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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

Die Salzbibel in der Reihenfolge der Handschrift, Seite für Seite: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassungen und redaktionelle Anmerkungen. Jede Ansicht und jeder der dreizehn Abschnitte lässt sich an- und abschalten; weitere Filter grenzen auf Seiten mit Abbildungen, Tabellen, Randvermerken oder unsicheren Lesungen, auf einen Band, einen Seitenbereich oder ein Suchwort ein. Der Zustand steht in der Adresszeile.

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V · 5. Buch · Band 2 · Fortsetzung

Der Brunnenbau

Das fünfte Buch · 456 Seiten · Aufbau des Werks

HandschriftS. 86 Bl. 41v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 86

1

Die anderen sprachen, es sei die Sole aus dem Brunnen und komme, durch die heimlichen Schliche des Grieses außen aufgestiegen, in den Umgang der Abzucht.

2

Und diese Meinung bewegte die Pfänner zum Bauen, wiewohl sich der Schaden nicht so herausstellte.

3

Es geschah dabei auch mit Fleiß, dass man die Sole der Adern im Umgang gegen die Sole prüfte, die im Brunnen ist; und sie wurde als übereinstimmend erkannt, an Güte, Geschmack und Substanz ohne allen Unterschied.

4

Als nun das neue Werk gesetzt und verdämmt war und man die Abzucht aufbrach, um den Umgang wieder herzustellen,

5

und als man an die zweite Zucht oder das Lichtloch gegen den Berg kam, wo man ja meinte, dass der Schaden sein sollte und sich zeigen würde, da fand man die besondere Ader stark gehen und fließen,

6

und konnte doch nicht merken, dass der Brunnen dadurch eine Minderung an seiner Sole gehabt hätte.

7

Da fand sich in Wahrheit, dass der Brunnen kein Gebrechen noch Ausgang hatte und dass die…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. on allem vnnderscheidt — ›on‹ (= ohne) unsicher, auch ›in‹ lesbar; Übersetzung folgt dem Sinn
  2. Lichte loch — Anfangsbuchstabe L/T unsicher; vgl. ›lichtloch‹ fol. 39v
  3. vnnd erschienenn — in der Vorlage zusammengeschrieben (›vnnderschienenn‹), Worttrennung unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 87 Bl. 42r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 87

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…Ader in der Abzucht ein besonderes Gequell war und niemals aus dem Brunnen gekommen ist.

2

Dass aber die Sieder klagten, das wilde Wasser komme in den Brunnen, das mochte wohl daher kommen, dass das Gewölbe mit Steinen meisterlich zugedeckt war,

3

so dass die Quellen im Gewölbe und im Umgang sich zum Brunnen hin zogen, sintemal der Brunnen niedriger und tiefer liegt als das Gewölbe.

4

Da nun dieselben Quellen süßes Wasser führen, haben sie sich durch heimliche Gänge in den Grund geholfen, in den Gries des Brunnens, und sich so mit der Sole im Brunnen vermengt.

5

Das zeigte auch folgendes Zeichen: Wenn das Gewölbe nicht seinen ganzen Ausfluss hat, so dass sich das Gewässer in den Abzuchten sammelt, dann wird man sichtlich gewahr, dass die Sole im Brunnen höher steigt,

6

was daher kommt, dass sich das Gewässer im Grund heimlich zur Sole einschleicht.

7

Denn in der Zeit und Weile, als das Rad vor dem Gewölbe (stand) und das wilde Wasser aus dem Umgang, der…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Wannt — Lesung unsicher; wohl ›want‹ = denn/weil
  2. Rath — wohl das Eimerrad des Schwellenberg (vgl. fol. 40r); Satz läuft auf die Folgeseite

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 88 Bl. 42v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 88

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… die Anzüchte …(?) — da war die Sole im Born so gut, dass die Sieder zum Teil bekannten, dass sie viele Werke gesotten hatten, ohne jeden Zusatz, mit purer roter Sole,

2

so wie man sie aus dem Born füllte — was sie zuvor nicht getan hatten, ehe das Rad vor dem Gewölbe gesetzt wurde.

3

Daraus ist zu ersehen, dass die Sole besser ist, wenn das Gewölbe offen ist.

4

Wenn aber das Gewölbe voller Wasser ist, so dringt das Wasser zum Born hin und mengt sich mit der Sole; und daher kommt die Klage der Sieder, dass die Sole nicht gut sei.

5

Dagegen ist auch der Ablauf des Borns erdacht, damit sich das wilde Wasser oben abziehen sollte.

6

Wenn darum die Quellen und Wasseradern im Umgang des Borns gefunden werden, soll darüber niemand erschrocken sein und sich auch keine Sorge dabei machen;

7

denn sie kommen nicht aus dem Born, sondern sind außerhalb des Borns eigene, besondere Quellen und zeigen sich an mehr Stellen, als man ihrer bedarf,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. angezüchte Ösete — Satzanfang von voriger Seite; zweites Wort trotz Vergrößerung nicht sicher lesbar (Ösete/Öfete?), Anschluss unklar
  2. wercke — Lesung unsicher (wercke/wercker), Zierstrich durch ck erschwert Lesung
  3. beiße — Wortbedeutung unklar, wohl 'Zusatz/Zubuße'
  4. aigen sich ann mehr enndenn — Lesung 'enndenn' (Enden = Stellen) nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 89 Bl. 43r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 89

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteund deshalb bedarf der Born auch keines Baues; und wenn die Anzüchte (Abzugskanäle) und der Umgang einfielen oder schadhaft würden, so kann und mag man sie wiederherstellen, ohne Schaden für den Born und seine Werke.

2

Hätten die Pfänner zuvor so viel von diesem Unterschied zwischen dem Born und dem äußeren Gequell gewusst, so wäre ihnen am Born und seinen Werken kein Bau zu tun nötig gewesen,

3

sondern allein am Umgang und an der Anzucht, die allein verfallen waren.

4

So sind die Pfänner durch Schaden und durch Bauen klug geworden.

5

Man braucht sich auch nicht allzeit an die Klage der Sieder zu kehren, ob ihnen die Sole nicht behagt.

6

Denn sie jammert der Schaden der Pfänner nicht — das merke, wer da will.

7

Findet sich aber in Wahrheit, dass das wilde Wasser zur Sole einschleicht,

8

so mag man, um dem zu wehren, das Rad vor dem Gewölbe halten oder den Sohlgraben bis auf den Grund räumen, zum Ablauf des wilden Wassers;

9

und wenn dadurch die Sole im Born auch nicht so hoch steigtLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. infiele — Lesung einfiele/infiele
  2. Mann bedarff auch sich alzeitt kerenn — Negation ('nicht') fehlt im Original, ist aber vom Sinnzusammenhang gefordert; nach 'alzeitt' gestrichenes bzw. verziertes Zeichen
  3. Innschleuffet — Lesung des Wortanfangs unsicher (Inn-/Imm-), Bedeutung 'einschlieft/einschleicht'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 90 Bl. 43v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 90

1

Fortsetzung von der vorigen Seitewie zuvor, so ist ihrer dennoch ohne Zweifel genug für alles Gesiede vorhanden.

2

Am Freitag, Sankt Remigius' Tag [1. Oktober], wurde der Umgang von den Zimmerleuten fertiggestellt, so dass man ihn bis zu dem Ende zufüllen konnte, wo er über der dritten Abzucht wendet.

3

Es geschah auch, während man am Born baute, dass die Sieder den Bau schmähten und wie zuvor über die Sole klagten, dass sie viel Holz verbrennen müssten.

4

Man konnte auch gar nicht so bauen, dass ihnen der Bau behagt hätte.

5

Dadurch wurden auch etliche Pfänner nicht wenig beunruhigt und befragten deswegen etliche glaubwürdige Sieder, um die Wahrheit zu erforschen,

6

von denen ihnen glaubhaft berichtet wurde, dass die Sole nicht geringer sei;

7

dass sie aber mehr Holz verbrennten, das komme daher, dass sie größere Werke sieden — und sieden müssten, wollten sie ihre Ladeleute bei sich behalten.

8

Auch wurde von denen bemerkt, die da den Siedern die …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. ohent zweiuell — Beide Wörter schwer lesbar; kontextuell wohl 'ohne Zweifel'
  2. Sanct Remigen tagk — 'Sanct' aus Parallelstelle fol. 44r erschlossen, Schriftbild eher 'danct'; Remigiustag = 1. Oktober
  3. das keme darvonn — 'keme' mit kräftigem Querstrich (wohl Zierstrich, keine Tilgung); 'darvonn' geschrieben wie 'darnonn'

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 91 Bl. 44r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 91

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… die Wellen (Reisigbündel) verkauften, dass sie nicht mehr Holz für ein Werk kauften, als sie zuvor getan hatten.

2

Und darum ist es nicht nötig, sich an jedermanns Gerede zu kehren; auch ist nicht allen Geistern zu glauben.

3

Am Sankt-Severus-Tag [22. Oktober], in der Woche 'Salus populi', und die acht Tage danach brachte der Meister das Gerüst vom Born und auch das Rad mit seinen Eimern,

4

und richtete ein anderes Hebezeug über dem Born auf, mit zwei Scheiben (Seilrollen), und an jeder Scheibe hingen zwei Eimer,

5

damit man die Sole aus dem Born gewinnen und sodann in zwei Kästen oder Tröge gießen sollte, aus denen sie in die Gerinne fließen sollte.

6

Und über dieser Arbeit lag man bald bis in die Woche 'Omnia quaecumque'.

7

Und in der Zeit, als das Hebezeug aufgerichtet wurde, wurden die obersten Reifen auf den Born gebracht und dieser auch sogleich verdämmt.

8

Und das Hebezeug ging am Allerseelentag [2. November] an, auch die Nacht hindurch, und es wurde ganz unzulänglich(?), so dass die Sieder und Gießer darüber klagten und …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Sanct Seuers tagk — Heiligenname unsicher, wohl Severus (22. Oktober); davor gestrichenes 'freytagk'
  2. Salus ppli — abgekürzt mit Kürzungsstrich, aufzulösen als 'Salus populi' (Introitus)
  3. omnia quæcunqz — lateinisch abgekürzt, wohl Introitus 'Omnia quaecumque'
  4. vnnzaulich — Lesung und Bedeutung unsicher; vielleicht 'unzulänglich' oder 'unzählich' (= übermäßig)
  5. wellenn — Lesung wellenn/wollenn; gemeint wohl Wellen = Reisigbündel als Brennholz

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 92 Bl. 44v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 92

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… es brächte dem Sieden merklichen Schaden und sei ganz umsonst gemacht.

2

Darum fassten die Pfänner sämtlich den Rat, dass man die Schwengel nach alter Gewohnheit wieder aufrichten sollte.

3

Und obwohl dies dem Meister zuwider war, mussten die Zimmerleute demnach alsbald nach Allerseelen die Schwengel beschaffen, zurichten und aufrichten,

4

so dass am Freitag nach Martini [11. November] das Hebezeug mit seinen Scheiben wieder abgebrochen und vom Born weggebracht wurde;

5

und das Anfertigen der Schwengel und das Anlegen der Gerinne am Werk währte bis zum Sonntag, dem Andreastag [30. November].

6

Am Sonntag vor Gaudete [3. Adventssonntag] begann der Meister, den Born zu pflastern und zu decken; das währte bis aufs neue Jahr.

7

Ein nützlicher Rat für die nachkommenden Pfänner. 16. Kapitel.

8

Wenn es nach vielen zukünftigen Jahren nötig würde …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. bereitetenn ... das Rath — Lesung 'bereitetenn'; Sinn wohl 'berieten/beschlossen den Rat'
  2. ann der Wercke — Wort mit Zierstrich, Lesung Wercke/Werbe unsicher
  3. Sontage Anndres tage — Datumsangabe: Andreastag (30. November) fiel 1489 nicht auf einen Sonntag; Lesung 'Sontage' gleichwohl deutlich

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 93 Bl. 45r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 93

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… den Pfennern; sie wurden aber einig, den Born zu bauen, und dass sie ansehen wollten, wie das erste alte Werk beschaffen gewesen war – wie davon zuvor die Rede ist, bei der anderen Ösung (Ausschöpfung) des Borns –,

2

oder dass sie ansehen wollten, wie das Werk beschaffen ist, wie davon zuvor die Rede ist, bei dem Werk des Borns.

3

So kann man aus beiden Vorschlägen nichts Besseres erwählen, als dass man die Säulen und Schwellen in dem Maße herrichte, wie sie jetzt gemacht sind,

4

ja, falls sie schadhaft geworden wären – wie davon zuvor die Rede ist, bei den Säulen und Schwellen des Werks –,

5

und dass man darin bis auf den Grund einen Reifen auf den anderen legte, verzapft, bis oben hinaus, auf solche Weise, wie jetzt das Werk von oben bis auf den Boden gleichförmig geworden ist.

6

Diese Reifen sind aus groben eichenen Krömlingen (krummen Hölzern) gemacht.

7

Und wenn der Born mit einem solchen Werk gefasst würde, so hielte das ewig, mit geringen Kosten, und jeder Zimmermann oder Werkmeister kann das …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Ösunng — Lesung des Fachworts (Ösung = Ausschöpfen des Borns) nicht ganz sicher
  2. gewerbenn — frühnhd. Gewerbe = Vorbringen, Antrag; Lesung wahrscheinlich, aber nicht sicher
  3. Seuhlenn — Schreibung unsicher, auch als Seuchlenn lesbar; gemeint sind Säulen
  4. Krömlingenn — Fachwort (gebogene Eichenhölzer); Anfangsbuchstabe K nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 94 Bl. 45v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 94

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… machen und bereiten, ohne besondere große Meister.

2

Von den Pfählen und Pflöcken, die in den Umgang geschlagen worden sind. 17. Kapitel.

3

Es wurde auch von dem Meister und den Pfennern beraten, dass man den Umgang des Borns mit Ton gleich und eben machen und Pflöcke hineinschlagen sollte, einen neben den anderen,

4

damit so auf den Pflöcken das wilde Wasser und auch die Sole, die auf dem Born von den Gießern vergossen wurde, in das Gewölbe abflösse und nicht um den Born stehen bliebe,

5

damit sich auch der Schlamm (Mod) verzöge, der sich sonst verschlämmen möchte, wenn das Gewässer nicht abliefe; wie es denn auch so geschehen ist.

6

Man ist auch dadurch gewahr geworden, dass die Quellen des wilden Wassers und die Adern der Sole, die sich in dem Umgang hervortaten und armdick ergossen, …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. verschlisze der Modt — Lesung von verschlisze (sich verziehen/abnutzen) und Modt (Schlamm, Moder) unsicher
  2. armes dicke — Lesung armes dicke = eines Armes Dicke (armdick); nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 95 Bl. 46r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 95

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… durch das Einschlagen der Pflöcke verdämmt und vermindert worden sind, so dass sie kaum zwei Finger dick jede für sich ausfließen; und deshalb konnte man mit trockenen Füßen auf den eingeschlagenen Pflöcken umhergehen.

2

Und dies wurde so vollendet am Mittwoch in der Kreuzwoche (Bittwoche) im Jahr [14]91.

3

So ist fortan, nach all dem getanen Bau, nichts mehr vor allem nötig, als allein, dass man den Sohlgraben in Stand halte und so tief zu Grunde arbeite,

4

dass das Gewässer, das in dem Umgang und auch in dem Gewölbe quillt, nicht stehen bleibe, auch nicht zum Born zurückfließe, sondern seinen Fall und Ausfluss im Grund auf den Bohlen im Gewölbe in den Sohlgraben haben möge.

5

Wenn der Sohlgraben so in Stand gehalten wird, so hat und behält man einen guten, gesunden Salzbrunnen mit unvermengter Sole in ihrer natürlichen Kraft und Stärke, ohne alle Vermischung mit wildem Wasser.

Unsichere Lesungen

  1. Bolenn — wohl Bohlen; Anfangsbuchstabe auch als S lesbar (Solenn)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 96 Bl. 46v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 96

1

Von der Danksagung an Gott den Herrn für den Bau. 18. Kapitel.

2

So hat Gott bei diesem Bau besondere Gnade erwiesen, wofür sich wohl besondere Danksagung gebührt: zum ersten für das günstige Wetter, da die Arbeit des Wetters halber keinen Aufschub erlitten hat;

3

zum anderen für das gute Gesöde (Siedeergebnis), da des Bauens halber kein Schaden gespürt wurde, außer eine Woche um den Sonntag „omnia“ [Lesung unsicher];

4

und das Sieden war den Sommer über so trefflich, dass man sich seit dreißig Jahren nach altem Gedächtnis an kein größeres Sieden zur Sommerszeit erinnerte;

5

zum dritten für die besondere göttliche Vorsehung und Bewahrung, so dass kein Mann oder Mensch an seinem Leib Schaden genommen hat in aller Gefährlichkeit, die sich zuweilen begeben hat.

6

Für solche und alle Wohltat wolle Gott, seine liebe Mutter Maria mitsamt Sankt Bonifatius, zu ewigen Zeiten gelobt sein. Amen.

Unsichere Lesungen

  1. gespart — so geschrieben; dem Sinn nach wohl gespuert (gespürt)
  2. Dominica omnia — Bezeichnung des Sonntags unklar; Lesung omnia unsicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 97 Bl. 47r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 97

1

Von der alten Konstitution (Vereinbarung) zwischen den Pfennern und den gemeinen Bürgern wegen des Holzes. 19. Kapitel.

2

Merke: Was am Anfang geschah, ist hier bis an das Ende aufgespart worden, damit solches desto länger im Gedächtnis bleiben möge.

3

Als die Pfenner sich zuerst anschickten, an dem Salzbrunnen zu bauen, da baten sie die gemeinen Bürger zu Allendorf, dass sie ihnen aus den Gehölzen der Stadt Bauholz geben wollten für den Bau des Salzborns.

4

Diese Bitte haben die Bürger den Pfennern gütlich gegönnt und gewährt nach alter Konstitution,

5

die vor alters, vor langen Zeiten, zu Kassel von unserem Herrn dem Landgrafen und seinen Erben, [durch] ehrbare Räte, zwischen den gemeinen Bürgern zu Allendorf und den Pfennern gemacht, verteidigt (rechtlich festgestellt) und ausgesprochen war,

6

nämlich wegen der Gehölze der Stadt: dass der Hegeberg bei den Sooden den Pfennern allein …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Sie merck — erstes Wort unsicher; auch So merck oder Die merck lesbar
  2. zureitenn — Lesung unsicher; wohl sich zurüsten/anschicken
  3. gewerdenn — Lesung unsicher, auch gezuerden lesbar; dem Sinn nach gewährt
  4. zuschenn — abgekürzt geschrieben, wohl zwischenn
  5. ausgesprochenn — Wortende abgekürzt (ausgesproch mit Kürzungshaken)

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 98 Bl. 47v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 98

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… gehören und zustehen sollte, und die Gehölze der Stadt den Pfennern und den gemeinen Bürgern gemeinsam zu eigen sein sollten;

2

und wenn die Pfenner Holz für ihren Bau in den Sooden benötigten, so sollten sie die gemeinen Bürger um das Gehölz bitten, und dann sollten die Bürger deren Bitte den Pfennern gütlich nachgeben und sie nicht abschlagen.

3

Man findet diese Konstitution schriftlich am Brückentor.

4

Was der Bau gekostet habe. 20. Kapitel.

5

Was nun dieser große, herrliche Bau des Salzbrunnens von Anbeginn bis zum Ende gekostet hat: Die Summe aller Ausgaben, aus den Registern überall zusammengezogen und aufsummiert, beträgt elfhundertsiebenundfünfzig Mark, dreieinhalb Pfund und neun Heller.

6

Und wenn man dann je drei Mark für zwei Gulden rechnet – da zu jener Zeit ein Gulden vier alte Schock galt –, …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. vierdthalb pfundt — vierdthalb = dreieinhalb; Zahlwort sicher, moderne Auflösung beachten
  2. dar zur zeit — Wortfolge unsicher, evtl. da zur zeit

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 99 Bl. 48r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 99

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteNämlich siebenhundert Gulden, siebzig anderthalb Gulden (wohl 769½ Gulden insgesamt), siebzehn Pfund, fünf Heller.

