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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

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App. III · 3. Appendix · Band 2

Das Probierbuch für Sooden

Der dritte Appendix · 50 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 675–676

Das Messbuch des eigenen Brunnens. Der dritte Anhang wendet das Verfahren des zweiten auf Sooden selbst an — und wird dadurch zum wissenschaftlich wertvollsten Stück der ganzen Salzbibel: „Besonderes Probierbuch für das Salzwerk Sooden“, begonnen vom zweiten Salzgrafen Christoph Homberg und von Rhenanus fortgeführt.

Zuerst die Umrechnungen, damit alles Spätere vergleichbar ist: „Ein Fuder Allendorfer Maß hat 6 Ohm oder 720 Quart.“ Und die Sollgröße: „Eine Pfanne gutes trockenes Salz soll wiegen 1240 Pfund, oder ein Achtel 155 Pfund.“

Alles Weitere lässt sich damit vergleichen — und genau darum geht es hier.

Aufnahme der Handschriftenseite Bd. 2, S. 675 (Bl. 336r)
Der dritte Appendix: das Probierbuch für das Salzwerk Sooden Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 675 · Digitalisat · gemeinfrei

Redaktionelle AnmerkungS. 675–681

Christoph Homberg — in den Quellen auch Hombergk — ist derselbe Mann, an den Wilhelm IV. den Brief über das Trinken der beiden Salzbeamten schrieb und an den 1567 der Auftrag zur Salzbibel erging. Dass er 1549 anfing, die Sole zu wiegen, ist der Anfangspunkt der ganzen empirischen Linie dieses Werks. Er starb bald nach dem Auftrag: Im Februar 1567 richtet der Landgraf noch ein Schreiben an ihn, in der Rechnungsprüfung von 1568 ist bereits von seiner Witwe die Rede.

Ein Handwerkersatz wird widerlegt. Die Bodemeister sagten, je trockener die Zeit, desto besser die Sole; Homberg fand über Jahre das Gegenteil. Wichtig ist, wie er es formuliert: Er nennt das Jahr, in dem er zu messen anfing, und was er außer der Probe noch beobachtete. Damit ist die Aussage überprüfbar — und genau das unterscheidet sie von der Regel, die sie ersetzt.

ZusammenfassungS. 677–681

Ein Befund gegen die Erfahrung der Meister. Gleich am Anfang steht ein kurzer Text, der in die Geschichte der empirischen Naturforschung gehört: „Des seligen Christoff Homberg Bedenken wegen der Sole.“

Die Bodemeister in Sooden sagten, „je trockener die Zeit sei, desto besser sei die Sole“. Homberg hat es geglaubt — bis er anfing zu messen. „Nachdem ich Anno 49 angefangen habe und gelernt habe, die Sole mit der kleinen Probe zu prüfen“, und nachdem er über Jahre auf das Quellverhalten des Brunnens und „andere Wahrzeichen mehr“ geachtet habe, habe er „mit der Zeit gerade das Gegenteil gefunden“.

Sein Ergebnis in einem Satz: „Je nasser das Jahr, desto besser und mehr Sole ist da, besonders im Frühling; dagegen: je trockener die Jahre sind, desto geringer und weniger wird die Sole, besonders im Herbst und um Martini.“

Damit man das Gemessene auch gebrauchen kann, steht daneben Hombergs Probiertäfelchen: Aus dem Gehalt eines Quarts lässt sich unmittelbar ablesen, wie viel Salz auf eine Pfanne kommt.

Ein Handwerkersatz, jahrhundertelang weitergegeben, wird durch eine Messreihe widerlegt — und der Mann, der ihn widerlegt, sagt ausdrücklich dazu, wann er zu messen angefangen hat und worauf er sonst noch geachtet hat. Genau das ist die Methode.

ZusammenfassungS. 682–699

Die Reihe, 1549 bis 1570. Nun beginnt die eigentliche Aufzeichnung, Jahr für Jahr, und sie hat immer denselben Aufbau: die Zahl der gesottenen Pfannen, die Solemessungen mit Datum, und dazu eine Notiz über das Wetter.

1550: 5.638 Pfannen. 1551: 5.785. 1552: 6.254. 1553: 6.460. 1559: 7.020. 1561: 8.066. 1570: 8.001. Man kann die Wirkung des Brunnenbaus in dieser Spalte ablesen.

