollen sie angezeigt haben: Weil gestern Christof und Meister Jorg mit Worten aneinandergeraten sind, wobei einer den anderen beschuldigte, die Ursache des jetzigen Schadens zu sein,

5

so bitten sie darum, darüber einen gründlichen Bericht zu empfangen.

6

Es wird in Abrede gestellt, dass Christoff mit dem Aufräumen des Grabens Schaden getan habe; und sollte dem Brunnen Schaden geschehen sein, was man doch nicht hofft, so müsste es die Schwere des Pumpwerks getan haben.

7

Widenstein sagt zum ersten Artikel, dass sie…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. ausgeöst — „ausösen“ = ausschöpfen; Lesung wahrscheinlich, aber Wortbild eng geschrieben
  2. zusammenn kommen — Sinn: mit Reden aneinandergeraten; Wortfolge etwas unsicher
  3. Widennstein — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „Niedennstein“/„Tiedennstein“ lesbar; hier wie zuvor als Widennstein wiedergegeben

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 122 Bl. 59v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 122

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…diesen nicht zu ändern wüssten, doch solle der Graben nicht tiefer ausgeführt werden, als das Gewölbe liegt; denn würde er tiefer gemacht, käme das dem Salzbrunnen nicht zugute, und er fiele auch umso mehr ein.

2

Dem zweiten Artikel, dass der Graben mit Dielen gefasst werde, haben sie ebenfalls zugestimmt.

3

Beim dritten haben sie ein großes Bedenken, denn vom Berge her kommt nicht so viel Wasser, wie von der Werra hergekommen ist, wie man beim Setzen des Kunstkastens gesehen hat; aus diesem Grund ist es auch in früheren Zeiten unterblieben.

4

Sie wollen ihnen dies zu bedenken anheimgestellt haben und können auch ohne Vorwissen aller Pfänner nicht darin einwilligen.

5

Ferner, dass ein Damm geschlagen werde, damit die Werra nicht herabdringen kann: Das ist geschehen.

6

Ferner, dass auf ein leichteres Pumpwerk gedacht werde, damit Meister Jorgens schweres Pumpwerk abgeschafft werden kann.

7

Schaffnit sagt: Wenn der Salzbrunnen Schaden hätte, …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. liederlicher kunst — „liederlich“ hier wohl = leichter, geringer (einfacheres Pumpwerk); Lesung sicher, Deutung erschlossen
  2. Schaffnit — Personenname; Lesung wahrscheinlich, sonst nicht belegt

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 123 Bl. 60r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 123

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… so muss es an Jörgens Kunst (Pumpwerk) liegen und an keinem anderen.

2

Heinz Luthers Rat ist: Wenn Fluten kommen, soll vor dem Gewölbe ein Damm geschlagen werden, und das Wasser, das aus dem Gewölbe kommt, soll mit einem Taghaspel herausgezogen werden.

3

Bescheid

4

Der Statthalter sagt, dass der Sohlgraben bleiben und so gemacht werden soll, wie die Pfenner es begehrt haben, sodass vor dem Gewölbe ein Gefälle von einem Fuß ist.

5

Wegen des Stollens soll es dabei bleiben, bis der Salzbrunnen gebaut wird.

6

Der Sohlgraben soll gefasst werden, und sie sollen die Baukosten mittragen helfen.

7

Der Damm soll so geschlagen werden, dass die Werra nicht herabgehen kann.

8

Was die Kunst betrifft – dass sie dem Born schädlich sei –, soll danach getrachtet werden, ein einfaches Pumpwerk zur Förderung der Sole einzurichten.

Unsichere Lesungen

  1. Jorgenn kunst — Deutung unsicher: Jörgens Kunst (Pumpwerk) oder Personenname Jorge Kunst; Satzanfang liegt auf der Vorseite
  2. keinem annderm — Endungen der beiden Wörter (m/r bzw. m/nn) nicht ganz sicher
  3. liederlich — frühnhd. liederlich = leicht, mühelos; Lesung ziemlich sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 124 Bl. 60v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 124

1

Der Pfenner Widenstein bittet: Was sie in dieser Sache geredet haben, das haben sie treulich und gut gemeint; man möge es ihnen nicht verdenken.

2

Dass sie aber die Kosten des Sohlgrabens mittragen sollen, dazu meinen sie nicht verpflichtet zu sein.

3

Zum anderen, dass sie die Bauleute für die Kunst (das Pumpwerk) mitbestellen sollen: Dafür haben sie jetzt niemanden außer Meister Hansen; darauf hat der Herr Statthalter den Bescheid gegeben:

4

Weil der Bau am Sohlgraben ihnen nicht nur zur Zeit der Verpachtung, sondern auch danach zugutekommt, sollen sie den Graben mitbauen und alle Unkosten zur Hälfte tragen und bezahlen helfen.

5

Dagegen protestieren die Pfenner; sie wollen aber die einhundert Gulden Schulden entrichten, die zuvor unserem gnädigen Herrn bewilligt worden sind und die sie noch für den Bau des Sohlgrabens schuldig sind.

6

Verhandelt zu Allendorf, den 2. September im Jahr 1547.

7

Nach dem heutigen Abschied haben der Statthalter und Landvogt, Heinz von Lutter, Nordeck und wir anderen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Widennstein — Anfangsbuchstabe W/N nicht sicher; auch 'Nidennstein' (vgl. 'Niedennstein' PDF-S. 136) möglich
  2. hievor hiever — Zwei fast gleiche Wörter hintereinander, wohl Dittographie des Schreibers; Übersetzung gibt nur 'zuvor' wieder
  3. Nordeck — Endung -ck mit Zierstrich; Familienname von Nordeck, Lesung ziemlich sicher
  4. soll sie — so die Vorlage; grammatisch 'sollen sie' zu erwarten

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 125 Bl. 61r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 125

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… samt den Verordneten der gemeinen Pfenner den Salzbrunnen aufs Niedrigste ausschöpfen lassen und ihn danach durch die nachbenannten Werkleute im Brunnen besichtigen lassen.

2

Es hat sich nachmals wie zuvor gezeigt, dass das Fass im Grund an etlichen Orten hohl und schadhaft ist, wie man die Werkleute dazu angehört hat und es hernach verzeichnet ist.

3

Meister Jorge hat auch beide Röhren zugleich laufen lassen müssen, damit man sehe, wie sehr die Kunst am Salzbrunnen und am Boden bewegt (in Bewegung gesetzt) wird.

4

Hans, der Steinmetz, ist gefragt worden, wie er das Werk des Salzbrunnens befunden habe, ob Jörgens Kunst dem Born schädlich sei oder nicht und wie dem zu helfen sei.

5

Er sagt, das Werk sei dem Born schädlich; auch sei das Werk unten zerbrochen, und sein Rat wäre, dass der Born zuerst mit Holzwerk und danach ringsherum mit Steinen gefasst werde.

6

Er meint auch, dass ein Zug mit Gewicht daraufgesetzt werden könnte, der so viel Sole herausbringen könnte wie die jetzige Kunst.

Unsichere Lesungen

  1. wans — frühnhd. wan = leer, schadhaft; Lesung nicht ganz sicher, auch 'wanck' denkbar; übersetzt als 'schadhaft'
  2. Rörenn — Anfangsbuchstabe R/K im Duktus mehrdeutig; 'Röhren' (der Kunst) nach dem Kontext
  3. Bodenn — Wort mit Querstrich – wohl Zierstrich, keine Tilgung
  4. [gestrichen: Frannckfurt] — Herkunftsangabe gestrichen; nach 'gefragt' zusätzlich ein gestrichener Schnörkel/Buchstabe, unleserlich
  5. könt — Lesung könt/kömt; dem Sinn nach 'könnte'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 126 Bl. 61v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 126

1

Er sagt auch, dass auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt; darum soll man zwölf Pumpen in den Born setzen und ihn ausschöpfen, damit man den Grund sehen könnte.

