ÜbersetzungSeite 671
Der zweite Appendix.
Salzbibel
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App. II · 2. Appendix · Band 2 · Fortsetzung
Der zweite Appendix.
Tabelle der Handschrift, S. 671
Zweizeiliger Kopf: links 'Ein stündt gibt.' über den Spalten 'kan:' und 'Eim:'; darüber drei rote Gruppentitel 'Tagk.', 'Monat.', 'Jahr.' mit je vier Spalten Metz / virt: / Scheff: / Werck. Spaltentitel Metz und Scheff sowie deren Werte rot (Brüche mit Nenner 400, als 'ganze Zaehler/400' wiedergegeben), virt und Werck schwarz; Zeilenköpfe der kan-Spalte rot, der Eim-Spalte schwarz. Linker Rand der ersten Spalte im Scan angeschnitten. Untere Seitenhälfte leer.
Rot gesetzte Werte sind in der Handschrift rubriziert.
| kan: | Eim: | Tagk. Metz | Tagk. virt: | Tagk. Scheff: | Tagk. Werck | Monat. Metz: | Monat. virt: | Monat. Scheff | Monat. Werck | Jahr. Metz | Jahr. virt: | Jahr. Scheff: | Jahr. Werck. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 3 288/400 | 3 240/400 | 3 | 6 | 3 80/400 | 2 | 11 | 6 | |||||
| 2 | 3 176/400 | 1 | 3 80/400 | 3 | 1 | 1 | 2 160/400 | 1 | 11 | 13 | |||
| 3 | 3 64/400 | 2 | 2 320/400 | 3 | 8 | 1 | 1 240/400 | 0 | 11 | 20 | |||
| 4 | 2 352/400 | 3 | 2 160/400 | 3 | 3 | 2 | 320/400 | 3 | 10 | 27 | |||
| 5 | 2 240/400 | 0 | 1 | 2 | 3 | 10 | 2 | 0 | 2 | 10 | 34 | ||
| 6 | 2 128/400 | 1 | 1 | 1 240/400 | 3 | 5 | 3 | 3 80/400 | 0 | 10 | 41 | ||
| 12 | 256/400 | 3 | 2 | 3 80/400 | 2 | 11 | 6 | 2 160/400 | 1 | 8 | 83 | ||
| 24 | 1 112/400 | 2 | 5 | 2 160/400 | 1 | 11 | 13 | 320/400 | 3 | 4 | 167 | ||
| 48 | 224/400 | 0 | 11 | 320/400 | 3 | 10 | 27 | 1 240/400 | 2 | 9 | 334 | ||
| 1 | 3 112/400 | 0 | 5 | 1 | 2 160/400 | 0 | 0 | 43 | 320/400 | 3 | 1 | 516 | |
| 2 | 2 224/400 | 1 | 10 | 2 | 320/400 | 1 | 0 | 86 | 1 240/400 | 2 | 3 | 1032 | |
| 3 | 1 336/400 | 2 | 3 | 4 | 3 80/400 | 1 | 0 | 129 | 2 160/400 | 1 | 5 | 1548 | |
| 4 | 1 84/400 | 3 | 8 | 5 | 1 240/400 | 2 | 0 | 172 | 3 80/400 | 0 | 7 | 2064 | |
| 5 | 160/400 | 0 | 2 | 7 | 0 | 3 | 0 | 215 | 0 | 0 | 0 | 2580 | |
| Fass 1 | 3 272/400 | 0 | 7 | 8 | 2 160/400 | 3 | 0 | 258 | 320/400 | 3 | 10 | 3096 | |
| Füder 1 | 3 144/400 | 1 | 2 | 17 | 320/400 | 3 | 1 | 516 | 1 240/400 | 2 | 9. | 6193 |
Unsichere Lesungen
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App. III · 3. Appendix · Band 2
Das Messbuch des eigenen Brunnens. Der dritte Anhang wendet das Verfahren des zweiten auf Sooden selbst an — und wird dadurch zum wissenschaftlich wertvollsten Stück der ganzen Salzbibel: „Besonderes Probierbuch für das Salzwerk Sooden“, begonnen vom zweiten Salzgrafen Christoph Homberg und von Rhenanus fortgeführt.
Zuerst die Umrechnungen, damit alles Spätere vergleichbar ist: „Ein Fuder Allendorfer Maß hat 6 Ohm oder 720 Quart.“ Und die Sollgröße: „Eine Pfanne gutes trockenes Salz soll wiegen 1240 Pfund, oder ein Achtel 155 Pfund.“
Alles Weitere lässt sich damit vergleichen — und genau darum geht es hier.
Christoph Homberg — in den Quellen auch Hombergk — ist derselbe Mann, an den Wilhelm IV. den Brief über das Trinken der beiden Salzbeamten schrieb und an den 1567 der Auftrag zur Salzbibel erging. Dass er 1549 anfing, die Sole zu wiegen, ist der Anfangspunkt der ganzen empirischen Linie dieses Werks. Er starb bald nach dem Auftrag: Im Februar 1567 richtet der Landgraf noch ein Schreiben an ihn, in der Rechnungsprüfung von 1568 ist bereits von seiner Witwe die Rede.
Ein Handwerkersatz wird widerlegt. Die Bodemeister sagten, je trockener die Zeit, desto besser die Sole; Homberg fand über Jahre das Gegenteil. Wichtig ist, wie er es formuliert: Er nennt das Jahr, in dem er zu messen anfing, und was er außer der Probe noch beobachtete. Damit ist die Aussage überprüfbar — und genau das unterscheidet sie von der Regel, die sie ersetzt.
Der Dritte Appendix. Besonderes Probierbuch für das Salzwerk Sooden. Auch des seligen Christoff Homberg Probiertäfelchen, wie viel Sole zu jeder Zeit auf eine Pfanne Salz gehört, und sein Bedenken wegen der Sole.
Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Hombergs Anfang
Der Dritte Appendix. Zu wissen: Ein Fuder Allendorfer Maß hat —— 6 Ohm oder — 720 Quart. Ein Ohm —— 120 Quart oder 20 Viertel. Eine Pfanne gutes trockenes Salz soll wiegen —— 1240 Pfund, oder ein Achtel —— 155 Pfund. Eine Pfanne hat: Pfund —— 1240, Lot —— 39 680, Quentchen —— 158 720.
Unsichere Lesungen
Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Hombergs Anfang
Ein Befund gegen die Erfahrung der Meister. Gleich am Anfang steht ein kurzer Text, der in die Geschichte der empirischen Naturforschung gehört: „Des seligen Christoff Homberg Bedenken wegen der Sole.“
Die Bodemeister in Sooden sagten, „je trockener die Zeit sei, desto besser sei die Sole“. Homberg hat es geglaubt — bis er anfing zu messen. „Nachdem ich Anno 49 angefangen habe und gelernt habe, die Sole mit der kleinen Probe zu prüfen“, und nachdem er über Jahre auf das Quellverhalten des Brunnens und „andere Wahrzeichen mehr“ geachtet habe, habe er „mit der Zeit gerade das Gegenteil gefunden“.
Sein Ergebnis in einem Satz: „Je nasser das Jahr, desto besser und mehr Sole ist da, besonders im Frühling; dagegen: je trockener die Jahre sind, desto geringer und weniger wird die Sole, besonders im Herbst und um Martini.“
Damit man das Gemessene auch gebrauchen kann, steht daneben Hombergs Probiertäfelchen: Aus dem Gehalt eines Quarts lässt sich unmittelbar ablesen, wie viel Salz auf eine Pfanne kommt.
Ein Handwerkersatz, jahrhundertelang weitergegeben, wird durch eine Messreihe widerlegt — und der Mann, der ihn widerlegt, sagt ausdrücklich dazu, wann er zu messen angefangen hat und worauf er sonst noch geachtet hat. Genau das ist die Methode.
Der Dritte Appendix. Des seligen Christoff Homberg Bedenken wegen der Sole. Obwohl die Bodemeister in Sooden sagen, je trockener die Zeit sei, desto besser sei die Sole in allen Bothen, so habe ich doch, nachdem ich Anno 49 angefangen habe und gelernt habe, die Sole mit der kleinen Probe zu prüfen, und auf diese Sache und darauf, wie sich der Brunnen in seinem Quellen zeigt, sowie auf andere Wahrzeichen mehr achtgegeben habe, mit der Zeit gerade das Gegenteil gefunden. Und ich kann nicht anders sagen, als: je nasser das Jahr, desto besser und mehr Sole ist da, besonders im Frühling; dagegen: je trockener die Jahre sind, desto geringer und weniger wird die Sole, besonders im Herbst und um Martini.
Unsichere Lesungen
Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Hombergs Anfang
Der Dritte Appendix. Probiertäfelchen, vom seligen Christoff Homberg aufgestellt, worin sich findet, wie viel Sole zu jeder Zeit auf eine ganze Pfanne Salz gehört. Wenn in der kleinen Probe ein Quart hält —, so kommt auf eine Pfanne —.
Tabelle der Handschrift, S. 678
Unlinierte Spaltentabelle; Werte in Federzeichen. Nach jeder Quenten-Angabe ein waagerechter Füllstrich bis zur Füder-Spalte; die halben Quenten-Zeilen sind ohne Werte (nur Strich). Zwischen dem 3-Lot- und dem 4-Lot-Block steht die Zwischenzeile 'So kompt vff ein Pfann' (Zeile 8). Brüche als 'ganze Zaehler/Nenner'. Untere Seitenhälfte leer.
| Lot | Quenten | Füder | Ohm | Quarten |
|---|---|---|---|---|
| 3 | 0 | 17 | 4 | 6 2/3 |
| 3 | 1/2 | 17 | 3 | 97 3/5 |
| 3 | 1 | 16 | 5 | 89 3/13 |
| 3 | 1 1/2 | |||
| 3 | 2 | 15 | 4 | 57 1/7 |
| 3 | 2 1/2 | |||
| 3 | 3 | 14 | 4 | 21 1/3 |
| 3 | 3 1/2 | |||
| So kompt vff ein Pfann | ||||
| 4 | 0 | 13 | 4 | 80 |
| 4 | 1/2 | |||
| 4 | 1 | 12 | 5 | 96 8/17 |
| 4 | 1 1/2 | |||
| 4 | 2 | 12 | 1 | 56 7/9 |
| 4 | 2 1/2 | |||
| 4 | 3 | 11. | 3 | 73 13/19 |
| 4 | 3 1/2 |
Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Hombergs Anfang
Der Dritte Appendix. So kommt auf eine Pfanne —.
Tabelle der Handschrift, S. 679
Fortsetzung des Probir-Täffleins (5 und 6 Lot), unliniert; nach jeder Quenten-Angabe ein Füllstrich, halbe Quenten ohne Werte. Zwischenzeile 'So kömpt vff ein Pfann' (Zeile 8). Brüche als 'ganze Zaehler/Nenner'; '118 2/21' in der Vorlage mit Abstand '1 18'. Untere Seitenhälfte leer.
| Lot | Quenten | Füder | Ohm | Quarten |
|---|---|---|---|---|
| 5 | 0 | 11 | 0 | 16 |
| 5 | 1/2 | |||
| 5 | 1 | 10 | 2 | 118 2/21 |
| 5 | 1 1/2 | |||
| 5 | 2 | 10 | 0 | 14 6/11 |
| 5 | 2 1/2 | |||
| 5 | 3 | 9 | 3 | 60 20/23 |
| 5 | 3 1/2 | |||
| So kömpt vff ein Pfann | ||||
| 6 | 0 | 9 | 1 | 13 1/3 |
| 6 | 1/2 | |||
| 6 | 1 | 8 | 4 | 108 20/25 |
| 6 | 1 1/2 | |||
| 6 | 2 | 8 | 2 | 104 8/13 |
| 6 | 2 1/2 | |||
| 6 | 3 | 8 | 0 | 108 14/27 |
| 6 | 3 1/2 |
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Faksimile bei ORKA · Im Lesetext · Teil: Hombergs Anfang
Der Dritte Appendix. Wenn ein Quart hält —, so kommt auf eine Pfanne —. Anmerkung: Was die halben Quentchen sind, steht bei Christoff Homberg nicht; ebenso die hinzugefügten Brüche — die habe ich hinzugesetzt. Anmerkung: Aus einem alten Zettel Christoff Hombergs, geschrieben Anno 48: Auf Nikolai hat ein Quart Sole gehalten —— 3½ Lot.
Tabelle der Handschrift, S. 680
Schluss des Probir-Täffleins (7 Lot, 8 Lot), unliniert; Füllstriche nach der Quenten-Angabe, halbe Quenten ohne Werte. Die Zwischenzeile 'So kömpt vf ein Pfan' steht hier klein auf dem Füllstrich der Zeile 7 Lot / 2 Quenten (Zeile 4). Brüche als 'ganze Zaehler/Nenner'.
| Lot | Quenten | Füder | Ohm | Quarten |
|---|---|---|---|---|
| 7 | 0 | 7 | 5 | 28 4/7 |
| 7 | 1/2 | |||
| 7 | 1 | 7 | 3 | 73 3/29 |
| 7 | 1 1/2 | |||
| 7 | 2 So kömpt vf ein Pfan | 7 | 2 | 10 2/3 |
| 7 | 2 1/2 | |||
| 7 | 3 | 7 | 0 | 80 |
| 7 | 3 1/2 | |||
| 8 | 0 | 6 | 5 | 40 |
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Der Dritte Appendix. Anno 49: 3 Lot 3 Quentchen am Mittwoch nach Conversionis Pauli; 4 Lot 2 Quentchen den 18. Februar; 5 Lot den 28. Anmerkung: Wenn 1 Quart 5 Lot Salz gibt, so ist eben das 18. Lot an Sole Salz, oder der 18. Teil ist gut. Kleine Salzproben durch den seligen Christoff Homberg, Anno 1549. In diesem Jahr sind gesotten worden —— 4692 Pfannen. Um Ostern hat ein Quart gehalten —— 4 Lot; im Herbst nach Martini, als die Sole am allerschwächsten gewesen ist —— 3 Lot 1 Quentchen. Anmerkung: Was aber die Sole vor dieser Zeit gehalten hat, ehe mein gnädiger Fürst und Herr die Bothe gebaut hat, und bis auf dieses Jahr 49, ist unbekannt; es hätten es denn die Pfänner aufgeschrieben.
