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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

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I · 1. Buch · Band 1

Vom ersten Ursprung des Salzwerks

Das erste Buch · 96 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 49–52

Warum der Anfang so schwer ist. Rhenanus beginnt sein Werk nicht mit dem Salzwerk, sondern mit einer Entschuldigung. Wer über die Frühzeit reden wolle, dem lägen „dreierlei Dinge aufs Beschwerlichste im Wege“ — und ohne die vorher zu klären, könne niemand „etwas der Wahrheit Gemäßes“ sagen.

Erstens: Die alten Deutschen hätten „gar keine gelehrten Leute bei sich gehabt“, die aufgeschrieben hätten, was bei ihnen geschah. Wer etwas wissen will, ist auf römische Autoren angewiesen — Ptolemäus, Strabo, Plinius, Tacitus —, und die schrieben über Fremde und Feinde. Immerhin, räumt er ein, würden sie die Deutschen trotz allem „wegen ihrer hohen Tugenden herrlich rühmen“.

Zweitens: Diese Römer gäben den deutschen Völkern „so seltsame, verdunkelte Namen“, dass sich nichts Sicheres daraus ablesen lasse; man könne nur „mutmaßen und gleichsam nach Gutdünken schließen“.

Drittens: Die Völker seien gewandert. Nach so vielen „Migrationen, Auszüge und Vertreibungen“ sitze „beinahe kein Volk mehr“ dort, wo seine Ureinwohner gewohnt hätten.

Trotzdem hat sein Landesherr ihm den Auftrag erteilt. Also legt er sich einen Plan zurecht — drei Fragen in dieser Reihenfolge: Wo lagen die Grenzen der Chatten? Welcher Berg ist der Melibocus? Und um welchen Salzbrunnen haben Chatten und Hermunduren gekämpft? Sind die drei geklärt, meint er, „kann alsdann leicht über die wahre Entstehung dieses Salzwerks geredet und ein Schluss gezogen werden“.

Man sollte diesen Aufbau ernst nehmen. Rhenanus schreibt keine Chronik, die vorn anfängt — er stellt eine Beweiskette auf und arbeitet sie ab. Dass die Kette am Ende nicht trägt, wird er selbst zugeben.

Redaktionelle AnmerkungS. 49–61

Wo Rhenanus recht behalten hat. Seine Grundthese — die Chatten sind das Volk, aus dem die Hessen wurden — ist der heutige Forschungsstand. Die Namensreihe lässt sich Schritt für Schritt verfolgen: Chatti (um 100 n. Chr.) → HattiHazziHassi (um 700) → Hessi (738) → Hessen. Die erste urkundliche Erwähnung steht 738 in einem Papstschreiben und meint zunächst ein einzelnes Volk an der unteren Fulda.

Auch mit den Batavern liegt er nicht falsch. Dass die Bataver ein nach inneren Zerwürfnissen abgespaltener Teil der Chatten waren, die im späten 1. Jahrhundert vor Christus auswanderten, ist bis heute die gängige Auffassung — Rhenanus hat sie aus Tacitus.

Wo er dem Zeitgeschmack folgt. Was er daraus macht, ist dagegen humanistische Namensdichtung: ein Fürst Batavus, der Batavia gründet, sein Sohn Hessus, der den Hessen den Namen gibt und in Nimwegen den „Hessenberg“ baut. Solche Ahnherren wurden im 16. Jahrhundert für ganze Länder erfunden; sie erklären Namen, indem sie eine Person hinter sie setzen. Ebenso steht es mit Katalonien: Für eine Herleitung aus den Chatten gibt es keinen Anhalt.

Und sein Siedlungsgebiet ist zu groß geraten. Das chattische Kerngebiet lag in den Tälern von Eder, Fulda und oberer Lahn; nach 15 n. Chr. verdichtete es sich auf die Ebene von Fritzlar-Wabern, das Kasseler Becken und die westhessische Senke bis ins Gießener Becken. Rhenanus zieht die Grenze bis an den Rhein, den Main und nach Westfalen — er beschreibt damit eher das Hessen seiner Zeit als das Land der Chatten. Dass er sich dabei auf die Selbstbezeichnung der Bewohner beruft („weil sich aber bis auf den heutigen Tag von allen vier Seiten her die Einwohner zu den Chatten und Hessen bekennen“), sagt es unfreiwillig selbst.

Für seine Arbeitsweise ist trotzdem etwas festzuhalten: Er nennt seine Gewährsleute, datiert sein Gespräch mit den beiden Lotichius in Schlüchtern auf 1559 und trennt sauber zwischen Gelesenem und Gehörtem. Das ist mehr Quellenangabe, als die meisten Chroniken seiner Zeit bieten.

ZusammenfassungS. 53–61

Wo die Chatten wohnten. Die Chatten sind das Volk, aus dem später die Hessen wurden. Rhenanus geht ihre Grenzen nach allen vier Himmelsrichtungen durch und nennt zu jeder die Orte, die heute dort liegen — damit ein Leser des 16. Jahrhunderts sich etwas darunter vorstellen kann. Und er beginnt mit einer Spitze gegen einen Kollegen: Es verwundere ihn „aufs Höchste“, warum Franciscus Irenicus behaupte, „dass von den Chatten keine Spur mehr zu finden sei“.

