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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

Die Salzbibel in der Reihenfolge der Handschrift, Seite für Seite: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassungen und redaktionelle Anmerkungen. Jede Ansicht und jeder der dreizehn Abschnitte lässt sich an- und abschalten; weitere Filter grenzen auf Seiten mit Abbildungen, Tabellen, Randvermerken oder unsicheren Lesungen, auf einen Band, einen Seitenbereich oder ein Suchwort ein. Der Zustand steht in der Adresszeile.

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V · 5. Buch · Band 2 · Fortsetzung

Der Brunnenbau

Das fünfte Buch · 456 Seiten · Aufbau des Werks

HandschriftS. 375 Bl. 186r

ÜbersetzungSeite 375

1

ber, alles Nähere über den Ort weiter zu vernehmen habt. Wenn auch einer oder mehrere ihr Salz selbst holen und etliche zusammenspannen wollten, so können die den Vorteil daran haben, den die Körner und Salzhändler suchen und haben. Weil dann unser hochgenannter gnädiger

2

Fürst und Herr euch allen zuvor sämtlich und einzeln geboten und befohlen hat, kein fremdes Salz im Land zu verkaufen zu gestatten, und, wenn es durchgeführt wird, an jeder fürstlichen

3

Zollstätte von jedem Pferd einen Ortsgulden Zoll zu nehmen und Seinen Fürstlichen Gnaden zu verrechnen, so wollen wir anstatt und von wegen Ihrer Fürstlichen

4

Gnaden euch allen sämtlich und einem jeden besonders bei den Pflichten, mit denen ihr Seinen Fürstlichen Gnaden

5

zugetan und verwandt seid, hiermit ernstlich befohlen haben, an keinem Ort — sei es in Ämtern, Städten oder Dörfern — anderes fremdes Salz als allein Ihrer Fürstlichen

6

Gnaden Salz zu verkaufen und zu handeln zu gestatten, bei Vermeidung Ihrer Fürstlichen Gnaden Ungnade, und dass der Zoll von

Unsichere Lesungen

  1. Randnotiz Zeile 5–6 — andere Hand, schwer lesbar

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HandschriftS. 376 Bl. 186v

ÜbersetzungSeite 376

1

fremdem Salz von jedem Pferd an jedem Ort so genommen, erhoben und Seinen Fürstlichen Gnaden jährlich verrechnet werde. Das sollten wir euch also auf Befehl unseres hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn anzeigen, damit ihr davon Kenntnis habt und euch danach richtet; und ihr tut daran Seinen Fürstlichen Gnaden

2

ein gnädiges Gefallen, das in Gnaden zu erkennen ist, wessen wir uns gänzlich und gewiss versehen. Den Übertretern aber wird und soll ohne Zweifel ihre Strafe wohl widerfahren. Das wollen wir euch, denen wir zu Freundschaft und Willen geneigt sind, nicht verhalten. Zur Urkunde unter dem hier aufgedrückten Sekretsiegel unseres hochgenannten gnädigen

3

Fürsten und Herrn. Gegeben zu Kassel, den 18. Oktober Anno 50. Sonntag nach Galli, den 19. Oktober, diese Woche stillgehalten. Christoffer, der Bornmeister, hat seine Kunst und Bauten verrückt und aufgeschlagen.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 19: vfgeschlagen — Kürzung am Zeilenende

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HandschriftS. 377 Bl. 187r

ÜbersetzungSeite 377

1

Und weil der Winter hereinbricht, sollen alle Bauten bis auf den Frühling eingestellt werden. Doch sobald Christoffer seine Bauten und Künste verrückt hat, soll der Zimmermann den neuen Bau auf dem Salzbrunnen aufrichten und heben; das kann in zwei Tagen geschehen. Es hat aber des Unwetters wegen bisher nicht geschehen können; und weil der Winter zunächst hart hereingebrochen und danach ganz feucht und nass gewesen ist, ist diese Arbeit ganz eingestellt worden bis auf den Frühling des kommenden 51.

2

Jahres, um zu sehen, wie sich die Bauten und das wilde Gewässer vom Berg und um den neuen Salzbrunnen verhalten wollen. Anno 50,

3

Michaelis: Neue geschworene Schätzer für das Salzwesen zu Sooden angeordnet und bestellt, zu dienen, solange es uns gefällig und auch ihnen gelegen ist; bestätigt, aufgerichtet und verkündigt zu Sooden, den 16. Oktober Anno wie oben.

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ZusammenfassungS. 378–388

Die Namen. Mitten im Baubericht stehen, ohne Übergang, die Listen der geschworenen Schätzer und Salzmesser vom 16. Oktober 1550 — dieselben, die auch das vierte Buch überliefert. Jakob Grunewald, Ludwig Urber, Ludwig Hilwig, Hans Grunewald, Jochim Schimpf, Jakob Jener, Franz Schimpf, Philipp Klinckerfus, Peter Kell, Kremer Hans und die anderen — jeder mit den Siedemeistern, für die er zuständig war.

Dass diese Listen hier ein zweites Mal abgeschrieben sind, hat einen praktischen Grund: Wer den Bau verstehen will, muss wissen, wer in diesen Monaten gesotten und gemessen hat. Für die Familienforschung ist es die dichteste Namensquelle der Salzbibel — und die Doppelüberlieferung erlaubt es, Schreibungen zu vergleichen.

Dazwischen die Besoldungen: acht Gulden im Jahr für jeden Schätzer, zwanzig für den Wächterlohn aus den Schatzhellern; und die Vorschrift, dass die Meister künftig acht Heller statt einem Albus fürs Wachen geben, „denn die Wächter wachen nur die halbe Nacht“.

HandschriftS. 378 Bl. 187v

ÜbersetzungSeite 378

1

Jakob Grunewald, Ludwig Urber, Ludwig Hilwig, Hans Grunewald, Jochim Schimpf, Jakob Jener, Franz Schimpf, Hans Schreiber, Kersten Sperber — 8 Sodemeister.

2

Lutz Schimpf, Matthias Burckhardt, Jakob Köler, Jörg Gill, Jörg Seltzer, Kersten Kell, Hans Beutler, Jörg Ludwig, Heinrich Schmidt — 8 Sodemeister.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: Vrber — Anfangsbuchstabe unsicher
  2. Z. 9: Sperber — p/f unsicher, evtl. Sferber
  3. Z. 16: Kerstenn Kell — waagerechter Strich durch Namen

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HandschriftS. 379 Bl. 188r

ÜbersetzungSeite 379

1

Augustin Mentze, Jörg Mentz, Claus Urber, Hans Martin, Augustin Scheuffeler, Gunther Sperber,

2

Cutrin Scheuffeler, Hans — 8 Sodemeister. Jörg Scheuffeler, Hans Ties, Hans Roth, Cuntz Deinhardt, Carl Marschalck, Heinrich Sperber, Jochim Deinhardt, Jakob Muschelmann — 8 Bothe, wenn das eine abgebrochene Bothe wieder gebaut wird.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: Sperber — p/f unsicher, evtl. Sferber
  2. Z. 7: Jorge Scheuffeler — waagerecht durchstrichen
  3. Z. 8: Cutrin — Vorname unklar
  4. Z. 12: Ties — evtl. Tips
  5. Z. 16: Sperber — p/f unsicher, evtl. Sferber

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HandschriftS. 380 Bl. 188v

ÜbersetzungSeite 380

1

Philipp Klinckerfus, Claus Klinckerfus, Hans Rubig, Christoff Ludwig, Curt Windaus, Hartmann Rubig, Claus Roth, Anna Gilm, Hader Heintz —

2

8 Bothe. Der Opfermann, Augustin Mentze, Ties Schreiber, Philipp Klinckerfus, Hans Muschelmann, Gertraud Hilm, Hans Seltzer der Ältere,

3

Peter Kell, Hans Stoell — 9 Bothe, wenn das eine abgebrochene wieder gebaut wird.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: Derc — Vorname unklar
  2. Z. 16: Gertraudt — Anfangsbuchstabe, u/n unsicher
  3. Z. 19: Stoell — Vokal unsicher

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HandschriftS. 381 Bl. 189r

ÜbersetzungSeite 381

1

Peter Kell, Ties Steffan, Hans Steffan, Kersten Schweitzer, Lorenz Urber, Hans Schweitzer, Jung Hans Seltzer, Martin Scheuffler, Adam Behr — 8 Bothe. Hans Stell.

2

Hans Peter, Hans Scheuffler, Henckel Wolff, Jakob Seltzer, Zacharias Landgraf, Anna Schossers, Hans Clarich, Pankratius Strube — 8 Bothe.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: Hanntz — Endung unsicher
  2. Z. 17: Schossers — ss/ff unsicher
  3. Z. 18: Clarich — Anfangsbuchstabe unsicher

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HandschriftS. 382 Bl. 189v

ÜbersetzungSeite 382

1

Kremer Hans, Hans Jener, Claus Mönch, Henckel Spor, Hans Schlem, Matthias Ludwig, Henckel Jener, Benedictus Hill, Jörg Rotfuß —

2

8 Bothe. Hieronymus Haderheintz, Matthias Solgraben Bothe, Werner Köler, Henckel Deinhardt, Henckel Schlem, Hans Bartel, Hans Franck, Claus Seltzer, Jung Hans Ties Kremers Bothe — 9 Bothe.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: Spor — p/f unsicher, evtl. Sfor
  2. Z. 12: Sulgrabenn — Anfangsbuchstabe unsicher

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HandschriftS. 383 Bl. 190r

ÜbersetzungSeite 383

1

Jedem sind im Jahr acht Gulden Münze als Besoldung zu geben. Jeder soll sein Maß und den Rost darauf haben, in den ihm zugeordneten acht Bothen messen und dies bei seinem geleisteten Eid und seinen Pflichten treulich vertreten. Darüber hinaus soll dem Pfannenmeister für sein Amt noch 12

2

Gulden und ein Kleid entrichtet werden. Dem Opfermann dazu 8 Gulden und 2 Achtel Salz.

3

Dem Solmeister ———— 16 Gulden. Die Summe macht für ein Jahr an Besoldung hundertsechzehn Gulden Münze; und ihr Jahr geht jetzt Michaelis an und Anno 51

4

wiederum aus. Und es soll künftig auch der Wächterlohn von jährlich 20 Gulden Münze aus den Schatzhellern, soweit diese es tragen können, bestritten werden; macht in Summe ——— 136 Gulden.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: zuuertrettenn — Anlaut unsicher
  2. Z. 14: Jr — evtl. Er

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HandschriftS. 384 Bl. 190v

ÜbersetzungSeite 384

1

Die Meister aber sollen nun künftig acht Heller geben, wo sie zuvor einen Albus fürs Wachen gegeben haben, denn die Wächter wachen nur die halbe Nacht.

2

Ordnung der geschworenen Schätzer. Die bestellten geschworenen neuen Salzmesser und Schätzer sollen bei einem jeden Sodemeister, bevor sie messen, die Salzgänse zählen und darauf sehen, dass jeder Meister zwanzigmal gewiss abgestoßen hat, und sie sollen nicht mehr als ein Achtel zum Stück zuzuschlagen gestatten. Was darüber ist, soll er bei seinem geleisteten Eid sogleich in ihrem Beisein wieder zum Vorrat in die Pfanne werfen lassen. Welcher Sodemeister aber mehr zum Stück geschlagen und seine Zahlgänse nicht gefangen hätte, dem soll der geschworene Messer und Schätzer nicht messen, sondern ihn sogleich den Salz-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: machl — Lesung unsicher

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HandschriftS. 385 Bl. 191r

ÜbersetzungSeite 385

1

grafen, dem Bornmeister und dem Salzwart anzeigen. Derselbe soll, sooft und wie oft einer das übertritt, mit einem Taler Buße gefrevelt haben und diese sogleich bezahlen, ehe und bevor ihm wieder zu sieden gestattet wird. Es soll auch kein Sodemeister mehr als ein Achtel Salz im Bothe auf Vorrat haben, des Schatzwerks wegen; darauf sollen die Geschworenen sorgfältig achten, wie es denn bisher so gehalten worden ist. Weil auch beim Aufheben des Salzes Ungleichheit geherrscht hat, so sollen die Geschworenen mit Ernst darauf sehen, dass keiner mehr als eine halbe Pfanne Salz aufhebt oder im Bothe liegen hat, bei Verlust des Salzes; und es soll ihm nicht mehr zu sieden gestattet werden, solange er im Bothe mehr als eine halbe Pfanne hat.

2

Es sollen auch die geschworenen Salzmesser und Schätzer, jeder seinen ihm zugeordneten Sodemeistern, der Reihe nach, einer nach dem anderen, wo Ladeleute sind und vor den Bothen halten, messen

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: greuenn Bornndtmeister — Lesung unsicher

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HandschriftS. 386 Bl. 191v

ÜbersetzungSeite 386

1

und dabei keine Parteilichkeit oder Begünstigung üben, sondern darin gleiche Ordnung halten. Und damit das vonstatten geht, sollen sie an den Ladetagen im Winter um vier Uhr und nicht eher, und im Sommer, wenn man die dazu bestimmte Glocke läutet, zu messen anfangen. Wenn aber der erste oder ein anderer Sodemeister zu frisch ausgeschlagen hätte und das Salz noch nicht ganz trocken wäre, so soll er dieses Salz nicht messen, sondern bei den anderen, nächsten seiner Meister nach der Ordnung anfangen, und zwar bei dem Salz, das am trockensten ist, und so fortan. Was auch die Pfannenbuße betrifft, soll ein jeder Geschworener sie in den ihm zugeordneten Bothen berechnen und anzeigen; die Schatzwerke aber sollen sie mit und neben dem Pfannenmeister versehen und die Anweisung geben helfen. Die geschworenen Salzmesser sollen auch keinem Eseltreiber Salz gegen Frucht messen, sie hätten denn die Frucht in den Bothen und gesehen, dass der

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HandschriftS. 387 Bl. 192r

ÜbersetzungSeite 387

1

Sieder die Frucht empfangen und bekommen hat. Die vier Albus, die unser gnädiger Herr zuvor den Siedern als Trinkgeld zugestanden hat, sind nun künftig von jedem Werk zur Bewältigung des wilden Wassers zu verwenden bestimmt. Damit sich aber die Sieder diesen Winter wieder erholen, soll ihnen die Hälfte bleiben und die andere Hälfte gebraucht werden, die Kunst zu unterhalten und das wilde Wasser zu bewältigen, soweit es die Herren Statthalter und Räte so bis Ostern mitbewilligen und es bei ihnen zu erhalten ist. Sie haben es sich so gefallen lassen; doch vorbehaltlich der Änderung durch unseren gnädigen Fürsten und Herrn sollen sie von den 2 Albus bezahlt werden, sonst hätten die von Sooden daran mit bezahlen müssen. Hundert lederne Eimer sind zu machen bestellt. Ebenso sind zehn Feuerhaken zu machen verdungen; sie sollen gleichermaßen bezahlt werden und nicht mehr als zwei Gulden drei Ort der Zentner kosten.

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HandschriftS. 388 Bl. 192v

ÜbersetzungSeite 388

1

Geschehen zu Sooden am Donnerstag Galli, den 16. Oktober Anno 50. Justus Pistoris, selbst. Anno 1551.

2

Beratschlagt, auf welche Weise die Vollendung der Bauten des Salzbrunnens zu Sooden geschehen und vorgenommen werden soll.