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Die Reihe, 1549 bis 1570. Nun beginnt die eigentliche Aufzeichnung, Jahr für Jahr, und sie hat immer denselben Aufbau: die Zahl der gesottenen Pfannen, die Solemessungen mit Datum, und dazu eine Notiz über das Wetter.
1550: 5.638 Pfannen. 1551: 5.785. 1552: 6.254. 1553: 6.460. 1559: 7.020. 1561: 8.066. 1570: 8.001. Man kann die Wirkung des Brunnenbaus in dieser Spalte ablesen.
Die Messwerte stehen daneben, oft mehrfach im Jahr und ab 1566 getrennt nach Brunnen, Nebenader und wildem Wasser — also mit einer Kontrollmessung. Ein typischer Eintrag: „7 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 7 Lot 2 Quentchen die Ader, den 30. Mai; … 5 Lot 3 Quentchen der Brunnen, 6 Lot die Ader, den 28. September. … Der Quellborn ist nach Martini ganz vertrocknet.“
Zwei Anmerkungen zeigen, dass Homberg auch die Fehlerquellen im Blick hatte. Zu 1550 notiert er, dies sei die Zeit, „von der die Bodemeister rühmen, die Sole sei damals am besten gewesen“ — aber damals sei noch nicht angeordnet gewesen, „dass das Salz durch Roste gemessen werden musste“. Und zu 1552: Genau in dem Jahr, in dem die Rostmessung eingeführt wurde, hätten „die Bodemeister wieder angefangen, sich über die Brunnenbauten zu beklagen“. Er trennt also die Veränderung der Sache von der Veränderung des Messverfahrens — und deutet an, woher die Klagen in Wahrheit kamen.
1565 steht dann eine „Meinung und treue Warnung“: Weil der Brunnen ständig „zu Sumpf“ gehalten, also zu tief ausgezogen werde, sei zu besorgen, dass ihm das mit der Zeit schade. Sein Beweis ist die Nebenader, die immer gleich abfließt: Früher habe sie ein halbes Quentchen weniger gehalten als der Brunnen, jetzt ein Quentchen mehr. Eine unveränderte Referenzgröße, an der man eine Veränderung ablesen kann — sauberer kann man 1565 nicht argumentieren.
Ein Bruch in der Reihe, den man kennen muss. Homberg selbst weist darauf hin: 1552 wurde angeordnet, das Salz durch Roste zu messen. Die Zahl der „Pfannen“ vor und nach 1552 ist deshalb nicht ohne weiteres vergleichbar, und die Klagen der Bodemeister setzen genau in diesem Jahr wieder ein. Wer die Produktionskurve auswertet, muss den Wechsel des Messverfahrens berücksichtigen — Homberg tut es, seine späteren Leser nicht immer.
Zwei Salzwerke, zwei entgegengesetzte Befunde. Was Homberg für Sooden fand — nasse Jahre bringen bessere Sole —, ist in Frankenhausen genau umgekehrt (siehe den vierten Anhang). Beides kann zutreffen: Es hängt davon ab, wie eine Quelle gespeist wird und wo das Süßwasser hinzutritt. Rhenanus schreibt beide Ergebnisse auf, ohne sie einzuebnen. Diese Zurückhaltung ist die eigentliche wissenschaftliche Leistung des Anhangs.
Für die Klimageschichte. Die Jahrzehnte um 1560 bis 1600 gelten als eine der kältesten Phasen der Kleinen Eiszeit. Eine datierte Witterungsreihe für 1549 bis 1585 aus Nordhessen ist deshalb auch unabhängig vom Salz eine Quelle. Eine Einschränkung gehört dazu: Es sind Zweckbeobachtungen. Notiert wurde, was für die Sole erheblich schien — Hochwasser, Schneemangel, Trockenheit —, nicht das Wetter überhaupt.
Der Dritte Appendix. Anno 1550: gesotten — 5638 Pfannen. Beim Brunnenbau, als die alten Gerinne und die Fassung des Brunnens herausgenommen, der Platz geräumt, die guten Adern zusammengebracht und das wilde Wasser gesondert ins Gewölbe zum Abfließen gehalten wurde, hat auf Visitationis Mariae, den 2. Juli, ein Quart gehalten —— 6 Lot. Anmerkung: Und dies ist die Zeit, von der die Bodemeister rühmen, die Sole sei damals am besten gewesen; damals aber war noch nicht angeordnet, dass das Salz durch Roste gemessen werden musste.
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Der Dritte Appendix. Anno 1551: gesotten —— 5785 Pfannen. Ein Quart Sole hat gehalten 7 Lot um Ostern — die Werra war Hochwasser gewesen; 6 Lot 1 Quentchen den 21. Juli. Im Herbst ist die Werra Hochwasser gewesen, deshalb ist nicht geprobt worden. Anno 1552: gesotten —— 6254 Pfannen. 7 Lot um Ostern, 5½ Lot im Herbst — es war eine trockene Zeit. Anmerkung: In diesem Jahr ist angeordnet worden, dass das Salz durch die Roste gemessen werden musste; darum haben die Bodemeister wieder angefangen, sich über die Brunnenbauten zu beklagen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1553: gesotten — 6460 Pfannen. 7 Lot um Ostern, 5½ Lot im Herbst. Anno 1554: gesotten 6151 Pfannen. In diesem Jahr sind sowohl im Winter als auch im Sommer wenig Hochwasser gewesen. 6 Lot 1 Quentchen um Ostern, 5 Lot 1 Quentchen im Herbst — es war trockene Zeit. Anno 1555: gesotten 5980 Pfannen. 7 Lot 1 Quentchen um Ostern. Es ist ein nasses Jahr gewesen, deshalb hat sich die Sole gut gehalten, und es ist nicht weiter geprobt worden. Anno 1556: gesotten — 6767 Pfannen. 7½ Lot um Ostern — es ist viel Gewässer gewesen; 5½ Lot im Herbst — es ist ein trockener Sommer gefolgt.
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Der Dritte Appendix. Anno 1557: gesotten ____ 6024 Pfannen. 7 Lot um Ostern, 5 Lot 1 Quentchen im Herbst. In diesem Jahr ist der Quellborn auf Michaelis vertrocknet und erst um Invocavit Anno 58 wiedergekommen. Anno 1558: gesotten - 5953 Pfannen. In diesem Jahr sind Hochwasser und Feuchtigkeit spät, erst nach Ostern gekommen; ein Quart hat gehalten 7 Lot um Pfingsten, 6 Lot im Herbst.
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Der Dritte Appendix. Anno 1559: gesotten ____ 7020 Pfannen. 7 Lot nach Trinitatis; 6 Lot 1½ Quentchen den 13. Juli — Anmerkung: Da sind die unebenen Adern aus dem Brunnen gewiesen worden; 5 Lot 3 Quentchen um Michaelis; 5½ Lot um Martini. Der Quellborn ist im Monat August vertrocknet und erst nach Weihnachten Anno 60 wiedergekommen. Anno 1560: gesotten 7656 Pfannen. Zu Anfang des Jahres sind viele Hochwasser gewesen, so dass die Sole von selbst wieder zugenommen hat und gehalten hat: 7 Lot den 7. Januar, 7 Lot 1 Quentchen um Ostern, 6½ Lot um Exaudi. Sodann sind viele Regenwetter eingefallen, so dass die Sole wieder zugenommen hat: 7 Lot den 10. August. Anmerkung: In der folgenden Zeit ist Sole übrig gewesen, und es ist nicht deswegen, sondern wegen zu wenig Feuer zum Ausbringen Klage vorgefallen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1561: gesotten 8066 Pfannen. 7½ Lot um Ostern; 7 Lot 1 Quentchen den 19. Mai; 6 Lot 2½ Quentchen den 14. Juli; 6½ Lot den 16. August; 6 Lot ½ Quentchen den 20. Oktober; 6 Lot den 10. und 23. Dezember. Der Quellborn ist auf Luciae ganz ausgeblieben und oben zugefroren, aber am letzten Dezember, weil feuchtes Wetter gewesen ist, wiedergekommen. Anno 1562: gesotten 7056 Pfannen. 6 Lot 1 Quentchen den 16. Januar; 7 Lot den 6. Februar; 6½ Lot den 23. Juni; 6 Lot den 22. Oktober; 6 Lot ½ Quentchen den 1. Dezember. In diesem Jahr ist der Quellborn — weil immer feuchtes Wetter gewesen ist — nicht vertrocknet, hat aber im Herbst kaum ein Drittel so stark gequollen wie um Ostern.
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Der Dritte Appendix. Anno 1563: gesotten 7501 Pfannen. Es hat nicht sonderlich Hochwasser und Gewässer gegeben. 6 Lot 1 Quentchen und etwas mehr den 25. Januar; 7 Lot den 8. März; 6 Lot 1 Quentchen den 9. September; 6 Lot den 18. Dezember. In diesem Jahr ist der Quellborn auch nicht ganz vertrocknet, hat aber im November sehr gering gequollen. Anno 1564: gesotten 7557 Pfannen. 6 Lot 1½ Quentchen den 13. Januar; 7 Lot der Brunnen den 23. März; 7 Lot 1 Quentchen die unebene Ader — obwohl diese zuvor, ehe der Brunnen zu Sumpf gehalten wurde, am Born stets um ein halbes Quentchen geringer gewesen ist als die Sole im Brunnen. 6 Lot der Brunnen, 6 Lot 1 Quentchen die Ader, den 27. September; 6½ Lot den 11. November. Und weil Sole genug vorhanden war und sie sich gebessert hatte, ist die Ader wieder abgewiesen worden.
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Der Dritte Appendix. 7½ Lot der Brunnen, 7 Lot 3 Quentchen die Adern, den 20. Dezember. Der Quellborn ist in diesem Jahr nicht vertrocknet, hat aber Ende September nur zolldick geflossen. Anno 1565: gesotten 7733 Pfannen. In diesem Winter sind große Hochwasser gewesen. 7½ Lot der Brunnen, 7 Lot 3 Quentchen die Ader, den 12. April; 6 Lot 3 Quentchen der Brunnen, 7 Lot die Adern, den 4. Juni; 6 Lot 1½ Quentchen der Brunnen den 28. August; 5 Lot 3½ Quentchen der Brunnen, 6 Lot ½ Quentchen die Adern, den 6. November; 6 Lot der Brunnen, 6 Lot 1 Quentchen die Adern, den 16. Dezember. Der Quellborn ist in diesem Jahr im Herbst etliche Zeit nicht ausgeflossen, bis ihm im Dezember das Regenwetter wieder geholfen hat.
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Der Dritte Appendix. Christoff Hombergs Meinung und treue Warnung. Weil es in diesem Jahr an Sole nicht gefehlt hat und gleichwohl die Sole am Gehalt geringer ist als in etlichen der vorigen Jahre, und weil der Brunnen immer zu Sumpf gehalten wird, besonders im Herbst, so ist zu besorgen, dass dieses tiefe Aufziehen dem Brunnen mit der Zeit Schaden bringt. Ursache: weil der Born tiefer in der Wasserwaage ausgezogen wird, als das wilde Wasser abfließt. Wie das leicht an der großen Nebenader zu bemerken ist, die in ihrem ersten gefassten Stand zu jeder Zeit gleich abfließt: denn ehe der Brunnen so tief zu Sumpf gezogen wurde, war diese Ader um ein halbes Quentchen geringer als die gemeine Sole im Brunnen; nun aber ist die Sole im Born um ein Quentchen geringer als die genannte Nebenader.
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Der Dritte Appendix. Anno 1566: gesotten 7661 Pfannen. Dieses Jahr ist zu Anfang nass gewesen, und die Werra ist vor Invocavit zweimal Hochwasser gewesen; da hat die Sole gehalten: 6 Lot den 20. Januar; 7 Lot 1 Quentchen den 5. März; 7½ Lot den 20. April; 7 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 7 Lot 2 Quentchen die Ader, den 30. Mai; 6 Lot 3 Quentchen der Brunnen den 6. Juli; 6 Lot der Brunnen, 6 Lot 1 Quentchen die Ader, den 26. August; 5 Lot 3 Quentchen der Brunnen, 6 Lot die Ader, den 28. September. So hat es auch gehalten den 30. Oktober und den 21. Dezember. Der Quellborn ist nach Martini ganz vertrocknet.
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Der Dritte Appendix. Anno 1567: gesotten 7014 Pfannen. Dieses Jahr ist zu Anfang vor Esto mihi trocken gewesen, und die Sole hat gehalten: 5 Lot 3 Quentchen der Brunnen den 29. Januar und 16. Februar. Auf Esto mihi hat der Quellborn wieder oben ausgelaufen. 6 Lot und etwas mehr der Brunnen, 6 Lot die Adern, den 12. März; 6 Lot ½ Quentchen den 25. März; 5 Lot 3 Quentchen in Beisein meines gnädigen Fürsten und Herrn; 5 Lot 3 Quentchen damals, den 13. Mai, die grobe und die kleine Ader; 5 Lot 1½ Quentchen den 20. Juni; 5 Lot 1 Quentchen den 12. Juli und 15. Juli, und die unebene Ader hält — 5 Lot 1½ Quentchen. Bis hierher hat der selige Christoff Homberg geprobt; er ist am — August in Gott verschieden. Die folgenden Proben sind durch den Salzgrafen,
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Der Dritte Appendix. den Bornmeister und mich vorgenommen worden. 5 Lot 1½ Quentchen der Brunnen, 5 Lot 1 Quentchen die Adern, den 30. August. Den 16. September — nachdem ich am 9. zu Sooden eingetroffen und mein Amt angetreten hatte — probten der Salzgraf, Venandt und ich die Sole; sie hielt 5 Lot 1½ Quentchen der Brunnen und auch die Ader. 5 Lot der Brunnen, 5 Lot 1½ Quentchen die Ader, den 25. September; 5 Lot 1 Quentchen Brunnen und Ader den 27. Oktober; 5 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 5 Lot 2 Quentchen die Ader, den 24. November, desgleichen den 1. und 25. Dezember. Anmerkung: Den 25. Dezember wurden auch die wilden Adern, die aus dem Kämmerlein über die Schwelle fallen, geprobt; ein Quart hielt — 2 Lot 1 Quentchen, und das wilde Wasser — 2½ Quentchen. Den 21. September dieses Jahres vertrocknete der Quellborn und kam erst im folgenden 68. Jahr, den 1. März, wieder.