Im Osten: Weser und Werra mit den anliegenden Bergen; dahinter Tubanten, Chaudriner und Chattuarier, „wo jetzt die Eichsfelder liegen“ — er nennt sogar die drei Dörfer, an denen der Name hängt: Kirchgandern, Ober- und Niedergandern. Daraus folgert er, dass die vielzitierte gemeinsame Grenze zu den Cheruskern nie bestanden hat.

Im Süden: die Rhön, das Buchenland, Salzungen, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau — bis an den Spessart, die Kinzig und den Main. Im Westen: bis an den Rhein, zu den Usipiern und den Mattiaci fontes, die Leonhard Fuchs für die Wiesbadener Brunnen hält; dort habe Mattium gelegen, der Hauptort der Chatten. Im Norden: das Hessische Gebirge, Engern, Westfalen bis an die Weser, dazu Waldeck, Wolfhagen, der Desenberg und die Diemel hinunter.

Er sagt auch, woher er das weiß, und das ist für seine Arbeitsweise bezeichnend. 1559 sei er in Schlüchtern bei zwei Verwandten gewesen — Petrus Lotichius dem Älteren, Abt daselbst, und dem gelehrten Petrus Lotichius dem Jüngeren. Die hätten ihm die Südgrenze selbst gezeigt, sich „Chatten genannt“ und das Haus Steckelberg an der Kinzig als hereditarius limes, Erbgrenze der Chatten, gedeutet. Neben den Büchern steht die Auskunft von Zeugen.

Dann zwei Abschweifungen, die ihm sichtlich Freude machen. Die Chatten seien ein indigena gens, „ein eingeborenes Volk“, das nie vertrieben worden sei; wurde es zu viel, so zog man aus. Ein Fürst Batavus sei fortgezogen, habe Batavia — Holland — gegründet und wie Battenberg nach sich benannt; daher heiße Katwijk noch heute so, gleichsam Cattorum vicus. Sein Sohn Hessus habe den Chatten den Namen der Hessen hinterlassen und in Nimwegen den Hessenberg erbaut. Und die Chatten seien sogar „mit Gewalt nach Hispanien“ gezogen und hätten dort Katalonien benannt.

Eine Gegenmeinung räumt er im selben Zug ab: Wer behaupte, um Magdeburg und Halberstadt habe ein Volk „Hessen“ gewohnt, das die Chatten vertrieben habe, berufe sich allein auf den Ortsnamen Hessheim — „aber weil dies ein loser Grund ist“ und weder alte noch neue Geschichtsschreiber davon wüssten, sei die Meinung „ganz und gar zu verwerfen“.

Am Ende ein Stolzbekenntnis mit zwei Zitaten. Tacitus habe gesagt: „wenn die übrigen Völker zur Schlacht ausziehen, ziehen die Chatten in den Krieg“; und Vadianus: Stat adhuc vetus gloria Cattorum. Dazu ein Sprichwort, das er offenbar gern hört: „Wo Hessen und Holländer verderben, wer wollte da Nahrung erwerben?“ Und die Begründung, warum das alles hier steht: Er habe es „aus Liebe und zu Ehren meines geliebten Vaterlandes“ nicht unterlassen können.

ZusammenfassungS. 62–70

Ein Berg wird gesucht. Ptolemäus setzt im Gebiet der Chatten einen Berg Melibocus an und nicht weit davon den Wald Semana. Welche das heute sind, weiß niemand. Rhenanus gibt seine Ratlosigkeit offen zu: „da weiß ich wahrlich beinahe nicht, wo hinaus oder wo hinein“.

Zuerst räumt er die herrschende Meinung ab. Etliche „hochgelehrte und verständige Leute“ hielten den Brocken dafür. Dagegen zwei Gründe. Der erste ist geographisch: Der Brocken liegt mitten im Harz, im Gebiet der Chauken und Brukterer, sechs Meilen jenseits der Chattengrenze. Der zweite ist ein Beobachtungsargument, und es ist das stärkere: Über den Melibocus stehe geschrieben, er sei fruchtbar „bis oben auf den höchsten und sehr breiten Gipfel“ — der Brocken aber sei „ein schmaler, aufsteigender, spitzer und oben ganz trockener, dürrer und öder Berg, wie es der Augenschein ausweist“. Er weiß das, weil er dort gewesen ist: Ab Schaubenstein finde man „nicht ein einziges Sträuchlein“. Lieber wolle er ihn Mons Bructerorum nennen.

Dann erzählt er von einem eigenen Irrtum, und das ist die ehrlichste Stelle des Buches. Vor 32 Jahren habe ihm bei Roßdorf ein Pfarrer einen Berg als Melibocus gezeigt; er sei hinaufgestiegen, habe ihn besichtigt und es geglaubt, „weil er in der Grafschaft Katzenelnbogen liegt“. Später sei ihm aufgefallen, dass der Berg jenseits des Mains liegt, also außerhalb des Chattengebiets, und dass er oben „dürr, eng und nicht breit“ ist. Da „habe ich diesen gefassten Wahn fahren lassen“.