Die Messwerte stehen daneben, oft mehrfach im Jahr und ab 1566 getrennt nach Brunnen, Nebenader und wildem Wasser — also mit einer Kontrollmessung. Ein typischer Eintrag: „7 Lot 1 Quentchen der Brunnen, 7 Lot 2 Quentchen die Ader, den 30. Mai; … 5 Lot 3 Quentchen der Brunnen, 6 Lot die Ader, den 28. September. … Der Quellborn ist nach Martini ganz vertrocknet.“

Zwei Anmerkungen zeigen, dass Homberg auch die Fehlerquellen im Blick hatte. Zu 1550 notiert er, dies sei die Zeit, „von der die Bodemeister rühmen, die Sole sei damals am besten gewesen“ — aber damals sei noch nicht angeordnet gewesen, „dass das Salz durch Roste gemessen werden musste“. Und zu 1552: Genau in dem Jahr, in dem die Rostmessung eingeführt wurde, hätten „die Bodemeister wieder angefangen, sich über die Brunnenbauten zu beklagen“. Er trennt also die Veränderung der Sache von der Veränderung des Messverfahrens — und deutet an, woher die Klagen in Wahrheit kamen.

1565 steht dann eine „Meinung und treue Warnung“: Weil der Brunnen ständig „zu Sumpf“ gehalten, also zu tief ausgezogen werde, sei zu besorgen, dass ihm das mit der Zeit schade. Sein Beweis ist die Nebenader, die immer gleich abfließt: Früher habe sie ein halbes Quentchen weniger gehalten als der Brunnen, jetzt ein Quentchen mehr. Eine unveränderte Referenzgröße, an der man eine Veränderung ablesen kann — sauberer kann man 1565 nicht argumentieren.

Redaktionelle AnmerkungS. 682–724

Ein Bruch in der Reihe, den man kennen muss. Homberg selbst weist darauf hin: 1552 wurde angeordnet, das Salz durch Roste zu messen. Die Zahl der „Pfannen“ vor und nach 1552 ist deshalb nicht ohne weiteres vergleichbar, und die Klagen der Bodemeister setzen genau in diesem Jahr wieder ein. Wer die Produktionskurve auswertet, muss den Wechsel des Messverfahrens berücksichtigen — Homberg tut es, seine späteren Leser nicht immer.

Zwei Salzwerke, zwei entgegengesetzte Befunde. Was Homberg für Sooden fand — nasse Jahre bringen bessere Sole —, ist in Frankenhausen genau umgekehrt (siehe den vierten Anhang). Beides kann zutreffen: Es hängt davon ab, wie eine Quelle gespeist wird und wo das Süßwasser hinzutritt. Rhenanus schreibt beide Ergebnisse auf, ohne sie einzuebnen. Diese Zurückhaltung ist die eigentliche wissenschaftliche Leistung des Anhangs.

Für die Klimageschichte. Die Jahrzehnte um 1560 bis 1600 gelten als eine der kältesten Phasen der Kleinen Eiszeit. Eine datierte Witterungsreihe für 1549 bis 1585 aus Nordhessen ist deshalb auch unabhängig vom Salz eine Quelle. Eine Einschränkung gehört dazu: Es sind Zweckbeobachtungen. Notiert wurde, was für die Sole erheblich schien — Hochwasser, Schneemangel, Trockenheit —, nicht das Wetter überhaupt.

ZusammenfassungS. 700–724

Die Reihe, 1571 bis 1585. Nach Hombergs Tod führt Rhenanus die Aufzeichnung fort, und der Charakter ändert sich leicht: Die Wetterbeobachtung wird ausführlicher, und immer öfter wird neben dem heimischen Quart auch ein Wormser Maß mitgemessen — zwei Maßsysteme nebeneinander, damit die Werte auch auswärts lesbar bleiben.

Und die Reihe wird zur Prüfung von Hombergs These. 1581 steht am Anfang die Notiz, dass die Werra am 28. Dezember Hochwasser hatte; 1585 dagegen: „In diesem Winter hat es sehr wenig geschneit, auch ist keine Eisfahrt oder Wasserflut gewesen; deshalb ist die Sole das ganze Jahr über sowohl am Gehalt als auch an der Menge sehr gering gewesen.“

Der schönste Eintrag ist der, in dem die Erwartung nicht eintrifft. Im Juni 1585 steigt die Werra nach starkem Regen so sehr, „dass man auf dem Brunnen ausspannen und mit dem Fahren bis zum 26. stillhalten musste“. Man rechnete mit einer Verbesserung wie sonst im Frühjahr — „aber sie hat sich über ein halbes Lot nicht gebessert und ist auch an der Menge bald wieder abfällig geworden“.

Damit steht am Ende dieses Anhangs eine durchgehende Messreihe über sechsunddreißig Jahre: Produktionsmenge, Salzgehalt mit Datum, Kontrollmessung an einer zweiten Ader, Witterung — und die ehrliche Notiz, wenn die eigene Hypothese nicht bestätigt wird. Für die Klimageschichte des 16. Jahrhunderts wie für die Geschichte des Messens ist das der wertvollste Teil der Salzbibel.

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