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Der Dritte Appendix. Anno 1568: gesotten - 6726 Pfannen. Es ist ein trockenes Jahr, der Winter aber Hochwasser gewesen, und die Sole hat gehalten: 5 Lot ½ Quentchen der Brunnen, 5 Lot ½ Quentchen die Adern, den 16. Januar; 2 Lot 1 Quentchen damals die wilden Adern, wie sie aus dem Kämmerlein über die Schwelle fallen. 5 Lot ½ Quentchen der Brunnen den 16. Februar; 5 Lot ¾ Quentchen damals die oberste Ader zum Kunsthaus hin; 5 Lot 1¼ Quentchen die mittlere Ader; 5 Lot 3 Quentchen die untere Ader zu Schmidts Bothe hin. 5 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 5½ Lot die Adern, den 1. März; 5½ Lot der Brunnen, 6 Lot die Adern, den 3. März; 5 Lot 3½ Quentchen der Brunnen, 6 Lot die Adern, den 20. März und 2. April; 6 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 6 Lot 1½ Quentchen die Adern, den 24. April.
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Der Dritte Appendix. 5 Lot 3 Quentchen der Brunnen, 6 Lot die Adern, 3¼ Quentchen das wilde Wasser, den 17. Juni; 6 Lot der Brunnen, 6 Lot ¼ Quentchen die Ader, den 20. Juni; 5 Lot 1½ Quentchen der Brunnen, 5 Lot 3 Quentchen die Ader, den 16. Juli; 5 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 5 Lot 1½ Quentchen die Ader, 2 Quentchen wildes Wasser, den 10. August. Anmerkung: Den 19. August hat der Salzgraf die Beißsole aus Hans Schweitzers Beißtrog holen lassen und geprobt; ein Quart hat gehalten ____________________ 11 Lot. 5 Lot der Brunnen, 5 Lot ½ Quentchen die Ader, 2 Quentchen das wilde Wasser, den 6. Oktober.
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Der Dritte Appendix. 5 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 6 Lot 1½ Quentchen die Ader, den 13. November; 5 Lot ½ Quentchen der Brunnen, 5 Lot 1½ Quentchen die Adern, 2⅓ Quentchen das wilde Wasser, den 15. Dezember. In diesem Jahr hat es sehr an Sole gefehlt, deshalb ist großes Kaltliegen geschehen, so dass man die angeordnete Summe von 7000 Werken um 274 Werke nicht hat ersieden können. Und der Brunnen ist eine Zeitlang so gering gewesen, dass man meinte, er habe irgendeinen Mangel bekommen. Deshalb hat auch mein gnädiger Fürst und Herr befohlen nachzuforschen, ob etwa in der Nähe Brunnen gegraben worden seien; und so musste auch der Bergkhauptmann Hermann Schütz herkommen und alle Umstände besichtigen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1569: gesotten 7498 Pfannen. Die Sole hat gehalten: 5½ Lot den 14. Januar. Anmerkung: Den 16. Januar war eine große Flut und Eisfahrt; sie währte gegen 8 Tage. Danach, den 30. Januar, hielt der Brunnen 5½ Lot; 5 Lot 3 Quentchen den 4. Februar. Den 6. März ist der Quellborn zolldick ausgeflossen und am 30. gar stark. 6 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 6 Lot ½ Quentchen die Ader, den 14. und 21. März; 6½ Lot der Brunnen den 5. April, und die Ader hat nicht geprobt werden können; 6 Lot 1½ Quentchen der Brunnen, 6 Lot 1½ Quentchen die Adern, den 2. Mai und 27. Juni; 6 Lot der Brunnen, 6 Lot 1 Quentchen die Adern, im Juli.
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Der Dritte Appendix. 6 Lot der Brunnen den 16. August; 5 Lot 3 Quentchen der Brunnen, 6 Lot die Adern, den 12. September und 1. Oktober; 6 Lot der Brunnen, 6 Lot ½ Quentchen die Ader, am 11. November; 7 Lot ½ Quentchen der Brunnen, 7 Lot 1 Quentchen die Ader, den 8. Dezember.
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Der Dritte Appendix. Anno 1570: gesotten 8001 Pfannen. In diesem Jahr hat man immer Sole genug und gute Sole gehabt, und es sind keine Zulagen nötig gewesen; denn es ist ein feuchtes Jahr gewesen und viel Hochwasser, sowohl im Winter als auch im Herbst. Sie hielt: 8 Lot der Brunnen, 8½ Lot die Adern, den 12. März. Sodann ist der Brunnen immer so stark gewesen, dass er nicht zu Sumpf gebracht und also auch die Nebenadern geprobt werden konnten. 7 Lot 3 Quentchen den 24. April und 4. Mai; 7 Lot 1½ Quentchen den 1. Juni; 7 Lot 1 Quentchen den 27. Juni; 6 Lot 3 Quentchen den 1. Oktober; 6 Lot 1½ Quentchen den 19. Oktober; 6 Lot 3 Quentchen den 12. November; 7 Lot 3 Quentchen den 10. Dezember.
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Die Reihe, 1571 bis 1585. Nach Hombergs Tod führt Rhenanus die Aufzeichnung fort, und der Charakter ändert sich leicht: Die Wetterbeobachtung wird ausführlicher, und immer öfter wird neben dem heimischen Quart auch ein Wormser Maß mitgemessen — zwei Maßsysteme nebeneinander, damit die Werte auch auswärts lesbar bleiben.
Und die Reihe wird zur Prüfung von Hombergs These. 1581 steht am Anfang die Notiz, dass die Werra am 28. Dezember Hochwasser hatte; 1585 dagegen: „In diesem Winter hat es sehr wenig geschneit, auch ist keine Eisfahrt oder Wasserflut gewesen; deshalb ist die Sole das ganze Jahr über sowohl am Gehalt als auch an der Menge sehr gering gewesen.“
Der schönste Eintrag ist der, in dem die Erwartung nicht eintrifft. Im Juni 1585 steigt die Werra nach starkem Regen so sehr, „dass man auf dem Brunnen ausspannen und mit dem Fahren bis zum 26. stillhalten musste“. Man rechnete mit einer Verbesserung wie sonst im Frühjahr — „aber sie hat sich über ein halbes Lot nicht gebessert und ist auch an der Menge bald wieder abfällig geworden“.
Damit steht am Ende dieses Anhangs eine durchgehende Messreihe über sechsunddreißig Jahre: Produktionsmenge, Salzgehalt mit Datum, Kontrollmessung an einer zweiten Ader, Witterung — und die ehrliche Notiz, wenn die eigene Hypothese nicht bestätigt wird. Für die Klimageschichte des 16. Jahrhunderts wie für die Geschichte des Messens ist das der wertvollste Teil der Salzbibel.
Der Dritte Appendix. Anno 1571. 7 Lot 1 Quentchen den 2. Januar; 7 Lot 1½ Quentchen den 3. Februar; 7½ Lot den 3. und 7½ Lot den 17. März; 7 Lot 1½ Quentchen den 9. April; 6 Lot 1 Quentchen den 24. April. Anmerkung: Der März und der April sind vom Anfang bis zum Ende sehr trocken und gar warm gewesen. Damals hielt auch ein Quart garer Sole —————————— 38 Lot und ein Quart trockenes Salz ——— 42½ Lot; gewogen haben Jobst Mennyer und ich. 6 Lot 1 Quentchen den 9. Mai; 6 Lot ½ Quentchen den 1. Juni; 6 Lot den 24. Juni; 6 Lot den 3. Juli; 5 Lot 3 Quentchen den 16. Juli; 5 Lot 1½ Quentchen den 15. August; 5 Lot ½ Quentchen den 4. und 16. September; 5 Lot ½ Quentchen den 1. Oktober.
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Der Dritte Appendix. 5 Lot knapp den 27. Oktober und im November; 5 Lot den 9. Dezember. Anmerkung: In diesem Jahr ist Sole genug, aber geringe gewesen, besonders nach dem März. Den 6. Februar abends um 10 Uhr ist die Werra sehr Hochwasser geworden, so dass man auf dem Brunnen bis zum 25. Februar abends um zwölf Uhr nicht fahren konnte; es hat also stillgestanden —— 18 Tage. Und dieses Jahr ist allen vorigen und besonders der Meinung des seligen Christoff Homberg etwas zuwider erschienen; denn obwohl viel und überflüssig Sole vorhanden war, ist sie doch am Gehalt gering geworden.
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Der Dritte Appendix. Anno 1572. 6 Lot knapp den 3. Januar; 6 Lot ½ Quentchen den 4. Februar; 6 Lot den 3. März; 6 Lot den 12. April; 5½ Lot den 1. Mai; 5 Lot 1½ Quentchen den 3. Juli; 5 Lot ½ Quentchen den 3. August; 5 Lot 1 Quentchen den 2. September; 5 Lot den 3. Oktober; 5 Lot den 1. November; 5 Lot knapp den 6. Dezember. Anmerkung: In diesem Jahr ist viel Sole und Überfluss davon gewesen, sie ist aber sehr schwach und am Gehalt gering gewesen. Und obwohl die Werra den 11. März Hochwasser geworden ist und es 7 Tage gewährt hat, so dass man auf dem Brunnen nicht fahren konnte, desgleichen den 30. März wiederum, und es hat 3 Tage gewährt, desgleichen den 15. Juli, und es hat 5
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Der Dritte Appendix. Tage gewährt, so hat das doch an der Sole keine Besserung wie in den vorigen Jahren bringen wollen. Und dieses Jahr gleicht fast dem nächstvergangenen 71. Jahr; Gott verleihe künftig Besserung. Anno 1573. 5 Lot knapp den 28. Januar; 5 Lot ½ Quentchen den 18. Februar — es hält das Quart rohe Sole ——— 2 Pfund 27 Lot. 6 Lot weniger ½ Quentchen der Brunnen, 6 Lot 1 Quentchen die Adern, am 1. März; 6 Lot 2½ Quentchen der Brunnen am 16. März und am 2. Mai; 6 Lot ½ Quentchen am 21. Mai; 6 Lot ½ Quentchen der Brunnen, 6½ Lot die Adern, am 2. Juni; 5½ Lot der Brunnen, 6 Lot die Adern, am 3. Juli und 8. August; 6 Lot der Brunnen, 6 Lot 1½ Quentchen die Adern, am 30. September; 6 Lot ½ Quentchen der Brunnen, 6 Lot 2½ Quentchen die Adern, am 10. Dezember. In diesem Jahr ist Sole genug gewesen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1574. 6 Lot 3½ Quentchen der Brunnen, 7 Lot die Nebenadern, am 10. Januar; 7 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 7 Lot 3 Quentchen die Nebenadern, am 2. Februar. Anmerkung: Diese Sole hielt am Gewicht — 96 Lot, das waren 3 Pfund; also ist der 13. Teil gut oder Salz gewesen. Damals hielt auch ein Quart wildes Wasser — 90 Lot. 7 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 7 Lot 3 Quentchen die Adern, am 8. März und 20. April; 6 Lot 1 Quentchen den 7. Juni; 5 Lot 1½ Quentchen den 2. Juli; 5 Lot ½ Quentchen den 11. August; 5 Lot weniger ½ Quentchen der Brunnen, 5 Lot und ½ Quentchen die Adern, den 4. September; 5 Lot 1 Quentchen den 29. September; 5 Lot den 3. November.
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Der Dritte Appendix. Anno 1575. 5 Lot ½ Quentchen der Brunnen am 10. Januar; 5 Lot weniger ½ Quentchen der Brunnen, 5 Lot 1½ Quentchen die Adern, am 1. Februar; 5 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 5 Lot 1½ Quentchen die Nebenadern, am 3. März auf Befehl meines gnädigen Fürsten und Herrn geprobt, ebenso am 11. März; 5 Lot weniger ½ Quentchen der Brunnen am 4. und 10. Mai, und so bis zum Ende des Jahres. Denn dieses Jahr ist die meiste Zeit trocken und sonst ein fruchtbares Jahr gewesen. Doch hat sich der Brunnen an der Menge der Sole ziemlich gehalten bis in den Herbst; und am Ende hat es etliche Male an Sole gefehlt, wenn die Sieder streng gesotten haben. Dessen ist dann größtenteils die Schwäche der Sole am Gehalt Ursache gewesen, weil die Sieder viel davon zum Werk haben mussten.