2

Dazu soll man Meister Curts Lohn rechnen, zweihundertvierunddreißig Gulden, und auch acht Gulden für die zwei Malter Korn und ein Schwein, womit der Meister den Pfennern über die Zettel hinaus mehr abverlangte,

3

was die Pfenner denn auch duldeten und geschehen ließen, so dass sie sich in Güte von dem Meister schieden;

4

So ist und bleibt die gesamte Ausgabe für diesen ausgeführten Bau tausend und elfeinhalb Gulden, siebzehn Pfund und fünf Heller.

5

Wie lange der Bau gewährt habe

6

21. Kapitel.

7

Zu diesem Bau wurde das Zeug (Material) beschafft und angefangen am Mittwoch in der ‚vier None‘ (wohl Quatemberwoche) im Jahr 1489, und er wurde, samt der Abrechnung, vollendet am Dienstag nach Exaudi darauf im Jahr 1491, so dass vonLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. siebenntzigk anderthalbenn guldenn — Zahlwort-Deutung unsicher; rechnerisch (Gesamtsumme 1011½ Gulden abzüglich 242 Gulden Meisterlohn) wären 769½ Gulden zu erwarten
  2. dittelnn — Lesung unsicher; vielleicht ‚Zettelnn‘ (Abrechnungszettel)
  3. sieben=zehenn — Erster Wortteil am Zeilenende sieht wie ‚dreben‘ aus; nach dem oben genannten Betrag (siebennzehenn ℔ funff heller) als ‚sieben‘ gelesen
  4. in der vier None — Lesung und Deutung unsicher; wohl liturgische Wochen-/Tagesangabe (Quatember?); Baubeginn passt zu Bauzeit von gut zwei Jahren bis Dienstag nach Exaudi 1491
  5. volnendet [gestrichen: unleserlich] — Nach ‚volnendet‘ zwei bis drei gestrichene, unleserliche Buchstaben
  6. secundo — In der Handschrift ‚secun=do‘ über den Zeilenwechsel; Deutung ‚darauf folgend‘

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 100 Bl. 48v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 100

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… von Anbeginn bis zum Ende hat der Bau zwei Jahre und einundzwanzig Wochen gewährt; den wolle Gott vollständig und bleibend erhalten, zu ewigen Zeiten, Amen.

2

Von dem viereckigen Stad (Wasserbecken)

3

22. Kapitel.

4

Das Stad (Becken) vor dem Gewölbe, das das Gewässer aufzieht – wie davon zuvor berichtet wird, besonders vom Ösen (Ausschöpfen) des wilden Wassers aus dem Gewölbe –, das wurde folgendermaßen geformt:

5

Nämlich: Von der Welle an bis oben hinaus ist es siebthalb (sechseinhalb) Fuß lang, so dass es überall, von einem Ende bis zum anderen Ende mit der Welle gemessen, vierzehn Fuß erreichte; diese Länge behielt das ganze Stad.

6

Und von innen war es eine Elle weit, damit ein Mann hineinkonnte, um zu machen, was darin zu machen nötig war;

7

und weil die Weite zu viel Wasser fasste, konnte das Schöpfrad es nicht heraustreiben, und dieser Sache wegenLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. ann begin — Auch ‚am begin‘ lesbar; zusammen mit dem Seitenübergang ‚alse das von‘ als ‚von Anbeginn‘ verstanden
  2. aufzeugk — Lesung des Wortendes unsicher (aufzeugk/aufzuigk)
  3. das ganntz Stadt behilt — ‚ganntz‘ mit verschliffener Endung; ‚behilt‘ = behielt
  4. Schuff[gestrichen: stell]Radt — Der Schreiber setzte nach ‚Schuff‘ zu ‚stell‘ an, strich es und schrieb ‚Radt‘ am Zeilenanfang weiter; Streichung nicht ganz sicher

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

HandschriftS. 101 Bl. 49r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 101

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… musste der Meister an den vier Orten im Inneren des Stads zwei Leisten annageln und quer darüber Bretter nageln, so dass das Stad an den vier Ecken um eine halbe Elle enger wurde,

2

und so konnte dort das Schaufelrad das viereckige Stad austreiben (leerschöpfen).

3

Und weil das Stad überdies zu viel Wasser fasste, machte der Meister etliche Löcher an dem Rade, damit die Last nicht zu schwer würde.

4

Die Form und das Modell (Exemplar) dieses Rades hat Heinrich Lower zum Gedächtnis angefertigt, und man findet dieselbe auf dem Brückentor, um nach dem Modell ein Stad zu machen, wenn das nötig würde.

Unsichere Lesungen

  1. zwenn leiste annegelnn — Wortformen leicht verschliffen; ‚zwenn‘ (= zwei) und ‚annegelnn‘ (= annageln) nicht ganz sicher
  2. das viereckenndt radt ertreibenn — So die Buchstaben; gemeint ist wohl das viereckige Stad (Becken), das das Schaufelrad nun leerschöpfen konnte – ‚radt‘ hier möglicherweise Schreiberversehen für ‚Stadt‘
  3. Hennrich Lower — Familienname unsicher; auch ‚Louwer‘/‚Lauer‘ lesbar

Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Geyselers Denkschrift von 1489

ZusammenfassungS. 103–183

Der Bau von 1550 — die Vorgeschichte. Sechzig Jahre später schreibt Jost Berker von Homberg, Salzgraf, die zweite Chronik, und er beginnt mit derselben Begründung wie Geyseler: „Im Namen des Herrn, Amen. Weil die Tage der Menschen abnehmen und wie der Rauch vergehen …“ — ohne Aufzeichnung geht alles verloren.

Der Befund ist zunächst derselbe wie 1489: Der Salzbrunnen sei „mangelhaft und schadhaft geworden, sodass die Sieder über die gewöhnliche Zeit hinaus“ sieden müssten. Diesmal aber gibt es einen Verdächtigen — und der ist eine Maschine.

Der Streit um die Rosskunst. Seit 1546 klagen die Sieder, sie bräuchten mehr Holz für dieselbe Menge Salz. Schuld sei, sagen viele, die Rosskunst des Meisters Jörge Behm aus Nürnberg — jenes von Pferden getriebene Pumpwerk, dessen Bestallung im zweiten Buch steht. Behm bestreitet das und beruft sich „auf alle verständigen Bergleute“. In den Protokollen steht der Vorwurf mehrfach: Man sei „sonderlich Meister Jorgen Behm zu viel gefolgt“ worden; er habe „etliche weitere Gebäude, sonderlich die Wasserkunst vor dem Gewölbe, mehr zu seinem Vorteil“ als zur Förderung des Werks errichtet.

Der Zeitpunkt könnte schlechter nicht sein. Zwischen die Akten geraten Briefe, die den Hintergrund erklären: Landgraf Philipp schreibt seinen Räten, es sei ihm ein Schreiben zugekommen „im kaiserlichen Lager zu …“ — es ist die Zeit des Schmalkaldischen Krieges, der Landesherr in kaiserlicher Haft. Die Räte in Kassel müssen ohne ihn entscheiden. Aus dem Juli 1547 stammen die ersten Anordnungen.

Wie man 1547 einen Befund erhebt. Was folgt, ist ein Verwaltungsvorgang, wie er heute noch abliefe, und Berker protokolliert ihn Schritt für Schritt. Zuerst werden die Fachleute gehört, und ihre Aussagen stehen namentlich da. Johann Schaffnit meint, „wenn der Sohlgraben geräumt werde, habe der Brunnen keinen Mangel“. Ein anderer hält dagegen: Wenn das zutreffe, „so muss es an Jörgens Kunst liegen und an keinem anderen“. Heinz Luther rät zu etwas Drittem. Und alles wird Behm vorgehalten, damit er antworten kann.

Dann folgt der Augenschein, und er ist die eigentliche Untersuchungsmethode: Der Brunnen wird aufs Niedrigste leergeschöpft, „damit man den Boden sehen könnte“. Man stellt fest, dass „auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt“; dass gegen Süden „eine Ader stark“ gehe; dass die Fässer „aus ganzen Dielen“ bestehen und „zu verschiedenen Zeiten gesetzt“ worden sind. Beim ersten Versuch kommt man nur „bis an das Knie eines Mannes“ hinunter — man vertagt, „bis die Berge wieder wasserreich würden“. Am 8. Oktober erreicht man endlich das Gefälle vor dem Gewölbe.

Und man schmeckt. Niedenstein holt „viererlei Sole aus der Aufzucht und dem Umgang“ und vergleicht sie mit der Sole im Brunnen — dasselbe Verfahren, mit dem Geyseler 1489 gearbeitet hatte, und dasselbe, das Christoph Homberg zwei Jahre später mit der Waage ersetzen wird.

Wer alles kommt. Die Namensliste der Beteiligten ist ein Querschnitt durch die hessische Verwaltung und das Bauhandwerk: der Statthalter zu Kassel, der Landvogt, Heinz von Lutter, Johann Nordeck, Valentin Thold, Jörge Freundt als Rentschreiber zu Eschwege, die Salzgrafen Johann Schaffnit der Ältere, Johann Niedenstein und Johann Casselmann — dazu Werkleute, darunter der fürstliche Baumeister zu Ziegenhain und ein Bürger aus Homberg. Und Heinz von Lutter bringt auswärtige Erfahrung ein: Er habe in Lothringen gesehen, dass noch schwierigere Salzbrunnen ordentlich gefasst worden seien.

Was dabei nebenbei geregelt wird. Zwischen die Bauakten geraten Vorgänge, die zeigen, dass ein Salzwerk auch eine Sozialordnung ist. Ein eigener Abschnitt gilt der halben Pfanne, deren Ertrag den Pfarrer zu Sooden unterhält: Ihr Anteil sei „hinlänglich entrichtet“ worden, und künftig solle „einem jeden jetzigen und zukünftigen Pfarrer seine gebührende Pension“ daraus gezahlt werden. Es geht um Kosten, die man abwenden will, und um einen Revers, den die Beteiligten geben.

Auch der Chronist selbst kommt vor: Jost Berber vom Homberg schreibt, er habe sich „über das Amt des Pfennigmeisters beschwert und darum gebeten“, davon befreit zu werden — und unterschreibt gleichwohl weiter. Am 22. Januar 1548 wird zu Allendorf ein Abschied unterzeichnet, unter anderem von Sigmund von Boyneburg.

Die eigentliche Ursache. Am Ende dieses Vorlaufs steht ein Befund, der dem von 1489 verwandt ist und doch das Gegenteil bedeutet. Nicht die neue Maschine allein war schuld: Das alte Fass war vor Zeiten nicht auf den Grund gesetzt worden, sondern nur ungefähr — und durch diese Lücke zog „wildes Wasser“ in die Sole und verdünnte sie. Eine alte Nachlässigkeit, die erst sichtbar wurde, als eine stärkere Pumpe daran zog.

Redaktionelle AnmerkungS. 103–183

Der Streit um Jörge Behms Rosskunst ist ein früher Fall eines Musters, das man aus der Technikgeschichte kennt: Ein auswärtiger Spezialist bringt eine neue Maschine, das Werk verschlechtert sich, die Maschine bekommt die Schuld. Die Quellen lassen offen, ob sie wirklich schadete. Die Pfänner werfen Behm und „seinem Anhang“ vor, „mehr ihren eigenen Nutzen“ gesucht zu haben — ein Satz, der eher nach Verdacht klingt als nach Befund. Am Ende stellt sich heraus, dass das alte Fass nie ordentlich auf den Grund gesetzt worden war; die stärkere Pumpe hatte einen alten Fehler nur sichtbar gemacht.

Warum es so lange dauerte. Die Briefe „aus dem kaiserlichen Lager“ sind kein Nebenton. Landgraf Philipp war von 1547 bis 1552 in kaiserlicher Haft; die Räte in Kassel mussten in seiner Abwesenheit entscheiden und deckten sich entsprechend ab. Wer den Aktenverlauf für schleppend hält, sollte das mitlesen: Das Salzwerk wartete auf einen Landesherrn, der nicht im Land war.

Das Schmecken war die Messung. Wenn Niedenstein „viererlei Sole“ holt und vergleicht, ist das kein Behelf, sondern das anerkannte Prüfverfahren der Zeit — dasselbe, mit dem Geyseler 1489 gearbeitet hatte. Genau an dieser Stelle setzt zwei Jahre später Christoph Homberg mit der Waage an. Der Übergang vom Geschmack zum Gewicht ist der Wendepunkt, auf den das ganze Werk zuläuft — man kann ihn in diesem Buch datieren.

HandschriftS. 103 Bl. 50r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 103

1

Im Namen des Herrn, Amen.

2

Weil die Tage der Menschen abnehmen und wie der Rauch vergehen und ein jedes zeitliches Handeln durch stete Bewegung verfällt und vergessen wird,

3

so ist es vonnöten, dass die Dinge, die zu unseren Zeiten verhandelt werden, durch das Zeugnis der Schrift dem Gedächtnis der zukünftigen Menschen, unserer Nachkommen, in schriftlicher Aufzeichnung zu verstehen gegeben werden.

4

Darum sollen die Zukünftigen ebenso wie die jetzt Gegenwärtigen wissen, dass die alten Gebäude des Salzbrunnens zu Sooden in diesem laufenden Jahr 1550 aufgebrochen und wiederum von neuem von Grund auf gebaut und errichtet worden sind,

5

wie und in welchem Zustand man sie vorgefunden hat und wie sie wieder aufgerichtet worden sind, und was sich dabei vor und nach allenthalben zugetragen und begeben hat.

6

Damit dies künftig, falls man wieder daran bauen müsste, bekannt sei, ist dies dem durchlauchtigsten, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegen…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. stetlich bewegung — auch 'stetliche' möglich; Endung undeutlich
  2. Salzbronnens — tz-Ligatur undeutlich, evtl. 'Saltzbronnens'
  3. zum Sodenn — Anfangsbuchstabe S wie in 'Salzbronnens' geformt; 'Bodenn' paläographisch ähnlich, 'Sodenn' (Sooden) nach Kontext
  4. die fundenn — Lesung 'fundenn' (= vorgefunden); Wortanfang f/s mehrdeutig

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HandschriftS. 104 Bl. 50v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 104

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…hain und Nidda, meinem gnädigen Fürsten und Herrn, zu untertänigem Dienst, zu Ehren und Gefallen, den gemeinen Pfennern zum Nutzen, damit sie sich jederzeit danach zu richten wissen,

2

mit allen Umständen durch mich, Jost Berker von Homberg, zurzeit Ihrer fürstlichen Gnaden mitverordneter Salzgraf daselbst zu Sooden vor Allendorf an der Werra,

3

— weil ich von Anfang an, seit Ihre fürstliche Gnaden an diesem Ort neben den gemeinen Pfennern kraft eines deswegen aufgerichteten Vertrags gebaut hat, in Ihrer fürstlichen Gnaden Diensten gewesen bin und es noch bin — eigentlich verzeichnet worden,

4

damit künftig viel unnütze Kosten vermieden werden und der Grund des Salzbrunnens — von dem man bisher keine Kenntnis haben konnte, der aber jetzt durch diese geschehenen Bauarbeiten erkundet worden ist — im Gedächtnis bleibe,

5

und wir allesamt Gott dem Allmächtigen dafür ewigen Dank sagen.

6

Als im vergangenen Jahr 1546 durch die Sieder, Börner und andere viele Klagen entstanden, dass der Salz…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jostenn Berkern von Hombergk — Nachname auch als 'Beckern' lesbar (ck-Ligatur/r mehrdeutig)
  2. f. gl. — Abkürzung wie in Zeile 8/11 gelesen als 'fürstlichen Gnaden'; Schriftbild eher 'ſtgl'
  3. gebawett hat — Strich durch tt als Zierstrich gedeutet, nicht als Tilgung
  4. kein wissentschafft hat habenn könnenn — Striche durch 'kein' und 'könnenn' als Zierstriche (k/ck) gedeutet, nicht als Streichung
  5. bewe — Lesung 'bewe' (= Baue, Bauarbeiten)
  6. Söder, Berner — Berufs-/Personenbezeichnungen; 'Berner' evtl. 'Börner' (Bornleute), 'Söder' wohl Sieder

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HandschriftS. 105 Bl. 51r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 105

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…brunnen zu Sooden mangelhaft und schadhaft geworden, sodass die Sieder über die gewöhnliche Zeit hinaus sieden und viel mehr Holz als zuvor für eine Pfanne Salz brauchen.

2

Daran gaben einige der Rosskunst die Schuld, die Meister Jörge Behm von Nürnberg darauf gesetzt hatte und die eine Zeit lang mit Pferden die Sole aus dem Salzbrunnen förderte und schöpfte – was dieser Jörge freilich nicht zugestehen wollte.

3

Vielmehr hat man festgestellt und mit eigenen Augen gesehen, dass das alte Fass vor Zeiten nicht unmittelbar auf den Grund des Salzbrunnens, sondern nur ungefähr daraufgesetzt worden war, wodurch sich allerlei wildes Wasser mit der Sole in das Fass gezogen hat.

4

Das ist unserem hochgedachten gnädigen Fürsten und Herrn vielmals angezeigt worden.

5

Weil sich aber zu jener Zeit die schweren, großen Kriegsläufte und Händel zutrugen und auch der Salzbrunnen eine Zeit lang nachließ, sich danach aber wieder eine Zeit lang besserte,

6

hat man mit den Bauarbeiten gewartet, damit man mit rechtzeitigem, gründlichem Rat – und sobald die Kriegshändel beigelegt…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zun Sodenn — Anfangsbuchstabe S/B nicht sicher zu unterscheiden; auch 'Bodenn' denkbar, Kontext (Sooden) spricht für 'Sodenn'
  2. Söder — Lesung S/B unsicher; 'Böder' (Siedeböden) möglich, aber 'siedenn' als Prädikat spricht für Personen (Sieder)
  3. der ein zeit — Wortlaut unsicher, evtl. 'derenn zeit'
  4. gebeuernn — wohl 'Gebeuen' (Bauarbeiten/Gebäuden); Endung unsicher

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HandschriftS. 106 Bl. 51v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 106

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…gebracht würden – notdürftig und nützlich bauen könnte; so hat es sich damit verzögert bis ins Jahr 1547,

2

als mein hochgedachter gnädiger Fürst und Herr zu Pfingsten zur Kaiserlichen Majestät nach Halle in Sachsen gefordert wurde und dorthin zog, derselben einen untertänigen Fußfall tat und Abbitte leistete,

3

in der Hoffnung, Ihre Fürstlichen Gnaden sollten damit freikommen und wieder zu Land und Leuten gelangen; und neben anderen Sachen hatten sie selbst diesen notwendigen Bau des Salzbrunnens angeordnet.

4

Aber Ihre Fürstlichen Gnaden wurden darin schändlich hintergangen, wider Treu und Glauben betrogen, in die kaiserliche Gefangenschaft gebracht und darin lange Zeit erbärmlich und schmählich festgehalten.

5

Nichtsdestoweniger lag Ihren Fürstlichen Gnaden dieser Bau am Herzen; sie haben deswegen an die fürstlichen Statthalter und Räte zu Kassel geschrieben und Befehle erteilt, wie nachfolgt.

6

An unseren Statthalter und die Räte zu Kassel und die lieben Getreuen Rudolf Schenck zu Schweinsberg, N. N. und N.

Unsichere Lesungen

  1. Kayr: Mtt: — Abkürzung mit Kürzungsstrichen, wohl 'Kayserlicher Maiestatt'; Buchstabenbestand unsicher
  2. geferdt — Lesung unsicher, wohl 'gefährdet/hintergangen'

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HandschriftS. 107 Bl. 52r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 107

1

Philipp, von Gottes Gnaden Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen.

2

Räte und liebe Getreue! Weil wir vor unserer Abreise festgestellt haben, dass der Salzbrunnen zu Allendorf an der Werra mangelhaft ist,

3

so ist unser Befehl, dass ihr euch mit dem Rat etlicher Pfänner und anderer verständiger Biederleute unternehmt, diesem Mangel abzuhelfen, und dabei allezeit mit darauf achtet, dass das Übel nicht noch ärger gemacht wird.

4

Damit handelt ihr nach unserem Geheiß und unserer Meinung. Gegeben im kaiserlichen Lager zur Neuenstadt am 29. Juni im Jahr 1547.

5

Philipp, Landgraf zu Hessen.

6

Auf diesen fürstlichen Befehl haben der Herr Statthalter und die Räte zu Kassel die gemeinen Pfänner zu Allendorf an der Werra zur Verhandlung hierher nach Kassel geladen und schriftlich einberufen, desgleichen die Beamten zum Sooden – ebenfalls wie hernach folgt.