2

Meister Antonius, Baumeister zu Ziegenhain, sagt auf die Frage des Statthalters, ob die Kunst dem Born Schaden tue oder nicht und wie dem Born zu helfen wäre:

3

Die Kunst sei dem Born nicht nützlich, denn der Born sei in der Mitte niedrig, und das Fass sei an etlichen Orten leer; das habe die Kunst mit den Schläuchen herausgezogen.

4

Wer den Born gebaut hat, der hat ihn auf den Kies gesetzt; darum musste man eine Kunst einsetzen, damit der Born ausgeschöpft würde und man dem Born auf den Boden sehen könnte.

5

Er meint auch, es sei besser, dass hölzerne Röhren und lederne Schläuche gesetzt würden; die hätten weder Gewalt noch Last auszuhalten und sollten in einem Trog laufen.

6

Der Ton sei nachlässig hineingebracht worden und sei klumpig.

Unsichere Lesungen

  1. zwölff pompenn — Zahlwort zwölf; Lesung ziemlich sicher, aber auffällig hohe Zahl
  2. kies — Anfangsbuchstabe k/b nicht ganz sicher; 'Kies' nach dem Kontext (Brunnengrund)
  3. vnnfleissige — Lesung unsicher; verstanden als 'unfleißig' = nachlässig
  4. klomperchtige — Wort mit langem Querstrich – wohl Zierstrich/Unterstreichung, keine Tilgung; Lesung klomperchtige/klemperchtige, verstanden als 'klumpig'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 127 Bl. 62r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 127

1

Gegen Mittag (Süden) hin gehe eine Ader stark; aber das darüber Liegende sei noch zu grob, sodass man nicht genau sehen könne, wo sie hervortritt.

2

Heinz von Lutter sagt, dass es in Lothringen viele Salzwerke gibt, die gemeinhin im Moorgrund liegen; Balthasar Merz und Meister Kunz, der Zimmermann, haben sie besichtigt und vielleicht ein Verzeichnis darüber gemacht.

3

Deswegen hat man sich zu erkundigen und von dem Ort Leute zu bekommen, die guten Rat geben könnten.

4

Meister Hans Güldenzopf vom Freunberg sagt, es tue not, dass der Born neu gefasst und diesen Winter dazu alle Bereitschaft (alles Nötige) beschafft werde.

5

Die beste Fassung ist, ins Geviert (viereckig) zu setzen; das ist viel besser, als mit dem Runden zu fassen.

6

Diese alte Fassung sei sehr baufällig; und wäre das Werk von einem Werkmann gemacht worden, wäre es beständiger und kunstgerechter.

7

Es sollen zwei Schächte gemacht werden; diesen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Tast — Lesung Tast/Last unsicher; verstanden als das über der Ader Liegende, das die Sicht verwehrt
  2. ereugtt — Zierstrich durch tt, keine Tilgung; ereugen = sich zeigen
  3. gemohr — wohl 'Gemoor' (Moorgrund); Lesung ziemlich sicher
  4. Freunbergk — Herkunftsname unsicher; auch Frauenberg, Freudenberg oder Creuzberg denkbar
  5. bereitschafft verschafft — beide Wörter mit Zierstrich durch fft, keine Tilgung
  6. vnnd sey werck — Wortlaut syntaktisch hart; 'hette' mit Zierstrich durch tt, keine Tilgung; Übersetzung sinngemäß

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 128 Bl. 62v

ÜbersetzungSeite 128

1

Winter das Ösen (Ausschöpfen) des Borns, und man könnte gleichwohl sieden. Wenn der Born bis auf den Grund geöst würde, könnte man von den Adern reden. Wenn die Salzader noch geringer wäre als diese, so könnte man es durch die Wasserschächte innewerden und die gebührenden rechten Adern finden. Wenn man die rechte Ader finden will, so muss man ihrer Natur nachfolgen; denn es ist gewiss, dass die rechte Sole in einem besonderen Gehäuse geht. Die Dauben am Fass des Salzborns sind zum Teil scharf. Ich kann nicht befinden, dass die jetzige Kunst dem Born Schaden tut, denn die Schläuche stehen nicht auf dem Boden oder Grund. Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, sagt, wenn diese jetzige alte Fassung bleiben sollte, dass man die Ader, die außerhalb des Fasses geblieben ist, insbesondere fassen müsste, inwendig und auswendig. Der Born ist unten viel enger als oben, und wenn

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: Östenn — Ostern oder Osten unklar
  2. Z. 3: geöst — ösen = ausschöpfen, Lesung wahrscheinlich
  3. Z. 10: gehenße — Gehänge? Endung unklar
  4. Z. 15: Wezell — Name, e/a unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 129 Bl. 63r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 129

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… aus ganzen Dielen; jedes Fass wurde zu verschiedenen Zeiten gesetzt.

2

Auf diese Anhörung und diesen Bericht hin ist beschlossen worden, dass der Damm um den Salzbrunnen jeweils zu einem Achtel auf einmal geöffnet und dann von neuem ausgedämmt werden soll; so kann es ringsum ganz ohne alle Beschwernis geschehen,

3

und dadurch wird man gewahr, ob am Salzbrunnen ein Mangel besteht oder nicht, denn das Fass ist noch überall ganz und gut.

4

Jorge Behm wurde ernstlich befohlen, dieses Pumpwerk abzubauen und ein anderes, leichteres Werk zur Förderung der Sole zu bauen;

5

aber er weiß kein anderes Werk zu bauen, außer dass er dieses Werk anders fassen und aufhängen will,

6

das Haus über dem Brunnen abbrechen und den Stall nach hinten versetzen, auch im Salzbrunnen unter der Schleuche (Zulaufrinne) einen Kasten anbringen will, doch so, dass er nicht auf den Boden rückt.

7

Wenn man den Brunnen aufreißt, könnte man es wohl noch schlimmer machen; darum wäre es nötig, den Brunnen ganz auszuschöpfen (auszuösen); dann könnte man die Adern erkennen und den Mangel sehen.

Unsichere Lesungen

  1. Tam — Anfangsbuchstabe nicht ganz sicher (T/S); dem Sinn nach Damm um den Salzbrunnen
  2. außgetembt — Lesung der Buchstabenfolge -embt gesichert per Zoom; gedeutet als ausgedämmt
  3. geseztt — Satzanfang fehlt (steht auf der Vorseite); Zierstriche durch tt

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 130 Bl. 63v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 130

1

Über diese geführten Verhandlungen ist dem hochgedachten, unserem gnädigen Fürsten und Herrn mit Wissen des Herrn Statthalters in die schwere, harte Gefangenschaft (Custodie) schriftlicher Bericht erstattet worden, folgenden Inhalts:

2

Dem durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen etc., unserem gnädigen Fürsten und Herrn.

3

Durchlauchtiger, hochgeborener Fürst, Euer Fürstlichen Gnaden seien unsere untertänigen, schuldigen und ganz bereitwilligen Dienste allezeit zuvor entboten, gnädiger Fürst und Herr.