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Der Dritte Appendix. Anno 1576. 5 Lot weniger ½ Quentchen der Brunnen den 3. und 9. Januar; 5 Lot der Brunnen, 5½ Lot reichlich die Adern, den 28. Februar, auch den 2. und 10. März; 5½ Lot der Brunnen den 22. März; 6 Lot der Brunnen den 2. April; 6 Lot der Brunnen den 1. Mai; 5½ Lot der Brunnen den 23. Juni; 6 Lot der Brunnen den 13. Juli; 6 Lot der Brunnen, 6½ Lot die Adern, den 17. Juli, als mein gnädiger Fürst und Herr hier gewesen ist; und ein Quart der Sole wog — 96 Lot, das sind 3 Pfund. Den 17. Oktober hielt ein Quart ——————————— 5 Lot 3 Quentchen, ein Wormser Maß ————— 8 Lot 2½ Quentchen; und die Sole wog ————— 4 Pfund 10 Lot. Den 12. Dezember hielt ein Quart ——————————— 5 Lot ½ Quentchen, ein Wormser Maß ————— 7 Lot 2½ Quentchen. In diesem Jahr ist Sole genug gewesen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1577. Den 1. Januar hielt ein Quart Sole ————————— 5½ Lot, ein Wormser Maß ———————— 8 Lot 1 Quentchen. Die Nebenader hielt: ein Quart ————————————— 6 Lot, ein Wormser Maß —————————— 9 Lot. Den 8. Februar: ein Quart Sole —————————— 5 Lot 3 Quentchen, ein Wormser Maß ——————— 8 Lot 2½ Quentchen; den 2. März desgleichen. Den 1. April: ein Quart Brunnen ———————— 6 Lot, ein Wormser Maß ————————— 9 Lot. Die Adern: ein Quart ——————————— 6½ Lot, ein Wormser Maß ——————— 9 Lot 3 Quentchen. Den 1. Mai: ein Quart des Brunnens ————— 5½ Lot, ein Wormser Maß ———————— 8 Lot 1 Quentchen.
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Der Dritte Appendix. Den 5. Juni: ein Quart ————————————— 5 Lot 3 Quentchen, ein Wormser Maß —————————— 8 Lot 2½ Quentchen. Den 1. Juli, August und September: ein Quart Brunnen ——————— 5 Lot 3 Quentchen, ein Wormser Maß —————————— 8 Lot 2½ Quentchen. Die Adern: ein Quart ——————————————— 6 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß —————————— 9 Lot 1½ Quentchen. Den 22. September, als die Werra von vielem Regen etwas Hochwasser geworden ist, hat sich die Sole auch gebessert; und der Brunnen hat gehalten: ein Quart —————————————— 6 Lot, ein Wormser Maß —————————— 9 Lot. Im Dezember hat sich die Sole wieder gebessert und am 10. gehalten: ein Quart —————————————— 7 Lot, ein Wormser Maß —————————— 10½ Lot.
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Der Dritte Appendix. Anno 1578. Den 8. Januar hat die Sole gehalten: ein Quart ———————— 7 Lot, ein Wormser Maß ———— 10½ Lot. Den 6. Februar desgleichen. Den 14. Februar: ein Quart ———————— 7 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 10 Lot 3½ Quentchen; ein Quart der Ader ———— 7 Lot 3 Quentchen. Den 13. März: ein Quart ———————— 7½ Lot, ein Wormser Maß ———— 11 Lot 1 Quentchen. Den 10. April: ein Quart ———————— 7 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 10 Lot 3½ Quentchen. Den 5. Mai: ein Quart ———————— 7 Lot, ein Wormser Maß ———— 10½ Lot.
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Der Dritte Appendix. Den 3. Juni: ein Quart ———————— 6 Lot 3 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 10 Lot ½ Quentchen. Den 7. Juli: ein Quart ———————— 6 Lot, ein Wormser Maß ———— 9 Lot. Den 27. September: ein Quart ———————— 5 Lot, ein Wormser Maß ———— 7½ Lot. Den 11. November und den 25. desgleichen; damals gab ein Quart der Nebenader ———————————— 5½ Lot. Den 14. Dezember desgleichen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1579. Die Sole hat in diesem Jahr in der kleinen Probe gehalten wie folgt. Den 10. Januar: ein Quart ———————— 5 Lot, ein Wormser Maß ———— 7½ Lot. Den 7. Februar: ein Quart ———————— 5 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 7 Lot 3½ Quentchen. Den 8. März: ein Quart ———————— 6 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 1½ Quentchen. Den 18. März: ein Quart ———————— 6 Lot 2 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 3 Quentchen. Den 13. April und 7. Mai: ein Quart ———————— 6 Lot 2 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 3 Quentchen. Den 3. Juli: ein Quart ———————— 6 Lot 1½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 2¼ Quentchen. Anmerkung: Sodann, den 26. Juni, ist die Werra sehr groß
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Der Dritte Appendix. und Hochwasser geworden, so dass man auf dem Brunnen ausspannen und bis zum 4. Juli — das sind 9 Tage — stillhalten musste. Sodann hat die Sole gehalten den 8. Juli: ein Quart ———————— 6 Lot 1½ Quentchen, ein Wormser Maß ———————— 9 Lot 2¼ Quentchen. Den 10. August: ein Quart ———————— 6 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 1½ Quentchen. Den 10. September: ein Quart ———————— 6 Lot, ein Wormser Maß ———— 9 Lot. Den 1. Oktober: ein Quart Sole ———— 6 Lot, ein Quart der Adern ———— 6½ Lot. Sodann, den 5. Oktober, ist die Werra sehr Hochwasser geworden, so dass man in 8 Tagen auf dem Brunnen nicht fahren konnte; und die Sole hat sich an der Güte um 1 Quentchen gebessert.
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Der Dritte Appendix. Den 22. September hat gehalten: ein Quart Sole ———————— 6 Lot 2 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 3 Quentchen. Desgleichen im Oktober, November und Dezember. Anno 1580. Die Sole hat in diesem Jahr in der kleinen Probe gehalten wie folgt. Den 9. Januar: ein Quart ———————— 6 Lot 1 Quentchen; die Adern ———————— 6 Lot 3 Quentchen; ein Wormser Maß ———— 9 Lot 1½ Quentchen. Den 23. Februar: ein Quart ———————— 6 Lot; die Adern ———————— 6 Lot 1½ Quentchen; ein Wormser Maß ———— 9 Lot. Den 3. und 17. März und den 28. desgleichen. Den 3. Mai: ein Quart Sole ———————— 6 Lot ½ Quentchen; ein Quart der Adern ———— 6½ Lot; ein Wormser Maß ———— 9 Lot 1 Quentchen.
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Der Dritte Appendix. Den 26. Juni und 16. Juli: ein Quart Brunnen ———————— 6 Lot weniger ½ Quentchen, ein Wormser Maß ———————— 8 Lot 2½ Quentchen; ein Quart Adern ———————— 6 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ———————— 9 Lot 1½ Quentchen. Den 29. September: ein Quart Brunnen ———————— 5 Lot 1 Quentchen reichlich; ein Quart Adern ———————— 5 Lot 1½ Quentchen reichlich. Den 29. Oktober und 19. November hat ein Quart gehalten: Brunnen ———————— 5 Lot nicht ganz; Adern ———————— 5 Lot ½ Quentchen. Den 14. Dezember: ein Quart Brunnen ———— 4 Lot 3 Quentchen; ein Quart Adern ———— 5 Lot.
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Der Dritte Appendix. Anno 1581. Mittwoch, den 28. Dezember im 80. Jahr, ist die Werra von vielem Regen sehr Hochwasser geworden, so dass man am Abend um 12 Uhr auf dem Brunnen ausspannen musste; es hat stillgestanden bis Montag, den 2. Januar Anno 81, am Abend um sechs Uhr, da hat man erst wieder angefahren. Danach ist der Brunnen sehr stark gequollen, so dass man den Stein nicht freihalten konnte. Den 6. und 14. Januar hat der Brunnen gehalten: ein Quart ———————— 5 Lot. Den 4. und 13. Februar haben gehalten: der Brunnen ein Quart ———— 5 Lot ½ Quentchen; die Adern ein Quart ———— 5 Lot 1 Quentchen. Den 20. März: der Brunnen ———————— 5 Lot 1½ Quentchen; die Adern ———————— 5½ Lot.
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Der Dritte Appendix. Den 8. April: der Brunnen ein Quart ———— 6 Lot; die Adern ein Quart ———— 6 Lot ½ Quentchen. Den 17. Mai: der Brunnen ein Quart ———— 6 Lot 1½ Quentchen. Den 5. Juli: der Brunnen ein Quart ———— 6 Lot ½ Quentchen. Den 26. August: der Brunnen ein Quart ———— 5 Lot weniger ½ Quentchen; ebenso im September und den 11. Oktober; damals hielt die Nebenader ein Quart ———————— 5 Lot 1 Quentchen. Den 18. Oktober: der Brunnen ein Quart ———— 5 Lot weniger ½ Quentchen; die Adern ———————— 5 Lot 1 Quentchen. Den 18. und 26. November: der Brunnen ein Quart ———— 5 Lot; die Nebenadern ———— 5 Lot 1½ Quentchen. Ebenso auch den 3. Dezember.
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Der Dritte Appendix. Anno 1582. Den 12. Januar: der Brunnen ein Quart ———— 5 Lot 1 Quentchen, das ist ein Wormser Maß ———— 7½ Lot; die Nebenadern ein Quart ———— 5 Lot 1½ Quentchen, ein Wormser Maß ———————— 8 Lot ¼ Quentchen. Anmerkung: Den 16. Januar ist die Werra Hochwasser geworden, so dass man 7 Tage auf dem Brunnen stillhalten musste; und es ist sogleich wieder ein harter Frost und Trockenheit eingefallen. Den 1. Februar: ein Quart des Brunnens ———— 5 Lot 3½ Quentchen, ein Wormser Maß ———————— 8 Lot 3¼ Quentchen. Den 14. März: ein Quart des Brunnens ———— 6 Lot 2½ Quentchen, ein Wormser Maß ———————— 9 Lot 3¾ Quentchen; ebenso auch den 1. April. Den 14. April: ein Quart ———————— 6 Lot 3 Quentchen. Den 3. Mai: ein Quart ———————— 6½ Lot.
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Der Dritte Appendix. Den 6. Juni hielt der Brunnen: ein Quart ———————— 5 Lot ½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 8½ Lot. Den 8. Juli: ein Quart ———————— 5½ Lot, ein Wormser Maß ———— 8 Lot 1 Quentchen. Den 1. September: ein Quart ———————— 5 Lot 1½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 8 Lot ⅛ Quentchen; den 1. Oktober desgleichen. Den 21. Oktober die Sole: ein Quart ———————— 5½ Lot, ein Wormser Maß ———— 8 Lot 1 Quentchen; die Nebenadern: ein Quart ———————— 5 Lot 3 Quentchen, ein Wormser Maß ———— 8 Lot 2½ Quentchen. Den 17. November: ein Quart ———————— 6 Lot, ein Wormser Maß ———— 9 Lot. Den 1. Dezember: ein Quart ———————— 6 Lot ½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot ¾ Quentchen. Den 15. Dezember: ein Quart ———————— 6 Lot 1½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 2¼ Quentchen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1583. Den 10. Januar hat die Sole in der kleinen Probe gehalten: ein Quart ———————— 6 Lot 3½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 10 Lot 1¼ Quentchen. Den 3. Februar desgleichen. Den 6. März: der Brunnen ein Quart ———————— 6 Lot 3½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 10 Lot; Nebenadern ein Quart ———————— 7 Lot, ein Wormser Maß ———— 10¼ Lot. Im April desgleichen. Den 2. Mai: der Brunnen ein Quart ———————— 6½ Lot, ein Wormser Maß ———— 9 Lot 3 Quentchen. Den 16. Juni: ein Quart ———————— 6 Lot, ein Wormser Maß ———— 9 Lot.
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Der Dritte Appendix. Den 20. Juli: ein Quart ———————— 5 Lot 3 Quentchen reichlich, ein Wormser Maß ———— 8 Lot 2½ Quentchen; ebenso auch im August, September und Oktober. Den 2. November: ein Quart ———————— 5 Lot 2½ Quentchen, ein Wormser Maß ———— 8½ Lot; den 2. Dezember desgleichen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1584. Dieses Jahr ist ziemlich trocken, doch ein fruchtreiches und ein gutes Weinjahr gewesen. Die Sole hat in der kleinen Probe gehalten: Im Januar, den 11.: ein Quart ——————————————— 5 Lot 1½ Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 8 Lot ¼ Quentchen. Im Februar, den 9., nachdem es lange Hochwasser gewesen war: ein Quart ——————————————— 6½ Lot, ein Wormser Maß ——————————— 9 Lot 3 Quentchen. Im März, den 4. und 14.: ein Quart ——————————————— 6½ Lot; die Nebenadern ———————— 6 Lot 3 Quentchen. Im April: ein Quart ——————————————— 6½ Lot. Im Mai, den 23.: ein Quart ——————————————— 6 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 9 Lot 1½ Quentchen. Im Juni desgleichen.
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Der Dritte Appendix. Im Juli, den 19.: ein Quart ——————————————— 6 Lot weniger ½ Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 8 Lot 3¼ Quentchen. Im August, den 5. und 7.: ein Quart ——————————————— 5½ Lot, ein Wormser Maß ——————————— 8 Lot 1 Quentchen. Anmerkung: Im September und Oktober hat die Sole im Brunnen an der Menge sehr abgenommen, so dass man ihrer zum Sieden nicht genug holen konnte und deshalb auch viele Werke haben kaltliegen müssen. Sie hat gehalten: Den 1. Oktober: ein Quart ——————————————— 5 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 7 Lot 3½ Quentchen. Den 21. November: ein Quart ——————————————— 5 Lot ½ Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 7 Lot 3 Quentchen. Den 8. Dezember der Brunnen: ein Quart ——————————————— 5 Lot weniger ½ Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 7 Lot 2 Quentchen; Nebenadern: ein Quart ——————————————— 5 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 7 Lot 3½ Quentchen.