Sein Ergebnis ist der Meißner. Der liegt innerhalb der Grenzen, ist der höchste Berg diesseits von Werra, Weser und Diemel, hat seit je Bergwerke und Erzgruben — „wie es allenthalben die alten Pingen anzeigen“ —, trägt am Fuß „das löbliche uralte Salzwerk Sooden“ und ist bis hinauf fruchtbar, „selbst in den Klippen und Felsen“.

Und dann zählt er auf, was dort wächst, und die Liste ist eine kleine Botanik. Jährlich kämen Leute aus fremden Ländern, um Kräuter zu suchen, „die an anderen Orten nicht wachsen“: die Scorzonera in zweierlei Gestalt, „das herrliche, gegen alle Gifte wirkende Kraut“, das man sonst „mit großen Kosten aus Spanien“ holen lasse; dazu Coronopus, Ferrocavallo, Iva arthritica, „das edle Wundkraut Solidago sarracenica“, die Uva inversa des Doktor Dodonaeus, Aconitum pardalianches, Buxus repens, Acorus, Chamaedrys, Lunaria minor und Ebulum; an Gehölzen Eibe, Schneeball, Johannisbeere und Traubenholunder.

Etliche suchten dort auch Erze — und daher, schreibt er, sei bei den Fremden ein Sprichwort aufgekommen: „Die Hessen werfen manchmal nach einer Kuh mit einem Stein, obwohl der Stein — wenn sie ihn kennten — mehr wert ist als die Kuh.“

Nicht vergessen wird das Neueste: das neu erfundene Steinkohlenbergwerk, von dem „offenbar und jedermann bekannt“ sei, welchen Nutzen es dem Salzwerk, den Hütten, den Schmieden und den Haushaltungen bringe „und wie eine große Menge Menschen sich davon erhalten und ernähren können“.

Zum Schluss der Stolz, offen ausgesprochen. Beatus Rhenanus habe sich gerühmt, die Herkunft der Katzenelnbogener gefunden zu haben — „umso mehr will es mir als dem anderen Rhenanus geziemen“, sich zu freuen, dass er post multa secula, nach vielen Jahrhunderten, „den wahren Ort des Melibocus hervor- und an den Tag gebracht“ habe. Und gleich darauf die Namenserklärung: Weil der Berg lange mit Schnee bedeckt sei und sich „weit und breit weiß sehen lässt“, heiße er heute Weißener; Ptolemäus habe ihn nach der „Fülle und Süßigkeit der Weiden“ benannt.

Und dann der Satz, der ihn als Wissenschaftler ausweist: „Schließlich will ich den Weißener so lange für den Melibocus halten, bis ich von anderen etwas Besseres und Beständigeres unterrichtet werde.“

Redaktionelle AnmerkungS. 62–75

Ein Detail für die Bergbaugeschichte: Rhenanus erwähnt beiläufig das Steinkohlenbergwerk am Meißner und dessen „großen Nutzen“ für Salzwerk, Hüttenwerk und Schmieden — geschrieben von dem Mann, der die Saline zwei Jahrzehnte zuvor auf eben diesen Brennstoff umgestellt hatte. Es ist der Braunkohlenbergbau am Meißner, in dem nach Waitz von Eschen (2005) ab 1578 erstmals auf dem europäischen Kontinent regelmäßig Kohle für einen Betrieb gefördert wurde — und er beschreibt ihn hier wie eine Nebensache.

Der Melibocus — ein Streit, den es ohne die Humanisten nicht gäbe. Ptolemäus nennt ein Μηλίβοκον, und die Gelehrten des 15. und 16. Jahrhunderts suchten es auf der Karte. Die heute übliche Deutung ist ausgerechnet die, die Rhenanus verwirft: der Harz. Er hat also, nach dem heutigen Stand, unrecht.

Bemerkenswert bleibt trotzdem, wie er argumentiert. Statt Namen zu vergleichen, prüft er die überlieferten Eigenschaften am Gelände: Der Melibocus soll bis zum breiten Gipfel fruchtbar sein — der Brocken ist es nicht, „wie es der Augenschein ausweist“, und er sagt dazu, wo genau die Vegetation aufhört. Dass er seine eigene frühere Meinung über einen Berg bei Roßdorf widerruft und den Irrtum stehen lässt, gehört in dieselbe Haltung.

Und der Berg, der heute Melibokus heißt — der im Odenwald —, trägt den Namen selbst erst durch einen Gelehrtenirrtum. Er hieß Malschen oder Malchen und erscheint 1012 als mons malscus; die Umbenennung nach Ptolemäus setzt sich erst nach dem Ende des 15. Jahrhunderts durch. Rhenanus stritt also in einer Debatte, in der auch die Gegenseite mit einem frisch erfundenen Namen arbeitete.