3

Zu wissen: Nachdem die von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen und der gemeinen Pfänner des Salzwerks zu Sooden Verordneten des Baus am Salzbrunnen sich zuvor einmütig entschlossen und verglichen hatten, vor endgültiger Vollendung des vorigen angefangenen Baus das Gewölbe über dem neuen Salzbrunnen vor dem Berg her mit Steinen auf ein Sohlwerk im Grund des Salzbrunnens gleich zu legen und zu wölben und es so vor dem Berg her zu führen, dass es den Berg trägt, damit

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: sst. — Kürzel subscripsit

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ZusammenfassungS. 389–423

Das zweite Baujahr, 1551. Im Frühjahr geht es weiter, und der Ton ändert sich: Es wird weniger entdeckt und mehr gesichert.

Die Arbeit gilt jetzt der endgültigen Trennung von Sole und Süßwasser. Kästen werden gesetzt und ringsum „mit Ton allenthalben gut verdämmt“; die neue Fassung wird zwei Werkschuh niedriger gelegt als der neue Salzbrunnen, damit das Wasser abfließen und man „jederzeit sehen kann, ob dort ein Mangel ist“. Man baut also eine Anlage, die sich kontrollieren lässt — nicht nur eine, die funktioniert.

Ein neues Schöpfzeug aus drei kupfernen Röhren zieht das wilde Wasser ab. Alte Abzuchtsysteme werden gefunden und geräumt. Und alles wird gemessen: Am 9. Juli 1551 nimmt Christoph Homberg als Bornmeister eine Probe, „ehe das wilde Wasser verdämmt war“ — und danach noch einmal. Der Vergleich vorher/nachher ist der Beweis, dass der Bau gewirkt hat.

Auch die Beteiligten werden in die Pflicht genommen: Die Verordneten wollen „jede Woche bei der Abzahlung zugegen sein, die Wochenrechnung mit unterschreiben“. Als die Pfänner am Ende Bedenken anmelden, wird das protokolliert wie alles andere.

Der Befund am Ende der Saison ist zurückhaltend formuliert und gerade deshalb glaubwürdig: dass der Born gestiegen sei, „am Salzgeschmack aber nicht stärker geworden“ — dass aber deutlich weniger wildes Wasser hineinkomme. „Sonst ist alles gut und rechtschaffen erbaut.“

HandschriftS. 389 Bl. 193r

ÜbersetzungSeite 389

1

dieser nicht einfalle und dem Born Schaden zufüge — inzwischen aber ist bedacht und auch den Werkmeistern vorgehalten worden, dass keineswegs zu raten sei, die Beschwerung mit dem Sohlwerk und den Steinen an dieser Stelle vorzunehmen, noch viel weniger einen Pfahl zu stoßen oder einzurammen, insbesondere weil vorzeiten das jetzige Gewölbe nicht weiter noch an den Berg über dem Born her geführt und gemacht worden ist —, so hat man sich heute mit Rat der verständigen Werkmeister endgültig einmütig entschlossen und verglichen, dass diese jetzt notwendigen Bauten künftig mit Holz und nicht mit Steinen vollends gemacht und ausgeführt werden sollen. Und zwar so, dass der jetzt vorhabende Bau auf Kosten unseres gnädigen Fürsten und Herrn ausgeführt werden soll und dass die Register und Rechenschaft des vorigen Baus des Borns und dessen, was im vorigen Jahr darauf gegangen ist, gesondert abgeschlossen werden; und die Kosten des jetzt vorhabenden Baus sollen ebenfalls gesondert berechnet werden. Was dann den gemeinen Pfännern gemäß dem

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: Pfelz — Pfähle? Lesung unsicher

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HandschriftS. 390 Bl. 193v

ÜbersetzungSeite 390

1

zuvor aufgerichteten Vertrag und sonst daran zu entrichten gebühren will — darum sollen und wollen sie sich mit ihrem gnädigen Fürsten und Herrn untertänig und willig vergleichen. Wegen des vorigen Baus aber wollen sie sich nicht weiter verpflichtet haben, als sie es im wegen des Baus aufgerichteten Rezess bewilligt und ausbedungen haben. Und Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, soll sogleich das Bauholz, das in ziemlichem Vorrat vorhanden ist, wie man es heute im Augenschein gesehen hat, abplocken und nach der vorgelegten Zeichnung oben vor dem Gewölbe her, wo jetzt die alte Abzucht ist, eine neue Wand von neuem machen und aufrichten, die vom alten äußersten Fass von den gebrochenen beiden neuen Ecken zusammengeht und eingezapft werden kann, fünf Schuh weit von der jetzigen Fassung; die ist gut zu verstreben. Und der Grund soll nicht tiefer gesucht oder vorgenommen werden als der Boden im Salzbrunnen und derselbe Grund ist. Und diese

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HandschriftS. 391 Bl. 194r

ÜbersetzungSeite 391

1

Fassung soll zwei Werkschuh niedriger sein als die Fassung des rechten neuen Salzbrunnens; danach hat sich der Zimmermann zu richten. Und damit man das wilde Wasser im Umgang, das jetzt mit Pumpen bewältigt und ausgeschöpft wird, ohne schwere Unkosten ins Gewölbe bringen kann, hat man es für gut befunden und sich entschlossen, dass man auf den Grund im Umgang neben dem Born an den Stellen, wo die wilden Quellen sind und zutage fließen, starke Rennen mit aufgesetzten Röhren legen und machen soll, damit die Röhren dieses wilde Wasser in die Höhe tragen und es dann durch Nebenröhren bis ins Gewölbe fließt, so dass man die Pumpen zum Ausschöpfen nicht länger halten muss — wie der Zimmermann darüber besonderen Bescheid und Unterricht hat. Und sonst soll der ganze Grund des Umgangs, wo keine Wasserquellen sind, in jeder Hinsicht und ganz gut verdämmt werden. Und vor dem Gewölbe soll ein Kasten aus Steinen oder Holzwerk gemacht werden, in den das Wasser aus den Rennen fällt, damit es darin steige

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HandschriftS. 392 Bl. 194v

ÜbersetzungSeite 392

1

und weiter durch das Gewölbe abfließen könne, wo man auch jederzeit sehen kann, ob dort ein Mangel ist oder nicht. Und zu diesem Kasten muss eine Wendeltreppe gemacht werden. Ob dieser nun aus Holz oder Stein sein soll, hat man sich nach Öffnung des Grundes zu vergleichen. Danach, wenn die Fassung geschehen, die Renne gelegt und abgedeckt und die Stöcke oder Röhren gesetzt sind, so soll man ringsherum alles gut und aufs beste mit Ton und guter Erde verdämmen, wie es zuvor geschehen ist, und oben dem Bau gleich füllen und weiter mit Steinen pflastern oder mit Dielen beschießen und verspunden, so dass alles Regen- und andere Wasser ins Gewölbe geführt wird und von selbst darin abfließt. Und weil dieser Bau von wegen sowohl unseres gnädigen Fürsten und Herrn als auch der gemeinen Pfänner vollendet werden muss, so sollen und wollen die Verordneten der Pfänner, einer um den anderen, selbst neben den Dienern unseres gnädigen

2

Fürsten und Herrn dabei sein und darauf sehen, dass fleißig gearbeitet und auch die Bauten aufs nützlichste gemacht werden. Sie sollen und

Unsichere Lesungen

  1. Z. 7: störcke — oder stöcke

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HandschriftS. 393 Bl. 195r

ÜbersetzungSeite 393

1

wollen auch jede Woche bei der Abzahlung zugegen sein, die Wochenrechnung mit unterschreiben und sich danach mit unserem hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn, wie oben steht, wegen der Auslage vergleichen. Und wenn künftig ein Mangel vorfiele, so hat man jederzeit sowohl von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn die Räte als auch etliche der Ältesten der Pfänner neben ihren Verordneten dazu zu bescheiden und zu fordern und ihren Rat darin zu gebrauchen, alles ohne Gefährde. Zur Urkunde unter der Handschrift aller von uns, die dabei gewesen sind. Gegeben und geschehen zu Sooden, den 5. Mai Anno 51.

2

Mit Rat und in Beisein Sigmunds von Boyneburg, Landvogt an der Werra, Johann Nordecks und von uns unten Benannten verabredet und aufgerichtet. Jobst Becker. Johann Bartholomäus, Rentmeister.

3

Christoff Homberg, Salzwart. Johann Schaffnit senior. Johann Niedenstein. Curt Nuland. Heinrich Iring. Bastian Thuldt. Bernd Waldis. Johann Niedenstein.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 18: Rent. — Kürzel Rentmeister
  2. Z. 23: Nulandt — Neulandt? u mit Haken

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HandschriftS. 394 Bl. 195v

ÜbersetzungSeite 394

1

Der Verabredung nach, wie und auf welche Weise Meister Hans, der Zimmermann, den Bau der äußersten Wand um den Salzbrunnen gegen den Berg machen und fertigstellen soll, hat er dies vollendet und fertiggemacht.

2

Darauf sind die verordneten Bauherren, Junker Hermann von Hundelshausen, Johann Nordeck, Valtin Thuldt und wir, die Beamten zu Sooden, von wegen unseres gnädigen

3

Fürsten und Herrn, und von wegen der Pfänner Johann Schaffnit der Ältere, Thias Thorey und Johann Schaffnit der Jüngere — weil Johann Niedenstein weggeritten war — heute, den 6.

4

Juli, zu Sooden erschienen. Und der Raum des Grundes um den Born ist hergerichtet, bis auf den Gries ausgefahren und rein gemacht worden. So hat der Zimmermann die Schwellen dieser Wand auf den Gries gelegt, und nicht so tief wie die Schwellen der mittleren Wand, die tiefer und in den Gries gelegt sind. Danach die Wand und fünf Kasten aus 25 Säulen an der Wand und den

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HandschriftS. 395 Bl. 196r

ÜbersetzungSeite 395

1

obersten und untersten Kasten gesetzt und mit Brettern ausgeführt. Und daneben auf dem Grund zum Berg hin doppelte Rennen, die gestürzt auf dem Gries liegen, an den Seiten und oben mit Löchern versehen, so dass sich das wilde Wasser vom Grund unten herauf an den Seiten und auch von oben herab in die Renne ziehen und dadurch in den untersten Kasten laufen kann. Darin soll es vier Schuh hoch steigen und durch das Gewölbe von selbst abfließen, damit man das Schöpfzeug und die Pumpen nicht länger halten muss — wie dieses Werk nach dem Maßstab gezeichnet und wie ein besonderes Muster davon gemacht werden soll. Und als der Berg gut verstrebt war, hat man im Grund zwischen den Dielen und Rennen große Wacken oder Kalksteine gelegt und über die zwei Rennen eichene Bretter aneinander, und danach den Rennen gleich im Grund mit grobem Kies oder Gries auf die Steine ausgefüllt, damit die Renne nicht verschlammt und das wilde Wasser

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HandschriftS. 396 Bl. 196v

ÜbersetzungSeite 396

1

sich dadurch in die Renne ziehen kann, denn die verstopften Rennen sind unten offen. Und es ist in dieser Zeit schönes gutes Wetter gewesen, so dass wir deshalb ungehindert waren. Es ist auch keinem Menschen der Bauten wegen ein Schaden geschehen, obwohl man jedermann ohne Scheu, insbesondere alle Sieder, hat ab- und zugehen und alles besichtigen lassen; auch hat man etliche der ältesten Sieder gebeten, ihr Bedenken anzuzeigen und mit Rat zu helfen. Es hat aber keiner etwas getadelt noch etwas zu verbessern gewusst. Um Walpurgis sind die Bothe — nämlich noch vier Bothe zu den vorigen vier Bothen — abgebrochen, der Raum geschaffen und bis auf den Gries zum Grund gearbeitet worden. Und der Berg ist gut verstrebt mit starken eichenen Balken und starken eichenen Dielen dahinter; diese Streben sollen so im Grund stehen bleiben. Und inzwischen ist der Ton gegraben und zum Dämmen bereitet worden. Das Schöpfzeug zum Ausschöpfen des wilden Wassers

Unsichere Lesungen

  1. Z. 15: eichn — Kürzungsstrich, eichenn

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HandschriftS. 397 Bl. 197r

ÜbersetzungSeite 397

1

ist fertiggestellt, und alles fließende Wasser ist damit dermaßen gehalten, dass man auf dem Grund trocken und ohne jede Behinderung durch das Wasser hantieren kann. Und das wilde Wasser kommt gemeinhin vom Berg her und nicht stark aus dem Grund; die Salzadern dagegen kommen alle von unten herauf aus dem Grund des Kieses. Und weil Junker Hermann von Hundelshausen und Nordeck wegen vorgefallener fürstlicher Geschäfte wegreiten mussten, ist der Herr Landvogt, Junker Sigmund von Boyneburg, an ihrer Statt durch unseren gnädigen jungen Herrn Landgraf Wilhelm herbeschieden worden, zur Vollendung dieser Bauten und beim Dämmen zugegen zu sein, und zwar heute, den 11. Juli, hier einzutreffen, nach dem Inhalt des nachfolgenden Schreibens:

2

Wilhelm von Gottes Gnaden, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen. Rat und lieber Getreuer! Nachdem unsere

Unsichere Lesungen

  1. Z. 7: kieses — oder kreses
  2. Z. 11: Irt — an Ihrer statt?

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HandschriftS. 398 Bl. 197v

ÜbersetzungSeite 398

1

Verordneten des Baus über den Salzbrunnen zu Allendorf in Sooden bei uns angesucht haben, dass wir uns in eigener Person mit etlichen unserer Räte nach Allendorf begeben und den Stand des Salzbrunnens — wie es um die ausgeführten Bauten und das wilde Wasser bestellt ist — besichtigen und unser Bedenken und unsere gute Meinung zur endgültigen Vollziehung dieses Baus eröffnen möchten: Weil wir nun jetzt mit den Räten, die hier sind, diese Besichtigung anderer Obliegenheiten und Geschäfte wegen nicht vornehmen können, so ist unser gnädigstes Begehren an Euch, Ihr wollet Euch auf das Ansinnen der Verordneten hin aufs förderlichste dorthin begeben, alle Umstände genau besichtigen und mit beraten helfen, ob und wie die Verdämmung des wilden Wassers am nützlichsten und zuträglichsten vorzunehmen sei und ob die Dinge mit besserer Bequemlichkeit anzustellen wären, als es die Verordneten der Unsrigen und der Pfänner zum Bau verabschiedet

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HandschriftS. 399 Bl. 198r

ÜbersetzungSeite 399

1

haben. Erzeigt Euch also hierin gutwillig; das gereicht uns von Euch zu besonderem Gefallen, und wir sind Euch mit Gnaden geneigt. Gegeben zu Kassel am 9. Juli Anno 51.

2

An unseren Landvogt an der Werra und lieben Getreuen Sigmund von Boyneburg. Auf dieses Schreiben und diesen fürstlichen Befehl hin ist der Landvogt heute, den 11.

3

Juli, am Morgen hier zu Sooden eingetroffen und erschienen, hat alle Dinge nach Bedarf besichtigt und unser Bedenken und Vorhaben angehört; das hat ihm dann so wohlgefallen, dass er nichts daran zu verbessern wusste. Darum haben wir mit der Verdämmung so angefangen und sind fortgefahren: Zuerst im Grund neben und zwischen den doppelten Rennen mit großen harten Kalksteinen und danach mit grobem Kies, außerhalb der neuen Wand, an der alten äußersten Fassung und

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HandschriftS. 400 Bl. 198v

ÜbersetzungSeite 400

1

zwischen der gefassten Verstrebung vor dem Berg her, über die Rennen und die darauf gelegten Bretter, einen Schuh hoch, wie oben steht, ausgefüllt. Darauf mit der ausgefahrenen Erde anzufangen zu dämmen, damit sich das wilde Wasser darin verteilen und in die gelegten Rennen ungehindert fließen kann. Sonntag, den 12.