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Der Dritte Appendix. Anno 1585. In diesem Winter hat es sehr wenig geschneit, auch ist keine Eisfahrt oder Wasserflut gewesen; deshalb ist die Sole das ganze Jahr über sowohl am Gehalt als auch an der Menge sehr gering gewesen und hat nicht mehr gehalten als: Im Januar, Februar, März, Mai und Juni: ein Quart ——————————————— ungefähr 5 Lot, ein Wormser Maß ——————————— 7½ Lot. Freitag, den 18. Juni, erhob sich die Werra von dem vielen Regen so sehr, dass man auf dem Brunnen ausspannen und mit dem Fahren bis zum 26. stillhalten musste. Deshalb meinte man, die Sole würde sich davon wie im Frühling von den Winterfluten gebessert haben; aber sie hat sich über ein halbes Lot nicht gebessert und ist auch an der Menge bald wieder abfällig geworden. Sie hat demnach gehalten am 5. Juli:
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Der Dritte Appendix. Ein Quart ——————————————— 5½ Lot, ein Wormser Maß ——————————— 8 Lot 1 Quentchen. Den 11. Juli: ein Quart ——————————————— 5 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 7 Lot 3½ Quentchen. Den 25. Juli: ein Quart ——————————————— 5 Lot gar knapp.
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App. IV · 4. Appendix · Band 2
Der Auftrag: reisen, messen, aufschreiben. Der vierte Anhang ist Rhenanus’ Reisebericht — und der eigentliche Grund, warum die Salzbibel mehr ist als eine Hauschronik.
Die Vorgeschichte erklärt er selbst. Wilhelm IV. habe zu Beginn seiner Regierung nicht nur eine Beschreibung des Salzwerks gewollt, sondern auch eine neue Ordnung — und dabei „im Lauf der Sache befunden“, dass ein solches Vorhaben „ohne Erfahrung vieler Salzwerke“ nicht ordentlich auszuführen sei. Also wird der älteste Diener und Salzgraf auf Reisen geschickt.
Die Instruktion vom 28. Juni 1568, unterzeichnet vom Landgrafen selbst, nennt die Ziele: Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde. Und sie liest sich streckenweise wie eine Anleitung zur verdeckten Erkundung: Rhenanus soll „an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen“ — die Beglaubigungsschreiben also versteckt halten und nur vorzeigen, „wo er es für ratsam hält“.
Für den Fall, dass er sich zu erkennen gibt, ist ihm sogar die Erklärung vorformuliert: Er komme „nicht aus dem Grund, dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte“, sondern allein das eigene Werk besser einrichten. Ob man ihm das glaubte, ist eine andere Frage.
Das Entscheidende steht im nächsten Absatz: „Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen.“ Er reist nicht als Betrachter, sondern mit einem Messinstrument im Gepäck — und bringt vergleichbare Zahlen zurück. Dazu soll er erkunden, wie überall die Sole gefasst, wie gesotten, welche Künste gebaut sind und „mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind“.
Ein Nachtrag von anderer Hand fügt Bremen hinzu: Er soll sich erkundigen, ob Bois — Torf — „in großer Menge zu bekommen“ sei und was eine Tonne koste. Auch der Brennstoff steht auf der Liste.
Dies ist der einzige Teil der Salzbibel, der ediert vorliegt: Hans-Henning Walter, Das deutsche Salinenwesen im 16. Jahrhundert. Reiseberichte des Allendorfer Salzgräfen Johannes Rhenanus, Freiberg 1989. Alles andere — die fünf Bücher, beide Probierbücher, das Archivverzeichnis, die Kunstrisse — ist bis heute unediert.
Die Instruktion ist ein Dokument der Technikspionage. Die Beglaubigungsschreiben „im Busen“ zu tragen, das Werk zunächst „privat“ zu besichtigen, die vorformulierte Beschwichtigung für den Fall der Entdeckung: Das ist kein Übereifer eines Landesherrn, sondern die normale Form, in der technisches Wissen im 16. Jahrhundert zirkulierte. Ein Patentwesen gab es außerhalb Venedigs kaum; geschützt wurde durch Geheimhaltung. Rhenanus steht in dieser Ordnung auf beiden Seiten — er erkundet fremde Werke, und er lässt sich zu Hause von Meister Hans Wetzel Verschwiegenheit geloben.
Zum Gradierwerk — eine Klarstellung. Rhenanus hat die Gradierung nicht erfunden; Gradierung über Strohwände ist im 16. Jahrhundert für Bad Kissingen belegt. Nach der Geschichtsseite der Stadt Bad Sooden-Allendorf wurde das erste von insgesamt vierzehn Gradierwerken 1601 gebaut, das erhaltene Gradierwerk Nr. 5 1638; der Verein für Heimatkunde nennt dieselben Jahre. Die gelegentlich genannte Zahl 1555 steht dort für die Bedeutung des Salzwerks um diese Zeit, nicht für ein Gradierwerk; eine Quelle, die 1555 als Beginn des Gradierens nennt, hat sich nicht finden lassen. Rhenanus hat 1568 das Leckwerk in Sulza beschrieben, nicht in Sooden eines gebaut. Wer die Salzbibel als Beleg heranzieht, sollte die Stelle genau angeben. Der gelegentlich zitierte Vergleich „elf Jahre vor Bad Nauheim“ stammt aus der Vereinsliteratur und trägt nicht: In Nauheim wurde erst im 18. Jahrhundert gradiert.
Die Reiseziele sind eine Karte. Frankenhausen, Artern, Halle, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg — das sind genau die Orte, an denen dreihundert Jahre später die deutsche Kaliindustrie entstand. Der Zusammenhang ist geologisch: Alle liegen über den Salzlagern des Zechsteins. Rhenanus reist, ohne es wissen zu können, die Umrisse einer Lagerstätte ab.
Der Vierte Appendix. Es folgt nun die Beschreibung der angeregten Reise, auf der ich auf Befehl meines gnädigen Fürsten und Herrn die nachfolgenden Salzwerke hier und dort besichtigt, mich über alle Umstände erkundigt und das, was ich befunden habe, in der bald folgenden Erzählung ordentlich und kurz aufgeschrieben habe. Als der durchlauchtige, hochgeborene Fürst und Herr, Herr Wilhelm, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda usw., mein gnädiger Fürst und Herr, nach dem tödlichen christlichen Abschied aus dieser Welt des durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipps des Älteren, Landgrafen zu Hessen, Seiner Fürstlichen Gnaden Herrn Vaters, zu Anfang ihrer fürstlichen lobreichen Regierung sich aus vielen und wichtigen Gründen gnädig vorgenommen und entschlossen haben, nicht allein eine allgemeine Beschreibung des Salz-
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Der Vierte Appendix. werks Sooden mit allen Anhängen darauf einzurichten und aufzuschreiben, sondern auch eine besondere, daraus ausgezogene Ordnung nach dem Erfordernis ihres Amtes in eine beständige, richtige Ordnung zu bringen, zu ratifizieren und zu bestätigen — und weil aber Seine Fürstlichen Gnaden im Lauf der Sache befunden haben, dass ein solches nützliches Vorhaben ohne Erfahrung vieler Salzwerke nach allen Umständen nicht vollständig und gebührend ausgeführt werden könne, so haben demnach Seine Fürstlichen Gnaden mich, den Untenbenannten, als Ihrer Fürstlichen Gnaden derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk dazu bestimmt, dass ich nach Anweisung der bald folgenden Instruktion zu den darin genannten Salzwerken reisen und alles, was ich der Instruktion gemäß erfahren könnte, Seiner Fürstlichen Gnaden aufrichtig referieren und beständig eröffnen sollte. Instruktion. Was unser, Wilhelms von Gottes
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Der Vierte Appendix. Gnaden, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda usw., Salzgraf zu Allendorf an der Werra und lieber Getreuer Johannes Rhenanus bei der Besichtigung etlicher Salzwerke — nämlich zu Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde — sich verhalten und in Befehl haben soll. Erstens soll er an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen, die er, wo er es für ratsam hält, den Befehlshabern des Salzwerks übergeben soll. Und nach Übergabe derselben soll er ihnen unseren gnädigen Gruß entrichten und daneben vermelden: Nachdem wir in unserem Salzwerk zu Allendorf allerlei Unrichtigkeit befunden haben, weshalb unsere Notdurft erfordere, dies auf andere Weise einzurichten, sei er von uns ab-
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Der Vierte Appendix. gefertigt, ihr Salzwerk zu besichtigen und sich über dessen ganze Beschaffenheit gründlich zu unterrichten — nicht aus dem Grund, dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte, sondern allein deshalb, damit man dieses unser Salzwerk desto beständiger und besser mit guter Ordnung, Wasserkünsten, Bauten und anderem einrichten könne; und demnach begehren wir, ihm dazu Zutritt zu gestatten und auch gute Anweisung zu geben. Und wenn das so geschieht, soll er sich über die Beschaffenheit des Salzwerks und der Brunnen ganz genau erkundigen: nämlich wie tief sie seien, woher und aus welchem Grund sie springen. Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen und es sodann mit hierher bringen. Vornehmlich aber soll er sorgfältig darauf achten,
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Der Vierte Appendix. wie die Sole gefasst ist, desgleichen wie man an jedem Ort siedet und welche Vorteile sie haben, das Salz auszubringen, und wie sie es allenthalben mit ihrem Salzwerk halten, auch was an jedem Ort für Künste und Vorrichtungen errichtet sind, mit denen man die Sole holt und das wilde Wasser abweist. Ferner soll er besonders bei guten Leuten erforschen, mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind und wie es sich bei diesem Bauen allenthalben angelassen hat. Und was sonst dieser und dergleichen Dinge mehr zu erkunden und zu merken nötig und würdig sein werden, dem soll er mit bestem Fleiß nachforschen und uns von allem bei seiner Rückkehr Bericht erstatten. Unterzeichnet zu Kassel, den 28. Juni Anno Domini 1568. Wilhelm, Landgraf zu Hessen. Es soll sich Rhenanus auch nach Bremen verfügen
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Der Vierte Appendix. und sich über alle Umstände des Bois erkundigen, ob dieser in großer Menge zu bekommen ist und wie teuer ungefähr eine Tonne, auch mit welchen Mitteln er heraufzubringen wäre. Heinrich Hesberg, selbst.
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Sondershausen: ein Abend bei Hofe. Die erste Station ist der Hof der Grafen von Schwarzburg, und Rhenanus beschreibt sie wie ein Reisender, nicht wie ein Spion: Man fordert ihn zu Tisch, die Räte lassen sich „sehr freundlich und mit gutem Scherz“ mit ihm ein, und aus dem Essen wird ein zweistündiges Fachgespräch über die Geschichte der Salzwerke.
Was er dabei erfährt, klingt vertraut: Über die älteste Entstehung von Frankenhausen finde man „in keinem Archiv etwas“, obwohl es offenkundig sehr alt sein müsse. Als Ersatzbeweise werden angeführt eine Schenkung aus der Zeit Kaiser Heinrichs IV., ein Vertrag von 1312 zwischen den Landgrafen von Thüringen und den Grafen zu Schwarzburg — „das sei aber nicht eingehalten worden“ — und, als ältestes Denkmal, das Stadtsiegel: Man habe „wohl vor fünfhundert Jahren“ damit gesiegelt, und darin „ein Salzknecht — den sie einen Nappenknecht nennen — steht, der zwei Eimer mit Sole trägt“. Genau so hatte Rhenanus im ersten Buch für Sooden argumentiert, als die Urkunden fehlten: mit Bauwerken, Namen und Bildern.
Einer der Räte hat außerdem Salins in der Freigrafschaft gesehen, „wovon sich der König von Spanien einen Grafen zu nennen pflegt“, und beschreibt es so eindrücklich, dass Rhenanus es mitschreibt: Der Salzbrunnen liege in einem gewaltigen runden Gewölbe, „unter dem sich wohl das ganze Schloss Sondershausen verbergen könnte“; man steige ringsherum hinab, „auf Treppen, die so angelegt sind, wie vorzeiten die Amphitheater gewesen sind“. Unten seien Sole und wildes Wasser „jede Ader für sich“ so kunstvoll gefasst, dass man sehen könne, wie sie in ihre Deicheln fließen. Ein Reisebericht aus zweiter Hand, sauber als solcher gekennzeichnet.
Unterwegs nach Frankenhausen. Am nächsten Morgen fährt der Schwarzburger Baumeister Bernt Pfeifer mit ihm, und auf dem Wagen wird weiter gefachsimpelt — über Salzwerke, Bergwerke und Bausachen, besonders über Auleben und Meister Hans Wetzel. Rhenanus notiert das Stimmungsbild wie ein Referenzcheck: „Ich habe aber nichts anderes gespürt, als dass er und jedermann Meister Hans noch wohlgesinnt sind.“
Am Kloster Göllingen hält er fest, was er sieht, auch wenn es nichts mit Salz zu tun hat: Aus dem Schilf ihrer Teiche lösten die Grafen jährlich „über siebenhundert Gulden“, und fünf Wagengespanne führen ständig gekauftes Säulenholz zu Markte. Wer für einen Landesherrn reist, schaut sich auch fremde Einnahmequellen an.
Dann der Stollen, durch den die Wipper geleitet wird, um die Künste zu treiben: „von einem Mundloch zum anderen 120 Ruten lang und am höchsten Ort 24 Ellen tief“, der Berg „lauter Lehm“, der Bau „sehr unförmlich“ und mit Lichtschächten, die oben offen liegen — weshalb „in unbeständiger Winterzeit … leicht großer Schaden entstehen“ könne. Und tatsächlich: Unlängst sei ein Schacht „vom Schnee verschüttet“ worden, „und man den ganzen Winter hat stillhalten müssen“. Rhenanus sammelt nicht nur Lösungen, sondern auch Fehler.
Die Messung. Kaum sind die Beglaubigungsschreiben übergeben, geht es an die Arbeit: „Sogleich habe ich einem meiner Diener das Probiergerät zustellen, die Sole holen und nach dem Essen proben lassen“ — mit dem Ergebnis 102 Lot Gewicht der rohen Sole und 16 Lot an gereinigtem Salz. Und weil zufällig auch Sole aus Auleben zur Hand ist, probt er die gleich mit: „nicht mehr als zwei Lot anderthalb Quentchen“ — „wie ich es auch schon früher befunden hatte“. Zwei Solen, dasselbe Gerät, derselbe Tag, ein bestätigter Vorbefund. So entsteht eine Vergleichsreihe.