Zum Wald Semana ist wenig zu sagen, weil auch die heutige Forschung wenig weiß. Rhenanus geht mit seiner Unsicherheit offen um — „Da habe ich fürwahr keinen Schriftsteller zu Hilfe“ — und nennt seinen zweiten Grund für den Seulingswald selbst: dass dieser Wald „nun seit fünfundvierzig Jahren“ das Salzwerk versorgt. Er weiß, dass ihn das Interesse leitet, und schreibt es hin.

Die Kräuterliste vom Meißner ist unabhängig davon eine wertvolle Quelle. Sie nennt für das 16. Jahrhundert Pflanzen mit ihren damaligen Namen und bezeugt, dass auswärtige Sammler eigens anreisten — ein früher Beleg für den Meißner als botanisch bemerkenswerten Standort, lange bevor er unter Schutz gestellt wurde.

ZusammenfassungS. 71–75

Und der Wald? Beim Semana hat Rhenanus überhaupt keinen Gewährsmann: „Da habe ich fürwahr keinen Schriftsteller zu Hilfe noch Beistand“ — außer der Angabe, er liege nicht weit vom Melibocus.

Er entscheidet sich trotzdem, und zwar gegen den nächstliegenden Kandidaten. Der Kaufunger Wald wäre der nächste am Meißner, aber er tippt auf den Seulingswald und begründet es mit dem Namen: Die lateinischen Autoren hätten deutsche Namen oft nachgeahmt; die Anwohner hätten vielleicht „Semener“ geheißen, nach den Seen, die dort liegen — woraus „Seeliegentwald“ und schließlich Seulingswald geworden sei. Dass der Wald heute weiter entfernt liegt, ficht ihn nicht an: Es bestehe noch immer ein durchgehender Zug der Gehölze über Wildeck, Tannenberg und Sontra bis dorthin, wo „die Ausläufer (Radices) des Meißners und des Seulingswaldes zusammen[laufen]“.

Warum ihm das wichtig ist, sagt er selbst — und der zweite Grund ist der ehrlichere: Weil dieser Wald „nun seit fünfundvierzig Jahren bei dem Salzwerk Sooden neben dem Melibocus das Beste getan hat und noch tut“. Berg und Wald seien „gleichsam miteinander vermählt“, beide „innerlich wie äußerlich sehr reich“ — innen an Erz und Mineralien, außen an Feldfrüchten, Bäumen und Viehzucht. Es folgt ein Gebet, dass Gott „bei diesen zweien je länger, je mehr“ seinen Segen erhalten möge.

Angehängt ist ein Nachtrag, den man gelesen haben sollte, weil er zeigt, wie Rhenanus weiterdenkt, nachdem er schon geschrieben hat: Vielleicht komme der Name doch aus dem Griechischen — von xylon, Holz, oder xylia, großer Wald; Ptolemäus habe womöglich „Xymana“ geschrieben, und die Lateiner hätten lieber ein S als das ihnen ungewohnte X genommen. „So klingt es auch nicht unähnlich, wenn man ‚Xylingswald‘ sagte.“

ZusammenfassungS. 76–83

Um welchen Salzbrunnen ging die Schlacht? Das ist das Kernstück des Buches und der eigentliche Beweis, den Rhenanus führen soll. Tacitus berichtet von einem Krieg zwischen Chatten und Hermunduren um einen Grenzfluss mit Salzquellen. Die Gelehrten seiner Zeit denken an Halle an der Saale, manche an Frankenhausen. Rhenanus widerspricht — mit drei Argumenten, und alle drei sind bemerkenswert.

Erstens ein Plausibilitätsargument. Warum hätten die Chatten „unter höchster Gefahr“ durch Feindesland ziehen sollen, „wo sie doch innerhalb ihrer Grenzen selbst Salzbrunnen hatten, nämlich zu Sooden und Salzungen“? Dafür seien sie viel zu klug gewesen — Tacitus nenne sie ja cati, „kluge und umsichtige Leute“. Die Etymologie ist falsch, das Argument bleibt gut.

Zweitens ein Datierungsargument, und es ist historisch korrekt. Sooden habe schon zur Zeit Karls des Großen und des Bonifatius bestanden; Halle dagegen sei erst „zur Zeit der Ottonen, lange danach“ entstanden und „durch einen edlen Herrn von Hakeborn erbaut“ worden — deshalb heiße dort ein Brunnen und einer in Staßfurt Hakenborn, und das Geschlecht derer von Hakeborn sei „noch auf den heutigen Tag“ um Staßfurt vorhanden. Otto I. habe die Brunnen dem Stift Magdeburg geschenkt; Zeuge dafür sei Cyriacus Spangenberg in seiner Mansfeldischen Chronik.

Drittens: Frankenhausen sei erst unter Friedrich I. „aus den Sümpfen und Morasten mit großer Mühe“ erbaut worden — zuvor sei dort nichts als Morast gewesen, bis man „die Wipper auf Angeben eines Priesters durch einen langen Stollen“ herzuführte und die Pumpwerke errichtete.