7

Unseren günstigen Gruß zuvor, ehrbare gute Gönner!

8

Es hat unser gnädiger Fürst und Herr zu Hessen…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Catzenelnbogk — Schreibung der Endung unsicher (Catzenelnbogk/Catzennelnbogenn)
  2. zu helffenn lassenn vnnderstehet — Wortfolge unsicher gelesen
  3. Lz — abgekürzte Unterschrift, wohl 'Landtgraff zu'; Buchstabenbestand unsicher
  4. that — Lesung 'that' (= tat/hat); Satz wird erst auf der Folgeseite vollständig

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HandschriftS. 108 Bl. 52v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 108

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…uns jetzt ein Schreiben nebst anderen zukommen lassen, dessen Datum lautet: im kaiserlichen Lager zur Neuenstadt, am 29. des jüngst vergangenen Monats Juni; darin haben Seine Fürstlichen Gnaden befohlen:

2

Nachdem Seinen Fürstlichen Gnaden vor ihrer Abreise berichtet worden ist, dass der Salzbrunnen bei euch etwas schadhaft sei,

3

sollten wir zusammen mit etlichen aus euch, die sich auf diese Dinge verstehen, dafür sorgen, dass dieser Brunnen wieder instandgesetzt und die Mängel wieder zur Besserung gebracht werden.

4

Daraufhin ist im Namen Seiner Fürstlichen Gnaden unser Begehren – indem wir euch gütlich ersuchen –, ihr wollet drei oder vier aus euch verordnen, die die Verhältnisse des Salzwerks kennen und verstehen,

5

und am nächsten Sonntag, dem 10. Juli, gegen Abend hier eintreffen, um am folgenden Tag zusammen mit uns darüber zu beratschlagen und zu beschließen, wie dem Brunnen geholfen werden kann.

6

Damit geschieht unserem hochgedachten gnädigen Fürsten und Herrn ein Gefallen; es kommt auch euch allen zugute, und wir sind euch mit günstigem Willen geneigt.

Unsichere Lesungen

  1. Itztvergangenn — Wortende mit Schnörkel abgekürzt, Endung unsicher
  2. sfgl. — Abkürzung wohl 'seiner fürstlichen gnaden'; Buchstabenbestand unsicher
  3. nebenn vnns von dem, — Wortlaut 'von dem' unsicher

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HandschriftS. 109 Bl. 53r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 109

1

Gegeben zu Kassel am 4. Juli im Jahr 1547.

2

Statthalter und Räte zu Kassel.

3

An die gemeinen Pfänner zu Allendorf an der Werra.

4

Unseren Gruß zuvor, ehrbare gute Gönner!

5

Auf Befehl unseres gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen haben wir etliche von den Pfannherren bei euch hierher einberufen,

6

damit sie am nächsten Sonntag, dem 10. dieses Monats, gegen Abend hier eintreffen und mit uns darüber reden und beratschlagen, wie den Gebrechen des Salzbrunnens abzuhelfen sei.

7

Weil nun die Notdurft erfordert, dass auch ihr bei dieser Verhandlung zugegen seid, so ist im Namen Seiner Fürstlichen Gnaden unser Begehren, ihr wollet alsdann ebenfalls hier eintreffen

8

und zwei verständige Sieder mitbringen – denen ihr jedoch die Gründe, weshalb ihr hierher einberufen worden seid, nicht eröffnen sollt –,

9

die geeignet sind, neben anderen darüber zu reden und zu beschließen, wie dem Brunnen geholfen werden kann.

10

Daran…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Gönnere — Endung unsicher (Gönnere/Gönnern)
  2. Pfannhern — Lesung unsicher (Pfannherrn/Pfennern)
  3. Söder — Anfangsbuchstabe S/B nicht sicher; 'Sieder' aus dem Kontext erschlossen
  4. Geschickt — Lesung unsicher, auch 'Geschicht' möglich

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HandschriftS. 110 Bl. 53v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 110

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…geschieht nach Seiner Fürstlichen Gnaden Meinung; und wir sind euch mit Gunst geneigt.

2

Gegeben zu Kassel am 4. Juli im Jahr 1547.

3

Statthalter und Räte zu Kassel.

4

An den Rentmeister und die Salzwarte zu Allendorf an der Werra.

5

Daraufhin ist am 11. Juli desselben Jahres beratschlagt worden, wie folgt:

Unsichere Lesungen

  1. geschicht sfgl. meinung — Zeilenanordnung zweispaltig; Lesereihenfolge rekonstruiert (linke und rechte Halbzeilen)

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HandschriftS. 111 Bl. 54r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 111

1

Das fünfte Buch.

2

Wie dem Salzbrunnen dort zum Sooden vor Allendorf an der Werra bei dem bevorstehenden Mangel zu helfen sein sollte.

3

Von wegen unseres gnädigen Herrn: durch den Herrn Statthalter Rudolf Schenck, Landvogt, Doktor Walter, Heinrich Muldener und Jost Berttern, den Rentmeister und Salzwart zum Sooden.

4

Von Seiten der gemeinen Pfenner: Johann Riedenstein, Johann Schaffnit, Chias Cherey, Hans Meuth.

5

Also ist das Bedenken der gemeinen Pfenner: Weil die Bauten um den Salzbrunnen durch die Länge der Zeit etwas mangelhaft sein könnten – und damit man sich dann nicht auf bedenkliche Bauarbeiten einlassen muss –,

6

dass man den Damm um den Brunnen öffne und nachsehe, ob dort Mängel gefunden werden; dann könnte man ein neues Fass und einen neuen Damm darum schlagen und errichten, was ohne große Beschwernis geschehen könnte.

Unsichere Lesungen

  1. fürstehenndenn — Lesung des Wortes nicht ganz sicher; Sinn 'bevorstehenden/vorstehenden' Mangel.
  2. Bertternn — Familienname des Rentmeisters Jost nicht sicher lesbar.
  3. Salzewardt — Amtsbezeichnung nicht sicher; wohl 'Salzwart' (Aufseher des Salzwerks).
  4. Chias Cherey — Vor- und Nachname unsicher; 'Chias' wohl Kurzform von Matthias.
  5. Meuth — Nachname unsicher, auch 'Reuth' möglich.

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HandschriftS. 112 Bl. 54v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 112

1

Johann Schaffnit berichtet: Wenn der Sohlgraben geräumt werde, habe der Brunnen keinen Mangel.

2

Ferner: Der Brunnen ist vor zehn Jahren über den Zapfen gestiegen und bleibt jetzt darunter; darum muss der Brunnen mangelhaft sein.

3

Hans Meuths Meinung ist, dass man den Brunnen mit Pumpen ausschöpfe; dann könnte man sehen, ob an den Adern ein Mangel sei oder nicht.

4

Der Landvogt beschließt mit, dass der Sohlgraben geräumt werde; zum anderen, dass verständige Leute, die sich auf Grundbauten verstehen, neben den Räten zur Besichtigung auf einen benannten Tag verordnet würden, um darüber zu beraten;

5

zum dritten, dass Meister Jörgens Bau und Kunst (Pumpwerk) dem Hauptwerk sehr schädlich und schleunigst zu beseitigen sei.

6

Des Herrn Statthalters Meinung ist, dass der Sohlgraben aufs Förderlichste vollends geräumt werde; und weil der Damm um den Salzbrunnen mangelhaft ist, dass demselben umgehend abgeholfen werde, und dass insbesondere nach dem jetzt bevorstehenden Landtag,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. keinenn — Wort mit langem Querstrich durchzogen; als Zierstrich (nicht Tilgung) gedeutet, da sonst der Satzsinn fehlt.
  2. außöse — Lesung nicht ganz sicher; Sinn 'ausschöpfe/auspumpe'.
  3. eh — Kurzes Wort vor 'Meister Jorgenn' unsicher lesbar (evtl. 'es' oder Kürzel); in der Übersetzung unberücksichtigt.

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HandschriftS. 113 Bl. 55r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 113

1

Fortsetzung von der vorigen Seitebei einer Besichtigung darüber beraten und verhandelt werde.

2

Dies alles ist Jörgen Behm vorgehalten worden: Weil die Kunst (das Pumpwerk) den Brunnen belastet, müsste sie beseitigt werden; wisse er nun andere Mittel, die Sole herauszubringen, soll er gehört und ihm dazu geholfen werden.

3

Darauf sagt Jörge Behm, die Kunst sei dem Brunnen unschädlich; er berufe sich dafür auf alle verständigen Bergleute.

4

Auf diese Verhandlung hin ist dieser Abschied gegeben: dass nach diesem jetzt bevorstehenden Landtag alsbald der Statthalter, der Landvogt, Johann Nordeck, Heinz von Lutter, der Baumeister zu Ziegenhain, Heinrich Muldener und andere verständige Werkleute

5

an einem festgesetzten Tag, den der Statthalter benennen wird, zur Besichtigung zum Sooden kommen und über solchen Mangel – und wie ihm zuvorzukommen sei – beraten sollen.

6

Und Jörge Behm soll dann auch dabei sein.

7

Und mittlerweile soll der Sohlgraben geräumt werden, wozu auch die Pfenner etliche verständige BauleuteLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. am Vfies — Wort nach 'Lanndtage' nicht sicher lesbar; vielleicht 'am schirsten' (= alsbald). Übersetzung sinngemäß 'alsbald'.
  2. Lutter — Name 'Heinz von Lutter' — u-Bogen ohne eindeutige Umlautzeichen, auch 'Lütter' möglich.

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HandschriftS. 114 Bl. 55v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 114

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedie dienlich wären, beschaffen und bekommen könnten, sollen sie Fleiß aufwenden, seien diese auf dem Hain, innerhalb oder außerhalb des Landes oder an anderen Orten;

2

und dass sie daran nichts sparen sollten – es käme ihnen, ihren Erben und Nachkommen selbst zum Besten.

3

Weil nun die Besichtigung und die weitere Verhandlung in Augenschein geschehen sollten, haben die fürstlichen Herren Statthalter und Räte dafür den 1. September dort zum Sooden als Tag angesetzt, sind dort erschienen, und es ist verhandelt worden wie folgt.

Unsichere Lesungen

  1. vffm Hain — Lesung 'Hain' nicht ganz sicher; wohl Ortsangabe (auf dem Hain).
  2. keme — Wort vor 'Ihnenn' nicht ganz sicher; Sinn 'es käme ihnen ... zum Besten'.

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HandschriftS. 115 Bl. 56r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 115

1

Beratschlagt, wie dem Mangel des Salzbrunnens abgeholfen werden könnte.

2

Von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn: der Statthalter Rudolf Schenck zu Schweinsberg, der Landvogt Sigmund von Boyneburg, Heinz von Lutter, Hauptmann zu Ziegenhain,

3

Johann Nordeck, Heinrich Muldener, Valentin Schulde, Jost Berker, Hans Geilmann, Schultheiß von Homberg, der Rentmeister zum Sooden Johann Bartholmes und der Salzwart zum Sooden Christoff Homberg.

4

Von Seiten der gemeinen Pfänner und für sich selbst:

5

Ernst von Bischhausen, Hans Caspar von Eschwege, Bernd von Bischhausen, Herr Wilhelm, Prediger und Dechant zu Heiligenstadt, Herr Heinrich Löber von Heiligenstadt …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. stzl — Kürzel vor 'Stadthalter' nicht sicher aufzulösen; in der Übersetzung ausgelassen.
  2. Schweinsburgk — Wohl 'Schweinsbergk' — die Familie Schenck zu Schweinsberg.
  3. Beÿneburgk — Gemeint ist die Familie von Boyneburg.
  4. Valtin Schulde — Nachname unsicher, auch 'Schilde' möglich.
  5. Jost Berker — Nachname unsicher; wohl dieselbe Person wie 'Jost Bertternn' auf Blatt 54r.
  6. Geilmann — Anfangsbuchstabe nicht ganz sicher, auch 'Seilmann' möglich.
  7. Caspar — Vorname des Hans von Eschwege nicht ganz sicher lesbar.

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HandschriftS. 116 Bl. 56v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 116

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteJörge Freundt, Rentschreiber zu Eschwege, Johann Schaffnit der Ältere, Johann Nidernstein, Johann Casselmann, Hans Meuth, Heinz Meinhardt, Chias Chorey,

2

Curt Ruland, Jörge Gauwler, Hans Möller der Ältere, Alexander Jordan, Bernhard Wallis und andere Bürger, die Pfänner sind.

3

Geschehen zu Allendorf an der Werra, den 1. September im Jahr 1547.

4

Der Herr Statthalter berichtet über die Verhandlung zu Kassel und gebietet den Verordneten der Pfänner bei den Pflichten, mit denen sie unserem gnädigen Fürsten und Herrn verbunden sind,

5

anzuzeigen, was sie sich überlegt haben, wie dem Mangel zuvorzukommen sei, und zum Besten mit ihrem Rat zu helfen.

Unsichere Lesungen

  1. Nidernstein — Anfangsbuchstabe N/R mehrdeutig; wohl dieselbe Person wie 'Johann Riedennstein' auf Blatt 54r.
  2. Chias Choreÿ — Vor- und Nachname unsicher (auf Bl. 54r als 'Chias Cherey' gelesen).
  3. Rulanndt — Anfangsbuchstabe R/M mehrdeutig; auch 'Mulanndt' möglich.
  4. Gauwler — Nachname unsicher; auch 'Gaißler' oder 'Saurler' denkbar.
  5. Pfentzsch — Wort nach 'Bürger die' nicht sicher lesbar; dem Sinn nach 'Pfänner'.

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HandschriftS. 117 Bl. 57r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 117

1

Daraufhin haben die Pfänner eine kurze Bedenkzeit erbeten; sie ist ihnen zugestanden worden.

2

Nach der gehaltenen Beratung sagt Widenstein im Namen der gemeinen Pfänner, dass die Verordneten den Bericht des Herrn Statthalters angehört haben und sich ohnehin von sich aus in der Pflicht wissen;

3

Und weil es auch unseren gnädigen Fürsten und Herrn mit angeht, den Brunnen instand zu setzen, bitten sie, ihre Bedenken anzuhören, und erkennen sich für verpflichtet, sich das zu verdienen.

4

Darauf hat der Herr Statthalter gesagt, sie hätten zu bedenken, dass dieses Ansinnen allein dem Werk zugutekomme, und nochmals begehrt, diese Sache voranzubringen.

5

Johann Widenstein erinnert an die früher aufgerichteten Verträge und die Verpachtung; sie sagen, dass sie sich für verpflichtet erkennen, dem Mangel abzuhelfen, verwahren sich jedoch dagegen, dass es diesen zuwiderlaufe, und wollen davon unbeschwert bleiben;

6

und sagen, dass sie sich allezeit gegen die aufwendigen Bauten verwahrt haben; es sei aber den Werkleuten, insbesondereLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. vonn wegk — Lesung des Wortendes unsicher; sinngemäß „von wegen“ (im Namen der gemeinen Pfenner)
  2. werckleutenn — Wort mit Zierstrich durch ck; Lesung „Werkleuten“ wahrscheinlich
  3. dann= — Am Seitenende getrenntes Wort; Fortsetzung S. 118 „derlich“ ergibt wohl „sonnderlich“, erster Wortteil liest sich aber eher wie „dann“
  4. Widennstein — Anfangsbuchstabe des Namens mehrdeutig, auch „Niedennstein“ möglich (so auch S. 119)

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HandschriftS. 118 Bl. 57v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 118

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…[son]derlich Meister Jorgen Behm zu viel gefolgt worden; sie berufen sich auf den Augenschein und tun dem Brunnen Schaden, denn die Alten haben auf das alte Fundament das neue Fass gesetzt, und zwar auf eingestoßene Pfähle; zwei Fässer sind mit Ton verstopft.

2

Nun ist das Pumpwerk daraufgelegt, das nicht allein das Fass, sondern auch die Böden bewegt.

3

Darum erschüttert das Pumpwerk diesen leichten Bau; der Schaden kommt allein vom Pumpwerk, und Meister Jorgens Kunst sei daran schuld.

4

Um dem zuvorzukommen, wollten sie in aller Einfalt vorschlagen: Da das Fundament noch ganz ist, solle der Damm bis auf den Grund ausgehoben werden; dann würde man den Schaden sehen,

5

weil das Fass noch ganz sei; und das könne ohne Schaden geschehen, denn sie finden, dass die Sole im Brunnen noch wie zuvor stark genug ist.

6

Darauf antwortet der Herr Statthalter: Weil das meiste auf dem Augenschein beruht, wollen sie nach dem Essen beizeiten hinaus zum SodenLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zweÿ fasse — Lesung „fasse“ (Fässer) nicht ganz sicher, auch „faste“ denkbar
  2. erschell — Wortform unsicher; wohl „erschellt/erschüttert“
  3. kannt — Lesung unsicher, „kannt/konnt“ (= könnte)
  4. zum Sodenn — „zum“ auch als „zun“ (= zu den) lesbar

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HandschriftS. 119 Bl. 58r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 119

1

Fortsetzung von der vorigen Seitesein und dies in Augenschein nehmen; das gefällt den Verordneten unseres gnädigen Fürsten und Herrn und den gemeinen Pfännern wohl.

2

Und die Besichtigung ist gemeinsam so geschehen, rings um den Salzbrunnen, den Sohlgraben, die Pumpwerke und anderes.

3

Und Johann Widenstein sagt, dass sie den Salzbrunnen bis zum heutigen Tag frei und unbeschädigt gefunden haben, ganz so, wie er bei der Übergabe und zu Beginn der Verpachtung gewesen sei;

4

denn er habe ihn mit dem Maß gemessen, an dem der Blei- und Federstein hängt, und sie hätten dieses Maß seinerzeit genommen; dieses Maß haben die Pfänner bei sich behalten.

5

Und Widenstein sagte, dass sie den Salzbrunnen alle Jahre etliche Male geräumt und Kies und Steine herausgeräumt haben;

6

und wie er von den Alten gehört und auch selbst gesehen habe, sei so viel herausgeholt worden, dass der Brunnen jetzt damit gefüllt werden könnte.

7

Nach der heute geschehenen Besichtigung haben sich der Statthalter, der Landvogt, Heinz von Lüder, Nordeck und wir uns unterredet und entschlossen:Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Widennstein — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „Niedennstein“ lesbar (zweimal auf der Seite)
  2. der Bleÿ vnnd federnn stein — Lesung und Sachbezug unsicher; wohl Blei(lot) und Federstein am Messmaß
  3. gefult [gestrichen] — Nach „gefult“ ein kurzes, doppelt durchstrichenes Wort am Zeilenende, unleserlich
  4. Heinz vonn Lütter — Name mit Zierstrich durch tt; wohl Heinz von Lüder, Statthalter zu Kassel

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HandschriftS. 120 Bl. 58v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 120

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedass Heinrich Müldener, Jost Becker und der Rentmeister den Salzgreben der Pfänner die nachfolgende Meinung anzeigen sollen, damit diese sich darüber beraten und morgen beizeiten Antwort geben.

2

Erstens sehen Statthalter und Räte es für nützlich und gut an, dass der Sohlgraben von unten herauf bis vor das Gewölbe ganz bis auf den Grund geräumt und gesäubert werden soll, sodass das Wasser aus dem Gewölbe seinen Abfluss und sein Gefälle haben kann.

3

Zum Zweiten, dass danach derselbe Sohlgraben vom Karmeberg an bis vor das Gewölbe mit Dielen unten und auf beiden Seiten ausgefüttert und gefasst werden soll, so wie jetzt ein Stück zur Probe gemacht worden ist;

4

und die Pfänner sollen mitberaten, ob man dazu Eichen-, Buchen- oder Tannendielen nehmen soll.

5

Zum Dritten, dass der Berg am Salzbrunnen durch verständige Werkleute mit einem guten Stollen durchfahren werden soll.

6

Zum Vierten: wenn es ihnen gefiele, dass der Salz…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jost Becker — Zierstrich durch ck; auch „Berker“ lesbar
  2. Heinrich Müldener — Name; Lesung „Müldener“ (auch „Mildener“ denkbar)
  3. Karmeberge — Ortsname unsicher; Anfangsbuchstabe mehrdeutig (K/S/W), etwa „Karmeberg/Karnberg“
  4. Stutenn — Lesung unsicher; dem Sinn nach „ein Stück (Abschnitt) zur Probe“

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HandschriftS. 121 Bl. 59r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 121

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…brunnen ausgeschöpft würde, damit man den Boden sehen könnte.