Die Anlage. Erst danach lässt er sich zum Brunnen führen — und beschreibt ihn mit einer Genauigkeit, aus der man ihn nachbauen könnte. Der Brunnen komme „aus weißem Gipsgrund, wie auch der zu Sooden“; er sei in einem hölzernen Schacht von 25 Ellen gefasst, „das Holz ist noch sehr frisch, wiewohl mir niemand Bescheid geben konnte, wie lange dieser Bau gestanden hat“. Die Sole steige fünf Ellen, und bei Stillstand wachse das Aufsteigen.
Das wilde Wasser ist ringsum in einem eigenen Stollen abgeleitet, „und der Damm zwischen dem wilden Wasser und dem Brunnen ist zwanzig Ellen dick“ — es steht fünf Ellen höher als die Sole. Drei Wildwasserschächte, dazu eine vierte, eigens vorgehaltene Baukunst, „die wird gebraucht, wenn man baut und wenn sonst das wilde Wasser zu stark ist“.
Und dann die Maschinen, in Zahlen: An der Wasserkunst ist „das Wasserrad 27 Schuh hoch und das Kunstrad 20 Schuh; es hat 216 Kämme, das Vorgelege oder der Drilling 24 bis 25“; die Schläuche hängen an der Kette, „stets ein Schlauch vom anderen 3½ Schuh entfernt“. An der Solekunst ist das Wasserrad 36 Schuh hoch, das Kammrad zehn Ellen, ebenfalls 216 Kämme, und „es laufen 36 Schläuche an der Kette“. Die Sole wird zweistufig gehoben — erst aus dem Schacht, dann aus einem Kumpf noch einmal ebenso hoch. Das ist dieselbe Bauweise, die Christoph Homberg in Sooden mit Menschenkraft ausführte.
Wie reich die Quelle ist, misst Rhenanus nicht an Worten, sondern am Querschnitt: Die Sole füllt das Gerinne „ständig 3 Zoll in der Höhe und 6 in der Breite“.
Die entscheidende Frage. Auf dem Brunnen fragt er, was ihn seit Jahren beschäftigt: ob die Sole zu der einen Zeit besser sei als zur anderen. Und die Antwort der beiden dortigen Salzgrafen ist das genaue Gegenteil dessen, was Homberg für Sooden gefunden hatte: Bei nasser Witterung, „wenn es im Winter viel Schnee und Regen gebe“, könnten sie „gar nicht sieden…, sondern stillhalten“ müssen, bis ihre alte gewöhnliche Probe wieder anschlage. Zwei Salzwerke, zwei entgegengesetzte Befunde — und Rhenanus schreibt beide auf, ohne sie einzuebnen.
Wie diese „alte[n] gewöhnliche[n] Probe“ aussieht, erfährt er gleich danach, und es ist der aufschlussreichste Moment der ganzen Reise: Man prüfe, ob „die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne“. Auf die Frage, ob sie sonst eine Probe kennten, antworten sie: nein — sie hätten „nie von einem Probieren der Sole gehört“, obwohl sie „alte, betagte Männer“ seien, bis „die neuen Künstler ins Land gekommen“ seien, die man damals verachtet habe und die jetzt in Artern und Sulza säßen.
Damit ist die Konstellation der ganzen Reise beschrieben: Ein Mann mit einer Waage im Gepäck reist durch eine Welt, die ihr Salz nach Augenmaß beurteilt.
Er nimmt trotzdem alles mit, was es zu lernen gibt: dass es in Frankenhausen 117 Kothen gebe, „oder Sollen, wie sie es nennen“; dass täglich 944 Stücke gesotten werden dürfen, jedes „6 unserer geeichten Metzen“; dass der Zöllner das Sieden erst erlaubt, „bis genügend Kaufleute und Fuhrleute vorhanden sind, die das Salz wegführen“ — eine Produktionssteuerung nach Absatz. Dazu die Löhne der Arbeiter, die Jahressumme von 21.394 Gulden 6 Groschen und die eine Kothe, die den Grafen frei gegeben wird.
Auleben. Dort trifft er einen alten Bekannten: Meister Hans Wetzel, den Zimmermann, der zwanzig Jahre zuvor den Sooder Brunnen neu gefasst hatte und jetzt dort Baumeister ist. Rhenanus legt ihm einen Katalog von Fragestücken vor — was der Bau kosten werde, mit welchem Verfahren er das wilde Wasser abführen wolle, wie viel Salz er aus einer Pfanne zu gewinnen getraue. Wetzels Antworten sind vorsichtig: Auf die Kostenfrage könne er nicht antworten; auf die Ausbeute: „vier Scheffel Nordhäuser Maß“. Und Rhenanus notiert die Grundregel, die er überall bestätigt findet: „dass vor allen Dingen dahin mit Fleiß zu trachten wäre, dass das wilde Wasser eine gute Weite von der Salzquelle abgeschroten würde“.
Der Vierte Appendix. Sondershausen. Nach Empfang des eben genannten Beglaubigungsschreibens habe ich mich aufgemacht und bin nach Sondershausen gezogen und habe dort in der Sondershäuser Kanzlei mein Anliegen vorbringen und anzeigen lassen. Ich bekam auch sogleich zur Antwort, der Sekretär wolle meine Anwesenheit seinen gnädigen Herren — deren nur Graf Hans Günther und Graf Albrecht zur Stelle waren — vermelden und mir weiter Bescheid geben. Kurz darauf bin ich in die Kanzlei gefordert worden und habe mich nach Anweisung meiner Instruktion untertänig verhalten. Nach vollzogener Werbung haben mir die Räte durch den Sekretär sogleich in Gegenwart zur Antwort gegeben, sie wollten das versiegelte Beglaubigungsschreiben ihren gnädigen Herren bringen, mein Anliegen eröffnen und
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Der Vierte Appendix. mich nach kurzer Weile in die Herberge weisen lassen, was ihre wohlgenannten gnädigen Herren sich daraufhin erklärten. Und die Räte sind sogleich aus der Kanzlei zu den genannten Grafen, ihren gnädigen Herren, gegangen. Desselben Abends hat mir der Sekretär einen der Kanzleischreiber geschickt und begehrt, dass ich ins Schloss zu den Räten und zu ihm kommen wolle. Als ich aber ins Schloss kam, hat mir der Sekretär von wegen seiner gnädigen Herren in Beisein der Räte eröffnet, dass ihre gnädigen Herren das Beglaubigungsschreiben und die Werbung empfangen, angenommen und selbst gelesen hätten. Und obwohl es bedenklich wäre, einen jeden in das Geheimnis ihres Salzwerks zu lassen, so seien sie doch nicht allein hierin, sondern auch in Größerem geneigt, ihrem gnädigen Herrn, dem Landgrafen zu Hessen, zu willfahren — mit dem weiteren Zusatz, dass sie auch so-
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gleich an ihre Beamten geschrieben und befohlen hätten, dass diese mich über alle Umstände und darüber, wie es im Grunde und mit allen Sachen ihres Salzwerks bestellt sei, auf mein weiteres Begehren in allen Punkten gründlich berichten sollten. Auf diese Antwort habe ich gebührend gedankt und mich erboten, dessen bei meinem gnädigen Fürsten und Herrn rühmend eingedenk zu sein, ohne allen Zweifel glaubend, Seine Fürstlichen Gnaden würden dies auch mit besonderen Gnaden aufnehmen. Als ich nun den schriftlichen Befehl an die Beamten zu Frankenhausen zu mir genommen hatte, haben mir die Räte angezeigt, dass ihre gnädigen Herren befohlen hätten, ich solle bei Hofe bleiben und mit ihnen, den Herren Räten, zu Nacht essen; wie es denn auch geschehen ist. Und weil eben zu dieser Stunde einer aus Graf Günthers Räten, Doktor Johann Bayr, ein geborener Franke, der auch Pfänner
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Der Vierte Appendix. in Frankenhausen ist, bei Hofe eingetroffen war, ist dieser gleichermaßen auch zu Tisch gefordert worden. Und er hat sich, wie die anderen Räte alle, sehr freundlich und mit gutem Scherz mit mir eingelassen und sich in allem sehr gutwillig erzeigt. Insbesondere hat der Doktor, als ich nach der Entstehung des Salzwerks fragte, angezeigt, dass man über dessen älteste Entstehung in keinem Archiv etwas finde, obwohl doch überall erscheine, dass es ein sehr altes Salzwerk sein müsse. Aber zur Zeit Kaiser Heinrichs IV. sei eine Schenkung an das Kloster Rotherbach — das jetzt denen von Nordhausen zusteht — ergangen, worin das Datum mit diesen Worten stehe: „gegeben zu N. auf dem Berg der Verwirrung“. Sodann sei das Salzwerk, die Stadt und das Amt Frankenhausen der Grafen zu Beichlingen gewesen, bis die Schwarzburger sie an sich gekauft haben. So finde man auch einen Vertrag
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Der Vierte Appendix. zwischen den Landgrafen zu Thüringen und den Grafen zu Schwarzburg, datiert Anno 1312, worin allerlei angezeigt und verhandelt ist, wie es damit gehalten werden solle; das sei aber nicht eingehalten worden. Darüber hinaus sei das älteste Denkmal, mit dem zu belegen ist, dass Frankenhausen ein sehr altes Salzwerk sein muss, dies: dass die von Frankenhausen ein Siegel gehabt haben, mit dem sie wohl vor fünfhundert Jahren gesiegelt haben, worin ein Salzknecht — den sie einen Nappenknecht nennen — steht, der zwei Eimer mit Sole trägt. Es hat mich auch der genannte Doktor berichtet, dass er auf seiner Reise zu Salins gewesen sei, wovon sich der König von Spanien einen Grafen zu nennen pflegt. Da sei der Salzbrunnen in ein großes gewaltiges rundes Gewölbe gebaut, unter dem sich wohl das ganze Schloss Sondershausen verbergen könnte; er sei sehr tief im Grund, und man steige ringsherum bis
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Der Vierte Appendix. hinunter auf den Grund, und zwar auf Treppen, die so angelegt sind, wie vorzeiten die Amphitheater gewesen sind. Im Grund und auf den untersten Stufen aber seien die Sole und das wilde Wasser dermaßen geschickt und kunstvoll — jede Ader für sich — gefasst, dass man genau sehen könne, wie sie bis in ihre besonderen Deicheln fließen und geschöpft werden. Es haben auch die anderen Räte, ein jeder das Seine dazu gesagt und sind dem Doktor in der Erzählung von der Entstehung des Frankenhäuser Salzwerks beigetreten; und so haben wir an diesem Abend zwei Stunden bei Tisch damit zugebracht. Frankenhausen. Sodann bin ich morgens früh aufgestanden und habe den Schwarzburger Baumeister Bernt Pfeifer, der am vergangenen Abend
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Der Vierte Appendix. bei Tisch Befehl empfangen hatte, mit mir weiterzureisen, aufwarten lassen; und wir beide haben geeilt, so dass wir zeitig früh in Frankenhausen eintrafen. Unterwegs hat der genannte Baumeister, der mit mir auf dem Wagen saß, mancherlei Reden über Salzwerke, Bergwerke und Bausachen geführt, besonders über das Salzwerk zu Auleben und Meister Hans Wetzel. Ich habe aber nichts anderes gespürt, als dass er und jedermann Meister Hans noch wohlgesinnt sind und dem Aufkommen dieses Salzwerks nicht viel zuschreiben. Dieses Gespräch hat gewährt, bis wir zum Kloster Göllingen gekommen sind, das dem Abt zu Hersfeld gehört. Dort haben die Grafen von Schwarzburg einen großen Teich, ganz voller Rohr; der Baumeister hat mir angezeigt, dass seine gnädigen Herren, die Grafen zu Schwarzburg, aus dem Rohr, das in diesem und in anderen Teichen wächst, jährlich
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Der Vierte Appendix. in gewöhnlichen Jahren über siebenhundert Gulden lösen können. So haben auch sonst seine gnädigen Herren, die Grafen zu Schwarzburg, ständig fünf Wagengespanne, die nichts als Holz in Säulen gekauft zu Markte fahren; davon nehmen sie dann einen ziemlich stattlichen Gewinn ein. Unterdessen sind wir zum Stollen gekommen, durch den von alters her die Wipper, die die Kunst zu Frankenhausen treibt, mit großen Unkosten geleitet worden ist. Wir sind abgestiegen, und der Baumeister hat mir alle Umstände gezeigt und berichtet, dass der Stollen von einem Mundloch zum anderen 120 Ruten lang und am höchsten Ort 24 Ellen tief sei. Sonst ist die Art des Berges lauter Lehm; er ist sehr unförmlich gebaut und hat viele Lichtschächte, deren einer oder zwei dem Berg gleich oben ausgeführt sind, so dass in unbeständiger Winterzeit dem Salzwerk durch den Eingang des Stollens leicht großer Schaden entstehen kann, wie denn auch
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es unlängst geschehen ist, dass einer der Schächte dort vom Schnee verschüttet wurde und man den ganzen Winter hat stillhalten müssen. Als wir aber in die Stadt kamen, ist der Baumeister ins Schloss gegangen und hat meine Anwesenheit den Befehlshabern vermeldet. Diese sind dann innerhalb einer Stunde zusammengekommen, haben mich zu sich gefordert, das Beglaubigungsschreiben und die Werbung angenommen und angehört und haben sich darauf mit aller Gutwilligkeit ganz freundlich vernehmen lassen. Sie haben sich auch gänzlich erboten, dass mir auf mein Fragen und Begehren nicht das Geringste vorenthalten werden solle, mit untertäniger Erbietung, dass sie nicht allein hierin, sondern nach ihrem ganzen Vermögen geneigt wären, meinem gnädigen Fürsten und Herrn zu willfahren; worauf ich gebührend gedankt habe. Sogleich habe ich einem meiner Diener das Probiergerät zustellen, die Sole holen und nach dem Essen proben lassen und hundertzwei Lot am Gewicht