Dann folgt der Teil, den nur ein Ortskundiger schreiben kann: Rhenanus geht die Landschaft um Sooden Himmelsrichtung für Himmelsrichtung ab und zeigt, dass man nicht herankam. Gegen Osten das Schloss Altenstein „in lauter hohen Klippen“ und eine starke Landwehr bis an den Hohen Hörgberg und die Goburg. Gegen Süden Goburg, Vesterburg, Fürstenstein und das „sehr uralten Schloss Bilstein“, darunter nur Felsen — einer davon heiße Dannsteig, weil er „beinahe für Menschen unbegehbar“ sei. Gegen Westen die verwüstete Westerburg auf einem promontorium gleich beim Salzwerk. Gegen Norden das Schloss Hanstein und Wege, „so eng und klippenreich“, dass der eine „die Söhle“ heiße, weil sich die Fuhrleute darin „besudeln und suhlen“, und der andere „die Hardt“, vom Harren; ebenso der Klebe, „vom Harren und Kleben, weil viele dort kleben bleiben“.

Nur eine Lücke findet er — und macht daraus seine Pointe: eine „Schliefe oder Schlucht, zur Wallis hinunter“, wo ein breiterer Wiesengrund liegt. Dort könnten sich die Hermunduren hereingeschlichen haben, und dort im Wallisfeld dürfte die Schlacht geschehen sein. Sein Beleg ist der Flurname und das, was die Leute erzählen: „Davon geht noch bis auf den heutigen Tag eine allgemeine Rede, und der Ort, an dem die Schlacht geschah, wird der Mordbach genannt.“

Redaktionelle AnmerkungS. 76–89

Hier liegt der Ursprung eines Lokalmythos. Die Zuordnung der tacitäischen „Salzschlacht“ zur Werra bei Sooden wird meist der hessischen Landesforschung des 20. Jahrhunderts zugeschrieben. Das greift zu kurz: Rhenanus argumentiert sie 1586 ausführlich aus, mit Quellenkritik und Geländebefund, und verwirft Halle und Frankenhausen ausdrücklich. Neu war ab 1938 nicht die These, sondern ihre wissenschaftliche Weihe. Wer die Salzbibel liest, findet die Herkunft einer Erzählung, die bis heute nachwirkt — hier, in diesem Kapitel.

Am Befund ändert das nichts: Tacitus, Annalen XIII,57 nennt für das Jahr 58 nach Christus weder den Fluss noch einen Ort. Die Stelle lässt sich auf mehrere Salzstellen beziehen; entscheidbar ist sie nicht, und archäologische Belege für antike Salzgewinnung fehlen hier. Rhenanus’ Argument, die Chatten hätten nicht in fremdes Gebiet ziehen müssen, ist plausibel, aber es ist ein Wahrscheinlichkeitsschluss — kein Beleg. Er sagt das selbst.

Bei den Ortsnamen hat er einmal recht und einmal unrecht. Sooden vom Sieden ist richtig und wird von der Namenforschung bestätigt. Allendorf aus Hallendorf ist dagegen ausgeschlossen — der Name geht auf „zu dem alten Dorfe“ zurück. Warum das so sicher ist und wie Rhenanus auf den Irrtum kam, steht auf der Seite Woher die Namen kommen.

Zur Einordnung der Tacitus-Stelle: Annalen XIII,57 berichtet für das Jahr 58 nach Christus von einem Streit zwischen Hermunduren und Chatten um einen Fluss, der Salz hervorbringt und religiöse Bedeutung hat (so Tacitus, hier nicht nach der Salzbibel zitiert); die Hermunduren siegten. Vorgeschlagen wurden dafür die thüringische und die fränkische Saale, die Werra und die Salzunger Quellen — und der Befund der Forschung lautet, dass kein Vorschlag ausreichend zum Bericht passt. Rhenanus’ Deutung auf Sooden ist damit nicht widerlegt, aber auch nicht belegbar; sie ist eine von mehreren.

Seine Datierungsargumente gegen Halle und Frankenhausen sind übrigens die stärkste Stelle des Buches, und sie halten im Kern stand: Halle wird erst unter den Ottonen greifbar, Frankenhausen ist eine hochmittelalterliche Anlage im ehemaligen Sumpfgebiet. Wer 1586 mit relativer Chronologie statt mit Namensähnlichkeit argumentiert, arbeitet methodisch sauber.

Die Befunde von 1490 und 1549 sind das Interessanteste an diesem Buch. Dass man beim Aufbrechen des Brunnens im Grund „Blöcke, Stubenwerk, Tücher und dergleichen“ fand, „wovon in keinen Büchern … irgendeine Nachricht vorhanden“ war, ist eine archäologische Beobachtung ohne Archäologie. 1550 wird dann eine unbekannte ältere Brunnenfassung von fünfzehn Schuh Weite gefunden, „von der kein Mensch gewusst hat“. Wer die Frühgeschichte des Salzwerks künftig untersuchen will, hat hier zwei datierte Fundmeldungen — und für die zweite sogar eine Maßangabe.