2

Juli, des Wetters wegen — weil es hell und schön war — zu Mittag angefangen zu dämmen zwischen dem mittleren, im vorigen Jahr neu gesetzten Fass und der alten Fassung sowie der jetzt neu daran gezapften Wand. Und zuerst ist der Schlamm auf dem Grund ganz sauber herausgezogen worden; danach ist auf dem Grund eine gute Notdurft Moos verteilt gelegt, darin viel Asche einzeln gestreut und darauf der gute bereitete Ton von oben herab hart ineinander geworfen worden. Und so hat man angefangen, zwischen der neuen mittleren und der äußersten Fassung ringsherum zu verdämmen. Montag, den 13. Juli, ebenso gedämmt bis auf

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HandschriftS. 401 Bl. 199r

ÜbersetzungSeite 401

1

den Mittag; da ist feuchtes Wetter und Regen eingefallen, so dass man den halben Tag damit hat stillhalten müssen. Und am Mittag ist Nordeck von Kassel ebenfalls hier eingetroffen. Dienstag, den 14.

2

Juli, am Morgen wieder angefangen zu dämmen. Und weil die drei mittleren Kasten, in denen die doppelt gelegten Rennen verlaufen, an der neuen Wand außen ringsherum mit Erde über der Renne mannshoch beschüttet und hart aneinander gefügt sind, ist darauf Moos und Asche gelegt worden. Und danach sind diese mittleren drei Kasten bis oben aus dem Werk gleich in die Höhe mit starken Brettern, ineinander geschnitten, vier Zoll dick, gefügt; sie haben unten auf dem Grund keinen Boden und stehen 15

3

Schuh weit voneinander. Und man hat sogleich gesehen, dass sich das wilde Wasser sehr gut durch die Rennen und aus einem Kasten in den anderen bis in den letzten untersten Kasten vor dem Gewölbe gezogen und geflossen ist, in dem das wilde Wasser vier Schuh hoch

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: zu tennenn — evtl. rennenn

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HandschriftS. 402 Bl. 199v

ÜbersetzungSeite 402

1

ins Gewölbe steigen soll. Dieser unterste Kasten ist außen ringsherum mit Ton allenthalben gut verdämmt, höher, als das Wasser darin steigen soll, und darüber mit guter Erde zugefüllt worden. Daneben hat man mit dem Dämmen so fort und fort fortgefahren. Daneben hat man die vierte, oberste Brücke über den Solgraben, die hölzern gewesen ist, unterhalb der Schwanflügelswiese von neuem aus dem Grund mit Steinen hochgeführt und gewölbt. Damit hat man angefangen, den Solgraben von dieser Brücke bis vor das Gewölbe mit Steinen auszufüttern. Er ist vier Schuh weit und auf jeder Seite drei Schuh hoch und unten mit eichenen Brettern auf dem Boden beschossen; sie haben vor dem Mauerwerk auf beiden Seiten Leisten, damit die Mauer nicht weiche oder der Berg die Mauer zusammenschieben oder drücken kann. Dazu soll man die gebrochenen Steine oberhalb der Stadt und an der

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: tennenn — evtl. rennenn
  2. Z. 10: Schwannflugels — Flurname, Lesung unsicher

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HandschriftS. 403 Bl. 200r

ÜbersetzungSeite 403

1

Pforte gebrochenen nehmen. So hat man auch einen gebrannten Kalk auf Vorrat; der ist im Frühling angesetzt worden. Dazu sind viele Steine unter dem Kunsthaus; man soll dieses Haus verkaufen und das Geld und die Steine hierzu gebrauchen und den Solgraben wieder stark machen, damit er wie zuvor an der Schwanflügelswiese heraustritt und nicht wie jetzt des Hauses wegen halb herumgeführt ist. Der Maurer will davon bis vor das Gewölbe zwanzig Gulden Münze nehmen, doch so, dass wir ihm Stein und Kalk, die Handlanger und was an Schmiedewerk nötig ist, zu schärfen verschaffen. Mittwoch, den 15. Juli, vor Mittag ist der Damm im Grund zwischen der mittleren und der jetzigen neu gemachten Wand ganz zusammengeführt und so im Grund die Runde geschlossen worden, bis an die untersten Riegel, ungefähr vier Schuh hoch. Und als das geschehen war, da ist das wilde Wasser in der Röhre im untersten Kasten gestiegen und in einer Renne, die Meister Hans

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: Anndeloger — Wort unklar
  2. Z. 13: 5. — wohl 15., Ziffer 1 fehlt
  3. Z. 19: Rörtenn — wohl Röhren

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HandschriftS. 404 Bl. 200v

ÜbersetzungSeite 404

1

vier Zoll niedriger als zuvor ins Gewölbe gelegt hat, geflossen. Als die Herren das gesehen hatten, sind der Landvogt, Johann Nordeck und Valtin Schuldt abgeritten, und man ist mit dem Dämmen so fort und fort fortgefahren. Wie das denn dem Herrn Statthalter geschrieben worden ist, wie folgt: Meine ganz bereitwilligen Dienste allzeit zuvor, edler und ehrenfester lieber Herr Statthalter.

2

Euer Ehren als demjenigen, der die Sachen unseres gnädigen Fürsten und Herrn treu und gut meint und insbesondere den Stand des Salzwerks zu dieser Zeit am besten kennt, kann ich nicht verhalten, dass auf schriftlichen Befehl unseres gnädigen jungen Herrn Landgraf Wilhelm der Landvogt Junker Sigmund von Boyneburg vergangenen Samstag am Morgen hier zu Sooden eingetroffen ist. Wir haben ihm von wegen unseres hochgenannten gnädigen Herrn — Valtin Schuldt, die Beamten zu Sooden und ich, neben den von den Pfän-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: tennenn — evtl. rennenn
  2. Z. 9: d. Eh. — Abkürzung unklar

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HandschriftS. 405 Bl. 201r

ÜbersetzungSeite 405

1

nern zum Bau Verordneten — die Bauten und die vorhabende Dämmung mit allen Umständen hinreichend und genügend angezeigt, so dass er sich alles hat wohlgefallen lassen und nichts daran zu verbessern gewusst hat. So hat man am Samstag alles Gerät hergerichtet und am Sonntag um zwölf Uhr — weil man des guten Wetters und anderer Ursachen wegen eilen muss — zu dämmen angefangen; und am Montag zu Mittag ist Nordeck ebenfalls hier eingetroffen. Inzwischen ist der Damm im Grund ringsum den Salzbrunnen vier Schuh hoch geführt und der Grund verdämmt worden, so dass gestern, Mittwoch zu Mittag, das wilde Wasser durch die auf den Grund gelegten Rennen in einen Kasten über dem Gewölbe vor dem Salzbrunnen geflossen und darin durch eine Röhre oder einen Stock vier Schuh hoch in die Höhe gestiegen und durch das Gewölbe von selbst abgeflossen ist. Darauf sind die drei Obengenannten abgeritten, in der Zuversicht, der Sache sollte damit nunmehr geholfen und geraten sein. Aber wir

Unsichere Lesungen

  1. Z. 14: Ef — Abkürzung, evtl. Ek

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HandschriftS. 406 Bl. 201v

ÜbersetzungSeite 406

1

die Beamten hier und die Verordneten der Pfänner haben gesehen, dass der Salzbrunnen zugenommen hat und nicht so viel wildes Wasser abgeflossen ist, wie es zuvor mit den Pumpen geschöpft wurde. Darum haben wir die Sole aus dem Salzbrunnen insgeheim geprobt und gefunden, dass sie etwas geringer geworden ist als vor zwei Tagen. Deshalb haben wir — damit kein Gerücht daraus werde und auch damit das wilde Wasser nicht andere Ausgänge suche — die Schöpfpumpen wieder gesetzt, und das wilde Wasser wird wie zuvor ausgezogen. So steigt auch der Salzbrunnen nicht höher als zuvor, in guter tröstlicher Hoffnung, die Sole werde so gut bleiben wie bisher, wie wir es dann am nächsten Sonntag beim Sieden finden werden. Weil dann die Unkosten, die darauf gehen, nicht auf beide Herrschaften kommen, sondern die Sieder sie tragen müssen, so kann man es noch eine Zeitlang so halten, bis Gott der Allmächtige unseren gnädigen Fürsten und Herrn erlöst oder

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: kein — evtl. gestrichen
  2. Z. 18: kann — evtl. gestrichen

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HandschriftS. 407 Bl. 202r

ÜbersetzungSeite 407

1

anderer Rat dazu gefunden werden kann. Sonst ist alles gut und rechtschaffen erbaut. Das wollte ich Euer

2

Gnaden, damit Ihr es wisst, in dienstlicher guter Meinung nicht unangezeigt lassen; derselben nach allem Vermögen gefällige Dienste zu erweisen bin ich ganz willig. Gegeben zu Sooden, den 16.

3

Juli Anno 51. Euer Gnaden Würden Justus Pistoris. An den Statthalter zu Kassel. Donnerstag, den 16. Juli, ist Johann Niedenstein am frühen Morgen auf den Born gekommen, hat alle Dinge besichtigt und beratschlagen helfen. Und die eine — im dritten Stock —, die vor zwei Tagen ganz stark und gut gewesen ist, hat sich ganz verändert und ist lauteres süßes wildes Wasser gewesen wie zuvor. Weil wir aber augenscheinlich befunden haben, dass die Sole im

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: 16 — Zeichen nach 16 unklar
  2. Z. 11: Niedenstein — evtl. Nidenstein

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HandschriftS. 408 Bl. 202v

ÜbersetzungSeite 408

1

Born gestiegen, am Salzgeschmack aber nicht stärker geworden ist und sich vermehrt hat, dass aber weniger wildes Wasser abgegangen ist als damals, wo man es mit den Pumpen geschöpft hat, und weil dazu Christoffer Homberg die Sole geprobt und gefunden hat, dass die Sieder zum Sieden einer Pfanne Salz anderthalb Fuder Sole mehr haben und versieden müssen als damals, wo man das wilde Wasser mit den Pumpen geschöpft und gehalten hat — was dann mehr Holz erfordern würde als im vorigen Jahr —, so haben wir, die Beamten zu Sooden, Thias Thorey und der Zimmermann, es für nützlich und gut befunden, dass wir den Ton aus dem untersten Kasten vor dem Gewölbe sogleich wieder herausgenommen und die Schöpfpumpen darin setzen lassen, um zu versuchen und zu sehen, wieviel mehr wildes Wasser diese austragen, als durch die Röhren fließt. Und danach soll wiederum eine Probe gemacht werden, und was dann am nützlichsten ist, danach hat man sich zu richten. Es ist auch im

Unsichere Lesungen

  1. Z. 11: Thias Cho=rey — vgl. S. 413, evtl. Chias

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HandschriftS. 409 Bl. 203r

ÜbersetzungSeite 409

1

Solgraben, wie man an der neu gemachten Mauer gesehen hat, das Wasser nicht so hoch gestiegen wie vor zwei Tagen. Darum ist zu besorgen, dass sich im Grund unter dem Damm ein Teil des wilden Wassers durch den Gries in den Salzbrunnen gezogen hat. Freitag, den 17.

2

Juli, ist der unterste Kasten ganz ausgeräumt und die Schöpfpumpe auf den Boden darin gesetzt und das wilde Wasser damit geschöpft worden. So ist das Wasser im Solgraben wieder so hoch, wie es zuvor am Mittwoch gestanden hat, in seinen alten Stand gekommen, und der Salzbrunnen ist niedriger geworden und gestanden. Und Meister Hans, der Zimmermann, hat inzwischen die Nebenadern, von denen zuvor die Rede war, wieder aufräumen lassen; was davon wildes Wasser ist, soll in den obersten Kasten geführt werden. Daneben hat sich vom Berg her unter einem Bothe, von der Kirchgasse herunter,

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HandschriftS. 410 Bl. 203v

ÜbersetzungSeite 410

1

eine alte Abzucht gezeigt; die hat man ebenfalls geräumt, um zu sehen, wohin das Wasser daraus zu bringen sei. Und es ist heute mit der Erde an der äußersten Wand gedämmt worden. Samstag, den 18.

2

Juli, ist die Sole aus dem Brunnen abermals geprobt und wieder wie zuvor sehr gut befunden worden; und die Sole in den drei Stöcken ist auch alle wieder gut geworden, aus dem Grund, dass das wilde Wasser wieder ausgeschöpft und gepumpt worden ist. Doch ist die Sole noch etwas geringer als vor der Dämmung, und es mussten fünf Ohm 7

3

Quart auf eine Pfanne mehr versotten werden als in der anderen Woche, laut Christoffers Probe.

4

Probe der Sole im Salzbrunnen in der Woche, als das wilde Wasser verdämmt worden war, damit es im Salzbrunnen selbst steige: was die Sole vor dem Steigen, im Steigen und wieder nach dem Halten und Ausschöpfen des Wassers gehalten hat.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: stelbenn — unklar
  2. Z. 16: vns — evtl. vnd

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HandschriftS. 411 Bl. 204r

ÜbersetzungSeite 411

1

Geprobt durch Christoff Homberg, den Bornmeister. Den 9. Juli Anno 51, ehe das wilde Wasser verdämmt war, habe ich die Sole geprobt; es gehörten auf eine Pfanne 7 Fuder 3 Ohm 61

2

Quart. Den 15. Juli, als das wilde Wasser gestiegen und der Damm allenthalben gemacht war, habe ich die Sole geprobt; sie hält auf eine Pfanne 9 Fuder 73 Quart.

3

Den 18. Juli habe ich die Sole abermals geprobt, als man das wilde Wasser wieder gehalten und die Stöcke geöffnet hatte; sie hält auf eine Pfanne 8 Fuder 2 Ohm 68 Quart.

4

Mit der ersten Probe verglichen, ist die Sole auf eine Pfanne noch 5 Ohm 7 Quart zu gering.

5

Sonntag, den 19. Juli, davon zu Kassel unserem gnädigen jungen Herrn und dem Statthalter mündlich Bericht getan. Zuvor habe ich dies dem Statthalter schriftlich angezeigt, wie oben ge-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: gehabtenn — so geschrieben, wohl gehaltenn

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HandschriftS. 412 Bl. 204v

ÜbersetzungSeite 412

1

schrieben. Darauf haben beide, Seine Fürstlichen Gnaden und der Statthalter, befohlen und für gut befunden, die Schöpfpumpen zu gebrauchen. Montag, den 20.

2

Juli, zu Mittag wieder zu Sooden eingetroffen. Dort habe ich den Landvogt, Hundelshausen, Nordeck und Valtin Schuldt vorgefunden, denen ich diesen Bescheid angezeigt habe. Die haben nach Besichtigung der Bauten die Verordneten der Pfänner zu sich gefordert, sich nach Bedarf besprochen und sich nach Aufrichtung einer Abrede, wie und was zu bauen nötig sein würde, wieder voneinander geschieden. Und es folgt der Abschied. Den 20.

3

Juli Anno 51 sind zu Sooden die Nachbenannten erschienen und haben allerlei beratschlagt und beschlossen wie folgt. Von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn: der Landvogt Sigmund von Boyneburg, Her-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: Ffgl. — Abkürzung

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HandschriftS. 413 Bl. 205r

ÜbersetzungSeite 413

1

mann von Hundelshausen, Johann Nordeck, Jost Becker, der Rentmeister, der Salzwart und Meister Hans Wetzel, der Zimmermann. Von wegen der Pfänner: Johann Schaffnit der Ältere, Johann Niedenstein, Thias Thorey und Johann Schaffnit der Jüngere.

2

Es ist vorgetragen worden: Weil der Salzbrunnen zugenommen und das wilde Wasser abgenommen hat, wie der Sache zu raten wäre.