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Der Vierte Appendix. der rohen Sole, sechzehn Lot aber am Gehalt an gründlich rein geläutertem Salz befunden. Und weil eben zugleich auch Sole von Auleben zur Hand gewesen ist, habe ich diese auch geprobt und nicht mehr als zwei Lot anderthalb Quentchen gefunden, wie ich es auch schon früher befunden hatte. Nach vollzogener Probe habe ich begehrt, dass man mich zum Brunnen und zu den Künsten kommen lasse; damit sind die Befehlshaber wohl zufrieden gewesen, und mit mir sind der Schwarzburger Baumeister und der Kunstmeister auf den Brunnen gegangen, die mich samt den beiden Salzgrafen alles nach allen Umständen haben besehen lassen und daneben hinreichend berichtet haben. Der Brunnen kommt aus weißem Gipsgrund, wie auch der zu Sooden. Er ist in einem mit Holz ausgeführten Schacht gefasst, 25 Ellen hoch, ohne das, was noch bis zur Erdoberfläche hinzuzunehmen ist; das Holz ist noch sehr frisch, wiewohl mir
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Der Vierte Appendix. niemand Bescheid geben konnte, wie lange dieser Bau gestanden hat. Die Sole steigt im Schacht 5 Ellen, und als eine kleine Zeit stillgehalten wurde, wuchs das Aufsteigen und nahm auf vier Ellen Höhe zu. Neben dem reichen Brunnen ist eine ganz wilde Ader gesondert abgefasst; sie läuft durch einen niedrigen Stollen zum großen Wasserschacht. Sonst ist das wilde Wasser in einem besonderen Stollen um den Brunnen herum abgeleitet, und der Damm zwischen dem wilden Wasser und dem Brunnen ist zwanzig Ellen dick. Das wilde Wasser steht fünf Ellen höher als die Sole, denn die Wildwasserschächte — deren drei sind — haben nur zwanzig Ellen in die Tiefe. Die Künste, mit denen Sole und wildes Wasser geholt werden, sind mit Schläuchen eingerichtet. An der Wasserkunst ist das Wasserrad 27 Schuh hoch und das Kunstrad 20 Schuh; es hat 216 Kämme, das Vorgelege oder der Drilling
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Der Vierte Appendix. 24 bis 25. Schläuche sind an der Kette, und es ist stets ein Schlauch vom anderen 3½ Schuh entfernt; und mit dieser Kunst wird das wilde Wasser ständig bis auf eine Elle Höhe zu Sumpf gehalten. Die Solekunst aber ist so eingerichtet: das Wasserrad ist 36 Schuh hoch, das Kammrad 10 Ellen, es hat 216 Kämme, und der Drilling ist so, wie eben beim wilden Wasser gesagt worden ist. Es laufen 36 Schläuche an der Kette, womit die Sole aus dem Brunnenschacht geholt wird; diese wird danach sogleich in einen besonderen Deichel oder Kumpf geleitet, wo man sie von neuem hebt, in gleicher Höhe und Weise, wie eben vom rechten Brunnen gesagt worden ist. Von dort wird die Sole in alle Bothe geleitet, so dass in diesen Bothen — die sie Sollen nennen — ein jeder genug Sole bekommen kann. Und es ist zwar sehr viel und reiche Sole vorhanden, denn sie füllen das Gerinne im Lauf ständig 3
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Zoll in der Höhe und 6 in der Breite aus. Neben den Wildwasserkünsten, deren zwei sind, wird noch eine besondere Kunst gehalten, die sie die Baukunst nennen; die wird gebraucht, wenn man baut und wenn sonst das wilde Wasser zu stark ist. Sie steht auf dem dritten Wildwasserschacht und ist auf gleiche Weise eingerichtet wie die anderen, wie angezeigt worden ist. So viel vom Brunnen und den Künsten. Während ich nun auf dem Brunnen war, habe ich mancherlei gefragt und unter anderem Bericht darüber begehrt, ob auch die Sole zu der einen Zeit besser sei als zur anderen. Darauf habe ich von beiden Salzgrafen zur Antwort empfangen, dass sie zu nasser Zeit und wenn es im Winter viel Schnee und Regen gebe, gar nicht sieden könnten, sondern stillhalten müssten so lange, bis nach ihrer alten gewöhnlichen Probe
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Der Vierte Appendix. die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne. Und als ich sie fragte, ob sie sonst von keiner anderen Probe als der eben genannten Kenntnis hätten, haben sie zur Antwort gegeben: nein, und daneben angezeigt, dass sie nie von einem Probieren der Sole gehört hätten — obwohl sie doch nunmehr alte, betagte Männer seien —, bis die neuen Künstler ins Land gekommen seien, die sich vor etlicher Zeit bei ihnen angeboten hätten, damals aber verachtet worden seien und sich jetzt zu Artern und Sulza aufhielten. Es sind zu Frankenhausen 117 Kothen oder Sollen, wie sie es nennen. Darin können täglich, wenn es durch den Zöllner, der Rentmeister ist, von wegen der Grafen erlaubt wird, 944 Stücke gesotten werden, deren jedes 6 unserer geeichten Metzen hält. Es wird aber vom Zöllner nicht eher zu sieden erlaubt, als bis genügend Kaufleute und Fuhrleute vorhanden sind, die das Salz wegführen — aus dem Grund, dass sie
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Der Vierte Appendix. angeben, wenn das Salz nicht frisch und noch triefend von ihnen genommen werde und etwa einen Tag stehen und trocken werden müsse, so könnten sie das Salz nicht loswerden. Neben und während der Unterrichtung über diese Dinge habe ich meinen Diener ausgeschickt, sich in den Bothen über alle Umstände zu unterrichten; der hat den nachfolgenden Bericht zu Papier gebracht, wie hernach angezeigt. Die Sollen — wie die Bothe an diesem Ort genannt werden — liegen in der Erde, und das Fundament ist mit Steinmauern der Erde gleich erbaut; danach ist oben ein Schindeldach darüber gedeckt. Der Herd, auf dem die Pfanne steht und gesetzt ist, ist in der Mitte auf beiden Seiten mit Schlotter ausgefüllt und zwei Schuh oder eine Elle hoch aufgeführt; in der Mitte aber ist ein Graben, 1½ Schuh weit, der halbwegs hindurchgeht. Die hintere Hälfte aber ist gleichmäßig tief. Über den genannten Graben liegen fünf eiserne Stäbe als Rost,
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Der Vierte Appendix. auf den das Feuerwerk gelegt wird. Sonst ist der Herd allenthalben geschlossen; nur vorn ist ein Loch, einen Schuh weit von der Erde bis zur Pfanne hinauf, wo man das Holz untersteckt, offen. Die Pfanne ist so gesetzt, dass sie eine Ellenbogenlänge höher steht, als das Feuerwerk und der Herd angelegt sind. Die Pfannen sind 14 Schuh lang, 10 Schuh breit und 7 Zoll tief. Auf jeder Seite der Pfanne sind nebeneinander zwei dicke Pflöcke eine Spanne weit voneinander eingeschlagen; auf diese sind zwei große Bärstäbe oder Pfannenbäume gelegt, die über die Pfanne gehen. Auf diesen liegen dann vier andere Pfannenbäume, die Herbscheite genannt werden; an ihnen sind vorn 8 und hinten 8 Pfannenhaken. So liegen auch dazwischen drei
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Der Vierte Appendix. kurze Bäume, an denen 4 Haken hängen, so dass ihrer alle zusammen in einer Pfanne 20 sind, die die Pfanne halten. Das Salz wird auf folgende Weise bereitet: In der Pfanne behält man vom vorigen Sieden jeweils so viel auf Vorrat, dass man vier Stücke Salz machen kann; dazu lässt man aus dem Solfass — deren sind 5 in jedem Bothe — 1½ Schock Viertel ein. Daraus macht man 4 Stücke, und es bleiben stets 4 Stücke auf Vorrat. Zu einem vollen Werk werden 3 Schock guter Bunde gebraucht, von denen drei bei uns eine Welle ausmachen; davon kostet ein Schock, wenn es Stammholz ist, 8 Groschen. Oder aber man nimmt von der gemeinen Sorte 3½ Schock; davon kostet ein Schock 5 Groschen geliefert. Ein Werk wird in 3 Stunden bereitet. Man hält das Feuer unter der Pfanne eine Viertelstunde, worin es aufwallt; und wenn es siedet, jagt
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Der Vierte Appendix. man mit einer Schaufel den Schaum und Mergelschmutz allenthalben zusammen und reinigt so das Salz. Sogleich danach geht es so rein zu Salz, dass man die Fegfässlein, in denen sich der Schaum und Mergel setzt, bald aus der Pfanne rücken und sonst die Unreinigkeit herausfegen kann, wenn das Salz zum Wirken fertig wird. Und weil in dieser Unreinigkeit noch viel Salz bleibt, schlagen es die Knechte hinter die Pfanne aufs Gewölbe und gebrauchen es wieder zur Beiße, aber nicht mit größtem Nutzen. Danach schürt man noch eine kleine Weile unter, und der Wirker fängt an zu bären oder zu wirken — wie sie es nennen. Er nimmt zuerst die Salzkrücke und zieht das Salz in der Pfanne allenthalben an dem Ende zusammen, wo er das erste Stück machen will; danach legt er eine Horde auf die genannten zwei Pfannenbäume — die sie Bärstäbe nennen — und schlägt darauf mit der Schaufel das Salz eine Spanne hoch, legt ein Bastband darum
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Der Vierte Appendix. herum, schlägt wieder ebenso hoch, legt wiederum eines um; das tut er so oft, bis er 12 Bänder umgelegt hat. Dann schlägt er weiter darauf, macht es hinten 1½ Spannen und vorn ½ Spanne hoch, streicht es über dem letzten Band oben glatt und breit von sich weg — und so ist das Stück fertig, das 9 Nordhäuser Maß und, unserem Maß gleich, 6 ausmacht. Wenn das geschehen ist, so macht er auf der anderen Seite das andere Stück, und so jeweils eines ums andere, bis er vier aus der Pfanne oder dem Werk bereitet hat. Von diesen Stücken gilt eines 7½ Groschen. Folgendes Werkzeug, das zum Salzwerk gebraucht wird, findet man in allen Bothen: fünf Solfässer in jedem Bothe oder Sollen; 1 Renne, in der die Sole aus dem Solfass in die Pfanne läuft; 1 kleines Fässlein, in das die Salzkrücke und die Schaufel gelegt und vom Salz gereinigt werden; 4 Fegfässer; Horden, auf denen die Stücke gemacht und geschlagen werden; 1 Feuerhaken.
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Der Vierte Appendix. Gleichermaßen werden die Arbeiter belohnt, wie folgt: Der Wirker empfängt von jedem Stück 3 Pfennig, und ebenso viel ist die Belohnung des Knechts oder Pflegers. Dem Holzaufbinder oder Unterschürer gebühren von einem Werk 5½ Pfennig. Man gibt auch von jedem Stück 1 Pfennig, das der Ladegast bezahlt; und so kann der Pfleger an einem Tag mit Arbeiten und Salzauftragen 4 Groschen verdienen. Den Grafen gibt man jetzt von jedem einzelnen Stück 2 Groschen; das erhebt der Zöllner, der diesen Zoll zu erhöhen und zu ermäßigen hat. Die Verwaltung und den ganzen Handel im Salzwerk führen der Zöllner, zwei Salzgrafen, zwei Bornmeister, ein Kunstmeister, ein Salzschreiber und vier Geschworene. Sonst hat es mit dem Holzhandel keine besondere feste Ordnung, sondern wer eigenes Gehölz hat oder den Holzhandel umsichtig
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treibt, der kann durch seine Salzknechte desto mehr Salz machen lassen. Doch berichten sie, dass sie auf eine Kothe jährlich acht Schock Schemkel haben müssen; davon gilt ein Schock bisweilen 30, bisweilen 35 und auch wohl 40 Gulden, mehr oder weniger. Ein Schemkel hält 60 Wellen. Weiter habe ich nichts erfahren können. Das Pfanneneisen bekommen sie von einem Edelmann namens Fuchs, den Zentner um 5 Gulden Schneeberger, jeden Gulden zu 21 Groschen gerechnet. Und es wird keine Pfanne ausgetan, sie habe denn über drei Jahre gestanden. Wenn man aber fegt, so pflegt man die Pfanne über den Herd zu heben, so dass sie noch auf einer Seite auf dem Herd liegen bleibt; und das geschieht deshalb, damit man die Nägel desto besser nieten und schlagen kann. Außer dem allen finde ich zu Frankenhausen in keinerlei Hinsicht einen besonderen Vorteil. Denn weil die Pfänner alle Kosten, Schaden und Nutzen
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Der Vierte Appendix. für sich aufwenden, tragen und erfahren müssen, fragen die Knechte desto weniger danach, es gerate, wie es wolle. Und obwohl eine Kothe, wenn einer sie kauft oder erbt, 2000 Gulden gilt und darauf veranschlagt wird, so berichten doch etliche, dass sie keinen entsprechenden Gewinn daraus einnehmen und dass bisweilen einer kaum 50 Taler im Jahr auf eine Kothe erübrigt. Den Grafen gebühren von jedem Stück 2 Groschen Zoll. Wenn nun, wie gesagt, der Zöllner einen Tag erlaubt, so werden 234 Werke gesotten; jedes Werk hält vier Stücke, macht 936 Stücke. Man erlaubt aber, eine Woche in die andere gerechnet, nur fünf Tage; wenn das Salz gut abgeht, trägt die Woche 4680 Stücke. Das mit 48 multipliziert — weil sie auch die vier Hauptkaltlager halten — ergibt 224 640 Stücke; auf jedes Stück 2 Groschen gerechnet, macht 449 280; auf 21 reduziert,
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Der Vierte Appendix. macht 21 394 Gulden 6 Groschen. Hierzu wird den Grafen eine Kothe frei gebaut und erhalten, so dass die Beamten berichten, der Zoll, der Holzhandel und diese Kothe trügen den Grafen in gewöhnlichen Jahren gegen 17 000 oder 18 000 Gulden ein. So berichtet auch der Zöllner besonders, dass der Anschlag des Holzes, das jährlich aufgeht, auf 50 000 Gulden laufe; nach meinem Anschlag müssten es 43 154 sein. Endlich und zum Beschluss haben sich auf mein weiteres Begehren die Befehlshaber sämtlich und einzeln erboten, sie wollten mir ihre Ordnung — die sie mich ganz durchlesen ließen — sauber abgeschrieben zuschicken, mit dem weiteren fleißigen Begehren, dass ich meinem gnädigen Fürsten und Herrn ihre ganzen gehorsamen Dienste in allem untertänig erbieten wolle.