Zum Bonifatius-Bezug: Dass der Kirchturm auf ihn zurückgehe und dass er den Bauern den Zehnten für das Holzfahren erlassen habe, ist Ortsüberlieferung, kein Urkundenbefund. Belegbar ist etwas anderes und historisch Ergiebigeres: dass die Pfänner bis zur Reformation jährlich am Bonifatiustag zum Brunnen zogen. Diesen Brauch beschreibt Rhenanus im vierten Buch noch einmal — und dort auch, womit man ihn ersetzte.

ZusammenfassungS. 84–90

Die Zeugnisse am Ort. Zum Schluss seiner Beweisführung führt Rhenanus an, was man in Sooden noch sehen kann — und wird dabei zum Bauforscher.

Der Kirchturm: „das sehr altfränkische Gebäude“, so alt, dass die Witterung ihn nach Süden schon zerfressen habe; nach Westen und Norden aber stehe er „sehr fest aus lauter polierten Quadersteinen“, so gefügt, „dass man die Fugen kaum erkennen kann“. Erbaut habe ihn Bonifatius; das vordere Kirchenteil sei der Jungfrau geweiht gewesen, das hintere später, „als die Abgöttereien zunahmen“, dem heiligen Bonifatius.

Daran hängt der Brauch: Seit Bonifatius’ Zeiten seien die Pfänner mit Weib und Kindern jährlich am Bonifatiustag „mit allem Heiligtum, Kreuzen und Fahnen“ zum Salzbrunnen gezogen, hätten dort Messe lesen lassen und gemeinsam das Te Deum laudamus gesungen. Und man habe dafürgehalten, Bonifatius als Bischof zu Mainz habe den Bauern den Zehnten erlassen, „damit sie desto besser das Holzfahren zum Salzwerk besorgen könnten“ — eine Steuerbefreiung als Verkehrspolitik, in eine Heiligenlegende gekleidet.

Und dann das Bodenzeugnis, das er selbst erlebt hat. Als man 1490 und 1549 den Brunnen aufbrach, habe man „unter der Erde im Grund Blöcke, Stubenwerk, Tücher und dergleichen gefunden, wovon in keinen Büchern oder sonstigen anderen Aufzeichnungen irgendeine Nachricht vorhanden gewesen ist“. Ein Befund, den keine Quelle erklärt — und für Rhenanus der Beweis eines viel älteren Betriebs. Ein Jahr später, beim Bau von 1550, wird man genau so eine unbekannte ältere Fassung wiederfinden.

Die Ortsnamen gibt er sich rasch: Sooden komme vom Sieden, das „bedarf keines langen Nachdenkens“; und die Sooden habe es gegeben, ehe die Stadt gebaut wurde. Über Allendorf streitet er länger. Die Deutung „Alleindorf“, aus drei zusammengebauten Dörfern, verwirft er mit einem topographischen Argument: Rings um den Hain sei „nicht so viel ebener Boden vorhanden, dass vier oder fünf Hufen Landes davon abgemessen werden könnten“; gewohnt hätten dort allenfalls „arme Holzhauer und Kohlenmacher“, aus denen nie eine so ansehnliche Stadt hätte hervorgehen können. Er hält die Mauerreste für Reste heidnischer und später kirchlicher Wallfahrtsstätten — es lebten noch Leute, die sich an die Wallfahrten erinnerten. Sein Ergebnis: Hallendorf, vom Salz, „gleich wie Hall in Sachsen und Hall in Schwaben“.

Wer die ersten Pfänner waren, sagt er ebenfalls: „keine schlichten oder geringen Leute“, sondern die Herren der umliegenden Burgen — die von Boyneburg, Eschwege, Dörnberg, Bischoffshausen, die Diede, Netter, die von Hanstein, die Appen, Rulanden, Schwanflügel, Roden, Gautzler und Iringe, „sehr alte Geschlechter“, die das Salzwerk „vor Zeiten allein für sich innegehabt haben und es zum Teil noch haben“. Damit ist erklärt, warum die Pfännerschaft dem Landgrafen später so standhalten konnte.

Und dann der Satz, mit dem der Beweisteil endet und in dem der Beweis selbst zurückgenommen wird: „Dies sind nun also meine Mutmaßungen, Meinungen und Bedenken über den ersten Ursprung des Salzwerks Sooden.“ Was als Beweis angekündigt war, endet als Vermutung — und er sagt es selbst. Den Grund schiebt er nach: Aus „Fahrlässigkeit der Alten“ sei alles Weitere „in den Wind geschlagen und dem Vergessen anheimgestellt worden“. Genau dagegen ist das ganze Werk geschrieben.

Redaktionelle AnmerkungS. 90

Rhenanus widerlegt seine eigene Überschrift. Angekündigt war ein Beweis „mit stichhaltigen Argumenten aus wahren Geschichtsquellen“. Was hier steht, ist das Gegenteil: „Dies sind nun also meine Mutmaßungen, Meinungen und Bedenken.“ Er weiß, dass er nicht bewiesen hat, was er beweisen wollte — und schreibt es hin. Das ist die intellektuell ehrlichste Stelle des ganzen Werks und der Grund, warum man ihn trotz der falschen Ergebnisse ernst nehmen kann.