4

Wiewohl wir bisher von einer Zeit zur anderen Euer Fürstlicher Gnaden Freilassung und Heimkehr mit herzlichem und höchstem Verlangen erhofft haben und noch täglich erhoffen, insbesondere weil die Artikel der Kapitulation alle vollzogen sind,

5

so werden Euer Fürstliche Gnaden doch, Gott sei es geklagt, trotz alledem von Tag zu Tag hingehalten; deswegen wir …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Custodien — gemeint ist die Gefangenschaft Landgraf Philipps (1547-1552)
  2. geclagt — c/r schwer unterscheidbar; Formel leider Gott geklagt

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 131 Bl. 64r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 131

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… großes, herzliches Mitleiden tragen; und doch zwingt uns die äußerste Not, an Euer Fürstliche Gnaden diesen schriftlichen Bericht über die Lage des Salzwerks zu Sooden zu richten.

2

Wir hätten aber, weiß Gott, Euer Fürstliche Gnaden bei ihren jetzigen großen und äußersten Beschwernissen gern damit verschont; doch haben wir es nicht länger umgehen noch aufschieben können, und es verhält sich so:

3

Euer Fürstliche Gnaden haben am vergangenen 29. Juni dieses Jahres aus dem kaiserlichen Lager zu Neustadt an dero Statthalter und Räte hier in Kassel wegen des Salzbrunnens zu Sooden folgendermaßen geschrieben:

4

Weil Euer Fürstliche Gnaden vor ihrer Abreise befunden haben, dass der Salzbrunnen zu Allendorf an der Werra mangelhaft sei, so sei es Euer Fürstlicher Gnaden Wille, dass die Statthalter und Räte mit dem Rat etlicher Pfänner und anderer verständiger Biederleute es unternehmen sollen, diesem Mangel abzuhelfen,

5

doch in jedem Fall mit der Vorsicht, dass das Übel nicht noch schlimmer gemacht werde.

Unsichere Lesungen

  1. zur Neuenn stadt — kaiserliches Feldlager zu Neustadt; welcher Ort gemeint ist, bleibt offen
  2. so seÿ E. f. gl. — elliptisch; zu ergänzen wohl Wille oder Befehl

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 132 Bl. 64v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 132

1

Daraufhin wurden vier der vornehmsten und ältesten Pfänner auf den 11. Juli hierher nach Kassel geladen,

2

und von Euer Fürstlichen Gnaden wegen sind deretwegen der Statthalter, der Landvogt und Doktor Walther, Euer Fürstlichen Gnaden Amtsknechte dahin nach Sooden, sowie wir beide bei dieser Verhandlung zugegen gewesen,

3

und es wurde gründlich beraten, wie und auf welche Weise diesem Mangel abgeholfen werden könnte oder möchte.

4

Daher ist damals beschlossen worden: Weil die Söder immerfort klagen und doch im Pfännerbuch stand, dass man ihren Klagen nicht leichthin Glauben schenken solle,

5

und es doch wohl sein könnte, dass die Bauten um den Salzbrunnen durch die Länge der Zeit etwas mangelhaft geworden sein könnten:

6

dass nach dem abgehaltenen, zu jener Zeit als nächstes für die kaiserlichen Kommissarien anberaumten Landtag der Statthalter, der Landvogt, Nordeck, Heinz von Lutter und andere sachverständige Werkleute

7

an einem bestimmten Tag, den der Statthalter benennen sollte, zur Besichtigung nach Sooden kommen (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. dhin Sodem — Wort vor der Einfügung Sodem unsicher gelesen (dhin = dahin?); Einfügung über der Zeile
  2. kont — Lesung des Wortes am Zeilenende nicht ganz sicher (kont = könnte)
  3. schieste — Lesung unsicher; wohl Form von schierst (= nächst bevorstehend)
  4. Heinz von Lutter — Name nicht ganz sicher; vermutlich Heinz von Lüder
  5. Kay: — Kay: mit horizontalem Kürzungsstrich (kaiserlichen); kein Tilgungsstrich, vgl. Kayr: Mayt: auf Blatt 65r

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 133 Bl. 65r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 133

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… und über diesen Mangel zu beraten, wie ihm am besten und nützlichsten vorgebeugt werden könnte.

2

Desgleichen sollten die Pfänner sich ebenfalls gehörig darauf vorbereiten und sich auch mit Fleiß um sachverständige Bauleute bemühen.

3

Mittlerweile sollte der Sohlgraben bis vor das Gewölbe — wie wir denn damals bereits vor diesem Tag an der Arbeit waren — so weit es menschlich und möglich ist, geräumt werden,

4

ob man vor dem Gewölbe außerhalb des Soodens einen Abfluss (Abfall) gewinnen und haben könnte.

5

Weil aber unterdessen vielerlei bedeutende Geschäfte Euer Fürstlicher Gnaden anfielen, auch in dieser Zeit Euer Fürstlicher Gnaden Statthalter etwas schwach (kränklich) war,

6

und ich, Jost, mit dem letzten Geld nach Speyer geschickt wurde, um es der Kaiserlichen Majestät zur endgültigen Entrichtung der Kapitulationsartikel zu überbringen,

7

hat sich dieser Termin bis auf den letzten August hinausgezogen und verzögert.

8

Da sind an diesem Tag von Euer Fürstlicher Gnaden wegen zu Allendorf (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jnn gleichnus — Lesung des ersten Wortes (Jnn/Jm) nicht ganz sicher; Sinn: desgleichen
  2. enndtlicher enndtlicher — Wortdoppelung am Zeilenumbruch (Zeile 15/16), so in der Vorlage
  3. Kayr: Mayt: — beide Wörter mit horizontalem Kürzungsstrich (Kayserlicher Maytstät)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 134 Bl. 65v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 134

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… angekommen: der Statthalter zu Kassel, der Landvogt, Heinz von Lutter, Johann Nordeck, Valentin Thulde und wir beide samt Euer Fürstlicher Gnaden Amtsknechten, zum Sooden,

2

und von wegen der gemeinen Pfänner, und auch für sich selbst, an die dreißig Personen von Prälaten, Adel und Bürgern, die alle Mitpfänner waren.

3

Da wurde die vorige, oben berührte Verhandlung und der Abschied zu Kassel wiederholt,

4

und nach vielen langen, hin und her geführten Reden beschlossen, dass der Salzbrunnen aufs allertiefste ausgeschöpft und danach besichtigt werden sollte.

5

Also machte man sich sogleich daran: der Salzbrunnen wurde ausgeschöpft bis auf eine Elle tief Sole.

6

Danach sind von Euer Fürstlicher Gnaden und der gemeinen Pfänner wegen ich, Heinrich Muldenner, Johann Niedenstein, Bürgermeister, und der Salzgräfe der Pfänner zu Allendorf samt vier Werkmeistern — nämlich Meister Hans von Frankfurt, Stein… (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Valtin Thulde — Familienname unsicher gelesen (Thulde/Chulde?)
  2. that mann zustundt ann — Wendung unsicher; wohl: machte man sich sogleich daran
  3. Hienrich Muldenner — Name unsicher gelesen (Muldenner/Wuldenner?)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 135 Bl. 66r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 135

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…metz, Bürger zu Homberg in Hessen, Euer fürstlichen Gnaden Baumeister zu Ziegenhain Anthonius, Meister Hans Guldenkopf von Weimar in Thüringen, der mehrere Salzwerke gebaut hat, und dazu einen Zimmermann namens Hans Wetzel,

2

der Euer fürstlichen Gnaden etliche Jahre im Siedehaus (Boden) an allerlei Bauten gearbeitet hat; sie wurden verordnet, in den Salzbrunnen bis auf den Grund hinabzusteigen und alle Mängel zu besichtigen — dem sind wir dann auch so nachgelebt und nachgekommen.

3

Da haben wir genau und augenscheinlich befunden, dass das Fass im Salzbrunnen auf dem Grund und auch der Damm mangelhaft sind, und wir haben unter dem Fass hindurch mehr als eine Elle weit in den Damm hineingreifen können.