2

Und wenn der Graben gesäubert ist, soll das Wasser 14 Tage aus dem Gewölbe fließen; und wenn es sich dann beim Sieden nicht bessert, soll man ein Probewerk sieden, damit man innewird, wie es darum bestellt ist.

3

Antwort der Pfänner auf den oben beschriebenen Antrag.

4

Zuvor, und ehe sie auf den Antrag Antwort geben, wollen sie angezeigt haben: Weil gestern Christof und Meister Jorg mit Worten aneinandergeraten sind, wobei einer den anderen beschuldigte, die Ursache des jetzigen Schadens zu sein,

5

so bitten sie darum, darüber einen gründlichen Bericht zu empfangen.

6

Es wird in Abrede gestellt, dass Christoff mit dem Aufräumen des Grabens Schaden getan habe; und sollte dem Brunnen Schaden geschehen sein, was man doch nicht hofft, so müsste es die Schwere des Pumpwerks getan haben.

7

Widenstein sagt zum ersten Artikel, dass sie…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. ausgeöst — „ausösen“ = ausschöpfen; Lesung wahrscheinlich, aber Wortbild eng geschrieben
  2. zusammenn kommen — Sinn: mit Reden aneinandergeraten; Wortfolge etwas unsicher
  3. Widennstein — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „Niedennstein“/„Tiedennstein“ lesbar; hier wie zuvor als Widennstein wiedergegeben

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HandschriftS. 122 Bl. 59v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 122

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…diesen nicht zu ändern wüssten, doch solle der Graben nicht tiefer ausgeführt werden, als das Gewölbe liegt; denn würde er tiefer gemacht, käme das dem Salzbrunnen nicht zugute, und er fiele auch umso mehr ein.

2

Dem zweiten Artikel, dass der Graben mit Dielen gefasst werde, haben sie ebenfalls zugestimmt.

3

Beim dritten haben sie ein großes Bedenken, denn vom Berge her kommt nicht so viel Wasser, wie von der Werra hergekommen ist, wie man beim Setzen des Kunstkastens gesehen hat; aus diesem Grund ist es auch in früheren Zeiten unterblieben.

4

Sie wollen ihnen dies zu bedenken anheimgestellt haben und können auch ohne Vorwissen aller Pfänner nicht darin einwilligen.

5

Ferner, dass ein Damm geschlagen werde, damit die Werra nicht herabdringen kann: Das ist geschehen.

6

Ferner, dass auf ein leichteres Pumpwerk gedacht werde, damit Meister Jorgens schweres Pumpwerk abgeschafft werden kann.

7

Schaffnit sagt: Wenn der Salzbrunnen Schaden hätte, …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. liederlicher kunst — „liederlich“ hier wohl = leichter, geringer (einfacheres Pumpwerk); Lesung sicher, Deutung erschlossen
  2. Schaffnit — Personenname; Lesung wahrscheinlich, sonst nicht belegt

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HandschriftS. 123 Bl. 60r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 123

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… so muss es an Jörgens Kunst (Pumpwerk) liegen und an keinem anderen.

2

Heinz Luthers Rat ist: Wenn Fluten kommen, soll vor dem Gewölbe ein Damm geschlagen werden, und das Wasser, das aus dem Gewölbe kommt, soll mit einem Taghaspel herausgezogen werden.

3

Bescheid

4

Der Statthalter sagt, dass der Sohlgraben bleiben und so gemacht werden soll, wie die Pfenner es begehrt haben, sodass vor dem Gewölbe ein Gefälle von einem Fuß ist.

5

Wegen des Stollens soll es dabei bleiben, bis der Salzbrunnen gebaut wird.

6

Der Sohlgraben soll gefasst werden, und sie sollen die Baukosten mittragen helfen.

7

Der Damm soll so geschlagen werden, dass die Werra nicht herabgehen kann.

8

Was die Kunst betrifft – dass sie dem Born schädlich sei –, soll danach getrachtet werden, ein einfaches Pumpwerk zur Förderung der Sole einzurichten.

Unsichere Lesungen

  1. Jorgenn kunst — Deutung unsicher: Jörgens Kunst (Pumpwerk) oder Personenname Jorge Kunst; Satzanfang liegt auf der Vorseite
  2. keinem annderm — Endungen der beiden Wörter (m/r bzw. m/nn) nicht ganz sicher
  3. liederlich — frühnhd. liederlich = leicht, mühelos; Lesung ziemlich sicher

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HandschriftS. 124 Bl. 60v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 124

1

Der Pfenner Widenstein bittet: Was sie in dieser Sache geredet haben, das haben sie treulich und gut gemeint; man möge es ihnen nicht verdenken.

2

Dass sie aber die Kosten des Sohlgrabens mittragen sollen, dazu meinen sie nicht verpflichtet zu sein.

3

Zum anderen, dass sie die Bauleute für die Kunst (das Pumpwerk) mitbestellen sollen: Dafür haben sie jetzt niemanden außer Meister Hansen; darauf hat der Herr Statthalter den Bescheid gegeben:

4

Weil der Bau am Sohlgraben ihnen nicht nur zur Zeit der Verpachtung, sondern auch danach zugutekommt, sollen sie den Graben mitbauen und alle Unkosten zur Hälfte tragen und bezahlen helfen.

5

Dagegen protestieren die Pfenner; sie wollen aber die einhundert Gulden Schulden entrichten, die zuvor unserem gnädigen Herrn bewilligt worden sind und die sie noch für den Bau des Sohlgrabens schuldig sind.

6

Verhandelt zu Allendorf, den 2. September im Jahr 1547.

7

Nach dem heutigen Abschied haben der Statthalter und Landvogt, Heinz von Lutter, Nordeck und wir anderen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Widennstein — Anfangsbuchstabe W/N nicht sicher; auch 'Nidennstein' (vgl. 'Niedennstein' PDF-S. 136) möglich
  2. hievor hiever — Zwei fast gleiche Wörter hintereinander, wohl Dittographie des Schreibers; Übersetzung gibt nur 'zuvor' wieder
  3. Nordeck — Endung -ck mit Zierstrich; Familienname von Nordeck, Lesung ziemlich sicher
  4. soll sie — so die Vorlage; grammatisch 'sollen sie' zu erwarten

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HandschriftS. 125 Bl. 61r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 125

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… samt den Verordneten der gemeinen Pfenner den Salzbrunnen aufs Niedrigste ausschöpfen lassen und ihn danach durch die nachbenannten Werkleute im Brunnen besichtigen lassen.

2

Es hat sich nachmals wie zuvor gezeigt, dass das Fass im Grund an etlichen Orten hohl und schadhaft ist, wie man die Werkleute dazu angehört hat und es hernach verzeichnet ist.

3

Meister Jorge hat auch beide Röhren zugleich laufen lassen müssen, damit man sehe, wie sehr die Kunst am Salzbrunnen und am Boden bewegt (in Bewegung gesetzt) wird.

4

Hans, der Steinmetz, ist gefragt worden, wie er das Werk des Salzbrunnens befunden habe, ob Jörgens Kunst dem Born schädlich sei oder nicht und wie dem zu helfen sei.

5

Er sagt, das Werk sei dem Born schädlich; auch sei das Werk unten zerbrochen, und sein Rat wäre, dass der Born zuerst mit Holzwerk und danach ringsherum mit Steinen gefasst werde.

6

Er meint auch, dass ein Zug mit Gewicht daraufgesetzt werden könnte, der so viel Sole herausbringen könnte wie die jetzige Kunst.

Unsichere Lesungen

  1. wans — frühnhd. wan = leer, schadhaft; Lesung nicht ganz sicher, auch 'wanck' denkbar; übersetzt als 'schadhaft'
  2. Rörenn — Anfangsbuchstabe R/K im Duktus mehrdeutig; 'Röhren' (der Kunst) nach dem Kontext
  3. Bodenn — Wort mit Querstrich – wohl Zierstrich, keine Tilgung
  4. [gestrichen: Frannckfurt] — Herkunftsangabe gestrichen; nach 'gefragt' zusätzlich ein gestrichener Schnörkel/Buchstabe, unleserlich
  5. könt — Lesung könt/kömt; dem Sinn nach 'könnte'

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HandschriftS. 126 Bl. 61v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 126

1

Er sagt auch, dass auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt; darum soll man zwölf Pumpen in den Born setzen und ihn ausschöpfen, damit man den Grund sehen könnte.

2

Meister Antonius, Baumeister zu Ziegenhain, sagt auf die Frage des Statthalters, ob die Kunst dem Born Schaden tue oder nicht und wie dem Born zu helfen wäre:

3

Die Kunst sei dem Born nicht nützlich, denn der Born sei in der Mitte niedrig, und das Fass sei an etlichen Orten leer; das habe die Kunst mit den Schläuchen herausgezogen.

4

Wer den Born gebaut hat, der hat ihn auf den Kies gesetzt; darum musste man eine Kunst einsetzen, damit der Born ausgeschöpft würde und man dem Born auf den Boden sehen könnte.

5

Er meint auch, es sei besser, dass hölzerne Röhren und lederne Schläuche gesetzt würden; die hätten weder Gewalt noch Last auszuhalten und sollten in einem Trog laufen.

6

Der Ton sei nachlässig hineingebracht worden und sei klumpig.

Unsichere Lesungen

  1. zwölff pompenn — Zahlwort zwölf; Lesung ziemlich sicher, aber auffällig hohe Zahl
  2. kies — Anfangsbuchstabe k/b nicht ganz sicher; 'Kies' nach dem Kontext (Brunnengrund)
  3. vnnfleissige — Lesung unsicher; verstanden als 'unfleißig' = nachlässig
  4. klomperchtige — Wort mit langem Querstrich – wohl Zierstrich/Unterstreichung, keine Tilgung; Lesung klomperchtige/klemperchtige, verstanden als 'klumpig'

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HandschriftS. 127 Bl. 62r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 127

1

Gegen Mittag (Süden) hin gehe eine Ader stark; aber das darüber Liegende sei noch zu grob, sodass man nicht genau sehen könne, wo sie hervortritt.

2

Heinz von Lutter sagt, dass es in Lothringen viele Salzwerke gibt, die gemeinhin im Moorgrund liegen; Balthasar Merz und Meister Kunz, der Zimmermann, haben sie besichtigt und vielleicht ein Verzeichnis darüber gemacht.

3

Deswegen hat man sich zu erkundigen und von dem Ort Leute zu bekommen, die guten Rat geben könnten.

4

Meister Hans Güldenzopf vom Freunberg sagt, es tue not, dass der Born neu gefasst und diesen Winter dazu alle Bereitschaft (alles Nötige) beschafft werde.

5

Die beste Fassung ist, ins Geviert (viereckig) zu setzen; das ist viel besser, als mit dem Runden zu fassen.

6

Diese alte Fassung sei sehr baufällig; und wäre das Werk von einem Werkmann gemacht worden, wäre es beständiger und kunstgerechter.

7

Es sollen zwei Schächte gemacht werden; diesen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Tast — Lesung Tast/Last unsicher; verstanden als das über der Ader Liegende, das die Sicht verwehrt
  2. ereugtt — Zierstrich durch tt, keine Tilgung; ereugen = sich zeigen
  3. gemohr — wohl 'Gemoor' (Moorgrund); Lesung ziemlich sicher
  4. Freunbergk — Herkunftsname unsicher; auch Frauenberg, Freudenberg oder Creuzberg denkbar
  5. bereitschafft verschafft — beide Wörter mit Zierstrich durch fft, keine Tilgung
  6. vnnd sey werck — Wortlaut syntaktisch hart; 'hette' mit Zierstrich durch tt, keine Tilgung; Übersetzung sinngemäß

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HandschriftS. 128 Bl. 62v

ÜbersetzungSeite 128

1

Winter das Ösen (Ausschöpfen) des Borns, und man könnte gleichwohl sieden. Wenn der Born bis auf den Grund geöst würde, könnte man von den Adern reden. Wenn die Salzader noch geringer wäre als diese, so könnte man es durch die Wasserschächte innewerden und die gebührenden rechten Adern finden. Wenn man die rechte Ader finden will, so muss man ihrer Natur nachfolgen; denn es ist gewiss, dass die rechte Sole in einem besonderen Gehäuse geht. Die Dauben am Fass des Salzborns sind zum Teil scharf. Ich kann nicht befinden, dass die jetzige Kunst dem Born Schaden tut, denn die Schläuche stehen nicht auf dem Boden oder Grund. Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, sagt, wenn diese jetzige alte Fassung bleiben sollte, dass man die Ader, die außerhalb des Fasses geblieben ist, insbesondere fassen müsste, inwendig und auswendig. Der Born ist unten viel enger als oben, und wenn

Unsichere Lesungen

  1. Z. 1: Östenn — Ostern oder Osten unklar
  2. Z. 3: geöst — ösen = ausschöpfen, Lesung wahrscheinlich
  3. Z. 10: gehenße — Gehänge? Endung unklar
  4. Z. 15: Wezell — Name, e/a unsicher

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HandschriftS. 129 Bl. 63r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 129

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… aus ganzen Dielen; jedes Fass wurde zu verschiedenen Zeiten gesetzt.

2

Auf diese Anhörung und diesen Bericht hin ist beschlossen worden, dass der Damm um den Salzbrunnen jeweils zu einem Achtel auf einmal geöffnet und dann von neuem ausgedämmt werden soll; so kann es ringsum ganz ohne alle Beschwernis geschehen,

3

und dadurch wird man gewahr, ob am Salzbrunnen ein Mangel besteht oder nicht, denn das Fass ist noch überall ganz und gut.

4

Jorge Behm wurde ernstlich befohlen, dieses Pumpwerk abzubauen und ein anderes, leichteres Werk zur Förderung der Sole zu bauen;

5

aber er weiß kein anderes Werk zu bauen, außer dass er dieses Werk anders fassen und aufhängen will,

6

das Haus über dem Brunnen abbrechen und den Stall nach hinten versetzen, auch im Salzbrunnen unter der Schleuche (Zulaufrinne) einen Kasten anbringen will, doch so, dass er nicht auf den Boden rückt.

7

Wenn man den Brunnen aufreißt, könnte man es wohl noch schlimmer machen; darum wäre es nötig, den Brunnen ganz auszuschöpfen (auszuösen); dann könnte man die Adern erkennen und den Mangel sehen.

Unsichere Lesungen

  1. Tam — Anfangsbuchstabe nicht ganz sicher (T/S); dem Sinn nach Damm um den Salzbrunnen
  2. außgetembt — Lesung der Buchstabenfolge -embt gesichert per Zoom; gedeutet als ausgedämmt
  3. geseztt — Satzanfang fehlt (steht auf der Vorseite); Zierstriche durch tt

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HandschriftS. 130 Bl. 63v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 130

1

Über diese geführten Verhandlungen ist dem hochgedachten, unserem gnädigen Fürsten und Herrn mit Wissen des Herrn Statthalters in die schwere, harte Gefangenschaft (Custodie) schriftlicher Bericht erstattet worden, folgenden Inhalts:

2

Dem durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen etc., unserem gnädigen Fürsten und Herrn.

3

Durchlauchtiger, hochgeborener Fürst, Euer Fürstlichen Gnaden seien unsere untertänigen, schuldigen und ganz bereitwilligen Dienste allezeit zuvor entboten, gnädiger Fürst und Herr.

4

Wiewohl wir bisher von einer Zeit zur anderen Euer Fürstlicher Gnaden Freilassung und Heimkehr mit herzlichem und höchstem Verlangen erhofft haben und noch täglich erhoffen, insbesondere weil die Artikel der Kapitulation alle vollzogen sind,

5

so werden Euer Fürstliche Gnaden doch, Gott sei es geklagt, trotz alledem von Tag zu Tag hingehalten; deswegen wir …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Custodien — gemeint ist die Gefangenschaft Landgraf Philipps (1547-1552)
  2. geclagt — c/r schwer unterscheidbar; Formel leider Gott geklagt

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HandschriftS. 131 Bl. 64r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 131

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… großes, herzliches Mitleiden tragen; und doch zwingt uns die äußerste Not, an Euer Fürstliche Gnaden diesen schriftlichen Bericht über die Lage des Salzwerks zu Sooden zu richten.

2

Wir hätten aber, weiß Gott, Euer Fürstliche Gnaden bei ihren jetzigen großen und äußersten Beschwernissen gern damit verschont; doch haben wir es nicht länger umgehen noch aufschieben können, und es verhält sich so:

3

Euer Fürstliche Gnaden haben am vergangenen 29. Juni dieses Jahres aus dem kaiserlichen Lager zu Neustadt an dero Statthalter und Räte hier in Kassel wegen des Salzbrunnens zu Sooden folgendermaßen geschrieben:

4

Weil Euer Fürstliche Gnaden vor ihrer Abreise befunden haben, dass der Salzbrunnen zu Allendorf an der Werra mangelhaft sei, so sei es Euer Fürstlicher Gnaden Wille, dass die Statthalter und Räte mit dem Rat etlicher Pfänner und anderer verständiger Biederleute es unternehmen sollen, diesem Mangel abzuhelfen,

5

doch in jedem Fall mit der Vorsicht, dass das Übel nicht noch schlimmer gemacht werde.

Unsichere Lesungen

  1. zur Neuenn stadt — kaiserliches Feldlager zu Neustadt; welcher Ort gemeint ist, bleibt offen
  2. so seÿ E. f. gl. — elliptisch; zu ergänzen wohl Wille oder Befehl

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HandschriftS. 132 Bl. 64v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 132

1

Daraufhin wurden vier der vornehmsten und ältesten Pfänner auf den 11. Juli hierher nach Kassel geladen,

2

und von Euer Fürstlichen Gnaden wegen sind deretwegen der Statthalter, der Landvogt und Doktor Walther, Euer Fürstlichen Gnaden Amtsknechte dahin nach Sooden, sowie wir beide bei dieser Verhandlung zugegen gewesen,

3

und es wurde gründlich beraten, wie und auf welche Weise diesem Mangel abgeholfen werden könnte oder möchte.

4

Daher ist damals beschlossen worden: Weil die Söder immerfort klagen und doch im Pfännerbuch stand, dass man ihren Klagen nicht leichthin Glauben schenken solle,

5

und es doch wohl sein könnte, dass die Bauten um den Salzbrunnen durch die Länge der Zeit etwas mangelhaft geworden sein könnten:

6

dass nach dem abgehaltenen, zu jener Zeit als nächstes für die kaiserlichen Kommissarien anberaumten Landtag der Statthalter, der Landvogt, Nordeck, Heinz von Lutter und andere sachverständige Werkleute

7

an einem bestimmten Tag, den der Statthalter benennen sollte, zur Besichtigung nach Sooden kommen (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. dhin Sodem — Wort vor der Einfügung Sodem unsicher gelesen (dhin = dahin?); Einfügung über der Zeile
  2. kont — Lesung des Wortes am Zeilenende nicht ganz sicher (kont = könnte)
  3. schieste — Lesung unsicher; wohl Form von schierst (= nächst bevorstehend)
  4. Heinz von Lutter — Name nicht ganz sicher; vermutlich Heinz von Lüder
  5. Kay: — Kay: mit horizontalem Kürzungsstrich (kaiserlichen); kein Tilgungsstrich, vgl. Kayr: Mayt: auf Blatt 65r

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HandschriftS. 133 Bl. 65r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 133

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… und über diesen Mangel zu beraten, wie ihm am besten und nützlichsten vorgebeugt werden könnte.

2

Desgleichen sollten die Pfänner sich ebenfalls gehörig darauf vorbereiten und sich auch mit Fleiß um sachverständige Bauleute bemühen.

3

Mittlerweile sollte der Sohlgraben bis vor das Gewölbe — wie wir denn damals bereits vor diesem Tag an der Arbeit waren — so weit es menschlich und möglich ist, geräumt werden,

4

ob man vor dem Gewölbe außerhalb des Soodens einen Abfluss (Abfall) gewinnen und haben könnte.

5

Weil aber unterdessen vielerlei bedeutende Geschäfte Euer Fürstlicher Gnaden anfielen, auch in dieser Zeit Euer Fürstlicher Gnaden Statthalter etwas schwach (kränklich) war,

6

und ich, Jost, mit dem letzten Geld nach Speyer geschickt wurde, um es der Kaiserlichen Majestät zur endgültigen Entrichtung der Kapitulationsartikel zu überbringen,

7

hat sich dieser Termin bis auf den letzten August hinausgezogen und verzögert.