3

Der Landvogt schließt, dass man die Gabe Gottes nicht übernötigen, sondern die Schöpfpumpen gebrauchen solle, was dem Hauptwerk ohne Schaden sei; man könne es so einrichten, dass es nicht so viel wie jetzt kostet.

4

Hundelshausen sagt dasselbe: dass man die Adern in Stöcken dermaßen verbaue, dass die Werke keinen Schaden nehmen. Valtin Schuldt, Nordeck und die anderen sind ebenfalls dieser Meinung.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: Berker — evtl. Becker
  2. Z. 5: Thias Chorey — T/C-Initialen gleichförmig

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HandschriftS. 414 Bl. 205v

ÜbersetzungSeite 414

1

Die Verordneten der Pfänner haben Bedenken genommen und durch Niedenstein gesagt, sie hätten das Bedenken der Herren angehört, und dann vorgetragen: weil die Herren von allen Umständen gute Kenntnis hätten, sollten sie ihr Bedenken anzeigen; dann wollten sie ihre gute Meinung auch dazu sagen. Die Herren sagten darauf, sie hätten bereits ihre Meinung gehört, und die Frage sei, wie zu handeln sei, damit der Schaden nicht größer werde. Darauf ist beschlossen worden, dass jeder Teil sich auf eine Meinung festlege, die wir dann zusammentragen, und dass man sich danach endgültig auf eine Meinung vergleiche. Meister Hans' und Christoffers Bedenken ist und sie schließen, dass man die Adern in Stöcken wieder verdämme und die an der mittleren Wand fasse und in den obersten Kasten führe — doch so, dass man den Damm noch drei Schuh aufräume und eine kleine Öffnung dorthin mache, damit man jederzeit

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HandschriftS. 415 Bl. 206r

ÜbersetzungSeite 415

1

danach sehen kann. So hat man auch, wenn der Born abnimmt oder zugeht, die gute Ader in den Born hinein oder aus ihm heraus zu weisen. Dazu will Meister Hans im untersten Kasten auf dem Boden einen kleinen Trog einsenken, in dem die Pumpen stehen und desto tiefer schöpfen können. Und damit das desto besser geschehen kann, sollen die Schöpfpumpen im nächsten Kasten darüber gehalten und die Rennen im untersten Kasten verstopft werden. Vor dem Gewölbe ist beschlossen worden, dass auf das Gewölbe ein Lichtloch gemacht werden soll, damit man jederzeit darin aus- und einsteigen und nachsehen kann. Das Bedenken der Verordneten der Pfänner ist: weil sich das wilde Wasser nicht zwingen lassen will zu steigen, begehren sie das Bedenken der Herren, denn der Grund habe sich verändert. Hundelshausen: Weil man sieht, dass das wilde Wasser nicht steigen will, so muss dem geraten sein,

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HandschriftS. 416 Bl. 206v

ÜbersetzungSeite 416

1

insbesondere mit den Pumpen. Aber um die Stöcke solle Meister Hans einen Bau setzen, damit man jederzeit dazu kommen und nachsehen kann, und dann den Trog zum untersten Kasten einsenken, aus dem die Pumpen schöpfen, danach füllen und wieder zufüllen. Es sei nicht nötig, auf der Seite zur Stadt hin Rennen zu legen, weil man dort kein Wasser gespürt hat. Und weil man die Pumpen ohne Schaden für beide Herrschaften unterhalten und sie hernach mit geringen Kosten verändern kann, so lässt man es dabei bleiben. Das Tagwasser soll durch den Graben zwischen dem Kunsthaus und den Bothen abfließen; die Abzucht soll durch Rennen ins Gewölbe fließen. Die Pfänner hätten erwartet, das wilde Wasser hätte von selbst steigen sollen; weil es das aber nicht tut und sich nicht zwingen lassen will, so sind sie mit den Herren derselben Meinung, wie sie

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HandschriftS. 417 Bl. 207r

ÜbersetzungSeite 417

1

Das Fünfte Buch. es angezeigt haben; und es scheint viel nützlicher, als das Wasser zum Steigen zu zwingen. Denn es ist zu besorgen — weil sich die Adern verändert haben —, dass sich das wilde Wasser darin vermischt, was es dann nicht getan hat, solange das wilde Wasser geschöpft wurde. Darauf haben die Herren Meister Hans befohlen, dies auszuführen; und die Beamten und die Verordneten der Pfänner sollen dabei sein und aufs sorgfältigste zusehen, gemäß dem Inhalt des folgenden Abschieds.

2

Als unser junger Herr, Landgraf Wilhelm zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen, und auch der Statthalter zu Kassel, Rudolf Schenck zu Schweinsberg, gestern befohlen und für nützlich und gut befunden haben — weil das wilde Wasser um den Salzbrunnen zu Sooden von selbst nicht so stark in die Höhe steigen will, wie es die Pumpen ausschöpfen, und weil die Unkosten, dies zu unterhalten, allein auf die Boder gehen —, dass dieses wie bisher mit den Pumpen ausgeschöpft und inzwischen auf andere, zuträglichere und leichtere Künste zu dessen Ausbringen ge-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 20: vf anndere — Wortfuge unklar

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HandschriftS. 418 Bl. 207v

ÜbersetzungSeite 418

1

Das Fünfte Buch. dacht werden solle: um dies und anderes zu beratschlagen, sind von wegen unseres gnädigen

2

Fürsten und Herrn Landgraf Philipp zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Seiner Fürstlichen Gnaden Landvogt Sigmund von Boyneburg, Hermann von Hundelshausen, Amtmann, Johann Nordeck, Valtin Schuldt, Jost Becker und die Beamten zu Sooden und dann die Verordneten der Pfänner, Johann Schaffnit der Ältere, Johann Niedenstein, Thias Thorey und Johann Schaffnit der Jüngere, dazu von wegen beider Herrschaften Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, heute beisammen zu Sooden im Augenschein erschienen. Und sie haben alle diesen fürstlichen Befehl und dieses Bedenken für nützlich und gut befunden, sich auch darauf weiter nach Bedarf besprochen, verglichen und verabschiedet, dass die gefassten drei Nebenadern in den Stöcken wiederum mit Ton verdämmt werden, und dass dagegen zwischen der mittleren Fassung gegen den obersten neuen Kasten

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: S.f.gl. — Abkürzung, Ligatur

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HandschriftS. 419 Bl. 208r

ÜbersetzungSeite 419

1

Das Fünfte Buch. quer hinüber gut zugebaut werden soll, wodurch diese Adern in denselben obersten Kasten geführt fließen, so dass man ungehindert dazu kommen und danach sehen kann. So kann man auch jederzeit diese dritte Ader, falls sie sich verändern würde, in den Salzbrunnen hinein oder aus ihm heraus führen und abweisen, wie sie denn bereits auf beide Wege gefasst ist.

2

Ferner soll der Zimmermann sogleich in den Kasten, aus dem jetzt das wilde Wasser gepumpt wird, einen hölzernen Trog dicht einsenken, damit die Pumpen darin tiefer als jetzt stehen und das wilde Wasser desto tiefer geschöpft werden kann. Und damit das bequem geschieht, kann im nächsten Kasten darüber, während daran gearbeitet wird, das wilde Wasser ausgeschöpft werden. Zum Gewölbe hin soll es ebenfalls gut verdämmt und auf das Gewölbe, gerade vorn am Haupt, ein Lichtloch bis zutage aus Holz oder Stein geführt werden, damit man jederzeit dort in Sooden aus und ein ins

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HandschriftS. 420 Bl. 208v

ÜbersetzungSeite 420

1

Das Fünfte Buch. Gewölbe kommen kann — doch so, dass es oben verschlossen sei. Danach sind die Quelle und das Sickerwasser, die sich jetzt unter dem Bothe zur Kirche hin aus dem Berg zeigen, in Rennen zu fassen und diese abgedeckt ins Gewölbe zum Ausfluss zu führen. Sodann sind die Bauten alle gut zu füllen und mit guter Erde zu verdämmen und der Bau über dem Salzbrunnen aufzurichten. Aber auf der Seite zur Werra und zur Stadt hin unter dem Damm ebenfalls Rennen für das wilde Wasser zu legen, wie es vor dem Berg her geschehen ist, hält man für unnötig, weil sich dort kein besonderes wildes Wasser oder anderes Gewässer gezeigt hat. Und das Tagwasser soll um den Salzbrunnen her auf den Bauten gefasst und in einen der zwei Gräben, die durch die Bothe gehen, geführt werden. Ob nun die Bauten auf und um den Salzbrunnen mit Steinen gepflastert oder mit Dielen beschossen werden sollen, darüber hat man sich hernach zu vergleichen.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: zuuertemmenn — m/nn unklar

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HandschriftS. 421 Bl. 209r

ÜbersetzungSeite 421

1

Das Fünfte Buch. Dazu ist für gut befunden worden, dass man zum Ausschöpfen des Flutwassers noch eine Renne oben ans Gewölbe lege und diese zur Zeit der Flut gebrauche, damit man gleichwohl sieden kann. Darauf haben dann die Herren beiderseits dem Zimmermann befohlen, dies so bald wie möglich fertigzustellen; und die Beamten zu Sooden und die Verordneten der Pfänner sollen dabei sein und sorgfältig mit zusehen, dass es förderlich fertiggestellt werde. Verabschiedet zu Sooden, den 20. Juli Anno

2

51. Sigmund von Boyneburg, Landvogt. Hermann von Hundelshausen. Johann Nordeck. Justus Pistoris. Valtin Schuldt.

3

Johann Schaffnit der Ältere. Thias Thorey. Johann Schaffnit der Jüngere. Mittwoch, den 22. Juli, hat Meister Hans im obersten Fach gegen die Adern zum Born hin ausgehauen

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HandschriftS. 422 Bl. 209v

ÜbersetzungSeite 422

1

Das Fünfte Buch. und eine Tür oder einen Gang aus dem Kasten durch die alte Wand vor die Stöcke, die durch das mittlere Fass geht, gemacht, wodurch man jederzeit zu den drei Adern und Stöcken kommen und nachsehen kann. Danach ist die Fassung quer hinüber gegenüber den drei Stöcken eingesetzt worden; sie hat acht Deicheln, unten mit Schwellen und oben mit Ringstücken, und ist in der Mitte auf beiden Seiten verriegelt, oben und unten mit starken Bohlen aus dem Grund so hoch, wie dieser Kasten oder diese Kammer ist, aufeinander zugesetzt und oben im Grund mit groben Steinen und Kiesel vor den Brettern beschüttet, danach oben quer hinüber mit starken Hölzern zugelegt, mit Moos verstopft und danach mit Ton verdämmt. So hat der Maurer das Gewölbe oben bei dem untersten Kasten zugemauert und das Lichtloch dadurch nach oben hinaus mit Steinen geführt. Und die zwei Rennen sind, die eine auf den Boden des Gewölbes

Unsichere Lesungen

  1. Z. 9: Rinckhstenn — Wort unklar

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HandschriftS. 423 Bl. 210r

ÜbersetzungSeite 423

1

Das Fünfte Buch. und die andere in die Höhe im Gewölbe, durch das Mauerwerk gelegt und abgedeckt worden. Donnerstag, den 23.

2

Juli, die Rennen für das Sickerwasser abgedeckt, ins Gewölbe gelegt und zugemauert. Danach ist zwischen dem untersten Kasten und dem Gewölbe mit Ton so hoch, wie das Gewölbe ist, gut verdämmt worden. Daneben ist in dem mittleren neuen Kasten oder in der Kammer vor den Röhren, die aus den drei Stöcken gehen, aus dem Grund mit grobem Kies bis an die Röhre gefüllt worden; darin sind vier kurze Röhrchen gesetzt und in jedes ein Pflock gesteckt, damit die Röhren steif stehen bleiben und das Wasser aus dem Grund darin in die Höhe steige und in den untersten Kasten abfließe, falls es nicht genug durch den groben Kies steigen wollte. Anmerkung zu den Röhren für den Abgang des Salzbrunnens:

3

Weil es aus dem Grund bis in die Mitte der Höhe ringsum den Salzbrunnen mit Ton verdämmt ist, sind die Streben am alten äußersten Fass abgetan und herausgezogen worden.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 17: Nota: — Abkürzung, Lesung unsicher

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ZusammenfassungS. 424–431

Die bleiernen Pfannen — ein Gutachten, das Nein sagt. Zwischen die Bauakten gerät ein Vorgang, den man heute Technologietransfer nennen würde, und er ist eines der klügsten Stücke der ganzen Salzbibel.

Der junge Landgraf will, dass man in Sooden versuchsweise mit bleiernen Pfannen nach Lüneburger Art siedet. Die Beamten vor Ort halten nichts davon — aber „weil unser hochgenannter gnädiger junger Herr darauf beharrt“, wird befohlen, es einzurichten. Daraufhin setzen der Salzgraf Valtin Schuldt, der Rentmeister und der Salzwart am 23. Februar 1552 ein schriftliches Gutachten auf, und dessen Aufbau ist mustergültig.

Erstens die physikalische Begründung: Die Lüneburger Sole sei „die allerreichste Sole …, die man hierum kennt“; sie brauche kurzes Sieden, die Pfanne bleibe fast voll, und das Blei halte deshalb die Hitze aus. Die Sooder Sole dagegen müsse lange sieden, und am Ende bleibe „kaum das achte oder neunte Teil“ — dann liege das Blei trocken in der Glut und werde verbrennen.

Zweitens die Wirtschaftlichkeit: Wollte man ständig nachgießen, würden Zeit und Hitze erst recht zu viel. Drittens das fehlende Können: Hier wisse niemand „die Tiefe, Weite und Art“ der Lüneburger Pfannen und Öfen, „viel weniger, wie man die Pfannen gießt“. Viertens die offene Frage nach dem Zusatz, den man beim Sieden braucht.

Und dann das stärkste Argument, ein Analogieschluss: Wäre es außerhalb Lüneburgs nützlich, so hätten „die von Halle und Frankenhausen, die alle viel reichere Sole haben als wir“, es längst getan und säßen nicht bei eisernen Pfannen.

Bemerkenswert ist, wie das Gutachten endet — nicht mit Verweigerung, sondern mit einem Versuchsplan. Man solle einen Lüneburger Salzknecht herholen (schwierig, „denn man lässt sie nicht leicht anderswohin ziehen“) und das Probewerk in Kassel ansetzen, nicht in Allendorf; dazu einen Bodemeister nehmen, „der verschwiegen wäre“. Und noch davor solle man „von der Lüneburger Salzsole ein halbes Maß“ kommen lassen, um beide Solen zu vergleichen — sonst sei „die Berechnung der Unkosten nach jenem Vorbild falsch“.

Kontrollversuch, Vergleichsprobe, Geheimhaltung und die klare Ansage, dass eine Kalkulation ohne Vergleichsdaten nichts wert ist: Das ist experimentelles Denken, 1552, in einem Brief von drei Beamten an ihren Fürsten.