4

Nach dieser Besichtigung auf und um den Salzbrunnen, den Sohlgraben, die Pumpwerke (Künste) und anderes, wie sie an diesem Tag und in dieser Weise geschehen ist,

5

haben die Pfänner begonnen, den Salzbrunnen mit einer Wardel oder Leine, an der bleierne Zeichen und Federn hingen, nach Höhe, Tiefe, Weite und Länge innen und außen zu vermessen,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. E. f. gl. — Abkürzung mit Schlaufenbuchstabe; Auflösung als 'Euer fürstlichen Gnaden' aus dem Kontext (Bericht an den Landgrafen), Lesung des ersten Buchstabens nicht ganz sicher
  2. Tam — Anfangsbuchstabe T mit Querstrich; auch Lesung 'Cam' (Kamm) denkbar, gemeint ist der Damm um das Brunnenfass
  3. artts — Wohl 'orts' gemeint (des Tages und Ortes); Vokal sieht wie a aus
  4. Zeichl — Wortende undeutlich; wohl bleierne Zeichen/Senkbleie an der Messleine

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 136 Bl. 66v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 136

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteund danach durch Niedenstein den Herren Räten sagen lassen, dass sie den Salzbrunnen an diesem Tag — ganz so wie bei der Wiederübergabe zu Anfang der Verpachtung (Location), die im vergangenen Jahr 1541 am 1. Mai stattfand — noch unbeschädigt vorgefunden haben.

2

Dass aber der Boden am Grund an etlichen Orten etwas tiefer liegt als das Fass, kommt daher, dass die Alten den Salzbrunnen von Jahr zu Jahr gesäubert und viel Kot, Kies und Steine daraus geräumt haben;

3

und davon sei so viel herausgeholt worden, dass der Salzbrunnen jetzt damit gefüllt werden könnte; dadurch konnte sich dann unter dem Fass und Damm wohl wildes Wasser einschleichen.

4

Denn wir stellen auch tatsächlich fest, dass sich etliches wilde Wasser, das in der Abzucht (dem Abflussgraben) stand, ebendort verloren hat.

5

Und niemand kann es anders verstehen, als dass dieses Wasser durch den baufälligen Damm in den Salzbrunnen fällt.

6

Aber die Salzadern im Salzbrunnen und im Fass gehen, Gott sei Lob, noch so stark und gewaltig, wie sie es je und allezeit getan haben;

7

denn es warLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Niedennstein — Wohl Ortsname Niedenstein oder Personenname; als Vermittler der Nachricht an die Räte genannt
  2. Rethenn — Am Zeilenumbruch Re=thenn; Lesung 'Räten' aus dem Sinn, erster Buchstabe nicht ganz eindeutig
  3. konnt — Beide Male stark verschliffen geschrieben; Lesung 'konnt(e)' aus dem Sinn

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 137 Bl. 67r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 137

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…damals nicht möglich, den Salzbrunnen tiefer als bis an das Knie eines Mannes auszuschöpfen (zu ösen) und zu bewältigen; sie [die Salzadern] dringen mit aller Gewalt durch den Kies heraus, worüber wir alle sehr erfreut waren.

2

Danach hat man sich von allen Seiten notdürftig hin und her unterredet und beratschlagt, wie und auf welche Weise diesem Mangel ohne Nachteil — und ohne das Übel ärger zu machen — geraten und geholfen werden könnte, und damals endlich Folgendes beschlossen und verabschiedet:

3

Weil damals im Sommer eine merkliche und große Dürre in diesen Landen herrschte, wodurch gemeinhin viele und fast alle Brunnen vertrockneten, war deshalb zu vermuten, dass auch die Sole im Salzbrunnen nicht so stark und gut wie zuvor sein möchte,

4

wie es denn in jeder Laubrise (zur Zeit des Laubfalls) jedes Jahr geschieht — und doch hat sich hernach, wenn die Berge wieder voller Wasser werden, die Sole auch wieder gebessert.

5

Darum sollte man es bisLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. gemeintlich — Am Zeilenumbruch gemeint=lich; wohl Nebenform von 'gemeiniglich'
  2. Laubrosenn — Lesung des Vokals unsicher; wohl 'Laubrise' = Zeit des Laubfalls, Herbst

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 138 Bl. 67v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 138

1

Fortsetzung von der vorigen Seite[Darum sollte man es] ansehen, bis die Berge wieder wasserreich würden.

2

Doch sollte mittlerweile der Sohlgraben außerhalb der Siedehäuser (Boden), von unten herauf bis vor das Gewölbe, an dem Ort, wo Euer fürstliche Gnaden vor zehn Jahren, als der erste Vertrag aufgerichtet wurde, die Sieder schöpfen ließ,

3

ganz bis auf den Grund vollends geräumt und gesäubert werden, sodass das wilde Wasser aus dem Gewölbe einen Abfluss und ein Gefälle haben könnte, damit um den Salzbrunnen ganz und gar kein Wasser stehen bleiben müsste.

4

Und wenn der Sohlgraben so gesäubert und das Gefälle erreicht wäre, sollte das wilde Wasser vierzehn Tage aus dem Gewölbe fließen, damit man sähe, ob es sich mit dem Sieden bessern würde.

5

Daneben ist auch im Rat beschlossen worden: Wenn man vor dem Gewölbe ein Gefälle erreichen könnte, das dem ganzen Salzwerk höchst tröstlich und nützlich wäre — welches doch die Alten nie gehabt haben —,

6

dass dann der Sohlgraben gefasst und auf beiden Seiten mit Dielen ausgekleidet (gefüttert) werden sollte.

Unsichere Lesungen

  1. Soder — Lesung sicher bis auf Deutung; wohl 'Söder' = Sieder (Siedeleute), vgl. fol. 68r 'die Söder ... gesottenn'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 139 Bl. 68r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 139

1

So hat man, Gott sei Dank, am 8. Oktober das Gefälle vor dem Gewölbe einen Fuß hoch erreicht, wie es die Alten, obwohl sie schon allerlei Künste (Pumpwerke) gebraucht haben, nie gehabt haben.

2

Danach haben wir vierzehn Tage verstreichen lassen, um zu sehen, ob sich das Sieden bessern wollte, und auch bis Martini gewartet, bis das Gebirge ziemlich wasserreich geworden ist.

3

Da haben wir befunden, dass die Söder etliche Stunden weniger als zuvor gesotten haben; aber dennoch sieden sie länger als die vorige Zeit und bleiben bei ihrer Klage.

4

Deswegen haben wir dies dem Statthalter angezeigt, uns über allerlei unterredet und beschlossen:

5

weil der Salzbrunnen gebaut und ausgebessert werden sollte und musste, und Euer Fürstliche Gnaden dies doch nicht allein zu tun hatten, sondern die Pfänner mitraten und einwilligen mussten,

6

dass wir beide mit dem Salzgräfen der Pfänner darüber verhandeln sollten, wie wir es denn am jüngst vergangenen Martinstag gebührend getan haben.

7

Nun steht der Artikel über das Bauen in der Location (dem Pachtvertrag) wie folgt.

Unsichere Lesungen

  1. Martin — wohl Martini (11. November); Endung am Zeilenende undeutlich

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 140 Bl. 68v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 140

1

Wenn aber wir oder unsere Erben an Befestigungen, desgleichen am Salzbrunnen etwas Neues bauen und die Pfänner, ihre Erben oder Nachkommen dazu heranziehen wollten,

2

so soll das mit Wissen und Willen der Pfänner geschehen.