8

Da sind an diesem Tag von Euer Fürstlicher Gnaden wegen zu Allendorf (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jnn gleichnus — Lesung des ersten Wortes (Jnn/Jm) nicht ganz sicher; Sinn: desgleichen
  2. enndtlicher enndtlicher — Wortdoppelung am Zeilenumbruch (Zeile 15/16), so in der Vorlage
  3. Kayr: Mayt: — beide Wörter mit horizontalem Kürzungsstrich (Kayserlicher Maytstät)

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HandschriftS. 134 Bl. 65v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 134

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… angekommen: der Statthalter zu Kassel, der Landvogt, Heinz von Lutter, Johann Nordeck, Valentin Thulde und wir beide samt Euer Fürstlicher Gnaden Amtsknechten, zum Sooden,

2

und von wegen der gemeinen Pfänner, und auch für sich selbst, an die dreißig Personen von Prälaten, Adel und Bürgern, die alle Mitpfänner waren.

3

Da wurde die vorige, oben berührte Verhandlung und der Abschied zu Kassel wiederholt,

4

und nach vielen langen, hin und her geführten Reden beschlossen, dass der Salzbrunnen aufs allertiefste ausgeschöpft und danach besichtigt werden sollte.

5

Also machte man sich sogleich daran: der Salzbrunnen wurde ausgeschöpft bis auf eine Elle tief Sole.

6

Danach sind von Euer Fürstlicher Gnaden und der gemeinen Pfänner wegen ich, Heinrich Muldenner, Johann Niedenstein, Bürgermeister, und der Salzgräfe der Pfänner zu Allendorf samt vier Werkmeistern — nämlich Meister Hans von Frankfurt, Stein… (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Valtin Thulde — Familienname unsicher gelesen (Thulde/Chulde?)
  2. that mann zustundt ann — Wendung unsicher; wohl: machte man sich sogleich daran
  3. Hienrich Muldenner — Name unsicher gelesen (Muldenner/Wuldenner?)

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HandschriftS. 135 Bl. 66r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 135

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…metz, Bürger zu Homberg in Hessen, Euer fürstlichen Gnaden Baumeister zu Ziegenhain Anthonius, Meister Hans Guldenkopf von Weimar in Thüringen, der mehrere Salzwerke gebaut hat, und dazu einen Zimmermann namens Hans Wetzel,

2

der Euer fürstlichen Gnaden etliche Jahre im Siedehaus (Boden) an allerlei Bauten gearbeitet hat; sie wurden verordnet, in den Salzbrunnen bis auf den Grund hinabzusteigen und alle Mängel zu besichtigen — dem sind wir dann auch so nachgelebt und nachgekommen.

3

Da haben wir genau und augenscheinlich befunden, dass das Fass im Salzbrunnen auf dem Grund und auch der Damm mangelhaft sind, und wir haben unter dem Fass hindurch mehr als eine Elle weit in den Damm hineingreifen können.

4

Nach dieser Besichtigung auf und um den Salzbrunnen, den Sohlgraben, die Pumpwerke (Künste) und anderes, wie sie an diesem Tag und in dieser Weise geschehen ist,

5

haben die Pfänner begonnen, den Salzbrunnen mit einer Wardel oder Leine, an der bleierne Zeichen und Federn hingen, nach Höhe, Tiefe, Weite und Länge innen und außen zu vermessen,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. E. f. gl. — Abkürzung mit Schlaufenbuchstabe; Auflösung als 'Euer fürstlichen Gnaden' aus dem Kontext (Bericht an den Landgrafen), Lesung des ersten Buchstabens nicht ganz sicher
  2. Tam — Anfangsbuchstabe T mit Querstrich; auch Lesung 'Cam' (Kamm) denkbar, gemeint ist der Damm um das Brunnenfass
  3. artts — Wohl 'orts' gemeint (des Tages und Ortes); Vokal sieht wie a aus
  4. Zeichl — Wortende undeutlich; wohl bleierne Zeichen/Senkbleie an der Messleine

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HandschriftS. 136 Bl. 66v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 136

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteund danach durch Niedenstein den Herren Räten sagen lassen, dass sie den Salzbrunnen an diesem Tag — ganz so wie bei der Wiederübergabe zu Anfang der Verpachtung (Location), die im vergangenen Jahr 1541 am 1. Mai stattfand — noch unbeschädigt vorgefunden haben.

2

Dass aber der Boden am Grund an etlichen Orten etwas tiefer liegt als das Fass, kommt daher, dass die Alten den Salzbrunnen von Jahr zu Jahr gesäubert und viel Kot, Kies und Steine daraus geräumt haben;

3

und davon sei so viel herausgeholt worden, dass der Salzbrunnen jetzt damit gefüllt werden könnte; dadurch konnte sich dann unter dem Fass und Damm wohl wildes Wasser einschleichen.

4

Denn wir stellen auch tatsächlich fest, dass sich etliches wilde Wasser, das in der Abzucht (dem Abflussgraben) stand, ebendort verloren hat.

5

Und niemand kann es anders verstehen, als dass dieses Wasser durch den baufälligen Damm in den Salzbrunnen fällt.

6

Aber die Salzadern im Salzbrunnen und im Fass gehen, Gott sei Lob, noch so stark und gewaltig, wie sie es je und allezeit getan haben;

7

denn es warLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Niedennstein — Wohl Ortsname Niedenstein oder Personenname; als Vermittler der Nachricht an die Räte genannt
  2. Rethenn — Am Zeilenumbruch Re=thenn; Lesung 'Räten' aus dem Sinn, erster Buchstabe nicht ganz eindeutig
  3. konnt — Beide Male stark verschliffen geschrieben; Lesung 'konnt(e)' aus dem Sinn

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HandschriftS. 137 Bl. 67r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 137

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…damals nicht möglich, den Salzbrunnen tiefer als bis an das Knie eines Mannes auszuschöpfen (zu ösen) und zu bewältigen; sie [die Salzadern] dringen mit aller Gewalt durch den Kies heraus, worüber wir alle sehr erfreut waren.

2

Danach hat man sich von allen Seiten notdürftig hin und her unterredet und beratschlagt, wie und auf welche Weise diesem Mangel ohne Nachteil — und ohne das Übel ärger zu machen — geraten und geholfen werden könnte, und damals endlich Folgendes beschlossen und verabschiedet:

3

Weil damals im Sommer eine merkliche und große Dürre in diesen Landen herrschte, wodurch gemeinhin viele und fast alle Brunnen vertrockneten, war deshalb zu vermuten, dass auch die Sole im Salzbrunnen nicht so stark und gut wie zuvor sein möchte,

4

wie es denn in jeder Laubrise (zur Zeit des Laubfalls) jedes Jahr geschieht — und doch hat sich hernach, wenn die Berge wieder voller Wasser werden, die Sole auch wieder gebessert.

5

Darum sollte man es bisLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. gemeintlich — Am Zeilenumbruch gemeint=lich; wohl Nebenform von 'gemeiniglich'
  2. Laubrosenn — Lesung des Vokals unsicher; wohl 'Laubrise' = Zeit des Laubfalls, Herbst

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HandschriftS. 138 Bl. 67v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 138

1

Fortsetzung von der vorigen Seite[Darum sollte man es] ansehen, bis die Berge wieder wasserreich würden.

2

Doch sollte mittlerweile der Sohlgraben außerhalb der Siedehäuser (Boden), von unten herauf bis vor das Gewölbe, an dem Ort, wo Euer fürstliche Gnaden vor zehn Jahren, als der erste Vertrag aufgerichtet wurde, die Sieder schöpfen ließ,

3

ganz bis auf den Grund vollends geräumt und gesäubert werden, sodass das wilde Wasser aus dem Gewölbe einen Abfluss und ein Gefälle haben könnte, damit um den Salzbrunnen ganz und gar kein Wasser stehen bleiben müsste.

4

Und wenn der Sohlgraben so gesäubert und das Gefälle erreicht wäre, sollte das wilde Wasser vierzehn Tage aus dem Gewölbe fließen, damit man sähe, ob es sich mit dem Sieden bessern würde.

5

Daneben ist auch im Rat beschlossen worden: Wenn man vor dem Gewölbe ein Gefälle erreichen könnte, das dem ganzen Salzwerk höchst tröstlich und nützlich wäre — welches doch die Alten nie gehabt haben —,

6

dass dann der Sohlgraben gefasst und auf beiden Seiten mit Dielen ausgekleidet (gefüttert) werden sollte.

Unsichere Lesungen

  1. Soder — Lesung sicher bis auf Deutung; wohl 'Söder' = Sieder (Siedeleute), vgl. fol. 68r 'die Söder ... gesottenn'

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HandschriftS. 139 Bl. 68r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 139

1

So hat man, Gott sei Dank, am 8. Oktober das Gefälle vor dem Gewölbe einen Fuß hoch erreicht, wie es die Alten, obwohl sie schon allerlei Künste (Pumpwerke) gebraucht haben, nie gehabt haben.

2

Danach haben wir vierzehn Tage verstreichen lassen, um zu sehen, ob sich das Sieden bessern wollte, und auch bis Martini gewartet, bis das Gebirge ziemlich wasserreich geworden ist.

3

Da haben wir befunden, dass die Söder etliche Stunden weniger als zuvor gesotten haben; aber dennoch sieden sie länger als die vorige Zeit und bleiben bei ihrer Klage.

4

Deswegen haben wir dies dem Statthalter angezeigt, uns über allerlei unterredet und beschlossen:

5

weil der Salzbrunnen gebaut und ausgebessert werden sollte und musste, und Euer Fürstliche Gnaden dies doch nicht allein zu tun hatten, sondern die Pfänner mitraten und einwilligen mussten,

6

dass wir beide mit dem Salzgräfen der Pfänner darüber verhandeln sollten, wie wir es denn am jüngst vergangenen Martinstag gebührend getan haben.

7

Nun steht der Artikel über das Bauen in der Location (dem Pachtvertrag) wie folgt.

Unsichere Lesungen

  1. Martin — wohl Martini (11. November); Endung am Zeilenende undeutlich

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HandschriftS. 140 Bl. 68v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 140

1

Wenn aber wir oder unsere Erben an Befestigungen, desgleichen am Salzbrunnen etwas Neues bauen und die Pfänner, ihre Erben oder Nachkommen dazu heranziehen wollten,

2

so soll das mit Wissen und Willen der Pfänner geschehen.

3

Doch soll den Pfännern hierin vorbehalten sein: Wenn sie befinden würden, dass dieselben Bauten ihnen oder dem Salzwerk gefährlich, nicht dienlich oder sonst beschwerlich und unzuträglich wären,

4

dass sie dann auch dazu nicht verpflichtet oder obligiert sein sollten.

5

Auf diesen Antrag haben die Salzgräfen der Pfänner Zeit begehrt, um das an die gemeinen Pfänner gelangen zu lassen; dann wollten sie uns in Kurzem deren Meinung anzeigen.

6

Daraufhin haben sie alle vornehmsten, auswärtigen und anderen Pfänner auf den jüngst vergangenen Nikolaustag nach Allendorf geladen, wo auch wir erschienen sind,

7

und auf ihre endgültige Antwort — damit man solches in der Eile an Euer Fürstliche Gnaden gelangen ließe und sich unterdessen mit der Vorbereitung zum Bau einrichtete — (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Vestunngenn — Lesung V/B am Wortanfang nicht ganz sicher; Sinn: Befestigungen
  2. Jzo nehistverschienenem — Wortfolge (Jzo = jetzo) und Endung unsicher

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HandschriftS. 141 Bl. 69r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 141

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) gewartet werden möchte.

2

Die Salzgräfen der Pfänner haben uns aber am 12. Dezember die Antwort gegeben, dass die auswärtigen Pfänner damals alle ausgeblieben seien – vielleicht aus dem Grund, dass zu jener Zeit alle Gewässer dieser Landesgegend überaus stark angeschwollen und reißend gewesen seien, sodass niemand habe reisen können.

3

Sie wollten aber alle auswärtigen Pfänner – weil diese den größten Anteil an ihrem Salzwerk haben – sogleich schriftlich laden, auf das nächstkommende Weihnachtsfest wieder nach Allendorf zu kommen,

4

in der Zuversicht, sie würden erscheinen; und was sie alsdann beschließen, wollten sie uns aufs Förderlichste mitteilen, worauf wir nun warten müssen.

5

Was uns nun von ihnen zur Antwort wird und wie und auf welche Weise sie in den Bau einwilligen, davon wollen wir Eure Fürstlichen Gnaden aufs Eiligste verständigen.

6

Wenn sie dann in den Bau oder wenigstens darin einwilligen, den Damm rings um den Salzbrunnen zu renovieren und zu erneuern, so wird es vonnöten sein, dass Eure Fürstlichen Gnaden Leute dazu verordnen, die von der Sache und vom Bauen (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Salzgreuenn — Lesung des Anfangsbuchstabens (S) nach Kurrent-Duktus; gemeint sind die Salzgräfen
  2. E. fgl. — Abkürzung für 'Euer fürstliche Gnaden'; erster Buchstabe im Duktus zwischen E und L

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HandschriftS. 142 Bl. 69v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 142

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) guten Verstand haben und darin Bescheid wissen.

2

Cedula (Beizettel).

3

Die Herren haben auch die Kunst (das Pumpwerk) Jörg Böhmes, des Bornmeisters, besichtigt, die er zum Heraufbringen der Sole am Salzbrunnen gebraucht, und darüber mit den Pfännern beratschlagt, ob die Kunst dem Salzbrunnen Schaden zufügen könnte oder nicht.

4

Die Werkleute sind zu dem Schluss gekommen, dass die Last keinen besonderen Schaden anrichten könnte.

5

Weil aber die Last auf dem Damm des Salzbrunnens stand, hat man ihm gestattet, etliche Streben anzufertigen, die so lang sein sollten, dass sie über den Damm reichen und die Last auf den Born abgeben; diese sollten seine Kunst tragen.

6

Und er sollte dies vor Michaelis (29. September), wenn das Sieden nicht intensiv wäre, aufrichten; damit hat er sich jedoch gesäumt und wollte es erst zu Martini (11. November) aufrichten, als das Sieden am intensivsten war.

7

Weil er uns dadurch ein Kaltliegen (Stillstand der Siedepfannen) verursacht und uns eine ganze Woche am Sieden gehindert (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Kaldtleger — Lesung unsicher (Kaldtleger/Kaldtfeger); erster Buchstabe K oder B, gemeint wohl das Kaltliegen der Pfannen
  2. vnd denn last vfm Bornn gebenn — 'gebenn' Lesung wahrscheinlich, syntaktisch hart (die Last auf den Born abgeben)

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HandschriftS. 143 Bl. 70r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 143

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) hatte, und auch, weil solches, sobald der Salzbrunnen gebaut würde, wieder abgetan werden müsste, haben wir ihm nicht gestatten wollen, es zu dieser Zeit aufzurichten –

2

insbesondere deshalb, weil man, wenn der Born erst ordentlich ausgebaut ist, darauf auch allerlei Pumpwerke ohne allen Nachteil gebrauchen kann.

3

Dies wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden in Untertänigkeit ebenfalls nicht vorenthalten.

4

Datum wie im Brief.

5

Zettel.

6

Auch, gnädiger Fürst und Herr: Eure Fürstlichen Gnaden haben den bisherigen Pfarrer zum Sooden dazu verordnet, das vierte Wart-Register als Gegenkontrolle zum Rentmeister zu führen.

7

Nun ist der besagte Pfarrer dieser Tage plötzlich verstorben.

8

Weil die Pfarre ein ziemlich gutes Einkommen hat, vernehmen wir, dass sich viele darum bemühen.

9

Und darum ist es vonnöten, dass Eure Fürstlichen Gnaden auf eine Person bedacht sind, der Eure Fürstlichen Gnaden vertrauen und die an diesem Ort bei den Södern (Salzsiedern) dient, weil diese täglich wegen des Lasters des Saufens gestraft und davon abgehalten werden müssen.

10

Das wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden ebenfalls nicht verbergen.

11

Datum wie im Brief.

Unsichere Lesungen

  1. das vierdt Wardt Register — 'Wardt' (Wart-/Wachregister) Lesung wahrscheinlich, Wortbedeutung nicht ganz sicher
  2. Söder — Lesung mit ö; gemeint die Salzsieder zum Sooden

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HandschriftS. 144 Bl. 70v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 144

1

Es sagte damals auch Heinz von Lutter, dass er in Lothringen gesehen habe, dass noch schwierigere Salzbrunnen als dieser gefasst worden seien.

2

Und es wurde auch von beiden Seiten besprochen: Wenn man den Salzbrunnen bauen wolle, wäre es nützlich und gut, rings um den Salzbrunnen fünf oder sechs Siedehäuser (Boden) – da man von diesen ohnehin eine Menge habe – abzubrechen und Raum zu schaffen.

3

Alsdann könnte man den Salzbrunnen, so wie er jetzt ist, stehen lassen und alles wilde Wasser, das rings umher einfällt, ohne alle Beschwernis in den Sohlgraben abführen.

4

Es war auch etlicher Rat und Meinung, dass der Salzbrunnen und der Damm bis auf den Umgang – in den Eure Fürstlichen Gnaden mehr als einmal hinabgestiegen sind –

5

weit genug vom Born und Damm ringsumher umfangen und mit behauenen Quadersteinen gefasst werden sollten.

6

Wo sich dann irgendein wildes Wasser zeigt, könnte man das alles in den Sohlgraben leiten, weil man das Gefälle, wie oben steht, gewonnen hat.

7

Darum haben Eure Fürstliche Gnaden dem auch – wie und auf welche Weise der Salzbrunnen dereinst gebaut werden sollte und könnte – (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. sorglicher — Wohl komparativisch: 'sorglichere' (bedenklichere, schwieriger zu fassende) Salzbrunnen
  2. Bodt — Boden/Bothen = Siedehäuser; Schreibung der Endung nicht ganz sicher
  3. vmfahenn — = umfahen/umfangen; Lesung ohne r geprüft (Zoom)

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HandschriftS. 145 Bl. 71r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 145

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… rechtschaffen wohl gefasst und gebaut werden.

2

Und [es ist] wohl nachzudenken, wem sie solches neben den Pfennern dazu verordnen, anvertrauen und befehlen wollen, sodass diese zu bauen willig werden.

3

Denn wahrlich, wie Euren Fürstlichen Gnaden zu raten ist, wird denselben und dem ganzen Lande viel und merklich daran gelegen sein, insbesondere weil die Alten solchen Salzbrunnen nie recht bis auf den Grund gefasst haben,

4

wie man das im Bericht über den letzten Ausbau des Brunnens, der vor ungefähr vierzig Jahren geschehen ist, sehen kann.

5

So weiß Gott, dass wir beide uns auf solche heiklen, schweren Grundbauten nicht verstehen; auch sind in diesen Landen Eurer Fürstlichen Gnaden dergleichen Bauwerke bisher nicht vorhanden gewesen.

6

Und eben dieses Gebrechen und dieser Mangel kommen zu anderem Unglück und zu ungelegener Zeit hinzu, damit ja ein Unglück nicht allein bleibe.

7

Gott der Allmächtige wolle gnädige Mittel zu einer glückseligen, förderlichen Erledigung und Beendigung [der Sache] für Eure Fürstlichen Gnaden gnädiglich verleihen;

8

alsdann könnten Eure Fürstlichen Gnaden selbst neben den Pfennern in Augenschein …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Bericht — Wort stark abgekürzt/verschliffen, Lesung ‚Bericht‘ aus dem Kontext; auch ‚Bucht‘ denkbar
  2. Vertzigk — Zahlwort mit Zierstrich; Lesung ‚vierzig‘

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HandschriftS. 146 Bl. 71v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 146

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… mit anraten und den Bau dermaßen anordnen, dass er rechtschaffen, stattlich und beständig vorgenommen und ausgeführt würde; denn wir haben uns bis hierher beholfen, wie wir konnten.

2

Euren Fürstlichen Gnaden wollen wir daneben in Untertänigkeit auch nicht verhehlen, dass wir dieses Jahr, soviel möglich gewesen ist, mit dem Sieden fortgefahren sind,

3

sodass Eure Fürstlichen Gnaden dennoch einen ziemlich guten Gewinn haben werden, obwohl es in diesem Lande keine Mast gegeben hat und auch der Mangel des Salzbrunnens eingetreten ist.