HandschriftS. 424 Bl. 210v

ÜbersetzungSeite 424

1

Das Fünfte Buch. Die bleiernen Pfannen sollten zur Probe hergerichtet werden wie zu Lüneburg. Es ist beratschlagt worden, dass es zur Zeit noch nicht möglich sei, darin zu sieden, und dass es vergeblich wäre, etliche davon zur Probe herrichten zu lassen. Und weil unser hochgenannter gnädiger junger Herr darauf beharrt, ist befohlen worden, es einzurichten; die Beamten zu Sooden aber haben deshalb schriftlich Bericht getan, wie folgt: Dem ehrbaren und achtbaren Jost Becker, Salzgrafen zu Sooden, unserem guten Freund. Meine ganz willigen Dienste zuvor, besonders guter Freund. Euer Schreiben, die Zurüstung der bleiernen Pfannen zum Salzsieden auf Lüneburger Art betreffend, habe ich empfangen und darauf nicht unterlassen, davon mit dem Rentmeister und dem Salzwart hier allerlei Unterredung und Bedenken zu haben. Und nachdem wir alle drei uns verpflichtet und

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: vlgemts — Abkürzung, wohl vielgemelts

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HandschriftS. 425 Bl. 211r

ÜbersetzungSeite 425

1

Das Fünfte Buch. schuldig erkennen, unseres gnädigen Fürsten und Herrn Bestes zu werben und zu tun, geben wir Euch darauf unser einfältiges Bedenken und unseren Rat, wie hernach folgt.

2

Zum ersten ist Euch ohne Zweifel wohl bekannt: Weil die Salzsole zu Lüneburg, wo die bleiernen Pfannen gebraucht werden, die allerreichste Sole ist, die man hierum kennt, bedarf sie nicht vielen oder langen Siedens; und wenn sie ganz gesotten ist, hat sie keinen sonderlich großen Abgang, so dass die Pfannen beinahe voll bleiben und das Blei die Hitze desto besser hält und erträgt. Wenn aber Salzsole in bleiernen Pfannen lange gesotten werden soll und, wenn sie gar geworden ist, kaum das achte oder neunte Teil bleibt —

3

wie diese Sole hier es tut —, so ist zu besorgen, dass das Blei die Hitze, wenn es der Feuchtigkeit der Sole entblößt ist, nicht ertragen kann und verbrennen wird. Und selbst wenn es die Hitze ertrüge, würde bei der Größe solcher Pfannen doch nur ein ganz kleiner Teil an Salz hier aus dieser Sole fallen, verglichen mit der Lüneburger Salzgewinnung, von einer Eingießung oder vollen Pfanne.

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HandschriftS. 426 Bl. 211v

ÜbersetzungSeite 426

1

Das Fünfte Buch. Zum anderen: Sollte man dann jedesmal mit der rohen Salzsole nachgießen, so lange, bis die Pfanne voll garer Sole würde und Salz machte, so würden abermals die Zeit und die Hitze für die bleiernen Pfannen zu lang und zu schwer, und es würde den Aufwand und die Unkosten, die wir hier bereits mit Sieden, Salzmachen und anderem haben, fast erreichen, wo es nicht schwerer würde.

2

Zum dritten: Und selbst wenn man es hier versuchen und erproben wollte, so ist doch hier unseres Erachtens kein Bodemeister oder sonst jemand, der die Tiefe, Weite und Art der Lüneburger bleiernen Pfannen, der Gesöde, Öfen und Aufsetzung genau anzustellen wüsste, viel weniger, wie man die Pfannen gießt und macht.

3

Zum vierten wird es auch nötig sein zu wissen, ob man auch einen besonderen Zusatz in den bleiernen Pfannen gebraucht, damit es gut zu Salz geht; denn bei den eisernen Pfannen wird das

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: vnn — Kürzel, wohl vnnd/zum
  2. Z. 8: gewerenn — Lesung unsicher

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HandschriftS. 427 Bl. 212r

ÜbersetzungSeite 427

1

Das Fünfte Buch. gebraucht, und man wendet manchmal allerlei Mittel an, wenn es nicht gut sieden und sein Salz geben will.

2

Und wir halten dafür: Wäre es weiter als zu Lüneburg nützlich oder dienlich, mit bleiernen Pfannen zu sieden, so hätten es die von Halle und Frankenhausen, die alle viel reichere Sole haben als wir hier zu Allendorf, längst versucht und gebraucht und hätten nicht die eisernen Pfannen wie jetzt.

3

Damit aber unser gnädiger Fürst und Herr nicht meine, man wolle gutem Rat nicht folgen, so wollen wir gern, soviel wir verstehen und können, dazu helfen und dienen. Und wir halten es für das Beste, dass ein solcher Versuch oder ein Probewerk mit den bleiernen Pfannen durch einen Verständigen geschehe, der die Beschaffenheit der Pfannen, der Gesöde und anderes zu Lüneburg kennt. Und könnte man dazu einen Lüneburger Salzknecht haben, so wäre das unseres Erachtens das Beste, ihn herzubringen. Wir wüssten, dass zu dieser Zeit Herr Johann

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: soichenn — Lesung unsicher
  2. Z. 12: nit meine — mit/nit, Satzbau unklar

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HandschriftS. 428 Bl. 212v

ÜbersetzungSeite 428

1

Das Fünfte Buch. Nordeck, der auch die Beschaffenheit dieses Salzwerks kennt, dies beim Lüneburger Kanzler oder anderen Freunden am besten erlangen und zuwege bringen könnte. Und wenn man den dann haben könnte, dass dann ein solches Probewerk zu Kassel oder sonst an einem gelegenen Ort außerhalb Allendorfs angestellt und gemacht würde. Könnte man aber keinen der Lüneburger Salzknechte bekommen —

2

denn man lässt sie nicht leicht anderswohin ziehen —, so könnte doch Nordeck wohl Bericht geben, und wir anderen könnten auch, soviel wir verstehen, dazu helfen, dieses Werk zu Kassel oder sonst in einem gelegenen Haus anzustellen; und wenn es fertig ist, die Sole von hier zu Wasser oder mit Wagen, soviel nötig, dorthin zu schaffen und es zu versuchen. Ist es dann dienlich und ratsam, einen dieser Bodemeister dazu zu gebrauchen, so wollten wir inzwischen nach einem trachten, der verschwiegen wäre.

3

Das wäre aber unser Bedenken und Rat: ehe

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: Norderkenn — Name, oder Vorderkenn
  2. Z. 12: Norderk — Name, oder Vorderk

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HandschriftS. 429 Bl. 213r

ÜbersetzungSeite 429

1

Das Fünfte Buch. man diese Sache mit den bleiernen Pfannen anfinge, dass man zuvor von der Lüneburger Salzsole ein halbes Maß hierher durch einen geschickten Boder holen ließe, der alsbald darauf achtgäbe und sähe, wie sie das Salz dort machen und wie die Pfannen und Gesöde gemacht sind. So könnte man damit erproben, wie gut die Lüneburger Sole im Vergleich zu der unsrigen ist, und das Werk nach dem Bericht des Hingeschickten desto besser anstellen. Denn wenn man nicht genau die Größe und Art jener Pfannen und jenes Siedens kennt, so ist doch die Berechnung der Unkosten nach jenem Vorbild falsch. Das haben wir alle drei auf Euer Schreiben hin als unser einfältiges Bedenken und unsere gute Meinung — mit dem Vorbehalt, unserem gnädigen Herrn, wenn es nötig ist, besser und verständlicher davon zu berichten, als es geschrieben ist — zur Antwort nicht verhalten wollen; und sind Euch sonst freundlich zu dienen ganz willig. Gegeben zu Sooden, den 23. Februar Anno 52.

2

Valtin Schuldt, Salzgraf, samt dem Rentmeister und Salzwart zu Sooden.

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HandschriftS. 430 Bl. 213v

ÜbersetzungSeite 430

1

Das Fünfte Buch. Diese Woche Vincula Petri ist in der Nebenrenne, in der das Sickerwasser, das unter Jörg Gilles Bothe herfließt, ins Gewölbe läuft, ein Ausgang gemacht worden, dem vierten Kasten gleich über dem untersten Kasten — so dass man im vierten Kasten alles, was er sammelt, durch diesen Abgang ins Gewölbe weisen kann. Damit man, wenn man im untersten, fünften Kasten etwas zu besehen oder zu machen hätte, dies ohne Behinderung durch das Wasser trocken tun kann. Aus dem Salzbrunnen ist ein Abgang mit einer Röhre in den untersten Kasten geführt worden, und die Renne, die im vorigen Jahr zum Ausgang in derselben Höhe im anderen Fass gelegt worden war, ist wieder beseitigt und das Loch am Fass dafür verspundet worden.

2

Vorige und diese Woche ist zugedämmt und gefüllt und das Loch zum Eingang des Gewölbes vollends mit Steinen in die Höhe geführt worden.

3

So hat der Zimmermann daran gearbeitet, den Trog im fünften Kasten tiefer einzusenken.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: was er — wohl wasser
  2. Z. 14: zu Jart — Lesung unsicher

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HandschriftS. 431 Bl. 214r

ÜbersetzungSeite 431

1

Das Fünfte Buch. Diese Woche Laurentii halb gearbeitet; es hat sehr geregnet. Gefüllt und zugedämmt; ebenso die Gerinne fertiggestellt. Bei diesen Bauten hat man auch klar und deutlich sichtbar befunden, dass die Ältesten mit den Bothen und Gesöden ganz niedrig und aufs allernächste bei den Salzadern geblieben sind; danach aber ist man fort und fort immer höher gestiegen und hat Sole und wildes Wasser in die Höhe zu steigen zwingen wollen, was dann keinen geringen Schaden angerichtet hat. Und es wäre noch nützlich und gut, dass die Bothe aufs niedrigste stünden und nicht in die Höhe gebaut würden. Weil man aber die Sole nunmehr hoch genug bringen kann, was die Alten nicht zu tun wussten, hat es nunmehr keine Gefahr oder Not. Diese oben beschriebenen Bauten haben gewährt und sind ausgeführt worden in den zwei Jahren 1550

2

und 1551. Sie haben gekostet, wie es durch den Rentmeister zu Sooden Johann Bartholomäus

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ZusammenfassungS. 432–439

Die Rechnung — und ein Zimmermann, der schweigen muss. Am 20. Oktober 1551 wird abgeschlossen. Der Bau hat 2.741 Gulden, 14 Albus und 6½ Heller gekostet — „ohne das, was an Vorteil … an Holz, Dienstfuhren und anderem dazu gebraucht worden ist“. Die Hälfte des Anteils, den die Pfänner hätten tragen müssen, erlässt ihnen Landgraf Philipp 1554 bei den Verhandlungen über die neue dreißigjährige Lokation.

Dann folgt die Abfertigung des Mannes, der zwei Jahre lang im Brunnen stand. Meister Hans Wetzel bekam wöchentlich anderthalb Gulden für Kost und Lohn, dazu ein, zwei Mahlzeiten in der Woche; zum Schluss werden ihm Nachlässe und Zahlungen zusammengerechnet: 45 Gulden, 19 Albus, 4 Pfennig, „deren ich gänzlich vergnügt und bezahlt bin“.

Und dann kommt der Satz, der diesen Text zu einem der erstaunlichsten Dokumente des Werks macht. Wetzel gelobt, „alles, was ich bei diesem Bau gesehen und erfahren habe, bis in mein Grab verhehlen und verschweigen“ zu wollen — und ohne Vorwissen des Landgrafen „im Land oder außerhalb keinen Salzbrunnen bauen“ zu wollen. Besiegelt haben es Schultheiß, Bürgermeister und Rat zu Allendorf, weil er selbst kein Siegel führte.

Damit nicht genug: Damit er auch bleibe und „diesem Salzwerk zum Nachteil kein anderes oder neues Salzwerk auf dem Eichsfeld, zu Kreuzburg oder sonst um das Fürstentum“ errichte, erwirken die Salzgrafen für ihn eine feste Bestallung: 15 Gulden im Jahr aus den Bothen, vier Viertel Korn aus der Mühle, jährlich ein Kleid zu Hofe, freie Wohnung an jedem Einsatzort und ein Ortsgulden je Tag im Tagelohn. Dazu zwei Achtel Salz im Jahr, ausdrücklich, „damit ihm wegen der gezimmerten Öfen kein Verdacht erwachse“ — er soll nicht in Versuchung kommen, sich am Salz schadlos zu halten.

Geheimhaltungspflicht, Wettbewerbsverbot und ein Bleibepaket mit Naturallohn: die Personalakte eines Spezialisten, den man nicht ziehen lassen will.

HandschriftS. 432 Bl. 214v

ÜbersetzungSeite 432

1

Das Fünfte Buch. ausgelegt und verrechnet worden ist, zweitausendsiebenhunderteinundvierzig Gulden 14 Albus

2

6½ Heller — ohne das, was an Vorteil von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn an Holz, Dienstfuhren und anderem dazu gebraucht worden ist. Es wird auch noch mehr darauf gehen, die abgebrochenen Bothe um den Salzbrunnen wieder aufzurichten und zu bauen und sonst alle anderen notwendigen Bauten auszuführen und vollends fertigzustellen, wie das im folgenden Jahr mit der Zeit geschehen soll. Geschehen und unterzeichnet zu Sooden, den 20. Oktober Anno 51.

3

Anno 54, den letzten April, hat unser gnädiger Fürst und Herr Landgraf Philipp zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen, auf untertäniges bittliches Ansuchen bei der Verhandlung der erloschenen neuen dreißigjährigen Location den gemeinen Pfännern die Hälfte des genannten Baugeldes, das ihnen zu bezahlen zugestanden hätte, von den vorigen Jahren bis auf dieses Jahr 54 ausschließlich aus

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HandschriftS. 433 Bl. 215r

ÜbersetzungSeite 433

1

Das Fünfte Buch. besonderen Gnaden erlassen; dafür hat der Ausschuss der gemeinen Pfänner unserem hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn in aller Untertänigkeit hohen und großen Dank gesagt. Unterzeichnet zu Allendorf an der Werra, den 22. Mai Anno 54.

2

Justus Pistoris, selbst. Abfertigung und Vergleich des Zimmermanns und Werkmeisters. Wiewohl Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, der den Salzbrunnen auf Anordnung und Befehl der Bauherren gefasst und gemacht hat, ziemlich gut unterhalten worden ist und jede Woche anderthalb Gulden für Kost und Lohn laut der Wochenrechnung gehabt und bezogen hat, so haben die verordneten Bauherren — damit es dennoch willig mit ihm gehalten würde — ihn in der Woche noch eine oder zwei Mahlzeiten mit genießen lassen und ihm danach als Verehrung gegeben, wie aus der nach-

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HandschriftS. 434 Bl. 215v

ÜbersetzungSeite 434

1

Das Fünfte Buch. folgenden Quittung und Verpflichtung zu ersehen ist. Quittung und Verpflichtung Meister Hans Wetzels, des Zimmermanns.

2

Ich, Hans Wetzel, Zimmermann, tue hiermit öffentlich gegenüber jedermann kund und bekenne: Als ich diese nächstvergangenen zwei Jahre am Salzbrunnen hier zu Sooden gearbeitet und ihn von neuem gefasst habe, haben mir deshalb die verordneten Bauherren und Salzgrafen wöchentlich meinen Tagelohn, den sie mit mir vereinbart haben, gütlich ausrichten und bezahlen lassen. Und ich habe darüber hinaus zuvor zu meinem Unterhalt nämlich siebenthalb Taler und neunundzwanzig Gulden aufgenommen, die sie mir als Verehrung nachgelassen haben; dazu noch fünfundzwanzig Gulden und vier Gulden für ein Kleid, die sie mir jetzt bar zur endgültigen

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HandschriftS. 435 Bl. 216r

ÜbersetzungSeite 435

1

Das Fünfte Buch. Abfertigung vergütet haben. Das alles trägt in einer Summe fünfundvierzig Gulden, neunzehn Albus

2

vier Pfennig, deren ich gänzlich vergnügt und bezahlt bin. Darum sage ich für mich und alle meine Erben den durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, meinen gnädigen Fürsten und Herrn, Seiner Fürstlichen Gnaden verordnete Bauherren und Beamte zu Sooden, desgleichen die gemeinen Pfänner und ihre verordneten Salzgrafen wegen dieser Arbeit, meiner verdienten Besoldung, der Verehrung und anderem hiermit quitt, ledig und los. Ich gelobe und verspreche deshalb, an meinen hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn, die gemeinen Pfänner und die Ihren keine weitere Ansprache noch Forderung zu haben, in keinerlei Weise. Und ich will auch alles, was ich bei diesem Bau gesehen und erfahren habe, bis in mein Grab verhehlen und verschweigen und

Unsichere Lesungen

  1. Z. 10: sfgl. — Abkürzung, seiner fürstlichen gnaden

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HandschriftS. 436 Bl. 216v

ÜbersetzungSeite 436

1

Das Fünfte Buch. davon nichts vermelden, auch ohne Ihrer Fürstlichen Gnaden Vorwissen im Land oder außerhalb keinen Salzbrunnen bauen oder vornehmen, alles ohne Gefährde. Und zur Urkunde habe ich die ehrbaren und wohlweisen Herren Schultheiß, Bürgermeister und Rat zu Allendorf an der Werra fleißig gebeten, ihr Amts- und Stadtsiegel für mich hier auf diesen Brief zu drücken; was wir, Schultheiß, Bürgermeister und Rat, um der geschehenen Bitte willen so getan haben, doch uns und der gemeinen Stadt ohne Schaden. Gegeben und geschehen zu Sooden, den 27. November Anno 51.