ZusammenfassungS. 91–109

Die ältesten Urkunden, 1300 bis 1383. Ab hier wechselt das Buch die Form vollständig. Rhenanus hört auf zu argumentieren und schreibt Urkunden ab, durchnummeriert, im Wortlaut.

Die erste ist zugleich die wichtigste, und sie beschreibt in fünf Zeilen die Grundordnung der nächsten zweihundert Jahre. Landgraf Heinrich, seine Gemahlin Mechthild und Sohn Johann bekennen 1300, sie hätten „mehr Pfannen zum Soden auf das Salzwerk gesetzt haben“ wollen, seien davon aber „in Übereinkunft mit den Gebauern von Soden“ abgekommen — gegen Zahlung: jährlich fünfundzwanzig Übene Salz, zu liefern vierzehn Tage vor Johannis, nach Kassel, auf eigene Kosten und unter landgräflichem Geleit. Gegeben am Walpurgistag 1300.

Man muss diesen Text neben den Streit von 1538 legen. Was Landgraf Philipp zweihundertdreißig Jahre später erzwingt, hat sein Vorfahr sich abkaufen lassen. Und der Kaufpreis läuft weiter: Die „zwei Pfannen Salz alter Pflicht“, die in allen späteren Verträgen auftauchen, sind der Rest dieser Abmachung.

Weil alles daran hängt, wird die Urkunde von 1300 in den folgenden Nummern immer wieder wörtlich eingerückt und bestätigt — von Adelheid, der Witwe Landgraf Johanns und Tochter Herzog Albrechts von Braunschweig (1311), von Landgraf Otto und Adelheid, von Otto allein. Die Wiederholung ist keine Schreiberfaulheit, sondern Rechtstechnik: Jede Bestätigung trägt den Originaltext in sich.

Die Urkunde von 1322 enthält den bemerkenswertesten Satz des ganzen Buches. Landgraf Heinrich verfügt, „dass die Pfannen zu Sooden ewig so bleiben sollen, wie wir sie jetzt vorgefunden haben, in der Länge, in der Weite und auch in der Höhe der Borde“ — und zwar „nach demselben Maß, das wir öffentlich sichtbar in die Wände der Gotteshäuser des Heiligen Kreuzes und Sankt Nikolaus in unserer Stadt Allendorf haben einzeichnen lassen“. Das Sollmaß der Salzpfanne wird als Strichmarke in zwei Kirchenwände geritzt. Wer sich streitet, geht hin und misst nach. Beigezogen waren Heinrich von Eisenach als Ritter, der Amtmann Berthold Eselkopf, Walter von Hundelshausen und Otto von Neter.

Dieselbe Urkunde bestätigt den Kern des Ganzen: die Gebauerschaft. Niemand darf an den Pfannen sieden oder sie besitzen, „es sei denn, er sei an dem Salzwerk erbberechtigt und habe Gebauerschaft zu Sooden“. Und die Pfänner dürfen ihre Verwaltung selbst „einsetzen, absetzen und bestellen“.

Dann treten fremde Herren auf, und das ist ein Zeichen für die Lage der Stadt an der Grenze: Friedrich, Balthasar und Wilhelm, Landgrafen in Thüringen und Markgrafen zu Meißen, sichern den Allendorfern nach geleisteter Erbhuldigung zu, sie bei allem Recht zu lassen, falls Stadt und Salzwerk je an sie fielen. Und Urkunde 7 stammt von Herzog Otto von Braunschweig. Wer an einer Landesgrenze Salz siedet, lässt sich von allen Nachbarn bestätigen.

Redaktionelle AnmerkungS. 91–144

Dieser Teil ist als Quelle unbestritten wertvoll. Die abgeschriebenen Privilegien sind teils nur hier überliefert und reichen von der Bergordnung Landgraf Heinrichs I. (1300) bis 1488. Für die Rechtsgeschichte der Pfännerschaft — und für die Frage, was „Gebauerschaft“ eigentlich bedeutete — ist das die dichteste Sammlung, die es gibt.

Eine Einschränkung, die man kennen sollte: Rhenanus schreibt die Urkunden nicht buchstabengetreu ab, sondern gleicht die Schreibung seiner Zeit an. Der Ortsname erscheint in seinen Abschriften durchgehend als Allenndorff — obwohl dieselben Urkunden in der kritischen Edition Aldendorph (1295), Aldendorf (1332) und Aldindorf an der Werre (1488) lauten. Er hatte den Gegenbeweis zu seiner eigenen Namensherleitung in der Hand und hat ihn beim Abschreiben wegmodernisiert.

Ein Punkt, den Rhenanus nicht ausspricht, den man aber sehen sollte: Seine älteste Urkunde ist von 1300. Für alles, was er davor behauptet — Tacitus, Bonifatius, Karl der Große —, gibt es kein Schriftstück, nur Landschaft, Bauwerke und Namen. Er sagt selbst, aus „Fahrlässigkeit der Alten“ sei alles Weitere „dem Vergessen anheimgestellt worden“. Die Salzbibel ist die Antwort auf diese Lücke: Was ihm fehlte, soll seinen Nachkommen nicht fehlen.