4

Wollte Gott — worum wir denn täglich bitten —, dass Eure Fürstlichen Gnaden bei der angesetzten Rechnungslegung davon hier selbst Bericht hören möchten.

5

Hiermit wollen wir Eure Fürstlichen Gnaden Gott dem Allmächtigen in seinen Schutz und Schirm und uns derselben in aller Untertänigkeit zu Gnaden befohlen haben.

6

Und wir konnten solches Euren Fürstlichen Gnaden unseren Pflichten gemäß nicht unangezeigt lassen, wiewohl wir Eure Fürstlichen Gnaden in diesen ihren jetzigen hochwichtigen Beschwernissen gern damit verschont hätten.

7

Darauf …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. mast — Lesung sicher, Bedeutung unklar: wohl (Eichel-)Mast als Einnahmequelle des Landes
  2. Wolt Gott, das wir dann teglich bittenn — Syntax der Vorlage unklar verschränkt; Übersetzung sinngemäß

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HandschriftS. 147 Bl. 72r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 147

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… [worüber Eure Fürstlichen Gnaden dann] mit und neben den Pfennern zu beschließen haben.

2

Dass wir auch dieses Schreiben an Eure Fürstlichen Gnaden haben ausgehen lassen, haben wir zuvor dem Statthalter Eurer Fürstlichen Gnaden hier berichtet und angezeigt.

3

Das wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden in Untertänigkeit ebenfalls nicht verhehlen.

4

Gegeben zu Kassel, den 14. Dezember im Jahr 1547.

5

Eurer Fürstlichen Gnaden untertänigste, schuldige und ganz bereitwillige Diener,

6

Heinrich Muldener und Jost Berber von Homberg.

7

Daneben hat Jörg Böhm auch etliche Reden hören lassen; darum wurde Valentin Schulde geschrieben, sich danach zu erkundigen.

8

Dem ehrbaren und achtbaren Valentin Schulde, Vogt zu Wanfried, unserem freundlichen lieben Schwager und besonders guten Freund.

9

Unseren freundlichen Dienst und alles Gute zuvor! Ehrbarer und achtbarer, freundlicher, lieber Schwager und beson…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. E. F. G. — Drei stark verschnörkelte Initialen über der Unterschriftsformel; Auflösung ‚Ewer Fürstlichen Gnaden' aus dem Formelkontext
  2. bleibwillige — Lesung unsicher; auch ‚vleiswillige' denkbar; übersetzt als ‚bereitwillige'
  3. Muldener — Lesung durch die Wiederholung des Namens auf Blatt 73v (‚Henrich Muldener … Beuelchhaber zun Soden') gesichert
  4. Berber — Auch ‚Verber/Ferber' lesbar; ebenso auf Blatt 73v

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HandschriftS. 148 Bl. 72v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 148

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…derer guter Freund!

2

Wir geben euch in guter Absicht zu erkennen, dass wir gestern in Erfahrung gebracht haben, dass der Meister vom Kreuzberg, den ihr jüngst bei euch in Allendorf hattet,

3

beim Abschied mit Jörg Böhm gesprochen und gesagt haben soll, dass dessen — Jörgs — Kunst (Pumpwerk) dem Salzbrunnen beschwerlich und schädlich sei.

4

Darauf habe er, Jörg, geantwortet, er wisse selbst wohl, dass seine jetzige Kunst dem Salzwerk schädlich sei; er wolle es aber deshalb nicht anzeigen, damit die Herren desto eher den Salzbrunnen aufbrechen und ihn ausbauen müssten.

5

Alsdann würde er Baumeister sein; auch rechne er damit, Pfenner zu werden, sodass er eine ganze Pfanne oder wenigstens eine halbe Pfanne am Siedehaus davon bekommen wolle.

6

Weil er, Jörg, nun bisher vor unserem gnädigen Herrn in eigener Person, vor Statthalter, Räten, den Pfennern, uns und anderen stets gesagt hat, die Kunst sei dem Salzbrunnen nicht schädlich, nunmehr aber das Gegenteil — und damit unsere Klage — selbst eingestanden haben [soll] …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Creutzbergk — Ortsname unsicher; wohl Kreuzberg (an der Werra), auch ‚Crentzbergk' lesbar

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HandschriftS. 149 Bl. 73r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 149

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… soll. Damit wir dann, allen Teilen zugute, die Wahrheit erfahren, ist unsere freundliche Bitte: Ihr wollet sogleich den besagten Meister vom Kreuzberg zu euch fordern

2

und euch bei ihm genau erkundigen, wie die Reden gelautet haben und ob es sich so zugetragen hat oder nicht.

3

Denn wenn dem so ist, habt ihr zu ermessen, wie er, Jörg, seinen geleisteten Eiden und Pflichten nachgekommen ist und was ihm künftig noch zu vertrauen ist.

4

Wir sind auch glaubhaft berichtet worden, dass er das Muster, wie die Kunst (das Pumpwerk) aufs Neue aufgehängt werden soll, nicht aus seinem eigenen Kopf oder Können hat,

5

sondern es neulich vom Zimmermann von Ziegenhain, Meister Lenhart, hier in Kassel gelernt hat, wie wir euch wohl berichten wollen.

6

Und was ihr hierin von dem oben genannten Meister vom Kreuzberg berichtet bekommt, das wollet uns durch eigenen Boten aufs Eiligste hierher schriftlich mitteilen, damit wir uns danach gegenüber ihm, Jörg, zu verhalten wissen.

7

Das kommt euch selbst zugute;

8

wir wollen es hinwiederum freundlich verdienen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Meister — Wortlaut der Vorlage; dem Sinn nach ist wohl ‚Muster/Manier' (die Bauweise) gemeint, Lesung des Wortes unsicher
  2. Crentzburgk — Ortsname; auf derselben Seite auch ‚Creutzburgk' geschrieben, gemeint wohl Kreuzberg/Creuzburg

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HandschriftS. 150 Bl. 73v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 150

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… [dazu] geneigt sein; und wir wollten euch dies nicht vorenthalten.

2

Gegeben zu Kassel, den 5. September im Jahr 1547.

3

Heinrich Muldener und Jost Berber, Befehlshaber zu Sooden.

4

Folgends haben wir, die Salzgräfen von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn, uns mit den Salzgräfen der Pfenner über den Ausbau des Salzbrunnens allerlei und notdürftig unterredet und auch ihr Bedenken schriftlich erbeten.

5

Darauf haben uns die gemeinen Pfenner ihr Bedenken und ihren Ratschlag, wie der Salzbrunnen zu erneuern sein sollte, schriftlich zugeschickt, folgendermaßen lautend:

6

Den ehrbaren und vornehmen Heinrich Muldener und Jost Berber, Salzgräfen des Salzwerks unseres gnädigen Fürsten und Herrn vor Allendorf an der Werra, unseren guten Gönnern.

7

Präsentiert zu Kassel, Freitag, den 13. Januar, morgens um sechs Uhr, im Jahr 1548.

Unsichere Lesungen

  1. Pntatt — Stark abgekürztes Wort am Zeilenanfang; wohl ‚Presentatum' (Präsentationsvermerk), Lesung unsicher
  2. Berber — Nachname; auch ‚Verber/Ferber' lesbar, auf Blatt 72r derselbe Name
  3. notturfftige — Endung unsicher (notturfftigk/notturfftige)

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HandschriftS. 151 Bl. 74r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 151

1

Diese Schrift der Pfenner ist durch uns beide Obgenannte sogleich dem Herrn Statthalter, dem Landvogt, Doktor Walther und Doktor Günterode, dem Kanzler, angezeigt und vorgelesen worden,

2

und darauf wurde nach gehaltener Beratung für gut befunden und der Bescheid gegeben, dass der Landvogt und wir beide am nächsten Donnerstag, dem 19. Januar, gegen Abend in Allendorf eintreffen

3

und am folgenden Freitag mit den Pfennern hierüber weiter und abschließend verhandeln sollen, wie und auf welche Weise dem bevorstehenden Mangel des Salzbrunnens nützlich und ohne Gefahr begegnet und ihm mit beider Seiten Aufwand und Kosten geholfen werden könnte,

4

und dass auch aufs Förderlichste, was dazu an Ton, Holz und anderem vonnöten sein wird, auf Vorrat bestellt und zur Hand geschafft werde.

5

Und was darin abschließend verhandelt wird, soll sodann dem Statthalter und den Räten, damit sie davon Kenntnis haben, vorgebracht und angezeigt werden.

6

Unterzeichnet zu Kassel, den 13. Januar im Jahr 1548.

Unsichere Lesungen

  1. kömt — Wort mit langem Querstrich (Zierstrich oder Streichung?); Lesung und Konstruktion unsicher, evtl. 'fürkömt' (vorgebeugt werde)
  2. beidenn theilenn — Endungen am Zeilenumbruch nicht ganz eindeutig (beidem/beidenn, thei=/thä=)
  3. Walthernn — Endung -m/-nn nicht eindeutig

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HandschriftS. 152 Bl. 74v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 152

1

Unsere willigen Dienste zuvor, ehrbare, wohlachtbare, günstige Herren und gute Freunde!

2

Nachdem ihr wegen des Salzbrunnens mit unserem Salzgrafen zuvor allerlei Unterredung gehabt und vor allem angezeigt habt, wie derselbe seit einiger Zeit merklich abgenommen hat,

3

und dass sich die Meisterknechte in Sooden deswegen beklagen, die Sole sei nicht so gut, wie sie zuvor gewesen, und so ganz gering, dass sie ohne ihr endgültiges Verderben nicht länger sieden könnten noch möchten,

4

denn sie müssten für ein Werk oder eine Pfanne Salz beinahe so viel Holz verbrennen, wie sie es zuvor getan haben, und wenn sie auch allen Fleiß auf das Sieden verwenden, können sie mit aller Mühe kaum drei Viertel Salz herausbringen.

5

Und obwohl die Knechte schon früher mehrmals wegen des Siedens ohne Grund geklagt haben und ihren Angaben deswegen jederzeit nicht recht zu glauben ist,

6

so liegen doch jetzt Umstände am Tage, aus denen zu entnehmen ist, dass sie ihres KlagensLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. zun Sodenn — Lesung des ersten Wortes (zun/dun) nicht ganz sicher; gemeint sind wohl die Soden (Siedestätten) bzw. Sooden
  2. gleubenn — Konstruktion am Zeilenumbruch unklar; wohl 'nicht wohl zu glauben'
  3. sie — letztes Wort der Seite klein und flüchtig, Lesung unsicher; Satz läuft auf die Folgeseite

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HandschriftS. 153 Bl. 75r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 153

1

Fortsetzung von der vorigen Seitenicht unbillige Ursachen haben mögen.

2

Denn die Sole steige im Brunnen nicht so hoch, wie sie es zuvor getan hat; zudem befinden sich im Grund des Borns etliche Löcher unter dem Fass, zwischen den Bohlen und der Bodenverschalung,

3

so dass zu besorgen ist, die Sole habe zwischen dem Fass und dem Grund des Borns einen Ausfluss und umgekehrt das wilde Wasser einen Einfluss in den Brunnen gewonnen.

4

Sollten nun die Knechte deswegen und aus billigen Ursachen, wegen des Mangels der Sole, die Siedehäuser stillstehen lassen und kein Salz sieden,

5

so würde das nicht allein unserem gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen, sondern auch der Gemeinschaft der Pfenner und der ganzen Landschaft merklichen Schaden und Nachteil bringen.

6

Und wiewohl nun Meister Jörge Behm, um dem Mangel, auch den Klagen der Knechte und weiterer künftiger Gefahr für den Born zuvorzukommen, angegeben und vorbereitet hat, einen anderen Bau über dem Brunnen aufzurichten,

7

so sei doch damit den Gebrechen, die bereits zutage liegen, gar nicht abgeholfen.

8

Und nachdem er auch zuvorLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. getenne — Wort nicht sicher gelesen (getenne/getemme); gemeint wohl die hölzerne Bodenverschalung/Tenne des Brunnengrundes
  2. billich — Endung am Zeilenende durch Zierstrich verdeckt, evtl. 'billichenn'

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HandschriftS. 154 Bl. 75v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 154

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteetliche weitere Gebäude, sonderlich die Wasserkunst vor dem Gewölbe, mehr zu seinem Vorteil als zur Förderung des Salzwerks errichtet hat, alles mit großen und ganz vergeblichen Unkosten unseres gnädigen Fürsten und Herrn und der gemeinen Pfenner,

2

so wolle ihm in diesem Fall, soviel den Salzbrunnen betrifft, keineswegs zu folgen sein.

3

Vielmehr wolle es auch euch und den gemeinen Pfennern gebühren, dass ihr dem angeführten Mangel des Salzbrunnens und den Klagen der Knechte mit Fleiß nachdenkt,

4

und beratschlagt, wie den Klagen der Knechte vorgebeugt und der Salzbrunnen wiederum in gute Besserung gebracht und darin erhalten werden möchte,

5

und hierauf von unserem genannten Salzgrafen sein Bedenken anzuhören begehrt, wie das geschehen könnte,

6

damit ihr solches unserem gnädigen Fürsten und Herrn aufs Förderlichste schreiben könnt.

7

Denn es wolle sich keineswegs gebühren noch geziemen, dass ihr die angeführten Mängel und Gebrechen desLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. nachdenncketenn — Wortende undeutlich, evtl. 'nachdennckenn'
  2. hettet — Wort mit langem Querstrich (Zierstrich, keine Tilgung angenommen)

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HandschriftS. 155 Bl. 76r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 155

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteBrunnens seinen fürstlichen Gnaden länger verschweigen solltet.

2

Weil aber unser genannter Salzgraf für seine Person Bedenken hatte, ohne unseren Befehl in so wichtigen Angelegenheiten des Brunnens etwas von sich aus zuzusagen,

3

haben sie eurem Auftrag gemäß die oben erzählten Mängel und Gebrechen mit allerlei weiterem und notwendigem zusätzlichem Bericht uns in aller Ausführlichkeit angezeigt,

4

was wir – Gott weiß es – nicht mit geringer Beschwernis angehört und zu Herzen gezogen haben.

5

Nachdem aber in der Urkunde der aufgerichteten und bewilligten Verpachtung unter anderem klar vorgesehen ist,

6

dass unser gnädiger Herr alle Gebäude und das Schlichwerk im Salzbrunnen, im Sohlgraben, in den Siedehäusern, in und um die Soden samt allem, was dazu gehört, für die Zeit der Verpachtung in wesentlichem Bauzustand auf Kosten seiner fürstlichen Gnaden ohne Zutun der gemeinen Pfenner erhalten soll,

7

wir aber dem allem zuwider, sonderlich wegen des Sohlgrabens und der Wasserkunst, in merkliche Unkosten gedrängt worden sind,

8

so wollen wir uns anfänglich und vor allenLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. mehrem — Wort vor 'bericht' schwer lesbar, evtl. 'mererm' (weiterem)
  2. erkenne es — Streichung erfasst sicher 'erkenne es'; ob auch 'Gott' getilgt ist, bleibt unklar (Querstrich könnte Zierstrich durch tt sein)
  3. schlebwergk — Lesung unsicher; wohl das im Band sonst 'Schlichwergk' genannte Werk

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HandschriftS. 156 Bl. 76v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 156

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteDingen verwahrt haben, dass wir mit alledem, was wir in untertäniger, treuer Absicht wegen der oben angezeigten Gebrechen unserem gnädigen Fürsten und Herrn, der gemeinen Landschaft und uns selbst zum Besten anzeigen werden,

2

damit der Verpachtung, den aufgerichteten fürstlichen Verträgen und allen anderen unseren Gerechtsamen nicht zuwidergehandelt oder irgendetwas davon aufgegeben haben wollen; das bedingen wir uns öffentlich aus.

3

Und wiewohl wir vermöge der angeführten Verträge zu keinem Bau am Salzwerk verpflichtet sind,

4

so sind wir doch ohnehin der untertänigen, treuen Neigung, sofern wir durch göttliche Verleihung und Erfahrung etwas verstünden oder wüssten, womit den bevorstehenden Gebrechen des Salzwerks vorgebeugt und geholfen werden könnte,

5

dasselbe nicht allein uns, sondern auch unserem hochgedachten gnädigen Fürsten und Herrn und der gemeinen Land-Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. vnns — Wort nach 'nicht allein' schwer lesbar (vnns/vmb); dem Sinn nach 'uns'
  2. mit zum bestenn — Wortfolge 'vnnd vns mit zum bestenn' auffällig, aber so im Original

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HandschriftS. 157 Bl. 77r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 157

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… -schaft zum Besten anzuzeigen.

2

Und wir wollen demnach Euer Gunsten in treuer Meinung nicht verhehlen, dass wir von Anfang an, als unser gnädiger Fürst und Herr in das Salzwerk neben uns gebaut hat, an den besorglichen, gefährlichen Bauwerken, die mit Pumpen und anderen Künsten auf dem Salzbrunnen errichtet werden sollten, jederzeit herzliches Missfallen gehabt haben,

3

auch mit unserem höchsten Fleiß dagegen gebeten und uns gewehrt haben, wie ihr euch dessen bei euch selbst wohl zu erinnern wisst,

4

und auch untertänigst gebeten haben, dass der Brauch, die Sole mit den Eimern zu ziehen, wie von alters herkommen, bleiben möge, damit der Brunnen durch andere gefährliche Künste und Bauwerke nicht überlastet noch verdorben würde.

5

Hätte man nun anfänglich und seinerzeit unserer getreuen Vorsorge und unserem untertänigen, flehentlichen Bitten stattgegeben,

6

so wollen wir ohne Zweifel sein, dass der Brunnen niemals in solchen Verfall geraten oder gekommen wäre, wie er es jetzt durch das Verursachen der gefährlichen Bauwerke ist, die auf und in den Brunnen gesetzt wurden.

7

Es hat aber unser treues …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Jnns — Lesung „Jnns“ (= ins) am Zeilenanfang nicht ganz sicher, könnte auch „dis“ sein
  2. vervhrsachenn — Wort schwer lesbar; dem Sinn nach „Verursachen“
  3. trewes — letztes Wort der Seite in blasserer Tinte

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HandschriftS. 158 Bl. 77v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 158

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… Bedenken und Bitten nicht statthaben mögen,

2

sondern es ist von Jorgen Behmen und seinem Anhang – die doch mit ihren Anschlägen mehr ihren eigenen Nutzen als den unseres gnädigen Fürsten und Herrn und der gemeinen Pfenner gesucht haben – so weit verfolgt worden,

3

dass der Salzbrunnen durch die schweren Lasten und das tägliche Erregen der Rosskunst so merklich verdorben und zurückgegangen ist, dass dieselbe nur mit großer Gefahr und Unkosten ganz schwerlich wieder in Besserung zu bringen ist,

4

wie ihr davon selbst aus dem Augenschein und aus täglicher Erfahrung genugsamen Bericht und Kenntnis habt,

5

sodass zu besorgen ist: Wenn die genannten Bauwerke, vornehmlich die Röhren im Brunnen, nicht abgeschafft werden, wird der Brunnen von Grund auf verdorben.

6

Nachdem sich aber unser gnädiger Fürst und Herr in dem fürstlich aufgerichteten Vertrag gnädiglich verpflichtet hat, dass Ihre Fürstlichen Gnaden den Salzbrunnen und die allein vorhandene Sole zum Besten Ihrer fürstlichen Gnaden und der gemeinen Landschaft so gebrauchen sollen und wollen,

7

dass es in jedem Fall den gemeinen Pfennern …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Roßkunst — Lesung des Wortes nach „erregenn der“ nicht sicher; dem Sinn nach das Pumpwerk (Roßkunst)
  2. vbereinzigenn Sohlenn — Wort vor „Sohlenn“ schwer lesbar (Minimalstriche mehrdeutig); Übersetzung sinngemäß „die allein vorhandene Sole“
  3. vnnd — letztes Wort der Zeile „des Salzbronns vnnd“ stark verschliffen

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HandschriftS. 159 Bl. 78r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 159

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… an ihrem Salzwerk und dessen Nutzungen ohne Schaden und Nachteil sein soll,

2

und da auch in der bewilligten, angenommenen Location (Verpachtung) unter anderem klar vorgesehen ist: falls der Salzbrunnen durch das Verursachen gefährlicher Bauwerke unseres gnädigen Fürsten und Herrn so verdorben würde und abnähme, dass man kein Salz sieden könnte,

3

was doch der allmächtige Gott gnädiglich verhüten wolle, so sollen Ihre fürstlichen Gnaden den gemeinen Pfennern ihre volle verschriebene Pension (den Pachtzins) gleichwohl zu geben schuldig und verpflichtet sein.