2

Und damit der genannte Zimmermann bis zur Erledigung unseres hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn im Land bleibe und diesem Salzwerk zum Nachteil kein anderes oder neues Salzwerk auf dem Eichsfeld, zu Kreuzburg oder sonst um das Fürstentum Hessen und die dazu ge-

Unsichere Lesungen

  1. Z. 14: 27 — Tageszahl mit Zierschnörkel

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HandschriftS. 437 Bl. 217r

ÜbersetzungSeite 437

1

Das Fünfte Buch. hörigen Grafschaften herum errichte oder sich sonst Ihren Fürstlichen Gnaden

2

zum Nachteil gebrauchen lasse, haben wir, die damals amtierenden Salzgrafen, für den genannten Meister Hans bei den Statthaltern und Räten unseres gnädigen Fürsten und Herrn zu Kassel die nachverzeichnete Bestallung erlangt, die sie sich auch haben gefallen lassen und mit der sie ihn versehen haben, wie folgt.

3

Bestallung Meister Hans Wetzels, des Zimmermanns zu Sooden. Wir, Statthalter und Räte zu Kassel, bekennen: Als Meister Hans Wetzel, Zimmermann, etliche verflossene Jahre zu Sooden gearbeitet und insbesondere im nächstvergangenen Jahr 50

4

und in diesem Jahr 51 den Salzbrunnen dort von neuem fassen und erbauen geholfen hat, weshalb er dann nach dem Inhalt seiner übergebenen Quittung mit seinem verdienten Lohn und

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HandschriftS. 438 Bl. 217v

ÜbersetzungSeite 438

1

Das Fünfte Buch. seiner Verehrung abgefertigt und versehen worden ist — damit er dann im Dienst unseres gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, bleibe, so ist

2

er von wegen Seiner Fürstlichen Gnaden bestellt, sich in allen Sachen, die ihm bekannt und Seinen Fürstlichen Gnaden nützlich sind, am Salzwerk, an allen Bergwerken im Land, an Mühlen und anderen Bauten, wovon er Verstand hat, gutwillig, fleißig und unweigerlich gebrauchen zu lassen und auf Erfordern der von Seiner

3

Fürstlichen Gnaden darüber gesetzten Befehlshaber an jedem Ort nach seinem höchsten Verstand zum Besten Anweisung zu geben und beraten zu helfen — doch so, dass er zur Vollendung der Bauten am Salzwerk dieses nächstkommende Jahr 52

4

dort wohnen bleibe und diese aufrichten helfe, auch sonst Ihren Fürstlichen Gnaden treu, hold, gehorsam und gewärtig sein soll, wie ein treuer Diener seinem Herrn zu tun schuldig ist. Und er hat dies gelobt und seinen Revers darüber gegeben.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: sfgl. — Kürzel, Lesung der Buchstabenfolge

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HandschriftS. 439 Bl. 218r

ÜbersetzungSeite 439

1

Das Fünfte Buch. Dagegen sollen ihm jedes Jahr aus den Bothen 15 Gulden Münze und vier Viertel Korn aus der dortigen Mühle gegeben werden, dazu ein Kleid zu Hofe im Jahr. Und damit ihm wegen der gezimmerten Öfen kein Verdacht erwachse, soll er dafür, solange er zu Sooden ist, jedes Jahr zwei Achtel Salz haben; und wenn er sonst an anderen Orten für unseren hochgenannten gnädigen Herrn an neuen großen Bauten arbeiten würde, soll er für die gezimmerten Öfen zwei Viertel Korn haben. Und es soll ihm an diesen Orten auf Seiner Fürstlichen Gnaden

2

Kosten eine ordentliche Behausung bestellt und verschafft werden, solange er arbeitet. Was er verpflichtet ist, Ihren Fürstlichen Gnaden

3

im Tagelohn zu arbeiten: dafür ist ihm jeden Tag für Kost und Lohn ein Ortsgulden zu geben, alles ohne Gefährde.

4

Und zur Urkunde unter dem hier aufgedrückten Sekretsiegel unseres hochgenannten gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen. Gegeben zu Kassel, den letzten Tag November Anno 51.

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ZusammenfassungS. 440–460

Und am Ende eine Predigt. Das fünfte Buch schließt nicht mit einer Abrechnung, sondern mit einer Predigt — gehalten am Sonntag nach Galli, dem 9. Oktober 1550, von Severinus Kanngießer, Prediger in Sooden: „Ermahnung zur Danksagung für die Gottesgabe des neu erbauten Salzbrunnens“.

Ihr Text ist Psalm 104: „Du lässest Brunnen quellen in den Gründen.“ Kanngießer legt ihn erst allgemein aus — wo Wasser fehlt, verdorre alles; wo Wasser sei, „da grünt es, da wächst es“; darum hätten die Menschen ihre Städte an Flüsse und Quellen gebaut — und kommt dann auf den besonderen Brunnen, den Gott „über den gemeinen Trank des Wassers hinaus“ hier gegeben habe.

In der Mitte der Predigt steht eine Passage, die man als Sozialbeschreibung lesen kann. Der Prediger zählt auf, wer vom Brunnen lebt: „der mit Salzmachen, dieser mit Abführen und Wegbringen, jener mit Holzzufahren, Holzhauen, Wellenbinden“ — dazu die Schmiede, „die immer an den Pfannen zu machen und zu flicken haben“, die Zimmerleute „und viele[n] andere[n] Arbeitsleute[n] und Tagelöhner[n], die man täglich haben muss“. Ein Wirtschaftsbild von unten, gepredigt.

Und dann wird er deutlich, und zwar in Richtung der Pfänner. Gerade die, „die die Pfannteile und Erbe an solcher Gabe haben, denen so viele Leute mit ihrer Arbeit dienen und die ohne alle Mühe dies aus der Hand des gütigen Vaters empfangen“, sollten besonders danken — und „nicht vergessen, dem Nächsten mitzuteilen“. Er erinnert an das Almosen am Brunnen und an das fürstliche Almosen „an arme Pfarrherren, Studenten, Jungfrauen, die zur Ehe greifen“ — also an genau die Stiftung, deren Urkunde im vierten Buch steht.

Die Warnung, die folgt, ist unmissverständlich: Wer stattdessen „unseren Prunk, unsere Hoffart und unseren Geiz, unser Schwelgen und Prassen“ treibe, dem könne Gott die Gabe „schmälern oder sie gar ganz entziehen“. „Denn denkt nicht, dass es, nur weil es eine lange Zeit bestanden hat, darum allzeit so bestehen müsse.“ Zum Beleg zitiert er Psalm 107, den Brunnen zu Jericho — und, bemerkenswert für eine Dorfpredigt, Strabons Geographie, wo Quellen versiegen und anderswo neu entspringen.

Am Schluss wendet er das Bild ins Geistliche: Der eigentliche Born sei das Wort, die Taufe, der Heilige Geist — „das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Born des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt“. Und dann noch einmal der 23. Psalm: „Er lässt mich weiden, wo viel Gras steht, und führet mich zum Wasser, das mich erquicket.“

Es ist der einzige Ort in der Salzbibel, an dem eine Stimme aus der Kirche des Ortes selbst spricht. Nach zweihundert Seiten Ton, Schwellen, Pumpen und Abrechnungen endet das Buch mit einem Dank — und mit der Mahnung, sich auf den Brunnen nicht zu verlassen.

Redaktionelle AnmerkungS. 440–460

Warum eine Predigt in einem Bauakt steht. Danktage nach überstandener Not waren fester Bestandteil der evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. Dass die Predigt mit abgeschrieben wurde, heißt: Der geglückte Brunnenbau war kein Verwaltungsvorgang, sondern ein öffentliches Ereignis der Stadt — und die Kirche war der Ort, an dem es begangen wurde.

Dass Severinus Kanngießer neben Psalm 104 und 107 auch Strabons Geographie anführt, ist der beiläufigste Beleg für humanistische Bildung im ganzen Werk. Strabon war seit dem frühen 16. Jahrhundert in lateinischen Drucken verbreitet; ein Landprediger, der ihn 1550 zur Hand hat, steht in derselben Gelehrtenwelt wie sein Pfarrkollege Rhenanus.

Und seine Warnung — „denkt nicht, dass es, nur weil es eine lange Zeit bestanden hat, darum allzeit so bestehen müsse“ — hat sich als zutreffend erwiesen, wenn auch aus anderen Gründen, als er meinte. Nicht die Quelle versiegte: Nach dem Anschluss an Preußen 1866 fiel das hessische Salzmonopol, das billigere Steinsalz verdrängte die Siedesalzgewinnung, und am 1. April 1906 wurde in Sooden zum letzten Mal gesotten.

HandschriftS. 440 Bl. 218v

ÜbersetzungSeite 440

1

Das Fünfte Buch. Ermahnung zur Danksagung für die Gottesgabe des neu erbauten Salzbrunnens zu Sooden hier vor Allendorf an der Werra, Anno Domini 1550,

2

am Sonntag nach Galli, den 9. Oktober, gehalten durch Herrn Severinus Kanngießer, Prediger in Sooden.

3

Weil uns das heilige Wort Gottes so oft und ernstlich ermahnt, dass wir Gott, unserem lieben Herrn und Vater, für alle seine Gaben und Gnade dankbar sein sollen — wie es im 147.

4

Psalm heißt: „Lobet den Herrn, denn unseren Gott loben ist ein köstlich Ding; solches Lob ist lieblich und schön“, und der Apostel: „Seid dankbar in allen Dingen“ —, so wollen wir auch jetzt für diese Gabe des Brunnens Gott, unseren himmlischen Vater, preisen. Und damit wir an seine Gaben erinnert und zum Loben und Danken angereizt werden, so wollen wir uns die Worte des 104. Psalms vornehmen; und

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: den 9. — so; Kalender ergäbe 19.

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HandschriftS. 441 Bl. 219r

ÜbersetzungSeite 441

1

Das Fünfte Buch. sie lauten so: „Du lässest Brunnen quellen in den Gründen, dass die Wasser zwischen den Bergen dahingehen, dass alle Tiere auf dem Felde trinken und die wilden Tiere ihren Durst löschen; an denselben wohnen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.“

2

Als der Prophet in diesem Psalm allerlei Wohltat aufzählt, die Gott dem Menschen gegeben hat, und ihm dafür dankt, zählt er auch diese Guttat auf und spricht:

3

„Du lässest Brunnen quellen in den Gründen, dass die Wasser zwischen den Bergen dahingehen“ — als wollte er sagen: Das tust du auch uns zu Nutz und Gute, dass du allenthalben, wo Menschen wohnen, in der ganzen weiten Welt hier und da Brunnen quellen lässest, damit sie überall mit Wasser versehen sind.

4

Was aber das für eine Wohltat ist, merkt man wohl daran, wie da, wo es an Wasser fehlt, alles verdorrt, verwelkt, verdirbt und erstir-

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HandschriftS. 442 Bl. 219v

ÜbersetzungSeite 442

1

Das Fünfte Buch. bt und dort kein Mensch und kein Vieh liegen, wohnen oder bleiben mag. Wo aber Wasser ist, da grünt es, da wächst es, da ist das Erdreich fruchtbar und bringt alles zum Unterhalt dieses Lebens hervor. Da sieht man, wie die Menschen an die großen Wasserflüsse gebaut und sich in Städten und Dörfern angesiedelt haben; und wo sie nicht an Wasserflüssen sitzen, haben sie dennoch an den Brunnenquellen ihre Wohnung und Häuser errichtet. Da schöpft und holt man dann für allerlei Notdurft: zum Waschen, zum Baden und zu allerlei Reinigung, zum Mahlen, zum Backen, zum Brauen, zum Kochen. Ich will schweigen davon, wie vielerlei Arten von Fischen das gebrauchen kann. Und wer kann nun das alles aufzählen, was uns Gott durch das Element des Wassers zunutze tut — nicht allein uns Menschen, sondern auch allem Getier, wie der Psalm weiter spricht: „dass alle Tiere auf dem Felde trinken“. Auch sie werden begabt mit der Güte ihres Schöpfers und mit

Unsichere Lesungen

  1. Z. 13: mahlenn[?] — oder machenn

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HandschriftS. 443 Bl. 220r

ÜbersetzungSeite 443

1

Das Fünfte Buch. Trinken reichlich versehen. Woher kommt nun das alles, und um wessen willen tut es Gott? Alles um des Menschen willen — damit er auch von den Tieren, über das hinaus, was das Erdreich trägt, zu essen und seinen Hunger zu stillen habe, und auch damit er die Tiere sonst gebrauche und ihm dienen lasse. Damit baut er seinen Acker, damit fährt er sein Korn ein, damit fährt er von einem Ort zum anderen; so ist das Vieh des Menschen Knecht. Darum hat Gott das Vieh geschaffen und mit Trinken und Essen versehen, wie der Prophet spricht: „dass alle Tiere auf dem Feld trinken“. Wiewohl nun Gott dem Menschen anfänglich auch den Trank des Wassers gegeben hat und dieser zum Unterhalt dieses Lebens genug wäre — wie denn Adam und andere Patriarchen in aller Welt von so viel tausend Menschen von keinem anderen Trank gewusst und sich daran genügen lassen haben —, so hat

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HandschriftS. 444 Bl. 220v

ÜbersetzungSeite 444

1

Das Fünfte Buch. uns Gott doch über den gemeinen Trank des Wassers hinaus auch einen besseren, edleren und dem Leib gesünderen Trank des Weines beschert und gegeben und dazu an den Orten, wo kein Weinwuchs ist, aus dem Wasser ein wohlschmeckendes Getränk, das Bier, brauen und machen lassen. Und wir sollten hierin vernünftig sein — mehr als die unvernünftigen Tiere, die nicht über ihren Durst hinaus trinken — und sollten billig den Allmächtigen darin erkennen und ihn dafür loben und ihm danken und nicht so vermessen saufen und schwelgen. Es folgt weiter: „und die wilden Tiere ihren Durst löschen“. Auch sagt er das von den Tieren, deren viele so weit entfernt sind und dem Menschen zu keinerlei Gebrauch kommen, weder in die Küche noch zu einer Feld- oder Hausarbeit, und die dennoch von Gott auch gespeist und getränkt werden. Denn Gott lässt

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HandschriftS. 445 Bl. 221r

ÜbersetzungSeite 445

1

ihnen das Wasser fließen, aus den Brunnen fern von den Leuten, in Gehölzen und Gebirgen, damit auch das Wild die Güte des lieben Vaters genießen möge. Wie David an einem anderen Ort sagt:

2

„Aller Augen warten auf dich, Herr.“ Ebenso auch die Vögel in der Luft, wie er weiter spricht: An diesen Brunnenquellen und Flüssen wohnen die Vögel und singen unter den Zweigen — das heißt, sie sind fröhlich und lustig, singen für das Essen und Trinken ein fröhliches Gesang und Lied und loben ihren Schöpfer und Ernährer. Kurz, es ist alles dem Herrn dankbar: das Vieh auf dem Felde, die Vögel unter dem Himmel. Sollten wir Menschen nicht viel mehr Gottes Gaben erkennen und dafür dankbar sein? Darum wollen wir mit dem heiligen Propheten und anderen gläubigen Menschen uns auch durch diesen Psalm der Wohltat Gottes erinnern und Gott dafür loben

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HandschriftS. 446 Bl. 221v

ÜbersetzungSeite 446

1

und preisen und sagen: „Du lässest Brunnen quellen.“ Denn welcher König oder Kaiser hat die Kunst, seinem Volk Brunnen zu geben, wenn es nötig wäre? Aber du, du ewiger Gott, du lässest Brunnen quellen; es ist dein Werk. Wir lesen, dass er auch wohl Brunnen gegeben und Wasser hat laufen lassen aus harten Felsen, wie er den Kindern Israel in der Wüste Wasser gab. Ebenso, als die Könige Juda und Israel zu Felde lagen wider den König Edoms und großen Mangel an Wasser hatten und alles Vieh und alle hätten verderben müssen, gab ihnen Gott Wasser auf die Fürbitte des heiligen Propheten Elisa, wie wir lesen, 2. Könige 3.