3

Doch soll den Pfännern hierin vorbehalten sein: Wenn sie befinden würden, dass dieselben Bauten ihnen oder dem Salzwerk gefährlich, nicht dienlich oder sonst beschwerlich und unzuträglich wären,

4

dass sie dann auch dazu nicht verpflichtet oder obligiert sein sollten.

5

Auf diesen Antrag haben die Salzgräfen der Pfänner Zeit begehrt, um das an die gemeinen Pfänner gelangen zu lassen; dann wollten sie uns in Kurzem deren Meinung anzeigen.

6

Daraufhin haben sie alle vornehmsten, auswärtigen und anderen Pfänner auf den jüngst vergangenen Nikolaustag nach Allendorf geladen, wo auch wir erschienen sind,

7

und auf ihre endgültige Antwort — damit man solches in der Eile an Euer Fürstliche Gnaden gelangen ließe und sich unterdessen mit der Vorbereitung zum Bau einrichtete — (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Vestunngenn — Lesung V/B am Wortanfang nicht ganz sicher; Sinn: Befestigungen
  2. Jzo nehistverschienenem — Wortfolge (Jzo = jetzo) und Endung unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 141 Bl. 69r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 141

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) gewartet werden möchte.

2

Die Salzgräfen der Pfänner haben uns aber am 12. Dezember die Antwort gegeben, dass die auswärtigen Pfänner damals alle ausgeblieben seien – vielleicht aus dem Grund, dass zu jener Zeit alle Gewässer dieser Landesgegend überaus stark angeschwollen und reißend gewesen seien, sodass niemand habe reisen können.

3

Sie wollten aber alle auswärtigen Pfänner – weil diese den größten Anteil an ihrem Salzwerk haben – sogleich schriftlich laden, auf das nächstkommende Weihnachtsfest wieder nach Allendorf zu kommen,

4

in der Zuversicht, sie würden erscheinen; und was sie alsdann beschließen, wollten sie uns aufs Förderlichste mitteilen, worauf wir nun warten müssen.

5

Was uns nun von ihnen zur Antwort wird und wie und auf welche Weise sie in den Bau einwilligen, davon wollen wir Eure Fürstlichen Gnaden aufs Eiligste verständigen.

6

Wenn sie dann in den Bau oder wenigstens darin einwilligen, den Damm rings um den Salzbrunnen zu renovieren und zu erneuern, so wird es vonnöten sein, dass Eure Fürstlichen Gnaden Leute dazu verordnen, die von der Sache und vom Bauen (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Salzgreuenn — Lesung des Anfangsbuchstabens (S) nach Kurrent-Duktus; gemeint sind die Salzgräfen
  2. E. fgl. — Abkürzung für 'Euer fürstliche Gnaden'; erster Buchstabe im Duktus zwischen E und L

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 142 Bl. 69v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 142

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) guten Verstand haben und darin Bescheid wissen.

2

Cedula (Beizettel).

3

Die Herren haben auch die Kunst (das Pumpwerk) Jörg Böhmes, des Bornmeisters, besichtigt, die er zum Heraufbringen der Sole am Salzbrunnen gebraucht, und darüber mit den Pfännern beratschlagt, ob die Kunst dem Salzbrunnen Schaden zufügen könnte oder nicht.

4

Die Werkleute sind zu dem Schluss gekommen, dass die Last keinen besonderen Schaden anrichten könnte.

5

Weil aber die Last auf dem Damm des Salzbrunnens stand, hat man ihm gestattet, etliche Streben anzufertigen, die so lang sein sollten, dass sie über den Damm reichen und die Last auf den Born abgeben; diese sollten seine Kunst tragen.

6

Und er sollte dies vor Michaelis (29. September), wenn das Sieden nicht intensiv wäre, aufrichten; damit hat er sich jedoch gesäumt und wollte es erst zu Martini (11. November) aufrichten, als das Sieden am intensivsten war.

7

Weil er uns dadurch ein Kaltliegen (Stillstand der Siedepfannen) verursacht und uns eine ganze Woche am Sieden gehindert (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Kaldtleger — Lesung unsicher (Kaldtleger/Kaldtfeger); erster Buchstabe K oder B, gemeint wohl das Kaltliegen der Pfannen
  2. vnd denn last vfm Bornn gebenn — 'gebenn' Lesung wahrscheinlich, syntaktisch hart (die Last auf den Born abgeben)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 143 Bl. 70r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 143

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) hatte, und auch, weil solches, sobald der Salzbrunnen gebaut würde, wieder abgetan werden müsste, haben wir ihm nicht gestatten wollen, es zu dieser Zeit aufzurichten –

2

insbesondere deshalb, weil man, wenn der Born erst ordentlich ausgebaut ist, darauf auch allerlei Pumpwerke ohne allen Nachteil gebrauchen kann.

3

Dies wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden in Untertänigkeit ebenfalls nicht vorenthalten.

4

Datum wie im Brief.

5

Zettel.

6

Auch, gnädiger Fürst und Herr: Eure Fürstlichen Gnaden haben den bisherigen Pfarrer zum Sooden dazu verordnet, das vierte Wart-Register als Gegenkontrolle zum Rentmeister zu führen.

7

Nun ist der besagte Pfarrer dieser Tage plötzlich verstorben.

8

Weil die Pfarre ein ziemlich gutes Einkommen hat, vernehmen wir, dass sich viele darum bemühen.

9

Und darum ist es vonnöten, dass Eure Fürstlichen Gnaden auf eine Person bedacht sind, der Eure Fürstlichen Gnaden vertrauen und die an diesem Ort bei den Södern (Salzsiedern) dient, weil diese täglich wegen des Lasters des Saufens gestraft und davon abgehalten werden müssen.

10

Das wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden ebenfalls nicht verbergen.

11

Datum wie im Brief.

Unsichere Lesungen

  1. das vierdt Wardt Register — 'Wardt' (Wart-/Wachregister) Lesung wahrscheinlich, Wortbedeutung nicht ganz sicher
  2. Söder — Lesung mit ö; gemeint die Salzsieder zum Sooden

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 144 Bl. 70v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 144

1

Es sagte damals auch Heinz von Lutter, dass er in Lothringen gesehen habe, dass noch schwierigere Salzbrunnen als dieser gefasst worden seien.

2

Und es wurde auch von beiden Seiten besprochen: Wenn man den Salzbrunnen bauen wolle, wäre es nützlich und gut, rings um den Salzbrunnen fünf oder sechs Siedehäuser (Boden) – da man von diesen ohnehin eine Menge habe – abzubrechen und Raum zu schaffen.

3

Alsdann könnte man den Salzbrunnen, so wie er jetzt ist, stehen lassen und alles wilde Wasser, das rings umher einfällt, ohne alle Beschwernis in den Sohlgraben abführen.

4

Es war auch etlicher Rat und Meinung, dass der Salzbrunnen und der Damm bis auf den Umgang – in den Eure Fürstlichen Gnaden mehr als einmal hinabgestiegen sind –

5

weit genug vom Born und Damm ringsumher umfangen und mit behauenen Quadersteinen gefasst werden sollten.

6

Wo sich dann irgendein wildes Wasser zeigt, könnte man das alles in den Sohlgraben leiten, weil man das Gefälle, wie oben steht, gewonnen hat.

7

Darum haben Eure Fürstliche Gnaden dem auch – wie und auf welche Weise der Salzbrunnen dereinst gebaut werden sollte und könnte – (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. sorglicher — Wohl komparativisch: 'sorglichere' (bedenklichere, schwieriger zu fassende) Salzbrunnen
  2. Bodt — Boden/Bothen = Siedehäuser; Schreibung der Endung nicht ganz sicher
  3. vmfahenn — = umfahen/umfangen; Lesung ohne r geprüft (Zoom)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 145 Bl. 71r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 145

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… rechtschaffen wohl gefasst und gebaut werden.