4

Demnach ist es unser treuer Rat, unsere Meinung und fleißige Bitte – damit unser gnädiger Fürst und Herr, die gemeine Landschaft und wir nicht weiteren Schaden oder Gefahr erwarten müssen –,

5

ihr wollt mit allem Fleiß darauf bedacht sein, dass die Rosskunst in und auf dem Brunnen aufs Förderlichste (schnellstens) abgeschafft und die Eimer wie von alters her wieder aufgerichtet und gebraucht werden mögen.

6

Denn wenn dies nicht geschähe und der Brunnen weiter und mehr – wie es bereits vor Augen liegt und geschehen ist – dadurch verdorben werden sollte …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. verkehrsachenn — so getrennt geschrieben (verkehr=sachenn); gemeint ist wohl „vervrsachen“ (Verursachen), vgl. dieselbe Wendung auf Bl. 77r
  2. zum forderlichenn — Lesung der Endung unsicher, evtl. „zum forderlichstenn“

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HandschriftS. 160 Bl. 78v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 160

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… werden sollte, so wollen wir uns hiermit bedungen und vorbehalten haben,

2

dass wir wegen der Schäden und des Verderbens, die durch das Verursachen der angezeigten gefährlichen Bauwerke bereits erfolgt sind oder künftig erfolgen möchten,

3

an unseren verschriebenen Nutzungen und unserer Pension (Pachtzins), entgegen den oben angeführten Verträgen, und an allen unseren Gerechtigkeiten nichts aufgeben,

4

sondern sie uns hiermit gänzlich und vollkommen vorbehalten haben wollen, was wir öffentlich und gegenüber jedermann bezeugen.

5

Und nachdem der Salzbrunnen durch das Verursachen und tägliche Erregen der gefährlichen Bauwerke auf und in dem Brunnen bereits merklich abgenommen hat,

6

und man doch nicht wissen kann, ob die Sole zwischen dem Fass und dem Grund des Brunnens einen Ab- oder Zugang gewonnen hat,

7

damit man nun dies ohne sonderlich große Gefahr in Erfahrung bringen möchte, wäre unser Rat und Bedenken:

8

Man hätte erstens den Damm, der auf den Grund des …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. verkehrsachenn — wie Bl. 78r; wohl „vervrsachen“ (Verursachen), Buchstabenfolge kh/vh mehrdeutig
  2. verkhrsachenn — dieselbe mehrdeutige Schreibung
  3. were — Lesung „were“ (wäre) leicht verschliffen
  4. Tam — wohl „Damm“; Fortsetzung des Satzes auf der Folgeseite

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HandschriftS. 161 Bl. 79r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 161

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… Umgangs im Gewölbe zwischen dem Fass und dem Berg, der mit Ton geschlagen ist, aufgehoben und nachgesehen,

2

ob etwas unter den Pfählen, die in denselben Damm geschlagen sind, heimlich im Erdreich zu dem Brunnen hin- oder von ihm wegfließe,

3

und wo man dann dort irgendeinen Mangel befände, könnte man dem mit gutem, rechtzeitigem Rat wohl zuvorkommen und abhelfen.

4

Wenn man aber im Umgang des Borns, wie eben erwähnt, nichts befinden oder erkennen würde, was dem Brunnen zu- oder abginge,

5

so sollte man alsdann die Decken auf dem Brunnen aufheben und den Damm zwischen beiden Fässern bis auf den Grund aufnehmen.

6

Wenn alsdann irgendein Zu- oder Abgang im Brunnen gefunden würde, dergestalt dass die Sole aus dem Brunnen oder das wilde Wasser in den Brunnen flösse, wie die Knechte und andere davon reden wollen,

7

könnte man dem abermals mit dem neuen Damm zwischen beiden Fässern wohl zuvorkommen und wehren.

8

Dass man aber rings um den Salzbrunnen oder an ihm irgendwelche neuen Bauwerke, wie von etlichen wohl an… …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. wie Jzo — Lesung unsicher, evtl. „weit itzo“; dem Sinn nach „wie eben gemeldet“
  2. Tamme — Wortende verschliffen, evtl. „Tamms“

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HandschriftS. 162 Bl. 79v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 162

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… -gegeben wird, vornehmen oder ins Auge fassen sollte, das wüssten wir aus allerlei Bedenken und Ursachen keineswegs zu raten,

2

sondern wir wollen es diesmal bei unserer angezeigten Wohlmeinung bleiben lassen

3

und haben euch und anderen, mehr Verständigen, dieselben Anschläge – unserem gnädigen Fürsten und Herrn, der gemeinen Landschaft und uns zum Besten zu bedenken – in untertäniger, treuer Wohlmeinung und unter Vorbehalt der geschehenen Bedingung angezeigt

4

und sind geneigt, euch nach unserem Vermögen dienstlich zu willfahren.

5

Gegeben am Mittwoch nach Trium Regum (Dreikönigstag) im Jahr 1548.

6

Eure willigen (Diener): die gemeinen Pfenner zu Allendorf an der Werra.

7

Daraufhin wurde am 20. Januar 1548 durch den Herrn Landvogt, die Salzgrafen und andere Beamte am Boden (bei den Siedehäusern) verhandelt und verabschiedet wie folgt:

Unsichere Lesungen

  1. Euer E. W. — Kürzel der Anrede in der Unterschrift nicht sicher lesbar (evtl. „E. L.“ oder „E. G.“)
  2. zum Bodenn — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „zum Sodenn“ (Ortsname Sooden) möglich
  3. Anno etc. 48 — Zeichen vor „48“ als etc.-Kürzel gelesen; gemeint 1548

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HandschriftS. 163 Bl. 80r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 163

1

Der Landvogt verliest das Schreiben, das sie, die Pfänner, an Muldener und Josten gerichtet haben, und das Bedenken der Räte – insbesondere, dass Georg Behm und seine Kunst (sein Pumpwerk) mit ihrem Wissen und Willen aufgerichtet worden seien; doch habe man derzeit keinen Befehl, sich mit ihnen in weitläufige Disputation einzulassen.

2

Sie berufen sich dabei aber auf die Abrede, die etliche von ihnen, den Pfännern, unterschrieben haben, und auf ihre versiegelte Unterschrift; vielmehr soll davon geredet und beratschlagt werden, wie dem Mangel des Borns abgeholfen und alle Bereitschaft dazu bestellt werden möge.

3

Doch soll auch alles, was geredet und beratschlagt wird, aufs Allerheimlichste still und geheim gehalten werden.

4

Darauf haben die Pfänner – nämlich Johann Niedenstein, Thias Thortey, Johann Schaffnit, Michel Niegenrodt, Hans Neute, Findell der junge Schaffnit und Heinz Meinhard – um Bedenkzeit gebeten, und nach gehaltener Beratung sagt Niedenstein:

5

Sie haben das Antragen gehört; und was Georgs Kunst belangt, haben sie aus Not darauf eingehen müssen. Sie bitten darum, künftig auf andere Wege zu denken, (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Thias Thortey — Vor- und Zuname unsicher; Thias wohl Kurzform von Matthias, Zuname evtl. Thortzy/Chortey
  2. Niegennrodt — Zuname unsicher, auch Riegennrodt lesbar
  3. Neute — Zuname unsicher, auch Nolte/Noute denkbar
  4. Findell — Vorname unsicher, auch Sindell lesbar
  5. sundernn — Lesung des Übergangsworts nicht ganz sicher (sondern/sundern)

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HandschriftS. 164 Bl. 80v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 164

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) wie die Sole zu erlangen sein würde.

2

Item: Was verhandelt, geredet und beratschlagt wird, soll bei ihnen in aller Geheimhaltung bleiben; sie erkennen sich dessen für schuldig (verpflichtet).

3

Item, die Bereitschaft zum Bau betreffend: Sie wollen sich auf nichts einlassen, das dem Vertrag oder der Location (Verpachtung) zuwider wäre; das wollen sie sich ausbedungen haben.

4

Sie wissen kein anderes Bedenken anzuzeigen als das in ihrer Schrift Gemeldete, nämlich die zwei Wege; denn sie hoffen und wissen, dass der Brunnen im Grunde noch unverdorben ist; hat er aber einen Mangel, muss der durch Georgs Kunst verursacht sein.

5

Wenn Buchenholz grün ins Erdreich oder ins Wasser kommt, so ist es dauerhaft.

6

Holz, Dielen, Ton und Moos zu bestellen.

7

Der Landvogt beschließt mit ihnen allen, dass Bauholz, etwa einhundert Buchendielen, Ton und Moos aufs Förderlichste (schnellstmöglich) bestellt werden.

8

Und es soll ehestens bei einem Augenschein mit dem Zimmer- (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. buchenn dielenn — Holzart nicht ganz sicher; nach dem vorstehenden Satz über Buchenholz wohl buchenn, auch eichenn denkbar
  2. estenns — Lesung unsicher, dem Sinn nach wohl ehestens; auch erstenns denkbar

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HandschriftS. 165 Bl. 81r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 165

1

Fortsetzung von der vorigen Seite(…) -mann beratschlagt werden, was er an Holz benötigen wird.

2

Item, beim Augenschein zuzusehen, ob und wie durch die Luftlöcher der Ton aus dem Umgang gebracht werden kann oder könnte; und der Salzbrunnen soll auch noch einmal besichtigt werden.

3

Soviel Meister Jörg belangt, ist beschlossen, dass alles geheim gehalten werden soll; aber bei den zwei Wegen, die die Pfänner vorgeschlagen haben, hat es nichts auf sich, ob er sie schon erführe.

4

Es sollen auch vonseiten unseres gnädigen Herrn und auch der Pfänner verständige Leute dazu verordnet werden, die von solchem Bau hinreichend Verstand haben, ihn dann nach aller Notdurft aufs Fleißigste versehen und aufrichten und auch fortwährend, Tag und Nacht, bis zur gänzlichen Aufrichtung dieses Baues dabei sein und bleiben.

5

Nach gehaltener Mahlzeit sind der Landvogt und wir anderen, und von der gemeinen Pfänner wegen Niedenstein, Schaffnit der Ältere und Thias Thorey (…)Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Tuchtlöcher — Lesung unsicher; wohl Lucht-/Luftlöcher (Luftöffnungen) des Umgangs am Salzbrunnen
  2. that nit vff sich — that wohl für hat; Wendung: es hat nichts auf sich
  3. Hab — Erstes Wort des Absatzes unsicher (Hab/Soll/Sein); dem Sinn nach: es sollen … verordnet werden
  4. Thias Thorey — Namensform unsicher, vgl. Thortey auf Blatt 80r

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HandschriftS. 166 Bl. 81v

ÜbersetzungSeite 166

1

in Augenschein genommen, sind auf dem Salzborn und in der Aufzucht gewesen, und haben uns nach geschehener Besichtigung allerlei unterredet und das Notwendige beratschlagt. Es ist auch Meister Hans, der Zimmermann von Birkenfeld, mit Niedenstein und anderen in der Aufzucht gewesen, und ihm ist vorgehalten worden, was sein Rat sei, wie der Damm, auf dem der Gang in der Aufzucht liegt, herauszubringen sei, ob durch die Luftlöcher, oder ob auch der Deckel geöffnet werden müsse. Darauf hat Meister Hans gesagt, er sorge sich, es möchte das Holzwerk im Grund verwüstet sein; das ist ihm abgelehnt worden. Also sagt er, dass ein solcher Damm durch die Luftlöcher wohl herausgelangt werden könne. Item: Es müssen Pumpen und andere Haspel dazu bestellt werden, damit das Wasser, das nicht durch das Gewölbe fällt, geöst (ausgeschöpft) werden kann. Es haben auch von wegen unseres gnädigen Herrn und der Pfänner Christoph Homberg und Johann

Unsichere Lesungen

  1. Z. 6: Niedennstein — Ortsname, Lesung wahrscheinlich
  2. Z. 8: Tam — Damm; Schreibung Tam/Tham
  3. Z. 10: Deckell — Deckel; ck unsicher

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HandschriftS. 167 Bl. 82r

ÜbersetzungSeite 167

1

Niedenstein viererlei Sole aus der Aufzucht und dem Umgang geholt und geschmeckt, danach auch die Sole aus dem Salzborn; diese Sole ist in fünf Gläsern durch den Herrn Landvogt, Müldener, Jost den Rentmeister und den Salzwart, und von der Pfänner wegen durch Niedenstein, Thias Thorey, den alten Schaffnit und andere mehr gekostet worden, und durch uns alle ist die Sole aus dem Born noch als von rechtem gutem Geschmack erkannt worden, und Schaffnit sagt, dass sie gleich und ebenso gut sei, wie sie vor vierzig Jahren gewesen sei. Und darauf ist dieser Abschied, wie folgt, gestellt und angenommen worden: Auf die von den gemeinen Pfännern an die von unserem gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen verordneten Salzgrafen zum Soden wegen des Mangels am Salzborn und dessen Erbauung schriftlich gegebene Antwort und den darauf von Statthalter und Räten zu Kassel gegebenen Bescheid sind heute, am Datum dieses Schreibens, der Herr Landvogt Sigmund von Boyneburg, die Salzgrafen und die Amtsknechte zum Soden

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: Müldenern — Personenname, Lesung unsicher
  2. Z. 6: Thias — wohl Kurzform Matthias
  3. Z. 7: Thoreij — Familienname, Lesung unsicher
  4. Z. 7: Schaffnit — Name; auch Schaffnut denkbar

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HandschriftS. 168 Bl. 82v

ÜbersetzungSeite 168

1

hier in Allendorf eingekommen und haben daselbst mit den gemeinen Pfännern und ihren Salzgrafen endlich von solcher Sache, den Mängeln und Gebrechen reden, handeln und schließen sollen. Also ist heute im Augenschein und sonst von solcher Sache nach Notdurft von beiden Seiten hin und wieder geredet und nach geschehener Besichtigung und notdürftiger Erkundigung endlich von beiden Seiten dahin geschlossen worden, dass der Bau dermaßen, wie ihn die Pfänner vorgeschlagen und für gut angesehen haben, aufs Förderlichste vorgenommen werde, und dass die von unserem gnädigen Fürsten und Herrn dazu verordneten Diener sich mit aller notwendigen Bereitschaft dazu geschickt und gefasst machen sollen. Nämlich: Es soll zu solchem Bau zum rechten Wedel (zur rechten Zeit) nach Ablauf des jetzigen Monats das notwendige Bauholz gehauen und niedergefällt werden, und zur Beförderung hat die Stadt Allendorf auf Begehren des Herrn Landvogts zwanzig Stämme Holz in ihren Gehölzen zu hauen, unter

Unsichere Lesungen

  1. Z. 5: sache — Kürzungshaken am Wortende
  2. Z. 15: Wedell — Wadel, Mondphase; Lesung wahrscheinlich

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HandschriftS. 169 Bl. 83r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 169

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… untertäniglich bewilligt, dergestalt: Wenn die Diener unseres gnädigen Fürsten und Herrn dieselben Stämme niederhauen lassen wollen, soll alsdann die Stadt ihre Verordneten dabei haben, damit die Zimmerleute beim Fällen nichts Unrechtes verüben.

2

Und von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn sollen im Kaufunger Wald aufs allerförderlichste drei Schock Eichendielen geschnitten werden; davon soll ein Schock drei Zoll dick sein und die anderen zwei Schock zwei Zoll dick.

3

Und bei gutem Wetter soll auch aufs Förderlichste, sobald es sich des Frostes wegen tun lässt, am Dickenberg, unterhalb und auf dem Grund des Junkers Bertlen von Bischhausen, an die dreihundert Fuder Ton oder Lehm gegraben, vor die Siedehäuser gefahren und beschafft werden,

4

in der Zuversicht, dass Junker Berlt von Bischhausen, weil er auch einen Pfannenanteil hat, solches ebenfalls gutwillig gestatten werde undLäuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. beth — Lesung 'beth' klar, Wortsinn unsicher; sachlich wohl Letten/Lehm neben 'Thon'
  2. dickennberge — Flurname, Lesung leicht unsicher

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HandschriftS. 170 Bl. 83v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 170

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… zulassen.

2

Sollte er aber daran Anstoß nehmen – was man doch nicht erwartet –, so soll von wegen unseres gnädigen Herrn mit ihm darüber verhandelt werden, damit man den Ton gewiss dort bekommen kann, wo er am besten und am nächsten zu erreichen ist.

3

Daneben sollen inzwischen auch etliche Rosse und etliche Pumpen bestellt werden, die man zum Ausschöpfen des Wassers im Bedarfsfall haben muss.

4

Falls man dazu mehr Pfähle oder anderes Holz benötigen würde, soll auch das inzwischen bestellt und herbeigeschafft werden.

5

Und weil man in dieser Sache einem einzelnen Zimmermann oder Werkmeister aus vielen und allerlei triftigen Gründen weder vertrauen noch glauben mag,

6

soll inzwischen darauf Bedacht genommen werden, dass mehr als ein geschickter, erfahrener Zimmermann und Werkmeister, desgleichen etliche Bergverständige dazu verordnet und eingesetzt werden.

Unsichere Lesungen

  1. Zulangl — Wortende mit Schleife, wohl 'zulänglich' im Sinn von 'erreichbar'; Lesung unsicher
  2. Roß — Anfangsbuchstabe verschliffen; nach Kontext Rosse (Pferde) zum Pumpenbetrieb
  3. ausösern — wohl zu 'ösen' = Wasser ausschöpfen; Endung unsicher
  4. desgleichenn — am Zeilenende abgekürzt geschrieben

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HandschriftS. 171 Bl. 84r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 171

1

Dass auch Statthalter und Räte zu Kassel von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn etliche tüchtige, verständige Bauleute und andere – dazu auch die gemeinen Pfenner, um ihrer selbst willen und zu ihrem Besten, etliche verständige Personen aus ihren eigenen Reihen –

2

namhafte Leute hierfür bestellen und verordnen sollen – doch so, dass sie zu keiner Geldauslage für das Werk, entgegen dem Verpachtungsvertrag, bei solchem Bau verpflichtet noch schuldig sein sollen –,

3

die sich dieses Baues und alles dessen, was sich dabei jederzeit zuträgt, nach allem Bedarf, bei Tag wie bei Nacht, fort und fort, bis zur vollkommenen endgültigen Errichtung aufs Fleißigste nach ihrem besten Verstand und Vermögen annehmen und ihn ausführen.

4

Doch haben sich Salzgräfe und gemeine Pfenner ausdrücklich vorbehalten, dass sie mit ihren Ratschlägen und mit dem, was sie wegen der Mängel und der Verbesserung des Brunnens, wie oben erwähnt, und sonst unserem gnädigen Fürsten und Herrn und sich selbst zum Besten angezeigt haben,

5

dass sie damit dem fürstlich errichteten Vertrag der Verpachtung …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. verlegung — im Sinn von Kostenvorschuss/Auslage; Lesung sicher, Deutung erläutert

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HandschriftS. 172 Bl. 84v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 172

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… und allen ihren anderen Gerechtsamen in nichts zuwider gehandelt oder in irgendetwas eingewilligt haben wollen, das dem zuwider gedeutet und verstanden werden könnte.

2

Dieser Abschied ist am heutigen Tag schriftlich abgefasst, von allen Parteien unterschrieben und jeder Partei ein Exemplar übergeben worden.

3

Geschehen zu Allendorf an der Werra am Freitag, dem 20. Januar im Jahr 1548.

4

Sigmund von Boyneburg,

5

Heinrich Muldener.

6

Justus Pistoris

7

Johann Bartholmes

8

Christoffer Homberg,

9

Weil sich nun unterdessen der Salzbrunnen gebessert hat, hat man das Aufbrechen und Erbauen des Sohlbrunnens deshalb aufgeschoben, damit der hochgedachte unser gnädiger Fürst und Herr selbst persönlich bei diesem hochwichtigen Bau sein konnte und möchte.

10

Und …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Beyneburgk — Schreibform der Vorlage; gemeint ist die Familie von Boyneburg
  2. Muldener — Nachname, Lesung leicht unsicher (Muldener/Mildener)
  3. konnt — Wortanfang verschliffen; Lesung 'konnt' nach Kontext

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HandschriftS. 173 Bl. 85r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 173

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… Befehl darin erteilen, denn nicht allein Seiner Fürstlichen Gnaden, sondern dem ganzen Fürstentum, der Ritter- und Landschaft wird daran gelegen sein.