2

Was alles seine großen Werke, seine Gewalt und Güte erweist. Nun haben wir aber an diesem Ort eine besondere Gabe eines Brunnens, nämlich den Salzbrunnen, für den wir vornehmlich und insbesondere dem Herrn danken und ein Te Deum laudamus singen sollen, seiner Nutzbarkeit wegen,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 15: zuerzeigen[?] — Wortende gekürzt

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HandschriftS. 447 Bl. 222r

ÜbersetzungSeite 447

1

die der liebe Gott daraus so lange gegeben hat und noch alle Tage gibt. Denn rechne du: wie viele tausend Hausväter mit allen ihren Kindern und ihrem Gesinde hat wohl der liebe Vater so viele hundert Jahre her aus dieser Gabe des Brunnens beschenkt, ernährt, erhalten, gespeist, getränkt und gekleidet! Und wie viele haben noch heutigen Tages ihren Unterhalt und ihre Nahrung vom Brunnen mit all ihrem Hausgesinde: der mit Salzmachen, dieser mit Abführen und Wegbringen, jener mit Holzzufahren, Holzhauen, Wellenbinden. Ich will schweigen von den Schmieden, die immer an den Pfannen zu machen und zu flicken haben, von Zimmerleuten und vielen anderen Arbeitsleuten und Tagelöhnern, die man täglich haben muss und die allesamt ihr Gewerbe dabei treiben, ihren Nutzen suchen und ihr Brot verdienen. Sollte man dann nicht Gott dafür loben und erkennen, dass er uns unser täglich Brot so bescheren muss?

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HandschriftS. 448 Bl. 222v

ÜbersetzungSeite 448

1

Vielmehr aber sollen diejenigen Gott danken, die die Pfannteile und Erbe an solcher Gabe haben, denen so viele Leute mit ihrer Arbeit dienen und die ohne alle Mühe dies aus der Hand des gütigen Vaters empfangen. Ja, sage ich, die sollen besonders vor anderen Gott für die Gabe preisen und auch nicht vergessen, dem Nächsten mitzuteilen, was ihnen Gott beschert hat. Wie es denn auch Brauch gewesen ist, an einem besonderen Tag ein Almosen beim Brunnen allen armen Leuten auszuteilen; wie denn auch alle Jahre ein fürstliches Almosen an arme Pfarrherren, Studenten, Jungfrauen, die zur Ehe greifen, und auch sonst an arme Leute ausgeteilt wird. Ja, sage ich, das ist wohlgetan: dass wir uns mit Worten und Werken gegen unseren Wohltäter dankbar erzeigen und erkennen sollen, von wem wir dies und alles andere haben. Und wenn wir das nicht täten und allein

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HandschriftS. 449 Bl. 223r

ÜbersetzungSeite 449

1

unseren Prunk, unsere Hoffart und unseren Geiz, unser Schwelgen und Prassen trieben, wie es leider bei etlichen der böse Brauch und das Vergessen Gottes ist, so könnte und würde uns der liebe Gott dermaleinst diese Gabe auch schmälern oder sie gar ganz entziehen. Denn denkt nicht, dass es, nur weil es eine lange Zeit bestanden hat, darum allzeit so bestehen müsse; denn der Prophet singt uns ein anderes Lied von dem, der die Bäche zur Wüste macht und die Wasserquellen versiegen lässt und ein fruchtbares Land in ein unfruchtbares verwandelt um der Bosheit willen derer, die darin wohnen (Psalm 107). Wie oft ist es geschehen, dass Gott Städte und Dörfer ganz hat vergehen lassen und an anderen Orten andere wieder hat aufgehen lassen, dass Brunnen und Wasser versiegten und an anderen Orten wieder quollen — wie wir das auch bei Strabo im ersten und letzten Buch seiner Geographie finden. Ebenso gedenkt die Heilige Schrift des Brunnens zu Jericho, wie

Unsichere Lesungen

  1. Z. 13: 107, — Zeichen über der Zeile

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HandschriftS. 450 Bl. 223v

ÜbersetzungSeite 450

1

der verdorben und verlästert war von wegen der Sünde der Einwohner und wiederum durch das Gebet des gläubigen Elisa und anderer Gotteskinder gesund, süß und heilsam gemacht wurde, so dass sie sich seiner bedienen, damit kochen und daraus trinken konnten — er, der vorher weder Mensch noch Vieh nütze war. Um dies zu verhüten, sollen wir wie fromme Gotteskinder Gott in seinen Gaben erkennen, dafür danken, uns vor Sünden hüten, Gott loben, unseren armen Nächsten nicht vergessen und uns so verhalten, dass Gott nicht mit uns zürne. Denn seht es vor Augen: Wenn Gott die Hand abzieht, wie bald wäre alle Arbeit verloren! Er könnte die Salzadern sich verlieren lassen oder verstopfen; er könnte wildes Wasser in solcher Weise quellen lassen, dass man es nicht absondern könnte; er könnte den Brunnen durch Bauleute verderben lassen. Und was soll man viel

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: mensch[?] — Wortende gekürzt

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HandschriftS. 451 Bl. 224r

ÜbersetzungSeite 451

1

sagen — da steht es im Psalm, dass er um der Leute Bosheit willen die Hand abziehen kann und will und ein fruchtbares Land in ein unfruchtbares verwandeln. Ja, sagen etliche: Weil du denn sagst, dass man Gott danken soll — warum hat man den Brauch abkommen lassen, dass man an einem besonderen Tag, nämlich St.

2

Bonifatius, Gott lobte und Spenden gab, dass man das Sakrament auf den Brunnen trug, und alle Pfarrherren, Schüler und das Volk mitgingen? Antwort: Es ist ja dieser Brauch abgekommen, der im Papsttum üblich gewesen ist. Aber was ist es damit, dass man das heilige Sakrament zum Brunnen trug? Meinen wir denn, dass das dem Herrn Christus so wohlgefalle und dass ihm nicht besser gefalle, dass wir es essen und trinken zur Stärkung unseres betrübten Gewissens und dem Herrn Dank sagen für sein bitteres Leiden, wie es die erste und älteste Kirche getan hat? Das möchte man tun: dass wir uns um den Brunnen versammelten und dort

Unsichere Lesungen

  1. Z. 3: frucht= — so, Vorlage ohne vn-

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HandschriftS. 452 Bl. 224v

ÜbersetzungSeite 452

1

dem Herrn ein Te Deum oder ein anderes Lied sängen und ihm dankten. Aber was fehlt uns denn daran, in unseren Kirchen, so oft wir zum Tisch des Herrn zusammenkommen, so oft du zum Brunnen kommst, oder auch daheim im Haus Gott zu danken, wenn wir essen oder trinken, Geld oder Salz aufgeben, das Salzfass zur Mahlzeit auf den Tisch setzen? Ebenso, wenn du deine Salzgänse gemacht hast und sie um die Pfanne herum stehen siehst, dass du dann sprächest oder dächtest: O Gott, himmlischer Vater, ich danke dir und preise dich um deiner Gabe willen. Das würde ohne Zweifel Gott wohlgefallen; und du hättest so nicht allein einen Tag im Jahr, sondern alle Tage und vielerlei, das dich anreizt und ermahnt, Gott zu danken. Und du könntest mit dem Propheten sprechen: „Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.“ So hättest du Ursache genug, Gott von Herzen für seine Gaben zu loben

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: sungen[?] — Wortende gekürzt

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HandschriftS. 453 Bl. 225r

ÜbersetzungSeite 453

1

Das Fünfte Buch. und zu danken. Nicht allein aber sollen wir anderen, die wir kein Pfannteil haben oder auch durch unsere Arbeit etwas davon gewinnen, Gott loben, sondern auch alle Menschen, die das Salz gebrauchen; denn es ist auch ihnen zunutze gegeben. Denn denke doch nach, welche Nutzbarkeit wir alle davon haben und wie nötig es ist — und wie das gemeine Sprichwort lautet: So ist Salz die beste Würze, und man kann es in unserer Küche viel schlechter entbehren als Zucker oder Pfeffer. Welche Speise wollte uns doch schmecken? Wie könnten wir es zur Haushaltung entbehren, unser Fleisch, Fische, Butter, Käse einzusalzen und zum Vorrat aufzubewahren? Wie wollte man Gesinde und Arbeitsleute speisen und sättigen? Wie könnte ein Land dem anderen so viele Fische und Fleisch, Hering und andere gesalzene Speise zutreiben, zuführen und holen lassen, so viel Butter

Unsichere Lesungen

  1. Z. 16: vber= — Vorsilbe undeutlich

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HandschriftS. 454 Bl. 225v

ÜbersetzungSeite 454

1

Das Fünfte Buch. und Käse können wir in unserem Land nicht machen, dass wir uns behelfen könnten, wenn man uns nicht mehr aus anderen Ländern zuführte. Was für eine Teuerung und Mangel würde dann folgen, wenn es uns an solchem Salz fehlte! Ja, was würde aus diesem und anderen Ländern werden, wenn man aus Mangel an Salz kein Fleisch, wildes oder zahmes, keine Fische, keine Butter, keinen Käse machen könnte? Es müsste doch alles verderben, stinkend und schimmlig werden und uns zu keinem Nutzen kommen. Wir müssten uns mit Wurzeln und Gras behelfen wie das Vieh, wollten wir uns des harten, unseligen Hungers erwehren — wenn nicht der liebe Gott diese edle Kreatur des Salzes dazu gegeben und erschaffen hätte, damit dem Menschen dadurch seine Speise erhalten und nutzbar gemacht würde. Wie manche Stadt litte auch große Not, die in

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HandschriftS. 455 Bl. 226r

ÜbersetzungSeite 455

1

Das Fünfte Buch. Kriegsläuften sich mit gesalzener Speise behelfen muss. Was soll ich davon sagen, dass mancher kranke Mensch aus Verlangen begehrt, von einem gesalzenen Fisch oder Fleisch zu essen, und dass es ihm auch wohl zu seiner Gesundheit bekommt? Und wer kann doch alle Nutzbarkeit und Notdurft des Salzes aufzählen, wozu der himmlische Vater das Salz geschaffen hat — zur Speise, zur Arznei und sonst zu vielerlei Gebrauch.

2

Darum ist es billig, dass alle Menschen samt uns Gott für seine Gaben danken und daran denken, wie der liebe Vater für uns sorgt, wohltut und allerlei Gaben gibt, wodurch die Menschen erhalten und erfreut werden: nicht allein die Salzbrunnen, sondern auch die Sauerbrunnen und die warmen Brunnen, von mancherlei Farbe und Geschmack. Was alles die Weisheit und Güte des Werkmeisters oder Schöpfers anzeigt, so dass

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HandschriftS. 456 Bl. 226v

ÜbersetzungSeite 456

1

Das Fünfte Buch. wir wohl mit dem heiligen Propheten sprechen mögen: „Du hast alles weislich gemacht“ (Psalm

2

104). Nun ist noch ein anderer Born, von dem auch zu sagen ist, ehe wir schließen, den uns der liebe Gott ebenfalls gegeben hat. Ihm gegenüber sind alle Salzbrunnen, Sauerbrunnen und warmen Brunnen samt allen Brunnen in der weiten Welt, alle Silber- und Goldbergwerke samt allen Reichtümern und Schätzen auf Erden nichts. Und wir wären wahrlich arm und dürftig, wenn wir diesen Born nicht hätten; nun wir ihn aber haben, sind wir reich und selig. Und wir werden in der Heiligen Schrift vom Heiligen Geist dazu ermahnt, dass wir dem Herrn dafür danken sollen, wie im Psalm

3

68: „Lobet Gott den Herrn in der Versammlung vor dem Born Israel.“ Was ist denn das für ein Born, von dem man in allen

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HandschriftS. 457 Bl. 227r

ÜbersetzungSeite 457

1

Das Fünfte Buch. Versammlungen zu Gottesdienst loben, singen und sagen soll? Es ist ein geistlicher Born, der nicht einer Gesellschaft oder einer Stadt gegeben ist, sondern allen Gläubigen, so weit die Welt ist. Er bringt auch nicht zeitliche Güter mit sich, sondern ewige Güter im ewigen Leben. Davon hat der Prophet Sacharja

2

im 13. Kapitel gar herrlich gepredigt: Zu dieser Zeit — verstehe: des Neuen Testaments — werde das Haus David und die Bürger zu Jerusalem einen freien, offenen Born haben wider die Sünde und Unreinigkeit. Was ist doch das für ein Born, der zu Jerusalem quellen würde und alle Unreinigkeit und Sünde abwäscht? Das muss ja ein köstliches und edles Wasser sein, das da alle Sünde und geistliche Unreinigkeit des Herzens abwäscht, das so süß und gesund ist zu trinken, zu laben, zu stärken und den inwendigen Menschen zu bekräftigen. Ja,

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: singk — Kürzung am Zeilenende

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HandschriftS. 458 Bl. 227v

ÜbersetzungSeite 458

1

Das Fünfte Buch. das sind die Wasser des Heiligen Geistes, die da nicht verschränkt oder verschlossen stehen wie im Alten Testament das Handfass Moses oder hernach das Meer, das der König Salomo machen ließ, damit sich allein die Priester darin waschen und reinigen — sondern ein freier, offener Born, in dem sich Reiche und Arme, Junge und Alte allezeit zu trinken, zu laben, zu kühlen, zu reinigen und zu heilen haben. Ebenso hat der Prophet Jesaja

2

davon geweissagt, im 12. Kapitel, wo er auch von der Zeit des Neuen Testaments spricht und unter anderem sagt: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen.“ Siehe, hier nennt der Prophet die Wasser des Heiligen Geistes Heilsbrunnen, darum weil sie alles Heil, alle Hilfe und allen Trost bringen, ja die ewige Freude und Seligkeit allen Gläubigen. Und es sind die teuren Worte und Zusagen Christi, die heilige Taufe, der Heilige

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: machl — Kürzung am Zeilenende

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HandschriftS. 459 Bl. 228r

ÜbersetzungSeite 459

1

Das Fünfte Buch. Geist, der uns gegeben wird; das ist das schöne, reine, lautere Wasser, das gesunde Wasser, das heilige Wasser, das uns nicht spärlich, sondern aufs allerreichste gegeben ist, um daraus für uns und andere zu schöpfen, zu holen und darin zu baden. Denn, spricht Jesaja,

2

werdet ihr mit Freuden schöpfen und singen; da werdet ihr rechte Lehre, gewissen Trost und vollkommene Abwaschung aller eurer Sünde haben, so dass ihr Gott dafür nicht genug danken könntet. So sagt auch der Herr Christus zum Weibe bei dem Born der Stadt Sichar,

3

Johannes 4: „Weib, wer von diesem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Born des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“

4

Seht, das ist der Heilsbrunnen oder Born Israel, der das ewige Leben bringt und nicht auszuschöpfen ist, für den wir so herrlich vom Heiligen

Unsichere Lesungen

  1. Z. 20: auszuscheffffen — Zahl der f unklar

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HandschriftS. 460 Bl. 228v

ÜbersetzungSeite 460

1

Das Fünfte Buch. Geist ermahnt werden zu danken. Darum lasst uns insbesondere und vor allen Dingen für diesen reichen, ewig quellenden, heilsamen Born Gott hoch und von Herzen danken: für sein heiliges Wort, wodurch wir bekehrt und zum christlichen Glauben gekommen sind; für seine herrliche Taufe, in der wir so rein gewaschen und gebadet sind; für die Gabe des Heiligen Geistes, der uns beim rechten Glauben erhält, stärkt, tröstet, labt und heilt, so dass wir volle Genüge haben und mit dem heiligen Propheten David aus dem 23.