2

Und [es ist] wohl nachzudenken, wem sie solches neben den Pfennern dazu verordnen, anvertrauen und befehlen wollen, sodass diese zu bauen willig werden.

3

Denn wahrlich, wie Euren Fürstlichen Gnaden zu raten ist, wird denselben und dem ganzen Lande viel und merklich daran gelegen sein, insbesondere weil die Alten solchen Salzbrunnen nie recht bis auf den Grund gefasst haben,

4

wie man das im Bericht über den letzten Ausbau des Brunnens, der vor ungefähr vierzig Jahren geschehen ist, sehen kann.

5

So weiß Gott, dass wir beide uns auf solche heiklen, schweren Grundbauten nicht verstehen; auch sind in diesen Landen Eurer Fürstlichen Gnaden dergleichen Bauwerke bisher nicht vorhanden gewesen.

6

Und eben dieses Gebrechen und dieser Mangel kommen zu anderem Unglück und zu ungelegener Zeit hinzu, damit ja ein Unglück nicht allein bleibe.

7

Gott der Allmächtige wolle gnädige Mittel zu einer glückseligen, förderlichen Erledigung und Beendigung [der Sache] für Eure Fürstlichen Gnaden gnädiglich verleihen;

8

alsdann könnten Eure Fürstlichen Gnaden selbst neben den Pfennern in Augenschein …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Bericht — Wort stark abgekürzt/verschliffen, Lesung ‚Bericht‘ aus dem Kontext; auch ‚Bucht‘ denkbar
  2. Vertzigk — Zahlwort mit Zierstrich; Lesung ‚vierzig‘

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 146 Bl. 71v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 146

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… mit anraten und den Bau dermaßen anordnen, dass er rechtschaffen, stattlich und beständig vorgenommen und ausgeführt würde; denn wir haben uns bis hierher beholfen, wie wir konnten.

2

Euren Fürstlichen Gnaden wollen wir daneben in Untertänigkeit auch nicht verhehlen, dass wir dieses Jahr, soviel möglich gewesen ist, mit dem Sieden fortgefahren sind,

3

sodass Eure Fürstlichen Gnaden dennoch einen ziemlich guten Gewinn haben werden, obwohl es in diesem Lande keine Mast gegeben hat und auch der Mangel des Salzbrunnens eingetreten ist.

4

Wollte Gott — worum wir denn täglich bitten —, dass Eure Fürstlichen Gnaden bei der angesetzten Rechnungslegung davon hier selbst Bericht hören möchten.

5

Hiermit wollen wir Eure Fürstlichen Gnaden Gott dem Allmächtigen in seinen Schutz und Schirm und uns derselben in aller Untertänigkeit zu Gnaden befohlen haben.

6

Und wir konnten solches Euren Fürstlichen Gnaden unseren Pflichten gemäß nicht unangezeigt lassen, wiewohl wir Eure Fürstlichen Gnaden in diesen ihren jetzigen hochwichtigen Beschwernissen gern damit verschont hätten.

7

Darauf …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. mast — Lesung sicher, Bedeutung unklar: wohl (Eichel-)Mast als Einnahmequelle des Landes
  2. Wolt Gott, das wir dann teglich bittenn — Syntax der Vorlage unklar verschränkt; Übersetzung sinngemäß

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 147 Bl. 72r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 147

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… [worüber Eure Fürstlichen Gnaden dann] mit und neben den Pfennern zu beschließen haben.

2

Dass wir auch dieses Schreiben an Eure Fürstlichen Gnaden haben ausgehen lassen, haben wir zuvor dem Statthalter Eurer Fürstlichen Gnaden hier berichtet und angezeigt.

3

Das wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden in Untertänigkeit ebenfalls nicht verhehlen.

4

Gegeben zu Kassel, den 14. Dezember im Jahr 1547.

5

Eurer Fürstlichen Gnaden untertänigste, schuldige und ganz bereitwillige Diener,

6

Heinrich Muldener und Jost Berber von Homberg.

7

Daneben hat Jörg Böhm auch etliche Reden hören lassen; darum wurde Valentin Schulde geschrieben, sich danach zu erkundigen.

8

Dem ehrbaren und achtbaren Valentin Schulde, Vogt zu Wanfried, unserem freundlichen lieben Schwager und besonders guten Freund.

9

Unseren freundlichen Dienst und alles Gute zuvor! Ehrbarer und achtbarer, freundlicher, lieber Schwager und beson…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. E. F. G. — Drei stark verschnörkelte Initialen über der Unterschriftsformel; Auflösung ‚Ewer Fürstlichen Gnaden' aus dem Formelkontext
  2. bleibwillige — Lesung unsicher; auch ‚vleiswillige' denkbar; übersetzt als ‚bereitwillige'
  3. Muldener — Lesung durch die Wiederholung des Namens auf Blatt 73v (‚Henrich Muldener … Beuelchhaber zun Soden') gesichert
  4. Berber — Auch ‚Verber/Ferber' lesbar; ebenso auf Blatt 73v

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 148 Bl. 72v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 148

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…derer guter Freund!

2

Wir geben euch in guter Absicht zu erkennen, dass wir gestern in Erfahrung gebracht haben, dass der Meister vom Kreuzberg, den ihr jüngst bei euch in Allendorf hattet,

3

beim Abschied mit Jörg Böhm gesprochen und gesagt haben soll, dass dessen — Jörgs — Kunst (Pumpwerk) dem Salzbrunnen beschwerlich und schädlich sei.

4

Darauf habe er, Jörg, geantwortet, er wisse selbst wohl, dass seine jetzige Kunst dem Salzwerk schädlich sei; er wolle es aber deshalb nicht anzeigen, damit die Herren desto eher den Salzbrunnen aufbrechen und ihn ausbauen müssten.

5

Alsdann würde er Baumeister sein; auch rechne er damit, Pfenner zu werden, sodass er eine ganze Pfanne oder wenigstens eine halbe Pfanne am Siedehaus davon bekommen wolle.

6

Weil er, Jörg, nun bisher vor unserem gnädigen Herrn in eigener Person, vor Statthalter, Räten, den Pfennern, uns und anderen stets gesagt hat, die Kunst sei dem Salzbrunnen nicht schädlich, nunmehr aber das Gegenteil — und damit unsere Klage — selbst eingestanden haben [soll] …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Creutzbergk — Ortsname unsicher; wohl Kreuzberg (an der Werra), auch ‚Crentzbergk' lesbar

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 149 Bl. 73r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 149

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… soll. Damit wir dann, allen Teilen zugute, die Wahrheit erfahren, ist unsere freundliche Bitte: Ihr wollet sogleich den besagten Meister vom Kreuzberg zu euch fordern

2

und euch bei ihm genau erkundigen, wie die Reden gelautet haben und ob es sich so zugetragen hat oder nicht.

3

Denn wenn dem so ist, habt ihr zu ermessen, wie er, Jörg, seinen geleisteten Eiden und Pflichten nachgekommen ist und was ihm künftig noch zu vertrauen ist.

4

Wir sind auch glaubhaft berichtet worden, dass er das Muster, wie die Kunst (das Pumpwerk) aufs Neue aufgehängt werden soll, nicht aus seinem eigenen Kopf oder Können hat,

5

sondern es neulich vom Zimmermann von Ziegenhain, Meister Lenhart, hier in Kassel gelernt hat, wie wir euch wohl berichten wollen.