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Der Vierte Appendix. Auleben. Sodann bin ich nach Auleben gereist und habe dort Meister Hans neben dem Hüttenschreiber angetroffen, die eben zu dieser Stunde von auswärts hergekommen waren. Und weil damals die Sole nicht zu Sumpf gehalten war, habe ich aus der einen Kothe — deren nur zwei gebaut waren — so viel genommen, wie ich brauchte. Das Quart hat an roher Sole 90 Lot und 2 Quentchen gehalten; daraus sind 3 Lot 3 Quentchen Salz geworden. Sonst habe ich die Künste allenthalben besehen, die aufs allersorgfältigste und beste eingerichtet sind, so dass Meister Hans' umsichtige Geschicklichkeit darin nicht genug gerühmt werden kann. Und es wäre wohl zu wünschen, dass nicht allein die Künste zu Sooden vor Allendorf auf dieselbe Art eingerichtet würden, sondern dass auch zur Abschaffung der Pferde ein besonderes Wasser
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Der Vierte Appendix. hinzugeleitet würde, das die Sole- und Wasserkünste treiben könnte. Es ist aber die Sole nicht im rechten Brunnenschacht, der 25 Ellen tief ist, sondern durch die Klüfte, deren das angrenzende Gipsgebirge voll ist, in den niedrigsten Wildwasserschacht abgewichen. Dort hat sie Meister Hans damals gesondert gefasst und abgestürzt, mit der Absicht, sie dort zu behalten und in den anderen Wildwasserschacht — der ungefähr 30 Ellen weit gegenüber auf der anderen Seite des rechten Brunnenschachts liegt — durch einen Stollen das wilde Wasser alles zusammenzubringen. Weil aber dies damals alles ungewiss war und sich beim Bauen mancherlei zutragen kann, kann ich weiter nichts Gewisseres darüber schreiben. Doch kann ich an dieser Stelle nicht unterlassen, weiter
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Artern: unter Alchimisten. In Artern wird der Bericht zum Sittenbild. Dort arbeiten „Künstler“ — Leute, die ein geheimes Verfahren zur Salzgewinnung anbieten —, und die Grafen von Mansfeld haben ihnen ein eigenes, „verschlossenes Bothe“ eingeräumt, „wo nach dem Vertrag niemand außer den Künstlern“ Zutritt hat.
Rhenanus kommt nicht hinein. Also verlegt er sich aufs Tauschgeschäft. Ein Alchimist bittet ihn um Auskünfte, „die ich dem genannten Alchimisten nicht abzuschlagen wusste und die ich ihm einigermaßen vertraulich eröffnet habe — in der Zuversicht, wie es denn auch geschehen ist, er werde mich dagegen auch etlicher Geheimnisse teilhaftig machen“. Wissen gegen Wissen, offen protokolliert.
Dann fährt er, ohne Auftrag, weiter nach Sulza und Kösen — „obwohl ich nun keinen Befehl hatte“ —, weil er gehört hat, dass die Künstler dort „ihren Unterschlupf haben“ sollen. Im Wirtshaus trifft er einen von ihnen persönlich an.
Auch einem Doktor Landeler von Nürnberg legt er einen Fragenkatalog vor, und dessen Antworten sind ein Lehrstück im Umgang mit großen Versprechungen: Er getraue sich, „ganz Deutschland damit speisen“, und billiger zu liefern als andere — aber sein Verfahren sei ein noli me tangere, ein Nicht-anrühren, das er nur dem Landgrafen persönlich eröffnen wolle. Rhenanus schreibt es auf, ohne es zu kommentieren. Das Urteil überlässt er dem Leser.
Zwischendurch immer wieder nüchterne Beobachtung: an einem Ort vierzehn Schächte gezählt; an einem anderen ein Brunnen „über 40 Ellen tief“ gesenkt und „nichts ausgerichtet“ worden.
Die „Künstler“ und die Alchimisten. Um 1568 war die Grenze zwischen Verfahrenstechnik und Alchemie nicht gezogen, und Rhenanus selbst wird in der Literatur als Alchemist geführt. Umso bemerkenswerter ist, wie nüchtern er hier vorgeht: Er schreibt die Versprechungen auf und urteilt nicht. Doktor Landelers noli me tangere — ein Verfahren, das er nur dem Landgrafen persönlich eröffnen will — ist das Muster jedes Geheimverfahrens: Sein Wert liegt darin, dass es geheim bleibt.
Die Eierprobe in Frankenhausen ist nicht albern. Ein frisches Ei schwimmt in Sole von ungefähr zehn Prozent Salzgehalt auf. Als Schwelle — sieden oder nicht sieden — ist das brauchbar; als Messung ist es unbrauchbar, weil es nur zwei Antworten kennt. Genau darin besteht der Unterschied zwischen einer Handwerksregel und einer Messreihe, und Rhenanus sieht ihn.
Der aufschlussreichste Satz der ganzen Reise steht in Halle: Man habe auf die Schwankungen der Sole „niemals achtgegeben, viel weniger geprobt“ — es sei auch unnötig, weil man das Salz nach dem Stück verkaufe und nicht nach dem Maß. Das ist keine Rückständigkeit, sondern eine Folge der Abrechnungsform: Wer keinen wirtschaftlichen Anlass zum Messen hat, misst nicht. Messkultur folgt dem, was abgerechnet wird — auch in Sooden hatte das Wiegen erst begonnen, als über die Ursache eines Schadens gestritten wurde.
Und der Tausch mit dem Alchimisten in Artern — Auskunft gegen Auskunft, offen protokolliert — beschreibt genau, wie technisches Wissen vor den Patenten zirkulierte: als Gabe unter Fachleuten, mit erwarteter Gegengabe.
Der Vierte Appendix. zu berichten und zu erzählen, was ich, der genannte Rhenanus, Anno 69 den 23. November auf gnädigsten Befehl des durchlauchtigen, hochgeborenen Kurfürsten zu Sachsen neben anderen Dienern Seiner Kurfürstlichen Gnaden zu Auleben ausgerichtet habe; wie dessen gründliche Erzählung folgt. Nachdem der durchlauchtigste und hochgeborene Fürst und Herr, Herr August, Kurfürst zu Sachsen und Burggraf zu Magdeburg, unser gnädiger Herr, uns Untenbenannten gnädigst befohlen und abgefertigt hat, Seiner Kurfürstlichen Gnaden Werk zu Auleben nach allen Umständen mit Fleiß zu besichtigen, allerlei Umstände zu erfragen und gänzlich zu erkunden, ob dieses künftig mit Nutzen oder Schaden zu erhalten sei, so haben wir demnach zu untertänigster Folge des gnädigsten Befehls Seiner Kurfürstlichen Gnaden uns dorthin verfügt, den Brunnen und alle Bauten mit Fleiß be-
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Der Vierte Appendix. sichtigt, den Baumeister über alle Umstände und Verhältnisse aufs ausführlichste befragt und seine Antwort aufgenommen, wie unser hochgenannter gnädigster Kurfürst und Herr aus den beiliegenden Fragestücken und seiner Antwort gnädigst zu ersehen hat. Weil aber Seine Kurfürstlichen Gnaden uns gnädigst auferlegt und befohlen haben, unser ratsames Bedenken zu eröffnen, wie es hernach und in künftiger Zeit mit diesem Salzwerk gehalten werden könne, so haben wir der Sache mit untertänigstem Fleiß nachgedacht, uns allerlei besprochen und ausführlich befunden, dass der ganze Handel auf zwei Fragen beruht. Erstens: wenn man weiter bauen sollte, auf welche Weise die Bauten am nützlichsten und bequemsten vorgenommen werden könnten. Hierzu meinen wir, dass vor allen Dingen dahin mit
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Der Vierte Appendix. Fleiß zu trachten wäre, dass das wilde Wasser eine gute Weite von der Salzquelle abgeschroten würde. Und weil man findet, dass ein Brunnen, der vor dieser Zeit gegen 800 Lachter von der Salzquelle entfernt war und von Kelbra her zur Sole hin streicht, sich augenscheinlich verloren hat und mit großer Menge süßen Wassers — falls man je weiter bauen sollte —, so möge man an dem Ort, wo der Brunnen gewesen ist, nachsinken, bis man ihn wiederfindet, und danach durch Künste das wilde Wasser dort wieder abführen. Denn es ist zu vermuten, weil der Ort etwas höher liegt und man im Feld deutlich sehen kann, dass durch seinen Zufluss zur Salzquelle etliche Erdfälle entstanden sind, dass man es leicht zuwege bringen könnte. Danach wäre es gut, wenn man fortfahren sollte, dass man auf der jetzigen Hauptquelle — die nach Aussage des Markscheiders eine Elle tiefer liegt
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Der Vierte Appendix. als das wilde Wasser — ein Längenort vortriebe, so lange, bis man dem wilden Wasser gleichkäme. Würde sich alsdann finden, dass die Sole besser als jetzt wäre und ob sie von oben oder von unten aufkommt, so könnte man diese Gelegenheit kühn annehmen und sich gründlich danach richten. So viel zum ersten. Zum anderen: ob es ratsam sei, dass man weiter fortfahre, und ob das Salzwerk mit Nutzen oder Schaden erbaut werden könne. Darauf ist unser einfältiges Bedenken — doch unbeschadet des Rats anderer, in Berg- und Salzwerken verständiger Leute —: Weil jetzt die Sole gering und vor dieser Zeit viel besser gewesen ist und auch viel Holz zum Sieden gebraucht werden muss, kann an diesem Ort ohne Nutzen gesotten werden, bis man eine fünf- oder sechslötige Sole findet. Es sei denn, dass unser hochgenannter gnädigster Kurfürst und Herr die umliegenden Gehölze so billig an sich brächte, dass
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Der Vierte Appendix. man jedes Schock Wellen beständig um zwei oder 3 Groschen ins Salzwerk bringen könnte, oder aber dass sich nach dem oben gemachten Vorschlag die Sole beim Weiterbauen als besser erwiese. Sonst finden wir aus dem Bericht und aus den vorgenommenen Probewerken, dass dieses Salzwerk ohne Nutzen nicht erbaut werden kann. Und dies ist also auf den gnädigsten Befehl unseres hochgenannten gnädigsten Kurfürsten und Herrn unser untertänigstes einfältiges Bedenken. Wir wollen es hiermit Ihren Kurfürstlichen Gnaden untertänigst übergeben, es nach ihrem hohen Verstand weiter gnädigst zu bedenken. Unterzeichnet den 23. November Anno 69. Michel von Ebeleben, Hauptmann zu Sangerhausen; Johann Rhenanus, hessischer Salzgraf; Christoff Schönleben, Oberhüttenmeister des Bergwerks Freiberg; Matthias Flicke, Bergvogt zu Sangerhausen.
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Der Vierte Appendix. Fragestücke, auf die Meister Hans Wetzel, verordneter Baumeister zu Auleben, wegen des dortigen Salzwerks befragt worden ist, und auf jedes die Antwort des genannten Baumeisters. Erstens: ob der Salzbrunnen beständig gefasst sei. Er sagt: nein; er habe wegen der vielfältigen Schlotten, die im Gebirge gefunden werden, bisher nicht dazu kommen können. Ob er ihn zu fassen gedenke. Hierüber ist mancherlei zu erörtern; denn obwohl der Baumeister die Fassung vorzunehmen gänzlich gedenkt, muss man doch vor allem darauf sehen, ob es mit Nutzen oder Nachteil geschehen könnte; und das steht auf weiteren Bericht. Auf welche Weise die Fassung vorgenommen werden könne. Darauf antwortet er, er wolle die Hauptquelle in dem Schacht, wo sie jetzt ist, viereckig fassen, in einem verkarrten Boden.
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Der Vierte Appendix. Was der Bau für diese Fassung kosten würde. Er sagt, er könne darauf nichts Gewisses antworten. Wie viel Sole die Hauptquelle in jeder Stunde gebe. Er sagt: jetzt jede Stunde 133½ Eimer Sangerhäuser Eich. Nun aber hat sie vor acht Wochen 150 Eimer gegeben; er wisse nicht, woher der Zugang komme, doch gehe auf das Sieden mehr Holz und Zeit auf als zuvor. Wie reich die Sole am Gehalt sei. Ein Quart Allendorfer Eich, worauf er sein Probiergerät eingerichtet hat, hält jetzt 4 Lot; vor 8 Wochen hat es 5 Lot gehalten. Er hat am 21. November in einem Schreiben erklärt, dass die Sole noch geringer sei, und ferner gebeten. Anmerkung: Sechzig Quart sind ein Eimer oder Zuber Allendorfer und Wormser Eich. Ob die Sole auch besser werden könne. Er sagt: wenn die wilden Wasser davon gebracht würden, wie er in guter Hoffnung stehe, so werde sie ohne allen Zweifel besser.
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