2

Psalm singen: „Er lässt mich weiden, wo viel Gras steht, und führet mich zum Wasser, das mich erquicket.“ Demselben, unserem lieben Vater und Gott, sei nun für diese und alle seine väterlichen Gaben, mit denen er uns täglich an Leib und Seele so reichlich beschenkt, Lob, Ehre und Dank gesagt von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 8: gewasch — Kürzung am Zeilenende

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App. I · 1. Appendix · Band 2

Das Glossar des Holzvogts

Der erste Appendix · 150 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 473–476

Zuerst die Ämter. Der erste Anhang heißt „Erläuterungsbüchlein zu den Registern des Rentmeisters und des Holzvogts“ — ein Nachschlagewerk also, das man neben die Abrechnung legen soll, wenn man ein Wort nicht versteht. Verfasst hat es der Holzvogt Hans Wagener.

Er beginnt nicht mit Buchstaben, sondern mit einer Aufstellung: „Ämter und Dienste in Sooden.“ Drei Salzgrafen, Rentmeister, Holzvogt, Zimmermann, Maurer (der zugleich Wegemeister ist), Kleibermeister — und so weiter. Wer das Salzwerk verstehen will, soll zuerst wissen, wer darin arbeitet.

Das ist mehr als eine Höflichkeit gegenüber dem Leser. Ein Rechnungsregister besteht aus Posten, die auf Personen lauten; wer die Ämter nicht kennt, kann die Rechnung nicht prüfen. Wagener schreibt für den Nachfolger im Amt.

Redaktionelle AnmerkungS. 473–582

Dieser Anhang ist der Schlüssel zum ganzen Werk. Wer im ersten, vierten oder fünften Buch über ein Wort stolpert — Bothe, Beiße, Gans, Werk, Winnung, Gesöde —, findet hier die Erklärung, meist mit Preis und Stückzahl dazu. Es empfiehlt sich, diesen Anhang beim Lesen der übrigen Bücher offen daneben zu halten.

Dass ein Holzvogt das Wörterbuch schrieb, sagt etwas über die Saline. Der Holzvogt verwaltete den Brennstoff — die teuerste und knappste Ressource des Betriebs. Er musste jeden Fachausdruck kennen, weil an jedem ein Verbrauch hing. Geschrieben ist es erkennbar für den Nachfolger im Amt, nicht für einen auswärtigen Leser.

Zu den Gewichten. Ein Lot hat vier Quentchen; im gebräuchlichen Handelsgewicht wiegt ein Lot etwa fünfzehn Gramm. Für die Solezahlen braucht man diese Umrechnung aber gar nicht, und das ist der Punkt: Wenn es heißt, ein Quart Sole habe „96 Lot gehalten“ und daraus seien „7 Lot“ Salz geworden, dann sind das Verhältniszahlen — rund sieben Prozent. Genau darin liegt die Modernität des Verfahrens: Es ist unabhängig davon, wie groß das Quart war.

Zu den Hohlmaßen. Metze, Viertel, Scheffel, Achtel und Maß waren von Ort zu Ort verschieden. Deshalb rechnet Rhenanus im zweiten Anhang bewusst im meißnischen Eichmaß, und deshalb steht hier ausdrücklich, dass ein Zentner zu Allendorf 104, zu Kassel aber 108 Pfund wiegt. Ein Klafter Holz ist ein Raummaß von grob drei Kubikmetern, ebenfalls regional verschieden — belastbarer als jede Umrechnung ist Wageners eigene Stichprobe: 274 Scheite je Klafter. Wer Zahlen aus der Salzbibel in heutige Einheiten überträgt, sollte dazusagen, welche Umrechnung er benutzt hat. Eine allgemeingültige gibt es nicht.

Zu den Preisen. Gulden, Albus und Heller stehen hier als Nominalbeträge, und ihr Verhältnis zueinander war im 16. Jahrhundert nicht über die ganze Zeit konstant; das fünfte Buch rechnet an einer Stelle sogar zwischen Mark und Gulden um. Wer Beträge über Jahrzehnte vergleicht, muss die schleichende Münzverschlechterung mitdenken. Innerhalb desselben Registers sind die Zahlen dagegen unmittelbar vergleichbar — und davon lebt der Wert dieses Anhangs.

HandschriftS. 473 Bl. 235r

ÜbersetzungSeite 473

1

Der Erste Appendix. Erläuterungsbüchlein zu den Registern des Rentmeisters und des Holzvogts und zu dem, was sonst im Salzwerk zu Sooden üblich ist.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Die Ämter und Dienste in Sooden

HandschriftS. 475 Bl. 236r

ÜbersetzungSeite 475

1

Der Erste Appendix. Ämter und Dienste in Sooden. Drei Salzgrafen. Rentmeister. Holzvogt, der zugleich Obersalzwart ist.

2

Gegenschreiber, der zugleich Zöllner und Salzwart ist. Bornmeister. Wellenschreiber. Solmeister. Pfannenmeister. Gegensalzwart, das ist der Kaplan. Gerichtsknecht. Solenmesser. Holzleger: drei. Bornknechte. Ein Böttcher. Einundzwanzig Schätzer. Zwei Pförtner. Vier Wächter — davon besoldet unser gnädiger Fürst und Herr zwei und die Gemeinde zwei. Grabenfeger. Dachdecker.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 13: Solennmesser — Schreibung des Stichworts unsicher
  2. Z. 17: Schetzer — oder Scheyer

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Die Ämter und Dienste in Sooden

HandschriftS. 476 Bl. 236v

ÜbersetzungSeite 476

1

Der Erste Appendix. Zimmermann. Maurer, der zugleich Wegemeister ist. Kleibermeister. Achtel. Es gehören 8 auf eine Pfanne Salz; eines ist so viel wie 2 Marburger Mut.

2

Ein Achtel wiegt 155 Pfund, auch 150 oder 140; es hält Allendorfer Gewicht 144 Pfund; es hält 14 Allendorfer Metzen

3

Salzmetzen, an Kornmetzen aber 17, an Homberger Metzen 16. Afterknecht. Das sind die Salzknechte, die kein Bothe und keine Meisterschaft haben. Asche.

4

Es gelten 4 Malter einen Taler bei den Bodern; sie verkaufen sie den Glasern. Ein fleißiger Meister kann sie für 18

5

oder 20 Gulden machen; das täte in einem Jahr in 86 Bothen ungefähr 1720 Gulden.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 9: Wehre — oder Wege (Waage)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Das Wörterbuch A–H

ZusammenfassungS. 477–520

Das Wörterbuch, A bis H. Und nun das Bemerkenswerte: Fast jedes Stichwort trägt einen Preis. Wagener erklärt nicht nur, was ein Ding ist — er sagt, was es kostet, wie viele man davon braucht und wer sie liefern muss. Es ist ein Fachwörterbuch und eine Preisliste in einem, und damit die dichteste Wirtschaftsquelle des ganzen Werks.

Ein paar Beispiele, die zeigen, wie nah man dem Betrieb kommt. Pumpen: „kupferne Röhren; man hat zwei im Salzbrunnen, jede 5½ Zoll weit, und 2 im Wasserschacht, jede 8 Zoll weit“. Beiße: die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt, zerschlagen und wieder in der Sole aufgelöst wird — „und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert“.

Blut: Rinderblut, mit dem eine neue Pfanne bestrichen und eingebrannt wird; ist sie alt geworden, müssen „alle drei Wochen die Nähte damit bestrichen werden“ — „es wird gemeinhin Farbe genannt“. Ein halbes Achtel Salz ist es wert, solange die Pfanne hält.

Manche Einträge sind winzige Betriebsanleitungen. Fegen: Sind in einer Pfanne fünf oder sechs Werk gesotten, hängen sich „die Scheiben hart und dick an die Pfanne“; also macht man unter der gefüllten Pfanne ein Feuer aus fünf, sechs Wellen, „denn von der Hitze springen die Scheiben ab“. Fegfass: drei je Bothe, „darin sammelt sich aller Sand und alle Unreinigkeit, die in der Sole ist“. Beitlöcher: zwei im Steinkohlen-Gesöde, in denen die kleinen Kohlen „gedörrt und danach zum Brennen auf den Rost gestoßen“ werden.

Und ein Wort erklärt sich selbst nur hier: Wenn man das Salz aus der Pfanne holt, „fegt man es auf Schaufeln, eine Gans genannt“ — zwölf auf einmal, und das vierzehn- oder fünfzehnmal je Pfanne. Unter Herrengänse steht dann die Rechnung dazu: rund vierundzwanzig auf ein Achtel, „das macht auf eine Pfanne 192 Gänse“, jede fünf bis sechs Pfund schwer. Die „Gänse“, die im vierten Buch als Abgabe erscheinen, sind also keine Vögel, sondern Salzportionen.

Ein Versuch mitten im Wörterbuch. Unter Klafter Holz steht ein Eintrag, den man zweimal liest. „Anno 72 habe ich auf ein besonderes Schreiben des Pfarrers Rhenanus hin aus Kassel 4 Klafter zählen lassen, um zu erforschen, wie viele Scheite ein Klafter hält“. Die vier Ergebnisse stehen einzeln da — 304 ausgelesene gespaltene Scheite, 251 gemischte, 281 mit Knütteln, 261 gemeines Holz —, dann die Summe von 1.097 und der Durchschnitt: 274 Scheite je Klafter. Eine Stichprobe von vier Fällen, dokumentiert mit Streuung und Mittelwert, veranlasst durch eine schriftliche Anfrage. So arbeitete Rhenanus.

Dazwischen stehen Löhne und Preise in großer Zahl: was der Böttcher vom Schock bekommt und was, wenn er eine alte Kufe von neuem wieder zusammensetzt — „zwei Taler oder 2 Gulden, je nachdem, wie groß sie ist“; was der Decker für ein neues Bothe erhält und was der Handreicher; das Fuhrlohn nach Strecken aufgeschlüsselt; der Waldzentner der Eisenhütte, der „1¼ gemeine Zentner“ hält; und die Feststellung, dass ein Zentner zu Allendorf 104, zu Kassel aber 108 Pfund wiegt — für jeden, der zwischen beiden Orten abrechnet, eine notwendige Auskunft.

Auch die Verwaltung wird durchsichtig. Beim Gegenschreiber — der zugleich Zöllner und Mitsalzwart ist — steht das Amt beschrieben und die Besoldung aufgeschlüsselt: 20 Gulden fürs Gegenschreiberamt, 20 fürs Zollamt, 20 fürs Einnehmen der Schatz- und Wegeheller, 2 für Papier — „Summe an Geld 62 Gulden“, dazu 4 Malter Korn, 2 Achtel Salz, 6 Klafter Holz und ein Hofkleid. Der Grabenfeger bekommt 10 Gulden im Jahr dafür, „dass er die Gräben in Sooden rein hält“.

Unter Gegenzeichen tritt der Verfasser des ganzen Werks selbst auf: Die gibt „der Pfarrer Rhenanus den Bodern auf jedes Klafter“, und der Boder muss sie neben dem Zeichen des Holzvogts abliefern, „ehe und bevor er das Holz bekommt“. Zwei unabhängige Marken für dieselbe Klafter — das Vieraugenprinzip in Blei.

Und beim Gerichtsknecht sieht man, wie viele Rollen ein Mann in einem kleinen Ort ausfüllt: Er bestellt das Salz für den Landesherrn, für Grafen, Prälaten und Ritterschaft, ist beim Aufmessen dabei, begeht die Holzberge, bringt „die Ungehorsamen und Übertreter … in Haft“ — „er ist auch Wächter“.

Selbst der Bierausschank hat einen Eintrag, und er zeigt, wie Recht und Wirklichkeit auseinandergehen: Vom Fass Allendorfer Bier gehen zwei Albus an den Landesherrn, von fremdem — Göttinger und anderem — zehn Albus Tranksteuer, so 1568 ausdrücklich zugelassen. Und dann, trocken hinterhergesetzt: „Es gilt aber die alte Ordnung, dass in Sooden kein Wein und kein Bier geschenkt werden soll.“

HandschriftS. 477 Bl. 237r

ÜbersetzungSeite 477

1

Der Erste Appendix. Anmerkung: Von jedem Malter bekommt unser gnädiger Fürst und Herr einen Heller als Zoll; den gibt der Glaser. Anmerkung:

2

Ein Malter Asche wiegt gegen 188 Pfund. Abzählen. Geschieht jeden Montag in Beisein der Salzgrafen und Beamten; es sind die Zeichen der Klafter Holz, die der Holzvogt in der Woche an die Boder verkauft hat.

3

Abzählregister. Darin wird die Zahl der verkauften Klafter jeden Montag nach dem Abzählen eingeschrieben; davon hält der Holzvogt eines und der Pfarrer Rhenanus auch eines.

4

Axt. Man muss in jedem Bothe eine zum Spalten der Scheite haben. Ofenaxt — siehe B.

Unsichere Lesungen

  1. Z. 15: Mhenanus — Rhenanus gemeint, Schreibung so

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Das Wörterbuch A–H

HandschriftS. 478 Bl. 237v

ÜbersetzungSeite 478

1

Der Erste Appendix. Pumpen. Das sind kupferne Röhren; man hat zwei im Salzbrunnen, jede 5½ Zoll weit, und 2 im Wasserschacht, jede 8 Zoll weit. Damit werden die Sole und das wilde Wasser zugleich geholt, ausgehalten und abgeschöpft. Pumpengeld.

2

Der Bodemeister gibt unserem gnädigen Fürsten und Herrn von jeder Pfanne Salz, nämlich für das Holen der Sole 2½ Albus

3

und für das Abschöpfen des wilden Wassers 2 Albus. Blech. Es wiegen 16 einen Zentner; sie gelten 4½ Gulden zu 27

4

Albus; davon gehören zu einer neuen Salzpfanne 56. Borte. Es wiegen 6 einen Zentner; sie gelten 4½ Gulden

5

zu 27 Albus; davon gehören zu einer neuen Salzpfanne 12.

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Das Wörterbuch A–H

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