2

Auf der oben erwähnten abgehaltenen Tagleistung ist dieser Abschied – betreffend die halbe Pfanne, die zur Pfarrei zu Sooden gehört, die Graben- und Gartenzinsen und den Wehrbau an der Wognmühle – aufgerichtet worden zu Allendorf an der Werra, den 22. Januar im Jahr 1548, wie folgt.

3

Jedermann sei zu wissen: Nachdem zuvor die gemeinen Pfenner zu Sooden wegen der halben Pfanne, die zur Pfarrei zu Sooden gehört, geklagt und beantragt haben, dass diese halbe Pfanne zu ihrer Zahl der vierundvierzig Pfannen und zur Entrichtung des zugehörigen Pachtzinses gehören soll,

4

und doch zuvor, vom Anfang der Verpachtung bis auf den heutigen Tag, dieselbe halbe Pfanne von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn dem verstorbenen Pfarrherrn, Herrn Johann Lonebach seligen Angedenkens, vermöge der …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. sfgl. — Abkürzung, wohl 'seiner fürstlichen gnaden'; Buchstabenfolge nicht ganz sicher
  2. Wognmühln — Mühlenname, Lesung unsicher (Wogn-/Vogn-/Vogelmühle?)
  3. geclagt — c/r verschliffen, nach Kontext 'geklagt'
  4. Lonebach — Name des Pfarrers, Anfangsbuchstabe L wie in 'Location'; Lesung nicht ganz sicher

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HandschriftS. 174 Bl. 85v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 174

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… der Verpachtung sein Anteil auf diese halbe Pfanne hinlänglich entrichtet worden ist,

2

und nunmehr jetzt ein anderer Pfarrer zu Mühlhausen durch den Superintendenten Herrn Jost Winter auf die Pfarrei zu Sooden verordnet und hier durch sein Schreiben präsentiert worden ist,

3

so dass demselben Pfarrherrn alle Güter, Nutzungen und Gefälle der Pfarrei eingeräumt und zugestellt werden sollen, damit er sie für die Pfarrei und seinen Unterhalt gebrauchen kann,

4

und so, dass sie kraft der Verpachtung ihre volle Zahl der vierundvierzig Siedehäuser verpachtet haben wollen – was jedoch den früheren, wegen der Pfarrei errichteten Verträgen etwas zuwiderläuft –,

5

so haben wir Untenbenannten – doch mit Bewilligung des hochgedachten unseres gnädigen Fürsten und Herrn, Seiner Fürstlichen Gnaden Statthalter und Räte zu Kassel – mit den gemeinen Pfennern darauf beschlossen,

6

dass sie hinfort diese halbe Pfanne, die zur Pfarrei zu Sooden gehört, kraft der Verpachtung auch nach Anzahl des Pachtzinses zu sich nehmen sollen und …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Wintter — Name des Superintendenten Jost Winter; tt mit Zierstrich
  2. Bodenn — hier vierundvierzig 'Bodenn' (Siedehäuser), während zuvor von 44 Pfannen die Rede war; Lesung sicher

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HandschriftS. 175 Bl. 86r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 175

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… ferner von solcher halben Pfanne einem jeden jetzigen und zukünftigen Pfarrer seine gebührende Pension gleich anderen während der Zeit der Verpachtung durch die verordneten Salzgräfen gegen gebührliche Quittung unweigerlich versehen und bezahlen lassen.

2

Wenn aber die gemeinen Pfenner über kurz oder lang Ursache haben werden, einige Aufschläge auf die oben genannten vierundvierzig Pfannen zu erheben, dann soll die halbe Pfanne, die zum Siedehaus der Pfarrei gehört, verpflichtet sein, dieselbe bewilligte Steuer mitzutragen, und es soll darin keine Arglist gesucht oder gebraucht werden;

3

insbesondere soll die Pfarrei durch solche oder andere Auflagen keinesfalls stärker beschwert werden, als andere gemeine Pfenner tun und bewilligen;

4

doch bleibt in jedem Fall dem hochgedachten, unserem gnädigen Fürsten und Herrn und Seiner Fürstlichen Gnaden Erben ihr Recht der Verpachtung oder das Patronatsrecht über die genannte Pfarrei ausdrücklich vorbehalten, und Seiner Fürstlichen Gnaden soll dadurch daran nichts vergeben sein, wie denn die gemeinen Pfenner …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. einiche — Wortende mit Zierschwung, Lesung 'einiche' (einige) nicht ganz sicher, evtl. 'einichen'
  2. Bodenn — auch 'Bodem' lesbar; gemeint ist das Siedehaus der Pfarrei

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HandschriftS. 176 Bl. 86v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 176

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… ihren Revers darüber jetzt gegeben haben.

2

Zum anderen: Da auch den Pfennern von dem eingezogenen Graben beim Siedehaus auf dem alten Salzwerk der Pfenner etliche Zinsen an Hühnern und anderem bisher nicht entrichtet worden sind, sondern aus folgendem Grund einbehalten wurden:

3

weil solcher Graben auf Veranlassung unseres gnädigen Fürsten und Herrn zugefüllt worden ist —

4

weil nun die Pfenner angezeigt haben, dass ihnen, den Pfennern, kraft der Verpachtung solcher Zins gebühren soll, so sollen die Amtsknechte am Siedehaus ihnen solchen Zins von dem angesprochenen Graben auch künftig belassen.

5

Desgleichen soll der Stadt der Zins von den neu angelegten Gärten im Stadtgraben nun auch künftig verbleiben.

6

Dagegen ist verabredet worden — wie auch die von Allendorf bei der Besichtigung zu ihrem eigenen Besten mit eingewilligt haben —:

7

Weil man befunden hat, dass unser gnädiger Herr jährlich erhebliche große Unkosten für die Erhaltung des Wehrbaus an Seiner Fürstlichen Gnaden Wagenmühlen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Am anndernn — Initiale stark verschnörkelt, auch 'Vm' oder 'Zum' denkbar
  2. amptknechte — Lesung nicht ganz sicher, evtl. 'amptleuthe'
  3. im augennschein — Wendung unsicher, sinngemäß 'bei der Besichtigung'
  4. wagenmühlen — auch 'wogenmühlen' lesbar

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HandschriftS. 177 Bl. 87r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 177

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… aufwendet, und damit dem abgeholfen und solche Unkosten abgewendet werden können, sollen von wegen des hochgedachten unseres gnädigen Herrn die jetzigen Brüche und Lachen am Wasserwehr zur Wagenmühle, an den Stellen, wo das Wasser jetzt über das Wehr fällt,

2

zur Erhaltung desselben Wehrs — damit man zur Sommerzeit desto mehr Wasser auf die Mühlen habe und auch das Holz für den Wehrbau sparen könne —

3

auf sechs Ruten Länge, vom Wehr an rückwärts zur Stadtgemeinde hin, und dann so breit, wie das Wasser überfällt und der Bruch ist, etlichen Fischern übergeben werden, damit sie diese ausbauen und erhalten.

4

Wie es denn am heutigen Tag zum Teil besichtigt worden ist.

5

Und was an Zinsen davon anfallen würde, die sollen Seiner Fürstlichen Gnaden zustehen und gebühren, ohne Einspruch und Verhinderung der Stadt und jedermanns.

6

Und damit dies alles stet und fest gehalten werden soll, haben wir Untenbenannten von wegen des hochgedachten unseres gnädigen Herrn, der gemeinen Pfenner und der Stadt Allendorf uns hieran mit eigenen Händen …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Bröch vnnd Lachenn — Bröch = Brüche (Uferbrüche), Lachen = Wasserlöcher; Lesung der Endungen nicht ganz sicher
  2. Jntrags — Wortende mit Zierschwung, evtl. 'Jntrage'
  3. vnndenbenenttenn — Zierstrich durch tt; auch 'vnndenbenanttenn' lesbar

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HandschriftS. 178 Bl. 87v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 178

1

Fortsetzung von der vorigen Seite… unterzeichnet.

2

Geschehen zu Allendorf an der Werra, den 22. Januar im Jahr 1548.

3

Sigmund von Boyneburg, Landvogt

4

Heinrich Wildener

5

Justus Pistoris

6

Johann Bartholmes

7

Rudolf Schenck, Statthalter

8

Dr. Johann Walter

9

Dr. Thilo Gunterrodt, Kanzler

10

Johann Riedenstein

11

Johann Schaffnit

12

Michel Wiegenrodt

13

Hans Meuth

14

Mathias Corey

15

Paul Teichmann

16

Und als ich, obengenannter Jost, von der durchlauchtigen, hochgeborenen Fürstin und Frau, Frau Christine, geborener Herzogin zu Sachsen, Landgräfin zu Hessen, Gräfin zu Katzenelnbogen, seligen und hochlöblichen Gedächtnisses, meiner gnädigen Fürstin und Frau,

17

zum Pfennigmeister bestellt wurde, um mit Ihrer Fürstlichen Gnaden zur Kaiserlichen Majestät nach Augsburg — oder wohin diese anzutreffen wäre — zu ziehen, durch den Herrn Statthalter, Kanzler …Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Beyneburgk — Adelsfamilie von Boyneburg; erste Silbe auch 'Boyne-' lesbar
  2. Wildener — Initiale M/W nicht sicher unterscheidbar, auch 'Mildener' möglich
  3. Riedennstein — Name unsicher, evtl. 'Riedemstein' oder 'Riedeselstein'
  4. Wiegenrodt — Initiale M/W nicht sicher unterscheidbar, auch 'Riegenrodt' denkbar
  5. Meuth — Lesung des Nachnamens nicht ganz sicher
  6. Jost — Vorname des Pfennigmeisters; Zuname erst im weiteren Text

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HandschriftS. 179 Bl. 88r

ÜbersetzungSeite 179

1

und Räte verordnet, und wiewohl ich mich über das Amt des Pfennigmeisters beschwert und darum gebeten habe, davon befreit zu werden, so bin ich doch angehalten worden, es zu tun, laut des von dem seligen Kanzler Doktor Günterode auf meine Bittschrift gegebenen Bescheids, wie hernach folgt: Günstiger, gebietender Herr Statthalter, nach Lage der Sachen muss ich die Reise tun; damit aber das Pfennigmeisteramt ordentlich und nach Notdurft versehen werde, so können E.

2

Gl. einen der Amtsknechte, etwa den Rentmeister zu Grünberg, der ohnedies, wie ich erachte, wegen seines Vetters Doktor Merbach keine Beschwerung hat hinauszuziehen, dazu verordnen. Bitte deswegen dienstlich, E.

3

Ehl. wollen denselben dazu verordnen und ihn anschreiben, bei meiner gnädigen Fürstin in der Nähe anzukommen und weiter mit hinauszuziehen. Was ich dann je tun soll, daran soll bei mir kein Mangel sein. Das kommt meinem gnädigen Fürsten und Herrn sowohl auf der Reise als auch in meinem befohlenen

Unsichere Lesungen

  1. Z. 4: Günterodts — Name Günterode, Lesung wahrscheinlich
  2. Z. 9: E. gl. — Kürzel, Auflösung unklar
  3. Z. 11: Merbachs — Name, Lesung wahrscheinlich
  4. Z. 13: E. Ehl. — Kürzel, Buchstaben unsicher

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HandschriftS. 180 Bl. 88v

ÜbersetzungSeite 180

1

Amt zum Besten. Um günstige Antwort bittend, E. G. W. Jost Berber vom Homberg. Um geringer Kosten willen will ich auch, wenn Doktor Jorge ankommt, wieder zurückreiten; das wollte E.

2

G. ich auch in dienstlicher Meinung nicht verhalten. Darauf ist folgender Bescheid gegeben worden: Statthalter und Räte bedenken, ihr wollet euch dessen nicht beschweren, denn man kann den Rentmeister zu Grünberg aus anderen Ursachen nicht wohl entbehren. So ist Doktor Merbach auch nicht so hübsch, dass sein Vetter so großes Verlangen nach ihm hätte. Es ist demnach unser Begehren und Bitte, ihr wollet euch dessen nicht weigern, sondern euch dazu gutwillig gebrauchen lassen. Darauf bin ich mit Ihren fürstlichen Gnaden

3

hinaufgezogen und nach Speyer gekommen, und habe daselbst hochgedachtem meinem gnädigen Fürsten und Herrn die ganze Lage des Salzwerks schriftlich durch Reinhard Abel berichtet

Unsichere Lesungen

  1. Z. 2: E. G. W. — Kürzelzeile, Buchstaben unsicher
  2. Z. 3: Berber — Familienname unsicher
  3. Z. 4: Vmb — Vmb oder Vnnd
  4. Z. 11: Mege= — Name; S. 179 Merbach
  5. Z. 19: Abelnn — Name Abel, wahrscheinlich

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HandschriftS. 181 Bl. 89r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 181

1

Fortsetzung von der vorigen Seitetun lassen und auch schriftlichen Bescheid und Befehl wiederum darauf empfangen.

2

Bericht, betreffend:

3

den Bau des Salzbrunnens zu Sooden,

4

die Besichtigung des Salzwerks durch die kaiserlichen Kommissare,

5

Jorge Behm, der wegen seiner Kunst (seines Pumpwerks) abzufinden ist,

6

steinerne Solebehälter (Kümpfe) für den Vorrat.

7

Gnädiger Fürst und Herr! Weil es dringend nötig gewesen ist, Euer Fürstliche Gnaden über den Zustand des Salzwerks seit der Zeit Ihrer Abwesenheit zu unterrichten, haben Müldener und ich Euer Fürstlichen Gnaden davon im vergangenen Jahr 1547, am 14. Dezember, schriftlichen Bericht zugefertigt.

8

Weil derselbe aber nicht an Euer Fürstliche Gnaden gelangt, sondern uns wieder zurückgebracht worden ist, wie Euer Fürstliche Gnaden hierbei unter A verzeichnet ersehen,

9

haben Statthalter und Räte zu Kassel auf das von den Pfännern und dem Salzgräfen getane Schreiben den Bescheid gegeben, dass der Landvogt, Müldener und ich, Jost, samt den Amt…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. emdtpfangenn — Wortende mit Schnörkel abgekürzt; Endung ergänzt, Lesung des Schlusses nicht sicher
  2. Sahl kümpff — auch 'Sohl kümpff' oder 'Saltz kümpff' möglich; gemeint sind Solebehälter
  3. vnns — auch 'vnnd' lesbar; 'vnns' nach Sinnzusammenhang
  4. Jost — Name/Wort nach 'Ich' nicht ganz sicher

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HandschriftS. 182 Bl. 89v Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 182

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…knechten zu Sooden an einem benannten Tag in Allendorf zusammenkommen sollten, um dort mit den Pfännern über den vorgefallenen Mangel, den Bau des Salzbrunnens, das Nötige zu verhandeln,

2

wie es dann am 22. Januar dieses Jahres 1548 geschehen ist, laut desselben Abschieds mit dem Zeichen B.

3

Und die Pfänner waren der Meinung, nur den Damm um den Salzbrunnen zu erneuern; daraufhin wurden auch gemäß derselben Abrede sogleich alle Dinge für den Bau auf Vorrat beschafft, wie das noch vorhanden ist.

4

Aber gleich danach, in der Zeit um Estomihi, da man in den Wochen der Fastnacht wegen nicht sieden lässt, ist der Salzbrunnen gottlob wieder auf seinen alten Stand gestiegen, und höher, als man es in zehn Jahren je gesehen hat;

5

er hat sich auch beim Sieden gut gebessert, worüber wir sehr erfreut worden sind.

6

Darum haben wir die vorgesehenen Ausbesserungs- und Zapfenarbeiten am Salzbrunnen bis zur Ankunft Euer Fürstlichen Gnaden, die wir täglich erhofft haben, zurückgestellt;

7

denn wir stellen fest — weil die zwei zurückliegenden Sommer sehr trocken gewesen sind —, dass etliche Brunnen zu Allendorf vertrocknet…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. Faldtlager — Wort vor 'Esto mihi' nicht sicher lesbar; auch 'Feldtlager' oder aehnlich moeglich; gemeint ist die Zeit um den Sonntag Estomihi 1548
  2. Plack, vnnd Tappenwergk — erstes Wort unsicher (Plack/Planck/Flack); 'Tappen' koennte auch 'Zappen' (Zapfen) sein
  3. Tam — Lesung Tam = Damm; T/C nicht ganz eindeutig

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HandschriftS. 183 Bl. 90r Das fünffte Buch

ÜbersetzungSeite 183

1

Fortsetzung von der vorigen Seite…die inzwischen auch ihre Quellen wieder bekommen.

2

Deswegen wurde es von vielen dafür gehalten, dass solcher Mangel von den dürren Sommern herkomme.

3

Es hat sich aber seither und bis jetzt ordentlich gesotten, und es können dieses Jahr, weil ein ergiebiges Jahr (Mast) ist, wohl fünftausend Pfannen Salz gewonnen werden.

4

Aber die Sieder klagen fort und fort, wie sie es immer getan haben; sie hätten vielleicht gern von jeder Pfanne die zehn (Albus) zu ihrem Vorteil.

5

Weil aber der Sohlgraben so tief geräumt ist, dass das wilde Wasser im Gewölbe kaum einen Zoll hoch läuft und einen Fuß tief vor dem Gewölbe Gefälle hat, wie es die Alten nie gehabt haben,

6

so können wir ihrem Klagen keinen Glauben schenken;

7

denn als Euer Fürstliche Gnaden zum ersten Mal zum Salzwerk kamen, hat das wilde Wasser im Gewölbe an die anderthalb Ellen tief gestanden, wie Euer Fürstliche Gnaden es damals auch daraus schöpfen ließen.

8

Aber wie dem auch sei: Der Damm um den Salzbrunnen steht nun an die 40 Jahre und ist in solcher Zeit schlecht und baufällig geworden, und es muss in die…Läuft auf der nächsten Seite weiter

Unsichere Lesungen

  1. mast — Lesung 'mast' (ergiebiges Jahr) unsicher
  2. die Zehenn [gestrichen: alb.] — nach 'Zehenn' ist 'alb.' (Albus) gestrichen; Sinn: zehn Albus je Pfanne
  3. Jhrem — auch 'Jhnen' lesbar

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ZusammenfassungS. 184–225

Der Aktenkrieg. Zwischen dem Befund und dem ersten Spatenstich liegen anderthalb Jahre Papier. Was Rhenanus hier abschreibt, ist der vollständige Schriftwechsel zwischen Kassel und Sooden — und er liest sich streckenweise wie ein Verwaltungsvorgang von heute.

Der Ton der Beteiligten unterscheidet sich deutlich. Aus Kassel kommen Bescheide, Termine und die Aufforderung, „einen stattlichen Ausschuss mit vollkommener Gewalt“ zu schicken. Aus Sooden kommt Ungeduld. Ein Satz der Betroffenen steht dazwischen wie ein Fremdkörper: „Auch hat man uns Arme allzeit hingehalten: Man wolle den Born bauen, und hält uns arme Leute hin.“

Denn es sind nicht nur Gutachter betroffen. Boder und Kärrner klagen „heftig über das Abnehmen der Sole“ — sie brauchen mehr Holz und mehr Zeit für dieselbe Menge Salz und verdienen weniger. Man behilft sich mit Notmaßnahmen; einmal wird sogar angeordnet, „jede Salzgans in fünf Stücke“ zu zerteilen, bis die Pfänner zusammenkommen.

Fachlich kreist alles um eine Frage: Soll man stückweise flicken oder von Grund auf neu bauen? Die Pfänner sind zunächst nur zum Flicken bereit — der Neubau wäre teuer, und sie müssten mitzahlen. Der Landesherr drängt auf den Grund. Und die Salzgrafen manövrieren dazwischen mit einem Satz, der ihre Lage genau beschreibt: Sie wüssten nicht, „mit welchem Fug“ sie jetzt umschwenken sollten, nachdem sie zuvor „heftig gegen die Rosskunst“ geredet hätten.

Mitten in diesen Briefen steht dann etwas ganz anderes — eine Tabelle mit der Überschrift „Haltung der Sole“: Auf Nikolaus im Jahr 48 hat ein Quart soundso viel gehalten, und so fort. Es ist eine Messreihe. Man streitet nicht mehr nur mit Meinungen, sondern legt Zahlen vor.

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