6

Und was ihr hierin von dem oben genannten Meister vom Kreuzberg berichtet bekommt, das wollet uns durch eigenen Boten aufs Eiligste hierher schriftlich mitteilen, damit wir uns danach gegenüber ihm, Jörg, zu verhalten wissen.

7

Das kommt euch selbst zugute;

8

wir wollen es hinwiederum freundlich verdienen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Meister — Wortlaut der Vorlage; dem Sinn nach ist wohl ‚Muster/Manier' (die Bauweise) gemeint, Lesung des Wortes unsicher
  2. Crentzburgk — Ortsname; auf derselben Seite auch ‚Creutzburgk' geschrieben, gemeint wohl Kreuzberg/Creuzburg

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 150 Bl. 73v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 150

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… [dazu] geneigt sein; und wir wollten euch dies nicht vorenthalten.

2

Gegeben zu Kassel, den 5. September im Jahr 1547.

3

Heinrich Muldener und Jost Berber, Befehlshaber zu Sooden.

4

Folgends haben wir, die Salzgräfen von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn, uns mit den Salzgräfen der Pfenner über den Ausbau des Salzbrunnens allerlei und notdürftig unterredet und auch ihr Bedenken schriftlich erbeten.

5

Darauf haben uns die gemeinen Pfenner ihr Bedenken und ihren Ratschlag, wie der Salzbrunnen zu erneuern sein sollte, schriftlich zugeschickt, folgendermaßen lautend:

6

Den ehrbaren und vornehmen Heinrich Muldener und Jost Berber, Salzgräfen des Salzwerks unseres gnädigen Fürsten und Herrn vor Allendorf an der Werra, unseren guten Gönnern.

7

Präsentiert zu Kassel, Freitag, den 13. Januar, morgens um sechs Uhr, im Jahr 1548.

Unsichere Lesungen

  1. Pntatt — Stark abgekürztes Wort am Zeilenanfang; wohl ‚Presentatum' (Präsentationsvermerk), Lesung unsicher
  2. Berber — Nachname; auch ‚Verber/Ferber' lesbar, auf Blatt 72r derselbe Name
  3. notturfftige — Endung unsicher (notturfftigk/notturfftige)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 151 Bl. 74r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 151

1

Diese Schrift der Pfenner ist durch uns beide Obgenannte sogleich dem Herrn Statthalter, dem Landvogt, Doktor Walther und Doktor Günterode, dem Kanzler, angezeigt und vorgelesen worden,

2

und darauf wurde nach gehaltener Beratung für gut befunden und der Bescheid gegeben, dass der Landvogt und wir beide am nächsten Donnerstag, dem 19. Januar, gegen Abend in Allendorf eintreffen

3

und am folgenden Freitag mit den Pfennern hierüber weiter und abschließend verhandeln sollen, wie und auf welche Weise dem bevorstehenden Mangel des Salzbrunnens nützlich und ohne Gefahr begegnet und ihm mit beider Seiten Aufwand und Kosten geholfen werden könnte,

4

und dass auch aufs Förderlichste, was dazu an Ton, Holz und anderem vonnöten sein wird, auf Vorrat bestellt und zur Hand geschafft werde.

5

Und was darin abschließend verhandelt wird, soll sodann dem Statthalter und den Räten, damit sie davon Kenntnis haben, vorgebracht und angezeigt werden.

6

Unterzeichnet zu Kassel, den 13. Januar im Jahr 1548.

Unsichere Lesungen

  1. kömt — Wort mit langem Querstrich (Zierstrich oder Streichung?); Lesung und Konstruktion unsicher, evtl. 'fürkömt' (vorgebeugt werde)
  2. beidenn theilenn — Endungen am Zeilenumbruch nicht ganz eindeutig (beidem/beidenn, thei=/thä=)
  3. Walthernn — Endung -m/-nn nicht eindeutig

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 152 Bl. 74v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 152

1

Unsere willigen Dienste zuvor, ehrbare, wohlachtbare, günstige Herren und gute Freunde!

2

Nachdem ihr wegen des Salzbrunnens mit unserem Salzgrafen zuvor allerlei Unterredung gehabt und vor allem angezeigt habt, wie derselbe seit einiger Zeit merklich abgenommen hat,

3

und dass sich die Meisterknechte in Sooden deswegen beklagen, die Sole sei nicht so gut, wie sie zuvor gewesen, und so ganz gering, dass sie ohne ihr endgültiges Verderben nicht länger sieden könnten noch möchten,

4

denn sie müssten für ein Werk oder eine Pfanne Salz beinahe so viel Holz verbrennen, wie sie es zuvor getan haben, und wenn sie auch allen Fleiß auf das Sieden verwenden, können sie mit aller Mühe kaum drei Viertel Salz herausbringen.

5

Und obwohl die Knechte schon früher mehrmals wegen des Siedens ohne Grund geklagt haben und ihren Angaben deswegen jederzeit nicht recht zu glauben ist,

6

so liegen doch jetzt Umstände am Tage, aus denen zu entnehmen ist, dass sie ihres KlagensLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zun Sodenn — Lesung des ersten Wortes (zun/dun) nicht ganz sicher; gemeint sind wohl die Soden (Siedestätten) bzw. Sooden
  2. gleubenn — Konstruktion am Zeilenumbruch unklar; wohl 'nicht wohl zu glauben'
  3. sie — letztes Wort der Seite klein und flüchtig, Lesung unsicher; Satz läuft auf die Folgeseite

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 153 Bl. 75r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 153

1

Fortsetzung von der vorigen Seitenicht unbillige Ursachen haben mögen.

2

Denn die Sole steige im Brunnen nicht so hoch, wie sie es zuvor getan hat; zudem befinden sich im Grund des Borns etliche Löcher unter dem Fass, zwischen den Bohlen und der Bodenverschalung,

3

so dass zu besorgen ist, die Sole habe zwischen dem Fass und dem Grund des Borns einen Ausfluss und umgekehrt das wilde Wasser einen Einfluss in den Brunnen gewonnen.

4

Sollten nun die Knechte deswegen und aus billigen Ursachen, wegen des Mangels der Sole, die Siedehäuser stillstehen lassen und kein Salz sieden,

5

so würde das nicht allein unserem gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen, sondern auch der Gemeinschaft der Pfenner und der ganzen Landschaft merklichen Schaden und Nachteil bringen.

6

Und wiewohl nun Meister Jörge Behm, um dem Mangel, auch den Klagen der Knechte und weiterer künftiger Gefahr für den Born zuvorzukommen, angegeben und vorbereitet hat, einen anderen Bau über dem Brunnen aufzurichten,

7

so sei doch damit den Gebrechen, die bereits zutage liegen, gar nicht abgeholfen.

8

Und nachdem er auch zuvorLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. getenne — Wort nicht sicher gelesen (getenne/getemme); gemeint wohl die hölzerne Bodenverschalung/Tenne des Brunnengrundes
  2. billich — Endung am Zeilenende durch Zierstrich verdeckt, evtl. 'billichenn'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 154 Bl. 75v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 154

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteetliche weitere Gebäude, sonderlich die Wasserkunst vor dem Gewölbe, mehr zu seinem Vorteil als zur Förderung des Salzwerks errichtet hat, alles mit großen und ganz vergeblichen Unkosten unseres gnädigen Fürsten und Herrn und der gemeinen Pfenner,

2

so wolle ihm in diesem Fall, soviel den Salzbrunnen betrifft, keineswegs zu folgen sein.

3

Vielmehr wolle es auch euch und den gemeinen Pfennern gebühren, dass ihr dem angeführten Mangel des Salzbrunnens und den Klagen der Knechte mit Fleiß nachdenkt,

4

und beratschlagt, wie den Klagen der Knechte vorgebeugt und der Salzbrunnen wiederum in gute Besserung gebracht und darin erhalten werden möchte,

5

und hierauf von unserem genannten Salzgrafen sein Bedenken anzuhören begehrt, wie das geschehen könnte,

6

damit ihr solches unserem gnädigen Fürsten und Herrn aufs Förderlichste schreiben könnt.