Die Urkunde von 1322 verdient eigene Aufmerksamkeit. Dass das Sollmaß der Salzpfanne in die Wände zweier Kirchen geritzt wurde, ist ein Eichnormal im öffentlichen Raum — dieselbe Idee wie die Elle am Rathaus oder das Brotgewicht am Kirchenportal. Ob sich in der Allendorfer Heilig-Kreuz-Kirche oder in St. Nikolaus davon noch Spuren finden lassen, wäre eine lohnende Frage vor Ort.

Zur Zählung der Siedehäuser, die leicht verwirrt: Die Pfänner hatten 42 und durften 1538 ein 43. bauen; die Bestätigung Landgraf Wilhelms fixiert diese 43 „zu ewigen Zeiten“. Daneben setzte Landgraf Philipp seine eigenen — im vierten Buch ist von „den 43 Bothen, die unserem gnädigen Fürsten und Herrn gehören“ die Rede. Am Ende standen also zwei Salzwerke von je dreiundvierzig Siedehäusern nebeneinander an einem Brunnen. Das ist der ganze Konflikt in einer Zahl.

ZusammenfassungS. 110–144

Die späten Bestätigungen, 1400 bis 1500. Die Reihe läuft weiter durch das 15. Jahrhundert — Ludwig und Heinrich, Heinrich, Wilhelm der Mittlere, Wilhelm — und sie wird dabei immer ausführlicher. Aus der knappen Zusage von 1300 wird ein detailliertes Sonderrecht.

Eine Urkunde von 1471 enthält keine Bestätigung, sondern eine Strafordnung, die die Pfänner „jährlich im Soden verkünden lassen“. Wer im Soden einen totschlägt, muss Stadt, Soden und Feldmark hundert Jahre und einen Tag räumen; wer einen verwundet, „gliedslang und nagelstief“, ein Jahr und einen Tag. Es ist dasselbe Maß, das siebzig Jahre später wörtlich in Landgraf Philipps Siederordnung von 1541 wiederkehrt — die Formel überlebt drei Herrschaftswechsel.

Die große Bestätigung Landgraf Wilhelms zum Regierungsantritt ist dann fast schon ein Grundgesetz der Pfännerschaft, und sie enthält vier Zusagen, die man kennen muss:

Die Zahl. Es sollen „dreiundvierzig Salzboden und ebenso viele Pfannen darin sein, nicht mehr und nicht weniger“, in genau den Maßen, wie sie „in beiden Kirchen … verzeichnet sein werden“ — „dabei soll es zu ewigen Zeiten bleiben“. Die Kirchenwand von 1322 gilt weiter.

Der Gebietsschutz. Weder der Landgraf noch seine Erben dürfen die Pfänner „mit anderen Salzboden innerhalb oder außerhalb ihres Sodens auf eine Meile Wegs“ überbauen — und kein fremdes Salz darf auf eine halbe Meile herangefahren werden. Ein Wettbewerbsverbot mit Bannmeile.

Das Vorkaufsrecht. Fallen dem Landgrafen doch einmal Pfannenanteile zu, geschenkt oder sonstwie, so darf er sie „nicht erblich behalten“, sondern muss sie den Pfännern binnen eines Monats zum Zeitwert zum Kauf anbieten. Der Landesherr wird vertraglich daran gehindert, sich einzukaufen.

Die Selbstverwaltung. Die Pfänner dürfen ihre Knechte strafen und verweisen, bestimmen, wer in den Siedehäusern wohnt, Schösser und Kirchenvormünder einsetzen und absetzen — und ausdrücklich „auch den Kaufpreis des Salzes erhöhen und senken“. Der Preis lag in der Hand der Erben, nicht des Fürsten.

Wer diese vier Punkte gelesen hat, versteht die Wut, mit der die Pfänner 1538 reagierten. Der ganze Streit des zweiten Buches ist der Versuch, genau diese Zusagen aufzubrechen — und der Grund, warum Landgraf Philipp die Privilegien sehen wollte, ehe er baute.

Am Ende steht, außer der Reihe, eine ältere Urkunde: Wilhelm der Mittlere über den Rückkauf von Salzpfannen gegen „in barem Gold“ bezahlte rheinische Gulden, ausgestellt 1409. Warum sie ganz zuletzt eingeordnet ist, sagt Rhenanus nicht.

Und noch etwas sagt er nicht, obwohl es sein Beweis wäre: Die älteste dieser Urkunden ist von 1300. Für die Zeit davor — für Tacitus, Bonifatius und Karl den Großen — gibt es kein Papier, nur Landschaft, Bauwerke und Namen. Er hat es zu Beginn des Urkundenteils selbst eingeräumt: Aus den Privilegien erscheine zwar, „dass es auch schon, ehe die Privilegien erlangt worden sind, ein Salzwerk gewesen ist“ — mehr aber nicht.

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