Salzbibel · Lesetext · 2. Buch
Das zweite Buch · S. 223
Die Rechtsgutachten · S. 223 · Bl. 109r · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Rechtsgutachten
S. 210–361 · Bl. 102v–178v · Bd. 1 · Zeitleiste: 2. Buch
S. 223
Bl. 109rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeitePraeterea dicta societas est in possessione Vel quasi tanti temporis cuius initij memoria non sit in contrarium, quod nullus possit habere salinas, siue ius coquendi Sal, nisi sit in huiusmodi societate et originarius Salinator et ortum ac originem hunc ex huiusmodi Collegio.
Außerdem ist die besagte Gesellschaft seit so langer Zeit, dass keine gegenteilige Erinnerung an ihren Anfang besteht, im Besitz oder Quasi-Besitz (in possessione vel quasi) dessen, dass niemand Salinen oder das Recht, Salz zu sieden, haben kann, es sei denn, er ist in dieser Gesellschaft und gebürtiger Salzsieder und hat seine Abkunft und seinen Ursprung aus diesem Kollegium.
Quoniam autem huiusmodi longissima possessio usus et obseruantia habet uim concessionis et priuilegij l. hoc iure §. ductus aquae ff. đ aqua quoti: et æstiua ut etiam supra [übergeschrieben: in prima] quaestione diximus.
Da aber ein solcher längster Besitz, Gebrauch und solche Observanz die Kraft einer Bewilligung und eines Privilegs hat, l. hoc iure §. ductus aquae ff. đ aqua quoti: et æstiua, wie wir auch oben [übergeschrieben: in der ersten] Frage gesagt haben.
Et cum tali consuetudine concurrit priuilegium concessum et confirmatum per dominos Landgrauios terrae Hassiae.
Und mit solcher Gewohnheit trifft das von den Herren Landgrafen des Landes Hessen gewährte und bestätigte Privileg zusammen.
Et ius dictae societatis siue Collegij Salinarum potentius et efficatius redditur ex concursu priuilegij cum dicta consuetudine per ea quae tradunt Bal.
Und das Recht der besagten Gesellschaft oder des Kollegiums der Salinen wird durch das Zusammentreffen des Privilegs mit der besagten Gewohnheit mächtiger und wirksamer gemacht, nach dem, was Bal.,
Cardi. et Jure2[?] in c. cum apostolica, extra de his quae fiunt à praela. cum simil. ut Feli. scribit in c. causam quae, de rescrip.
Cardi. und Jure[?] überliefern in c. cum apostolica, extra de his quae fiunt à praela., mit ähnlichen, wie Feli. schreibt in c. causam quae, de rescrip.
Ergo ex praedictis infertur conclusio quod ad dictam Societatem siue collegium Salinarum non admittantur, nisi illi quos tamen diuturna obseruantia admittere consueuit.
Also wird aus dem Vorgesagten die Schlussfolgerung gezogen, dass zu der besagten Gesellschaft oder dem Kollegium der Salinen nur diejenigen zugelassen werden, die eine so lange Observanz zuzulassen gewohnt war.
Sed dixerit quispiam quod nam remedium dabitur huic collegio Salinarum contra dominum Landgrauium satagentem erigere dimiculas Vulgo [gestrichen:
Aber jemand könnte sagen: Welches Rechtsmittel wird denn diesem Kollegium der Salinen gegen den Herrn Landgrafen gegeben werden, der sich bemüht, Häuschen zu errichten, gemeinhin [gestrichen:
Bodte3], & caldaria ad conficiendum Sal in ijsdem iuxta memoratum fontem Salinarum etc.4
Boden (Siedehütten)], und in ihnen Kessel zum Herstellen von Salz neben der erwähnten Solequelle etc.?
Et certum est interdictum competere uti possidetis. ut no Bart. in l.
Und es ist gewiss, dass das Interdikt uti possidetis zusteht, wie Bart. anmerkt in l.
Vbi per illum tex. dicit tale interdictum competere quando quis turbatur in iurib. suis et datur praefatum interdictum possidenti contra molestantem qui non possidet, ut no in l. 1. §. huius interdicti ff. uti posside. in l. 1.Läuft auf der nächsten Seite weiter
Wo er aufgrund jenes Textes sagt, dass ein solches Interdikt zusteht, wenn jemand in seinen Rechten gestört wird, und das vorgenannte Interdikt dem Besitzer gegen den Störer, der nicht besitzt, gegeben wird, wie angemerkt in l. 1. §. huius interdicti ff. uti posside., in l. 1.
Unsichere Lesungen
- et æsti= — Schreibung undeutlich, sieht wie cesti aus; nach dem Zeilenfall æsti=/ua = aestiua (de aqua quotidiana et aestiua)); in prima (kleiner nachgetragen in freigelassener Lücke (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- Jure — Autorenname der Allegation unsicher, evtl. Jmo. (Imola)
- Bodte — durchgestrichenes deutsches Wort, Lesung unsicher (evtl. Bodte/Boden)
- etc. — Schlusskürzel mit Schnörkel, Auflösung etc. unsicher
- Jniuriarium — wohl für Iniuriarum