7

Denn es wolle sich keineswegs gebühren noch geziemen, dass ihr die angeführten Mängel und Gebrechen desLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. nachdenncketenn — Wortende undeutlich, evtl. 'nachdennckenn'
  2. hettet — Wort mit langem Querstrich (Zierstrich, keine Tilgung angenommen)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 155 Bl. 76r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 155

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteBrunnens seinen fürstlichen Gnaden länger verschweigen solltet.

2

Weil aber unser genannter Salzgraf für seine Person Bedenken hatte, ohne unseren Befehl in so wichtigen Angelegenheiten des Brunnens etwas von sich aus zuzusagen,

3

haben sie eurem Auftrag gemäß die oben erzählten Mängel und Gebrechen mit allerlei weiterem und notwendigem zusätzlichem Bericht uns in aller Ausführlichkeit angezeigt,

4

was wir – Gott weiß es – nicht mit geringer Beschwernis angehört und zu Herzen gezogen haben.

5

Nachdem aber in der Urkunde der aufgerichteten und bewilligten Verpachtung unter anderem klar vorgesehen ist,

6

dass unser gnädiger Herr alle Gebäude und das Schlichwerk im Salzbrunnen, im Sohlgraben, in den Siedehäusern, in und um die Soden samt allem, was dazu gehört, für die Zeit der Verpachtung in wesentlichem Bauzustand auf Kosten seiner fürstlichen Gnaden ohne Zutun der gemeinen Pfenner erhalten soll,

7

wir aber dem allem zuwider, sonderlich wegen des Sohlgrabens und der Wasserkunst, in merkliche Unkosten gedrängt worden sind,

8

so wollen wir uns anfänglich und vor allenLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. mehrem — Wort vor 'bericht' schwer lesbar, evtl. 'mererm' (weiterem)
  2. erkenne es — Streichung erfasst sicher 'erkenne es'; ob auch 'Gott' getilgt ist, bleibt unklar (Querstrich könnte Zierstrich durch tt sein)
  3. schlebwergk — Lesung unsicher; wohl das im Band sonst 'Schlichwergk' genannte Werk

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 156 Bl. 76v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 156

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteDingen verwahrt haben, dass wir mit alledem, was wir in untertäniger, treuer Absicht wegen der oben angezeigten Gebrechen unserem gnädigen Fürsten und Herrn, der gemeinen Landschaft und uns selbst zum Besten anzeigen werden,

2

damit der Verpachtung, den aufgerichteten fürstlichen Verträgen und allen anderen unseren Gerechtsamen nicht zuwidergehandelt oder irgendetwas davon aufgegeben haben wollen; das bedingen wir uns öffentlich aus.

3

Und wiewohl wir vermöge der angeführten Verträge zu keinem Bau am Salzwerk verpflichtet sind,

4

so sind wir doch ohnehin der untertänigen, treuen Neigung, sofern wir durch göttliche Verleihung und Erfahrung etwas verstünden oder wüssten, womit den bevorstehenden Gebrechen des Salzwerks vorgebeugt und geholfen werden könnte,

5

dasselbe nicht allein uns, sondern auch unserem hochgedachten gnädigen Fürsten und Herrn und der gemeinen Land-Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. vnns — Wort nach 'nicht allein' schwer lesbar (vnns/vmb); dem Sinn nach 'uns'
  2. mit zum bestenn — Wortfolge 'vnnd vns mit zum bestenn' auffällig, aber so im Original

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 157 Bl. 77r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 157

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… -schaft zum Besten anzuzeigen.

2

Und wir wollen demnach Euer Gunsten in treuer Meinung nicht verhehlen, dass wir von Anfang an, als unser gnädiger Fürst und Herr in das Salzwerk neben uns gebaut hat, an den besorglichen, gefährlichen Bauwerken, die mit Pumpen und anderen Künsten auf dem Salzbrunnen errichtet werden sollten, jederzeit herzliches Missfallen gehabt haben,

3

auch mit unserem höchsten Fleiß dagegen gebeten und uns gewehrt haben, wie ihr euch dessen bei euch selbst wohl zu erinnern wisst,

4

und auch untertänigst gebeten haben, dass der Brauch, die Sole mit den Eimern zu ziehen, wie von alters herkommen, bleiben möge, damit der Brunnen durch andere gefährliche Künste und Bauwerke nicht überlastet noch verdorben würde.

5

Hätte man nun anfänglich und seinerzeit unserer getreuen Vorsorge und unserem untertänigen, flehentlichen Bitten stattgegeben,

6

so wollen wir ohne Zweifel sein, dass der Brunnen niemals in solchen Verfall geraten oder gekommen wäre, wie er es jetzt durch das Verursachen der gefährlichen Bauwerke ist, die auf und in den Brunnen gesetzt wurden.

7

Es hat aber unser treues …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jnns — Lesung „Jnns“ (= ins) am Zeilenanfang nicht ganz sicher, könnte auch „dis“ sein
  2. vervhrsachenn — Wort schwer lesbar; dem Sinn nach „Verursachen“
  3. trewes — letztes Wort der Seite in blasserer Tinte

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

HandschriftS. 158 Bl. 77v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 158

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… Bedenken und Bitten nicht statthaben mögen,

2

sondern es ist von Jorgen Behmen und seinem Anhang – die doch mit ihren Anschlägen mehr ihren eigenen Nutzen als den unseres gnädigen Fürsten und Herrn und der gemeinen Pfenner gesucht haben – so weit verfolgt worden,

3

dass der Salzbrunnen durch die schweren Lasten und das tägliche Erregen der Rosskunst so merklich verdorben und zurückgegangen ist, dass dieselbe nur mit großer Gefahr und Unkosten ganz schwerlich wieder in Besserung zu bringen ist,

4

wie ihr davon selbst aus dem Augenschein und aus täglicher Erfahrung genugsamen Bericht und Kenntnis habt,

5

sodass zu besorgen ist: Wenn die genannten Bauwerke, vornehmlich die Röhren im Brunnen, nicht abgeschafft werden, wird der Brunnen von Grund auf verdorben.

6

Nachdem sich aber unser gnädiger Fürst und Herr in dem fürstlich aufgerichteten Vertrag gnädiglich verpflichtet hat, dass Ihre Fürstlichen Gnaden den Salzbrunnen und die allein vorhandene Sole zum Besten Ihrer fürstlichen Gnaden und der gemeinen Landschaft so gebrauchen sollen und wollen,

7

dass es in jedem Fall den gemeinen Pfennern …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Roßkunst — Lesung des Wortes nach „erregenn der“ nicht sicher; dem Sinn nach das Pumpwerk (Roßkunst)
  2. vbereinzigenn Sohlenn — Wort vor „Sohlenn“ schwer lesbar (Minimalstriche mehrdeutig); Übersetzung sinngemäß „die allein vorhandene Sole“
  3. vnnd — letztes Wort der Zeile „des Salzbronns vnnd“ stark verschliffen

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Berkers Baubericht von 1550

2.093 Elemente in 0,05 Sekunden aus der Datenbank gelesen.

Einstellungen auf diesem Gerät speichern?

Damit die gewählte Darstellung beim nächsten Besuch erhalten bleibt, würde ein einzelner Eintrag im lokalen Speicher des Browsers (localStorage) abgelegt. Das ist kein Cookie, und der Eintrag verlässt das Gerät nicht.